HPV-Impfung auch für die Jungs

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Na endlich, denken sich alle, die Impfungen befürworten und sich schon länger fragten, warum die HPV-Impfung nur etwas für die Mädchen sei. Nun ist es aber (vor-)amtlich: Die STIKO wird in ihrem nächsten Epidemiologischen Bulletin die Impfung auch für die Jungs empfehlen. Die wissenschaftliche Begründung ist immer etwas ausführlicher, gerade für die impfkritischen Zeitgenossen, daher wird diese erst im übernächsten Journal nachgeschoben.

Verhütung ist schließlich auch nicht nur Mädchen/Frauen-Sache, banale Feststellung, also warum sollte der Gesundheitsschutz nur den Frauen aufgebürdet werden? Ok, diese bekommen nachher den Gebärmutterhalskrebs (der als Spätfolge einer HPV-Infektion im Genitalbereich gilt), aber die Überträger sind nun einmal die Männer beim Geschlechtsverkehr.

Dann gibt es auch noch diese unschönen Genitalwarzen, die eigentliche offensichtliche Infektion mit dem Humanen-Papilloma-Virus (Papilloma = Warze). Und die können die Jungs selbstverständlich auch bekommen. Ganz abgesehen von der Ästhetik der Warzen im Genitalbereich – wer will die schon? – , haben diese bei Jungs ähnlichen Prädilektionsstatus für z.B. Penistumore wie beim Gebärmutterhalskrebs. Tumore im Rachen- und Mundbereich (bei Infektion im Oralverkehr) haben auch ihre Ursache in den HPV-Viren.

Nun also die Umsetzung.
Auf die Empfehlung der STIKO folgt in aller Regel irgendwann – wenn es die Gremien zulassen – die Bestätigung der Impfempfehlung durch den Gemeinsamen Bundesausschuss G-BA aus Krankenkassen und Ärzten, welcher über die Kostenübernahme entscheiden muss.
Wie war das bei der Einführung der HPV-Impfung für Mädchen?
– Die STIKO empfiehlt – jetzt also mit dem neuen Bulletin zum August 2018.
– Die Eltern müssen die Impfung zunächst privat tragen (immerhin damals 3 x 150 € pro Impfzyklus und Arztkosten)
– Dann kommt die Kostenübernahme einzelner Kassen durch die so genannte Kostenerstattung
– Schließlich die offizielle Übernahme und damit Abrechung „auf Karte“ – vermutlich erst zum Jahreswechsel 2018/2019.

Vielleicht geht es diesmal schneller, immerhin haben wir das schon einmal durchexerziert. Was auf jeden Fall gilt: Die Impfung wird empfohlen zwischen dem 9.-14. Lebensjahr. Das entspricht der Empfehlung bei den Mädchen. Die zweite Impfung sollte 4-6 Monate nach der ersten Gabe wiederholt werden, spätestens bis zum 17.Lebensjahr.

Der Sohn hier im Haus „freut“ sich schon.

(c) Bild bei Pixabay/derneuemann (CC0 Lizenz)

Impfdiskussionsdeeskalation

HPV Vaccination in Sao Paulo Brazil March 2014

In meinem Alter wird man altersweise, und gerade bei der Diskussion ums Impfen – und davon gibt es derer viele – bin ich nicht mehr so streng und abweisend wie noch vor Jahren. Dennoch gibt es Grenzen.

Ich bin überzeugter Impfmediziner, ich denke, das wurde aus zahlreichen Artikeln hier im Blog bereits deutlich. Meine Grundeinstellung ist es, dass Impfungen zur modernen Medizin dazugehören, sich damit ausreichende geschulte Experten in der Ständigen Impfkommission einbringen und sehr genau entscheiden, wann welche Impfung zur Empfehlung wird, und wann eine Empfehlung geändert oder gestrichen wird. Ein wenig Vertrauen gehört dazu.

Viel hängt das  mit der grundpersönlichen Einstellung zur Medizin zusammen: Ich möchte einem Schutzbefohlenen möglichst alle Krankheiten ersparen, wie ginge das besser als mit einer Impfung? Klar kann die Medizin heute viel lindern, sogar heilen, was sie vor Jahrzehnten nicht konnte, aber jede Studie zeigt: Prävention zählt in allen Bereichen, so auch in der Infektionsverhinderung. Meine Kinder sind „durchgeimpft“, wie das so schön heißt, also auch die HPV-Impfung für die Große und die FSME-Impfung für die lokalen Risiken. Das versuche ich, allen Eltern bei der U3 zu vermitteln. Ein ausreichend früher Zeitpunkt, die erste Impfung beginnt mit sechs (die Rota-Impfung) bzw. acht Wochen (der erste Rest, also Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Kinderlähmung, Hämophilus influenzae und Hepatitis B, sowie extra die Pneumokokken), die Eltern können noch viel überlegen. Meist sind sie schon informiert, leider oft fehlinformiert. In klärenden Gesprächen bei U3 oder einem Extratermin zur Impfberatung, sonst am ersten Impftermin, geht es um weitere Aufklärung, die heutzutage meist eher der Widerlegung von Mythen und falschen Behauptung dient. Fake News Prophylaxe.

Ein beliebtes Gegenargument ist die frühe Impfung. So klein, so empfindlich, Neuronenentwicklung, Verträglichkeit, all dies wird angeführt, und ich verstehe die Eltern: Das empfindliche sensible unversehrte Neugeborene möchte niemand mit Nadel gestochen sehen, es ist der Eingriff in die Unversehrtheit.

Die Rota-Impfung sollte mit 6 Wochen begonnen werden und allerspätestens in der 24 Lebenswoche beendet sein, sonst entwickelt der Organismus zu wenig Antikörper und das Nebenwirkungs-Spektrum vergrößert sich (vor allem die einer Darmverstülpung). Entscheiden sich Eltern also für eine spätere Impfung, fällt diese meist schon flach. Das muss ich kommunizieren.

Die U5, also die Untersuchung mit einem halben Jahr, ist eine magische Marke. Jetzt soll erstmal alles stabiler sein, also, jetzt ist die Impfung ok. Also dann. Dann impfe ich eben erst mit sechs Monaten. Das Risiko beispielsweise einer Keuchhusteninfektion wird klar benannt: Sie kann letal verlaufen, zumindest aber wandern eigentlich alle Säuglinge ins Krankenhaus, da sie plötzliche Atemstillstände durchlaufen können. Von der späteren Bronchialempfindlichkeit ganz zu schweigen. Noch mehr kann ich erzählen zur besseren Antikörperbildung, der besseren Verträglichkeit bei früher Impfung, sicher auch dem hoffentlich schnelleren Vergessen.

Dann  möchten Eltern oft nicht alles impfen. Was sind die üblichen Verdächtigen? Eben die Rota-Impfung („hält ja nicht ein Leben lang“, „Luxus-Impfung für die Industrienationen“, „Funktioniert gar nicht, da zuviele Virusstämme“), dann die Hepatitis-B-Impfung („Wie soll das ein Säugling bekommen?“, „Heilt ja aus“, „Kann ich später noch mit Hepatits A zusammen impfen“) und mit einem Jahr die Windpocken („harmlose Kinderkrankheit“, „Habe ich auch gehabt“, „Verschiebt die Erkrankung ins Erwachsenenalter“). Über all diese Impfungen kann ich vortrefflich aufklären und diskutieren und mache das auch, schließlich bringe ich Ankedoten ein, um die Studienlage zu unterfüttern: Ich erzähle von den hohen Krankenhauszahlen der durchfallerigen Säuglingen vor nicht mal zehn Jahren und dem deutliche Rückgang, erzähle von den chronischen Verläufen bei Hepatitis B und den hautgeplagten Einjährigen, die nun noch den Juckreiz der Windpocken ertragen müssen. Mir liegt ein „Ätsch“ fern, aber nicht nur einmal haben Eltern die Verweigerung der Varizellenimpfung im Nachhinein bereut, als sie sahen, was die Infektion an der Haut anrichten kann.

Eltern möchten das Gefühl haben, selbst zu entscheiden. Paternalismus ist ein Trugschluss der heutigen Zeit, dennoch gibt es Eltern, die sich eine lenkende Beratung durch den Kinderarzt wünschen. Was wird empfohlen, warum und warum nicht, was sind die Risiken, was der überwiegende Benefit. Ich kann nur die Empfehlungen vor den Eltern ausbreiten, entscheiden müssen sie dann schon selbst.

Verunsicherte Fragen sind die, ob ich meine eigenen Kinder impfe (ja) und wie das andere Eltern sehen (über 95% der Eltern impfen ihre Kinder). Diese Eltern sind geprägt von der gefühlt falschen Wahrheit: Dass mehr und mehr Eltern Impfungen kritisch gegenüber stehen, das zeigen die Impfquoten aber keineswegs. Impfgegner haben nur die größere Klappe und sind vor allem in Social Media viel besser vernetzt.

So kann ich im Moment Gruppen unterscheiden:
– Eltern, die einfach den Empfehlungen trauen, und alles impfen lassen.
– Eltern, die kritisch hinterfragen, die Argumente abwägen, und alles impfen lassen.
– Eltern, die das Gefühl brauchen, eine eigene Entscheidung zu fällen, ein paar Impfungen daher ablehnen oder später impfen.
– Eltern, die abwägen, immer wieder diskutieren, weil sie andere (also mich) überzeugen wollen und letztendlich nach Absolution suchen. Sie lehnen aber auch alle Impfungen ab oder fahren ein absolutes Schmalspurprogramm (Tetanus).
– Eltern, die der gesamten akademischen Medizin ablehnend gegenüberstehen, und jegliche Impfung unterlassen.
– Eltern, die gar nicht erscheinen. (Klingt lustig, ist es aber nicht. Diese gehen weder zu Vorsorgen, noch sonst zum Arzt. Sei es, weil ihnen das nicht wichtig erscheinen, oder weil sie dies aus ideologischen Gründen ablehnen.)
Die Gruppen sind nicht heterogen verteilt, zudem noch unterschiedlich in der Bevölkerung, wie auch in meiner Praxis. Die letzten beiden Gruppen erscheinen ja erst gar nicht oder haben sich informiert, dass in meiner Praxis damit kein Land zu gewinnen ist.
Die ersten zwei Gruppen machen die o.g. 95% der Eltern aus, um die beiden mittleren Gruppen müssen wir uns als Ärzte aber besonders kümmern, denn diese können wir eventuell mit guten Argumenten noch erreichen.

Mit spätestens sechstem Monat, vielleicht ohne Rota-, Hepatitis-B- und Windpockenimpfung: Darunter „mache ich es nicht“, das kommuniziere ich den Eltern. „Wir impfen nur die Kinder, die wir behalten wollen.“ So oder ähnlich geistert ein Meme durch die sozialen Medien. Dr. House hat das auf seine Weise unterstrichen, in dem er die Kindersärgeindustrie mit der der Impfgegner verbandelt sah. Bleiben wir in diesem Bild, so impfen Mediziner die Kinder, die sie gesund sehen wollen. Welchen anderen Nutzen hätte es sonst?

(c) Bild bei Flickr/PAHO (Lizenz CC BY ND 2.0)

„Wer alle Impfungen verweigert, den schmeiße ich raus“

Wie ist das mit der Meningokokken-B-Impfung?

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Davor haben wir Kinderärzte alle, alle, alle Angst: Im hessischen Lindenfels ist in dieser Woche ein Kindergartenkind an einer Meningokokken-B-Infektion gestorben.
Dies soll der traurige Anlass sein, nochmal etwas über die mögliche Impfung gegen diese Bakterien zu schreiben:

Meningokokken B werden von Mensch zu Mensch übertragen (als typische „Tröpfchen“-Infektion), können ohne großartige Symptome abgewehrt werden, verlaufen aber auch nicht selten fulminant. Im Gegensatz zu anderen Meningokokkenstämme (z.B. Meng C, die in Deutschland häufiger vorkommt, und ja auch seit Jahren mit einem Lebensjahr geimpft wird), können sie zu schwersten Hautblutungen führen und leider oft auch zum Tode.

Kommt es zu einem bekannten Fall in einer Einrichtung, werden alle Kontaktpersonen vom Gesundheitsamt identifiziert und in aller Regel prophylaktisch mit einem Antibiotikum behandelt (Rifampicin, macht schönen roten Urin), damit lassen sich Ausbrüche recht schnell eindämmen. Ich selbst habe einen Fall als junger Assistenzarzt erlebt, auch als behandelnder Arzt muss man diese Prozedur über sich ergehen lassen. Auch beim Erkrankten gilt: Alleine die frühzeitige Behandlung mit einem Antibiotikum kann den letalen Verlauf aufhalten. Kinderklinikambulanzen, auch wir Kinderärzte, bevorraten das empfohlene Notfallantibiotikum Cefotaxim iv, alleine bei Verdacht könnte ich das bereits geben. Mitunter ist sonst bereits die Zeit zu lang, die zur Sicherung der Diagnose vergeht (Fahrt in die Klinik, Aufnahme, Lumbalpunktion).

Seit 2013 gibt es Impfstoffe gegen die Meningokokken B, warum gibt es aber bisher keine generelle Empfehlung der Ständigen Impfkommission, allen Kinder diese Impfung zu geben?

Man versucht Krankheiten aus verschiedenen Gründen durch Impfungen einzudämmen:
– aufgrund der Häufigkeit des Erregers (Windpocken, Masern, Grippe), um die Viruslast in der Bevölkerung zu senken, den Herdenschutz zu erhöhen
– weil Krankheiten mit Komplikationen verlaufen können (z.B. Hirnhautentzündungen bei Pneumkokken, Impotenz nach Mumps)
– um Folgeschäden der Erkrankungen zu verhindern (Gebärmutterhalskrebs nach HPV-Infektionen, Leberzirrhose nach Hepatitis-B-Infektionen) oder
– um einzelne Patientengruppen zu schützen (Rota-Virus-Impfung bei Säuglingen)
Diese Gründe treffen auf viele Erkrankungen und deren Impfungen zu, bei manchen überschneiden sich die Gründe, bei manchen sind es solitäre Gründe.

Bei Meningokokken B wäre der häufig fulminant-letale Verlauf („invasive Meningokokken-Erkrankung“ = IME) ein guter Grund, die Impfung zu empfehlen. Viele Ärzte können eine Geschichte dazu erzählen, viele Ärzte empfehlen aufgrund dieser Anekdoten die Impfung, niemand sollte das erleben. Vielleicht ist es auch ein Prinzip ärztlichen Handels, grundsätzlich eine Impfung zu empfehlen, die eine Erkrankung verhindern kann, also Leiden vorbeugend zu verhindern.

Wie argumentiert die STIKO?

Die STIKO ist sich des tragischen Verlaufes vieler Meningokokken-B-Erkrankungen klar bewußt, dennoch gibt sie weiter keine generelle Impfempfehlung. Sie argumentiert, dass die Krankheitshäufigkeit in Deutschland auch ohne Impfung abgenommen habe (seit Einführung der Meldepflicht 2001 erlebt Deutschland derzeit das niedrigste Niveau an IME). Dies ist als Argument insofern interessant, weil viele Impfgegner auch andere Impfungen mit dem gleichen Argument ablehnen, viele Erkrankungen seien bereits vor der Einführung einer generellen Impfung rückläufig gewesen.
Ein zweiter Aspekt ist, dass in Deutschland die Meningokokken-B-Infektion im Vergleich zu anderen Ländern eher selten vorkomme (z.B. England 21,8 Erkrankte pro 100.000 Einwohner, Deutschland 6,0/100.000 Einw. im Jahr 2015).

Außerdem legt die STIKO in ihrem neuesten Bulletin sehr ausführlich die Ergebnisse aus anderen Ländern dar, diskutiert die Verträglichkeit des Impfstoffes (nicht so gut), die mögliche Implementierung in den aktuellen Impfkalender (kompliziert) und die Immunogenität der auf dem Markt befindlichen Impfstoffe (geht so). Sehr ausführlich, sehr detailliert. Dennoch bleibt die STIKO nach der erstmaligen Empfehlung der Impfung für Risikopatienten (z.B. mit Immundefekten oder Asplenikern) von 2014 auch dieses Jahr bei der Haltung gegen eine grundsätzliche Impfung.
Die Impfkommission zeigt im Fall der Meningokokken-B-Impfung Zurückhaltung und begründet diese gut, so schwer der Einzelfall einer IME auch sein mag, so selten kommt die Erkrankung letztendlich vor. Ob eine Senkung Erregerlast in der Gesamtbevölkerung durch eine generelle Impfung erreicht werden kann, müssen Studien aus England zeigen, wo die Empfehlung für eine generelle Impfung existiert.

Wie machen wir in der Praxis das?

Wenn Eltern in meiner Praxis nach der Impfung fragen, versuche ich genau diese Haltung zu vermitteln: Die Erkrankung an Meningokokken B kann sehr schlimm verlaufen, aber sie ist eher selten im Vergleich zu anderen Infektionen. Das Nebenwirkungsprofil der Impfstoffe ist nicht zu vernachlässigen, ob die Impfung letztendlich vor dem gerade zirkulierenden MengB-Stamm schützt, ist zudem nicht sicher (die STIKO spricht von einer Abdeckung von 82%). Wer die Impfung für sein Kind wünscht, der bekommt sie aber (Kosten ca. 300 Euro, wird nicht von allen Kassen übernommen und ist immer erst einmal eine Privatleistung), außerdem die genannten Risikopatienten.

Ich versuche, meine eigene Anekdote im Kopf zu behalten, und hätte auch Angst vor einer Infektion unter meinen Patienten, vertraue aber der Weitsicht und dem epidemiologischen Sachverstand der STIKO. Als einzelner Arzt wäre es vermessen, die Wirkung oder Nichtwirkung der Meng-B-Impfung abzuschätzen, Anekdoten waren noch nie gute Entscheidungshilfen (und eher das Instrument der Impfgegner) und nur die genaue Betrachtung der Epidemiologie in unserem Land kann eine generelle Empfehlung bringen oder eben nicht. Dann werde ich diese auch entsprechend in der Praxis umsetzen.

STIKO-Bulletin vom 18.1.2018 zu diesem Thema

(c) Bild bei pixabay/PublicDomainPictures (CC0 Lizenz)

Sprich beim Impfen mit Deinem Kind

Was Eltern vor einer Impfung manchmal so sagen:
– „Du kriegst heute keine Spritze.“
– „Der Doktor macht gar nichts.“
– „Entschuldigung, mein Kind, aber die Mama lässt Dich heute ärgern.“
– „Stell Dich nicht so an, sonst gehen wir eben wieder und müssen nochmal wiederkommen.“
– „Komm jetzt her, sonst impft der Doktor Dich in den Po/ sonst bekommst Du noch eine.“
– „Du Heulsuse/ Jammerlappen/ Weichei.“
– „Wenn Du heulst, gibts aber keine Belohnung.“
oder das Bobele wird gar nicht vorbereitet, weiß nichts vom Impfen und wird überrumpelt. Auch nicht fein.

Was Eltern besser vor einer Impfung sagen sollten:
– „Die Impfung wird Dir helfen, gesund zu bleiben.“
– „Heute gibt es eine Impfung und beim nächsten Mal keine. Mama/ Papa wird das immer sagen.“
– „Das tut kurz weh und dann ist es wieder gut.“
– „Du darfst gerne weinen, ich tröste Dich dann.“
– „Nachher gehen wir ein Eis essen/ ein Lego/ Gummibärchen kaufen.“
und vor allem bereite man das Bobele vor, zuhause, vielleicht am Tag davor, auf jeden Fall vor dem Losfahren daheim und nicht erst bei Betreten der Praxis.

Je nach Alter des Kindes darf auch über den Sinn einer Impfung aufgeklärt werden. Dabei solltet Ihr Ich-Botschaften vermitteln, dass also Ihr selbst die Impfung gut findet und nicht „weil man das eben so macht“ oder „der Doktor das will“.
Neben der Sprache ist das Nonverbale mindestens ebenso wichtig:
– Säuglinge werden im Arm gehalten (der Doktor findet schon Platz zum Impfen) und bekuschelt, vielleicht gefüttert (gestillt, auch etwas Zuckerlösung kann helfen).
– Kleinkindern sitzen auf dem Schoß der Eltern (sogar Jugendliche finden das manchmal beruhigend). Ablenkung ist ok: Kuscheltier, Seifenblasen, Pfeifen, Singen, Abzählreime.
– Impfen sollte immer vorbereitet werden, die eigentliche Aktion darf dann aber zügig vonstatten gehen, im Zimmer ist eine ausführliche Erklärung überflüssig und „steigert nur die Spannung“.
– Belohnungen dürfen auch gleich mitgebracht werden. Der Doktor hat vielleicht auch was da.
– Pflaster sind überflüssig und tun beim Entfernen weh. Außerdem kann eine Reaktion auf Pflaster an der Haut entstehen. Wir lassen sie meist weg, außer Kinder möchten sie zur Belohnung haben.

Achja: Mit Impfungen wird auch nicht gedroht. Zitat: „Jetzt mach endlich den Mund auf, sonst kommt der Doktor mit einer grossen Spritze.“
Doch. Ja. Das gibt es im Jahre 2018.

(c) Bild bei pixabay/myriam-fotos (CC0-Lizenz)

Mal kurz rückversichern wegen der Impfmoral

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Mutter: „Sind Sie eigentlich eine Impfpraxis?“
Ich: „Ja? Wie meinen Sie das?“
Mutter: „Naja, impfen Sie alle Kinder, wie das von den Experten der Impfkommission empfohlen wird?“
Ich: „Ja. Eigentlich schon.“
Mutter: „Ohne Ausnahme?“
Ich: „Ja, ich bin überzeugt, dass…“
Mutter: „Auch etwa Rota?“
Ich: „Ja, auch Rota, weil die Säuglinge…“
Mutter: „Und auch Tetanus, Windpocken und Keuchhusten?“
Ich: „Ja, schon. Gerade bei den noch kleinen…“
Mutter: „Sagen Sie mir auch, wenn es neue Entwicklungen gibt?“
Ich: „Ja, klar, das ist ja meine Aufgabe…“
Mutter: „Und kann ich sicher gehen, dass auch sonst hier alle Kinder geimpft sind?“
Ich: „Naja, ich versuche schon, die Eltern zu überzeugen…“
Mutter: „Und wenn mal jemand gar nicht will?“
Ich: „Dann suchen die sich meist einen anderen Kinderarzt, der da mitschwingt.“
Mutter: „Echt jetzt? Sowas gibt´s? Leute, die gar nicht impfen?“
Ich: „Ja schon.“
Mutter: „Aber bei Ihnen nicht?“
Ich: „Sie meinen jetzt, Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen wollen?“
Mutter: „Ja.“
Ich: „Naja, eher wenige.“
Mutter: „Alles klar, dann bleiben wir.“

Easy.

(c) Bild pixabay (CC0 Creative Commons)

Tolle Spritze

thumbs up

Mutter, Kinderdok, Bobele (knapp sechs Jahre alt) – Letzterer strahlt mich an, als er durch die Türe kommt.

Bobele: „Oh, das ist aber alles schön bunt hier.“
Ich: „Äh … ja, danke!“
Mutter: „Ja, er ist grad auf dem Loben-Trip. Alles ist toll und schön.“
Bobele: „Wow, das ist aber eine tolle Liege.“
Mutter: „Sehen sie?“
Ich: „Spitze. Mensch, Bobele, du bist aber nett zu den Leuten.“
Bobele grinst sich eins.
Ich: „Ok. Trotzdem gibts heute eine Impfung. Weißt du ja.“
Bobele: „Klar. Kein Problem.“
Ich: „Ok, also, Achtung. Eins – zwei – drei. … fertig.“
Bobele verklemmt sich eine Träne: „Aua. Das hat aber jetzt … “
Kurzes Schlucken.
Bobele: „Das hat gar nicht weh getan.“
Ich: „Siehste. Du warst richtig tapfer.“
Bobele: „Mmh. Ja. Das war eine gaaanz tolle Spritze.“

Schon recht, Bobele, jedes Loben darf mal ein Ende haben.

(c) Bild bei Flickr/Anthony Kelly (CC Lizenz)

Gemein

Ich hacke das hier kurz ins iPhone, weil mein PC… und das iPad… und, ach, egal. Das soll auch nur ein kurzes Statement sein, weil –

Ich: „Hui, Ihre Tochter hat aber ganz schön heftig ängstlich auf das Impfen reagiert, dabei ist sie doch schon acht. Da sollte sie das doch kennen, oder?“
Mutter: „Ja, nicht wahr? Und dabei habe ich ihr nicht mal was davor gesagt, dass sie eine Spritze kriegt.“

Merkste was?

Eltern sind uneins – BGH entscheidet pro Impfungen

(Ein Blogpost ohne das Bild einer überdimensionierte Impfspritze)

Vor einem knappen Jahr musste ich hier bloggen, dass bei getrennt lebenden Eltern die Einverständnis beider Eltern vonnöten sei, um ein Kind impfen zu lassen. Dies hatte auch Auswirkungen auf die Praxis in der Praxis: Wir Ärzte können nicht stillschweigend davon ausgehen, dass das nicht anwesende Elternteil mit der Impfentscheidung einverstanden ist.

Nun gab es ein neues Urteil in ähnlicher Sache – aber von höchster Instanz, dem Bundesgerichtshof (Beschluss vom 3. Mai 2017 – XII ZB 157/16 ). Hier wurde einem Vater die (Pro-)Impfentscheidung zugesprochen, die Klage der Mutter gegen die Impfungen abgewiesen. Bereits ein Oberlandesgericht hatte für die Impfungen entschieden, die Beschwerde der Mutter hatte keinen Erfolg.

Zunächst wurde die Schwere der Impfentscheidung herausgestellt und aus den Entscheidungen des alltäglichen Lebens herausgelöst (welche stets das Elternteil fällen darf, bei dem das Kind lebt): „Sowohl das durch eine Impfung vermeidbare und mit möglichen Komplikationen verbundene Infektionsrisiko als auch das Risiko einer Impfschädigung belegen die erhebliche Bedeutung.“ — und daher soll die Entscheidung im Streitfall nicht bei einem Elternteil belassen werden, sondern kann vor einem Familiengericht entschieden werden. Dieses wiederum kann „auf Antrag eines Elternteils die Entscheidung einem Elternteil übertragen. Die Entscheidungskompetenz ist dem Elternteil zu übertragen, dessen Lösungsvorschlag dem Wohl des Kindes besser gerecht wird.“ Und hier entschied das Gericht für den Vater.

… und weiter: „Die von der Mutter erhobenen Vorbehalte, die aus ihrer Befürchtung einer „unheilvollen Lobbyarbeit von Pharmaindustrie und der Ärzteschaft“ resultieren, musste das Oberlandesgericht dagegen nicht zum Anlass für die Einholung eines gesonderten Sachverständigengutachtens über allgemeine Impfrisiken nehmen.“ Anders: Die Sinnhaftigheit von Impfungen hat das BGH in seiner Urteilsbegründung als gegeben und medizinischen Standard angesehen, hierüber musste gar nicht diskutiert werden.

Ein guter Schritt für den Impfgedanken.

Pressemitteilung des BGH und der Originaltext der Urteilsbegründung (Sehr lesenswert im Detail!)

Zum Abschluss der Impfwoche noch was Persönliches.

Impfwoche

Zum Abschluss der Europäischen Impfwoche noch ein sehr persönliches Statement.

Ich kann alle Eltern verstehen, die sich nach Geburt ihres Babys um die Verletzlichkeit des neuen Erdenbürgers sorgen, die Angst haben, in diesen gesunden Körper eine Nadel zu platzieren, in den natürlichen Ablauf des Lebens einzugreifen.
Wir als Eltern haben uns diese Sorgen auch gemacht, obwohl wir beide aus medizinischen Berufen stammen. Wir haben damals auch sehr persönlich entschieden. Wir sind selbst beide komplett geimpft, wir haben selbst Kinderkrankheiten durchlebt (die wir nicht nochmal durchleben wollen, so schrecklich sind die Kindheitserinnerungen), wir haben beide manche dieser Krankheiten (Tetanus, Keuchhusten, Hämophilus, Hepatitis, Windpocken mit Komplikationen, Hirnhautentzündungen) bei uns anvertrauten Patienten erleben müssen und kennen niemanden, niemanden, niemanden mit einem Impfschaden.

Vielleicht hat das unsere sehr persönliche Entscheidung, unsere Kinder und unsere Haustiere „durch“zuimpfen, beflügelt.

Aber wir sind auch sehr rationale Menschen und versuchen, medizinische Entscheidungen nicht dem Bauchgefühl zu überlassen. Wir kennen die Zahlen, wir kennen auch die Zahlen der Impfgegner, wir verloren uns auch mitunter auf Homepages mit zweifelhaften Quellen und Elternforen mit – sagen wir – interessanten Einstellungen. Auch wenn wir vielleicht einmal zweifelten, denn alle Eltern zweifeln, wenn es um das Wohl ihrer Kinder geht, das aber nun von außen vermeintlich aus dem Gleichgewicht gebracht werden soll, die Ratio überwog: Wir werden unsere Kinder impfen lassen.

Denn vor allem wollen wir nicht, dass unsere Kinder Krankheiten durchleben müssen, die wir verhindern können. Dafür gibt es immer noch genug Erreger in Kindergarten und Schule, deren Fieber, Husten, Rotz und Durchfall wir ertragen mussten. Nein Danke.

Oder wie die Große letztens sagte: „Klar ist Impfen Mist und tut weh, aber Kranksein ist noch viel mistiger.“

Bisher gebloggt zur Europäischen Impfwoche:
24.4. Impfungen wirken
25.4. Der aktuelle Impfplan für Säuglinge
26.4. Bücher für das Impfen
27.4. Der Klassiker – House, MD und Impfungen
28.4. Ich erzähle Euch mal von Bellchen
29.4. Nur Mut, liebe Eltern

Nur Mut, liebe Eltern

Impfwoche

Bisher gings vor allem um die Impfungen für Kinder, aber die Geschichte von Bellchen macht klar: Wenn wir Eltern gut geschützt sind, sind dies auch unsere Kinder, die wir vielleicht noch nicht impfen können:

– Mütter übergeben ihren Kindern passive Antikörper, z.B. gegen Keuchhusten, so dass die Neugeborenen (noch) geschützt sind, bis sie dann alt genug sind, selbst geimpft zu werden.

– Je mehr Menschen geimpft sind, desto weniger zirkulieren die Viren in der Population. Der so genannte Herdenschutz. Bedeutet: Nicht nur verbreiten geimpfte Kinder keine oder weniger Erreger, auch die Erzieherinnen, Lehrer und Lehrerinnen und nicht zuletzt wir Eltern selbst sind schließlich Teil der Herde.

– Impfen ist eine soziale Aufgabe. In der Kinderarztpraxis auch eine solidarische: Wir impfen gerne auch die begleitenden Eltern und Großeltern, unsere Kanülen sind die dünnsten, und wir kennen uns von allen Fachärzten am besten bei den aktuell empfohlenen Impfungen aus (oder seid Ihr letztens auch nur gegen Tetanus und Diphtherie geimpft worden, nicht aber mit dem Kombiimpfstoff, der auch den Pertussiserreger enthält?). Eure Kinder sind bestimmt zudem tapferer, wenn sie sehen, dass Mami und Papi geimpft werden.

Also gleichmal checken:

—> Ist die letzte Tetanus/Diphtherie/Pertussis-Impfung schon länger als zehn Jahre her? Gleich impfen lassen (übrigens auch in der Schwangerschaft oder Stillzeit).

—> Steht im Impfpass gar kein Kreuzchen bei einer der obigen Impfungen? Insbesondere bei Pertussis (= Keuchhusten)? Ebenfalls gleich mal impfen lassen. Als Erwachsener ist nur eine Impfung notwendig (nur in Kombination mit atetanus und Diphtherie machbar).

—> Nach 1970 geboren (wahrscheinlich alle bis auf mich 🙂)?
Masernimpfung checken –
Keinmal geimpft = 1x impfen lassen,
1x geimpft = ein zweites Mal impfen lassen,
2x geimpft = alles gut.

Das sind die wichtigsten Impfungen. Toll ist es, wenn man sich jährlich grippeimpfen lässt, auch das reduziert die Viruslast in der Bevölkerung. Die FSME-Impfung für die süddeutschen Bundesländer ist empfehlenswert, muss alle fünf Jahre aufgefrischt werden und dient dem eigenen Schutz. Übrigens: Impfungen gegen Hepatitis müssen nicht aufgefrischt werden, außer man arbeitet im medizinischen Bereich.

Also dann: Sucht den Impfpass, fragt Euren (Kinder-)Arzt und achtet vor allem auf den Keuchhustenschutz, den Kleinen zuliebe.

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