Lesepotpourri Januar, Februar, März

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In steter Tradition hier meine Lektüren der letzten drei Monate, wen’s interessiert. Und was ich darüber denke:

Mariana Leky – Was man von hier aus sehen kann

Ein wunderschönes Buch für ein Glückliches Frühlingswochenende. Es geht um die alte Selma, in deren Träumen immer dann ein Okapi auftaucht, wenn ein Mensch stirbt. Dieses Omen durchzieht das gesamte Buch, auch wenn es darum eigentlich gar nicht geht, sondern um Luise und ihren Vater, Luise und ihren besten Freund der Kindheit, Luise und dem buddhistischen Mönch. Der Optiker spielt eine grosse Rolle und eine kleine eine Buchhandlung. Die scheinbare Harmlosigkeit der Geschichte ist es, die im Abgang ein so entspannt glückliches Gefühl hinterlässt, wie es nur ein Frühlingswochenende kann. Gelesen kurz nach Jahreswechsel. (5/5)

Maya Angelou – Ich weiß, warum der gefangene Vogel singt (Übersetzt von Harry Oberländer)

Diese Geschichte soll Generationen von Jugendlichen (vor allem der Schwarzen Menschen in den USA) und Oprah Winfrey entscheidet geprägt haben, sie war Schullektüre in den Staaten und ist dennoch „nur“ ein Teil des autobiographischen Werkes von Maya Angelou. Die Story plätschert anfangs so dahin, beinahe zurückhaltend und unaufgeregt, eine Darstellung des Lebens des letzten Jahrhunderts im Westen und Mittelwesten der USA, aus der Sicht der jungen Maya, die von den Eltern weggeschickt, bei der Großmutter groß wird. Aber es geschehen schreckliche Dinge um sie herum, schließlich auch mit ihr, und alles ändert sich. Und doch gar nichts. Am Ende fehlt etwas, vielleicht eine Moral, ein Schlußstrich, aber ganz sicher gibt es den nicht. Ich las das Buch als Teil der Twitter-Lese-Gruppe @54reads, tut mir leid, nach dem ersten Monat bin ich raus, ich kann nicht nur ein Buch lesen, sondern muss weitermachen. (4/5)

Hermann Hesse – Siddartha

Wiedergelesen, natürlich. Hesse war Teil meines Lebens als Teenager, ich habe alles verschlungen von ihm, was ich in die Finger bekam, und wenn uns die Schule ein Buch verordnete, klatschte ich in die Hände. Hesse ist auch eine verdächtige Person, so lehrt es uns die Geschichte, aber seine Bücher sind in ihrer konstante Weisheit und literarischen Stärke und Originalität unübertroffen. „Siddartha“ ist der Prototyp der späten Romane, aus der Sicht eines Langlesers Ü50 inzwischen voller Redundanz und etwas ermüdend, aber ich spürte nochmal den Rausch des Jugendlichen, den ich beim Lesen früher empfunden habe. Alles besser machen zu wollen, den Sinn allen Lebens zu finden, bis er Dich selbst findet. (5/5)

Jennifer Egan – Manhattan Beach (Übersetzt von Henning Ahrens)

Nicht ganz so mitreissend wie „Der grössere Teil der Welt“, auch nicht ganz so virtuos, eher als Fingerübung kommt dieser Roman daher: Ein wenig Feminismus, ein wenig Krimi, ein wenig Familiengeschichte, ein wenig Historie. „Manhattan Beach“ erzählt die Geschichte der ersten Militärtaucherin der USA, Anna Kerrigan, angesiedelt in den Docks von Brooklyn, immer die Skyline von New York im Blick. Ihr Vater arbeitet mit einem der Gangsterbosse zusammen, verschwindet auf mysteriöse Weise, und sein Auftauchen markiert einen spannenden Nebenstrang der Geschichte. Ich habe den Roman zügig durchgelesen, das Geschriebe ist beeindruckend süffig, aber am Ende zerfasert die Story in zuviele Anliegen, so dass ich am Ende nicht wusste, was von ihr übrig blieb. (3/5)

Ian McGuire – Nordwasser (Übersetzt von Joachim Körber)

In „Manhattan Beach“ kommt ein Schiffsbruch vor, in Nordwasser auch, eine interessante Parallele. Sonst haben die Bücher nichts miteinander zu tun. „Nordwasser“ spielt in den Wirren des Walfangs, ganz im Gedenken an Hermann Melville, trotzdem geht es hier nicht um den Wal, der Feind ist das Böse im Harpunier Drax, ein Psychopath, der mordet, weil er es kann. Sein Antagonist ist Patrick Sumner, der Schiffsarzt (!), er hat auch keine saubere Lebensgeschichte zu bieten, aber überlebt in geläuterter Moral. Eine Männergeschichte, mit Mord, Schweiss, Angst, Kälte, Eis, Fett, Fell und derber Sprache. Zwischendrin poetische Metaphern und grausame Spannung. Nicht umsonst seinerzeit nominiert für den Man Booker Prize. (5/5)

Robert Seethaler – Das Feld (Hörbuch gelesen von ihm selbst)

Er wird groß gehandelt, der Seethaler, er schreibt auch tolle Bücher, keine Frage. „Das Feld“ erschien mir wie ein zusammengestricktes Sammelsurium kleiner Geschichten, wie sie vermutlich jeder Autor in seiner Kladde zuhause fabuliert, mühsam zusammengehalten durch den Friedhof, eben das Feld, auf dem die Personen, die hier vorkommen, beerdigt liegen. Natürlich braucht es auch hier einiges an Planung, damit die Verbindungen nicht zu lapidar daherkommen, in der Summe sicher ein Kunstgriff, der auch nicht jedem gelingt. Sicher hatte Seethaler einen guten Lektor. (3/5)

Wolfgang Herrndorf – Bilder deiner großen Liebe (Performance Lesung durch Sandra Hüller)

Herrndorf ist unantastbar. Ein deutscher Schriftsteller. Jedes seiner Bücher ein Wurf. Auch das letzte, unvollendete, „Bilder einer großen Liebe“, wäre genial, wenn er es vollendet hätte. Leider ist Herrndorf vorher gestorben. Das ist bekannt. Das Buch sei eine Art Fortsetzung von „Tschick“ und hat irgendwie auch gar nichts damit zu tun. Da es sich in der Formulierung naturgemäß eher um Fragmente handelt, gelingt es Sandra Hüller in ihrer Live-Performance, die Schwächen des Textes mit ihrer Bühnenpräsenz und brutaler Musik zu überspielen. Die Stärken zelebriert sie sowieso. Kann man hören, muss man aber dranbleiben. (3/5)

Heidemarie Brosche – Mein Kind ist genau richtig, wie es ist

Mein Sachbuch des Monats, also, das einzige, was ich diesen Monat geschafft habe. Das Thema ist ja ganz in meinem Interesse und ganz im Impetus vieler Kinderärzte, auch der populären, wie Renz-Polster oder dem niedergelassen Kollegen Hauch, der ja unlängst ein ähnliches Buch veröffentlichte. Lasst die Kinder, wie sie sind. Sie sind nicht „zu sehr “ so und so oder „zu wenig“ wie auch immer. Zu still. Zu laut. Zu provokant. Zu ungeschickt. Sie sollen Therapien bekommen, sie werden verglichen, die Schwächen werden überhöht und die Stärken nicht gefördert. Brosche geht genau gegen diese Denke vor, jedes Kind ist genau richtig. Während sie im ersten Teil des Buches die Hintergründe beleuchtet, warum unser Zeitgeist genau so ist, wie er ist, ob das alles auch so stimmt, sucht sie im zweiten Teil konkret nach Lösungen: Was ist, wenn die vermeintlichen Schwächen sogar Stärken sind, das wilde Kind in Wahrheit risikofreudig und experimentell, das ruhige Kind abwartend und besonnen. Sie erlaubt nicht alles, ist auch kritisch, auch die Helikoptereltern bekommen ihr Fett weg. Letztendlich ein Plädoyer für mehr Besonnenheit und Normalität in der Individualität. Allen ans Herz gelegt, die mit Kindern schaffen. (5/5)

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(c) Bild bei Flickr/Abhi Sharma (unter Attribution 2.0 Generic (CC BY 2.0) – Lizenz)

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