Hätten Sie es gewusst?

  • Antibiotika gibt man seit den neuesten Empfehlungen in aller Regel nur noch fünf Tage, oder längstens, bis die Patient:innen symptomfrei sind.
  • Bei einem Wurmbefall eines Kindes muss nicht die ganze Familie behandelt werden, eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist eher unwahrscheinlich.
  • Diclofenac als Salbe (z.B. „Vol.ta.ren“) hilft allenfalls bei oberflächlichen Prellungen, in tiefen Gelenke (Knie, Sprunggelenk) wird keine ausreichender Wirkspiegel erreicht = sinnlos.
  • Falls antibiotische Augentropfen notwendig sind bei einer Bindehautentzündung, das ist selten genug der Fall, sollten beide Augen „betropft“ werden, auch wenn nur ein Auge entzündet ist.
  • Das Zustopfen des Gehörgangs mit Watte bei Ohrenentzündungen ist nicht empfehlenswert, es wirkt nicht, sondern schadet eher.
  • Zwischen verschiedenen Tot-Impfstoff-Gaben muss kein zeitlicher Abstand eingehalten werden.
  • Bei Impfungen wird nicht (mehr) aspiriert, die ideale (und einzige) Impfstelle ist der M. deltoideus.
  • Säuglinge sollten nie nur mit Wasser gebadet werden, ein Schuss Öl oder Babyshampoo lässt die Haut weniger austrocknen.
  • Babyhaut muss nur dann eingecremt werden, wenn die Haut das signalisiert (also z. B. rot wird), dann sollte man aber nicht damit warten. Die häufigsten Rötungen entstehen durch trockene Haut, die dann Pflege braucht.
  • Neugeborene „schnarchen„. Dies liegt an der Anatomie der engen Nasengänge und dem weichen Kehldeckel, der in Schwingung gerät. Sie haben meist keinen Schnupfen.
  • Neugeborene „niesen gerne„. Sie haben meist keinen Schnupfen.
  • Wenn man ein Nasenspray selbst benutzt, sollte man mit der rechten Hand ins linke Nasenloch und mit der linken Hand ins rechte Nasenloch sprühen. So trifft man eher die abzuschwellende Schleimhaut und nicht weiter hinten den Rachen.
  • Fingernägel bei Neugeborenen dürfen gestutzt werden, wenn sie lang genug dafür sind.
  • Augentropfen bei Kindern gibt man am besten im Liegen und träufelt sie auf das geschlossene Auge. Das Kind darf jetzt blinzeln. Dies ist zwar auch nicht angenehm, aber das Auge muss nicht offen gehalten werden und die Tropfenflasche wirkt nicht so bedrohlich.
  • Junge Säuglinge mit Penis haben *immer* eine Vorhautenge (= Phimose). Nach schon nicht mehr so neuen Empfehlungen ist eine Circumcision (= Beschneidung) vor dem Schulalter medizinisch sehr selten indiziert.
  • Ausschlag im Windelbereich kommt *nie* *nie* *nie* von der „neuen Windelmarke“.
  • Einen Mundsoor (Pilz) beim Neugeborenen erkennt man an den weißen Belägen an Lippe und Wangentasche, *nicht* am weißen Belag auf der Zunge.

Es gibt noch soviel mehr. 😉


(c) Bild bei hobvias sudoneighm (Freie Lizenz bei flickr)

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18 Antworten auf „Hätten Sie es gewusst?“

  1. Beim Ausschlag aufgrund Windelsorte muss ich widersprechen. Bei der Windelmarke Lillydoo (wird krass beworben, nur Direktvertrieb) hatte unser Kind die ersten Tage plötzlich einen Ausschlag, eine Mutter mit der wir bestellt hatten, berichtete das auch, ohne dass ich mit ihr vorher drüber gesprochen hätte.

  2. Dem vorletzten Punkt kann ich nicht zustimmen. Bei allen 3 Kindern getestet. Aus Not (weil es die halt im Einzelpack gab) P*ampers gekauft, und ein vorher absolut einwandfreier Po wurde mit nur 1 Windel wund. Mit meinen üblicherweise verwendeten Windeln nicht, es sei denn, es kamen andere Dinge dazu.
    Alles andere 👍🏻

      1. Das freut mich für euch. Ich hatte halt das Problem und ja, ich hab es mit ner anderen Größe dann auch nochmal probiert, weil hätt ja sein können. Aber nee, Pampers gingen hier tatsächlich nicht.

  3. Hallo,
    jetzt lese ich den Blogg nun schon sooo lange mit und kann als Kinderärztin und dreifach Mama bei dem Meisten nur jaaaaa dazu sagen. Heute hab ich allerdings gestutzt. Ausschlag im Windelbereich kann sehr wohl von der neuen Windelmarke kommen! Es ist nicht die häufigste Ursache und es kommt auf die Lokalisation drauf an! Aber Scheuerstellen im Leistenbereich sieht man tatsächlich ab und zu beim Ausprobieren von neuen Windelmarken oder zu großen schlecht sitzenden Windeln! Da bedarf es dann keinerlei sonstiger Therapie!
    Sonst ein großes weiter so!

    1. Ok. Scheuerstellen, weil die Bündchen woanders sitzen. Aber die klassische Windeldermatitis hat doch nichts mit der Windel zu tun. Die sind doch imgrunde alle gleich.

      1. Auch Kinderärztin und dreifach Mama mit Atopieveranlagten Kindern. Insbesondere K1 konnte beim besten Willen die Eigenmarke einer bestimmten Drogerie nicht tragen. Alles rot nach wenigen Stunden. Mehrfach ausprobiert und nur bei dieser einen Marke. Im höheren Alter dann häufig Infekturtikaria und Asthma. Ich glaube schon, dass da auch mal ein Stoff drin sein kann, worauf die Kinder reagieren….

      2. Neeee, das ist nicht gleich. Da sind mittlerweile Lotions und co mit in der Windel drin und auf das kann man sehr wohl reagieren! Oder anderer Zellstoff, rauher, nasser/trockener, etc . Mein Sohn reagierte auf Pampers. Jedes Mal innerhalb von Stunden. DM-Nature gingen immerhin mal 2 Tage. Mehrfach >8x getestet, ging nicht.

      1. In der Schweiz wurde da von Anfang an gar nicht aspiriert. Zuminsdest bei meinen drei Impfungen durch drei verschiedene Impfende nicht.

  4. Ist das für den Betroffenen wichtig, ob aspiriertb werden muss oder nicht?
    Schadet es, wenn man es trotzdem macht?

  5. Lieber Kinderdoc,

    vielen Dank für die tollen und unterhaltsamen Beiträge in Ihrem Blog.
    In diesem Beitrag hätte ich aber gerne ein kleines bisschen mehr Erklärung gelesen. Warum niesen Neugeborene „gerne“, warum ist es kontraproduktiv Watte ins Ohr zu stopfen usw. Vielleicht haben Sie irgendwann Zeit die Sätze zu ergänzen? 😉 Herzlichen Dank!

  6. Wieso ist bei Würmern die Übertragung von Mensch zu Mensch unwahrscheinlich? Gilt das auch für Oxyurien? Wo sollte man Madenwürmer denn sonst her haben? Unsere Kinder hatten das beide, los waren wir die Würmer leider erst, nachdem sich die gesamte Familie mehrfach entwurmt hatte.

  7. Weil es uns gerade (und akut) beschäftigt…Geschwisterkinder bei Wurmbefall nicht mit behandeln: Aber bei uns ist es meistens so, dass tatsächlich 2-3 von insgesamt vier Kindern befallen sind. Spricht das nicht dafür, gleich alle zu behandeln, dann gründlich alles putzen/ waschen und dann hat die Sache ein Ende? Ansonsten befürchte ich, dass wir wie vergangenes Jahr, zwei Tage nach abgeschlossener Behandlung beim nächsten die Mitbewohner entdecken. Kann natürlich auch Zufall sein.

    1. Ja, klar. Je häufiger Ihr diese Erfahrung macht, umso wahrscheinlicher ist das Reservoir für Wurmeier in der Familie oder dem Haushalt. Dann alle behandeln. Die Antihelminthika sind allerdings keine Honigdrops, deshalb empfehlen wir bei einem Erst- oder Zweitbefall mit nachweislich nur einem „Opfer“, dieses alleine zu behandeln.

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