Eingeimpft – Presseschau

Dieser Tage (13.9.) kommt ein Film in deutsche Kinos, der meine Impfbefürworter-Filterblase (also 95% der Mitmenschen in Deutschland) im Karée springen lässt: „Eingeimpft“. Es ist schon einiges darüber geschrieben worden, kurz zusammengefasst geht es um ein junges Paar, dass sich mit der Entscheidung, ihr Kind (später kommt ein zweites dazu) impfen zu lassen oder nicht oder wie. Er ist dafür, sie dagegen. Er ist Dokumentarfilmer und macht einen Film daraus, sie schreibt die passende Musik dazu.

Ich konnte den Film natürlich nicht vorab sehen (bin ja nur ein kleiner anonymer Bloginfluencer), aber genug Namhafte waren zu Vorpremieren eingeladen, der Hype der Berichterstattung schwappt hoch, schlechte Presse ist immer auch gute Presse, ein zweischneidiges Schwert. Die Befürworter des Filmes halten sich vornehm zurück, aber Filmförderung über öffentliche Gelder, Koproduktion via arte und Prädikat „besonders wertvoll“ sollen dem Film Seriösität vermitteln. Schade. Schlimm.

Nachfolgend eine kleine Presseschau (aus dem Netz), die sehr schön die Kritik an dem Film illustriert. Am nervigsten finde ich persönlich aus pädiatrischer Sicht, dass über das Medium Kino eine Selbstverständlichkeit vermittelt wird, es gebe eine fifty-fifty-Entscheidung, ob Impfen oder nicht, und als sei dies ein Selbstbedienungsladen. Die soziale Komponente des Impfens kommt im Film wohl vollends zu kurz, hart formuliert: Hier beschließen zwei gut situierte Wohlstandseltern das Projekt „Impfentscheidung“ spaßig und lustig unters Volk zu bringen – und ruhen sich doch auf dem Herdenschutz der Geimpften aus.

Psychologin Cornelia Betsch in Zeit-Online. „Es werden anlässlich des Films wieder Debatten stattfinden, in denen ein Impfzweifler einem Befürworter gegenübersitzt, was suggeriert, das Verhältnis wäre 50:50. Das verunsichert den Zuschauer. In der echten Welt beträgt es nämlich 5:95.“

Spektrum der Wissenschaft – eine Filmrezension. „Denn der Film bedient alle irrationalen Ängste, die sich mit dem Impfen verbinden, und macht die Impffrage zu einer reinen Gefühls- und Meinungsangelegenheit.“

Der Tagesspiegel. „Sieveking, junger Vater, medizinischer Laie mit relevanter Expertise allein im Filmemachen und Geschichtenerzählen, rollt selbstbewusst ein Thema „ganz von vorn“ auf, zu dem die Ständige Impfkommission beim Robert Koch-Institut (STIKO) solide Empfehlungen erarbeitet, die auf wissenschaftlichen Studien basieren und regelmäßig aktualisiert werden.“

Kommentar von Richard Friebe im TSP – „Wenn rund herum die meisten geimpft sind, ist eine Übertragung wenig wahrscheinlich. Herden-Immunität heißt das. Genau daran erfreuen sich die meisten konsequenten Impfgegner und ihre Familien. Impfgegner kann man nur inmitten Geimpfter sein. Man profitiert von dem, was andere geleistet haben und leisten, und trägt selber ganz bewusst nichts bei. Eine viel bessere Definition des Wortes „asozial“ gibt es nicht.“

Humanistischer Pressedienst  „Fachleute befürchten, dass der 90-Minuten-Streifen gerade das bewirkt, wovor er schützen möchte: Er schürt bei jungen Eltern unsinnige Ängste und beschwört ernste Gefahren für die Gesundheit von Kindern herauf.“

Eine Art wissenschaftliche Rezension – Von 12 namhaften Wissenschaftlern. An tollen Zitaten too many to mention. „Aufgrund weitreichender Konsequenzen von zu geringen Impfquoten – für das Individuum wie für die Gesellschaft – sollten Filme dieser Art nicht nur aus künstlerisch-filmischer Sicht betrachtet, sondern auch nach ihrer wissenschaftlichen Reflektiertheit und Methode bewertet werden. Eine Kennzeichnung von Filmen mit einem ‚Prädikat für wissenschaftlich wertvolle Filme’ könnte eine echte Hilfestellung für Eltern sein, die vor der Impfentscheidung stehen. Ein Prädikat, das diesem Film nicht zugeschrieben werden kann.“

Deutsche Film- und Medienbewertung FBW – „Sieveking scheut vor den privatesten Momenten auch visuell nicht zurück und stellt die Ängste seiner Frau, die vehement gegen das Impfen der Kinder ist – aus Angst damit mehr Schaden anzurichten als Gutes zu bewirken, sowie auch seinen eigenen gedanklichen Zwiespalt klar.“

TV-Movie zum Film – „Dokumentation, die uns ein Thema näher bringen soll, dass in Deutschland für erhitzte Gemüter sorgt: Das Impfen. Auf eine charmante und lustige Art bemüht er sich um dieses Thema und gibt dabei sehr ehrliche und private Einblicke in sein Familienleben.“

Pressetext des Filmverleihs. „Doch schon bald muss er erkennen, wie wichtig es ist, sich schnell zu entscheiden, denn in der Berliner Nachbarschaft brechen die Masern aus, und Jessica ist wieder schwanger.“

Programmkino.de – Filmkritik – „Am Ende muss jeder individuell für sich die Frage beantworten, was er in welcher Form seinem Kind verabreichen will. Die Doku leistet aber in jedem Fall einen wichtigen Beitrag dazu, sich ausführlich über das Thema zu informieren und sich diesem in all seinen Facetten konstruktiv zu nähern.“ – Und: Ein „Wichtiger Hinweis“: „Die impfkritische, sehr subjektive Sicht des Films ist durchaus umstritten und sorgt für viel inhaltliche Kritik – hingewiesen sei daher hier auf eine inhaltliche Aufarbeitung des Films in der Wissenschaftszeitung SPEKTRUM“ mit Verlinkung zum Artikel in Spektrum der Wissenschaft

Die Zeit – über das Buch. „Er überschätzt die Effekte einzelner Studien und zieht deshalb falsche Schlüsse. Seine Erkenntnisse verhalten sich zu denen der Stiko deshalb in etwa so, wie ein Groschenroman zur Schiller-Gesamtausgabe.“

Süddeutsche Zeitung – „Der Film „Eingeimpft“ wirkt auf den ersten Blick nett und ehrlich. Tatsächlich aber sät er unnötig Zweifel und bestärkt damit Impfgegner. Warum die Vorsorge richtig ist.“ (Artikel hinter Paywall)

Spiegel Online – „Er könnte durchaus lustig sein, wenn er nicht so gefährlich wäre. Der Film erzählt eine absurd komische Geschichte darüber, wie seltsam sich geschlechtsreife Großstädter verhalten, wenn sie Kinder kriegen. Ärgerlich nur, dass der Berliner Regisseur David Sieveking, der darin seine eigenen Familienkonflikte ausschlachtet, unter der komödienhaften Oberfläche Halbwahrheiten verbreitet und Ängste schürt.“ (Artikel hinter Paywall)

Natalie Grams rezensiert das Buch. „Einzelne Meinungen und Einschätzungen, wie die seiner Partnerin, der Hebamme, der anthroposophischen Kinderärztin, eines Paul-Ehrlich-Instituts-„Aussteigers“, eines einzelnen Forschers in Afrika, über dessen Hypothesen die Wissenschaftsgemeinschaft gerade erst die Diskussion beginnt, zählen für Vater Sieveking mehr als der anerkannte Stand der Wissenschaft. So sät das Buch gewollt oder ungewollt Zweifel an Impfungen und idealisiert ein verzerrtes Konzept des individuellen Impfens jenseits des wissenschaftlichen Evidenzbegriffs.“

Der Deutschlandfunk zum Buch – „Sieveking spricht mit Kinderärzten, mit einer Heilerin, mit Pharmaunternehmen, Behörden, Forschern, mit impfkritischen Eltern und solchen, die nur geimpfte Kinder in der Kita haben wollen. Sie alle kommen in dem Buch zu Wort und alle werden gleich ernst genommen. Eine Kakophonie von Meinungen, in denen sich Sieveking verirrt.“

Nochmal Deutschlandfunk im Gespräch mit Natalie Grams – „Dass Menschen, die sich bisher gar nicht viele Gedanken über das Impfen gemacht haben, die der Empfehlungen der Experten vertraut haben, durch diesen Film irritiert werden und zu dem Gedanken kommen, ach Mensch, da scheinen ja doch irgendwelche Dinge im Verborgenen nicht ganz geklärt zu sein, das Ganze ist irgendwie ein bisschen unnatürlich oder sogar unsicher, vielleicht wird sogar was vertuscht. Sie haben es im Trailer ja angesprochen, und dieses Gefühl bleibt, dieser Subtext wird durch den Film transportiert. Und das sehe ich als Ärztin total kritisch.“

Doccheck.de – „Im Film wird schnell klar, welchen Spielraum Eltern in Deutschland haben. Sie können ihren Kinderarzt selbst auswählen, den Impfzeitpunkt bestimmen und entscheiden, welche Vakzine oder welche Impfungen überhaupt zum Einsatz kommen, eventuell sind Zuzahlungen fällig. Sieveking bewertet dies als aktive, persönliche Entscheidung.“

ZDF-aspekte zum Film – Wie die Impfdebatte polarisiert. Während die Anmoderation noch sehr kritisch wirkt, ist der eigentliche Beitrag positiv eingestellt und geht dabei in keinster Weise auf den Kern des Impfens ein.

BR5-Podcast – „Eingeimpft“ – Wie berechtigt ist die Kritik an diesem Dokumentarfilm? „Kritik am Impfen nimmt zuviel Raum ein“.

Statement von David Sieveking auf Facebook – „Autor, Verlag, Produktion und Filmverleih wünschen sich jedoch eine unvoreingenommene Debatte, vor dem Hintergrund, dass es sich bei EINGEIMPFT um einen Film und ein Buch handelt, die ausschließlich die Entscheidungssuche EINER Familie zeigen, die sich in jahrelanger, grundlegender Recherche intensiv und verantwortungsbewusst mit dem Thema auseinandersetzt und für sich letztendlich eine individuelle Entscheidung trifft.“

Das heute-journal bringt ein kurzes Feature zum Filmstart

ZAPP vom NDR – „Kommen Experten der Impfbefürworter zu Wort, die es durchaus reichlich gibt, dann werden sie sofort mit Zweifeln konterkariert. Nach einem Interview im Paul-Ehrlich-Institut, das für die Zulassung und Kontrolle von Impfstoffen zuständig ist, heißt es in der nächsten Szene „Der Professor Doktor hat gut reden. Was meint er mit erkannten Nebenwirkungen in sehr raren Fällen?“

Sieveking bei Lanz – in Diskussion mit der Kinderarztkollegin Dr. Karella Easwaran

Die GWUP zur Premiere des Films in Köln – „Abgesehen von den stupiden Attacken des „Eingeimpft“-Produzenten (Natalie Grams werde von einem rein „publizistischen Interesse“ umgetrieben, erst hätte sie die Homöopathie „totgeredet“ und jetzt den Film, ihre Motivation sei somit ohnehin klar etc.pp.) erweckte Sieveking den Eindruck, zwar irritiert zu sein von der massiven Kritik – aber verstehen kann oder will er sie nicht.“

Kommentar von Sarah Weiss mit einem Artikel von SWR2-Wissen –  „Übrigens: Wer möchte, dass die eigene Position ernst genommen wird, sollte auch die der anderen ernst nehmen. Während des Masernausbruchs in Berlin gehen Vater und ungeimpfte Tochter zu einer Faschingsparty. Er: verkleidet im Seuchenanzug. Ist das witzig? Nein. Ein Hohn für die verantwortungsbewussten Eltern, die der Party zum Schutz ihres kleinen Babys ferngeblieben sind.“

„Eingeimpft“ im MedWatch-Check Teil 1: Wie fragwürdige Experten Stimmung gegen Impfungen machen – „Die Kritik, dass er diffuse Ängste bedient, sei in Ordnung, sagt Sieveking. „Aber ich glaube, in der Filmdramaturgie ist der Zuschauer schlau genug, das einzuordnen“, sagt er – es spiele „wirklich nur eine untergeordnete Rolle“.

„Eingeimpft“ im MedWatch-Check Teil 2: „Wenn ungeimpfte Kinder sterben, ist das Schicksal“ – wie Verleiher und Produzenten auf die Kritik reagieren.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte – „Der Film behandelt das Thema der individuellen Impfentscheidung in einer Familie und bedient sich der wissenschaftlichen Erkenntnisse nur anekdotisch, er stellt widersprüchliche Szenen und Meinungen – teilweise auch Fehlinformationen und wissenschaftlich widerlegte Hypothesen – nebeneinander, ohne diese einzuordnen. Zuschauerinnen und Zuschauer bleiben am Ende eher ratlos zurück.“

Eingeimpft.de – die offizielle Homepage zum Thema. „Schlimm finden wir, dass im Film aus dieser Angst heraus ein emotionaler Mythos rund um das medizinisch und sozial wichtige Thema Impfen entsteht. Die Entscheidung für oder gegen das Impfen ist aber keine Frage des Gefühls oder der Selbstbestimmung, der persönlichen Zufriedenheit oder des Auslebens einer falsch verstandenen Autonomie.“

to be continued…

dwqyuwnwaaewpli

Soja? So: No.

Säuglingsnahrung aus Sojamilch nicht empfehlenswert

Kinder- und Jugendärzte raten davon ab, Formulanahrung auf Sojabasis zu verwenden, wenn keine Notwendigkeit dafür besteht.

„Zum einen ist der Nährstoff- und Energiegehalt wesentlich geringer als in Mutter- oder Kuhmilch und zum anderen enthält Soja hormonähnlich wirkende Isoflavone, deren langfristige Wirkungen noch nicht geklärt sind. Sojanahrung sollte deshalb nur unter ärztlicher Aufsicht gegeben werden“, erklärt Prof. Dr. Hans-Jürgen Nentwich, Kinder- und Jugendarzt sowie Mitglied des wissenschaftlichen Beirats beim Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) mit jahrelanger Klinikerfahrung. Die im Soja enthaltenen Isoflavone Genistein und Daidzein haben eine ähnliche Struktur wie das weibliche Hormon Estrogen. Zudem kann Sojanahrung auch die Aufnahme von Mineralstoffen und Spurenelementen beeinflussen.

Amerikanische Forscher haben bei weiblichen Babys, die mit Soja ernährt wurden, Veränderungen in der Entwicklung der Gebärmutter und des Scheidengewebes beobachtet und bei männlichen Babys eine veränderte Entwicklung der Brustknospung. Bei Tieren wirkte sich Soja auf die Fruchtbarkeit aus. „Nur seltene Fälle von angeborenem vererbten Laktasemangel und die Stoffwechselstörung Galaktosämie können das Ausweichen auf eine Ernährung auf Sojabasis erforderlich machen. Eine Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz) ist in der Regel kein Grund, auf Säuglingsnahrung aus Soja auszuweichen. Auch Magen-Darm-Beschwerden sollten kein Anlass für Eltern sein, eigenständig auf Soja umzusteigen“, warnt Professor Nentwich.

Quelle: JCME, CHOP News, Springermedizin.de, BfR


Dies ist eine Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V.

@BVKJ: Info und Schulung der Betreuer von Kindern mit Krampfanfällen wichtig

„Leidet ein Kind unter Epilepsie, sollte das Personal des Kindergartens und später Lehrer über Notfallmaßnahmen informiert sein.

„Die wenigsten wissen, dass sie bei einem Anfall dem Kind nichts Hartes in den Mund stecken oder es fixieren dürfen. Idealerweise erhält das betreuende Personal eine Schulung, wie es sich im Notfall verhalten sollte. Dazu gehört, dass sie bei einem länger als fünf Minuten dauernden Anfall z.B. Benzodiazepin verabreichen sollten, um einen lebensgefährlichen Status epilepticus zu verhindern. Dies muss aber mit den Eltern bei Aufnahme eines Kindes mit der Diagnose Epilepsie abgesprochen und schriftlich festgelegt werden“, rät Prof. Dr. Hans-Jürgen Nentwich, Kinder- und Jugendarzt sowie Mitglied des wissenschaftlichen Beirats beim Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) mit jahrelanger Klinikerfahrung.

Dass ein Kind unter Epilepsie leidet, ist auch eine wichtige Information, um Unfälle zu vermeiden. So haben Betroffene ein wesentlich höheres Risiko, beim Schwimmen zu ertrinken und sollten deshalb in Bezug auf Badeausflüge besonders vorsichtig sein. „Kinder mit Epilepsie können evtl. in Absprache mit dem Facharzt sogar ins Schwimmbad gehen, wenn sie medikamentös gut eingestellt sind und etwa ein Jahr keinen Anfall hatten, doch sollte immer eine lückenlose Einzelaufsicht gewährleistet sein, um im Notfall helfen zu können“, so Prof. Nentwich.

Quelle: Acta Paediatrica, Archives of Disease in Childhood“
_________________

Dies ist eine Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V.

Das ist eine schöne Forderung, die unser Berufsverband da ausspricht, die PM sorgt vielleicht dafür, dass dieses Thema auch in den Focus von Kinderkrippen und Schulen gerät. Regelmäßig gibt es Kinder, die an Epilepsie leiden, mit Medikamenten eingestellt sind und bei denen es eventuell zu Notfällen kommen kann. Meine Erfahrung ist: Sind die Betreuer gut (durch uns Kinder- und Jugendärzte) informiert und geschult, fällt die Angst vor einer Notfallsituation in sich zusammen. Außerdem sind die Tageseinrichtungen vorbereitet für das nächste Kind.

Dabei hat Epilepsie hat nichts mit Fieberkrämpfen zu tun, die Betreuung ist eine andere, die Notfälle sind andere.

Schwierig ist es nur, wenn noch nie ein Kind mit Epilepsie betreut wurde oder das Personal durchwechselte, ohne je die Erfahrung gemacht zu haben. Habt Ihr Erfahrungen mit Kindern mit Epilepsie? Wie reagieren die ErzieherInnen und LehrerInnen bei Euch? Wie geht Ihr als Betreuer damit um?

 

 

Verflixt verstopft

„Verstopfung bzw. Obstipation ist weltweit eines der häufigsten Probleme bei Kindern. Von Verstopfung spricht man, wenn u.a. weniger als 1-2 Stühle pro Woche entleert werden, die Stühle selber hart und fest sind oder die Stuhlentleerung schmerzhaft ist und gelegentlich ein Kotschmieren in der Unterhose beobachtet wird.

Bei Kleinkindern bis zum Alter von 4 Jahren muss diese Störung wenigstens einen Monat angehalten haben, bei älteren Kindern wenigstens 2 Monate, um von einer chronischen Obstipation zu reden. „In der Regel ist die zugrunde liegende Störung einer Verstopfung funktionell, d.h., es liegt keine organische Ursache im Sinne einer Fehlanlage oder Fehlfunktion des Darmes vor. Obstipation ist in der Regel eine Folge von u.a. falscher Ernährung und von zu wenig Bewegung“, erklärt Dr. Ulrich Fegeler, Kinder- und Jugendarzt sowie Mitglied des Expertengremiums des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). „Nur bei Säuglingen bis zu einem Alter von 6 Monaten ist besondere Aufmerksamkeit notwendig, da hier organische Störungen häufig sind.“  Fegeler empfiehlt, dass Kinder mit Verstopfung früh genug dem Kinder- und Jugendarzt vorgestellt werden, damit dieser über die Erfragung der Ernährungsgewohnheiten, der Anzahl der Stuhlentleerungen und der Stuhlkonsistenz Rückschlüsse auf die Ursache ziehen und eine Chronifizierung der Verstopfung verhindern kann. Sehr häufig liegen Ernährungsfehler vor, wobei meist eine zu schlackenarme Ernährung angeboten wird. „Reichlich Obst und Gemüse sowie Vollkornprodukte in der Ernährung sorgen für genügend Ballaststoffzufuhr und können einer Verstopfung vorbeugen. Auch ausreichend Flüssigkeit ist wichtig, um eine Darmentleerung zu fördern. Darüber hinaus ist Pflaumen-, Birnen-, Ananas- und Apfelsaft, die alle einen hohen Sorbitgehalt haben, empfehlenswert“, rät der Kinder- und Jugendarzt.

Doch liegt bereits eine Verstopfung vor, muss zunächst der in den untersten Darmanteilen verfestigte Stuhl entleert werden. Hierzu bieten sich Medikamente an, die im Darm verbleiben und nicht resorbiert werden. Sie binden Wasser und weichen dadurch den Stuhl auf. Hierzu zählen Polyethylenglykol (Macrogol) und Sorbit. Bei gleichzeitiger Ernährungsumstellung auf ballastreiche Ernährung sollte es zu einer guten und schmerzfreien Stuhlentleerung kommen. „Allein nur Ballaststoffe bei einer bereits vorliegenden Verstopfung zu geben, ohne diese zunächst zu entfernen, ist nicht empfehlenswert“, erläutert Fegeler. „Ein solches Vorgehen verursacht eher starke Blähungen.“

Mit etwa 1 Jahr, wenn feste Nahrung eingeführt wird, während des Toilettentrainings und bei Kindern im schulpflichtigen Alter, die während des Unterrichts auf den Toilettengang verzichten, sind „typische“ Phasen für die Entwicklung einer Verstopfung. Bauchschmerzen, Krämpfe oder Übelkeit, Kotspuren in der Unterwäsche, schlechter Appetit können Anzeichen dafür sein. Neben einer Ernährungsumstellung und mehr Bewegung können regelmäßige Toilettengänge zu einem bestimmten Zeitpunkt den Stuhlgang wieder normalisieren. „Bei Anzeichen einer Verstopfung sollten Eltern immer den Kinder- und Jugendarzt zurate ziehen. Liegt keine andere Krankheit vor, muss ein Teufelskreis verhindert werden. Denn je länger der Stuhl im unteren Darmtrakt bleibt, desto größer, fester und trockener wird er. Dann wird die Entleerung immer schwieriger und schmerzhafter. Das Kind hält den Stuhl aus Angst vor Schmerzen immer mehr zurück“, warnt Dr. Fegeler.

Mit zunehmendem Alter nimmt die „normale“ Stuhlhäufigkeit ab. Säuglinge machen beispielsweise bis zu fünf Mal am Tag die Windel voll, Erstklässler gehen durchschnittlich ein- bis zweimal am Tag auf die Toilette. “

Quelle: AAP, Healio – Infectious Diseases in Children, Paediatr Paedolog
_________________

Dies ist eine Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V.

Wenn Kinder Bauchweh haben, wird alles wichtig

Chronische Bauchschmerzen: Wichtige Beobachtungen für die Sprechstunde notieren

Chronische Bauchschmerzen haben meistens eine nicht-organische Ursache, doch ist es wichtig, dass der Kinder- und Jugendarzt die Beschwerden abklärt. Von chronischen Bauchschmerzen sprechen Experten, wenn diese seit mehr als zwei Monaten bestehen und die Bauchschmerzen mindestens viermal pro Monat auftreten.

Bei der Diagnose der Bauchschmerzen sind Beobachtungen der Eltern und die Auskunft der Kinder hilfreich. Kann Ihr Kind den Ort des Schmerzes nennen bzw. strahlt dieser aus? In welchen Zeiträumen treten die Beschwerden auf, und häufen sie sich zu bestimmten Tageszeiten oder nach dem Essen? Leidet das Kind unter Erbrechen? Wie ist der Stuhlgang – leidet Ihr Kind unter Durchfall, Verstopfung, ist Schleim oder Blut beigemengt? Wichtig sind auch die Ernährungsgewohnheiten: Trinkt Ihr Kind viel Milch oder Fruchtsäfte, isst es viel Früchte oder konsumiert es evtl. viel Süßstoff – z.B. über Getränke? Hat Ihr Kind Schluckbeschwerden? Oder quälen Ihr Kind irgendwelche Probleme? „Um dem Kinder- und Jugendarzt bei der Suche zu helfen, können sich Eltern zu diesen Punkten vor der Sprechstunde Notizen machen bzw. ein Protokoll führen. Darüber hinaus ist ein Protokoll der Ernährungsgewohnheiten sinnvoll, wenn eine Nahrungsmittelallergie vermutet wird“, empfiehlt Dr. Ulrich Fegeler, Kinder- und Jugendarzt sowie Mitglied des wissenschaftlichen Beirats beim Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Ohne eine medizinische Bestätigung sollten Eltern auf keinen Fall ihrem Kind eine Diät auferlegen. Denn dadurch können Mangelerscheinungen begünstigt werden.

Sind in der Familie chronische Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Zöliakie bekannt, muss der Kinder- und Jugendarzt ebenso davon wissen. „Sind körperliche Ursachen unwahrscheinlich bzw. ausgeschlossen, handelt es sich bei den chronischen Bauchschmerzen um sogenannte funktionelle Bauchschmerzen. Ursache sind Stress (z.B. Ängste unterschiedlicher Art, Schlaflosigkeit, zu viel Bildschirmkonsum, familiäre Spannungen etc.). Dann ist es wichtig, die Ursachen aufzuarbeiten, damit das Kind lernt, damit umzugehen bzw. andere Auslöser zu vermeiden“, beschreibt Dr. Fegeler das Vorgehen.

Funktionelle Bauchschmerzen nehmen mit zunehmendem Alter ab. Ist bei den 3- bis 6-Jährigen noch fast jedes vierte Kind davon betroffen, leidet weniger als jeder fünfte Jugendliche zwischen 11 und 17 Jahren darunter.

Quelle: MMW Fortschritte der Medizin

_________________

Dies ist eine Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V.

Iss bei Hunger und nicht, wenn Du traurig bist

„Eine norwegische Studie weist darauf hin, dass Kinder, deren Eltern sie häufig mit Essen trösteten, auch später zu „emotionalem Essen“ neigen.

„Mit emotionalem Essen stillen Menschen nicht ihren Hunger, sondern sie bekämpfen schlechte Gefühle. Kinder entwickeln Bewältigungsstrategien, um Unangenehmes zu vermeiden. Erhalten sie oft etwas Süßes gegen ihren Schmerz oder andere unschöne Erfahrungen, eignen sie sich diese Methode gerne an“, erläutert Dr. Monika Niehaus, Kinder- und Jugendärztin sowie Mitglied des Expertengremiums des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).

Der Untersuchung um Dr. Professor Silje Steinsbekk von der Universität in Trondheim zufolge zeigten Kinder, deren Eltern ihnen im Alter von vier Jahren Naschereien zur Beruhigung angeboten hatten, im Alter von 6, 8 und 10 Jahren vermehrt Anzeichen von emotionalem Essen. Nahrungsmittel, die Kinder gegen Furcht, körperliche oder seelische Verletzungen und Ähnliches verzehren, sind i.d.R. auch besonders kalorienreich, wie z.B. Süßigkeiten. Kohlenhydratreiche Speisen regen die Ausschüttung des Neurotransmitters Serotonin an und Zucker die von Dopamin, die beide das Wohlbefinden steigern können. Serotonin gilt deshalb auch als „Glückshormon“.

Die norwegischen Experten konnten zudem beobachten, dass Kinder, die sich schneller aufregten und/oder sich gut durch „Leckereien“ beruhigen ließen, auch tendenziell mehr von den Eltern damit besänftigt wurden. Was zum Teil erklärt, warum Kinder, die leicht aus der Fassung geraten, eher emotionale Esser sind. „Umarmen Sie Ihr Kind und sprechen Sie liebevoll mit ihm, wenn es traurig ist oder ihm etwa weh tut. Vielleicht kann auch die Aussicht auf eine Geschichte helfen, die Sie ihm vorlesen. Finden Sie heraus, was Ihrem Kind helfen kann – aber ohne Kalorien“, rät Dr. Niehaus und schließt sich damit Steinsbekks Vorschlägen an.


Quelle: ScienceDaily, HealthDay, Child Development

__________________________


Dies ist eine Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V.

Wenn den Kindern auf der Reise übel ist

„Die Ferienzeit naht – und damit erinnert sich vielleicht die eine oder andere Familie auch an unschöne Erlebnisse mit Erbrochenem auf dem Rücksitz oder im Fußraum, improvisierte Reinigungsaktionen und unnötigen Stress bei der letztjährigen Fahrt in den Urlaub.Warum trifft es immer die Kleinen bei der Reiseübelkeit? Und was kann man dagegen unternehmen?
Viele Eltern schwören auf Übelkeit reduzierende Medikamente. Vom unkritischen Einsatz vieler dieser Stoffe raten Kinder- und Jugendärzte aber dringend ab. 

Michael Achenbach, Landes-Pressesprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) in Westfalen-Lippe: „Gerade bei Kleinkindern kann es in seltenen Fällen zu gegenteiligen Wirkungen kommen. Die Medikamente lösen den Brechreiz erst aus. Auch hat es bei diesen Präparaten schon Überdosierungen mit tödlichem Verlauf gegeben. Eltern sollten also immer über alternative Möglichkeiten zur Vermeidung und Reduktion von Reiseübelkeit Bescheid wissen.“

Reiseübelkeit entsteht, wenn die Signale des Gleichgewichtsorgans nicht mit den restlichen Sinneseindrücken übereinstimmen. Babys stört das noch nicht so sehr, da in diesem Alter die optischen Eindrücke noch nicht mit Bewegungserfahrungen gekoppelt sind. Ab dem Alter von zwei Jahren kann die Übelkeit Kinder dann aber umso heftiger erwischen. „Der Körper denkt, er steht still, das Gleichgewichtsorgan meldet hingegen Bewegung. Auf diesen Widerspruch reagiert der Körper mit Übelkeit – bei dem einen Menschen stärker, beim anderen schwächer“, erläutert Achenbach. „Wichtig ist jetzt, die unterschiedlichen Eindrücke besser abzugleichen, zum Beispiel indem das Kind auf der Mitte der Rückbank sitzt, damit es nach vorne sehen kann. Am besten ist es, den Blick auf einen festen Punkt in der Ferne zu richten.“

Aber auch eine sanfte, vorausschauende Fahrweise kann helfen, Übelkeit zu vermeiden.

Außerdem helfen eine leichte Mahlzeit vor Fahrtbeginn, Ablenkung, regelmäßige Pausen an der Frischluft und das Vermeiden widersprüchlicher Sinnesreize. Achenbach: „Wer sich spuckende Kinder auf der Rückbank ersparen will, sollte Tablet, Smartphone, Bücher usw. bis zur Ankunft am Ferienort wegpacken! Beschäftigen Sie statt dessen die Ohren, z.B. mit Geschichten, Hörbüchern usw.“

Auf keinen Fall darf das Kind bei laufender Fahrt abgeschnallt werden, wenn es über Übelkeit klagt. Sicherheit geht immer vor. „Fenster auf, den nächsten Parkplatz ansteuern und – für den schlimmsten Fall – eine Brechtüte parat haben!“ empfiehlt Achenbach. Rezeptfreie Medikamente gegen Reiseübelkeit sollten nur im Ausnahmefall und dann nur in kleinstmöglicher Dosis gegeben werden.

Achenbach: „Ob mit oder hoffentlich ohne Reiseübelkeit: ich wünsche allen Familien einen erholsamen Sommerurlaub.“

__________________________

Dies ist eine Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V.

—–

Ich verlinke immer gerne auf die Seite Kinderaerzte-im-Netz.de, weil das Redaktionsteam gute Recherche betreibt, stets aktuelle Artikel aus internationalen Veröffentlichungen postet und trotzdem auch an eigene Pressemitteilungen wie die oben denkt. Leider gibt es dort keine Kommentarfunktion – es soll wohl bewußt kein übliches Elternforum sein.

Welche Tipps habt Ihr, dass Euren Kindern auf Reisen nicht so kotzerig wird?

Auch elektrisch paffen Kinder mit

„E-Zigaretten nicht in Gegenwart von Kindern rauchen

Da der Dampf von E-Zigaretten gesundheitsschädliche Stoffe enthält, sollten Eltern nicht in Gegenwart ihrer Kinder rauchen und vermeiden, dass Kinder auch durch andere Menschen diesen Schadstoffen ausgesetzt werden.

E-Zigaretten sollten nicht in Gegenwart von Kindern geraucht werden, da Kinder durch den Dampf ebenso Nikotin ausgesetzt werden und sich dieses auf Oberflächen ablagert. Auch andere Stoffe, die als potenziell krebsauslösend und schädlich für die Atemwege gelten, sind im Dampf enthalten. „Eltern sollten deshalb weder im Auto noch zuhause E-Zigaretten verwenden“, rät Dr. Hermann Josef Kahl, Bundespressesprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Beispielswiese verbreiten E-Zigaretten Acetaldehyd sowie Acrolein. Beide Substanzen wirken reizend auf Haut und Schleimhäute und schaden dem Flimmerepithel in den Atemwegen. Sie stehen auch im Verdacht, Krebs auslösen zu können. Für das gesundheitsschädliche Chrom und Nickel wurden im E-Zigaretten-Dampf sogar höhere Werte als im Tabakrauch gemessen.

Da sich E-Zigaretten-Nebel aus ultrafeinen Flüssigkeitspartikeln zusammensetzt, können die Schadstoffe besonders tief in die Atemwege gelangen und sich dort vermehrt ablagern. „Wie sich das längerfristig auf die Gesundheit und die Atemwege von Heranwachsenden auswirkt, ist derzeit noch nicht abzuschätzen“, gibt Dr. Kahl zu bedenken. Einer aktuellen amerikanischen Umfrage zufolge sind nicht einmal jedem vierten Erwachsenen die Gesundheitsrisiken des „passiven Dampfens“ bewusst.“

Quellen: AAP, Kardiologe, Public Health Res Pract.“
___________________________
Dies ist eine Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V.


 

In diesem Zusammenhang fordern wir Kinder- und Jugendärzte schon lange das Rauchen im Auto, wenn Kinder mitfahren, zu verbieten. Die Schotten sind da schon weiter. Trotz Brexit.

Wann immer Eltern sagen, sie rauchten ja nicht in der Gegenwart des Kindes, sehe ich die Kippe in der Hand meines autofahrenden Vaters. Der hätte das mit Sicherheit auch gesagt. Schließlich ist das Fenster offen, und es qualmt hinaus. Und die Balkone der Nachbarschaft sind bevölkert mit rauchenden Eltern, die sich im Anschluß Pullover, T-Shirt und Hose vom Leibe reißen, um sich neu einzukleiden. Ja, klar.

Kein Tattoo vor Volljährigkeit

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte fordert:

„Junge Menschen sollten sich nicht vor ihrer Volljährigkeit tätowieren lassen

Wenn Minderjährige ein Tattoo wollen, brauchen sie für einen Vertrag mit dem Tattoo-Studio die Einwilligung der Eltern. Vor dem Gesetz gilt das Tätowieren von unter 18-Jährigen als eine Körperverletzung, die aber nicht bestraft wird, wenn die Eltern einwilligen, umfassend über die Risiken aufgeklärt wurden und der Jugendliche einsichts- und urteilsfähig ist.Mom Anchor

„Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) und die European Society of Tattoo and Pigment Research (ESTP) vertreten die Auffassung, dass sich junge Menschen nicht vor ihrer Volljährigkeit tätowieren lassen sollten. Denn es sind viele gesundheitliche, soziale und ästhetische Risiken zu bedenken“, warnt Dr. Ulrich Fegeler, Kinder- und Jugendarzt sowie Mitglied des wissenschaftlichen Beirats beim BVKJ. Wer in Deutschland ein Tattoo-Studio eröffnen will, braucht bisher noch keinen speziellen Befähigungsnachweis vorlegen. Tattoo-Farben müssen zudem nicht amtlich zugelassen werden. „Bei Hautkrankheiten wie Neurodermitis oder Schuppenflechte, bei Diabetes, bei Abwehrschwäche, bei Herzfehlern und bei Blutungsneigung (z.B. durch gerinnungshemmende Medikamente) raten wir generell von einer Tätowierung ab, da das Risiko für Komplikationen zu groß ist“, so Dr. Fegeler.

Interessieren sich Heranwachsende für Tattoos, sollten sie sich umfassend über die Risiken informieren, z.B. auf der Seite „Safer Tattoo“ (www.safer-tattoo.de/risiken.html) des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Bei Bedarf können sie sich auch von ihrem Jugendarzt aufklären lassen. Zwar ist in Deutschland das Risiko für die Übertragung von schweren Erkrankungen, wie infektiösen Lebererkrankungen (Hepatitis B und C) und HIV, selten, aber auch andere häufigere Virusinfektionen können über unsaubere Instrumente und Farben erworben werden. So können sich Warzen und Herpes nach einer Tätowierung ausbreiten. Bakterielle Infektionen können Abszesse entstehen lassen und im schlimmsten Fall auch zu einer Blutvergiftung führen.

In einer Übersichtsstudie an 3.411 tätowierten Personen klagten 6% über dauerhafte Beschwerden. Neben Narbenbildungen wurden auftretende Schwellungen, Papeln und anhaltender Juckreiz angegeben. Allergien gegen Farbbestandteile bzw. Konservierungsmittel können ebenso zum Problem werden. Die Behandlung solcher Unverträglichkeitsreaktionen, wie Ausschläge mit starkem Jucken, hat sich als schwierig erwiesen. Oft ist dann die Entfernung des gesamten Tattoos erforderlich.

Geschmack verändert sich im Laufe des Lebens

Befinden sich Teenager noch im Wachstum, so ändert das Tattoo später auch sein Aussehen, wenn es in die Länge und die Breite gedehnt wird. Dies gilt in jedem Fall, wenn die Faltenbildung einsetzt. Laut einer amerikanischen Umfrage bedauert jeder vierte Tätowierte zwischen 18 und 35 Jahren, dass er Tinte unter der Haut trägt. Als häufigste Gründe dafür wurde angegeben,

  • dass sie/er zu jung war, als sie/er ihr/sein Tattoo bekam,
  • dass sie/er sich verändert hat und das Tattoo nicht mehr zum gegenwärtigem Lebensstil passt,
  • dass das Tattoo im Zusammenhang mit einer Person steht, mit der man nicht mehr zusammen ist und/ oder
  • dass das Tattoo nicht professionell aussieht.

In Deutschland sind schätzungsweise acht bis zehn Millionen Menschen tätowiert.

Quellen: European Society of Tattoo and Pigment Research, The Harris Poll, Hautarzt

___________________________

Dies ist eine Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V.

(c) Bild bei Mez Love/Flickr (Lizenz Creative Commons)

Ich wusste gar nicht, dass das ein so relevantes Problem ist unter Jugendlichen, wenngleich mir die Trend- und Modelinie gegenwärtig ist. Ein anderes Thema ist das Piercing. Insbesondere Nabelpiercings sind sehr verbreitet unter den jungen Mädchen, das Ohrenpiercen ist normal und gesellschaftlich anerkannt. Zahnschmerzen bekomme ich nur bei den Säuglingen, die bereits schier im Wochenbett gestochen werden.

Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte wehrt sich gegen die pauschale Verurteilung des Gesundheitswesens

„Dina Michels, Korruptionsbeauftragte der Kaufmännischen Krankenkasse, hat im Interview mit der Frankfurter Rundschau das Gesundheitswesen als korrupten Sumpf bezeichnet. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte wehrt sich gegen die pauschale Verurteilung.

BVKJ-Präsident Dr. Thomas Fischbach: „Frau Michels wirft vor allem uns Ärzten vor, korrupt zu sein, Verordnungen gegen Geld oder Benefits auszustellen. Das Arztgeheimnis begünstige dies, die Justiz sei unfähig, dies zu erkennen und zu verfolgen, mächtige Netzwerke hielten ihre schützende Hand über die Ärzte. Frau Michels Einlassungen mit ihrem Mischmasch aus Unterstellungen und Verschwörungstheorien sind pauschal, böswillig und verleumderisch. Als Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte prüfen wir, Klage dagegen zu erheben.

Über 15.000 Kinder- und Jugendärzte versorgen über 14 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland vom ersten Lebenstag an bis zum 18 Geburtstag. Wir stehen jeden Tag in unseren Praxen und sorgen für die bestmögliche medizinische Betreuung unserer Patienten durch Vorsorgen, Impfungen, Heilung von Infekten, Elternberatung, wir verordnen auch Logopädie, Physiotherapie und Ergotherapie, wenn es uns notwendig für die gesunde Entwicklung der uns anvertrauten Kinder erscheint. Wir sind Anwälte unserer Patienten und unsere Entscheidungen fallen unter das Arztgeheimnis, und das ist gut so. So wird verhindert, dass zum Beispiel die Kassen Leistungen verweigern, weil sie ihnen zu teuer erscheinen oder weil sie der Meinung sind, dass chronisch kranke oder behinderte Kinder Therapien nicht brauchen. Hier von Intransparenz zu sprechen, halten wir für zutiefst bedenklich, ebenso wie der Justiz Inkompetenz vorzuwerfen. An mächtige Netzwerke zu glauben, die irgendwelche Machenschaften decken, zeugt unseres Erachtens von zu reichlichem Konsum von Mafiafilmen. Und anzunehmen, dass Therapeuten uns bezahlen, wenn wir Patienten an sie überweisen, ist angesichts der mickrigen Honorare, die diese von den Kassen bekommen, geradezu absurd. (Physiotherapeuten bekommen im Durchschnitt 19 Euro pro Behandlung von der GKV). Die Wahrheit sieht schlichter aus. Auch in unseren Reihen gibt es mit einiger Sicherheit schwarze Schafe, die die Kassen und damit die Allgemeinheit betrügen. Diese gehören bestraft und werden auch in der Regel bestraft durch unsere gut funktionierende Justiz. Wer anderes behauptet und Ärzte und Ärztinnen unter Generalverdacht stellt, zerstört das jeden Tag millionenfach gelebte Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient und schadet damit vor allem denen, um die es geht: unseren Patienten.“

—-

Dies ist eine Pressemitteilung des BVKJ.

Dem ist imgrunde nichts hinzuzufügen. Das Interview mit Frau Michels steht in Tradition eines Ärztebashings, das in den letzten Jahren zugenommen zu haben scheint. Vielleicht liegt das aber auch an der selektiven Wahrnehmung des eigenen Berufsstandes. Ähnliches können bestimmt auch Polizisten oder Politiker von sich selbst behaupten.

Und jetzt muß ich mit Luigi sprechen. Er und seine zwei Kleiderschränke haben um einen Termin gebeten. Wahrscheinlich gehts mal wieder um die monatlichen Zahlungen. Dabei habe ich doch letztens Don Marcos Cousine pro bono behandelt.

 

Vorherige ältere Einträge