fäden raus

vater baut sich breitbasig vor meiner arzthelferin an der theke auf.

vater: „ja, hier jetzt mal fäden ziehen.“
emine: „ok… guten tag. haben sie denn einen termin?“ liest heroisch multitaskingfähig parallel in dem brief des erstbehandelnden chirurgen.
vater: „wie? hier? nein, wieso?“
emine: „weil wir nur mit termin behandeln.“
vater: „na der doktor beim nähen hat gesagt, ich soll zu kinderarzt, der zieht fäden.“
emine: „schon. machen wir auch. aber da sollten sie vorher anrufen, um termin zu machen.“
vater: „habe ich ja. der hat gesagt, ich soll zu kinderarzt, der zieht fäden. so. jetzt bin ich hier.“ himmel!
emine: „ich sehe gerade, der sturz war erst vor sechs tagen, dann hat das fädenziehen noch zeit bis morgen. ich gebe ihnen mal einen termin für …“
vater: „morgen keine zeit. jetzt fäden ziehen.“
emine: „sie dürfen gerne warten, aber es ist ganz schön voll heute nachmittag, und zuerst nehmen wir mal die patienten dran, die einen termin ausgemacht…“
vater: „ok. fäden ziehen. heute.“
emine: „ach, moment, ich sehe grad, hier steht: fadenzug am 7.tag. wenn wir das heute machen, geht vielleicht die wunde wieder auf. das wollen sie sicher nicht. also. ich gebe ihnen einen termin für morgen nachmittag.“
vater: „ah, ok, ja, gut.“
es ist sehr entspannend, solche gespräche nicht ständig selbst führen zu müssen, und so fitte schlagfertige helferinnen an der anmeldung zu haben. wunde geht wieder auf. köstlich. danke, emine.

13 Antworten auf „fäden raus“

  1. Hm. Ist natürlich gut, dass die Leute so nicht durchkommen und sie sie in ihre Schranken weist.
    Aber solche Aussagen sorgen dann auch dafür, dass die Leute wirklich Angst vor so etwas bekommen. Hat ja schließlich die Dame in der Arztpraxis gesagt. Und das die einen verar***t nimmt man ja erstmal nicht an.
    Fehlinformation halte ich für den falschen Weg, ohne den Spass verderben zu wollen.

    (Und deine Dankbarkeit, sowas nicht andauernd selbst regeln zu müssen, kann ich gut nachvollziehen)

  2. Naja, sie hat ja nun nichts gesagt, was das zukünftige Verhalten des Vaters negativ beeinflussen könnte. Bei der nächsten Wunde kann man wieder sagen „Jede Wunde ist unterscheidlich, das entscheidet der Chirurg dann nach seinem Ermessen.“ Insofern könnt ich hier ein Auge zudrücken. Wahrscheinlich hätte sie es auch nicht gesagt, wenn ihr jemand gegenübergestanden hätte, der ein Minimum an Kooperation mitgebracht hätte.

    Was mich jetzt interessiert: *Warum* ists ne Fehlinformation? Aus nem bestimmten Grund, oder einfach weil es nach 6 Tagen auf den Tag mehr oder weniger nicht ankommt?

    1. Sehe ich eigentlich überhaupt nicht als Fehlinformation. Ich habe es auch schon miterlebt (glücklicherweise nur bei anderen, nicht bei mir selbst), das eine Wunde beim Fädenziehen, und zwar nach der korrekten vom Arzt vorgegebenen Zeit, wieder aufplatzte, weil doch noch nicht richtig zugeheilt. Kann immer mal passieren, das die Wundheilung leider doch nicht ganz nach Plan verläuft.

      Und ich war auch schon ohne Termin zum Fädenziehen beim Hausarzt (genäht worden war in der Notaufnahme der Uniklinik), aber da habe ich vorher angerufen und freundlich gefragt, ob und wann es wohl passen würde. Das macht immer so vieles möglich…

  3. Ich kann jetzt aus der Erzählung nicht schliessen, ob der Vater die Aussage der Arzthelferin nicht verstehen konnt oder nicht verstehen wollte. Auch ist mir nicht klar, ob er evtl. einen anderen kulturellen Hintergrund hat, in dessen Konzext ein Verhalten wie seines „korrekt“ oder zumindest „gebräuchlich“ ist.

    Auf jeden Fall meine ich dazu: Wer Anstand, Würde sich selbst und anderen gegenüber besitzt, etwas Inteligenz sein eigene nennen darf und freundlich und offen durch die Welt geht, der hätte so eine Abspeisung sicherlich nicht verdient.
    Wer dies nicht hat und seine Intressen aufgrund ausgeprägte Egozentrik und allgemeiner „Die wollen mich sowieso alle über den Tisch ziehen“-Paranoia sofort wargenommen haben will, der hat es verdient, dass er manipuliert wird!

    1. letzteres. sei dir sicher. ich konnte dem gespräch lauschen. der erzählung kann man sehr wohl entnehmen, dass der mann „breitbasig“ aufgetreten ist, keine worte der begrüßung fand und wiederholt meine helferin unterbrach. auch wenn der vater aus einer kultur kommt, in der man frauen mit befehlston mißachtet und erwartet, dass alle springen – so lebt er hier in einer anderen kultur.

  4. Also deiner Helferin darfst du mindestens einen Kaffee ausgeben 😉 super reagiert.
    Und ne Fehlinformation find ich das jetzt nicht; der Chirurg hat ja nicht umsonst einen Zeitrahmen aufgeschrieben. Was wäre es denn für ein Theater geworden, WENN direkt an dem Tag die Fäden gezogen worden wären und die Wunde geht auf? Möcht ich mir nicht vorstellen…

    LG Sandra

  5. Es drängt sich der Verdacht auf, das der Vater keinen kleinen Bobbele hat, sondern einen kleinen Murat, und deshalb Regeln im Leben ohnehin nicht sonderlich bekannt sind.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: