wie würden sie entscheiden?*

„wissense, eigentlich hat die kleine ja nichts. aber ich hatte heute morgen einen termin beim arbeitsamt, da sollte ich wirklich nur meinen lebenslauf abgeben, aber da konnte ich nicht, weil meine mutter als babysitter selbst frühschicht hatte. da hat die vom arbeitsamt gesagt, ich brauche eine bescheinigung vom kinderarzt, dass ich nicht kommen konnte.“
„aber die kleine ist eigentlich gesund?“
„naja, die zahnt, aber deswegen gehe ich doch nicht zum arzt.“
„also nochmal richtig verstanden: sie hatten heute einen termin beim arbeitsamt. sonst passt immer die oma dann auf die kleine auf, die hat aber heute frühschicht, deswegen konnten sie da nicht hin. und damit sie keine probleme kriegen, sollen sie eine bescheinigung vom arzt bringen.“
„ja. das hat die frau vom amt gesagt.“

und? „wie würden sie entscheiden?“ *

* ehemalige fernsehsendung aus den siebzigern bis tief in die neunziger.

56 Antworten auf „wie würden sie entscheiden?*“

  1. Das frag ich mich auch, Claudia! Wenn sie sie zum Kinderdoc schleppen kann, dann doch auch zum Arbeitsamt, oder?! Aber das war wahrscheinlich einfach viel zu früh, da schläft man doch noch 😉
    Also, ich wär da hart und würde keine Bescheinigung rausrücken. Das Verhalten find ich echt frech!

  2. Ziemlich unverschämt, das finde ich auch. Man hätte außerdem vielleicht auch mal an die gute alte Post denken können, die faulen Müttern den Weg zum Arbeitsamt abnehmen.

    Aber man ist als Arzt wohl in der Zwickmühle. Verweigert man solchen Typen die Bescheinigung, bleibt er weg und der Kollege macht es und hat einen neuen Patienten. Das klappt wohl nur, wenn sich alle Kollegen einig wären.

    1. Man kann dem Arbeitsamt keine Post schicken, weil die einem keine persönlichen Ansprechpartner nennen (zumindest bei uns so). Nein, dort muss man grundsätzlich IMMER persönlich erscheinen.
      Man kann auch nicht direkt anrufen und Bescheid sagen, dass man – aus welchen Gründen auch immer – einen Termin nicht wahrnehmen kann, sondern telefoniert immer über die deutschlandweite Zentrale.

      Kind mitnehmen – wäre ne Möglichkeit gewesen, aber bei dem Wetter derzeit sicher nicht optimal.
      @Kinderdok: könntest du nicht bestätigen, dass das Kind noch zu klein ist um allein zu bleiben oder wegen dem Zahnen betreut werden musste? Das wäre dann ja eigentlich keine Lüge.

      1. Klar kann man Post an die Arbeitsagentur schicken. Du hast eine Kundennummer, die ist dem oder den Ansprechpartner (n) zugeordnet. Deine Post wird an denjenigen weitergegeben. Und ja, das ist auch bei euch so, ist zentral festgelegt. Und das Callcenter muss die Info über den Anruf auch im Datensatz des Kunden vermerken.

        1. Ah ja, und man telefoniert übrigens nicht über irgendeine deutschlandweite Zentrale, sondern es gibt mehrere regionale Callcenter. Sorry, aber diese Fehlinfos gehen mir immer etwas auf den Geist… 🙂

  3. Dagegen!

    Ich würde keine Bescheinigung ohne Grund ausstellen sondern darauf hinweisen, dass der Sachbearbeiter beim Arbeitsamt es sicherlich verkraftet, wenn man ein Kind für einen kurzen Termin mitbringt.

    1. und dann mit Knd trotz Termin 2 – 3 Stunden auf dem Flur stehen weil die Damen und Herren Sachbearbeiter wegen _ _ _ _ _ _ _( setze hier bitte beliebigen nichtssagen Grund ein wie Kaffee holen, Sitzung haben, Hitzefrei ein)

      Dem Sachbearbeiter wäre das durchaus zuzumuten, ob ich das meinem Kind zumuten würde bezweifle ich stark.

  4. entweder war das mit dem amt ne ausrede, dann natürlich absolut keine bescheinigung ausstellen, oder aber das amt hat keine ahnung, oder mal wieder ne fixe idee gehabt (nebenbei auch total unglaublich dem Vater so etwas zu sagen)…
    würde ihm trotzdem keine ausstellen… allerdings bleibt dann noch die frage, welche konsequenzen das versäumen des termins hat. sofort weniger geld? nur ne abmahnung?
    das würde in meine entscheidung mit hineinspielen!

  5. ich würde natürlich eine Bescheinigung ausstellen.

    Einfach so.

    Und weil ich finde, dass „kein Babysitter“ haben ein super Grund ist- der leider eim Arbeitsamt nicht gilt-

    Und allen die der Meinung sind, dass man das Kind hätte locker mitnehmen können schlage ich einen Ausflug zum Arbeitsamt Kreuzberg vor. Da steht man durchschnittlich 3-4 Std in der Schlange um erstmal zum Empfangspult zu kommen. Von dort wird man an einen Mitarbeiter zugewiesen, wo man nochmal locker 30min warten muss.
    Mit der Post schicken kann man solche Unterlagen oft nicht, weil es einfach dazugehört die Menschen ab und zu zu einem kurzfrisstig gelegten Termin ins Amt zu zitieren-
    mein Mann hat seine Diplomarbeit zu dem Thema geschrieben und arbeitet mit arbeitslosen Menschen. Und ich habe auch einige Zeit Brbeitslosengeld II bekommen und weiß also wovon ich spreche.

    Die Mutter hätte sie ja auch locker anlügen können. Hätte sagen können, dass das Kind heute morgen Fieber gehabt hat usw.
    Hat sie aber nicht gemacht.

  6. also, wenn sie den weg zum kinderarzt schafft mit dem kleinen kind, warum dann nicht den weg zu arbeitsamt? wenn es nur darum geht etwas abzugeben ist man beim arbeitsamt doch deutlich schneller wieder fertig als beim arzt, ausserdem besteht da immer die gefahr sich mit irgendetwas anzustecken- denn schließlich gehen da die KRANKEN kinder hin… ist es das wert sich dem immerhin vorhandenen risiko auszusetzen? grade mit einem zahnenden kind, das also eh anfälliger ist für infektionen?!?

    ich kann es garnicht fassen und bin DAGEGEN!

  7. p.s.: wie HABEN Sie entschieden??

    und @ola: leider habe ich die erfahrung gemacht dass die wartezimmer in kinderarztpraxen grade deswegen so voll sind und man auch locker 2 stunden warten kann weil eltern wegen nichtigkeiten dahin kommen… also ob man hier oder da 2 stunden wartet ist dann gehuppst wie gesprungen…

  8. „ich würde natürlich eine Bescheinigung ausstellen.

    Einfach so.

    Und weil ich finde, dass „kein Babysitter“ haben ein super Grund ist- der leider eim Arbeitsamt nicht gilt-“

    Also sorry! Da wunderts mich nicht daß die Kassen leer sind! Wenn keiner arbeiten will bzw. mal Abstriche bei der eigenen Bequemlichkeit machen will! Ich glaub ich häng!

  9. Nachfragen, warum das Kind nicht zum Arbeitsamt mitgenommen werden konnte (denn ich würde auch sagen, das müsste eigentlich gehen). Und warum der Termin nicht frühzeitig geändert wurde, wenn doch der Stammbabysitter Frühschicht hat, vermutlich nicht überraschend.
    Ausgehend von diesen Antworten und der privaten Laune Bescheinigung ausstellen oder nicht (ich eher nicht), aber Standpauke für nächstes Mal und Eigenverantwortung halten.

    Und dann vor allem: Dame vom Arbeitsamt anrufen, denn hallo, die fordert die Leute zu sowas wirklich auf? Was für ein Verständnis hat die denn, statt einen Termin neu anzusetzen?

    (Ok, und weil man vermutlich als Kinderdoc zu nichts davon viel Zeit und Lust hat, einfach ignorieren…)

  10. Und dann vor allem: Dame vom Arbeitsamt anrufen, denn hallo, die fordert die Leute zu sowas wirklich auf? Was für ein Verständnis hat die denn, statt einen Termin neu anzusetzen?

    Naja, wahrscheinlich hat die Mutter/der Vater der Dame auf dem Amt gesagt, der Termin konnte nicht wahrgenommen werden, weil das Kind krank ist. Vermute ich jetzt mal.

    Ich würde je nach Laune entscheiden, aber dringlich reden *ggg*

    Und Sozialschmarotzertum kann ich auch nicht leiden, aber ich kann auch Ausnahmen zu lassen und die Dame lebt eh schon vom Staat.
    Schlimmer sind doch die, die Einzahlen und vergessen, dass es eine Solidargemeinschaft ist, und darauf erpicht sind, ihre Beiträge wieder zu reinzuholen.

    LG
    Stoni

  11. Auch von mir Nein.
    Ich würde keine Bescheinigung austellen. Ich hätte mein Kind entweder mitgenommen und der Sachbearbeiter (bei Nachfrage) erklärt, dass du später noch andere Termine hast und das Kind deshalb mitgenommen hast. Oder alternativ hätte ich versucht eine Nachbarin, Freundin … zu finden, die kurzfristig einspringen kann. Ist natürlich nicht immer möglich.

    Diese kurzfristigen Termine sind leider genau der Test um zu schauen, ob die angegebenen Betreuungszeiten auch realistisch sind. Denn wenn sie sich arbeitssuchend gemeldet hat, dann müsste sie ja jeden Tag zu dieser Zeit gehen. Ich hatte das auch häufiger und habe immer versucht die Kinder unter zu bringen und betont, dass es gar kein Problem war. Auch wenn es natürlich eins war, wenn man 1-2 Tage vorher einen Termin bekommt, der total ungünstig liegt.

    Ich kann gut verstehen, dass es bei dieser Hitze mit Kleinkind nicht toll ist für 2 Stunden im Amt zu warten. Aber wenn es nicht anders geht, muss man da durch. Mit genug Wasser und Bilderbüchern kann man so einen Vormittag auch rumkriegen.

    Das Problem mit dem Absagen und telefonieren über Zentrale kenne ich aus eigener Erfahrung. Das ist nervig und macht es natürlich nicht einfacher, aber auch hier würde ich Prioritäten setzten. Und der Termin ist wichtig, also muss er eingehalten werden. Und an jeder Einladung hängt doch immer ein Zettel mit dem man rechtzeitig absagen kann, wenn es wirklich mal nicht geht.

  12. also, jetzt wissen wir, wer für die Kostenexplosion im Gesundheitswesen verantwortlich ist
    .. die Arbeitsagentur 🙂

  13. ich kann mich an ziemlich viele amtstermine erinnern zu der meine mutter mich mitgeschleppt hat, auch aufs arbeitsamt. oder an warterei mit meinem kleinen bruder zusammen, weil grad schulferien waren – dann saßen wir halt mit 7 und 2 (oder so..) auf dem gang.
    Wo ist das problem? jaaa, auch im sommer musste mein bruder halt mit zB aufs Bauamt und da den Vormittag verbringen. Hat er überlebt, ganz ehrlich!

  14. Ich würde auf Grund meiner bisherigen Kenntnis der Familie und deren Gesamtsituation und meinem Eindruck von der Mutter entscheiden.

    Es gibt wirklich viele Leute, sich in einer schwierigen Lebenslage befinden, arbeiten wollen und dies auch tun, sobald sie einen Job gefundne haben, deren Situation die Arbeitsagentur durch paradoxe Forderungen, Druck, Drohungen und Sanktionen noch verschlimmbessert.
    Aber es gibt auch Leute, die sich mit der Situation der Arbeitslosigkeit gut arrangiert haben, oder gerade garnicht oder in ihrem Job nichtmehr arbeiten wollen und dann mit vielen Tricks arbeitslos bleiben.

    Die Agentur ist in den letzten Jahren dazu übergegangen, bereits bei absolutem Wohlverhalten des Arbeitslosen ganz neutrale Schreiben in einem unfreundlichen forderndem Ton zu verfassen, die obligatorische Belehrung zum Thema fehlenden Mitwirkung liest sich wie eine Drohung.
    Es gibt keine festen Ansprechpartner, nur eine kostenpflichtige „Hotline“, bei der man unter Umständen schonmal 15 Minuten in der Warteschleife hängt.

    Kind zum AA mitnehmen klingt einfach, doch in manchen ländlichen Gegenden machen der ausgedünnte ÖPNV und die üblichen Wartezeiten den Trip zum AA zur Tagestour, und vielleicht konnte sich die Frau nichtmal vorstellen, diese mit einem Kleinkind zu absolvieren. Und ehrlich gesagt, nur weil die AA pfeift, muss man seinem Kind auch nicht alles zumuten.
    Hier kann nur der Kinderdok wissen, welcher Weg mit wieviel Fahrt und Aufwand ist.

    Es könnte doch sein, dass die Frau in 3 Monaten wieder arbeiten will und sich gerade arbeitssuchend gemeldet hat, nun noch einen Lebenslauf nachreichen musste, das Kind in 6 Wochen in die KiTa eingewöhnt wird und die Mutter dann pünktlich zum angestrebten Termin dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht.
    Dann könnte man der Agentur eigentlich kommunizieren, dass der gesetzte Termin sowohl mit der Frühschicht der Oma als auch mit dem Tagesrythmus des Kindes kollidiert.
    Vielleicht ist sie aber auf Grund eigener oder anderer Leute schlechter Erfahrungen bereits eingeschüchtert und erzählt lieber was von „Kind krank“, als um einen neuen Termin zu bitten.

    Ebenso denkbar ist, dass es ohne Arbeit keine Betreuungsplätze gibt, die Frau jedoch wieder arbeiten will oder muss oder beides. Dann muss sie dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen und dies auch glaubhaft machen, indem sie pünktlich zum kurzfristig angesetzten Termin in der Arbeitagentur erscheint. Terminverlegung oder Nichterscheinen auf Grund fehlender Kinderbetreuung wegen Frühschicht der Oma wird schnell als mangelnde Mitwirkung oder gar Unwillen zur Arbeit gedeutet und deswegen nicht akzeptiert.
    Hier ist die Mutter eh zu bedauern, denn sobald sie tatsächlich einen Job hat, muss sie Tagesmutter oder KiTa-Platz organisieren.

    Und natürlich, vielleicht ist die Frau einfach nur eine von denen, die aus finanziellen Gründen arbeitslos gemeldet sind aber nicht wirklich arbeiten wollen.
    Sich dann bei Bullenhitze morgens mit Kind auf den Weg zur Arbeitsagentur zu machen ist dann zu mühsam, da muss der Kinderdok ran.

    Ich denke, dass man bei einer Patientin, die man kennt, vielleicht einschätzen kann, in welcher Situation sie sich befindet bzw. ob sie sich wirklich in einer Fast-Notlage befindet oder einfach nur bequem und dreist ist.

    1. Danke, Jo! Ich finde auch man sollte nicht immer das gleich annehmen dass die Mutter faul oder sonstwas ist, nur weil sie Kind nicht zumuten will den halben Tag bei AA zu verbringen. Ich würde die Bescheinigung ausstellen, einfach schon weil es ein Unding ist, dass ein Lebenslauf nicht der Post hingeschickt werden kann.

    2. *unterschreib*

      Würde ich (kein FS) von hier zum nächsten Arbeitsamt fahren wollen, wäre das mit den Öffis ein Trip von – je nach bestellter Uhrzeit – anderthalb Std PRO Tour in einem völlig überhitzten Bus, dann dort in einem völlig überhitzten Amt mit einem total knatschigen und evtl schreienden Kind stehen, vielleicht zwei Stunden, danach denselben Weg mit dem Bus wieder zurück – hier unter Umständen noch an der Haltestelle wieder eine halbe oder ganze Stunde auf den nächsten warten…

      Es ist nicht immer alles so einfach, wie es scheint -.-

  15. Einen Vormittag am Bauamt verbringen … was ist das denn für ein Scheiss? Die Ämter sollen doch eine Dienstleistung für den Bürger erbringen und nicht dazu da sein, ihn zu schikanieren. Ausser dem Arbeitsamt natürlich, das scheint mir extra schikanös ausgelegt zu sein.

  16. Na ich kann die Eltern gut verstehen, man ist immer in der Zwickmühle, dem Amt oder Arbeitgeber gerecht werden oder den Bedürfnissen des Kindes.
    Und wenn das Kind zahnt, geht es ihm definitiv nicht gut, Schmerzen, Fieber etc.
    Da ist es rein menschlich gesehen nur human, dem abzuhelfen.
    Und einen Arbeitsamttermin abzusagen ist auch fast unmöglich, nur Krankenschein wird anerkannt, so läuft das dort.
    Da ist ein Arzt, der sich da ´rein denken kann, Gold wert.
    sg

  17. Wenn das Kind erwähnenswert zahnt, dann…
    – ist es vermutlich deutlich unter einem Jahr alt.
    – ist es vermutlich entsprechend „knatschig“, wie man bei uns sagt.
    – verbreitet es seine Befindlichkeit auch schnell in die Runde.

    Und das bei der Hitze dieser Tage… na, da wär ja was losgewesen in dem „Arbeitsamt“, das so gar nicht mehr heißt.
    Wir mußten heute zum Konsulat. Termin seit drei Monaten. Mit dem Neugeborenen, weil wer ein Personaldokument will, bitte persönlich zu erscheinen hat. Und 40 Minuten Wartezeit bei annähernd 40° im Schatten und nicht klimatisiertem Warteraum haben weder Kind noch Eltern die Laune gehoben… dementsprechend begeistert waren die anderen Leute, die da auch warteten. So ne Kindersirene tut weh in den Ohren. Und irgendwie hab ich das Gefühl, da hat jemand länger gewartet als wir, der schon vor uns da war.

  18. Ich würde ihr die Bescheinigung verweigern. Das Kind ist gesund und kann – selbst wenn es sich um einen Gesprächstermin handeln sollte – mit der Mutter mitkommen. Ist zwar nicht besonders spannend für das Kind, aber wenn man ein Buch oder anderes mitnimmt, kein Problem. Vor allem weil solche Termine nicht lange dauern.

  19. War es denn das erste Mal?
    Auch wenn das schon etwas „lässig“ klingt: „Nein, mein Kind hat nichts, kann ich trotzdem einen Schein von ihnen haben“, denke ich, dass man beim ersten Mal noch ‚im Zweifel für den Angeklagten‘ entscheiden kann und ihr den Schein geben … jedenfalls würde ich das machen, nachdem ich ihr deutlich erklärt hätte, das das eine einmalige Sache ist, und dass es das nächstemal nichts gibt, es sei denn, das Kind ist wirklich krank. Es ist ihre Aufgabe für einen Babysitter zu schauen – die Frühschicht der Mutter war kaum eine ‚plötzlich auftretende‘ Sache und wenn sie keinen Babysitter findet … kann sie das Kind auch wirklich mitnehmen. Zahnende Kinder mögen quengelig sein (bei manchen merkt man allerdings fast nichts) aber so kleine Kinder schlafen auch noch viel und man kann sie im Kinderwagen mitnehmen – v.a. wenn es nur darum geht ein paar Blätter abzugeben. Ich kann mir kaum vorstellen, warum das Stunden dauern soll – offensichtlich hatte sie ja sogar einen festen Termin?
    Also: Als Ausnahme, einmal. Und dann nicht mehr in derselben Situation.

  20. Das Arbeitsamt hat manchmal sehr merkwürdige, regide und unflexible Vorstellungen.
    Ein Kind dorthin mitnehmen, mit ihm im stickigen Warteraum sitzen müssen, bis man dran ist, ist definitiv keine Option.

    Bei den Unterstellungen, die hier teilweise geäußert werden, wird mir wirklich schlecht.
    Wenn die Mutter bisher nicht negativ aufgefallen ist, würde ich ihr die Bescheinigung ausstellen UND ihr sagen, dass das keine Dauerlösung sein wird.
    Es wäre keinem geholfen, wenn die Mutter jetzt auch noch Ärger mit dem Arbeitsamt bekommt. Einige Beamte können unglaublich unangenehm werden.
    Dass sie mit dem Kind eher zum Kinderarzt gehen kann, ist doch klar. Soweit ich mich erinnern kann, gab es in Kinderarztwartezimmern immer Möglichkeiten Kinder zu beschäftigen. Sowas hat das Arbeitsamt nicht.

    1. „Ein Kind dorthin mitnehmen, mit ihm im stickigen Warteraum sitzen müssen, bis man dran ist, ist definitiv keine Option“

      Verzeihung, aber warum nicht? Selbstverständlich ist das eine Option.

  21. Ich denke, das ist situationsbedingt. Garantiert ist man im persönlichen Gespräch in der Lage im Großen und Ganze festzustellen, was die Mutter für eine Person ist, sie wirklich in einer Notsituation und eigentlich gewillt was, hinzugehen und man ihr daher mit den bürokratischen Gegebenheiten helfen sollte, oder ob man eben den Eindruck hat, sie wolle quasi nur billig davon kommen. Außerdem muss man noch die äußeren Umstände beachten. Handelt es sich um das überfüllte Arbeitsamt in der Kölner Innenstadt, oder doch eher um das winzige im Bergischen Land, bei dem es durchaus zuzumuten gewesen wäre, das Kind mitzunehmen.
    Ansonsten stehe ich auf dem Standpunkt, im zweifel für den Angeklagten, und ohne gegenteiligen Beweis würde ich der Mutter erst einmal die Notsituation glauben und eine Bescheinigung austellen.

  22. Ich denke, das ist situationsbedingt. Garantiert ist man im persönlichen Gespräch in der Lage im Großen und Ganze festzustellen, was die Mutter für eine Person ist, sie wirklich in einer Notsituation und eigentlich gewillt was, hinzugehen und man ihr daher mit den bürokratischen Gegebenheiten helfen sollte, oder ob man eben den Eindruck hat, sie wolle quasi nur billig davon kommen. Außerdem muss man noch die äußeren Umstände beachten. Handelt es sich um das überfüllte Arbeitsamt in der Kölner Innenstadt, oder doch eher um das winzige im Bergischen Land, bei dem es durchaus zuzumuten gewesen wäre, das Kind mitzunehmen.
    Ansonsten stehe ich auf dem Standpunkt, im zweifel für den Angeklagten, und ohne gegenteiligen Beweis würde ich der Mutter erst einmal die Notsituation glauben und eine Bescheinigung ausstellen.

  23. Wäre ich der Arzt, würde ich natürlich der Mutter die Bescheinigung geben, denn ich wäre ein sozial eingestellter Arzt und ausserdem der Meinung, dass Mütter sowieso nicht erwerbsarbeiten sollten, sondern Geld dafür bekommen müssten, dass sie sich um Kinder und Haushalt kümmern.

    Eine Politik, die Frauen derartig ausbeutet, würde ich auf keinen Fall unterstützen.

    LG

    Kadina

      1. Mal ganz ehrlich, mit offenen Augen und abseits aller Ideologien: Sind sie da nicht sowieso – und machen „das bißchen Haushalt“ neben dem Erwerbsberuf?

        1. Bei mir nur zu 50%. Den Rest macht der Partner. SO sollte es laufen.

          Und kein staatlich unterstütztes und pseudo-biologisch verbrämtes „Das-war-schon-immer-so“, vielleicht noch garniert mit „das-ist-die-natürliche-Aufgabe-der-Frau“ und der „gottgegeben“-Kirsche obendrauf.

        2. @Giftzwerg: da hat jemand den Talar nicht verdaut… und mußte mal schnell was gegen die böse Kirche sagen.

          Und ich gebe dir völlig recht: das ist die Sache jeder Familie, zu sehen, wie sie das aufteilt: ob einer weniger auswärts und dafür mehr im Haus arbeitet, oder ob es 50%/50% aufgeteilt wird, oder wie sonst. Das eigentliche Problem ist nicht, ob jemand Hausarbeit macht oder mehr oder weniger – sondern daß die Hausarbeit nicht anerkannt wird: „arbeitest du, oder bist du Hausmann/Hausfrau?“ Im Gegenteil, sie wird oft mit Füßen getreten – frag mal Hägars Helga, wenn Hägar wieder mit schmutzigen Füßen heimkommt…

    1. Mal darüber nachgedacht dass es Frauen gibt, die sich tatsächlich ausbilden lassen um zu arbeiten, weil es :SCHOCK! ihnen Spaß macht und nicht nur um ein Dasein als wandelnder Uterus mit Upgrade zur gratis Putzhilfe zu dienen?
      (dass die Kinderbetreuung in D unter aller Kanone ist brauchen wir nicht diskutieren)

      1. Arbeit macht ja bekanntlich frei…
        jemand der Hausfrauen abschätzig als wandelden Uterus und Putzfrau bezeichnet, hat es wahrlich nicht anders verdient.
        Ätzend!

      2. Ich habe eine gute Ausbildung und bin trotzdem Hausfrau. Und ich sehe mich nicht als „wandelnder Uterus mit Upgrade zur gratis Putzhilfe“, sondern als der Teil der Partnerschaft, der sich primär um das Lebensziel „Kinder großziehen“ kümmert, während mein Mann für den finanziellen Lebensstil zuständig ist. Wir hatten auch schon die umgekehrte Konstellation, aber sie funktionierte nicht befriedigend, also haben wir getauscht. Und: SCHOCK! es macht uns beiden Spaß!

  24. Ich würde anhand meiner Vorkenntnisse der Familie entscheiden.

    Aus diversen Umständen hätte ich für einen Monat Wohngeld beantragen müssen. Termin um den Antrag abzugeben nicht zu bekommen, offene Sprechstunde von 11-12 Uhr. Ich bin nur in den Gang eingebogen um 10.45 Uhr und habe direkt kehrt gemacht und beschlossen, das diese knapp 200 Euro die Warterei mit zahnendem Kind nicht wert sind. Nun konnte ich diese Entscheidung treffen, weil es bei uns nur um einen Monat ging der überbrückt werden mußte und ich kann mir vorstellen, das es bei der Arbeitsagentur deutlich längere Schlangen gibt. Wenn die Familie ansonsten also völlig in Ordnung ist und noch nie „auffällig“ war, wieso nicht?

  25. Ich finde es intressant wer den Vorschlag gemacht hatte das man sich doch Nachmittags beim Kinderarzt eine Bescheinigung abholen kann.

  26. Namen der Ansprechpartnerin bei der ARGE geben lassen und Dienstaufsichtsbeschwerde einreichen. Immerhin hat diese Person der Mutter nahe gelegt, zu bescheißen…

  27. Nein. Frühschicht hat man meistens nicht überraschend. Und selbst wenn: Dokumente können dem Arbeitsamt auch per Einschreiben oder Fax termingerecht zugestellt werden. Und anscheinend hatte die Dame eine Ansprechpartnerin beim Arbeitsamt, sonst hätte sie die „Auskunft“ nicht bekommen.

  28. Also ich würde auch keine Ausstellen,war vorhin selber mit Kind beim Arbeitsamt.Hatte n Termin und bin pktl. zum Termin drangekommen.Also nix da mit warten.Weiß ja nicht auf was für AA die anderen alle sind das sie trotz Termin so stundenlang(wie hier ja beschrieben wird) anstehen müssen.Dann haben die AA wohl keine ordentl. Terminplanung.
    Und es ist nicht das erste AA wo ich pktl. dran komm

  29. Ich finde das akzeptable, allerdings hätte sie selbst sich ebenfalls krankschreiben lassen können, ohne das Kind vorzuschieben. Fakt ist, daß das AA nur „wichtige“ Gründe wie z.B durch Ärzte bescheinigt als Entschuldigung akzeptiert.

    Als ich einst einen Termin in der Botschaft hatte, um für meine Tochter schnell noch vor den Ferien einen Paß zu beantragen, konfligierte das mit einem AA-Termin. Der Botschaftstermin stand seit 3 Wochen: Vater, Mutter, Kind mußten koordiniert werden. Der AA-Termin wurde mir am Tag vorher in der Post mitgeteilt. Ich schnell eine e-mail zurückgeschickt, ich könne nicht, weil ich dort einen Termin hätte. Kam eine email zurück. Ja, wäre ja schön, aber blablabla, ich müßte wissen, Nichterscheinen wäre nur aus wichtigen Gründen möglich, ansonsten sei mit einer blablabla-Sperre zu rechnen.

    Oder auch: Prüfungstermine an der Uni: Wenn man die Rücktrittsfrist verpaßt hat, hilft nur noch eine ärztliche Bescheinigung, wenn man nicht durchfallen will.

    Ärzte des Vertrauens sind ein wichtiger Bestandteil meines Lebens.

  30. Ansonsten finde ich einige Kommentare hier echt bescheiden. Vor allem die, die gegen die Bescheinigung sich aussprechen, von Sozialschmarotzertum sprechen etc. Kotz.

  31. Ich finde es wirklich traurig, dass (fast) alle auf die „faule“ „sozialschmarotzerin“ Mutter einprügeln, und nur eine handvoll fähig zu sein scheinen von 12 bis mittag zu denken.
    Natürlich lügt sie. Und natürlich ist sie faul. Immerhin ist sie ja arbeitslos, dieser Fakt reicht natürlich vollständig um ein umfassendes Persönlichkeitsprofil zu erstellen.

  32. Oh ja…
    Auch ich erinnere mich an eine Situation, in der ich heulend und kerngesund bei meinem Hausarzt sass und um eine Krankschreibung gebettelt habe, weil das Pruefungsamt der Uni ein Attest vom Kinderarzt nicht anerkannt haette („Da muessen Sie halt fuer Kinderbetreuung sorgen!“) und ich niemanden gefunden habe, der mein schwer scharlachkrankes Kleinkind uebernehmen konnte.
    In der vom Kinderdoc beschrieben Situation war einfach die Luege, ein zahnendes Kind (wie alt eigentlich?) sei krank nicht ganz so hart fuer Mutter/Vater, wie sich selbst krank schreiben zu lassen.

    Ich selbst schleife meine Kinder normalerweise ueberall mit hin – aber ich konnte jetzt nicht rauslesen, wie schlecht es dem Kind wirklich ging. Kann ja schon auch schlimm sein, die Zahnerei…

    Und, Kinderdoc, wie hast DU denn nun entschieden? (Ich tippe auf JA 🙂 )

  33. eigentlich ganz einfach:

    Zettelchen ausfüllen „Frau XY war am soundsovielten bis 123 Uhr in meiner Praxis.“ das Feld (von 456 Uhr mit einem dicken Strich versehen).
    Unterschrift, Stempel.
    Immerhin: in der Praxis war sie ja.
    Bescheinigung mit ein paar Zeilen und Begründung würde extra kosten – im übrigen geht das Arbeitsamt (und auch einen etwaigen Chef) die Diagnose genau garnichts an!

    Keine Diskussion (denn für Erziehungsarbeit hierfür sind wir Ärzte nicht zuständig) – Problem gelöst.

  34. Wenn die übliche Betreuungsperson arbeitet (ob Schicht oder nicht), dann sollte man doch auf jeden Fall damit rechnen, dass die nicht immer verfügbar ist. Also entweder hält man sich da noch ne zweite Person für den Notfall bereit, oder man gewöhnt das Kind eben dran, mitzukommen.
    Der Termin kam vielleicht kurzfristig, aber sicher nicht am selben Tag, dass die Oma nicht kann ist auch im vorhinein abzusehen, warum geht man dann *hinterher* zum Arzt und bettelt um eine Ausrede?

  35. Abgeben. Sie sollte einen Lebenslauf abgeben. Nicht formulieren, nicht schreiben, sondern abgeben. Sowas dauert (netto) 10 Sekunden + max. 30 Minuten Wartezeit. Die Dame hatte – aus welchen Gründen auch immer – keinen Lebenslauf geschrieben und brauchte jetzt eine akzeptable Ausrede. Beim Kinderdoc dauert sowas (netto) ohne Termin sicher 10 Minuten + 1 Sunde Wartezeit.

    Kein Verständnis, keine Bescheinigung. Wertschätzend und höflich ablehnen. Man kann auch ein Kleinkind zu solchen Terminen mitnehmen.

    Nemesis

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