Patientenzahlen und Elternbeschwerden

(dies ist ein Telefon)
(dies ist ein Telefon)

145 – 122 – 60 – 127 – 135 – 134 – 93 – 66 – 119 – 127

Die Zahlen da oben, da sind die Patientenzahlen der letzten zwei Wochen in unserer Praxis, also täglich. Die etwas kleineren Zahlen sind die Mittwoche, an dem wir den Nachmittag geschlossen haben. Wir arbeiten das ab mit zwei ÄrztInnen und vier fMFA pro Schicht. Aber wem in der Praxis erzähle ich das? Es ist Grippesaison.

Ein kleines Rechenspiel: Im Durchschnitt haben wir 120 Kinder am Tag, ich schätze, ein Drittel davon, also 40 Termine, sind geplante, also Impfungen, Vorsorgeuntersuchungen, Gespräche und dergleichen. Rechnen wir also mit 80 Kindern, die pro Tag so krank sind, dass die Eltern versuchen, bei uns für den gleichen Tag oder für den Folgetag einen Termin zu vereinbaren.

Meine fMFA sind sehr fit am Telefon. Sie versuchen eine Triage: Welche Kinder müssen aufgrund ihres Alters, ihrer Symptome oder der Sorgen der Eltern gleich einbestellt werden? Welche haben Zeit, welche können am nächsten Tag kommen? Welche Eltern freuen sich über eine kompetente Beratung am Telefon, damit sie sich nicht mit dem hustenden Bobele ins Wartezimmer setzen müssen? Ungefähr nochmal ein Drittel der obigen Zahl freuen sich über diese Infos und bleiben lieber zuhause. Macht also ungefähr hundert Telefonate pro Tag.

Unser Telefon ist ab 8 Uhr für drei Stunden „offen“, dann nochmals für vier Stunden am Nachmittag. Die meisten Eltern versuchen, gleich morgens früh anzurufen, first come, first served. Dass das manchmal ein Trugschluss ist, habe ich an anderer Stelle schon ausgeführt.

Jedes Telefonat, dass die fMFA führt, dauert eine Minute? Eher zwei? Wenn sie berät und gute Tipps mitgibt, vielleicht auch drei Minuten? Ok, einigen wir uns auf einen Durchschnittswert von zwei Minuten. Immerhin müssen auch noch die Patientendaten abgeglichen werden (für die Dokumentation), und die fMFA muss überhaupt ihre Beratung oder den Termin eintragen. Also zwei Minuten. Bei hundert Telefonaten am Morgen sind wir schon bei zweihundert Minuten, oder drei Stunden und zwanzig. Ups, da sind ja die drei Stunden „Telefon offen“ am Vormittag schnell aufgebraucht.

Und so ist es auch: Ich habe eine fMFA, die morgens am Telefon sitzt, den Hörer abnimmt, spricht, freundlich ist, begrüsst, den Namen erfragt, einen Termin vergibt oder berät und das alles in den PC hackt. Sie verabschiedet sich, legt auf und nimmt den Hörer wieder auf, denn: Es. klingelt. Sofort. Wieder. Die. Ganze. Zeit.

Aber dieser Post wäre nur halb so schön, wenn nicht der eigentliche Anlass ein aktueller wäre:

Heute hat ein Vater mich „beiseite“ genommen (Nachdem er ohne Termin in der Praxis stand, an der Anmeldung den Aufstand plante, weil er nun warten müsse, schließlich nach einer Stunde doch drankam, um mir die dreijährige Tochter zu präsentieren, die – Drama! – seit der Vornacht Fieber! Habe! Also! Immerhin 38.8 Grad!) – er nahm mich also beiseite, d.h. er senkte im Zimmer die Stimme, damit niemand zuhören konnte und sprach:

„Ist ja ok, dass ich jetzt warten musste, weil ich ja auch keinen Termin habe, aber, Herr Doktor, was gar nicht geht, dass man bei Ihnen ü-ber-haupt-nicht durchkommt. Immer besetzt! Und wissen Sie was?“ Ich wusste nicht. „Wissen Sie was? Ich muss Sie mal über folgenden Umstand aufklären: Ich saß jetzt zwei“ (!) „Stunden im Wartezimmer und habe zwei oder dreimal die Praxisnummer gewählt, und wissen Sie was?“ Ich wusste nicht. „Da hat nicht einmal das Telefon geklingelt. Und es hat aber auch niemand vorne telefoniert. So! Die legen doch den Hörer daneben!“

Das Wartezimmer liegt direkt neben der Anmeldung.

Dort sitzen eine oder zwei fMFA und nehmen die Patienten an. Ja, da gibt es auch ein Telefon.

Die eigentliche „Telefon-fMFA des Tages“ (siehe oben) sitzt aber ganz woanders. Denn das ununterbrochene Klingeln und die Telefonate würden vorne nur stören.

Ich habe versucht, das dem Vater ruhig zu erklären. Seine Antwort war: „Aha.“ Ja. Genau so ein „Aha.“

(c) Bild bei publicdomainpictures.net/George Hodan (unter CC0 Lizenz)

44 Gedanken zu “Patientenzahlen und Elternbeschwerden

    1. Na Klasse, das gabs bei unserem Hausarzt. Außer, dass ich nicht mehr das Besetztzeichen hörte, hatte sich nichts geändert. Nach zwanzig Minuten Gedudelmusik flog ich jedes zweite Mal raus.

      Gefällt 1 Person

      1. Das fand ich sehr interessant zu lesen.

        Aber ich könnte mir vorstellen, in einen ähnlich blöden Gedanken könnte ich auch geraten. Ich glaube, diesen Blogeintrag im Wartezimmer auszuhängen (evtl etwas gekürzt, gestrafft, modifiziert) ist keine ganz dumme Idee.

        Liken

        1. Genau den gleichen Gedanken hatte ich auch. Mir ist klar, dass in den meisten Arztpraxen straff gearbeitet wird. Aber als Patient bzw. Angehöriger sieht man eben viele Abläufe nicht und ärgert sich einfach nur über die Nicht-Erreichbarkeit (die oft ein echtes Problem ist, wenn man nicht die Zeit hat, immer wieder anzurufen) bzw. lange Wartezeiten. Warum also nicht diese Praxisabläufe kurz zusammenfassen und in der Praxis aushängen?
          Nebenbei bemerkt, ich habe oft fast schon ein schlechtes Gewissen, wenn ich in unserer Kinderarztpraxis anrufen muss. Die Damen am Telefon vermitteln einem durchaus manchmal das Gefühl, dass man „zuviel“ ist. Nicht aus bösem Willen, sicherlich. Will damit nur sagen, dass die Situation für eine Patientenmutter auch nicht einfach ist…

          Liken

        2. Ja, das ist blöd. Aber es ist halt deren Job und keine Freundschaft oder so. Und da gibt es auch mal ein Veto oder die bitte am nächsten Tag zu kommen oder ein Rezept was nicht geht. Ihr müsst nicht die besten Freunde sein und das ist OK.

          Liken

  1. Ja. Für frischgebackene Eltern, die ihren 8 Wochen alten rotzenden und hustenden Säugling über der Schulter durch die Wohnung tragen, ist es belastend, wenn sie 90 min lang das Handy auf Wahlwiederholung haben, bis sie auch nur in der Warteschleife des Kinderarztes landen. Ist das wirklich so schlimm?

    Der rotzt und hustet nach zwei Wochen immer noch. Und hat in den zwei Wochen auch keinen Arzt gesehen. Die MFA hat am Telefon gesagt, solange er gut trinkt, gut drauf ist und kein Fieber hat, kein Termin. Ob Mama nachts Angst hat und schlecht schläft? Egal. Trinkt ja gut. Und hat kein Fieber…

    Andererseits hätte ich mit dem rotzigen Kind auch nicht zwischen RSV und Influenza sitzen wollen. Hätte ich nur den Medizinstudienplatz angenommen damals. Dumm.

    Liken

    1. Naja das ist Dummheit. Die Gefühle der Eltern sind verständlich, aber bei o. G. Patienten zahlen kann der doc nicht noch Psychologe der Eltern sein, ist leider so. Und hast du mal dran gedacht dass er selbst vielleicht Influenza oder rsv hatte. Im Notfall kann eine Vorstellung natürlich nicht verweigert werden, notfalls eben in der Klinik.

      Liken

      1. Ist dann halt falsch, dass ich meinen kranken Säugling gerne mal vorgestellt hätte. Mag meine Fehleinschätzung sein, dass man mit kranken Kindern zum Kinderarzt gehen darf, wenn man ein schlechtes Gefühl hat. So beim ersten Kind. Und sich am Telefon von Fachpersonal einmal sagen zu lassen, ab wann man kommen sollte, darf ich also auch nicht… googlen wir ab heute eben wieder alles.

        Google sagt übrigens, erkältete Babys unter drei Monaten immer zum Arzt. Also falsch, weil, MFA am Telefon ja nicht kommen sagt? Aber der Rest ist richtig?

        Meine Apotheke hat mir sogar gesagt, ich solle während der Schulzeit den Kinderarzt fragen, was ICH nehmen darf. Weil sie die Verantwortung nicht übernehmen wollen und Embryotox Stillende nicht mehr berät. Kinderarzt anrufen ist ja aber schon bei krankem Kind eine zu große Belastung fürs System?
        Vielleicht liegt es dann am System???

        Liken

      2. Also, unter „Dummheit“ verstehe ich etwas anderes. Mit einer Zecke am Samstag Abend ins Krankenhaus fahren zum Beispiel. Aber das Bedürfnis, einen Säugling von 8 mit einer Atemwegsinfektion anschauen zu lassen würde ich eher als verantwortungsvoll bezeichnen.

        Liken

    2. Okay, es gibt Warnzeichen wann man den Arzt aufsuchen sollte und damit wird auch keiner weg geschickt. Anderes kann man vielleicht am Telefon klären oder auf den nächsten Tag legen. Nicht nur, dass der doc es nicht vergütet bekommt, er wird kaum mehr als og. Zahlen schaffen, wenn man ihm einen schluck kalten Kaffee und Toilettengang zugesteht.

      Liken

  2. Was das mit dem Besetzt angeht: Ich bin Apotheker. Manchmal hat man zu einem Rezept eine Rückfrage. Es gibt durchaus Praxen, bei denen man wegen sowas 30 Minuten in der Warteschleife hängt.
    Das sind weniger die Kinderärzte, sondern ist sehr häufig bei den Hautärzten anzutreffen – normalerweise zu 100% bei denen mit Innenstadtlage.

    Sowas lässt durchaus auf fehlende Praxisorganisation schließen und wird einem so von den Kunden auch bestätigt. Die erzählen dann, dass sie zum Ausmachen eines Termins auch eine halbe Stunde in der Warteschleife warten mussten und dann nochmal – trotz Termins – zwei Stunden beim Arzt warten mussten. Die Google-Bewertungen dieser Praxen sind gewöhnlich auch suboptimal.

    Etwas Derartiges könnte man sich in einem anderem dienstleistenden Beruf nicht erlauben; die Kunden würden wegbrechen. Bei den Ärzten geht das leider infolge des Ärztemangels.

    Liken

      1. Ich könnte mir vorstellen, dass ein nicht unerheblicher Anteil der Patienten nur deswegen kommen muss, weil die Eltern die Bestätigung für den Arbeitgeber brauchen. Das ist echt eine ziemlich ungünstige Situation.

        Liken

        1. Dürften Sie eigentlich eine solche Bescheinigung „im Vertrauen“ ausstellen? Ich bin zum Beispiel mit meinen Kindern fast nur zum Impfen und zu den U‘ beim Arzt. Wir haben Glück dass sie sehr robust sind und wir praktisch alles zu Hause aussitzen können. War mit meiner 4-jährigen trotz Krippe und Kita vielleicht in ihrem Leben 4x akut beim Arzt. Könnte ich bei Ihnen (hypothetisch) anrufen und die Bescheinigung wird zu Abholen hinterlegt, ohne dass wir zum Arzt rein müssen?

          Liken

        2. Hatte ich gerade aktuell: Kind erkältet und zwar so heftig, dass ich gesagt hätte: Viel trinken und ab ins Bett und gesund schlafen. Leider brauche ich aber die Bescheinigung „Kind krank“ für den Arbeitgeber. Also schleppen wir uns zur Kinderärztin und verbringen dort 2,5 Stunden mit diversen hustenden und schniefenden Kindern auf sehr engem Raum im Wartezimmer. Am Ende hab ich meine Bescheinigung … und liege 3 Tage später selbst flach.
          Werde mich wohl beim nächsten Mal einfach selbst krank melden – da brauche ich erst ab dem 3. Tag einen Schein.

          Liken

  3. Ich denke alle kann man nicht glücklich und zufrieden machen, jedenfalls nicht jeden Tag. Es wird abends immer Leute geben, die sich ungerecht behandelt fühlen, die die Abläufe nicht sehen oder die Reihenfolge nach medizinischer Notwendigkeit. Auch ist in diesen Zeiten sicherlich nicht der moment für Diskussionen über schlafen oder Erziehung. Aber wenn auf irgendeine Art und Weise geholfen wurde, sei es für den einem die Klinik Einweisung, für den anderen die Telefon Beratung, der Hinweis auf Hausmittel, dann ist doch schon viel getan. Und entgegen der Meinung vieler Eltern muss nicht jedes kranke Kind am ersten Tag vorgestellt werden. Kranke Kinder haben ist anstrengend, der Kinderarzt kann nichts dafür.

    Liken

    1. Leider mus das Kind doch vorgestellt werden zwecks Meldung beim Arbeitgeber… Wenn ich Krank bin darf ich 3 Tage Zuhause bleiben, wenn mein Kind besser Zuhause bleibt geht das nicht.

      Liken

        1. Natürlich geht bei bekannten Kindern und erfahrenen Eltern auch ein Kind krank Schein ohne Kontakt im sprechzimmer. Das ist auch keine gefalligkeitsbescheinigung, schließlich bleibt dem Arzt überlassen wie er sich vom Zustand des Kindes ein Bild macht.

          Liken

        1. Unsere KiÄ datiert auch einen Tag zurück, machen Allgemeinärzte ja auch. Richtig doof ist, wenn das Kind nur einen Tag krank wäre aber meine Kinder sind meistens wenn dann so krank, dass sie mehrere Tage Zuhause bleiben müssen, und genug Puffer für einen Besuch bei der Kinderärztin bleibt

          Liken

  4. Unser (neuer) Kinderarzt hat eine Nummer für Termine und eine für Beratung. Bei beiden Telefonnummern gibt es häufig Besetztzeichen. Ist okay, damit rechne ich.
    Beim alten Kinderarzt habe ich persönlich gesehen, wie das Telefon angehoben wurde und wieder aufgelegt wurde, weil von vier MFA keine in der Lage zu sein schien, ans Telefon zu gehen. Dieses Verhalten (und viele andere Dinge, bspw. keine besondere Berücksichtigung der psychischen Ausnahmesituation meiner Tochter) haben dazu geführt, dass ich gewechselt bin.
    Was ich sagen will: Ich kenne das von Kinderdok beschriebene Situation (ununterbrochenes Dauertelefonieren der fMFA), als auch die (vermeintliche) Situation, die der Vater meinte, erlebt zu haben. Für ersteres habe ich maximales Verständnis und freue mich, wenn ich durchkomme. Für letzteres fehlt mir das Verständnis.

    Liken

    1. Ein Abheben und Hinlegen würde bei uns zuerst zur Abmahnung und dann zur Kündigung führen. Geht gar nicht. Aber trotzdem können MFA auch nur soviel arbeiten, wie sie arbeiten können.
      Zwei Telefonnummern sind hübsch, aber werden sicher gegenseitig missbraucht, ergo: Wozu?

      Liken

      1. Natürlich kann die MFA nur soviel arbeiten, wie die Arbeitszeit hergibt.
        Missbrauch der Telefonnummern kam mir gar nicht in den Sinn. Beide Nummern sind morgens besetzt (tuut tuut), da bringt ein Anrufwechsel nicht wirklich was.
        Was ich eigentlich sagen wollte: Ich habe Verständnis für besetzte Telefone und dass ich ausdauernd sein muss, um jemanden zu erreichen. Ich erreiche aber jemanden. Wenn ich aber selbst erlebe, wie mir aufgelegt wird bzw. das sehe (unter den Augen der Ärztin, da war nichts mit Abmahnung), dann ist das schlechtes Praxismanagement, bei aller Toleranz gegenüber hohem Patientenaufkommen.
        Ich rufe grundsätzlich vor ungeplanten Arztbesuchen an, denn so kann ich ggf. lange Aufenthalte in Wartezimmern vermeiden, weil man mich besser in die Abläufe einplanen kann.
        Im Notfall habe ich eine Handynummer vom Hausarzt (einmal gebraucht, als mein Mann starb) oder rufe die 112. Für alles andere hat bisher die Wahlwiederholung gereicht.

        Liken

        1. @anonymous:
          Lesen.
          Es ging um den Sinn von zwei offiziellen Nummern für die Patienten, die von einer fmFA betreut werden müssen. Eine für Termine, eine für Rezepte.

          Kinderdoc schrieb von einer offiziellen Nummer für die Praxis. Für alle Angelegenheiten. Und einer privaten, die nicht für den Publikumsverkehr ist, sondern zB für die vertrauenswürdige Apotheke oder Kollegen.

          Wo soll da der vermeintliche Widerspruch liegen? Ich gebe meine Privatnummer ja auch nicht an alle raus, durchaus aber an KiGa/Schule/vertrauenswürdigen (!) Kollegen. Die Büronummer ist dagegen für jeden zugänglich.

          Gefällt 1 Person

  5. Naja, dass im Februar Grippesaison ist und über Fasching jede Menge MD-Infekte unterwegs sind usw , ist ja jetzt nicht DIE Überraschung des Jahres…

    Ich hab mit der MFA unseres Kinderdoks verhandelt und fällige Impfungen auf April verschoben. Vorsorgeuntersuchungen müssen doch in diesem Monat auch nicht sein… (außer bei den ganz Kleinen)

    So spart man schon mal ein paar Termine. Und seltsame „Impfreaktionen“, weil das Kind nach der Impfung krank wird (weil es sich im Wartezimmer irgendetwas aufgeschnappt hat).

    Und mit einer kompetenten MFA, die sich eher drei Minuten Zeit nimmt, nochmal viele Patienten in der Praxis (unsere ist super, hat mir schon viele Besuche erspart)

    Trotzdem… Wahnsinn.
    Selbst wenn am Schluss „nur“ 90 oder 100 Patienten am Tag übrig bleiben…
    Irre.

    Respekt.

    Liken

  6. Bin selbst Ärztin in Weiterbildung (Innere Medizin) und seit sieben Wochen Mutter. Lese Ihren Blog aber schon länger sehr interessiert mit. Vielen Dank erstmal für die schönen Beiträge!
    Ich wusste natürlich, dass eine Praxis viele Patienten betreut, aber mit so vielen hab ich nicht gerechnet. Kann mich meinem Vorgänger anschließen, Respekt für Ihre Arbeit.
    Ich habe oft das Gefühl, dass Patienten/Angehörige häufig nicht verstehen, dass – egal wie organisiert eine Praxis ist – es einfach zu Wartezeiten kommen kann aufgrund von Notfällen oder längeren Gesprächen, weil man einfach mit Menschen arbeitet… es werden ja keine Formulare oÄ abgearbeitet, wo ein zeitlicher Rahmen geplant werden kann. Mich hat das jedenfalls in der Notaufnahme geärgert, wenn ich nach der Versorgung/Verlegung von Intensivpatienten Gespräche führen musste, warum der Patient mit einem MD-Infekt zwei Stunden warten musste. Kann Sie auf jeden Fall verstehen.

    Liken

    1. Ich hoffe, dass die Vernunft wieder einkehrt und das Verständnis auch wieder in die andere Richtung ausschlägt. In den letzten Jahren haben wir in der Niederlassung (und auch in den Notaufnahmen) jedoch den Eindruck, als ob die Anspruchshaltung, was Rundum- und Sofort- und Jederzeitbetreuung angeht, exponentiell zunimmt.

      Liken

      1. Diesen Eindruck haben wir auch, begegnen dem aber zunehmend pragmatischer und im Tonfall auch bestimmter. Anders ist das ( bei uns als Kleinpraxis mit einem Arzt und zwei MFA) auch nicht händelbar. Viele Eltern sind einfach zu blöd, einen Anrufbeantworter zu nutzen, 50% der Anrufer sind Nachfragen, wann doch noch Mal ihr Termin war ( was man natürlich Montag früh um acht macht).
        Eingeführte Telefonzeiten für Terminvereinbarungen…..sinnlos. Haben wir wieder abgeschafft. In der Ferienzeit stehen dann die 14jährigen um halb eins Mittags auf der Matte…..Husten….erst Mal ausgeschlafen….sowas zerrt einfach an den Nerven. Schön sind auch die Hinweise,warum wir nicht eine Telefonkraft ganztägig zusätzlich einstellen…ja warum eigentlich nicht, die wird ja auch generös seitens der KV vergütet….ach nein, das ist.ja alles eine Serviceleistung,die man für die Grundpauschale von 20€ im Quartal ja erwarten kann. Realitätsverlust auf voller Front.

        Liken

  7. Wir mussten neulich unseren Impftermin kurzfristig absagen (Mama hatte einen heftigen Migräneanfall, Vater konnte das Kleinkind zwar zu Hause mit-betreuen, aber nicht mit dem Kind zum Arzt gehen, weil es noch ein in akuter Chemotherapie befindliches größeres Kind da ist, das NICHT zum Kinderarzt darf). Wir haben den ganzen Tag (sporadisch probiert) niemanden erreicht. Unbefriedigend, eben auch weil man weiß: die haben genug zu tun, wegbleibende Patienten sind blöd. Und gleichzeitig weiß man: die können nicht Anmeldung und Telefonate gleichzeitig machen 🤷🏻‍♀️ Schlussendlich haben wir eine Email geschrieben – und auch gleich gefragt, ob’s ne andere kurzfristige Bescheid-Sag-Möglichkeit gibt. Nein, gibts nicht, aber: statt Schimpfe und Androhung von Einer Rechnung an uns (wie beim alten Kinderarzt) eine nette Mail: per Mail wärs doch super, so käme es an, und ob wir am x.y. Um soundsoviel Uhr zum Ersatztermun könnten. Das fand ich echt super!

    Liken

      1. Ich dachte halt, wenn ich 3 Stunden vorher so absagen konnte, dass der Platz im PC als FREI markiert wird, kann jemand anderes da rein gesetzt werden… so wie ja auch wir zb vom Zahnarzt mal angerufen werden „heut um 4 is spontan frei geworden, können Sie da statt morgen um 9 mit Wartezeit?“. Und es gibt ja immer Patienten wo die Ärzte sehr gerne Aufgrund der Erkrankung auch spontan Termine vergeben OHNE Wartezeit im Wartezimmer. Da wär son freiwerdender Termin ja schon cool – statt zur gegebenen Zeit auf die Uhr zu sehen und sich zu denken „oh kommt wohl nicht“

        Liken

  8. Respekt für die Arbeit! Wir waren letzte Woche krank & das Wartezimmer war zum Bersten voll. Trotzdem haben wir nur etwas über eine Stunde warten müssen. Wahnsinn, was Sie und alle Ärzte da gerade mal wieder leisten!

    Liken

  9. Was war denn da am Dienstag los, wo die Zahl zweistellig bleibt? Wohl faul gewesen, was? Ironie-Schild hochhalt

    Was das Telefon angeht:
    Bei uns hat tatsächlich ein Rezepttelefon viel Druck raus genommen. Wir haben halt als Ansage drauf, dass ein Ausstellen ohne vorher vorliegende Karte nicht möglich ist und sagen klar an, dass Rezepte erst am folgenden Werktag abgeholt werden können. Wenn Patienten bei uns am Tresen bestellen (Ausnahme sind Termine direkt am selben Tag) oder nicht aufs Rezepttelefon sprechen sondern durchklingeln lassen, machen wir das auch so. Wir sagen den Leuten auch, dass sie gerne zusammen mit der Karte Briefmarken vorbei bringen können, dann schicken wir ihnen die Rezepte auch zu.
    Klappt jetzt im dritten Quartal bei mehr als 80% ganz gut. Ein paar Helden sind dabei, die überrascht sind, wenn sie die letzte Tablette aus der Schachtel nehmen (die bekommen natürlich auch ein Rezept, müssen sich aber auf längere Wartezeiten einstellen).
    Und auch die Patienten finden das inzwischen gut: müssen nicht ewig in der Warteschleife hängen, müssen sich nicht an unsere Erreichbarkeitszeiten orientieren und haben keine lange Wartezeiten mehr.
    Und ab und an hat man mal ein paar niedliche Anrufe (zugegeben von älteren Leutchens, die bei dir nicht so aufschlagen 🙂 ).

    Wir arbeiten den AB dann ab, wenn das Telefon aus. Und haben dann auch noch die Möglichkeit notfalls die Leute zurück zu rufen, wenn was unklar ist oder es Probleme gibt (fehlende Karte ist es meistens).

    PS:
    Ich arbeite in einer Facharztpraxis. Keiner von uns hätte gedacht, dass die Auswirkung SO stark ist, weil wir eigentlich relativ wenige Medikamente ausstellen und die meisten Termine so planen, dass die Tabletten bis dahin auch reichen (gibt einige Ausnahmen, wenn die N3 zu klein ist um über das Quartal zu reichen – und für genau die ist das Telefon).

    Liken

Gib Deinen Senf dazu. (Wenn Du kommentierst, stimmst Du der Datenschutzerklärung dieses Blogs zu)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.