Wenn´s unten juckt

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Also, jetzt wirds etwas intim bis unangenehm, wer da empfindlich ist, bitte weglesen:

Der Junge stellt sich vor wegen „Jucken im Schritt“, wohl auch Brennen beim Urinieren, die Mutter sagt, da sei wohl „was offen“. ´s Bobe ist übrigens zehn Jahre alt.

Ich: „Ok, dann muß ich Dich da unten mal untersuchen, darfst Dich mal hinlegen und die Hose etwas runterziehen.“
Bobe: „Muß das sein?“
Ich: „Ich fürchte schon, sonst kann ich nicht viel dazu sagen. Keine Sorge, das geht ganz schnell. Kannst du denn deine Vorhaut ganz zurückschieben?“
Bobe: „?“
Ich: „Du weißt aber schon, wie das geht?“ Ich untersuche ihn dabei am Genitale und schiebe vorsichtig die Vorhaut nach hinten. Er schaut etwas irritiert.
Mutter: „Du weißt doch wie das geht. Weißt du doch, oder? Machste das nicht?“
Ich: „Wissen Sie selbst das denn nicht? Oder kümmert sich der Vater drum?“
Mutter: „Weiß ich doch nicht, der Vater kommt immer spät vonner Schicht, der kann da nicht gucken. Und mich lässt er ja nicht schauen.“
Ich: „Ok, aber wenn der Vater nicht da ist, müssen Sie sich doch drum kümmern, ob er will oder nicht. Aber eigentlich wäre das doch wirklich ein Job zwischen Vater und Sohn, oder? Gibt ja auch Wochenenden. Und immerhin ist er nun schon zehn Jahre alt.“

Schade. Der Junge hatte keine Ahnung, was „da unten“ vorgeht. Ich habe ihm dann (bei ihm) gezeigt, wie man die Vorhaut zurückschiebt, empfohlen, das wirklich täglich zu säubern, mit Waschlappen oder beim Duschen und den Vater via Mutter nochmal in die Pflicht genommen. Die mangelnde Hygiene war leider entsprechend sichtbar – durch die massive Ansammlung an Smegma hatte sich eine Entzündung der Glans entwickelt, die Vorhaut war an einer Verklebungsstelle schon massiv überreizt, teils offen, kein Wunder, das ´s Bobele Schmerzen beim Wasserlassen hatte. *Schüttel*


Heute hatte ich mal wieder so einen Fall, und da dachte ich, „das habe ich doch schon einmal verbloggt“ – also den alten Fall herausgekramt und recycelt und aufgehübscht (Ursprünglich hier).

(c) Bild bei Pexels

Lesepotpourri Oktober – Dezember (2017)

Der Report der Magd von Margaret Atwood (Übersetzt von Helga Pfetsch)
Muss man über diesen Roman noch irgendetwas schreiben? Er ist das „1984“ der heutigen Zeit, wegweisend in der politischen Gesellschaft, nicht nur im Trumpschen Amerika. Entstanden aus der Feminismus-Bewegung, heute aktuell dank der Hyperreligiösität mancher Gesellschaften. Die Wiederentdeckung in den USA und Kanada, dank der Wahl Trumps zum Präsidenten. Absolute Leseempfehlung. (5/5)

Underground Railroad von Colson Whitehead (Übersetzt von Nikoaus Stingl)
Wohl die Entdeckung aller Feuilletons dieser Saison, hochgepriesen, Pulitzerpreis usw. usf., und mit was? Mit Recht. Ein Roman, als habe es Gabriel Marquez in die Südstaaten verschlagen, Magical Realism nennt man das wohl, sprachgewaltig, teils heftig, weil ausgesprochene Gewalt gegen Schwarze im letzten Jahrhundert. Spiegelt bestimmt vieles des noch bestehenden Rassismus in den heutigen USA wieder, deshalb auch so erfolgreich. Aber wer wollte das von jenseits des Atlantik beurteilen? Sehr guter Roman, Lesen! (5/5)

Cox: oder Der Lauf der Zeit von Christoph Ransmayr
Ich habe mich vor Jahren mal durch einen Roman von Ransmayr gequält, ich habe grosse Probleme mit moderner deutschsprachiger Literatur, die auf Teufel komm raus versucht, die deutsche Sprache neu zu erfinden, neue Wortschöpfungen im Dutzendfache im Text zu verstreuen, oder auch die Interpunktion neu zu erfinden. „Cox“ ist ähnlich, aber süffiger geschrieben, mit einem tollen Plot voller Metaphern und grossem Wissen um die chinesische Kultur der Altdynastien. Wunderschöne Stadt- und Landschaftsbeschreibungen wechseln sich mit traumhaftem inneren Monolog der Protagonisten ab. Am Ende bleibt ein wenig ein „Ja, ok, und jetzt?“ übrig, aber immerhin verbrachte der Leser zwei oder drei Tag im Traum im Buch. Manchmal braucht es ja nicht mehr. Wenn nur! diese seltsamen! Ausrufezeichen im Text nicht wären! (4/5)

Saga Volume 1+2 von Brian K Vaughan und Fiona Staples
Ich war auf der Suche nach einem Comiczyklus, der mich über längere Zeit binden könnte, ähnlich einer Netflix-Serie oder der Harry-Potter-Saga und bin über „Saga“ gestolpert – der Name ist schon Programm. Eine fantastische Romeo-und-Julia-Story mit klassischen Zeichnungen, nicht überkandidelt verkünstelt, nicht mangamäßig vereinfacht, ganz im Stil von „Walking Dead“ oder „Y The Last Man“. Zwei tolle Hauptrollen, vielen interessanten Nebencharakteren, einem hübschen Erzähltempo und vielen vielen Cliffhangern. Ganz klassische Graphic Novel Saga. Und hurra, es gibt noch viele Bände. (5/5)

Steve Jobs von Jessie Hartland (Übersetzt von Ulrike Schimming)
Steve Jobs fasziniert mich als Apple-User, wie könnte es anders sein. *Die* Biographie von Jacobson habe ich schon verschlungen, auch den Film mit Michael Fassbender, da bin ich in der Bibliothek über dieses Comic über Jobs´Leben gestolpert. Cool, lustig, ruppig, skizziert, wie hingeschlonzt und trotzdem liebevoll ausgeschmückt. Ein Buch für den Fan, ein Buch zum Verschenken für den Apple-User, der schon alles hat. (4/5)

Bleierne Hitze von Baru, nach einer Story von Jean Vautrin (Übersetzt und Herausgegeben von Uwe Garske und Uwe Löhmann)
Habe ich angefangen zu lesen und dachte zwischenrein, die Geschichte kenne ich. Tatsächlich, der Klappentext verrät es: Es ist die Comic-Nacherzählung eines Hard-boiled-Thrillers mit Lee Marvin irgendwann aus den Achtzigern, ein französischer Film, als Co-Star David Bennent. Einen Räuber und Killer verschlägt es in die französische Provinz, wo er sich auf einem Bauernhof vor den Polizisten verstecken will. Aber die Rechnung geht erst auf, wenn die Unbekannten auftreten – die verrückte seltsame unentspannte Bevölkerung des Dorfes und des Hofes. So hat sich der knallharte Junge das nicht vorgestellt. (PS Den Film gibts in voller Länge auf YouTube). (4/5)

Hart auf hart von TC Boyle, Hörbuch gelesen von August Diehl (Übersetzt von Dirk van Gunsteren)
Viele von Boyles Romanen ähneln sich: Die Umwelt spielt eine Rolle, das Hippie-Sein, das Anders-Sein, Vaterrollen, starke Frauen. Auch in „Hart auf Hart“ ist das nicht anders, und doch: Immerhin müssen wir uns mit den Innenansichten eines Marines und einer Nationalistin auseinandersetzen und begegnen einem jungen Mann, dessen Borderline-Persönlichkeit den Leser/Hörer pendeln lässt zwischen Abscheu, Mitleid und Bewunderung. Ein ungewöhnlich trauriges Buch für TC Boyle, unaufgeregt gelesen von August Diehl. (4/5)

Asterix 37: Asterix in Italien
Bekennender Asterix-Fan bin ich, also war auch der neue Band ein Muß, und ihm gebührt die Ehre, hier gelistet zu werden. Immer geht es bei den Asterix-Bände darum, ob sie so gut sind wie noch zu Uderzo/Goscinny-Zeiten. „Asterix in Italien“ ist es, also genug der Diskussion. Erinnert an „Goten“ oder „Briten“, liebevoll wird die jeweilige Nation aufs Korn genommen, dazu eine Story wie „Tour de France“, ein Wagenrennen. Ich fands Klasse und habe es gleich zweimal hintereinander gelesen. Geht ja schnell. (5/5)

Guter Hoffnung – Hebammenwissen für Mama und Baby: Naturheilkunde und ganzheitliche Begleitung von Kareen Dannhauer
Habe ich gelesen, aus Interesse. Ich fands daneben. Man kann sich ja auf Naturheilkunde und Ganzheitlichkeit in der Hebammenbetreuung einlassen, und das Buch schafft es auch, zu vielem vor und nach der Geburt zu informieren. Mir ist es in seiner Alternativmedizinischen Art aber zu einseitig. Homöopathie, Aromatherapie, Tralala, Prenzlauer Berg, Danke. Warum können Hebammen nicht mehr ganz normal sein, sondern müssen immer Mystik verbreiten? (2/5)

[Der Text enthält so genannte Affiliate Links zu Amazon]

Zwischen den Jahren

Ich habe frei. Schon seit vor dem Wochenende, seit dem letzten Jahr (Kalauer!), trotzdem erlebe ich bisher kein echtes „Runterkommen“, Innehalten, wie mir das sonst zwischen den Jahren gelingt. Eine Annäherung jetzt.

Das letzte Jahr war, sagen wir, interessant, seit einiger Zeit habe ich den Eindruck, in der Praxis sei ständig Bewegung, Personalwechsel, Stimmungswechsel, Patienteneinstellungswechsel, alles sei im Flusse. Das ist vermutlich gut so, denn Stillstand wäre langweilig, Stillstand bedeutete Rückschritt. Ganzheitlich-chinesisch-traditionell ist alles am Fließen, nur dann kann Neues entstehen.

Trotzdem hätte es letztes Jahr etwas entspannter laufen können. Ohne jetzt ins Detail zu gehen, war das Team Mitte des Jahres am Limit, vong der Arbeitsbelastung, was das Patientenaufkommen, die zusätzlichen Aufgaben durch die Neuen Patientenrichtlinien anging, aber auch durch zwei unvorhersehbare Kündigungen und dadurch Neueinstellungen im Laufe des Jahres. Manchmal ist zuviel Fluß auch nicht so dolle. However, wie der Engländer in mir sagt: Am Ende bilanzieren wir eine Veränderung zum Guten, und das ist wichtig.

Zum Glück für meine Patienten gab es dieses Jahr keine Sterbefälle, wie im Jahr 2016; Beim Kinderarzt bedeutet ein verstorbenes Kind eine traurige Zäsur im alltäglichen Rhythmus, der Allgemein- und Erwachsenenmediziner kennt das ja, bei uns ist das eher selten. Wenn ich mich feste zurückerinnere und hoffentlich nichts vergesse, waren die schwersten Diagnosen Diabetes und Zöliakie, schon eher Standard in der Pädiatrie. Auch onkologische Patienten Fehlanzeige. Ein glückliches Jahr in dieser Hinsicht, die einzig wichtige aus ärztlicher.

Über das Private sprechen wir hier nicht (auch wenn es dort Zuwachs gab, aber nicht so, wie jetzt alle gleich denken), also bleibt die Bilanz des kinderdok-Daseins: Gestern habe ich Euch schon die beliebtesten Blogposts um die Ohren gehauen, das ist eine nette Bilanz des Jahres und zum zweiten Mal in Folge bereits zum Ritual geworden, aber wird jetzt hier nicht wiederholt. Ich habe im Laufe des Jahres mit klitzekleinen Schritten den Blick in die Öffentlichkeit gewagt, im Frühjahr auf dem MedMen2017 manchen Bloggerkollegen getroffen, die sich drüben bei DocCheck versammeln, jedenfalls aus dem Medizinischen. Da waren Medizynicus, KindundKittel, das PTAchen, der 5-Foraminologe und natürlich die Jungs vom Psychcast, Jan und Alexander (habe ich jemanden vergessen? Natürlich die netten Leute von DocCheck…). Die letzteren luden mich zu einem Gespräch am Telefon an, sogar zur 50. Ausgabe ihres Podcasts im Juli, diese Ehre ist mir noch immer schleierhaft.

Ein paar Wochen zuvor interviewte mich Karl Grünberg, freier Journalist, für den Berliner Tagesspiegel, ein seltsames Unterfangen, weil Live in meiner Praxis und inkognito, mit freundlicher Diskretion von Journalist und Redaktion, das feedback war ganz toll, und die Erfahrung nicht zu missen. Aus diesem Event entstand eine Verbindung zum Tagesspiegel, deren Früchte zumindest die Berliner ab 7.1. in der Sonntagsausgabe bewundern dürfen, soviel sei verraten. Und dann der Knaller kurz vor Jahresende – der unbekannte Leser erwähnte mich gegenüber den Machern von „Goldenen Blogger“, und prompt wurde ich nominiert als „Blogger mit Engagement“. Ich bin weiterhin irritiert, vor allem angesichts der Mitnominanten, die soviel mehr an gesellschaftlich Relevantem einbringen. Am 29.1. ist die Verleihung, Gott, bin ich aufgeregt.

So. Genug der Bilanzen für 2017. Ab demnächst gehts hier weiter. Themen, die mir im Kopf rumgehen, und die ich bearbeiten will, gibt es einige ( „Notfallbehandlungen in Kitas“ (z.B. bei Allergien), „Platzwunden“, „Windelausschlag“, „Zweisprachigkeit bei Kindern“ u.v.m. – noch Wünsche?). Aber im Grunde meines Herzens hoffe ich, dass der Praxisallta ruhig und gemäßigt abläuft, ohne Aufregung für meine kleinen Patienten, ohne Aua und Weh, sondern mit Spaß bei den Vorsorgeuntersuchungen. Ach, eigentlich wünsche ich mir, dass Ihr alle gesund bleibt. Ist doch viel schöner so.

Bis bald.

Die beliebtesten Blogposts 2017

Wir blicken zurück, also auch dieses Jahr, wer sich gerne erinnern oder einem Querschuss folgen will durch das vergangene Jahr – hier die Top Ten bei „Kids and me 2.0“ des Jahres 2017:

10. Rote Fahnen: Oder wenn Kinderärzte sich Sorgen machen

Dies war der Versuch, ein Triage-System in einen Blogpost zu verwandeln, nach dem Vorbild einer amerikanischen Blogseite. Spannend dabei war es, für mich selbst die red flags zu definieren, oder für die MFA am Telefon oder die Krankenschwester im Notdienst.

9. Don Massimo und die Geflüchteten

Ein klassischer kinderdok-Post: Eine Geschichte aus der Praxis, so oder so ähnlich passiert, mit einer hübschen (echten) Pointe und ein Beispiel für storytelling im Blog. Erfahrungswerte vermitteln. Mal Nachdenken.

8. Hot Topic! Neulich in der Notfallambulanz

Noch eine nette Geschichte aus der alltäglichen Praxis. Es gab wenig Kommentare, aber über Twitter wurde dieses Post sehr geteilt, deshalb rankt es sehr weit oben in diesem Jahr.

7. Einmal tief durchatmen

Einer meiner Lieblingsbeiträge dieses Jahr, weil er ein wichtiges Thema beinhaltet, das mich immer wieder bewegt: Wenn Therapien wegen Pseudotherapien aus der Alternativmedizin verzögert werden. Ich bashe über Kollegen. Pfui. Das allerdings gehört sich nicht und in einem anderen Post krieche ich daher zu Kreuze.

6. Etwas zu Allein-, Haus- und Klinikgeburten

Dieser Beitrag wurde sehr kontrovers diskutiert, mit vielen erbosten Kommentaren, die sich auch untereinander angriffen. Ein Thema, das polarisiert: Wie natürlich soll und darf eine Entbindung heutzutage sein, wie persönlich entscheidet die Mutter, wie der Vater oder die Profis in Verantwortung wie Hebamme oder Ärzte in der Klinik? Das Posting hat mich bewegt und sehr zum Nachdenken gebracht. Würde ich vielleicht heute nicht mehr so schreiben.

5. Ich erzähl Euch mal von Bellchen

Der erfolgreichste Blogpost während der Europäischen Impfwoche, in der ich täglich einen Beitrag veröffentlichte. Die Geschichte ist ziemlich genau so in meiner Assistenzzeit passiert, und bei allen Impfgegnern kommt mir das Bild des röchelnden Säuglings wieder in den Sinn. Ich wiederhole: Keuchhusten ist keine Fördermaßnahme, Keuchhusten ist ein Scheiß.

4. Alleine Pipi gehen

Eines der „Beratungs“-Posts dieses Jahres. Eine Geschichte, ein paar Zitate aus der Praxis, und anhanddessen ein wenig Information vermittelt. Das Trockenwerden ist ein Thema, das alle Eltern früher oder später bewegt, deshalb vielfach geteilt.

3. Kurze Beruhigungen für junge Eltern

Geschrieben, nachdem eine Familie mir bei der U3 Löcher in den Bauch frug, völlig ok, völlig legitim, wozu sind Vorsorgeuntersuchungen auch sonst da? Was ist alles normal bei einem Säugling? Zusammen mit den Kommentarergänzungen wäre der Beitrag echt ausbaufähig. Ich werde den mal updaten und neu einstellen. Hat das Zeug zum kinderdok-Klassiker.

2. Versprechen an alle Eltern in der Erkältungszeit

Es hat mich sehr gefreut, dass dieses Versprechen soviel gelesen wurde, denn das möchtest Du als Kinderarzt allen Eltern täglich mehrmals zurufen: Es ist alles nicht so schlimm, und jede Infektzeit hat ihr Ende.

1. Deine Mutter als Hebamme

Nur ein sehr kurzes Posting, das kürzeste in dieser Zehnergruppe und trotzdem das mit dem meisten Traffic. Vermutlich, weil wieder mal das Wort Hebamme im Titel vorkommt. Vielleicht auch wegen der Kulleraugen des Babys. Jedenfalls kam es zur rechten Zeit rund um die mediale Präsenz des Hebammenmangels in Deutschland, der in diesem Jahr zu Recht zum Hot Topic anvancierte und uns sicherlich noch weiter sehr beschäftigen wird.

Außer Konkurrenz, aber der eigentliche Spitzenreiter des Jahres 2017, war die Geschichte um Maike, die ich am 30.12. soeben gepostet hatte – sie sprengte alle Zugriffszahlen des gesamten Jahres, so dass sich an diesem Tag beinahe viermal soviele Leser auf das Blog verirrten wie an anderen Tagen (über 18.000 Klicks). Und dann war da noch das Interview im Tagesspiegel und mit den Jungs vom PsychCast, auch so zwei Highlights 2017.

Ich bedanke mich artig bei allen Leserinnen und Lesern, vor allem, wenn Ihr kommentiert, denn dann entsteht Kommunikation (siehe Warum ich blogge), bei den achtzig Blogposts des Jahres 2017 wurde ca. 1,2 Millionen Mal reingeklickt, bei ungefähr 380.000 unique usern, vor allem aber über 1500 Mal kommentiert – Danke. Danke. Danke.

Ein gutes Neues Jahr, stay tuned,

Euer kinderdok

Der Abend vor Weihnachten

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„In Raum B“, sagt die Krankenschwester. „Bluterguß am Auge, ist wohl gestern gestürzt, sagen die Eltern.“ Sie zeigt den Gang runter und zuckt mit den Schultern. „Was Eltern so sagen.“
Die Schwestern hier haben schon alles gesehen, und ihr Verdacht bestätigt sich meist. Ich habe einen der weniger kritischen Dienste an Weihnachten erwischt, den Samstag vor Heiligabend, der Ansturm ist bisher ausgeblieben. Gerade sitzen nur vier oder fünf Eltern mit Kindern, ich hätte wohl ein wenig Zeit.
Im Zimmer ein junges Mädchen, vielleicht dreizehn, auf der Untersuchungsliege, dick verpackt mit schwarzer Daunenjacke und umhalsten Schal.
„Die haben gestern Handstand geübt, im Kinderzimmer“, erklärt die Mutter. „Maike ist ausgerutscht und mit dem Kopf an das Eisengitter vom Bett gehauen.“ Sie zeigt mit Händen, wie das passiert ist. „Die Brille ist ans Auge gedrückt, hier, so.“
Sie steht bei der Tochter und drückt ihr die Brille aufs Gesicht.
Die Brille ist intakt, die Gläser ganz, nichts ist verbogen.

Ich nicke und schaue mir die Verletzung an. Ein Hämatom auf dem Os zygomaticum links, etwas unterhalb der Orbita.
„Na, wie hast Du das denn gemacht?“ frage ich Maike.
Sie zuckt mit den Schultern. „Gestürzt.“
„Ich hab´s ja schon erklärt“, sagt wieder die Mutter. „Sie stand vor dem Bett…“
„Alles klar.“ Ich nicke, unterbreche ihre Erklärung.
Ich taste das Jochbein ab, keine Verschwellung, nur das Hämatom, taste den Kiefer ab und betaste die Ohrmuschel, wende mich der anderen Seite des Kopfes zu, wieder Stirn, Jochbein, Kiefer. Ein zweites Hämatom, am Unterkiefer, schwach zu sehen.
„Und das hier?“, frage ich das Mädchen.
„Keine Ahnung, auch so“, sagt sie. Sie lächelt und schlägt dann die Augen nieder.

„Ist dabei passiert.“ sagt der Vater. Er steht im Hintergrund. Ich halte die Brille in der Hand.
„Die ist wohl heil geblieben?“ frage ich in die Runde.
„Ja, witzig, oder?“ sagt die Mutter.
„Ja, vielleicht.“ Ich nehme das Ophthalmoskop und sehe mir die Augen genauer an. Auf der linken Seite sieht man unter dem Unterlid ein blutunterlaufene Stelle. Von der Brille? Die Pupillen reagieren prompt. Im Ohr ist nichts zu sehen, die Zähne sehen schlecht gepflegt aus, aber unverletzt.
„Das müssen wir genauer anschauen.“ sage ich und zeige auf das Auge.
Der Vater nickt. „Ok. Machen Sie jetzt, oder?“
„Mal sehen. Kann sein, dass ich einen Augenarzt dafür brauche.“

Die Tochter und die Eltern wechseln Blicke. Es schwingt was durch den Raum, die Luft lädt sich auf. Das tut nicht gut.
„Keine Angst, wir sind ja hier, um uns das anzusehen, oder?“ sage ich. Und zu dem Mädchen gewandt: „Wir helfen Dir, dass es Dir besser geht.“
Sie nickt, schaut mich aber nicht an.
„Ich möchte noch, dass Du mal Deine Jacke ausziehst und den Schal. Hier ist es sowieso viel zu warm.“
Sie beginnt, die Kleider auszuziehen. Die Mutter hilft ihr.
„Sie sagen, ´die´ haben Handstand geübt“, frage ich. „War sie alleine, oder noch jemand?“
„Ihr Bruder.“
„Wie alt ist Dein Bruder?“
„Siebzehn.“

Inzwischen hat Maike die Jacke und den Schal ausgezogen. Sie trägt nur ein dünnes Top und darunter einen BH. Jogginghosen. Ich nehme ihre Hand und helfe ihr von der Untersuchungsliege herunter. Stelle sie vor mich hin und schaue.
Beide Oberarme sind mit Blutergüßen übersät. Dorsal sind Handabdrücke zu erkennen, dunklere Male, wo die Fingerspitzen greifen, hellere, wo die Handflächen aufliegen. Die Ellenbogen sind frei, die Unterarme zeigen kleinere, kreisförmige Hämatome. Am unteren Rand des Halses sind feine Blutgerinnsel zu sehen. Alles gut verdeckt durch Schal und Mantel.

Die Entscheidung ist gefallen. Das Mädchen darf nicht wieder nach Hause. Ich werde hier und jetzt nicht weiterfragen, denn das muß Zeit haben für später. Die Eltern sehen, dass ich die Oberarme sehen, sie sehen, dass ich sie begutachte, sie sehen, dass ich mir Gedanken mache. Nur jetzt keine Vorhaltungen meinerseits, keinen Grund für eine Verteidigungshaltung. Die Eltern haben Maike vorgestellt, weil sie sich Sorgen machen, dass der Bluterguß im Gesicht irgendwelche Folgen hat. Dass das Auge verletzt ist. Das ist die Eintrittskarte.

„Wir müssen das hier in der Klinik genauer untersuchen“, sage ich zu den Eltern. „Vor allem das Auge. Nicht das es hier schwerere Verletzungen gibt.“
Sie wechseln Blicke, entspannen sich aber. Keine Ahnung, ob sie das Ahnungslosigkeitsspiel mitspielen, denken, ich hätte keinen Verdacht für eine Misshandlung, mir ist das egal. Oberste Priorität ist es, das Kind hierzubehalten.
Ich spreche meine üblichen Formalien aus, dass sich eine Schwester kümmern wird, dass ein aufnehmender Arzt hinzukommen wird. Kein Wort von Sozialdienst, Jugendamt, Polizei.

Später wird der Oberarzt der Klinik einen Ultraschall vom Abdomen machen und zum Glück nichts finden. Die Verletzungen werden dokumentiert werden, fotografiert. Die Arztkollegin wird das Mädchen nochmal befragen, ohne Eltern. Sie oder der Oberarzt werden die Eltern fragen, immer mal wieder, getrennt, gemeinsam, immer auf der Suche nach Plausibilität der Aussagen, Erklärungen, die Frage nach dem Bruder. Der Sozialdienst hat eine Bereitsschaftsnummer, die die Klinik immer erreichen kann. Da kommt noch viel Arbeit auf das Team zu.
Samstagabend. Der Abend vor Weihnachten.

„Vielen Dank“, sagt der Vater, als ich ihm die Hand gebe und das Zimmer erst einmal verlasse. Vielleicht meint er es wirklich so.

(c) Bild pxhere (CC Lizenz 2.0 Generic)

Hilfstelefone

Gewalt gegen Frauen 08000 116 016

Kinderschutz für Familien 0800 1110550

Nummer gegen Kummer (für Kinder und Jugendliche) 0800 1110333

… zum Feste…

… das Allerbeste.

Liebe Leser,

der Jahresrückblick kommt vielleicht noch, wenn es die Erkältungspraxiswelle zeitlich zulässt, aber zum Weihnachtsfest von hier aus wünsche ich Euch alles Gute, Besinnlichkeit, Erholung und Erstaunen, Glitzer und Lametta, Kerzenschein und Backwerkfein, Ente, Würstchen oder Raclette, ganz wie Ihr wollt.

Bleibt gesund und denkt daran beim Feste – die Kinder sind, die Kinder sind, die Kinder sind das Allerbeste.

Euer kinderdok

Mal kurz rückversichern wegen der Impfmoral

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Mutter: „Sind Sie eigentlich eine Impfpraxis?“
Ich: „Ja? Wie meinen Sie das?“
Mutter: „Naja, impfen Sie alle Kinder, wie das von den Experten der Impfkommission empfohlen wird?“
Ich: „Ja. Eigentlich schon.“
Mutter: „Ohne Ausnahme?“
Ich: „Ja, ich bin überzeugt, dass…“
Mutter: „Auch etwa Rota?“
Ich: „Ja, auch Rota, weil die Säuglinge…“
Mutter: „Und auch Tetanus, Windpocken und Keuchhusten?“
Ich: „Ja, schon. Gerade bei den noch kleinen…“
Mutter: „Sagen Sie mir auch, wenn es neue Entwicklungen gibt?“
Ich: „Ja, klar, das ist ja meine Aufgabe…“
Mutter: „Und kann ich sicher gehen, dass auch sonst hier alle Kinder geimpft sind?“
Ich: „Naja, ich versuche schon, die Eltern zu überzeugen…“
Mutter: „Und wenn mal jemand gar nicht will?“
Ich: „Dann suchen die sich meist einen anderen Kinderarzt, der da mitschwingt.“
Mutter: „Echt jetzt? Sowas gibt´s? Leute, die gar nicht impfen?“
Ich: „Ja schon.“
Mutter: „Aber bei Ihnen nicht?“
Ich: „Sie meinen jetzt, Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen wollen?“
Mutter: „Ja.“
Ich: „Naja, eher wenige.“
Mutter: „Alles klar, dann bleiben wir.“

Easy.

(c) Bild pixabay (CC0 Creative Commons)

Verflixt verstopft

„Verstopfung bzw. Obstipation ist weltweit eines der häufigsten Probleme bei Kindern. Von Verstopfung spricht man, wenn u.a. weniger als 1-2 Stühle pro Woche entleert werden, die Stühle selber hart und fest sind oder die Stuhlentleerung schmerzhaft ist und gelegentlich ein Kotschmieren in der Unterhose beobachtet wird.

Bei Kleinkindern bis zum Alter von 4 Jahren muss diese Störung wenigstens einen Monat angehalten haben, bei älteren Kindern wenigstens 2 Monate, um von einer chronischen Obstipation zu reden. „In der Regel ist die zugrunde liegende Störung einer Verstopfung funktionell, d.h., es liegt keine organische Ursache im Sinne einer Fehlanlage oder Fehlfunktion des Darmes vor. Obstipation ist in der Regel eine Folge von u.a. falscher Ernährung und von zu wenig Bewegung“, erklärt Dr. Ulrich Fegeler, Kinder- und Jugendarzt sowie Mitglied des Expertengremiums des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). „Nur bei Säuglingen bis zu einem Alter von 6 Monaten ist besondere Aufmerksamkeit notwendig, da hier organische Störungen häufig sind.“  Fegeler empfiehlt, dass Kinder mit Verstopfung früh genug dem Kinder- und Jugendarzt vorgestellt werden, damit dieser über die Erfragung der Ernährungsgewohnheiten, der Anzahl der Stuhlentleerungen und der Stuhlkonsistenz Rückschlüsse auf die Ursache ziehen und eine Chronifizierung der Verstopfung verhindern kann. Sehr häufig liegen Ernährungsfehler vor, wobei meist eine zu schlackenarme Ernährung angeboten wird. „Reichlich Obst und Gemüse sowie Vollkornprodukte in der Ernährung sorgen für genügend Ballaststoffzufuhr und können einer Verstopfung vorbeugen. Auch ausreichend Flüssigkeit ist wichtig, um eine Darmentleerung zu fördern. Darüber hinaus ist Pflaumen-, Birnen-, Ananas- und Apfelsaft, die alle einen hohen Sorbitgehalt haben, empfehlenswert“, rät der Kinder- und Jugendarzt.

Doch liegt bereits eine Verstopfung vor, muss zunächst der in den untersten Darmanteilen verfestigte Stuhl entleert werden. Hierzu bieten sich Medikamente an, die im Darm verbleiben und nicht resorbiert werden. Sie binden Wasser und weichen dadurch den Stuhl auf. Hierzu zählen Polyethylenglykol (Macrogol) und Sorbit. Bei gleichzeitiger Ernährungsumstellung auf ballastreiche Ernährung sollte es zu einer guten und schmerzfreien Stuhlentleerung kommen. „Allein nur Ballaststoffe bei einer bereits vorliegenden Verstopfung zu geben, ohne diese zunächst zu entfernen, ist nicht empfehlenswert“, erläutert Fegeler. „Ein solches Vorgehen verursacht eher starke Blähungen.“

Mit etwa 1 Jahr, wenn feste Nahrung eingeführt wird, während des Toilettentrainings und bei Kindern im schulpflichtigen Alter, die während des Unterrichts auf den Toilettengang verzichten, sind „typische“ Phasen für die Entwicklung einer Verstopfung. Bauchschmerzen, Krämpfe oder Übelkeit, Kotspuren in der Unterwäsche, schlechter Appetit können Anzeichen dafür sein. Neben einer Ernährungsumstellung und mehr Bewegung können regelmäßige Toilettengänge zu einem bestimmten Zeitpunkt den Stuhlgang wieder normalisieren. „Bei Anzeichen einer Verstopfung sollten Eltern immer den Kinder- und Jugendarzt zurate ziehen. Liegt keine andere Krankheit vor, muss ein Teufelskreis verhindert werden. Denn je länger der Stuhl im unteren Darmtrakt bleibt, desto größer, fester und trockener wird er. Dann wird die Entleerung immer schwieriger und schmerzhafter. Das Kind hält den Stuhl aus Angst vor Schmerzen immer mehr zurück“, warnt Dr. Fegeler.

Mit zunehmendem Alter nimmt die „normale“ Stuhlhäufigkeit ab. Säuglinge machen beispielsweise bis zu fünf Mal am Tag die Windel voll, Erstklässler gehen durchschnittlich ein- bis zweimal am Tag auf die Toilette. “

Quelle: AAP, Healio – Infectious Diseases in Children, Paediatr Paedolog
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Dies ist eine Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V.

Durchblick

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Ich: „Und seit wann hast Du die Kopfschmerzen?“
Erik-James: „Jetzt am Wochenende und am Ende der Schule.“
Ich (nach zahlreichen neurologischen Anamnesefragen und entsprechender Untersuchung): „Dann solltest Du mal zum Augenarzt gehen, vielleicht brauchst Du eine Brille.“
Vater: „Oh, eine Brille hat er.“
Ich: „Achso?“
Vater: „Ja, schon seit einem halben Jahr.“
Ich: „Aber Du hast sie jetzt nicht dabei.“
Erik-James: „Soll ich nur in der Schule tragen oder bei den Hausaufgaben.“
Ich: „Warst Du denn heute in der Schule?“
Erik-James: „Ja.“
Ich: „Und jetzt hast Du wieder Kopfweh?“
Erik-James: „Ja, seit der sechsten Stunde.“
Ich: „Brille nicht getragen?“
Erik-James: „Nee.“
Ich: „Ok. Letzte Frage. Ich glaube, ich kenne schon die Antwort.“
Vater: „Ja?“
Erik-James: „Ja?“
Ich: „Warum hast Du denn Deine Brille vor einem halben Jahr bekommen?“
Erik-James: „Ich hatte immer so Kopfweh…“

(c) Bild bei Pixabay/RondellMelling (Creative Commons)

Warum ich blogge.

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Das ist alles erstunken und erlogen, die Sache mit dem Tagebuch, dem Loslassen vom Alltag, dem Ventilieren von Patienten in den Blogposts oder dem alleinigen Informieren von interessierten Patienten oder Eltern auf anderen Ebenen als in einem Gespräch oder einem großspurigen Ratgeberbuch. Ich will auch nicht unterhalten oder den Leser zum Schmunzeln, Lachen, Fremdschämen oder Ärgern anregen. Geld verdienen liegt nicht in meinem Interesse, nicht das Ablenken von den Prokastinationen des Alltags oder dem räudigen Haushalt. All das liegt mir fern. All das erzähle ich nur in Interviews, wenn die Frage kommt, “Warum bloggst Du?”
Ich blogge, um zu kommunizieren.

Bloggen ist all das wie oben geschreiben und alles das nicht.
Letztendlich geht es um ein Mitteilungsbedürfnis. Das setzt zwei Personen voraus, den Blogger und den Leser. Das Bedürfnis zur Mitteilung hat der Blogger, der Leser die Neugier, was der Schreiber auszuplaudern hat. Gibt es Geheimnisse oder Leaks in der Medizin, in der Juristerei, im Taxigewerbe oder im Familienleben? Dann her damit, schreibt davon, Ihr Blogger, und lest darin, Ihr Leser.

Begonnen hat alles ganz klein mit wenigen Sätzen, mit grossen Pausen, mit unspektakulären, gelangweilten Posts, die lediglich den empty space füllen sollten. Du schreibst am Anfang ins Leere hinein, ins Blaue, ins Nirwana, in die graue Materie des Internets. Du kannst nicht erwarten, dass Dein Blog jemand liest, also können Deine Motive nicht die obigen sein. Denn Ziele sind, jedenfalls die hoch- und weitgesteckten, nicht erreichbar. Also vergiss es einfach.
Und an diesem Punkt enden dann die meisten Blogger. Vielleicht hätte ich auch irgendwann aufgegeben, wenn nicht tatsächlich nach ein paar Wochen (na, es waren eher Monate) eine erster einzelner Leser geantwortet hätte. Denn nichts anderes ist der Kommentar, eine Antwort auf die Frage des Blogposts “Liest das hier jemand”?

Bloggen ist Kommunikation
Nur das, und all das. Sonst könnten wir alle in unser analoges oder digitales Tagebuch schreiben, ins Moleskine, in irgendeine Evernote- oder OneDay-App. Bloggen kann nicht nur bloße Information sein, dann wäre ein Buch das Richtige oder eine Ratgeber-Homepage, wer ohne Kommentarfunktion bloggt, der bloggt nicht, der passiviert. Und all die zahlreichen “Blogs”, die als Ableger von Verkaufsseiten installiert werden, weil man das eben heute so macht, sind nur Werbemanöver ohne Kommunikation.

So ehrlich musst Du als Blogger sein: Du lässt Dich gerne lesen. Du freust Dich über ein freundliches Wort in der Kommentarfunktion, über ein wenig Senf, über Schärfe, über Kritik, denn Polarisieren heißt, besprochen zu werden, antworten zu können (wenn es die Zeit zulässt). Der Leser darf passiver agieren, er muss nicht kommentieren. Aber gerne machen es manche schon, denn auch sie möchten gerne quatschen, um dem Gegenüber näher zu sein, näher, als man sonst einer Familienmutter, einem Taxifahrer oder Rettungssanitäter kommen kann. Trolle gibt es auch, ja, aber die werden wir alle ignorieren.

Also denn, Ihr Blogbeginner:
– Schreibt, was Ihr schreiben möchtet, erzählt von Eurem Leben, Eurem Beruf, Eurer Leidenschaft.
– Habt einen langen Atem, wenn Ihr gelesen werden wollt. Der Eisberg beginnt am Boden, die Wasseroberfläche erreicht man erst langsam.
– Erwartet zunächst keine Kommentare, aber begrüßt sie mit offenen Armen.
– Seid selber Blogleser und -kommentatoren, das ist die beste Werbung für die eigene Arbeit. Besser als der versteckte Link zum eigenen Schaffen.
– Schreibt stetig und regelmäßig, das erhält die Freundschaft.
– Vergesst SEO, Tipps zur perfekten Überschrift oder die beste Hookline – Ihr seid das Blog, nicht die Klickzahlen.
– Verbiegt Euch nicht. Alle sprechen über Authentizität, also bleibt wahrhaftig. Falsche Versprechungen oder versteckte Werbung sind bäh. Und sucht nicht nach Eurer Zielgruppe, und was sie lesen mag: Sie findet Euch.

Und Ihr Leser:
– Seid freundlich und interessiert.
– Auch wenn ein Blog ein öffentliches Medium ist, seid Ihr im Blog Gast, also seid entsprechend.
– Erwartet keine (schnellen) Reaktionen, Blogger sind selten hauptberuflich Blogger. Da gibt es noch ein Leben daneben. Es gibt immer viele Leser im Blog, aber nur einen Blogger. Die Perspektive ist eine andere.
– Wenn Euch ein Blog nicht gefällt, sucht weiter, es gibt genug davon. Trolle werden ignoriert.

Aber vor allem: Habt alle Spaß.
Stay tuned, Euer kinderdok.

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