Freitagabendassoziationen

Ich drifte so durch die Sprechstunde, aktuell ist es eher entspannt und ruhig, keine Ahnung, weil vielleicht sich keiner traut, in die Praxis zu kommen, oder weil alle eher gesund sind dank Masken und Händewaschen, oder weil meine fMFA einfach eine verdammt gute Arbeit am Telefon machen und beraten. Vielleicht hat Corona genau diesen Effekt: Nicht mehr alles andere so schwer nehmen, nicht jedes kleine Wehwehchen in die Praxis tragen. Kleine Hoffnungen. Es bleiben die Routinen übrig: Impfungen, Vorsorgeuntersuchungen. Klar, Abstriche machen wir auch, meist vorsorglich, manchmal gezielt nach Kontakt, weil das Gesundheitsamt beauftragt, manchmal zur Beruhigung. Die wenigen Positiven … Freitagabendassoziationen weiterlesen

Lasse ich mich gegen COVID-19 impfen?

Neulich diskutierte ich mit einer Familie über die kommende Impfung gegen SARS-CoV-2, also den Corona-Virus. Der Vater war sofort dabei, die Mutter skeptisch, der vierzehnjährige Sohn zog schon den Pullover aus und hielt mir den Deltoideus hin. „Kein Bock mehr auf diesen Mist“, sagte er. Die Medien sagen, die Impfung kommt Anfang des Jahres, wahrscheinlich wird man zwei Impfungen brauchen (vermutlich mit 6 Monaten Abstand), es wird nicht genug Dosen für alle geben, das war klar. Aber dass es eine Impfung geben wird, ist sicher, die Medien sind voll von Wettbewerben um die Entwicklung, die internationale Zusammenarbeit. Viel andere Perspektiven … Lasse ich mich gegen COVID-19 impfen? weiterlesen

Zum Tod von Remo Largo

Der Doyen der deutschsprachigen Kinderheilkunde, Kindererziehung, KInderentwicklung, der Schweizer Kinderarzt Remo Largo ist diese Woche im Alter von 76 Jahren verstorben. Wenige können von sich behaupten, bei Eltern wie bei Kinderärzten ähnliche Achtung und Wertschätzung zu genießen wie er. Seine Bücher stehen in den Regalen aller, die sich mit Kindern beschäftigen. Ich möchte ihn mit ein paar seiner Zitate ehren. „Erziehung, und das ist das fatale an der Pädagogik bis heute, ist definiert durch das Ziel. Pädagogen fragen immer: Was wollen wir für einen Menschen? Wie bringe ich das Kind dorthin? Die Pädagogen gehen nicht vom Kind aus und fragen … Zum Tod von Remo Largo weiterlesen

Vorsicht mit Tragehilfen

Es ist wichtig und modern, Kinder mit Tragehilfen zu tragen, mit Tragetüchern oder anderen entsprechenden Gurtgeschirren. Dagegen ist prinzipiell auch nichts einzuwenden, es ist praktisch, die Naturvölker machen es auch – genauso wie viele dort nackt rumlaufen und weniger Hautprobleme haben – , und auch dem Baby gefällt es. Aber. Es geht um die Beinstellung. Sitzen die Kinder mit dem Gesicht nach vorne, also mit dem Rücken am Bauch der Eltern, hängen meist die Beine nach unten. Dies behindert die Reifungshaltung des Hüftkopfes auf die Hüftpfanne, das ganze Gewicht der Beine hängt dann in der Gesässmuskulatur. Dies fördert Hüftpfannenveränderungen. Will … Vorsicht mit Tragehilfen weiterlesen

Zehn wichtigste Dinge, die Du über den Nabel bei Neugeborenen wissen solltest

Die Nabelklemme kann am dritten Tag entfernt werden. Sie wird gesetzt, damit der Nabel nicht nach dem Durchschneiden im Kreißsaal weiter blutet. Die Blutzufuhr ist unterbrochen, die Gefäße darunter veröden. Je nachdem, wie weit vom Hautniveau die Klemme sitzt, bleibt der Nabelrest entsprechend lang. Dies spielt aber keine Rolle für die frühe oder späte Abheilung. Keine Sorge: Eine Nabelklemme kann sich nicht von alleine lösen, man braucht eine spezielle Zange, um sie aufzuschneiden. Ein Seitenschneider tuts im Zweifel aber auch. 2. Der Nabelrest besteht aus drei Gefäßen, hat aber keine Nerven. In aller Regel fließen in der Nabelschnur drei Gefäße: … Zehn wichtigste Dinge, die Du über den Nabel bei Neugeborenen wissen solltest weiterlesen

Wochenendschnipsel

Kristina Spöhrer ist Hausärztin und erzählt von ihrer Motivation, diesen Beruf zu ergreifen. Sie liebt die Patientenbindung, ihre eigene Chefin zu sein und verweist in dem Interview auch auf eine Twitterorganisation namens Twankenhaus. Wie schön. Eltern, die durch Corona einen Verdienstausfall erlitten haben, können diesen nun zurückfordern. Voraussetzung: Die Klasse oder Kitagruppe wurde in Quarantäne geschickt, dies muß amtlich angeordnet sein, und das Kind muß unter 12 Jahre alt sein oder wegen einer Behinderung besondere Hilfe bekommen. Eine andere Möglichkeit der Betreuung muß ausgeschlossen sein. Wohlgemerkt: Hier zahlt nicht die Kasse (das Kind ist ja nicht krank), sondern das Land. … Wochenendschnipsel weiterlesen

Lesepotpourri Juli, August, September

[Werbung i.S. von Affiliate Links] Das Sommer-Quartal, inklusive Corona-Eigentlich-Lese-Zeit und dem Sommerurlaub, traditionell genug Muße und Ruhe, um ein paar Bücher zu verschlingen. Wer mag, hier die Lektüren meines Sommers, soweit beendet (an/in ein paar hänge ich noch fest): Dragman von Steven Appleby Steven Appleby ist ein begnadeter Comic-Zeichner, den ich bereits von seinem Twitter-Account, aber vor allem aus seiner Zeichenkolumne im „The Guardian“ kenne. Ich mag seinen Stil und seinen sehr feinen Sinn für Humor. Appleby selbst bezeichnet sich als Cross-Dresser, er ist ein Mann, der gerne Frauenkleider anzieht. Aus dem Struggle rund um diese Liebe hat er nun … Lesepotpourri Juli, August, September weiterlesen

Der Allgemeinarzt beim Kinderarzt

„ArztohneDr“ habe ich bei Twitter kennengelernt, als er mich anpingte, um zu erfahren, welches gute Buch ich für die Vorbereitung seines Einsatzes in einer kinderärztlichen Praxis nutzen könne. Nach ein wenig Austausch bat ich ihn, mir ein Interview über seine Eindrücke von der Arbeit mit kranken Kindern zu geben. Vielen Dank an ArztohneDr, dass er dem zugestimmt hat. Vielleicht bietet das einen kleinen Einblick für andere Weiterbildungsassistenten, die mit der pädiatrischen Arbeit liebäugeln. Das Interview: Kinderdok: Wieweit bist Du in der Weiterbildung zum Allgemeinarzt, was fehlt Dir noch bis zur Facharztprüfung? ArztohneDr: Kurz zu meiner Person. Ich bin 38 Jahre … Der Allgemeinarzt beim Kinderarzt weiterlesen

Therapieresistenz

Mutter: „Die hustet immer noch.“ Sie spricht von ihrer dreizehnjährigen Tochter, die neben ihr sitzt.Ich: „Hat sie denn weiter inhaliert?“ Die Tochter hat asthmatische Probleme, ist nebenbei bei einem BMI von 32 kg/m2, und ich hatte sie vor drei Wochen auf ein inhalatives Corticoid gesetzt.Mutter: „Naja, wir haben das weggelassen. die hustet ja immer noch.“Ich: „Ja, aber die Lunge war doch nachher frei. und jetzt durften Sie erstmal dauerhaft inhalieren, damit es nicht wieder zu einer Verschlechterung kommt.“Mutter: „Mmmh. Hat ja nichts gebracht. Sie hustet immer noch.“Ich: „Diese Dauerinhalationen brauchen ein bisschen Zeit. Unter zwei Monaten geht da nichts. Sie … Therapieresistenz weiterlesen

Die Rolle der Eltern beim Impfen

Welche Rolle übernehmen Eltern eigentlich bei der Aktion des Impfens? Also nicht, ob sie dem Impfen zustimmen (natürlich tun sie das als verantwortungsvolle Eltern), sondern, wie verhalten sie sich dabei? Aus der Sicht des Arztes/der Ärztin Wir würden uns wünschen, die Eltern sprechen mit ihren Kindern über die Impfung (ab einem bestimmten Alter, verstehen wird das aber schon ein 1,5jähriger), bereiten sie zuhause vor, zeigen eine frohgestimmte Haltung. Während des Impfens selbst sollten sie ihre Kinder vielleicht ablenken, zumindest aber mit ihnen sprechen, sie halten, auch einmal etwas fester halten, damit das Kind nicht „entwischt“ oder dem/r Ärzt*in nicht in … Die Rolle der Eltern beim Impfen weiterlesen