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Tumor

Es war ein dringender Anruf am Morgen bei uns in der Praxis. Neben den vielen Grippen, Durchfällen und Scharlachen tatsächlich mal etwas anderes. Der Junge, vierzehn Jahre alt, wird vorgestellt mit “Tumor am Bauch”. Ich lese das im Terminkalender und bekomme einen Kloß im Hals.

Mutter: “Der hat seit kurzem eine Schwellung am Bauch, das möchten wir anschauen lassen.”

Junge: “Du, nicht ich.”

Ich: “Hast Du denn Beschwerden? Bauchweh? Durchfall? Verstopfung?”

Junge: “Nö, alles gut.”

Ich bitte ihn auf die Liege und untersuche den Bauch. Taste hier, taste dort, streiche, klopfe, höre, drücke tief, frage nach Beschwerden, teste die Abwehrspannung, Loslass-Schmerz, Klopfschmerz. Alles negativ.

Ich: “Und wo ist jetzt genau die Schwellung?”

Mutter: “Na, da, und da. Das ist schon auffällig.”

Junge: “Ach, Mama…”

Und ich schaue nochmal, taste nochmal, lasse den Jugendlichen kurz seine Beine gestreckt hochheben.

Mama: “Sehen Sie, sehen Sie?”

Ich: “Das… und dies… und das… ist ein so genanntes… Six-Pack.”

Junge: “Siehste Mama, habe ich gleich gesagt.”

Ich: “Machst Du grad viele Situps? Fussballer? B-Jugend? Verschärftes Training?”

Er strahlt. “Klar!”

(c) Bild bei DOD (zur freien Nutzung gekennzeichnet)
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Ein wenig Alltag aus der Erkältungszeit

Stethoscope on laptop keyboard

Ich bin zurück im Alltag nach dem langen Wochenende in Hamburg, das einem ja dann wie eine Zeit- und Fernreise vorkommt, dass man gar nicht mehr nachhause will. Aber, wie mein Chef früher immer sagte: Die Arbeit macht ja sonst keiner in der Zwischenzeit (addon: … und der Schreibtisch sieht am nächsten Morgen noch so aus, wie am Abend zuvor).

Da inzwischen im Ländle die Grippe-, Erkältungs-, Durchfalls-, und weiss-nicht-was-Saison begonnen hat – das Ende vom Januar lässt uns mal wieder in der Beziehung nicht im Stich – kamen Frau Kollegin und ich diese Woche endlich mal wieder auf die angepeilten 50 Praxisanwesenheitsstunden. Ok, es gibt eine Mittagspause und hie und da springt auch ein Kaffeepäuschen raus, aber schließlich hängen wir immer noch eine halbe bis ganze Stunde Schreibtischjob hintendran, denn: siehe oben das addon.

Die Woche war voll mit allem, was die Kinderarztpraxis so hergibt: Turbulente Einweisungen mit Osteomyelitis, luftknappen Pneumonien und exsikkierten (d.i. ausgetrockneten) Kleinkindern, sehr lustigen Vorsorgeuntersuchungen von Vorschulkindern, die zeigen wollen, was sie schon können und etwas jüngeren U7-Kindern, die zeigen konnten, was sie alles nicht zeigen wollen. Tobsuchtsanfällen inklusive. Aber ganz bedürfnisorientierte Kinderärzte, die wir sind, versuchen wir solche Vorsorgen dann an einem anderen Tag. Nur ich konnte wieder nicht meine Klappe halten und deutete dem anwesenden Vater die Emotion seines Kindes als Wut und nicht als Angst. Wer ängstlich ist, winkt und grinst nicht am Anfang und am Ende, dachte ich mir, und reflektierte das auch. „Siehst Du, Rick-Jakob, Du brauchtest gar keine Angst zu haben, sagt auch der Mann“, sagte dann der Vater zum Abschied. Hatte ich so nicht gesagt. Hatte ich so nicht gesagt.

Dann war da noch der Säugling aus der Flüchtlingsfamilie mit der Trisomie, seit Beginn mit großen Atemproblemen, Herzfehler, Aspirationen, Sauerstoffbedarf, stationären Aufenthalten und mobiler Krankenpflege zur Unterstützung der Familie. Sie bekommen es jetzt zuhause deutlich besser in den Griff, aber die Unterstützung der Fachkräfte ist weiterhin vonnöten, alleine, um mögliche Zustandsveränderungen zu erkennen und frühzeitig zu handeln. Der Medizinische Dienst der Krankenkasse, angerufen durch die „versorgende“ Krankenkasse, bezweifelte dies und forderte bei mir einen „aktuellen Behandlungs- und Befundbericht“ ein. Das ist nicht in ein paar Worten getan, am Ende wurden es zwei Seiten. Mal sehen, was das bringt. Honoriert wird der Schrieb mit stolzen 3,25 € nach dem EBM, da rechne ich lieber nicht den Stundenlohn aus.

Ich habe dieses Wochenende herbeigesehnt, ich gestehe. Montag, 8 Uhr, gehts weiter.


Letzten Montag wurden die Goldenen Blogger 2018 vergeben. Leider war ich während des Livestreams noch in der Praxis, da ist die DSL-Bandbreite eher schlecht, wenigstens hat es zum Abstimmen gereicht. Die Macher von den Goldenen Blogger haben seit dem letzten Jahr alle ehemaligen Gewinner zur Akademie der Goldenen Blogger berufen, Danke für diese Ehre. Ein paar Entscheidungen wurden dann auch durch diese Akademiker gewählt.

Hier geht es zu den Gewinnern. Sehr lesenswert natürlich vor allem die nominierten Blogtexte: „Alle 262.000 Minuten verliebt sich kein Single über Parship“ von Frau Nessy, „Gerda stirbt“ von Jasmin und „Raus aus meinem Uterus. Der § 219a und seine Freunde.“ von Juramama. Besonders freute ich mich über die Gewinnerinnen Natalie Grams für den besten Twitterauftritt des letzten Jahres und die gute LiebeFrauNessy, die mit ihrem Tagebuchblog schon lange zu meinen Alltime-Favourites zählt. Die Lektüre ihrer Texte hat mich vielleicht zum Bloggen gebracht.

(c) Bild bei Flickr/Marco Verch (unter CC BY 2.0 Lizenz)

Was ich beim Bloggertreffen in Hamburg erlebt habe

Ein Wochenende in Hamburg, wenn das keine Freude ist. Nachdem die Praxis versucht hat, mir nicht nur einen Stein in den Weg zu legen, war ich schließlich doch im ICE nach HH unterwegs.

Der Donnerstag bedeutete nur ankommen, das Ho(s)tel entdecken, dort in der Lobby noch ein zünftiges ASTRA trinken, um dann etwas erschöpft ins Bett zu plumpsen. Am Freitag wollte ich etwas länger schlafen, auch weil Samstag und Sonntag mit Bloggertreffen und der frühen Abfahrt dies verhindern würden. Aber meine innere Uhr, ganz praxisgeprägt, warf mich aus dem Bett. Egal, dann eben ein üppiges Frühstück und raus in die Hamburger Eiseskälte von einigem unter null Grad.

Ich bin den Kiez abgelaufen, habe mich treiben lassen durchs Schanzenviertel, St. Pauli rüber zum Millerntor, nur mal Gucken, und dann mit dem Bus zur Kunsthalle. Ganz ehrlich: Um mich aufzuwärmen. Caspar David Friedrich bewundern. Viel interessanter fand ich dann allerdings alles andere: Den Rundgang, den chronologischen Aufbau der Sammlung, das altehrwürdige Gebäude und die lustigen zeitgenössischen Arbeiten. Ein Kaffe mit Apfelkuchen zum Abschluss und wieder raus, die sehr verfrorene Binnenalster bewundern.

Mein Hamburg-Spaziergang trieb mich weiter schaufensterbummelnd mit kurzem Blick in das wunderschöne Rathaus, hinüber in das Fleetviertel, dann rauf zu St. Michaelis (waren wir mit den Kindern damals schon, als gespart) und zurück ins Schanzenviertel. Sehr verfroren für eine Stunde aufs Bett gelegt, insbesondere, um die Wärme in die Knochen zu holen.

Für den Abend hatte ich eine Logenkarte für „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ im SchauSpielHaus. Hammervorstellung, Devid Striesow, der nicht so mein favourite ist, und Maria Schrader, beide in absoluter Ehestresshochform. Sie bekamen bestimmt zehn „Vorhänge“, wenn es einen solchen gegeben hätte. Anmerkung am Rande: Deutschland verliert das Halbfinale der Handball-WM, verschmerzbar nach diesem Theatererlebnis.

Am Samstag traf ich die liebe Pharmama mit ihrem Mann und Sohn und die liebe PTAchen zum Frühstück im Hotel, gleich nach einem Jahr aus Berlin wiedererkannt und sofort wieder vertraut. Das sind so freundliche und offene Menschen. Vielen Dank.

Wir sind gemeinsam zu den Landungsbrücken , um dort den 5-Foraminologen und Tobias zu treffen, die beiden „Hamburger“ führten uns durch den Alten Elbtunnel, am Fischmarkt vorbei zur Reeperbahn, zur Binnenalster und schließlich auf die neue Elbphilharmonie, eine sehr informative Führung, mit viel Lokalkolorit und -wissen. Für mich Dinge, die ich von Hamburg bisher gar nicht kannte. Unterwegs haben wir noch s’gramselet aufgegabelt, die heute erst angereist war.

Und dann das eigentliche Bloggertreffen, sehr exklusiv gegenüber der „Elphi“ mit Blick auf dieselbe, jetzt zur Abrundung mit Maria und Mira von DocCheck und Christopher, jetzt waren wir vollständig. Wir sprachen über das gute Entwickeln vn Überschriften (ein kleiner Workshop von Maria), übers Bloggen über die Jahre (von mir), dem Weg vom Blog zum Buch (durch Pharmama) und zum Abschluss ein toller Talk von Tobias zu Trollen im Netz und dem Umgang mit ihnen. Es gab einen so üppigen Austausch, dass die Zeit rasend voranging und die Vorträge von Christopher und dem 5-Foraminologen gar nicht mehr zum Zug kamen. So schade. Aber das Essen war schon gebucht, das gab es schließlich im Rudolph’s etwas weiter „ums Eck“, aber dafür umso schmackhafter und weinseliger.

Danke an Euch alle für diesen schönen Tag, den Austausch über das Bloggen hinaus, den Einblick in Eure Arbeit und Einsichten in das Schweizer Gesundheitssystem. Trotzdem es eine so überschaubare Gruppe war, hätten wir uns sicher noch intensiver und persönlicher austauschen können, aber so sind diese Abende ja immer. Man quatscht sich fest und wollte noch soviel besprechen und erarbeiten. Schade auch um die vielen, die nicht dabei waren, wir haben Euch sehr vermisst.

Am Sonntag ein Frühstück mit Pharmama-Familie und PTAchen, und dann ging es schon mit dem ICE wieder nach Hause. Da sitze ich nun und schreibe. Und nun ist der Blogpost fertig. Raus damit. Nichts mit „gut abgehangen“…

Noch ein paar Bilder?

(PS Gnadenloses Scheitern beim Erstellen eine griffigen Überschrift)

(c) Bilder bei kinderdok und Pharmama

Impfgegner sind eine Bedrohung für die Globale Gesundheit

Luftverschmutzung und Klimawandel, Diabetes, Krebs und Herzerkrankungen, Grippepandemien, Fragile Lebensumstände, Antibiotikaresistenzen, Ebola und andere hochansteckende Erkrankungen, schwache Basismedizinische Versorgung, das Dengue-Fieber und HIV – sie sind die Hauptbedrohungen der Globalen Gesundheit, so die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Und dazu die Impfgegner.

Im Englischen nennt es die WHO die Vaccine Hesitancy, also das Herauszögern des Impfens, in ihrem Erklärungstext spricht sie deutlicher von Reluctance (Abneigung) und Refusal (Ablehnung) beim Impfen. Sehr klare Worte und eine klare Positionierung gegenüber den industrialisierten Ländern, deren so aufgeklärte Eltern den Impfungen kritisch gegenüberstehen. Gerade die katastrophale Lage bei der Masernelimination (Anstieg der globalen Fälle um 30%) wird benannt.

Zudem gibt die WHO in ihrem Bericht die Elimination des Gebärmutterhalskrebses durch eine weitere Propagierung der HPV-Impfung als Ziel aus, und sie möchte 2019 zu dem Jahr machen, in der die Kinderlähmung (Poliomyelitis) endgültig vom Erdball verschwinden soll.

Selten hat sich eine Gesundheitsorganisation international oder in einem einzelnen Land so deutlich gegen Impfgegner positioniert wie heuer. Aber genau diesen Zeitgeist braucht es: Es ist nämlich nicht chic oder hip, gegen Impfungen zu sein, sondern anachronistisch. Auch die deutsche Gesundheitspolitik täte gut daran, ihren Weichspülerkurs gegenüber Impfgegnern zu beenden. Wenn eine Impfpflicht vielleicht mit dem Grundgesetz nicht vereinbar sei, so sollte ein vollständiges Impfbuch nach STIKO-Empfehlungen als Grundvoraussetzung für den Kindergarten- oder Schulbesuch gelten. Über Bußgelder nach italienischem Vorbild darf laut nachgedacht werden. Noch sind in Deutschland keine Rechtsradikale an der Macht, die das verhindern könnten.

Eine Bemerkung am Rande: Auf ihrer Homepage zeigt die WHO keine Spritze, keinen schreienden Säugling, sondern ein Baby, das vertrauensvoll auf seine Mutter blickt. Dies sollte die wichtigste Assoziation sein, die wir beim Thema Impfen hegen.

(c) Bild bei Max Pixel (unter CC0 Lizenz)

Entwicklungsstörungen und Heilmittelverordnungen – die Jungen kommen wieder mal schlechter weg

Mehr Entwicklungsstörungen, weniger Heilmittel

Über Twitter kam letztens ja eine Meldung der AOK über die Heilmittelverordnungen im Allgemeinen und die Unterschiede bei Jungs und Mädchen im Speziellen. Die gute @KindundKittel fragte herum, wie denn die Meinung bei uns Kinderärzten dazu sei. Twitter im Allgemeinen hat sich natürlich auch dazu geäußert.

Jeder kann ja den Artikel lesen, dennoch eine kurze Zusammenfassung:

  • Die Zahl der diagnostizierten Entwicklungsstörungen bei Schulanfänger hat im Zehnjahreszeitraum zugenommen (2008 27,5% auf 2017 34,8%)
  • Im gleichen Zeitraum haben die Heilmittelverordnungen in geringerem Maße zugenommen (2008 15,6% auf 2017 16,9%). Seit 2015 seien die Verordnungen sogar zurückgegangen.
  • Spitzenreiter der „Zunahme“ sei Hamburg, am unteren Ende stünden Schleswig-Holstein, das Saarland und Bayern, hier gibt es einen Rückgang.
  • Unterschiede Jungen zu Mädchen: 2017 wurde bei Jungs in 41,3% eine Entwicklungsstörung festgestellt, bei den Mädchen hingegen nur bei 27,8%. 17,8% der Jungen erhielten Therapie bei nur 10,7% der Mädchen. Eine andere Zahl: 2017 waren 60% der AOK-Heilmittelpatienten im Kindesalter bis einschließlich 14 Jahren – Jungen.

Das Forschungsinstitut der AOK WIdO diskutiert diese Zahlen recht vorsichtig. Man sei primär zufrieden über den Rückgang der Therapien, dies liege daran, „dass Ärzte sehr genau hinschauen, wie sich ein Kind rund um die Einschulung entwickelt und wann es therapeutische Begleitung braucht“, sagt Helmut Schröder, stellvertretender WIdO-Geschäftsführer. „Gleichzeitig wandeln sich die Anforderungen von Schule und Elternhaus an die Kinder sowie das ärztliche Diagnoseverhalten und die Therapiemöglichkeiten.“

Gibt es eine Vorfilterung, eine ungenannte Bias?

Sehr gut beobachtet, sehr gut geschlussfolgert. Ich denke auch, dass solche Zahlen aus verschiedenen Gründen resultieren. Die AOK bekommt ihre Prozente aus den tatsächlichen Heilmittelverordnungen für Logopädie und Ergotherapie, es werden die einzelnen Rezepte gezählt. Dagegen gestellt werden die ICD-Diagnosen, die ihr über die Abrechnungen der Ärzte via KV übermittelt werden. Mehr sagen diese Zahlen nicht.

Welchem Bias unterliegen die erhobenen Zahlen zu der Diagnosen „Entwicklungsstörung“ und „Heilmittelverordnungen“?

  • Die Diagnosen sind Grundvoraussetzung für die Ansetzung von Abrechnungsziffern, die in den letzten Jahren für Kinder- und Jugendärzte möglich wurden, die so genannten sozialpädiatrischen Ziffern. Wurde hier tendenziell mehr verschlüsselt?
  • Entwicklungsstörungen begründen auch die Einstufung eines Patienten als „Chroniker“. Hier sind wiederum die Krankenkassen interessiert: Durch eine hohe Anzahl von Chronikerpatienten erhalten Krankenkassen mehr Geld aus dem Risikostrukturausgleich. Es hat schon Aufforderungen von Krankenkassen an Ärzte gegeben, Patienten mittels Diagnosen zu „upgraden“.
  • AOK-Patienten sind von vornherein gefiltert: Beispielsweise sind Geflüchtete und Asylsuchende in der AOK versichert, auch die Lohnstruktur der AOK-Versicherten dürfte eher im unteren Spektrum liegen. Anders gesagt: Ingenieure sind bei der Techniker, Angestellte der Mittelschicht bei den BKKs, Ärzte und Anwälte privat versichert. Es ist kein Geheimnis, dass Entwicklungsprobleme bei Kindern mit dem Sozialstatus korrelieren.
  • Wie im Artikel schon vermutet: Sicher hat es in den letzten zehn Jahren eine höhere Sensibilität für Entwicklungsstörungen gegeben. Bei ÄrztInnen. Bei ErzieherInnen. Bei LehrerInnen.

Ist das alles hausgemacht? Oder eine Frage des Zeitgeistes?

Aber mal dahin gestellt, dass die Zahlen bereinigt sind und über alle Kinder repräsentativ, wie lassen sie sich erklären?

Es bleibt problematisch, dass im Schnitt ein Drittel aller Erstklässler eine Entwicklungsstörung haben und die Hälfte davon ein Heilmittel benötigen (Kinder, die eine Entwicklungsstörung haben und keine Heilmittel verordnet bekommen haben, finden sich zum einen in der Gruppe der geringen Störungen, die einfache Flrdermaßnahmen, z.B. aus dem pädagogischen Bereich bekommen oder bei sehr schwer entwicklungsgestörten Kinder, die z.B. in Betreuungseinrichtungen sind).

Ist dies ein Strukturproblem? Eine Frage der Förderung in Elternhaus und/oder der Kindertagesstätten? Oder eine Frage des Zeitgeistes, dass beispielsweise Kleinkinder viel früher mit Passivmedien wie Handys in Kontakt kommen? Oder der vielzitierte Mangel an freiem Spiel draußen unter Gleichaltrigen ohne ständige Kontrolle durch die Eltern? Werden unsere Kinder zuviel reglementiert in ihrer Entwicklung? Oder durch offene Kindergartenkonzepte mehr beobachtet als gefördert? Oder ist es doch ganz einfach, und unsere Kinder werden von mancher Seite schlechter gemacht als sie sind?

Ich kann aus den Zahlen in meiner Praxen nur feststellen, dass ich mich sowohl in der Diagnosestellung, als auch der Heilmittelverordnung weit unterhalb der o.g. Zahlen bewege. Dies kann natürlich mit der Bevölkerungsstruktur in meinem beschaulichen Örtchen zusammenhängen, vielleicht aber auch mit recht vernünftigen Heilmittelerbringern, hervorragenden Frühfördereinrichtungen und einem sehr guten Netz an sozialpädiatrischer und pädagogischer Versorgung.

Die Jungen entwickeln sich schlechter als die Mädchen

Dennoch bleibt etwas festzustellen: Jungs kommen schlechter weg. Das wird jeder Kinder- und Jugendarzt bestätigen. Bei Twitter wurde vermutet, dass die Anforderungen in Schule und Kindergarten zu sehr auf Mädchen ausgerichtet sei, und keiner beurteilt, ob die Kinder gut Fussballspielen können.

Geschenkt. Denn abgesehen davon, dass IMHO Mädchen sowieso besser Fussballspielen können, gibt es aus meiner Sicht eben keine echte Fähigkeit, die alleine von Jungen oder Mädchen als Alleinstellungsmerkmal beherrscht wird. Die Anforderungen, die unsere Gesellschaft an unsere Kinder stellt, sind vermeintlich feminine Eigenschaften: Konzentriert arbeiten, Funktionieren, Liebsein, gute Körperbeherrschung und elaborierte Sprache. Der stereotype Junge als fussballspielender Rabauke, der keine zwei Worte sauber ausspricht, hat da nur Chance mit Ergo- und Logotherapie. Und er hat immer ein ADHS.

Unsere Förderangebote sollten geschlechterunabhängig sein, um nicht in die Genderfalle zu geraten: Während es hipp ist, Mädchen in klassische Jungenbereiche zu fördern (Girls Days, Fussball, Werken), möchte ich die Jungs sehen, die eine Ballettschule besuchen oder der Mama beim Kochen helfen. Ich bediene hier ein Klischee, ich weiß, aber beim Nachfragen beispielsweise bei der U9 mit fünf Jahren gibt es hier weiterhin eine ganz klare Trennung der Geschlechter, so aufgeklärt sich die Gesellschaft auch geben mag oder so sehr uns das unsere Twitter-Facebook-Filterblase auch vorgaukelt. Nicht alle Familien sind hier im 21. Jahrhundert angekommen.

Die Pathologisierung der Kinder

Ob es nun um das „Upgraden“ von Diagnosen geht, oder dass Kinder in unseren personalschwachen Betreuungseinrichtungen nicht ausreichend gefördert werden können, oder unsere Grundschulen noch immer das Schriftbild als wichtiger ansehen denn die Individualität des einzelnen Schülers: Es wird immer Kinder geben, die schwächer sind als die anderen in diesem oder jenem Bereich.

Pädagogische Fördermaßnahmen sollten immer zunächst ausgeschöpft werden, d.h. die Kitas und Grundschulen sollten personell und finanziell besser ausgestaltet werden, um alle Kinder mitzunehmen. Zuviele Kinder schiebt man in den „kranken“ Bereich, obwohl sie schlicht ein schwache Veranlagung oder eine Teilleistungsschwäche haben, während sie in anderen Bereichen glänzen, die jedoch nicht schulisch relevant sind. Erkennen wir lieber diese Stärken, und stärken wir damit das Selbstbild unserer Kinder.

Jahresrückblick 2018 III – Ein Jahr Tagesspiegel

Am nächsten Sonntag erscheint die erste Kolumne für das Jahr 2019 von mir im Berliner Tagespiegel, ich belege dort den Slot ganz am Ende der Sonntagsbeilage. Einmal im Monat, immer zum ersten Sonntag. Und das kam so:

Die leitende Redakteurin der Sonntagsausgabe hatte regelmäßig meine Blogbeiträge gelesen, außerdem gab es vor gut anderthalb Jahren ein Interview mit Karl Grünberg, das ebenfalls im Tagesspiegel veröffentlicht wurde. Bisher hatte den Kolumenslot ein Wissenschaftsjournalist „gebucht“, der an gleicher Stelle monatsweise über Erkenntnisse oder Skurriles aus Technik und Wissenschaft berichtete. Die Redaktion wollte einen Nachfolger, der Ähnliches schreibt.

So kam es, dass ich für den Januar 2018 eine erste Kolumne lieferte, ganz ungezwungen, aber konsequent, zum Klassikerthema Rotznase. Passenderweise war ich Ende des Januars nach Berlin zur Verleihung des Goldenen Bloggers eingeladen, so dass ich just die Gelegenheit nutzte, um mich zu einem Antrittsbesuch in die Redaktion am Askanischer Platz in Kreuzberg zu begeben. Durch Julia Prosinger, der TSP-Sonntag-Redakteurin, bekam ich eine kleine Führung durch die Räume des Tagesspiegels, und wir setzten uns für ein Kennenlern- und Planungsgespräch zusammen.

Seither versuche ich, Mitte des Monats eine Kolumne abzuliefern, die dann souverän journalistisch stimmig durch Frau  Prosinger  zusammengekürzt wird ;-), bis es die Leser hoffentlich goutieren. Jedesmal ziehe ich den Hut nach dem Redigieren, wie meine wirren Gedankengänge ins Lot gerückt werden. Vielen Dank dafür.

Hier nun die Beiträge so far von Januar 2018 bis Dezember 2018 (+ einer Sondernummer zu Weihnachten), viel Spaß beim Lesen:

Quengelkassen (Weihnachten 2018)

Warum Homöopathie abhängig machen kann (2.12.2018)

Stoppt Hasenbrot! (7.11.2018)

Was gegen Läuse und Nissen hilft (12.10.2018)

Hat das Hand und Fuß? (5.9.2018)

Warum Impfgegner unsozial handeln (9.8.2018)

Iss doch, wenn Du willst! (2.7.2018)

Wenn die Sonne brennt (7.6.2018)

Von Kopf bis Fuß salben (8.5.2018)

Osteopathie für Säuglinge (8.4.2018)

Kinder dürfen ab dem ersten Tag an die frische Luft (4.3.2018)

Lauflernschuhe sind Quatsch (5.2.2018)

Was tun gegen die ewige Schnudelnase (4.1.2018)


Jahresrückblick 2018 II – Top read

Nach meinen eigenen Lektüren des vergangenen Jahres kommen heute die meist angeklickten (und damit hoffentlich auch meist gelesenen) Blogposts von „kids and me“ 2018. Viel Spaß beim Revuepassierenlassen oder Neuentdecken:

1) Wie ist das mit der Meningokokken-B-Impfung?

Mein Blogpost zur neuen Meningokokken-B-Impfung. Ich habe versucht zu erklären, warum es noch keine echte STIKO-Empfehlung gibt. (9839 Klicks, 23 Kommentare*)

2) Brief an einen Schwurbelkollegen

Ich hatte mich sehr über einen alternativ orientierten Kollegen aufgeregt und habe ihm diesen imaginären Brief geschrieben. Abgeschickt hatte ich ihn nicht. (9527 Klicks, 80 Kommentare)

3) Die Zähne und die Küsschen

Ein Blogpost über eine echte Familie aus meiner Praxis, verfremdet zwar, aber die Eindrücke und Gefühle sind echt geblieben. Ich denke nicht, dass sie das lesen (8525 Klicks, 20 Kommentare)

4) Funny Shorty Globuli

Der Klassiker: Ein Rant über Homöopathie. Ein Leser hat mal geschrieben, dies sei ein Garant für Klickzahlen. Zurecht, wie ich meine, und gerne immer wieder. (8180 Klicks, 60 Kommentare)

5) Die Vorsorgeuntersuchungen – U7

Aus meiner Reihe der Vorsorgeuntersuchungen hat diese am meisten Anklang gefunden in diesem Jahr – und. wie ich schreibe, auch bei uns Kinderärzte stets „sehr“ beliebt. (8074 Klicks, 64 Kommentare)

6) Kopfstreicheln.

Vielleicht mein Lieblingspost in diesem Jahr – über Osteopathie. Umstritten wie nur die Homöopathie, was sich auch in den Kommentaren niederschlägt. (7624 Klicks, 77 Kommentare)

7) Sprich beim Impfen mit Deinem Kind

Ein Blogpost aus der Reihe „Bildungsblog“ – was wir Kinderärzte gerne den Eltern sagen würden. In diesem Fall: Was man (nicht) vor einer Impfung sagt. (7360 Klicks, 48 Kommentare)

8) Ein normaler Notfalldienst

Ein Thema, das zahlreich durch die Medien und sozialen Netzwerke ging: Wie wir als Patienten mit den Notdiensten umgehen. Wie diese missbraucht werden. Keine Blogmeisterleistung, nur eine Aufzählung. (6920 Klicks, 79 Kommentare)

9) Filterblase: Wenn Eltern anders entscheiden.

Einer der längsten Texte des vergangenen Jahres, aus meiner bescheidenen Sicht auch einer der besten. Es geht darum, wie das Internet und die Filterblase, die uns umgibt, unsere Entscheidungen beeinflusst. Danke für die Blumen in den Kommentaren. (6648, 62 Kommentare)

10) Wochenendkarriere

Eltern machen sich Sorgen, wenn ihre Kinder krank sind, keine Frage. Ein Blogpost darüber, wie das jedoch bei schlechter ärztlicher Steuerung in die Hose gehen kann. (6576 Klicks, 91 Kommentare)

Natürlich ist eine solche Statistik etwas unfair, da sie die kumulierten Klickzahlen berechnet, deshalb sind Blogpost von Anfang des Jahres weiter oben im Ranking zu finden.

Nicht unerwähnt bleiben sollte jedoch dieser Blogpost, der im Jahr 2018 die meisten Zugriffe (stolze 16 022 Klicks) hatte – obwohl aus dem Jahr 2015. Vermutlich wegen des Clickbait-Schlüsselbegriffes im Titel:

0) Wenn´s Pimmelchen mal rot wird*

Mein Highlight des letzten Jahres wurde jedoch gleich im Januar „abgearbeitet“ – das Treffen mit meinen Blogkollegen von DocCheck und die Verleihung des Goldenen Bloggers als „Blogger des Jahres mit Engagement“ in Berlin. Alles am gleichen Wochenende. Hier der passende Link dazu.

Liebe Leser*innen,

dies waren 58 Beiträge in diesem Jahr (incl. 30 371 Wörter), Danke für Euer Vertrauen und Euer Interesse an meinem Blog, Danke für 1 239 548 Zugriffen auf meine Seiten bei 355 385 einzelnen Besuchern. Danke vor allem für Eure 1 667 Kommentare im letzten Jahr. Feedback belebt die Blogosphäre.

Stay tuned, Euer kinderdok.

*alle Zugriffszahlen etc. Stand 29.12.2018/20.57 Uhr

(c) der Fotos hinter den entsprechenden Links (alle CC0 Lizenz)

Jahresrückblick 2018 I – Lesepotpourri Oktober, November, Dezember

Jetzt beginnt die busiest time of the year, das vierte Quartal des alten Jahres und das erste des neuen Jahres, daher sind die Leseergebnisse nicht so üppig ausgefallen wie im Sommer. Hier sind sie:

Der Freund der Toten von Jess Kidd (übersetzt von Klaus Timmermann und Ulrike Wasel

Ein etwas anderer Krimi. Der Weltenstreuner Mahony reist zurück in das Dorf seiner Kindheit, auf der Suche nach dem Mörder (?) seiner Mutter. Dabei trifft auf die skurrilen und sympathischen und seltsamen Bewohner des Ortes, geht Liebeleien ein und ist doch nur ein Durchreisender. Ein Theaterstück spielt eine Schlüsselrolle, aber es sind vor allem die Toten, die Mahony bei der Suche helfen. Der Typ kann Verblichene sehen, kann sie hören, kann mit ihnen kommunizieren. Ein Gruselfilm ist es trotzdem nicht. Ein paar Längen, aber, wer sich auf die blumige Sprache einlässt, bekommt ein nettes Lesevergnügen serviert. (4/5)

Spademan von Adam Sternbergh (Übersetzt von Alexander Wagner)

Ich war im Oktober in New York und gerne lese ich anderen Orten Krimis aus der entsprechenden location. „Spademan“ war ein Tipp aus Twitterkreisen, und es hat sich wirklich gelohnt. Mir hat der Thriller um den Auftragskiller Spademan sehr gut gefallen, ein Rush durch die Stadt, eine persönlich Aufgabe, die den abgebrühten coolen Typ schnell an die Grenze der Belastung bringen. „Spademan“ spielt irgendwo zwischen der Gegenwart und der weiteren Zukunft, New York ist ein noch größeres Moloch als es jetzt schon ist. Religionswahn und Technik gepaart mit einem schönen hardboiled Krimi noir – jetzt habe ich alle Anglizismen durch. Die Fortsetzung liegt schon auf meinem SuB. (5/5)

Der Teufel von New York von Lyndsay Faye (übersetzt von Michaela Meßner)

Und noch ein Buch, das in New York spielt, jetzt aber in der Vergangenheit des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Es wird die neue Polizei von New York gegründet, das NYPD, ein Flüchtlingsstrom aus Europa schwappt über die Neue Welt und ein Kindermörder treibt sein Unwesen. Der eigentliche Barkeeper Timothy Wilde wird zum Polizisten und Detective ernannt und sieht sich einer Verstrickung aus Bordellbesitzern, Politikern, der Kirche und seinem eigenen Bruder gegenüber. Brilliant und spannend geschrieben, mit viel Lokalkolorit und – natürlich – geographischer Raffinesse, wie NY früher einmal war. Auch hier gibt es Fortsetzungen – ich bin gespannt. (5/5)

Elevation von Stephen King

Ein kleiner schmaler Band des Bestsellerautors und doch ein typischer Stephen King: Eben kein Horror, keine Gruselgeschichte, keine Monster. Und trotzdem eine seltsame Story über den älteren Herren Scott Carey, der … immer mehr Gewicht verliert. Aber das ist nur die halbe Geschichte, denn es geht hier nicht um Magersucht. Im Deutschen heißt das Buch Erhebung, was den Titel nicht hinreichend übersetzt. Es geht um Überhöhung, um Leichtigkeit, um das Verlieren des Bodens unter den Füßen. Nach ein paar Hängern der letzten Jahre mit spannenden, aber durchschnittlichen Krimis, hier ein ganz großer Wurf von Stephen King, eine Novelle, die er aber wohlweißlich nicht in irgendeiner Anthologie versenkt hat, sondern eine eigene Veröffentlichung gönnte. Lesetipp. Wer Sorge hat, dass er dem Trivialen verfällt – einfach den Namen King ausblenden. (5/5)

Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede von Haruki Murakami (Übersetzt von Ursula Gräfe)

Eine nette Sammlung von Geschichten um das Laufen und das Schreiben. Der passionierte Läufer (incl. Marathon) Murakami erzählt aus seinem Leben, wie es zum Laufen kam und zum Schreiben und welche Verbindung es hier gibt. Wohl mehr was für Fans des einen oder des anderen, aber ganz unterhaltsam. Das Buch motiviert zum Laufen, zum Schreiben, zum Lesen von Murakami. Pflicht erfüllt. (4/5)

Alles halb so schlimm von Stephan Nolte

Mal wieder ein Sachbuch zum Empfehlen. Nolte ist ein kinderärztlicher Kollege aus dem Hessischen, der sich in Fachbereichen gerne einmal einbringt mit unorthodoxer Sichtweise auf unseren Medizinbetrieb. So weit, so sympathisch. Er kann gut schreiben, das hat er an anderer Stelle schon bewiesen. Nun legte er ein Buch vor, das jeder Kinderarzt selbst gerne geschrieben hätte: Der Titel ist Programm.

Das Buch soll Eltern vermitteln, dass das Großziehen von Kindern und die Auseinandersetzung mit den Wirrungen dieser Zeit „halb so schlimm“ ist, dass die Eltern wieder mehr auf ihren Instinkt vertrauen und nicht helikoptern sollen. Das Buch versteht sich auch als gesellschaftliche Kritik, am Medizinbetrieb, aber auch z.B. an der frühen Kitaisierung unserer Kinder.

Eine Stern Abzug bekommt Nolte für seine (wenn auch moderate) impfkritische Einstellung und die pseudoverbrämte Liebe zur Homöopathie – mit solch vernünftigen Einsichten sollte sich der Kollege lieber von der Glaubulisierung unserer Eltern abwenden. Keine Ahnung, ob Kollege Nolte meinen Blog kennt, aber so weit voneinander entfernt sind wir vermutlich nicht. (4/5)

Der dunkle Prinz von Enrico Marini (Übersetzt von Monja Reichert)

Ich bin Batman-Fan. Von allen Superhelden ist er mein Hero: Viel Geld, viele Muckis, eine spannende Backgroundstory, die jeder inzwischen kennt, mit dem Joker ein fantastischer Antagonist. Schon oft ist die Geschichte neu gezeichnet oder gefilmt worden. Legendär die peinlichen Auftritte eines Michael Keaton oder Val Kilmer in den 90er (trotzdem Kult!) und die Neuerfindung durch die Nolan-Filme. Und klar: Auch in den Comics gibt es stets neue Versuche. „Der dunkle Ritter“ von Frank Miller setzte Maßstäbe des Genres, nun ein neuer Start von Enrico Marini. Der Joker ist dabei, Harley Quinn und eine sehr persönliche Verstrickung des schwarzen Rächers. Unglaublich gut koloriert mit wunderbar dynamischen Bildern, Panels wie im Film. Ich bin durch und habe nochmal von vorne angefangen. (5/5)

Spirou in Berlin von Flix

Jaaa – der Flix hat ein neues Album veröffentlicht. Naja, das hier ist inzwischen schon älter, aber ich komme doch jetzt erst zum Besprechen. Ich durfte Flix auf seiner Tour sehen (wer noch die Möglichkeit hat: Macht es, es ist ein gaaanz anderes Erleben des Comics), der Mann selbst ist so sympathisch, und das setzt sich in seinen Comics durch. Ich war bisher kein großer Spirou und Fantasio Fan, aber jetzt bin ich am Haken. Es ist alleine eine Auszeichnung, dass die belgischen Lizenzgeber einem deutschen Zeichner diese Verantwortung übergeben, einen „deutschen Spirou“ zu zeichnen – und Flix meistert das mit Bravour. Es macht schlicht Spaß, den Comic zu lesen, versteckte Botschaften zu finden und sich von der Geschichte mitreissen zu lassen. Ein Comic dieses Jahr? Nemmt Spirou in Berlin! (5/5)

Bonus: Meine drei Lieblingsbücher dieses Jahr:

In vier Überblicken habe ich dieses Jahr meine gelesenen Bücher Revue passieren lassen (Hier und heute) – es waren insgesamt 43 Bücher, Hörbücher oder Comics, sicher habe ich noch eines oder zwei vergessen, eigentlich ein mieser Schnitt. Aber meine drei Highlights waren (mit Link zur Besprechungsseite):

Tyll von Daniel Kehlmann

Von dieser Welt von James Baldwin

Die Stadt der träumenden Bücher von Walter Moers

Alles keine Neuerscheinungen in diesem Jahr, aber den Anspruch habe ich ja auch nicht. Viel Spaß im neuen Jahr – lest fleißig, dann bleibt Ihr schlau.

[Der Text enthält so genannte Affiliate Links zu Amazon]

Frohes Fest

Allenthalben machen die Blogs ihre Buchdeckel vorübergehend zu, und ich bin da keine Ausnahme. Ich ziehe mich für ein paar Tage zurück.

Euch und Euren Lieben alles Gute zum Weihnachtsfest, habt Eure Kinder ganz doll lieb und schenkt Ihnen vor allem über die Feiertage ein paar Rituale, ein bisschen Zauber, erlaubt Ihnen ein wenig, trubelig und wild zu sein und nutzt die Stunde für eine oder zwei Geschichten von den eigenen Weihnachtsfesten.

Geschenke sind nicht alles, diesen Allgemeinplatz schiebe ich noch hinterher, es sind vor allem Du und Deine Familie, die wir haben und halten, die wichtig sind.

Bleibt gesund.

Wieder mehr Streicheln

Wie passend zum Weihnachtsfest ging letztens eine hübsche Meldung durch die Fachpresse: Streicheln reduziert das Schmerzempfinden bei Säuglingen. Als wüssten das nicht alle Eltern instinktiv.

Rebeccah Slater von der Uni Oxford und ihr Team untersuchte Neugeborenen in einer Kinderklinik, denen Blut abgenommen werden musste. Die einen wurden mit einer weichen Bürste gestreichelt, die anderen nicht. Gemessen wurde das Schmerzempfinden über ein Elektroenzephalogramm (EEG) mittels Hirnströme. Zurückzuführen sei die Wirkung auf afferente (also zum Hirn gerichtete) C-Nervenfasern, die so aktiviert die Schmerzreize reduzieren.

Dabei kommt es auf die Frequenz des Streichelns an: Etwa drei Zentimeter pro Sekunde seien das Optimum, so die Forscher, ein schnelleres Streicheln bringt nichts. Damit nun niemand mitzählen muss, wenn gestreichelt wird: Instinktiv würden Eltern diese Frequenz beim Beruhigen einstellen.

Wir ermutigen die Eltern beim Blutabnehmen stets, die Kinder abzulenken, zu liebkosen, und beruhigend auf sie einzureden. Die Nähe der Eltern ist das entscheidende Beruhigungsmittel. Da kann man noch so viel Zuckerlösung anbieten oder betäubende Salben schmieren.

Auch wenn Ihr selbst keine Nadeln sehen könnt, oder denkt, die Anwesenheit der Eltern bei den Blutabnahmen würden die Kinder mit dem Schmerz assoziieren („sonst denkt mein Kind, ich würde das billigen und es nicht beschützen“ OT mancher Eltern) – seid dabei. Die Kinder brauchen Euch.

Streicheln wir wieder mehr. Es tut so gut. Partner, Kinder, sich selbst. So mancher Schmerz kann dadurch gelindert werden. Aber eigentlich tut es immer gut.

Originalarbeit Deniz Gursul et al, Stroking modulates noxious-evoked brain activity in human infants, Current Biology 28, R1365-R1381, Dec 17th, 2018

(C) Bild bei Pixabay/Pexels (unter CC0 Lizenz)

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