11 beste Tipps, wenn Ihr einen Termin beim Kinderarzt braucht

Viele Eltern beschweren sich in der Praxis, dass sie kaum durchkommen am Telefon, dass ständig besetzt sei, und nachher in der Praxis sei ja gar nichts los. Liebe Eltern, das liegt am guten Terminmanagement der fMFA, die alle Hände voll zu tun haben, dass Ihr mit Euren kranken Kindern nicht so lange im Wartezimmer sitzen müsst. (Übrigens: Die fMFA am Telefon sitzt woanders, aus Datenschutz und Konzentrationsgründen außer Hörweite)

Dennoch führen wir eine Kinder- und Jugendarztpraxis, es gibt immer unvorhergesehene Zwischenfälle, plötzlich wichtige Fragen der Eltern, die wir beantworten wollen, auch wenn der eigentliche Vorstellungsgrund die Warze am Fuß war.

Hier meine elf besten Tipps beim Terminvereinbaren in der Kinder- und Jugendarztpraxis:

1. First comes first

Wenn Euer Kind über Nacht akut krank geworden ist, und Ihr denkt, es muss noch am gleichen Tag angeschaut werden (Säuglinge, Atemnot, Rote Flaggen) versucht, gleich morgens in der Praxis anzurufen. Denkt nicht, das Telefon wird am Vormittag ruhiger, das ist es in der Kinderarztpraxis nie. Wer zuerst durchkommt, bekommt auch die frühesten Termine, das ist leider Fakt. Wenn Ihr erst am Nachmittag anruft, sind zumeist die Termine für den Resttag bereits vergeben.

2. Wenn es etwas Zeit hat

Nutzt Termine am Folgetag oder zwei Tage später. Seid doch mal ehrlich: Ihr habt doch auch schon viele Erkrankungen gesehen oder habt schon viel von anderen Eltern gehört. Also keine Panik. Wenn es Eurem Kind gut geht, oder das vorliegende Problem schon länger besteht, freut Euch über einen Termin ein paar Tage später. Die fMFA werden mit gezielten Fragen versuchen, die Dringlichkeit einzuschätzen, vertraut darauf. Kleiner Nebeneffekt: Manchmal lösen sich die Dinge von alleine, Absagen geht immer (siehe Punkt 11).

3. Plant lange im Voraus

Impfungen und Vorsorgetermine haben ein großes Terminfenster und lassen sich lange im Voraus planen, nutzt diese Möglichkeit. Wir haben einen elektronischen Terminplaner, Ihr solltet den auch haben (oder wie kann man ein Handy noch nutzen?). Über den Vorsorge- und Terminplaner des BVKJ kann man übrigens via Geburtsdatum noch besser in die Zukunft sehen. Wer zwei Wochen vor Ablauf der Frist einer Vorsorge anruft, bekommt meist keinen passenden oder gar keinen Termin mehr angeboten. Das ist keine böse Absicht: Die Vorsorge wird schlicht nicht bezahlt von den Krankenkassen.

4. Nutzt Mails

Viele Arztpraxen bieten inzwischen auch eMail-Kontakt oder Online-Terminformulare an. Bei uns z.B. kann man auf diesem Weg bequem Rezepte oder Überweisungen bestellen oder langfristige Termine vereinbaren. Da aber keine fMFA extra für Mails abgestellt wird und die Mails ja auch beantworten werden wollen, sollte der eMail-Verkehr jedoch nicht für hochakute Sachen genutzt werden.

5. Kommt vorbei

Klar ist das lästig: Das Kind ist krank, das Telefon besetzt. Wer direkt ohne Termin in die Praxis kommt, muss (so es der Krankheitszustand des Kindes erlaubt) warten, bis ein freier Slot im Terminplaner frei ist. Das kann locker zwei bis drei Stunden Wartezeit bedeuten. Was kein Problem ist: Nutzt diese Wartezeit für was anderes. Geht Einkaufen, geht mit dem Hustinettenbär spazieren (das tut ihm bestimmt gut). Versprochen: Wenn Ihr dann zum jetzt vereinbarten Termin kommt, sitzt Ihr nicht lange im Wartezimmer.

6. Nutzt gezielt Randtermine

Viele Eltern wollen um 10 Uhr kommen, nach dem Frühstück, oder um 14 Uhr, nach dem Mittagessen. Wir bieten Termine bereits ab 7:30 Uhr an, abends an verschiedenen Tagen auch bis 18 oder 19 Uhr. Im Winter ghet es naturgemäß noch länger. Nutzt diese Randtermine, wenn Eure Kinder dann schon/noch wach sind, hier sind auch langfristig schneller Termine zu vereinbaren. Was bei uns niemand versteht: Wenn Eltern einen dringenden Termin für den gleichen Tag möchten, das Kind aber in der Schule ist. Wenige Dinge dürften dies rechtfertigen.

7. Zentrale Terminvergabe

Die Kassenärztlichen Vereinigungen sind verpflichtet worden, in der Zukunft zentrale Terminservicestellen für Facharzttermine einzurichten. Diese Stellen sollen auch Termine organisieren, um überhaupt einen Hausarzt oder Kinder- und Jugendarzt zu finden, wenn man neu in der Stadt ist. Vielleicht keine schlechte Idee (auch wenn wir aus Sicht der Praxisorganisation jammern) – schaut danach. Vermutlich wird die Telefonnummer 116117 hierfür demnächst nutzbar sein.

8. Jugendliche dürfen alleine kommen

Ab 14 Jahre dürfen bei uns Jugendliche alleine in die Praxis kommen. Vielleicht findet sich dann für die Familie schneller ein Termin? Blöd natürlich, wenn die Jugendlichen noch einen Chauffeur brauchen, weil Ihr zu weit weg wohnt.

9. Follow-Up Termine sofort ausmachen

Ihr seid noch mitten im Impfprogramm? Die nächste Vorsorge steht an und Ihr seid zufällig in der Nähe oder sowieso bei uns in der Praxis? Dann am besten sofort den nächsten Termin vereinbaren. Wir machen die Impftermine im Monatsrhythmus, das lässt sich besser planen und merken. Wenn die letzte Impfung eines Zyklus (zB FSME, Hepatitis B oder HPV) erst in einem halben Jahr ist, dann macht trotzdem gleich den Termin aus. Sonst vergessen das alle. Die nächste Vorsorge ist erst in einem Jahr? – egal: Termin machen.

10. Erlaubt uns den Recall

Recall heißt, dass Arztpraxen ihre Patienten an Termine oder anstehende Untersuchungen erinnern dürfen. Werbetechnisch muss das aber vorher vereinbart werden, also erlaubt das doch den Praxen, am besten mit eMail-Adresse oder Handynummer. Dann rufen wir gerne an und erinnern an den nächsten Termin. Garantiert: Ohne lästige Werbeanrufe. Dazu haben wir eh schon genug Patienten.

11. Sagt Termine ab, wenn Ihr nicht kommt

Liebe Leute, kaum etwas in der Planung ist lästiger als Termine, die nicht wahrgenommen werden. Bitte nehmt Rücksicht auf andere und sagt Termine ab, die Ihr nicht wahrnehmen könnt. Das schafft neue Valenzen für andere Patienten. Und wenn es mal sehr kurzfristig ist, weil das Auto spinnt oder Ihr den Termin schlichtweg vergessen habt: Bitte trotzdem melden, das schafft bessere Stimmung als ein einfaches No-Show.

Kein Tipp: Werdet Privatpatienten

Ja, das ist kein Tipp. Auch wenn dies immer wieder und gerne kolportiert wird: Privatpatienten erhalten (jedenfalls in Akutpraxen) keine schnellere, längere oder günstigere Termine. Und sie haben auch keinen Anspruch darauf. Wenn Kinder krank sind, sind sie nicht kranker, nur weil die Eltern sie privat versichert haben. Was jedoch einen Unterschied macht: Termine für Kassenpatienten sind durch so genannte Regelleistungsvolumina begrenzt, d.h. es werden nur so viele Patienten bezahlt, wie wir auch im Vergleichsquartal des letzten Jahres versorgt haben. Sehr vereinfacht ausgedrückt. Deshalb müssen manche Facharztpraxen Kassenpatienten ins nächste Quartal verschieben (so entstehen die Wartezeiten). Für Privatpatienten gibt es diese Begrenzungen nicht, deshalb sieht es nach außen so aus, als ob der Private schneller einen Termin bekommt wie der Gesetzlich Versicherte.

Noch weitere Ideen oder Tipps, wie man gut an Termine kommt? Wie macht es Eure Kinder- und Jugendarztpraxis? Seid Ihr grundsätzlich zufrieden oder gibt es Verbesserungspotential? (Vielleicht finde ich noch das eine oder andere, was ich in unserem eigenen Ablauf ändern kann).

(c) Bild bei pxhere (CCO frei nutzbar)

Lesepotpourri Januar, Februar, März

Books HD

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In steter Tradition hier meine Lektüren der letzten drei Monate, wen’s interessiert. Und was ich darüber denke:

Mariana Leky – Was man von hier aus sehen kann

Ein wunderschönes Buch für ein Glückliches Frühlingswochenende. Es geht um die alte Selma, in deren Träumen immer dann ein Okapi auftaucht, wenn ein Mensch stirbt. Dieses Omen durchzieht das gesamte Buch, auch wenn es darum eigentlich gar nicht geht, sondern um Luise und ihren Vater, Luise und ihren besten Freund der Kindheit, Luise und dem buddhistischen Mönch. Der Optiker spielt eine grosse Rolle und eine kleine eine Buchhandlung. Die scheinbare Harmlosigkeit der Geschichte ist es, die im Abgang ein so entspannt glückliches Gefühl hinterlässt, wie es nur ein Frühlingswochenende kann. Gelesen kurz nach Jahreswechsel. (5/5)

Maya Angelou – Ich weiß, warum der gefangene Vogel singt (Übersetzt von Harry Oberländer)

Diese Geschichte soll Generationen von Jugendlichen (vor allem der Schwarzen Menschen in den USA) und Oprah Winfrey entscheidet geprägt haben, sie war Schullektüre in den Staaten und ist dennoch „nur“ ein Teil des autobiographischen Werkes von Maya Angelou. Die Story plätschert anfangs so dahin, beinahe zurückhaltend und unaufgeregt, eine Darstellung des Lebens des letzten Jahrhunderts im Westen und Mittelwesten der USA, aus der Sicht der jungen Maya, die von den Eltern weggeschickt, bei der Großmutter groß wird. Aber es geschehen schreckliche Dinge um sie herum, schließlich auch mit ihr, und alles ändert sich. Und doch gar nichts. Am Ende fehlt etwas, vielleicht eine Moral, ein Schlußstrich, aber ganz sicher gibt es den nicht. Ich las das Buch als Teil der Twitter-Lese-Gruppe @54reads, tut mir leid, nach dem ersten Monat bin ich raus, ich kann nicht nur ein Buch lesen, sondern muss weitermachen. (4/5)

Hermann Hesse – Siddartha

Wiedergelesen, natürlich. Hesse war Teil meines Lebens als Teenager, ich habe alles verschlungen von ihm, was ich in die Finger bekam, und wenn uns die Schule ein Buch verordnete, klatschte ich in die Hände. Hesse ist auch eine verdächtige Person, so lehrt es uns die Geschichte, aber seine Bücher sind in ihrer konstante Weisheit und literarischen Stärke und Originalität unübertroffen. „Siddartha“ ist der Prototyp der späten Romane, aus der Sicht eines Langlesers Ü50 inzwischen voller Redundanz und etwas ermüdend, aber ich spürte nochmal den Rausch des Jugendlichen, den ich beim Lesen früher empfunden habe. Alles besser machen zu wollen, den Sinn allen Lebens zu finden, bis er Dich selbst findet. (5/5)

Jennifer Egan – Manhattan Beach (Übersetzt von Henning Ahrens)

Nicht ganz so mitreissend wie „Der grössere Teil der Welt“, auch nicht ganz so virtuos, eher als Fingerübung kommt dieser Roman daher: Ein wenig Feminismus, ein wenig Krimi, ein wenig Familiengeschichte, ein wenig Historie. „Manhattan Beach“ erzählt die Geschichte der ersten Militärtaucherin der USA, Anna Kerrigan, angesiedelt in den Docks von Brooklyn, immer die Skyline von New York im Blick. Ihr Vater arbeitet mit einem der Gangsterbosse zusammen, verschwindet auf mysteriöse Weise, und sein Auftauchen markiert einen spannenden Nebenstrang der Geschichte. Ich habe den Roman zügig durchgelesen, das Geschriebe ist beeindruckend süffig, aber am Ende zerfasert die Story in zuviele Anliegen, so dass ich am Ende nicht wusste, was von ihr übrig blieb. (3/5)

Ian McGuire – Nordwasser (Übersetzt von Joachim Körber)

In „Manhattan Beach“ kommt ein Schiffsbruch vor, in Nordwasser auch, eine interessante Parallele. Sonst haben die Bücher nichts miteinander zu tun. „Nordwasser“ spielt in den Wirren des Walfangs, ganz im Gedenken an Hermann Melville, trotzdem geht es hier nicht um den Wal, der Feind ist das Böse im Harpunier Drax, ein Psychopath, der mordet, weil er es kann. Sein Antagonist ist Patrick Sumner, der Schiffsarzt (!), er hat auch keine saubere Lebensgeschichte zu bieten, aber überlebt in geläuterter Moral. Eine Männergeschichte, mit Mord, Schweiss, Angst, Kälte, Eis, Fett, Fell und derber Sprache. Zwischendrin poetische Metaphern und grausame Spannung. Nicht umsonst seinerzeit nominiert für den Man Booker Prize. (5/5)

Robert Seethaler – Das Feld (Hörbuch gelesen von ihm selbst)

Er wird groß gehandelt, der Seethaler, er schreibt auch tolle Bücher, keine Frage. „Das Feld“ erschien mir wie ein zusammengestricktes Sammelsurium kleiner Geschichten, wie sie vermutlich jeder Autor in seiner Kladde zuhause fabuliert, mühsam zusammengehalten durch den Friedhof, eben das Feld, auf dem die Personen, die hier vorkommen, beerdigt liegen. Natürlich braucht es auch hier einiges an Planung, damit die Verbindungen nicht zu lapidar daherkommen, in der Summe sicher ein Kunstgriff, der auch nicht jedem gelingt. Sicher hatte Seethaler einen guten Lektor. (3/5)

Wolfgang Herrndorf – Bilder deiner großen Liebe (Performance Lesung durch Sandra Hüller)

Herrndorf ist unantastbar. Ein deutscher Schriftsteller. Jedes seiner Bücher ein Wurf. Auch das letzte, unvollendete, „Bilder einer großen Liebe“, wäre genial, wenn er es vollendet hätte. Leider ist Herrndorf vorher gestorben. Das ist bekannt. Das Buch sei eine Art Fortsetzung von „Tschick“ und hat irgendwie auch gar nichts damit zu tun. Da es sich in der Formulierung naturgemäß eher um Fragmente handelt, gelingt es Sandra Hüller in ihrer Live-Performance, die Schwächen des Textes mit ihrer Bühnenpräsenz und brutaler Musik zu überspielen. Die Stärken zelebriert sie sowieso. Kann man hören, muss man aber dranbleiben. (3/5)

Heidemarie Brosche – Mein Kind ist genau richtig, wie es ist

Mein Sachbuch des Monats, also, das einzige, was ich diesen Monat geschafft habe. Das Thema ist ja ganz in meinem Interesse und ganz im Impetus vieler Kinderärzte, auch der populären, wie Renz-Polster oder dem niedergelassen Kollegen Hauch, der ja unlängst ein ähnliches Buch veröffentlichte. Lasst die Kinder, wie sie sind. Sie sind nicht „zu sehr “ so und so oder „zu wenig“ wie auch immer. Zu still. Zu laut. Zu provokant. Zu ungeschickt. Sie sollen Therapien bekommen, sie werden verglichen, die Schwächen werden überhöht und die Stärken nicht gefördert. Brosche geht genau gegen diese Denke vor, jedes Kind ist genau richtig. Während sie im ersten Teil des Buches die Hintergründe beleuchtet, warum unser Zeitgeist genau so ist, wie er ist, ob das alles auch so stimmt, sucht sie im zweiten Teil konkret nach Lösungen: Was ist, wenn die vermeintlichen Schwächen sogar Stärken sind, das wilde Kind in Wahrheit risikofreudig und experimentell, das ruhige Kind abwartend und besonnen. Sie erlaubt nicht alles, ist auch kritisch, auch die Helikoptereltern bekommen ihr Fett weg. Letztendlich ein Plädoyer für mehr Besonnenheit und Normalität in der Individualität. Allen ans Herz gelegt, die mit Kindern schaffen. (5/5)

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(c) Bild bei Flickr/Abhi Sharma (unter Attribution 2.0 Generic (CC BY 2.0) – Lizenz)

Zecke 2019*

Ich schreibe ja jedes Jahr irgendetwas zu den Zecken, weil sie so in aller Munde sind,… also, naja, nicht hoffentlich da. Ihr wisst schon: Jedes Jahr verbreitet sich eine gewisse Panik um die kleinen possierlichen Tierchen, es existieren die wildesten Gerüchte und kryptische Handlungsempfehlungen. Das werde ich nicht alles wiederholen. Heute nur die neueste Story zu Zecken und weiter unten meine bisherigen „Werke“ zum Thema. Ab 2020 verlinke ich dann dieses Posting hier und tausche nur die Jahreszahl aus.


Neulich im Notdienst standen gegen 20.30 Uhr Sohn und Vater an der Anmeldung, es gebe eine Zecke zu besichtigen, genauer: Die nicht mehr vorhandene Zecke, denn der Sohn hatte sie schon mit den Fingernägeln entfernt. Ich sah eine kleine rote Stelle, wie bei einem Insektenstich, so siehts eben aus.

Vater: „Ganz übel entzündet, ganz übel, schauen Sie mal.“

Ich: „Naja. Keine Sorge, das ist nur die Reaktion auf den Stich.“

Vater: „… Biss. Zeckenbiss.“

Ich: „Ich dachte, Zecken stechen, aber was weiß ich schon?“

Vater: „Und was jetzt tun?“

Ich erklärte die üblichen Verdächtigen: Das FSME-Virus, die Impfung dafür (hatte der Junge schon bekommen), die Borrelien und worauf zu achten ist, also eine Wanderröte, grippale Symptome, Kopfschmerzen. Ich gab eine kurze Einschätzung des Risikos (eher gering, weil die Zecke schnell entfernt wurde und der Junge geimpft ist).

Vater: „Und was ist mit der Zecke?“

Ich: „Wegen Einschicken? Also das machen…“

Vater: „Nee, nichts einschicken. Wir wissen ja gar nicht wo sie ist.“

Es stellte sich heraus, dass der Junge die Zecke aus Ekel fallen ließ, verständlich, und sie dann nicht wiederfand.

Vater: „Die krabbelt doch noch bei uns rum.“

Ich: „Jaaa? Wahrscheinlich?“

Vater: „Aber das ist doch total gefährlich. Dann beißt sie ja nochmal. Den nächsten. Oder ihn wieder.“ Er zeigt auf seinen Sohn, der sich mit großen Augen ausmalt, was ihm heute nacht im Schlafzimmer blüht.

Ich: „Sie könnten alles absaugen.“

Vater: „Aber reicht das? Man sieht die Viecher doch gar nicht. Und vielleicht kommen die aus dem Staubsauger heraus?“ Die bekannte Angst. Wie bei Spinnen.

Ich: „Ich würde mir da mal keine Sorgen machen.“

Vater: „Aber da muss man doch was machen. Was machen Sie da jetzt?“

Ich: „Äh… Nichts?“

Vater: „Aber da muss man doch was machen? Ist das hier keine Notfallpraxis?“

Ich: „Guter Mann: Ihr Sohn ist erstmal außer Gefahr. Soweit hat er sich selbst gerettet. Der Stich sieht gut aus, da passiert erstmal nichts. Für zoologische Notfälle sind wir leider nicht zuständig.“

Vater: „Warum sind wir dann gekommen?“

Die Antwort blieb ich ihm schuldig.


Zecken und viel Panik – mein ultimatives Blogpost zum Thema. Noch mehr muss man nicht wissen. Erstmal.

Notdienstzecke 2 – eigentlich der Vater von oben, in einer Variante

Notdienstzecke – diesmal eine Mutter, hier gehts ums Untersuchen der Zecke – und wie sinnvoll das ist.

Zehn auf einen Streich – schon vor zehn Jahren im Blog.

(c) Bild in freier Lizenz bei Senior Airman Devin Boyer – *ich wollte schon immer mal ein Bild mit Hundekulleraugen benutzen.

Otov… Ohweh!…n, wait and leave…

Ein wenig Hintergrundwissen

Die meisten Mittelohrentzündungen sind viral bedingt. Wie wir alle inzwischen wissen, gehen die meisten viralen Infektionen von alleine wieder zurück, Antibiotika sind hier nicht indiziert. Es gibt ein paar Ausnahmen, so Kinder unter 2 Jahren, schlechter Allgemeinzustand, hier werden Ärzte schneller handeln, oder mangelnde Besserung nach zwei bis drei Tagen, hier muss doch eine bakterielle Superinfektion behandelt werden.

Wir weisen in der Praxis auf ausreichende Schmerzstillung hin. Ohrenweh ist etwas Gemeines, eventuelle Fiebersenkung ist ok, außerdem hin und wieder Nasentropfen, um die Eustachische Röhre und damit das Mittelohr besser zu belüften. Engmaschige Kontrollen in der gleichen Woche, wenn die Ohrenweh nicht zurückgehen, sind selbstverständlich.

Verschiedene Studien und Leitlinien bestätigen dieses Vorgehen. Die Amerikaner nennen das Ganze „Watchful waiting“ oder „Wait and see“, also, das Kind und die Eltern nicht der Ohrenentzündung auszuliefern, sondern wiederholt nachzuschauen, ob Spontanheilung eintritt.

Wichtigste Erkenntnis: Die meisten Ohrenentzündungen (60-70%) klingen ohne Zutun wieder ab.

Diese Spontanremission nutzen Alternativmedizinische Maßnahmen, allen voran wie immer die Globuli, aber auch das allseits angepriesen Oto.vo.wen. Leider wird das letztere Präparat auch in Fach (sic!)-Zeitschriften beworben, scheinbar sind Mediziner eine gute Zielgruppe.

Was ist nun von der Werbung und dem Mittelchen zu halten?

Inhaltsstoffe

Das Präparat wird als homöopathisches Mittel verkauft, also finden sich natürlich entsprechende Verdünnungen in der alkoholischen Lösung, hier nur kurz die deutschen Namen und die ungefähre Menge auf 10ml:

  • Aconitum napellus Dil. D6 — Blauer Eisenhut – 0,075ml, die Verdünnung D6 entspricht einem Faktor von 1:1000000, also sind noch ca. 0,000000075 ml Ursubstanz enthalten.
  • Capsicum annuum Dil. D4 0,075 ml – Spanischer Pfeffer – D4 entspricht 0,0000075 ml
  • Hydrargyrum bicyanatum Dil. D6 0,075ml – Quecksilberzyanid D6 = 0,000000075ml
  • Hydrastis canadium Dil. D4 0,075 ml – Kanadische Orangenwurzel = 0,0000075 ml
  • Iodum Dil. D4 0,075ml – Jod = 0,0000075ml
  • Natrium tetraboracicum Dil. D4 0,075ml- Boraxsalz = 0,0000075ml

Das waren die Homöopathika, es braucht keine Erwähnung, dass hier kaum ein Molekülnachweis erfolgen kann.

Es folgen die Phytotherapeutika

  • Chamomilla recutita Ø 0,225 ml, d.i. die echte Kamille, allerdings auch in einer 44x Verdünnung
  • Echinacea purpurea Ø 0,75ml, der Sonnenhut, immerhin nur 14x verdünnt
  • Sambucus nigra Ø 0,225ml, d.i. Schwarzer Holunder
  • Sanguinaria canadensis Ø. 0,075ml, d.i. Kanadische Blutwurz.

Lassen wir die Homöopathika außen vor, aus naheliegenden Gründen, so sind die Pflanzenbestandteile sicher nachweisbar, aber in so geringer Dosierung vertreten, dass wir eine Wirkung mehr als anzweifeln dürfen. Zudem wird das Mittel in einer Dosierung von 2-15 (d.i. 0,07ml bis 0,6ml) Tropfen mehrmals täglich empfohlen, was die absolute Menge nochmals reduziert.

Zum Vergleich: Im klassischen puren Echinacea-Präparat sind über 2g Presssaft aus Sonnenhutkraut auf 100g Saft enthalten, also 2%, beim vorliegenden Ohrenmittel sind es 0,075%.

Ach ja: Wir haben hier übrigens auch 53 Vol-% Alkohol drin, der Hersteller spricht von 90mg pro 5 Tropfen und relativiert, ein halbes Glas Apfelsaft beinhalte mehr Alkohol. Ich weise daraufhin, dass das Fläschchen mit 10ml immerhin 4,86g Alkohol enthält. Zum Vergleich, ein Schnaps mit 20ml enthält 6,08g, also umgerechnet weniger (10ml Schnaps = 3,04g). Offen wir, dass das Kind das Mittel nicht „ext“.

Werbung

Sehr ärgerlich finde ich stets die Slogans, die die Medizinwerbung begleiten. Es gibt immer einen Hinweis auf die Kosten, hier „budgetneutral auf grünem Rezept“, was suggeriert, Doktors, das Zeug kostet Euch und die Solidargemeinschaft nichts, lasst die Eltern das Zeug selbst bezahlen. Manchmal steht da auch „Erstattungsfähig bis 12 Jahre“, was bei allen OTC-Präparaten auch richtig ist, wenn sie auf Rosa Rezept geschrieben werden. Die Wirksamkeit steigert das aber nicht. Oto.vo.wen wurde die Erstattungsfähigkeit unlängst abgesprochen, wegen fehlender „Zweckmäßigkeit“.

Sehr bedenklich auch das Versprechen „wirkt schnell“, denn eine echte kausale Wirkung darf man bezweifeln, und dass es „analgetisch“ sei. Ich konnte kein potentes Analgetikum in den Inhaltsstoffen identifizieren.

Eine tolle Studie von 2004 (!) wird auf der Werbeseite präsentiert, die eine Reduktion von 81% auf 14% Antibiotikagabe suggeriert, sowie 67% auf 53% Analgetika. Schauen wir die Studie bei PubMed näher an, so finden wir eine offene, prospektive, nicht randomisierte und nicht placebo-kontrollierte Untersuchung. Ein Kommentar erübrigt sich.

Des weiteren sei die Kontrollgruppe „treated either conventionally (free combinations of decongestant nose drops, mucolytics, analgesics and antibiotics)„, also völlig unstandardisiert, während die Verumgruppe „supplemented by conventional medications when considered necessary„, also vermutlich auch mit Nasentropfen oder Analgetika. Überhaupt nicht berücksichtigt wird, bei einer „akuten unkomplizierten Otitis“, was als Indikation genannt wird, gar nichts zu tun und abzuwarten, wie es die Leitlinien seit Jahren empfehlen (s.o.).

Und der Slogan „Oto.vo.wen – and see.“ Wie oben erwähnt, persifliert das den Hinweisspruch der englischsprachigen Empfehlungen und suggeriert, dass nur mit Oto.vo.wen das wait and see funktioniere. Und das ist eben nicht so: Sehr gut geht es auch ohne.

Fazit

Einfache Ohrenentzündungen klingen unter Beobachtung auch ohne Antibiotika in 2/3 der Fälle ab, sind selbstheilend binnen zwei bis drei Tagen. Gibt man in dieser Zeit Oto.vo.wen, ist der subjektiv empfundene Einfluss des Präparates extrem gut. Wieder werden Wirkung und Wirksamkeit vermischt und zufällig gegebene Maßnahmen als kausal wirkend eingestuft.

Liebe Eltern, spart Euch das Geld und erspart Euren Kindern das Plus an Alkohol.

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Weiterlesen: Gericht schließt Homöopathikum als „unzweckmäßig“ aus.

(c) Bild bei pixabay/Anemone123 (Freie Lizenz)

Kein Kind muss schlafen lernen (Eine seltsame BVKJ-Pressemitteilung)

„Herr Doktor, wir sind völlig verzweifelt, die kleine Marie will immer noch nicht alleine in ihrem Bett schlafen.“
„Aber sie ist doch auch erst vier Monate alt.“
„Aber in der Krabbelgruppe schlafen alle schon alleine. Und auch durch.“

„Herr Doktor, was sollen wir nur tun. Der Josip kommt jede Nacht dreimal. Dann weint er ganz viel. Und am Ende lege ich mich zu ihm, dann kann er ruhig schlafen.“
„Schlafen Sie denn dann alle besser?“
„Ja, auf jeden Fall. Dann schlafen wir alle durch.“

„Herr Doktor, seitdem das Baby auf der Welt ist, möchte Emmaluise wieder zu uns ins Bett. Das geht doch nicht.“
„Warum denn nicht?“
„Jedes Kind muss doch irgendwann mal schlafen lernen, oder?

So oder ähnlich fragen viele Eltern in der Praxis nach. Sie suchen dann im Internet nach Hilfe und finden am Ende vielleicht diese Pressemitteilung unseres Berufsverbandes:


„Ein- und Durchschlafprobleme sind häufig bei Kindern. Bereits ein Baby kann, ohne dass es Eltern bemerken, Gewohnheiten entwickeln, die zu Schlafproblemen führen. Schrittweise kleine Veränderungen können dann helfen, dieses Verhalten zu verändern.

 „Wenn ein Baby sich daran gewöhnt hat, nur einzuschlafen, wenn Vater oder Mutter neben ihm liegt, so fordert es dieses Ritual immer ein – auch wenn es zwischendrin aufwacht. Hier sollten Eltern das Kind schrittweise ‚entwöhnen‘. Dabei sollte ein Elternteil anfangs nicht mehr im Bett liegen, sondern auf dem Bett sitzen, dann zu einem Stuhl wechseln, um schließlich ganz aus dem Zimmer zu gehen und das Kind alleine einschlafen zu lassen“, erläutert Prof. Dr. Hans-Jürgen Nentwich, Kinder- und Jugendarzt sowie Mitglied des wissenschaftlichen Beirats beim Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) das Vorgehen.

Eltern sollten sich über das Schlafbedürfnis in den verschiedenen Altersstufen informieren und bei individuellen Unterschieden von ihrem Kinder- und Jugendarzt beraten lassen. Über das individuelle Schlafbedürfnis eines Kindes kann die Dokumentation des Schlafverhaltens Auskunft geben. Viele Eltern wissen zum Beispiel nicht, dass es normal ist, wenn Vorschulkinder etwa 20 Minuten und Grundschulkinder und Jugendliche etwa 30 Minuten brauchen, bis sie einschlafen können. „Bei größeren Kindern ist es u.a. wichtig, dass sie das Bett nur zum Schlafen nutzen und nicht für andere Aktivitäten, wie z.B. fernsehen oder Hausaufgaben machen“, erklärt Professor Nentwich. Entspannung kann das Einschlafen erleichtern. Bei kleinen Kindern kann eine Kindermassage schlaffördernd wirken und bei größeren Kindern die progressiv Muskelentspannung nach Jacobson, manchmal ist auch eine kognitive Verhaltenstherapie zielführend.

Folgende Maßnahmen gehören zu einer guten Schlafhygiene:

  • Regelmäßige Schlaf-Wach-Zeiten einhalten.
  • Vor dem Einschlafen gleichbleibendes Ritual pflegen (z.B. Vorlesen, Vorsingen usw.)
  • In der letzten Stunde vor dem Zubettgehen Reizeinwirkung verringern (keine lauten Geräusche, kein grelles Licht usw.).
  • Für eine ruhige und abgedunkelte Schlafumgebung sorgen. Wenn Kinder in der Nacht aufwachen, sollten Eltern ebenso auf geringe Reizeinwirkung achten.
  • Ab fünf Jahren sollten Kinder nicht mehr tagsüber schlafen. Wollen Jugendliche sich kurz hinlegen, sollten sie dies nicht am späten Nachmittag und maximal nur für 20 bis 30 Minuten tun.
  • Leiden Kinder unter länger anhaltenden Schlafstörungen oder/und zeigen ungewöhnliche Verhaltensweisen im Schlaf, sollten Eltern in jedem Fall mit ihrem Kind zum Kinder- und Jugendarzt.

Dies war eine Pressemitteilung des BVKJ –

Welche Erfahrungen habt Ihr mit Ritualen, Schlafproblemen und „Guten Ratschlägen“ von allen Seiten gemacht?

Wer gab den entscheidenden Hinweis? Geht Ihr mit Schlafproblemen zum Kinderarzt?

Ich persönlich finde vor allem den ersten Absatz des „wissenschaftlichen Beirats“ bedenklich, dass wir wieder zurückkehren zum „Entwöhnen“ der Babys, zurück zu „Jedes Kind kann Schlafen lernen“. Das ist doch sehr anachronistisch, oder? Es ist sehr schade, dass eine Institution wie unser Berufsverband solche Empfehlungen abgibt.

Schließlich ist es auch Teil der Vorbeugung des Plötzlichen Kindstodes, dass vor allem Säuglinge im Schlafzimmer der Eltern schlafen sollen. Aber das alleine ist es ja noch gar nicht: Zuviel Druck lastet auf den Eltern, wenn ihnen suggeriert wird, dass Kinder ab einem bestimmten Alter alleine einschlafen oder durchschlafen müssen. Ich dachte in den letzten Jahren, dass wir uns von diesen alten Vorstellungen gelöst hätten.

Eltern sind jedenfalls in der Praxis sehr beruhigt und viel gelassener, wenn ich ihnen empfehle, eine ureigenen Weg zu finden, wie alle ruhiger schlafen können. Ob das am Ende das gemeinsame Familienbett ist oder das Schlafen im eigenen Bett und eigenen Zimmer, bleibt doch jeder Familie selbst überlassen, oder? Es hakt immer erst dann, wenn ein Part schlechter wegkommt: Wenn die Kinder nicht schlafen können oder auch die Eltern. Im schlimmsten Fall beide. Echte Schlafprobleme, wie sie in der Pressemitteilung suggeriert werden, entstehen nicht durch das Co-Sleeping, sondern durch andere Probleme oder Schwingungen in der Familie.

Etwas mehr Gelassenheit würde der Diskussion auf jeden Fall gut tun, die Wissenschaft sollte man hier besser nicht bemühen, es geht doch vielmehr um Nähe, Beziehung und Geborgenheit.

Mehr dazu:Renz-Polster zum „Durchschlafen“

(c) Bild bei PublicDomainPictures/ Petr Kratochvil (unter CC0 Lizenz)

Jahresrückblick 2018 I – Lesepotpourri Oktober, November, Dezember

Jetzt beginnt die busiest time of the year, das vierte Quartal des alten Jahres und das erste des neuen Jahres, daher sind die Leseergebnisse nicht so üppig ausgefallen wie im Sommer. Hier sind sie:

Der Freund der Toten von Jess Kidd (übersetzt von Klaus Timmermann und Ulrike Wasel

Ein etwas anderer Krimi. Der Weltenstreuner Mahony reist zurück in das Dorf seiner Kindheit, auf der Suche nach dem Mörder (?) seiner Mutter. Dabei trifft auf die skurrilen und sympathischen und seltsamen Bewohner des Ortes, geht Liebeleien ein und ist doch nur ein Durchreisender. Ein Theaterstück spielt eine Schlüsselrolle, aber es sind vor allem die Toten, die Mahony bei der Suche helfen. Der Typ kann Verblichene sehen, kann sie hören, kann mit ihnen kommunizieren. Ein Gruselfilm ist es trotzdem nicht. Ein paar Längen, aber, wer sich auf die blumige Sprache einlässt, bekommt ein nettes Lesevergnügen serviert. (4/5)

Spademan von Adam Sternbergh (Übersetzt von Alexander Wagner)

Ich war im Oktober in New York und gerne lese ich anderen Orten Krimis aus der entsprechenden location. „Spademan“ war ein Tipp aus Twitterkreisen, und es hat sich wirklich gelohnt. Mir hat der Thriller um den Auftragskiller Spademan sehr gut gefallen, ein Rush durch die Stadt, eine persönlich Aufgabe, die den abgebrühten coolen Typ schnell an die Grenze der Belastung bringen. „Spademan“ spielt irgendwo zwischen der Gegenwart und der weiteren Zukunft, New York ist ein noch größeres Moloch als es jetzt schon ist. Religionswahn und Technik gepaart mit einem schönen hardboiled Krimi noir – jetzt habe ich alle Anglizismen durch. Die Fortsetzung liegt schon auf meinem SuB. (5/5)

Der Teufel von New York von Lyndsay Faye (übersetzt von Michaela Meßner)

Und noch ein Buch, das in New York spielt, jetzt aber in der Vergangenheit des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Es wird die neue Polizei von New York gegründet, das NYPD, ein Flüchtlingsstrom aus Europa schwappt über die Neue Welt und ein Kindermörder treibt sein Unwesen. Der eigentliche Barkeeper Timothy Wilde wird zum Polizisten und Detective ernannt und sieht sich einer Verstrickung aus Bordellbesitzern, Politikern, der Kirche und seinem eigenen Bruder gegenüber. Brilliant und spannend geschrieben, mit viel Lokalkolorit und – natürlich – geographischer Raffinesse, wie NY früher einmal war. Auch hier gibt es Fortsetzungen – ich bin gespannt. (5/5)

Elevation von Stephen King

Ein kleiner schmaler Band des Bestsellerautors und doch ein typischer Stephen King: Eben kein Horror, keine Gruselgeschichte, keine Monster. Und trotzdem eine seltsame Story über den älteren Herren Scott Carey, der … immer mehr Gewicht verliert. Aber das ist nur die halbe Geschichte, denn es geht hier nicht um Magersucht. Im Deutschen heißt das Buch Erhebung, was den Titel nicht hinreichend übersetzt. Es geht um Überhöhung, um Leichtigkeit, um das Verlieren des Bodens unter den Füßen. Nach ein paar Hängern der letzten Jahre mit spannenden, aber durchschnittlichen Krimis, hier ein ganz großer Wurf von Stephen King, eine Novelle, die er aber wohlweißlich nicht in irgendeiner Anthologie versenkt hat, sondern eine eigene Veröffentlichung gönnte. Lesetipp. Wer Sorge hat, dass er dem Trivialen verfällt – einfach den Namen King ausblenden. (5/5)

Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede von Haruki Murakami (Übersetzt von Ursula Gräfe)

Eine nette Sammlung von Geschichten um das Laufen und das Schreiben. Der passionierte Läufer (incl. Marathon) Murakami erzählt aus seinem Leben, wie es zum Laufen kam und zum Schreiben und welche Verbindung es hier gibt. Wohl mehr was für Fans des einen oder des anderen, aber ganz unterhaltsam. Das Buch motiviert zum Laufen, zum Schreiben, zum Lesen von Murakami. Pflicht erfüllt. (4/5)

Alles halb so schlimm von Stephan Nolte

Mal wieder ein Sachbuch zum Empfehlen. Nolte ist ein kinderärztlicher Kollege aus dem Hessischen, der sich in Fachbereichen gerne einmal einbringt mit unorthodoxer Sichtweise auf unseren Medizinbetrieb. So weit, so sympathisch. Er kann gut schreiben, das hat er an anderer Stelle schon bewiesen. Nun legte er ein Buch vor, das jeder Kinderarzt selbst gerne geschrieben hätte: Der Titel ist Programm.

Das Buch soll Eltern vermitteln, dass das Großziehen von Kindern und die Auseinandersetzung mit den Wirrungen dieser Zeit „halb so schlimm“ ist, dass die Eltern wieder mehr auf ihren Instinkt vertrauen und nicht helikoptern sollen. Das Buch versteht sich auch als gesellschaftliche Kritik, am Medizinbetrieb, aber auch z.B. an der frühen Kitaisierung unserer Kinder.

Eine Stern Abzug bekommt Nolte für seine (wenn auch moderate) impfkritische Einstellung und die pseudoverbrämte Liebe zur Homöopathie – mit solch vernünftigen Einsichten sollte sich der Kollege lieber von der Glaubulisierung unserer Eltern abwenden. Keine Ahnung, ob Kollege Nolte meinen Blog kennt, aber so weit voneinander entfernt sind wir vermutlich nicht. (4/5)

Der dunkle Prinz von Enrico Marini (Übersetzt von Monja Reichert)

Ich bin Batman-Fan. Von allen Superhelden ist er mein Hero: Viel Geld, viele Muckis, eine spannende Backgroundstory, die jeder inzwischen kennt, mit dem Joker ein fantastischer Antagonist. Schon oft ist die Geschichte neu gezeichnet oder gefilmt worden. Legendär die peinlichen Auftritte eines Michael Keaton oder Val Kilmer in den 90er (trotzdem Kult!) und die Neuerfindung durch die Nolan-Filme. Und klar: Auch in den Comics gibt es stets neue Versuche. „Der dunkle Ritter“ von Frank Miller setzte Maßstäbe des Genres, nun ein neuer Start von Enrico Marini. Der Joker ist dabei, Harley Quinn und eine sehr persönliche Verstrickung des schwarzen Rächers. Unglaublich gut koloriert mit wunderbar dynamischen Bildern, Panels wie im Film. Ich bin durch und habe nochmal von vorne angefangen. (5/5)

Spirou in Berlin von Flix

Jaaa – der Flix hat ein neues Album veröffentlicht. Naja, das hier ist inzwischen schon älter, aber ich komme doch jetzt erst zum Besprechen. Ich durfte Flix auf seiner Tour sehen (wer noch die Möglichkeit hat: Macht es, es ist ein gaaanz anderes Erleben des Comics), der Mann selbst ist so sympathisch, und das setzt sich in seinen Comics durch. Ich war bisher kein großer Spirou und Fantasio Fan, aber jetzt bin ich am Haken. Es ist alleine eine Auszeichnung, dass die belgischen Lizenzgeber einem deutschen Zeichner diese Verantwortung übergeben, einen „deutschen Spirou“ zu zeichnen – und Flix meistert das mit Bravour. Es macht schlicht Spaß, den Comic zu lesen, versteckte Botschaften zu finden und sich von der Geschichte mitreissen zu lassen. Ein Comic dieses Jahr? Nemmt Spirou in Berlin! (5/5)

Bonus: Meine drei Lieblingsbücher dieses Jahr:

In vier Überblicken habe ich dieses Jahr meine gelesenen Bücher Revue passieren lassen (Hier und heute) – es waren insgesamt 43 Bücher, Hörbücher oder Comics, sicher habe ich noch eines oder zwei vergessen, eigentlich ein mieser Schnitt. Aber meine drei Highlights waren (mit Link zur Besprechungsseite):

Tyll von Daniel Kehlmann

Von dieser Welt von James Baldwin

Die Stadt der träumenden Bücher von Walter Moers

Alles keine Neuerscheinungen in diesem Jahr, aber den Anspruch habe ich ja auch nicht. Viel Spaß im neuen Jahr – lest fleißig, dann bleibt Ihr schlau.

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Lesepotpourri August/September

Liebe Blogleser,

diesmal ein Rückblick auf zwei Monate, es hat sich ein wenig angesammelt, das lag auch an den Sommerferien, bei uns war wenig Action angesagt, viel Meer, Sonne und Ferienhaus, und das bedeutet für mich – viel Lektüre. Enjoy.

Die Stadt der träumenden Bücher – Walter Moers
Erstaunlich, dass ich die „Stadt der Träumenden Bücher“ erst jetzt gelesen habe, obwohl ich eigentlich ein riesiger Moers-Fan bin. Der Blaubär ist in unserer Familie mindestens fünfmal gelesen und vorgelesen worden, Rumo und Ensel fand ich genial. (Interessanter Nebenschauplatz: Ich habe im Urlaub den Rumo wieder angefangen und festgestellt, dass mir Dirk Bach den schon einmal vorgelesen hat.). Die „Stadt“ ist ein Liebesroman an die Bücher und an die Leser, ein Seitenhieb auf den Buchhandel und das Feuilleton, dazu noch ausreichend spannend und mit Lust auf mehr. Dieses Mehr in Form des „Labyrinthes“, dem zweiten Band (auf den dritten wartet die Fangemeinde wohl noch Jahre), liegt hier auch, aber ich werde wohl genauso lange dazu brauchen, diesen anzufangen, wie es bei der „Stadt“ dauerte. Die „Stadt der Träumenden Bücher“ darf aber jeder lesen, der auch nur ein wenig Spass am Fabulieren hat. Keine Weltliteratur, aber auf jeden Fall Teil der deutschen Buchgeschichte. Viel Spaß beim Enträsteln der zahlreichen Anagramme von berühmten Schriftstellern. (5/5)

Erbarmen, Schändung und Erlösung – Jussi Adler-Olsen (Übersetzt von Hannes Thiess)
Urlaubszeit ist bei mir Krimizeit, und die beste Ehefrau von allen hat schon alle Adler-Olsen-Romane vor Jahren gelesen, also stand das bei mir auch einmal an. Zudem fand der diesjährige Sommerurlaub in Dänemark statt, was lag da näher, als Carl Morck, den unangenehmen Kommissar der Reihe, ein Tete-a-tete zu gönnen. Tolle Krimis, unglaublich spannend, fiese Charakter, fiese Ermittler, dennoch Anspielungen auf das politische und Alltagsleben in Dänemark. Zu Recht eine der erfolgsreichsten Serien im Krimisektor. Schade nur, dass Krimiautoren scheinbar bei jedem Band hundert Seiten draufpacken müssen, so hatte Band Drei schon ein paar Längen, die man hätte vermeiden können. Aber das kannte ich schon von Mankell. (4/5)

Luka und das Lebensfeuer – Salman Rushdie (Übersetzt von Bernnhard Robben)
Mein erstes Buch von Salman Rushdie, ich war schon immer sehr neugierig auf diesen britischen Autor. Luka gilt als guter Einstiegsroman in die Welt Rushdies, märchenhafter Realismus, ähnlich Marquez, für mein Geschmack ein wenig zu blumig und orientalisch, zu symbolüberfrachtet und … cheesy. Das Buch wurde von Salman Rushdie für seinen Sohn geschrieben, es dürfte daher als Jugendliteratur gelten. Geschichte hübsch, nett erzählt, aber für ich kein Hook für weitere Rushdie-Romane. Vielleicht ein anderes Mal wieder. (2/5)

Die Farm – Tom Abrahams (Übersetzt von Andreas Schiffmann)
„Die Farm“ war ein Spontankauf bei … Amazon, als ebook schnell heruntergezogen, wiel die Ferienlektüre erschöpft war. Das Buch ist der Beginn einer Reihe postapokalyptischer Romane (die Traveller Reihe), wie sie momentan gerne geschrieben werden. Es geht um einen einsamen Familienvater, der sich auf seiner Farm verschanzt hat, dort bereits lange nach der „Katastrophe“ alleine überlebt, und – wer hätte es anders erwartet – doch Kontakt bekommt mit der Außenwelt, den bösen Jungs. Der Familienvater ist Ex-Marine, logisch, hat viele Waffen, Überraschung, und ist stets ein Spur schlauer als die anderen. So weit, so Walking Dead. Hübsch für zwei Tage Lesen zwischenrein, mehr aber auch nicht. (3/5)

Gelobtes Land – Christine Heimannsberg
Noch ein postapokalyptischer Roman, diesmal von einer Deutschen geschrieben, diesmal aber – wow, richtig gut! „Gelobtes Land“ ist auch der erste Teil einer Trilogie, wieder ist es eine Reise durch eine unbekannte Zukunft, diesmal jedoch viel politischer, da in einer frauenfeindlichen Gesellschaft. Lore muss mit ihrem jüngeren Bruder die Obhut der eigenen Familie Hals über Kopf verlassen, und sucht nach dem „Gelobten Land“, in dem alles besser werden soll. Sie treffen auf ihrer Reise viele seltsame Fremde, ständig unter der Angst, entdeckt zu werden „von denen da oben“, die mit geheimnisvollen Sonden nach ihnen suchen. Sie finden eine Parallelgesellschaft, die so ganz anders ist als die im Rest des Landes. Was das Buch ausmacht ist der Spiel mit der Ungewissheit: Der Leser weiß nie, was hinter der nächsten Buchseite passiert, genau wie Lore. Auch die Bedrohungen bleiben seltsam unbestimmt und damit umso schrecklicher. Ich werde hier unbedingt weiterlesen. Zudem ist das Buch ein „No-ager“, spannend schon für junge Leser, aber genauso fesselnd wie für alte Knacker wie mich. (5/5)

Wie ich versuchte, ein guter Mensch zu sein – Ulli Lust (Graphic novel)
Nach „Heute ist der letzte Tag vom Rest meines Lebens“ war ich neugierig, wie es mit Ulli nach der Italienreise weitergeht, irgendwie war ich auch ganz angetan von ihrem schrullig-naiven Zeichenstill. Der „gute Mensch“ handelt davon, wie Ulli mit zwei Männer leben und lieben möchte, einem bodenständigen anständigen Künstler, der aber keinen Sex mit ihr haben kann und einem Flüchtling, der ihr zwar den besten Sex ihres Lebens bereitet (wie man den eindeutigen Bildern entnehmen kann), aber ganz andere, brutalere Probleme bringt. Viel Kopfschütteln, wie Ulli das so alles hinbekommt, aber auch Neugierde, wo das alles hinführt. Inzwischen ist Ulli Lust eine anerkannte Comic-Autorin, ich bin gespannt, ob ihre autobiographischen Graphic Novels weitergehen. (5/5)

Tungsteno (Graphic novel) – Marcelo Quintanilha
Ein Krimi in Graphic Novel Format, interessant gezeichnet, der Plot etwas undurchdringlich. Ein wenig Film noir, ein wenig Karibik-Feeling, spannend sind die zwei Ortsebenen, in denen der Comic erzählt wird. Ganz hübsch zu lesen, aber kein Burner. (2/5)

 

Fahrradmod – Tobi Dahmen
Tobi Dahmen erzählt seine eigene Geschichte, vermute ich mal, angelehnt an seinen Musikgeschmäckern von der Schule über Abitur bis ins Erwachsenenalter. Mods, Punks, Skins, Scooterboys, sie alle kommen in dieser dicken Graphic novel vor. Es dreht sich viel um Mixtapes, das Gefühl der Achtziger und Verwirrungen der Jugend. Das Buch wurde vor einem Jahr in der Szene sehr gehyped, es lag stapelweise in den Comicläden der Republik. Richtig toll und detailverliebt gezeichnet. Mich hat das Buch aber nicht wirklich in die Geschichte gezogen, vielleicht auch, weil ich mir dem Musikstil und den Verkleidungen der Kids nichts anfangen kann. Ich stand in den Achtzigern eher auf Hard Rock und Heavy Metal. Aber da trägst Du ja auch Uniform. (2/5)

Heimkehren – Yaa Gyasi (Hörbuch gelesen von Bibiana Beglau, Bjarne Mädel, Wanja Mues usw., Übersetzung von Anette Grube)
Was für eine Geschichte. Beginnend in Afrika, eine Historie der Sklaverei, erzählt anhand einer einzigen Familie, wie alles begann, wie alles endete. Endete es je? Heimkehren nach Afrika aus New York nach Jahrzehnten der Grausamkeiten und Unrechten – im Hörbuch erzählt durch verschiedene Vorleser, die stets ein Mitglied der weit verzweigten Familie darstellen. Manche Kapitel (und Vorleser) sind fesselnd, manche ermüdend, manche überflüssig. In der ganzen Summe aber ein literarischer Meilenstein. (4/5)

Fleckenteufel – Heinz Strunk (Hörbuch gelesen vom Autor)
Heinz Strunk ist witzig, schreibt komisch, ist selbst ein Urgestein Hamburgs und schreckt auch vor der eigenen Peinlichkeit nicht zurück. „Fleckenteufel“ erzählt von der Wochenfahrt mit der christlichen Jugend nach Scharbeutz an der Ostsee. Ja genau, diese Peinlichkeiten passieren dann. Dass der „Fleckenteufel“ der männliche Gegenentwurf zu „Feuchtgebiete“ sein soll, ist schon wieder Teil des Witzes. Pickelige Jugendliche entdecken Schmuddelphantasien, das Saufen und die doofen begleitenden Erwachsenen. Unglückliche Liebe, die Liebe zur Natur (!) und dank der Ich-Perspektive erfahren wir auch, wie unreflektiert hochnäsig und abschätzend wir alle als Jugendliche gewesen sind oder hätten sein können, wenn wir nicht so nett gewesen wären. Dass Heinz Strunk das Buch selbst einliest – genial. (5/5)

Von dieser Welt – James Baldwin (Hörbuch gelesen von Wanja Mues, Übersetzung von Miriam Mandelkow)
Irgendwie habe ich dieses Jahr viel über die Geschichte der Afroamerikaner gelesen und gehört, nach „Heimkehren“ nun noch diesen Klassiker von James Baldwin, dem literarischen Gewissen der Schwarzenbewegung nach dem zweiten Weltkrieg in den USA. Der Roman setzt da an, wo „Heimkehren“ beinahe aufhört: Die Geschichte einer Familie in Harlem, in der die Sklavenbefreiung noch sehr präsent ist. Aber eigentlich spielt das alles gar keine Rolle, sondern es geht um die persönliche Erweckung des Jungen John, der von seinem Vater missachtet wird, aber selbst schlauer ist als alle um ihn herum. Der Roman ist stark geprägt von der Religiösität in der Familie, wohl auch autobiographisch, einschließlich der sexuellen Unschlüssigkeit, in der sich John befindet, und die auch James Baldwin Zeit seines Lebens prägte. Ein schwer lesbares Buch, ich bin froh, dass es mir so genial von Wanja Mues vorgelesen wurde, sonst hätte ich es wohl nicht durchgestanden. Man hört ein Stück Weltliteratur, ganz sicher, aber das Buch verstört auch sehr aufgrund der erdrückenden Frömmigkeit innerhalb der Familie, die sehr gut die Überreligiösität der amerikanischen Gesellschaft illustriert, die trotz aller propagierten Freiheiten der Vereinigten Staaten in letzter Instanz den Konservatismus fördert und die freie Entfaltung des Einzelnen hemmt. (5/5)  

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Lesepotpourri April – Juli

Die Abstände werden größer, in denen ich meine Lektüren der letzten Monate präsentiere. So what, schließlich ist das ein Kinderarztblog und das „me“ im Titel muss eben manchmal zurücktreten. Problematisch ist nur, dass ich manchmal im Rückblick nicht mehr weiß, was ich alles gelesen habe. Mal sehen:

Das Genie von Klaus Cäsar Zehrer
Das war eine Empfehlung aus Euren Reihen, vielen Dank, ich habe die Lektüre sehr genossen. Es geht um ein Kindergenie, ein Mathematik- und Überhaupt-Genie, William James Sidis, dessen Vater ihn mittels zweifelhafter Erziehungsmethoden zu einem Genie formte. Die Theorie: Jeder Mensch kann zu einem Genie werden, wenn er nur frühzeitig entsprechend gefördert, sprich: gedrillt, wird. Es kommt, wie es kommen muss. William rebelliert, William wird anders, als seine Eltern es sich wünschen. Wird er glücklich? Spät. (4/5)

Bis an die Grenze von Dave Eggers (Übersetzung von Ulrike Wasel und Klaus Zimmermann
Dave Eggers Stil ist schon mein Ding, ich mag die Flüssigkeit und Poesie seiner Bücher und auch den Bezug zu wichtigen Dingen der heutigen Zeit, „The Circle“ halte ich für eine Offenbarung der Zukunft. Aber das vorliegende Buch war nicht meines, vielleicht hat mich das Sujet (reisende alleinerziehende Frau mit Kindern) nicht gepackt, jedenfalls war der Spannungsbogen der ersten Kapitel so schwach gezogen, dass ich es abgebrochen habe. (1/5)

Niemals von Andreas Pflüger
Schnappatmung beim zweiten Thriller rund um die blinde Topagentin/polizistin Jenny Aaron, nach „Endgültig“, der auch schon sensationell war. Der Stil ist beeindruckend, die Stimmung der Sicht der Blinden erdrückend, die Fähigkeiten von Aaron bewundernswert. Ihr nimmt man das Supergirl sofort ab, gönnt es ihr in allen Facetten, und ergötzt sich an der Schnoddrigkeit ihrer Kollegen der Polizei. Hoffentlich kommen da noch mehr Thriller hinterher. Man darf das hier verraten: Es könnte einen Weg für Aaron aus der Blindheit geben, das ist logisch im Plot, logisch für die Entwicklung, aber sicher das Ende dieser Reihe. Ich warte auf den nächsten Band. (5/5)

Die Geschichte der Bienen von Maja Lunde (Übersetzt von Ursel Allenstein)
Ich tue mich immer schwer mit „Das musst Du lesen“. Wieder so ein Buch, an dem ich gescheitert bin, weil es mir so dringend empfohlen wurde. Klar, das Thema ist wichtig: Das Sterben der Bienen. Geschenkt. Der passende Ökothriller zur Zeit. Vielleicht bin ich mit den drei Erzählsträngen nicht zurecht gekommen, das war mir zuviel „Cloud Atlas“, vor allem wenn es in die Zukunft geht (wobei, das noch die spannendste, weil traurigste der drei Erzählungen war). Es war mir zu anstrengend, mich jedesmal wieder in den Stil der jeweiligen Zeit einzudenken, so etwas kann ich nicht während Zeiten, wo ich arbeite. Vielleicht mal im Urlaub. Hier und jetzt: abgebrochen. (2/5)

Der Trost von Fremden von Ian McEwan (Übersetzt von Michael Walter)
Erwähnte ich, dass ich bekennender McEwan-Fan bin? Er ist mein bay, gleich nach John Irving, aber mit mehr Konstanz und mehr für mich noch zu entdecken. „Der Trost von Fremden“ ist ein älteres Buch, dass ich im Antiquariat gefunden habe, schön knapp und schnell zu lesen, aber wie immer bei McEwan dankbar. Der Roman liest sich wie eine Skizze anderer Romane von ihm, es finden sich schon die klassischen Ideen der zerrütteten Beziehungen und der Einflussnahme von Außen auf das glückliche Paar. Hier besonders verstörend, am Ende sogar dramatisch. So distilliert schreiben können, mit soviel Beobachtungskraft und Witz, toll. Schade, dass ich mit meinem Englisch stets an McEwan scheitere, das muss noch cooler sein. (5/5)

Ready Player One von Ernest Cline (Übersetzt von Sarah und Hannes Riffel)
Ein schönes Buch für den Urlaub: Gut abgehangen, schnell zum Blättern und Lesen, also pageturnen, nett erzählt, auch packend. So habe ich das mal ganz gerne. Hinterlässt jetzt keine Lösung der Weltprobleme oder einen Hangover, ist dafür aber gespickt mit Bezügen auf die Achtziger und die Welt des Gameplays. Letzteres ist nicht so meins, deshalb gehen mir wahrscheinlich ein oder zwei Witze flöten, dafür genoss ich die Songs aus den Achtzigern. Eine passende Spotify-Playlist gibt es auch. Den Film habe ich noch nicht gesehen. Soll ja ein Kultbuch sein. Nunja. as mir auf den Keks ging, war die gönnerhafte Hochnäsigkeit des Protagonisten, da hätte dem Plot einen heftigeren Downfall vor der Auflösung gut getan. (4/5)

Hologrammatica von Tom Hillenbrand (Hörbuch, gelesen von Oliver Siebeck)
Ein Zufallsfund auf Spotify, ein Science Fiction zum Fingerlecken. Die Story des Questors Galahad Singh, wie er in der Zukunft eine Person wiederfinden muß, denn das ist sein Job. Es geht um neue Identitäten, vertauschte Körper, Gefäße und Klone, dass die Welt anders aussieht, als wie sie von außen, überlagert von der Hologrammatica, wirkt. Sehr spannend und konsequent technologisch in die Zukunft gedacht, viel härter und kompromissloser als „Qualityland“, dem Spass-SF der heutigen Zeit. Ich habe das Gefühl, hier gibt es eine Fortsetzung.
Hörbuch perfekt eingelesen von Mr. Hörbuch Siebeck. (5/5)

Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens von Ulli Lust
Eine autobiographische Graphic Novel der Ulli Lust, wie sie als junge Punkerin von Wien über die Alpen bis nach Sizilien reist, ihre kleine, zu große Welt entdeckt, erste Erfahrungen mit anderen Menschen und den Männern macht, ersten Sex und Vergewaltigungen erlebt. Der Leser träumt mit ihr naiv durch Italien und wird brutal zu Boden gezogen dank verzweifelter und trauriger Linienführung. Auch wenn stets der letzte Tag vom Rest deines Lebens ist, so haben wir immer Angst, dass dies überhaupt der letzte Tag ist. (5/5)

Schattenspringer: Per Anhalter durch die Pubertät von Daniela Schreiter
Ich hatte das Glück, Fuchskind auf der ComicCon 2018 in Stuttgart zu treffen, habe mir nicht nehmen lassen, den zweiten Band der Schattenspringer-Reihe signiert zu bekommen, und, was bleibt? Am nächsten Tag hatte ich das Buch schon durch. So toll. So schön. So lustig. So lehrreich. Es wäre großspurig zu behaupten, dass ich Autisten kenne, aber in meinem Beruf sehe ich vielleicht die ersten Entwicklungen. Für Eltern können die Schattenspringerbücher eine Hilfe sein, ihre Kinder so zu nehmen, so toll sie eben sind. Für Autisten selbst sind die Bücher sowieso eine Bereicherung. In Band 3 kommen von Daniela interviewte Autisten zu Wort. Sehr gespannt darauf. (5/5)

Saga 4-5 von von Brian K Vaughan und Fiona Staples
Es geht weiter in der Comic-Saga um den Gehörnten und die Beflügelte, die in ihrer Romeo-und-Julia-Beziehung durch die Galaxien dieser Welt flüchten. Nun auch noch mit Kind. Bombastisch. (5/5)

 

 

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Komasaufen

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Und check: Sobald es wieder draußen wärmer wird, fragen die Eltern, wieviel soll denn so ein Kind trinken am Tag? Da gibt es bestimmt tolle Tabellen im Internet und in zahlreichen Gesundheitsratgebern, aber welches Kind hält sich schon daran, was da steht?
Ich antworte lieber: Soviel, wie es Durst hat.

Aber genau da beginnt das Problem: Dies einzuschätzen ist extrem schwer, und: Versteht denn ein Kind, was Durst ist? Schließlich haben wir alle schon bei unseren Sprösslingen beobachten können, dass sie stuuundenlange gar nichts trinken, weil das Spiel gerade so schön ist oder die Freundin so nett. Und wer bekommt nicht Panik, weil das Kind mit Durchfall 24/7 nichts trinken will und droht auszutrocknen?

Als überzeugter Kinderanwalt und Anhänger von Herbert Renz-Polster, der in seinen Büchern stets darauf hinweist, dass nichts von nichts kommt und die Evolution unsere Kinder mehr prägt als wir, sage ich: Kinder spüren sehr genau, wann sie trinken müssen oder nicht. Nur: Wir machen das mal wieder mit unserer panischen Verdurstangst kaputt. Deshalb bekommen Kinder ständig unaufgefordert das Fläschchen hingehalten, deshalb mischen alle Säfte unters Wasser, damit die Flüssigkeitsbilanz aufgepeppt wird und deshalb nerven wir unsere Teenies mit „Trink mal was!“

Es ist wie mit dem Essen: Vor einem vollen Teller wird niemand verhungern, wenn wir Eltern gesundes Essen und Trinken anbieten, sollte sich das Kind bedienen, wie es das selbst braucht.

Bezogen auf das Trinken heißt das daher:
# Säuglinge trinken ab der Beifütterkost zum Essen, sie brauchen nichts „zwischenrein“. # Angeboten wird nur stilles Wasser oder ungesüßter Tee. Keine Säfte.
# Milch ist kein Durstlöscher, sondern eine Mahlzeit. Also: Ab einem Jahr Milchflaschen reduzieren oder abschaffen.
# Möglichst früh die Kinder aus der Tasse oder einem Glas trinken lassen. Übt man das früh genug, geht das problemlos. Aus einer Saugflasche sollte nur Milch kommen, also als Mahlzeit angeboten werden, siehe oben.
# Für unterwegs gibt es Becher mit Auslaufschutz, aus denen man „ganz normal“ trinken kann.
# Bitte keine Fläschchen oder Becher mit Haltegriffen in die Hand drücken, und das Kind sich damit alleine beschäftigen lassen. Es wird nur aus Langeweile trinken, und damit sich zuerst das Durstgefühl und dann die Zähne kaputt machen.
# Dazu gehört auch: Trinken, wie Essen, ist kein Mittel zum Ruhigstellen oder Ablenken. Himmel, die Komasäufer und Brezel- oder Reiswaffelmampfkinder in der Fussgängerzone!
# Ältere Kinder trinken aus dem Glas, klar, sie dürfen fragen oder sich direkt selbst bedienen, aber auch hier: Wer Säfte und süße Sachen zuhause kauft, muss sich nicht wundern, wenn die Kinder nur noch das trinken wollen und dann noch über das Maß.
Schulkinder und Teenies können, wenn sie so in der frühen Kindheit ge“prime“t wurden, problemlos mit Durstgefühl umgehen. Bei uns jedenfalls hat es gut funktioniert.

Viele Beschwerden bei größeren Kindern und Jugendlichen lassen sich auf mangelnde Flüssigkeitsaufnahme zurückführen, Schwindel, Kopfschmerzen, Kreislaufprobleme, sogar Infektanfälligkeiten, keine Frage. Ein natürlicherer Umgang ohne Panik im frühen Kindesalter könnte diese Probleme bei Älteren eindämmen. Die Kids spüren selbst, was ihnen gut tut, ohne dass der erhobene Zeigefinger sie zum Trinken ermahnt.

(c) Bild bei pixabay/adhadimohd (CC0 Lizenz)

Lesepotpourri Januar – März

Oh, hui, es ist ganz schön was zusammen gekommen in diesen drei Monaten, trotz Grippewellen und unglaublich viel Patienten in der Praxis. Wir hatten nur zwei Wochen geschlossen, vermutlich habe ich da durchgelesen, außerdem liebe ich mein Ritual vor dem Einschlafen, noch zwei oder drei Kapitel des aktuellen Lesestoffes zu verschlingen (während die beste Ehefrau von allen bereits nach zwei Seiten einschläft). Hier meine Bücher dieses Quartals:

Der nasse Fisch von Volker Kutscher
Die Krimis, oder eigentlich Romane mit Krimi von Volker Kutscher rund um den Berliner Kommissar Gereon Rath erfreuen sich großer Beliebtheit, inzwischen sind sie teilweise als Serie verfilmt. Alle lieben die Verquickung aus historischem Berlin Anfang des letzten Jahrhunderts mit Kriminalfällen, der Hauch des aufkommenden Nationalsozialismus und das Lokalflair. Ja, das liest sich ganz nett. Mir persönlich war die Figur Rath zu kompliziert, ich verstand seine Motivationen, dies oder jenes zu tun, nicht so ganz. Starker Beginn, solides Mittelfeld, Ende öde. Hier liegt noch der zweite und dritte Band, aber dafür brauche ich viel Lektürevakuum, und dazu ist der restliche SuB doch zu hoch. (3/5)

Endland von Martin Schäuble
Ein blinder Pick über die Amazon-Kindle-Shop-Seite, kurz in die Leseprobe reingeschnuppert und angefixt. Ein interessanter Roman über ein Deutschland jenseits der AfD, mit abgeschotteten Grenzen und offenem Fremdenhass. Hauptakteure sind ein junger Grenzsoldat und eine Migrantin aus Afrika, deren Wege sich unweigerlich zur Würze des Romans kreuzen müssen. Ein flüssig geschriebener Roman, ein Pageturner, wie die Amerikaner sagen, natürlich enorm konstruiert, mit dem unweigerlichen „Das kann ja so gar nicht sein“-Faktor, aber auch einem „Und wenn es nun doch so wird?“. (4/5)

Das Buch der Spiegel von E.O. Chirovici (übersetzt von Werner Schmitz und Silvia Morawetz)
Ein Literaturagent bekommt ein Manuskript eines Studenten, unvollständig, über seinen Professor an der Uni, dessen Liebesleben, dem Mord an demselben und wie dieser und jener und diese darin verstrickt sind. So far, so complicated. Was das Buch fasziniert, ist das Austersche Spiegeln und Verweben der verschiedenen Erzählstränge, jede Person bringt einen neuen Blick auf die Vergangenheit, Rashomon im Buch, aber doch nicht ganz so sophisticated. Ein Spiel mit der Sprache, und wieder eine Mischung aus Krimi und Erzählung. (4/5)

QualityLand von Marc-Uwe Kling
Nein, ich mochte die Känguru-Chroniken nicht. Mir war das zu redundant, ich konnte dem Hype mit den Hörbücher gar nicht folgen, mir war das zu sehr Schmalspurkabarett. Tut mir leid. Ich bin nicht die Zielgruppe. „QualityLand“ habe ich gelesen, weil ich das Thema reizvoll fand und unausweichlich: Wie wird unsere Zukunft aussehen, wenn wir mit den Likes und Dislikes, der Suche nach digitaler Anerkennung und Selbstoptimierung durch andere (sic!) so weitermachen, wenn das digitale Leben uns komplett steuert. Und das hat Herr Kling wirklich gut umgesetzt, sehr konsequent, sehr überspitzt natürlich, aber bis zum lehrreichen Exzess. Der Gipfel der Digitalisierung ist der Androide-Politiker, der uns die Moral vor die Nase hält und uns zurückführt zur Entsagung. Ob das so funktioniert, ist fraglich, ich hoffe doch sehr auf ausreichend konservative Politiker, die die Übernahme des Lebens durch das Internet zu verhindern wissen. Nieder mit dem Breitbandausbau!
Nette Spielchen mit dem Internet, viele Nerd- und Insiderwitze, das Kängaru kommt leider auch vor und am Ende bleibt ein wenig Hoffnung. Keine Dystopie wie „1984“ oder „Brave New World“, die viel eleganter, dafür nachhaltiger mahnen, „Qualityland“ ist schon eher der Zaunpfahl, aber dennoch: (4/5)

Wo die Löwen weinen von Heinrich Steinfest
Du musst unbedingt mal Heinrich Steinfest lesen, haben sie gesagt. Also gut. Die Amazon-Kritiken waren sich über diesen Roman rund um Stuttgart-21 nicht ganz einig, aber es war der einzige, den die Onleihe hier ausgespuckt hat. Steinfest hat einen tolle Sprache, virtuos setzt er Nebensatz neben Nebensatz, funkelnde Adjektive und nette Pointen am Ende eines jeden Absatzes. Immer fragst Du Dich, ob Du zu wenig intelligent bist, um allen Schlüssen zu folgen. Als Krimi wirklich öde, wenig Spannung, als Seitenhieb auf alles rund um das Thema „Stuttgart-21“ allerdings sehr lesenswert und hübsch analytisch, wer alles seine Finger im Spiel hat. Mal sehen, ob Steinfest noch anderes schreibt, was mich mehr überzeugt. (2/5)

Die Kieferninseln von Marion Poschmann
Stand immerhin auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis. Außerdem gehts um Japan, was ich an sich schon interessant finde. Also gut: Ein Mann flüchtet sich aus der Beziehung zu seiner Frau nach Japan, um dort auf den Spuren eines Nationaldichters das Land zu Durchreisen, Ziel sind die Kieferninseln, ein mystischer Ort. Er trifft auf eine jungen suizidgefährdeten Japaner, und findet mit diesem den Sinn allen Daseins. Hä?
Ja. Das habe ich am Ende auch gedacht. Schade drum. Ich bin wahrscheinlich zu doof für Bücher, die für irgendwelche Buchpreise nominiert sind. (2/5)

Und die Hörbücher:

Hier bin ich von Jonathan Safran Foer (Übersetzt von Henning Ahrens, gelesen von Christoph Maria Herbst)
Julia und Jacob und Ihre Söhne. Es geht um jüdisches Leben in den USA, Coming-of-age und dem Krieg im Nahen Osten. Themen, die uns in Europa nicht unmittelbar berühren, vermutlich wäre mir das Buch, wenn gelesen, zu lange geworden. Gelesen von Christoph Maria Herbst entfalten aber vor allem die Dialoge einen Lesesog, dem man gerne folgt. Ich habe das Hörbuch im Januar gehört, jetzt, zwei Monate später, kann ich die Handlung schwerlich wiedergeben. Das spricht wohl nicht für das Buch (oder mich). (3/5)

Momentum von Roger Willemsen
Schnipsel nannte das mal Kurt Tucholsky, Tagebucheinträge, scheinbar unzusammenhängend. Nennen wir es eine Gedankenanthologie. Schwerlich als Hörbuch zu folgen, weil der rote Faden immer wieder ausfasert, aber schließlich endlich und letztendlich das Erbe eines großen Journalisten und Schriftstellers und Denkers. Alle zehn Minuten spontan geheult, weil Willemsen zu früh gestorben ist. (4/5)

Tyll von Daniel Kehlmann (Hörbuch gelesen von Ulrich Noethen)
Ok, dies ist mein Gewinner des Quartals. Überall hochgelobt, zurecht, denn ein toller Roman, Kehlmann kehrt zu seinen alten Fähigkeiten des Fabulierens über historische Stoffe zurück. Ganz unaufgeregt schildert er die schillernde Figur des Till Eulenspiegel, versetzt ihn in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges und lässt uns nebenher einen tiefen Schluck Historie tanken. Ich habe keine Ahnung von dieser Zeit, als typischer Gymnasiast mit den Griechen und den Römer und dem Nationalsozialismus belehrt, fand der Dreißigjährige Krieg bei uns nicht statt, dabei veränderte er die europäische Geschichte wie kein anderer.
Viel hören wir über die Praktiken der Hexen/r-Verfolger, über Folter und Angst, über das nackte Überleben im Krieg. Der Eulenspiegel ist dabei zwar die Hauptrolle, agiert aber wie im Hintergrund und beobachtet die Szenerie als schelmischer Weiser aus der Distanz. Ulrich Noethen als Erzähler klang mir anfangs viel zu alt für den jungen Kehlmann und den jungen Tyll, aber er ist die perfekte Besetzung in all seiner sprachlichen Schauspielkunst. Lesen! Hören! (5/5)

Comics
Faust von Flix
Selten lese ich Comics oder Graphic Novels ein zweites Mal, aber beim „Faust“ von Flix mache ich eine Ausnahme und lustig: Es war wie eine Neuentdeckung, als sehe ich die Zeichnung neu vor mir, als habe ich sie noch nie vor mir gehabt. Vielleicht habe ich das Buch früher anders wahrgenommen, Nebenrollen nicht so gesehen, jedenfalls: Der Flix´Faust ist ein großer Wurf. (5/5)

 
Saga 3 von Brian K Vaughan und Fiona Staples
Der dritte Band der Saga „Saga“ – eigentlich ein typischer Mittelband in einer langen Folge von Büchern, er fällt etwas ab zu den ersten zwei Bändern, die der Darstellung der Hauptakteure galt. Aber egal – weiterlesen. (5/5)

 

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