Susannchen – jawoll, Werbung!

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Dass ich Glaubuli und andere homöopathische Behandlung in der Praxis aktiv ablehne, dürfte sich mittlerweise rumgesprochen haben. Vermutlich verliere ich heuer auch wieder ein paar Leser, wenn das Thema erneut auf die Agenda kommt („Immer das Gleiche, ich will mal was anderes lesen, was? Homöopathie finde ich toll, etc.“).

Dabei habe ich bisher versäumt, auf Susannchen explizit einzugehen, auch wenn sie hie und da schon in den Artikeln auftauchte. Susannchen ist die „Familienseite des Informationsnetzwerkes Homöopathie“, welches sich zur Aufgabe gestellt hat, sachlich und zunächst wertfrei über Homöopathie aufzuklären. Wer die Erläuterungen objektiv liest und an sich heranlässt, dem öffnen die Beiträge genug die Augen. Fakten werden illustriert, nicht Meinungen breitgetreten.

flyer-titelSusannchen nun wird aktiver: Für uns Kinderärzte gibt es den Spitzenflyer, mit dem jede/r aktiv in der eigenen Praxis aufklären kann. Wir sollten nicht einfach danebenstehen, die Schultern zucken und die Eltern und Apotheker machen lassen (ganz zu schweigen von den Heilpraktikanten). Aktiv Postion beziehen, denn wir Kinder- und Jugendärzte sind die Experten für die Behandlung der Kids. Wünsche ich mir mehr öffentliche Position seitens unseres Berufsverbandes? Ja.

Den Schwung Flyer, den ich mir bestellt hatte, ist jedenfalls weggegangen wie geschnitten Brot. Hat mich sicher auch ein paar Familien gekostet, aber was soll´s: Bei Jameda ist man dann eben der Kinderarzt der Umgebung mit einer „4“ in „Alternative Heilverfahren“, auch wenn ich mich explizit nur gegen Glaubuli ausspreche. Phyto-, Ordnungs- und Klimatherapie und dergleichen mehr vermittelt der verantwortungsvolle Arzt automatisch ohne grosses Esoterikstudium.
Leider musste Susannchen den restlichen Shop aufgeben, in dem auch Poster, „Visitenkärtchen“ und Aufkleber zu bekommen waren, der DSVGO sei dank. Downloads incl. Memes gibt es aber weiter.

Dann gibt es Artikel zu lesen:
Impfungen
Pseudomedizin
Tiere und Homöopathie
… und natürlich ausreichendes zur Homöopathie allgemein.

Jetzt schnell nochmals eine Runde Flyer bestellen, am Montag beginnt nach dem Urlaub wieder die Arbeit, und es sind noch soviele über Glaubuli aufzuklären.

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Lasst uns Schwimmen gehen!

 

Wir sind gerade am Meer, und auch hier komme ich an Themen fürs Bloggen. Schwimmen mit Kindern zum Beispiel. Oder besser: Haben Eltern kein Gefühl mehr für die Gefahren der Natur? Also Wasser. Und Meer.

Hier ist samstags Bettenwechsel. Die Ferienhäuser werden verlassen bzw. neu bezogen, man regt sich auf, wie klamm, feucht und muffig, fuselig und staubig die Häuser hinterlassen werden und freut sich trotzdem über die feudalen vier Wände für eine Woche. Alle packen schnell aus und dann, zum Meer! Düne hoch, staunender Blick, das Meer ist stets ein neuer Anblick, aber dann … zieht es hinunter, halb stolpernd, halb rennend, sie reissen sich die Kleider vom Leib und stürzen sich in die Fluten (Ok, am gestrigen Samstag war es etwas frisch, das Hineinstürzen hatte etwas Gebremstes).

Dann ist da diese Familie, Mutter zurückhaltend, hält den Fleece vor der Brust fest verschlossen, es geht eben doch eine steife Brise, der Vater kommt gar nicht hinterher, weil er die Strandmuschelnverpackungen tragen muss. Aber die Omma scheint noch sehr rüstig, mit dem grossen Enkel sprintet sie voraus. Der kleine Enkel wird von der Mutter in Ermangelung einer Badehose – die liegt sicher noch im Koffer im Ferienhaus – , nackt ausgezogen, er rennt der Oma hinterher. „Halt! Warte! Will auch mit!“ Natürlich Deutsche*.

Das Meer. Die Wellen. Ich schätze sie meiner bescheidenen Warte aus auf sicher zwei bis zwoeinhalb Meter, das dürfte es schon sein. Die eigenen Kids können sich gerade so auf den Beinen halten in der Brandung, aber Familie Nackedei mit Oma kennt keine Hemmungen: Der kleine Enkel von vielleicht acht Jahren wird von der Oma über die Dünung ins Tiefe gezogen.

Da rollen die Brecher heran. Erst reisst es der Oma den Enkel aus der Hand, die Rip- und Unterströmungen holen ihn schließlich selbst von den Beinen. Nackedei kommt kurz nach oben, steht auch wieder, denn tief ist es hier nicht, um sofort wieder umgerissen zu werden. Beim nächsten Mal kommt er schon mit eher verstörtem Blick nach oben, Seitströmungen haben ihn jetzt bereits drei, vier Meter von der Oma weggezogen. Jetzt ist das Hochkommen nur noch kurz.

Der Vater hat seine Standmuscheln liegen und geht gelassen auf das Meer zu, um zu sehen, was sein Jüngster da so treibt. Es ist keine Bewegung in ihm, es ist wie Fernsehen. Mal sehen, was passiert. Ich stehe dreissig Meter weiter links, meine Kinder sind aus der Dünung raus, ich laufe los. Aber wer die Situation am schnellsten erfasst, ist  der große Junge. Der rennt nun wirklich, zwanzig oder dreissig Meter durch die Wellen, erreicht den kleinen Bruder vor der nächsten – richtig, aber hallo großen! – Welle und zieht ihn am Arm hoch, hält ihn fest, bevor es sie beide umreisst. Der Große umschließt sein Nackidei-Brüderchen und stapft aus der Dünung heraus, sobald er wieder stehen kann. Sie schaffen es heraus. Auch auf die weite Entfernung ist die Körperhaltung des Kleinen und seiner Eltern voller Angst, als das warme Badetuch ihn umfängt. Jetzt. In Sicherheit.

Eine Dreijährige ist vor zwei Tagen bei München im See ertrunken, nur kurz unbeobachtet. Kinder ertrinken nicht „wie im Film“ mit wasserschlagenden Händen und seewasserspuckendem Schreien, sie gehen einfach unter. Das Nackedei von oben war geschockt von der Macht des Meeres, sein Blick hat nach Hilfe gesucht, gerufen hat er gar nichts. Kurze Momente später, und sein Bruder hätte ihn nicht erreicht. Der Blick muss immer auf die Kinder gerichtet sein, es darf kein „unbeobachtet“ geben. Auch wenn der Sommerkrimi noch so spannend ist, oder die Whats-App-Nachricht gerade geschrieben sein will.

Ob der Kleine schwimmen konnte, blieb wenigstens zu hoffen, auch wenn dies das Meer hier nicht interessierte. Dabei beklagen viele Sportlehrer, dass die Kinder nicht mehr schwimmen können. Deutschland wird zum Nichtschwimmerland. Es gab dann keine Gelegenheit, es zu lernen, viele Schwimmbäder werden geschlossen, Schwimmkurse sind überfüllt, oder zu teuer, oder werden gar nicht angeboten, die Kinder kommen aus Länder, wo sie das Schwimmen nie gelernt haben. In den Schulen fällt der Schwimmunterricht zu oft aus. Vielleicht wäre das mal wieder eine gesellschaftliche Aufgabe, wie vieles in der Gesundheitsprävention: Dass bereits Vorschulkinder einen Schwimmkurs besuchen müssen. Oder zumindest alle Erstklässler.

Am Ende sind jedoch wir Eltern verantwortlich: Aufsehen. Bewußt sein.


*Ist ja gar nicht so schlimm, mit uns Deutschen überall, wir reisen nun mal gerne, nur im Urlaub wollen wir unsereins nicht sehen und bringen uns doch selber mit.

(c) Bild bei kinderdok

Wie ich blogge

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Spontanes Schreiben

Wenn ich blogge, geschieht das in Zweidrittel der Fälle sehr spontan, bedeutet, ich habe irgendeine Idee, die ich dann sofort an diesem Tag umsetzen muss, das lohnt keinen Aufschub. Das können Stories aus der Praxis sein, oder irgendwelche Nachrichten, Aufreger von zwischendurch oder Themen, die mir schon lange durch den Kopf geistern, aber gerade hier-und-jetzt ist eben die Gelegenheit zu sitzen und diese loszuwerden.

Das schreibe ich dann relativ zügig runter, meist innerhalb von zwanzig oder dreißig Minuten, von vorne nach hinten, ohne große Struktur, die kommt erst mit dem Abhängen des Textes. Fehler korrigiere ich ganz am Ende, nichts soll erstmal den Schreibfluss stören. Klar gibt es zwischenrein Hänger, in denen der Gedankenfluss abreisst, weil die Katze um die Ecke kommt, oder die Mittagspause zuende ist oder der Hunger ruft. Danach redigiere ich kurz und knapp und hoffe, dass mir beim Redigieren ein neuer Faden den Weg weist.

Geplantes Schreiben

checklist-2470549_960_720Dann gibt es geplante Posts, die habe ich bei WordPresstm als Entwürfe abgelegt. Leider funktioniert das nur leidlich gut. Ähnlich wie bei Internetartikeln, die ich in mein Pockettm schiebe, vergesse ich diese meist. So listet WordPress mir aktuell 17 Entwürfe, die ich noch schreiben sollte, aber die dort abliegen werden bis zum Sanktnimmerleinstag. Also kein guter Weg.

Ich führe ein Bullet Journal (so ich es nicht mal wieder irgendwo liegen lasse), da kommen spontane Ideen rein. Ich habe zwei Listen, eine für das Blog, eine für die Kolumne im Berliner Tagesspiegel, die ich ja einmal im Monat bedienen darf. Das funktioniert besser als das elektronische Listen, vielleicht, weil ich eben kein Digital Native bin, sondern analog gross wurde.
Bloggen respektive Schreiben ist Arbeit, und Arbeit muss auch mal getan werden, denn ich möchte die Leser bei der Stange halten, also krame ich in den Listen, picke mir ein Thema heraus und beginne die Arbeit.

Diese Artikel outline ich klassisch: Am Anfang steht ein Brainstorming, oder eine Mindmap, je nachdem, was das Thema hergibt. Manchmal ist dies für eine Mindmap zu begrenzt. Jedenfalls entsteht irgendeine Ideenwolke oder -liste, die ich dann in Struktur bringe, damit das Thema sinnvoll verarbeitet wird. Bei der TSP-Kolumne kommt es ja darauf an, in einem vorgegebenen Rahmen (3600 Zeichen) das Thema destilliert anzubieten, auch ein Blogartikel über 1000 Wörter findet keine Leser mehr. Die Redakteurin greift zwar redigierend eindampfend unter die Arme, aber ich möchte vorneweg nicht nur Müll abliefern. Die Arbeit der Redaktion bleibt bewundernswert: Wie mein ausschweifendes Geschwafel am Ende auf die wichtigsten Thesen zusammengestrichen wird, das unterscheidet uns Blogger eben doch von Journalisten, die das Handwerk beherrschen.

Für die Kolumnen im Sonntags-Tagesspiegel benutze ich außerdem Scrivenertm, ein Programm für Schreiber, die gerne mehr Struktur in ihre Arbeit bringen möchten. Dort kannst Du Kapitel anlegen, Unterkapitel, Szenen eines Buches, was Du möchtest und diese dann auf einer „Korkwand“ hin und herschieben,um eine neuen Ablauf zu erzeugen. Ich pinne Ideen für die Kolumne an und plane für die nächsten Monate, damit ich ohne Redundanz einen Überblick über die Themen behalten. Vorgaben durch die Zeitung gibt es übrigens für die Kolumnen nicht, außer natürlich, dass es sich bei den Themen um Kinderärztliches und Medizinisches handeln sollte.

Abhängen

think-622689_960_720Egal, wlechen Weg ich wähle, ob es das Runterschreiben, Outlinen und Strukturieren ist, jeder Artikel liegt dann zwei Tage, ich nenne das „Abhängen“. Manchmal bin ich bereits im nächsten Thema (meist nicht). Ich lese das Posting nochmals durch, finde diese oder jene Rechstschreibfehler, unter Umständen ist tatsächlich das Thema schon so langweilig, dass es komplett im Orkus verschwindet. Ok, eher selten.

Schließlich ist das Posting geschrieben, jetzt finde ich noch ein passendes Bild dazu, dabei nutze ich die Erweiterte Bildersuche von Google, die lizenzfreie Bilder findet, das wird hochgeladen und mit einem Copyright versehen (auch wenn man das bei lizenzfreien nicht zwingend muss, so verirrt sich vielleicht ein neugieriger Leser bei einem hübschen Foto auf die Seite des Künstlers). Schnell noch ein paar „Kategorien“ und „Tags“ finden für den Blogpost, teilen via Twitter und Facebook (macht die WordPress-App alleine) und „Veröffentlichen“ drücken. Ganz selten ist der Post terminiert, wenn ich mal im Urlaub bin, oder zuviele Artikel in zu hoher Frequenz kommen (was ja gerade nicht so der Fall ist ;-)… und raus damit!

Wiederkehrer

Ideen sprudeln nicht ständig, das gelingt niemandem beim Bloggen, trotzdem ist eine gewisse Kontinuität im Output wichtig, deshalb ist es legitim, wiederkehrende Themen oder Artikelserien zu verwenden. Bei Pharmamatm sind es z.B. die „Apotheken dieser Welt“, bei mir finden sich
Pressemitteilungen unseres Berufsverbandes (mal als standalone, mal kommentiert)
– Artikelreihen wie „Die Vorsorgeuntersuchungen“ oder „Impfungen“
– Recycelte Posts aus früheren Jahren, die ich für zu wichtig halte, um sie im Nirvana des Blogs verschwinden zu lassen

Wen es interessiert: Ich schreibe in aller Regel auf meinem alten „Acer Aspire 1810TZ“ Notebook, seltener auf dem iPad Air, da komme ich mit der Tastatur nicht so zurecht, das passende Bluetooth Keyboard hat einen grottenschlechten Druckpunkt, und die Tasten liegen zu eng. Auf dem Acer habe ich alles, was ich brauche, Browser, Scrivener-App, Word für die gaaanz langen Texte. Das iPad lenkt außerdem zu sehr ab – zuviele Prokrastinationsfallen. Ein oder zwei Artikel habe ich tatsächlich auf dem iPhone rausgehauen, das ist aber wirklich mühsam. Für Twittertm reicht es aber.

Ich liebe das: tm.

Warum ich blogge.

(c) Bild bei pixabay/Free-Photos
(c) Bilder bei pixabay/geralt
(alle unter CC0-Lizenz)

Lesepotpourri April – Juli

Die Abstände werden größer, in denen ich meine Lektüren der letzten Monate präsentiere. So what, schließlich ist das ein Kinderarztblog und das „me“ im Titel muss eben manchmal zurücktreten. Problematisch ist nur, dass ich manchmal im Rückblick nicht mehr weiß, was ich alles gelesen habe. Mal sehen:

Das Genie von Klaus Cäsar Zehrer
Das war eine Empfehlung aus Euren Reihen, vielen Dank, ich habe die Lektüre sehr genossen. Es geht um ein Kindergenie, ein Mathematik- und Überhaupt-Genie, William James Sidis, dessen Vater ihn mittels zweifelhafter Erziehungsmethoden zu einem Genie formte. Die Theorie: Jeder Mensch kann zu einem Genie werden, wenn er nur frühzeitig entsprechend gefördert, sprich: gedrillt, wird. Es kommt, wie es kommen muss. William rebelliert, William wird anders, als seine Eltern es sich wünschen. Wird er glücklich? Spät. (4/5)

Bis an die Grenze von Dave Eggers (Übersetzung von Ulrike Wasel und Klaus Zimmermann
Dave Eggers Stil ist schon mein Ding, ich mag die Flüssigkeit und Poesie seiner Bücher und auch den Bezug zu wichtigen Dingen der heutigen Zeit, „The Circle“ halte ich für eine Offenbarung der Zukunft. Aber das vorliegende Buch war nicht meines, vielleicht hat mich das Sujet (reisende alleinerziehende Frau mit Kindern) nicht gepackt, jedenfalls war der Spannungsbogen der ersten Kapitel so schwach gezogen, dass ich es abgebrochen habe. (1/5)

Niemals von Andreas Pflüger
Schnappatmung beim zweiten Thriller rund um die blinde Topagentin/polizistin Jenny Aaron, nach „Endgültig“, der auch schon sensationell war. Der Stil ist beeindruckend, die Stimmung der Sicht der Blinden erdrückend, die Fähigkeiten von Aaron bewundernswert. Ihr nimmt man das Supergirl sofort ab, gönnt es ihr in allen Facetten, und ergötzt sich an der Schnoddrigkeit ihrer Kollegen der Polizei. Hoffentlich kommen da noch mehr Thriller hinterher. Man darf das hier verraten: Es könnte einen Weg für Aaron aus der Blindheit geben, das ist logisch im Plot, logisch für die Entwicklung, aber sicher das Ende dieser Reihe. Ich warte auf den nächsten Band. (5/5)

Die Geschichte der Bienen von Maja Lunde (Übersetzt von Ursel Allenstein)
Ich tue mich immer schwer mit „Das musst Du lesen“. Wieder so ein Buch, an dem ich gescheitert bin, weil es mir so dringend empfohlen wurde. Klar, das Thema ist wichtig: Das Sterben der Bienen. Geschenkt. Der passende Ökothriller zur Zeit. Vielleicht bin ich mit den drei Erzählsträngen nicht zurecht gekommen, das war mir zuviel „Cloud Atlas“, vor allem wenn es in die Zukunft geht (wobei, das noch die spannendste, weil traurigste der drei Erzählungen war). Es war mir zu anstrengend, mich jedesmal wieder in den Stil der jeweiligen Zeit einzudenken, so etwas kann ich nicht während Zeiten, wo ich arbeite. Vielleicht mal im Urlaub. Hier und jetzt: abgebrochen. (2/5)

Der Trost von Fremden von Ian McEwan (Übersetzt von Michael Walter)
Erwähnte ich, dass ich bekennender McEwan-Fan bin? Er ist mein bay, gleich nach John Irving, aber mit mehr Konstanz und mehr für mich noch zu entdecken. „Der Trost von Fremden“ ist ein älteres Buch, dass ich im Antiquariat gefunden habe, schön knapp und schnell zu lesen, aber wie immer bei McEwan dankbar. Der Roman liest sich wie eine Skizze anderer Romane von ihm, es finden sich schon die klassischen Ideen der zerrütteten Beziehungen und der Einflussnahme von Außen auf das glückliche Paar. Hier besonders verstörend, am Ende sogar dramatisch. So distilliert schreiben können, mit soviel Beobachtungskraft und Witz, toll. Schade, dass ich mit meinem Englisch stets an McEwan scheitere, das muss noch cooler sein. (5/5)

Ready Player One von Ernest Cline (Übersetzt von Sarah und Hannes Riffel)
Ein schönes Buch für den Urlaub: Gut abgehangen, schnell zum Blättern und Lesen, also pageturnen, nett erzählt, auch packend. So habe ich das mal ganz gerne. Hinterlässt jetzt keine Lösung der Weltprobleme oder einen Hangover, ist dafür aber gespickt mit Bezügen auf die Achtziger und die Welt des Gameplays. Letzteres ist nicht so meins, deshalb gehen mir wahrscheinlich ein oder zwei Witze flöten, dafür genoss ich die Songs aus den Achtzigern. Eine passende Spotify-Playlist gibt es auch. Den Film habe ich noch nicht gesehen. Soll ja ein Kultbuch sein. Nunja. as mir auf den Keks ging, war die gönnerhafte Hochnäsigkeit des Protagonisten, da hätte dem Plot einen heftigeren Downfall vor der Auflösung gut getan. (4/5)

Hologrammatica von Tom Hillenbrand (Hörbuch, gelesen von Oliver Siebeck)
Ein Zufallsfund auf Spotify, ein Science Fiction zum Fingerlecken. Die Story des Questors Galahad Singh, wie er in der Zukunft eine Person wiederfinden muß, denn das ist sein Job. Es geht um neue Identitäten, vertauschte Körper, Gefäße und Klone, dass die Welt anders aussieht, als wie sie von außen, überlagert von der Hologrammatica, wirkt. Sehr spannend und konsequent technologisch in die Zukunft gedacht, viel härter und kompromissloser als „Qualityland“, dem Spass-SF der heutigen Zeit. Ich habe das Gefühl, hier gibt es eine Fortsetzung.
Hörbuch perfekt eingelesen von Mr. Hörbuch Siebeck. (5/5)

Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens von Ulli Lust
Eine autobiographische Graphic Novel der Ulli Lust, wie sie als junge Punkerin von Wien über die Alpen bis nach Sizilien reist, ihre kleine, zu große Welt entdeckt, erste Erfahrungen mit anderen Menschen und den Männern macht, ersten Sex und Vergewaltigungen erlebt. Der Leser träumt mit ihr naiv durch Italien und wird brutal zu Boden gezogen dank verzweifelter und trauriger Linienführung. Auch wenn stets der letzte Tag vom Rest deines Lebens ist, so haben wir immer Angst, dass dies überhaupt der letzte Tag ist. (5/5)

Schattenspringer: Per Anhalter durch die Pubertät von Daniela Schreiter
Ich hatte das Glück, Fuchskind auf der ComicCon 2018 in Stuttgart zu treffen, habe mir nicht nehmen lassen, den zweiten Band der Schattenspringer-Reihe signiert zu bekommen, und, was bleibt? Am nächsten Tag hatte ich das Buch schon durch. So toll. So schön. So lustig. So lehrreich. Es wäre großspurig zu behaupten, dass ich Autisten kenne, aber in meinem Beruf sehe ich vielleicht die ersten Entwicklungen. Für Eltern können die Schattenspringerbücher eine Hilfe sein, ihre Kinder so zu nehmen, so toll sie eben sind. Für Autisten selbst sind die Bücher sowieso eine Bereicherung. In Band 3 kommen von Daniela interviewte Autisten zu Wort. Sehr gespannt darauf. (5/5)

Saga 4-5 von von Brian K Vaughan und Fiona Staples
Es geht weiter in der Comic-Saga um den Gehörnten und die Beflügelte, die in ihrer Romeo-und-Julia-Beziehung durch die Galaxien dieser Welt flüchten. Nun auch noch mit Kind. Bombastisch. (5/5)

 

 

[Der Text enthält so genannte Affiliate Links zu Amazon]

Spahn bewegt sich in einem Paralleluniversum


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„Kinder- und Jugendärzte kritisieren Spahn-Pläne

BVKJ-Präsident Dr. Thomas Fischbach: „Spahn-Vorschlag ist unausgegoren, schadet unseren Patienten und wird Ärztemangel verschärfen!“

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte lehnt den Vorschlag von Gesundheitsminister Jens Spahn ab, Kinder- und Jugenärzte zu längeren offenen Praxisöffnungszeiten zu verpflichten.

BVKJ-Präsident Dr. Thomas Fischbach: „Die Idee, Kinder- und Jugendärzten verpflichtende offene Sprechstunden vorzuschreiben, zeugt von kaum noch zu überbietender Ahnungslosigkeit. Wir Kinder- und Jugendärzte arbeiten heute schon an der Grenze unserer Leistungsfähigkeit. Dank des Babybooms in Deutschland versorgen wir Hunderttausend Kinder mehr als noch vor acht Jahren und viel mehr als die veraltete Bedarfsplanung berechnet hat. Und wir versorgen sie gut!!! Eltern mit akut kranken Kindern bekommen in den allermeisten Fällen einen Termin am selben Tag, wenn sie vorher anrufen und kurz ihren Vorstellungsgrund beschreiben. Der Anruf erlaubt es uns, die Patienten so einzubestellen, dass lange Wartezeiten vermieden werden, dass Kinder mit ansteckenden Krankheiten gleich in einen Raum geleitet werden, wo sie andere Kinder nicht anstecken. Die Spahn-Idee bedeutet Chaos pur: Eltern kommen in die Praxen und müssen lange warten, der Kinder- und Jugendarzt oder die -ärztin steht einem Kind gegenüber, von dem er oder sie nicht weiß, warum es in die Praxis gekommen ist, ob es andere Kinder ansteckt etc.
Wir haben Schwierigkeiten, junge Mediziner für die Niederlassung zu gewinnen. Die Spahn-Idee wird auch noch die letzten Ärzte davon abhalten, eine Praxis zu übernehmen. Wir haben Minister Spahn mehrmals Gespräche angeboten, um ihm die Situation in den Kinder- und Jugendarztpraxen zu erklären. Der Minister hat uns bis heute nicht angehört, wir haben ein Papier zur Bedarfsplanung entwickelt, aus dem Ministerium hat niemand darauf reagiert. Wir sind entsetzt, dass wir einen Bundesgesundheitsminister haben, der mit derart unausgegorenen Ideen an die Öffentlichkeit geht. Wir kündigen hiermit Widerstand gegen die Spahn-Pläne an.“
_________________
Dies ist eine Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V.

Noch ein paar erweiternde Fakten aus meiner Praxis (es wird vielen Kollegen so gehen):

– Letzte Woche ca. vierzig echte Sprechstunden-Stunden, das ist der Sommer. Im Winter klettern wir gerne auf 60-70 Wochenstunden hoch. Ausgenommen davon sind Arbeitszeiten für administrative Arbeiten, please add 1-2 Stunden am Abend. (Achja, und Notdienst am Wochenende gibts auch ab und zu)
– Wir haben eine große „Versorgerpraxis“ mit ungefähr 150% über dem Fallgruppendurchschnitt, d.h. ein Kinderarzt versorgt ca. 1000 Patienten pro Quartal, wir liegen ca. bei 1400-1500 Patienten pro Zulassung.
– Eltern, die bei uns anrufen, erhalten bei einer Akuterkrankung in jedem Fall am gleichen Tag einen Termin. Die fMFA sind geschult und entscheiden, ob evtl. ein Termin in einem oder zwei Tagen ebenfalls ausreicht.
– Wartezeiten bei uns für Vorsorgetermine: ca. 2 Monate, für Impfungen ein Monat. Oft impfen wir aber auch spontan, wenn eine aktuelle Impfung ansteht.

– Eine offene Sprechstunde würde das System konterkarieren:
a) De facto gibt es in Hausarztpraxen bereits offene Sprechstunden: Es kommen bereits jetzt 4-5 Patienten ohne Termin, diese würden sich auch nicht an eine „geplante“ offene Sprechstunde halten.
b) Eine offene Sprechstunde füllt sich schnell, wir sehen das im Notdienst – niemand kann die anlaufenden Patienten just in time abarbeiten, bedeutet, dass Patienten, die dann zur Bestellsprechstunde eintreffen, Wartezeiten haben.
c) Offene Sprechstunde bedeutet automatisch Wartezeit für die Kinder, das macht mit kranken Kindern keinen Spass. In unserer Bestellsprechstunde haben wir Wartezeiten in der Praxis von maximal 20 Minuten.
d) Offene Sprechstunde bedeutet Risiko für Infektionen. Eine gute fMFA kann bereits am Telefon die ansteckenden von den gesunden Kindern trennen und diese entsprechend einplanen.

Außerdem
– Ein Geldanreiz für eine offene Sprechstunde wird keinen Arzt locken. Warum auch? Wir können nur einen Porsche fahren (Wo läge der Anreiz? Statt 35 Euro Flatratemedizin pro Patient und Quartal dann 36,49 Euro?)
– Es gibt doch gar keine Nachwuchsärzte, die ein Mehr an ambulanten Sprechstunden abdecken könnten. Politische Verordnungen wie oben schrecken junge Ärzte noch mehr ab, hausärztlich tätig zu werden.
– Unser Gesundheitssystem ist ein „Mitnahme“-System: Viele Patienten verstopfen die haus- und fachärztlichen Termine mit unnötigen Vorstellungen oder Zweit- oder Drittvorstellungen.
– Es fehlt an medizinischer Bildung: Vielleicht setzt sich Herr Spahn mal mit Frau Kollegin von der Bildung zusammen und plant eine Task Force, wie man bereits Kindern und Jugendlichen in der Schule medizinisches Grundwissen und Fakten- statt Meinungscheck vermittelt.
– Medizinische Beratung (!) darf niederschwelliger werden: Warum nicht wieder Kindergarten- oder Schulkrankenschwestern einstellen, die Schulungen, aber auch kleine medizinische Versorgungen durchführen können?

Wir freuen uns bereits auf die offene Sprechstunde im Gesundheitsministerium – ab sofort von 9 bis 10 Uhr, tagtäglich, mit Pflichtanwesenheit des Herrn Minister.

(c) Bild bei Olaf Kosinsky (kosinsky.eu) Licence: CC BY-SA 3.0
via Wikimedia Commons

 

Addendum:

Herr Spahn hat auf einen Tweet von mir geantwortet… und zeigt, dass er weiter der Illusion verhaftet ist, Ärzte brauchen nur Geldanreize, dann machen sie alles mit. Nene, Herr Minister, mit uns nicht:

 

Besuche, wie sie nie stattfinden dürfen*

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Mutter: „Ja, ich wollte mal diesen Ausschlag anschauen lassen.“
Ich: „Oh Gott…“
Mutter: „Wie jetzt?“
Ich: „Das sind Masern!“
Mutter: „Wirklich? Aber sie hat gar kein Fieber.“
Ich: „Ach nein? Dann sind es Windpocken!“
Mutter: „Aber sie hat gar keinen Juckreiz.“
Ich: „Achso… Dann vielleicht Scharlach?“
Mutter: „Aber sie hat gar keine Halsweh.“
Ich: „Ich habe mich geirrt! Es ist Neurodermitis! So!“
Mutter: „Oh nein! Das hatte ich befürchtet. Oh Gottogott.“

Kurze Kunstpause, um das Gesagte sich setzen zu lassen.
Ich: „Ich habe doch nur Spaß gemacht. Das sind…“
Mutter: „…ja?“
Ich: „Ganz normale…“
Mutter: „…ja?“
Ich: „Hitzepickel.“

*Achtung: Satire. Ganz so unprofessionell verhalten wir uns nicht. Aber bei manchen harmlosen Haut“dingen“ sind es genau diese Differentialdiagnosen, die ergooglet werden oder von der besten Nachbarin vom drüben ins Spiel gebracht werden.

In diesem Zusammenhang

(c) Bild bei pxhere (CC0 Lizenz)

Wochenendkarriere

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Eltern machen sich Sorgen, wenn ihre Kinder krank sind. Niemand versteht das besser, als ein Kinderarztvater. Das Folgende erlebte dieses Kind am Wochenende:

Sunja-Marie (2,5 Jahre) hat am Samstag Nachmittag zweimal erbrochen. Die Eltern fuhren mit ihr daraufhin in die nahegelegene Kinderklinik, trafen dort – schließlich war es schon 23:23 Uhr – auf den diensthabenden Arzt der Kinderklinik (Zweites Jahr Pädiatrie).
Untersuchung des Kindes. Eintrag des Kollegen: „Guter AZ, Gastroenteritis. Kind weint viel bei Untersuchung. Keine spezifische Therapie.“
Die Eltern fahren nach Hause. Sunja-Marie liegt um kurz vor 1 Uhr nachts in ihrem Bett.

Am nächsten Tag, Sonntag, isst sie „nichts“, so die Eltern. Auf genaueres Nachfragen am Montag (siehe weiter unten) trank sie morgens eine Flasche Kuhmilch. Aus der Flasche. Kuhmilch. Noch im Bett.
Bis zum Mittag wollte sie nichts essen.
Das Mittagessen verschmäht sie, sie bekommt noch ein Flasche Milch.

Da das Kind auch am Abend „nichts“ gegessen hat, denken die Eltern, man könne mal Fieber messen. Sie hat „Fieber“ (wieder die Eltern am Montag, siehe unten), genauer „Achtunddreißigzwo, im Po“.
Man fährt wieder in die nahegelegene Kinderklinik, diesmal etwas früher am Abend, immerhin 20:15 Uhr, sie treffen auf die diensthabende Kollegin aus der Niederlassung.
Untersuchung des Kindes. Eintrag der Kollegin auf dem Vertretungsschein: „Kind esse nicht. Erbrechen am Vortag. Brüllt während der gesamten Untersuchung. Kein pathologischer Befund. Temperatur normal.“
Die Eltern fahren nach Hause. Schlafen gegen 23 Uhr.

Montag.
Die Eltern fahren mit Sunja-Marie in unsere Praxis. Ohne Termin. Hier verbringen sie zwei Stunden, da zwischen 9 Uhr und 11 Uhr am Montagmorgen üblicherweise in Kinderarztpraxen der Punk abgeht. Allerdings mit geplanten Terminen.
Die Eltern berichten alles, wie oben beschrieben. Auf meine Frage, was ich heute für sie tun kann, da schon zwei Kollegen am Wochenende das Kind gesehen haben: „Sie hat heute morgen nur ein halbes Toast gegessen. Und eine Flasche Milch. Außerdem nochmal checken, ob alles in Ordnung ist.“
Untersuchung des Kindes. Nicht angenehm für Sunja-Marie. Sie möchte keine Ärzte mehr sehen, möchte nicht mehr untersucht werden. Sie macht einen sehr vitalen (also abwehrigen, brüllenden, zornigen) Eindruck. Ich finde nichts Pathologisches an ihr.

Gespräch mit den Eltern über Krankheitsverläufe bei Kleinkindern, mangelndem Appetit, Fehlernährung im Kinderkrippenalter und Versicherung, dass das Kind vermutlich kerngesund sei.

Vater: „Dann kommen wir vielleicht am Mittwoch nochmal. Zur Sicherheit.“

 

(c) Bild bei pxhere (CC0 Lizenz)

#wirliebenblogs

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Eine kleine feine nette Aktion, um die Blogosphäre mal wieder neu zu entdecken und alte graue Perlen in neuem frisch gelesenen Glanz erstrahlen zu lassen.

Hier meine alltime-favorites – ich weiß, es gibt noch tausende mehr, aber hier kommen regelmäßig hin zum Lesen.

Frau Nessy – mein „Klassiker“, vielfältig, nett, freundlich, eine Menschenfreundin, immer wieder überraschende neue Seiten.

Pharmama – da lerne ich stets was Neues hinzu, Pharmama ist produktiv und wissend, zum Festlesen.

Taxi – Durch die Straßen von Berlin, auch ein Klassiker unter den Berufsblogs, wer Sash noch nicht kennt, hat was verpennt.

Skizzenblog – ich habe ja ein faible fürs Zeichnen, wahrscheinlich weil ich es selbst nur amateurhaft kann – Claus ist der zeichnende Blogger – Zogger?

Buddenbohm – auch so ein Dauerbrenner. Jetzt hat er auch noch die eigenen Kinder angefixt, in die grossen Blogfusstapfen des Papas zu klettern.

ReadOnMyDear – meine Entdeckung dieses Jahres – Mademoiselle bei den Goldenen Bloggern kennen und schätzengelernt, jetzt mit Nachwuchs. Ein Blog, sprachlich zum Verlieben, inhaltlich zum Weltenverändern.

Tipps als Senf weiter unten? Bitte? Danke.

Ja, aber… (Achtung: Catcontent)

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Mutter: „Ja, wir möchten uns gerne eine Katze anschaffen, aber die Lira-Lara reagiert bei der Freundin immer mit Hautjucken, wenn sie da die Katze auf dem Arm hat. Kann man da mal einen Allergietest machen?“
Ich: „Das ist der perfekte Test. Nochmal probieren, wenn sie weiter auf die Katze dort reagiert, können Sie auf einen Test verzichten. Dann sollten Sie sich aber auch keine anschaffen.“
Mutter: „Ja, aber die Kinder möchten so gerne…“
Ich: „Ganz schön hart für ein Haustier, wenn es die Familie wieder verlassen muss, weil jemand allergisch reagiert.“
Mutter: „Ja, aber schön sind Katzen ja schon…“
Ich: „Und nicht ganz ungefährlich. Manchmal bleibt es nicht bei einer Hautreaktion, sondern Ihre Tochter könnte auch mit der Atmung reagieren.“
Mutter: „Ja, aber können wir nicht vielleicht doch…?“
Ich habe abgelehnt. Unsinnige Diagnostik.

Zwei Wochen vergehen…
Fax vom HNO-Arzt: Pricktest durchgeführt. Positiv auf Katze.

Dann hoffe ich doch mal, dass das nächste Fax nicht aus der Kinderklinik kommt: Anaphylaktischer Schock.

(c) Bild bei pixabay/itsneal (CC0 Lizenz)

HPV-Impfung auch für die Jungs

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Na endlich, denken sich alle, die Impfungen befürworten und sich schon länger fragten, warum die HPV-Impfung nur etwas für die Mädchen sei. Nun ist es aber (vor-)amtlich: Die STIKO wird in ihrem nächsten Epidemiologischen Bulletin die Impfung auch für die Jungs empfehlen. Die wissenschaftliche Begründung ist immer etwas ausführlicher, gerade für die impfkritischen Zeitgenossen, daher wird diese erst im übernächsten Journal nachgeschoben.

Verhütung ist schließlich auch nicht nur Mädchen/Frauen-Sache, banale Feststellung, also warum sollte der Gesundheitsschutz nur den Frauen aufgebürdet werden? Ok, diese bekommen nachher den Gebärmutterhalskrebs (der als Spätfolge einer HPV-Infektion im Genitalbereich gilt), aber die Überträger sind nun einmal die Männer beim Geschlechtsverkehr.

Dann gibt es auch noch diese unschönen Genitalwarzen, die eigentliche offensichtliche Infektion mit dem Humanen-Papilloma-Virus (Papilloma = Warze). Und die können die Jungs selbstverständlich auch bekommen. Ganz abgesehen von der Ästhetik der Warzen im Genitalbereich – wer will die schon? – , haben diese bei Jungs ähnlichen Prädilektionsstatus für z.B. Penistumore wie beim Gebärmutterhalskrebs. Tumore im Rachen- und Mundbereich (bei Infektion im Oralverkehr) haben auch ihre Ursache in den HPV-Viren.

Nun also die Umsetzung.
Auf die Empfehlung der STIKO folgt in aller Regel irgendwann – wenn es die Gremien zulassen – die Bestätigung der Impfempfehlung durch den Gemeinsamen Bundesausschuss G-BA aus Krankenkassen und Ärzten, welcher über die Kostenübernahme entscheiden muss.
Wie war das bei der Einführung der HPV-Impfung für Mädchen?
– Die STIKO empfiehlt – jetzt also mit dem neuen Bulletin zum August 2018.
– Die Eltern müssen die Impfung zunächst privat tragen (immerhin damals 3 x 150 € pro Impfzyklus und Arztkosten)
– Dann kommt die Kostenübernahme einzelner Kassen durch die so genannte Kostenerstattung
– Schließlich die offizielle Übernahme und damit Abrechung „auf Karte“ – vermutlich erst zum Jahreswechsel 2018/2019.

Vielleicht geht es diesmal schneller, immerhin haben wir das schon einmal durchexerziert. Was auf jeden Fall gilt: Die Impfung wird empfohlen zwischen dem 9.-14. Lebensjahr. Das entspricht der Empfehlung bei den Mädchen. Die zweite Impfung sollte 4-6 Monate nach der ersten Gabe wiederholt werden, spätestens bis zum 17.Lebensjahr.

Der Sohn hier im Haus „freut“ sich schon.

(c) Bild bei Pixabay/derneuemann (CC0 Lizenz)

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