HPV-Impfung auch für die Jungs

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Na endlich, denken sich alle, die Impfungen befürworten und sich schon länger fragten, warum die HPV-Impfung nur etwas für die Mädchen sei. Nun ist es aber (vor-)amtlich: Die STIKO wird in ihrem nächsten Epidemiologischen Bulletin die Impfung auch für die Jungs empfehlen. Die wissenschaftliche Begründung ist immer etwas ausführlicher, gerade für die impfkritischen Zeitgenossen, daher wird diese erst im übernächsten Journal nachgeschoben.

Verhütung ist schließlich auch nicht nur Mädchen/Frauen-Sache, banale Feststellung, also warum sollte der Gesundheitsschutz nur den Frauen aufgebürdet werden? Ok, diese bekommen nachher den Gebärmutterhalskrebs (der als Spätfolge einer HPV-Infektion im Genitalbereich gilt), aber die Überträger sind nun einmal die Männer beim Geschlechtsverkehr.

Dann gibt es auch noch diese unschönen Genitalwarzen, die eigentliche offensichtliche Infektion mit dem Humanen-Papilloma-Virus (Papilloma = Warze). Und die können die Jungs selbstverständlich auch bekommen. Ganz abgesehen von der Ästhetik der Warzen im Genitalbereich – wer will die schon? – , haben diese bei Jungs ähnlichen Prädilektionsstatus für z.B. Penistumore wie beim Gebärmutterhalskrebs. Tumore im Rachen- und Mundbereich (bei Infektion im Oralverkehr) haben auch ihre Ursache in den HPV-Viren.

Nun also die Umsetzung.
Auf die Empfehlung der STIKO folgt in aller Regel irgendwann – wenn es die Gremien zulassen – die Bestätigung der Impfempfehlung durch den Gemeinsamen Bundesausschuss G-BA aus Krankenkassen und Ärzten, welcher über die Kostenübernahme entscheiden muss.
Wie war das bei der Einführung der HPV-Impfung für Mädchen?
– Die STIKO empfiehlt – jetzt also mit dem neuen Bulletin zum August 2018.
– Die Eltern müssen die Impfung zunächst privat tragen (immerhin damals 3 x 150 € pro Impfzyklus und Arztkosten)
– Dann kommt die Kostenübernahme einzelner Kassen durch die so genannte Kostenerstattung
– Schließlich die offizielle Übernahme und damit Abrechung „auf Karte“ – vermutlich erst zum Jahreswechsel 2018/2019.

Vielleicht geht es diesmal schneller, immerhin haben wir das schon einmal durchexerziert. Was auf jeden Fall gilt: Die Impfung wird empfohlen zwischen dem 9.-14. Lebensjahr. Das entspricht der Empfehlung bei den Mädchen. Die zweite Impfung sollte 4-6 Monate nach der ersten Gabe wiederholt werden, spätestens bis zum 17.Lebensjahr.

Der Sohn hier im Haus „freut“ sich schon.

(c) Bild bei Pixabay/derneuemann (CC0 Lizenz)

Quickblogging von heute

My Real Facepalm

Was hatten alle diese Kinder gemeinsam?

– Dreijähriger mit eitrig laufender Mittelohrentzündung
– Fünfjährige mit Ohrenschmerzen (Trommelfell nur rot, Kind aber unter Tränen)
– Viereinhalbjähriger mit Bindehautentzündung
– Vierzehn Monate mit 39,2 Grad Fieber (und Erkältung)
– 12jährige mit Sonnenbrand, also Verbrennung I. Grades am ganzen Rücken

… Na?

Eine/n Mutter/Vater, die/der nach der Anamnese, Untersuchung, Therapie und Beratung die rethorische Fragen stellte:
„Aber heute nachmittag ins Freibad, das geht schon?“

(c) Bild bei Flickr/Joe Loong (unter CC Lizenz BY-SA 2.0)

Soja? So: No.

Säuglingsnahrung aus Sojamilch nicht empfehlenswert

Kinder- und Jugendärzte raten davon ab, Formulanahrung auf Sojabasis zu verwenden, wenn keine Notwendigkeit dafür besteht.

„Zum einen ist der Nährstoff- und Energiegehalt wesentlich geringer als in Mutter- oder Kuhmilch und zum anderen enthält Soja hormonähnlich wirkende Isoflavone, deren langfristige Wirkungen noch nicht geklärt sind. Sojanahrung sollte deshalb nur unter ärztlicher Aufsicht gegeben werden“, erklärt Prof. Dr. Hans-Jürgen Nentwich, Kinder- und Jugendarzt sowie Mitglied des wissenschaftlichen Beirats beim Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) mit jahrelanger Klinikerfahrung. Die im Soja enthaltenen Isoflavone Genistein und Daidzein haben eine ähnliche Struktur wie das weibliche Hormon Estrogen. Zudem kann Sojanahrung auch die Aufnahme von Mineralstoffen und Spurenelementen beeinflussen.

Amerikanische Forscher haben bei weiblichen Babys, die mit Soja ernährt wurden, Veränderungen in der Entwicklung der Gebärmutter und des Scheidengewebes beobachtet und bei männlichen Babys eine veränderte Entwicklung der Brustknospung. Bei Tieren wirkte sich Soja auf die Fruchtbarkeit aus. „Nur seltene Fälle von angeborenem vererbten Laktasemangel und die Stoffwechselstörung Galaktosämie können das Ausweichen auf eine Ernährung auf Sojabasis erforderlich machen. Eine Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz) ist in der Regel kein Grund, auf Säuglingsnahrung aus Soja auszuweichen. Auch Magen-Darm-Beschwerden sollten kein Anlass für Eltern sein, eigenständig auf Soja umzusteigen“, warnt Professor Nentwich.

Quelle: JCME, CHOP News, Springermedizin.de, BfR


Dies ist eine Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V.

The first cut is the deepest – über Platzwunden

Das Kind ist gestürzt und hat eine Platzwunde, und nun? Muss das nun versorgt werden oder nicht? Macht das eigentlich der/die Kinder- und Jugendarzt/ärztin oder gehen die Eltern damit ins Krankenhaus? ChirurgInnen machen doch sowas, oder? Hier ein paar Tipps zur Vorgehensweise:

Wo ist es passiert?
War der Unfall in der Freizeit, kann rein versicherungstechnisch die Versorgung von jedem Arzt erfolgen. War es jedoch ein Unfall im Kindergarten oder der Schule (einschließlich der Wege dahin oder daher), dürfen nur ÄrztInnen, die eine berufsgenossenschaftliche Zulassung haben, die Erstversorgung übernehmen. Dies sind in aller Regel alle niedergelassenen ChirurgInnen oder AmbulanzInnen, aber auch manch normaler Kinderarzt, d.h. er/sie kann eine Versorgung bis zu einer Woche übernehmen.

Wie groß ist die Wunde?
Es gibt keine gute Zentimetergrenze, ab wann eine Platzwunde beim Chirurgen versorgt werden muß, d.h. genäht werden muss (natürlich gibt es auch viele kinderärztliche KollegInnen, die mit Nadel und Faden hantieren, aber es wird die Ausnahme sein – außerdem, hüstel, wer hat wohl mehr Routine?). Ich lernte mal, zwei Zentimeter seien eine gute Grenze, aber ich habe auch schon größere Wunden kleben können und kleinere zum Chirurgen geschickt, die trotz primärer Wundstillung weiter geblutet haben.

Was „macht“ die Wunde?
Ist die Haut geöffnet/geplatzt und blutet, so sollte der Ersthelfer, also Ihr, liebe Eltern, versuchen, die Wunde zu stillen. Dazu nimmt man ein sauberes Tuch (aus dem Erste-Hilfe-Koffer), es tut auch ein Papiertaschentuch (unbenutzt), oder wie im Film das in Streifen gerissene weisse Hemd des Vaters. Es reicht völlig, die Wunde damit abzudecken und leicht anzudrücken. Bitte nicht wischen oder ständig darunter schauen, damit entfernt man die ersten Blutplättchen und Gerinnungsflüssigkeiten, die versuchen, die Wunde selbst zu schließen – es dauert länger.
Blutet es trotz Erstmaßnahmen weiter, ab zum Arzt. Blutet es auch bei uns in der Praxis weiter trotz sachgemäßer Kompression, muss eine Naht gesetzt werden, feuchte Wunden werden nicht geklebt.

Wie versorgen wir die Wunde?
– Säuberung von groben Schmutz, mit viel sterilem Wasser oder Kochsalzlösung
– Desinfektion mit z.B. Octe.ni.sept (jetzt kann es wieder bluten, also nochmal warten)
– Kleben der Wundränder mit so genanntem Gewebekleber
– Eventuell zusätzlich oder ausschließlich mit Klammerpflaster adaptieren
– Bedecken der Wunde mit einem sauberen Wundpflaster (kann man am Kopf, in den Haaren, auch weglassen)

Was macht der/die Chirurgin?
Das gleiche wie oben, wenn er/sie die Wunde für klebbar hält, ansonsten
Betäubung der Wundränder mit einem Lokalanästhetikum (mit einer entsprechenden Salbe oder ja, einer Spritze) und
Vernähung der Wunde mit 1 bis x Einzelknopfnähten

Wie geht´s dann weiter?
Alle Kinder mit Platzwunden, die extern versorgt werden, sehen wir noch einmal. Das hat wohl versicherungstechnische Gründe, die Notfallmediziner kennen die Eltern wenig, also ist Kontrolle besser. Ich selbst bitte die Eltern um tägliches Wechseln des oberen Wundpflasters (da geben wir etwas mit) und um Vorstellung
– wenn die Wunde sich darunter stark rötet oder
– wenn die Wundränder sehr verschwellen oder
– wenn die Haut „spannt“ oder Schmerzen bereitet oder
– wenn Eiter zu sehen ist
Bei letztem kommt es zu häufig falschem Alarm, weil manch eine Wunde sehr stark sezerniert, d.h. Fibrin absondert, was mal weißlich aussieht und mit Eiter verwechselt wird.

Und sonst?
Überprüfung des Tetanusschutzes (es sollten mindestens drei Tetanusimpfung stattgefunden haben und die letzte nicht länger als zehn Jahre zurückliegen)! Wenn geimpft werden muss, liebe ChirurgInnen, impft bitte einen Kombinationsimpfstoff mit Keuchhusten und Diphtherie. Bitte. Danke.
Bei Kopfwunden gehört stets eine Aufklärung über eine mögliche Gehirnerschütterung dazu.

Und am Ende?
Platzwunden heilen in aller Regel nach einer Woche komplett aus, d.h. dann können die Fäden oder die Klammerpflaster entfernt werden. Ein zu frühes Entfernen kann dazu führen, dass die Wundränder sich wieder öffnen, ein zu spätes (> 14 Tage, ja, das gibts auch) fördert wohl die Narbenbildung. An stark beanspruchtem Gewebe (Gelenke) wird auch zehn Tage bis zum Fadenzug gewartet, das entscheidet der/die ChirurgIn.
Klammerpflaster dürfen die Eltern mit viel Wasser und ein wenig Abknibbeln selbst entfernen, wenn sich die Steristrips nicht schon selbst ablösen.
Fäden ziehen wir in der Praxis natürlich ohne Betäubung, was kleine Kinder oft nicht verstehen, sie denken, das Entfernen tut so weh wie das Nähen. Mit viel gutem Zureden und Ablenkung durch die fMFA gelingt aber auch das.

Ein No-Go?
Ja. Wunden, die genäht werden müssen, müssen genäht werden. Und nicht geklebt. Gar nicht geklebt. Es macht keinen Spaß, auch nicht dem Patienten, wenn Fäden entfernt werden müsse, die zusätzlich mit Kleber verbabbt wurden. Auf dass es für die Ewigkeit halte.

(c) Bild bei Flickr/Lars Plougmann (CC Lizenz CC BY-SA 2.0)

Impfdiskussionsdeeskalation

HPV Vaccination in Sao Paulo Brazil March 2014

In meinem Alter wird man altersweise, und gerade bei der Diskussion ums Impfen – und davon gibt es derer viele – bin ich nicht mehr so streng und abweisend wie noch vor Jahren. Dennoch gibt es Grenzen.

Ich bin überzeugter Impfmediziner, ich denke, das wurde aus zahlreichen Artikeln hier im Blog bereits deutlich. Meine Grundeinstellung ist es, dass Impfungen zur modernen Medizin dazugehören, sich damit ausreichende geschulte Experten in der Ständigen Impfkommission einbringen und sehr genau entscheiden, wann welche Impfung zur Empfehlung wird, und wann eine Empfehlung geändert oder gestrichen wird. Ein wenig Vertrauen gehört dazu.

Viel hängt das  mit der grundpersönlichen Einstellung zur Medizin zusammen: Ich möchte einem Schutzbefohlenen möglichst alle Krankheiten ersparen, wie ginge das besser als mit einer Impfung? Klar kann die Medizin heute viel lindern, sogar heilen, was sie vor Jahrzehnten nicht konnte, aber jede Studie zeigt: Prävention zählt in allen Bereichen, so auch in der Infektionsverhinderung. Meine Kinder sind „durchgeimpft“, wie das so schön heißt, also auch die HPV-Impfung für die Große und die FSME-Impfung für die lokalen Risiken. Das versuche ich, allen Eltern bei der U3 zu vermitteln. Ein ausreichend früher Zeitpunkt, die erste Impfung beginnt mit sechs (die Rota-Impfung) bzw. acht Wochen (der erste Rest, also Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Kinderlähmung, Hämophilus influenzae und Hepatitis B, sowie extra die Pneumokokken), die Eltern können noch viel überlegen. Meist sind sie schon informiert, leider oft fehlinformiert. In klärenden Gesprächen bei U3 oder einem Extratermin zur Impfberatung, sonst am ersten Impftermin, geht es um weitere Aufklärung, die heutzutage meist eher der Widerlegung von Mythen und falschen Behauptung dient. Fake News Prophylaxe.

Ein beliebtes Gegenargument ist die frühe Impfung. So klein, so empfindlich, Neuronenentwicklung, Verträglichkeit, all dies wird angeführt, und ich verstehe die Eltern: Das empfindliche sensible unversehrte Neugeborene möchte niemand mit Nadel gestochen sehen, es ist der Eingriff in die Unversehrtheit.

Die Rota-Impfung sollte mit 6 Wochen begonnen werden und allerspätestens in der 24 Lebenswoche beendet sein, sonst entwickelt der Organismus zu wenig Antikörper und das Nebenwirkungs-Spektrum vergrößert sich (vor allem die einer Darmverstülpung). Entscheiden sich Eltern also für eine spätere Impfung, fällt diese meist schon flach. Das muss ich kommunizieren.

Die U5, also die Untersuchung mit einem halben Jahr, ist eine magische Marke. Jetzt soll erstmal alles stabiler sein, also, jetzt ist die Impfung ok. Also dann. Dann impfe ich eben erst mit sechs Monaten. Das Risiko beispielsweise einer Keuchhusteninfektion wird klar benannt: Sie kann letal verlaufen, zumindest aber wandern eigentlich alle Säuglinge ins Krankenhaus, da sie plötzliche Atemstillstände durchlaufen können. Von der späteren Bronchialempfindlichkeit ganz zu schweigen. Noch mehr kann ich erzählen zur besseren Antikörperbildung, der besseren Verträglichkeit bei früher Impfung, sicher auch dem hoffentlich schnelleren Vergessen.

Dann  möchten Eltern oft nicht alles impfen. Was sind die üblichen Verdächtigen? Eben die Rota-Impfung („hält ja nicht ein Leben lang“, „Luxus-Impfung für die Industrienationen“, „Funktioniert gar nicht, da zuviele Virusstämme“), dann die Hepatitis-B-Impfung („Wie soll das ein Säugling bekommen?“, „Heilt ja aus“, „Kann ich später noch mit Hepatits A zusammen impfen“) und mit einem Jahr die Windpocken („harmlose Kinderkrankheit“, „Habe ich auch gehabt“, „Verschiebt die Erkrankung ins Erwachsenenalter“). Über all diese Impfungen kann ich vortrefflich aufklären und diskutieren und mache das auch, schließlich bringe ich Ankedoten ein, um die Studienlage zu unterfüttern: Ich erzähle von den hohen Krankenhauszahlen der durchfallerigen Säuglingen vor nicht mal zehn Jahren und dem deutliche Rückgang, erzähle von den chronischen Verläufen bei Hepatitis B und den hautgeplagten Einjährigen, die nun noch den Juckreiz der Windpocken ertragen müssen. Mir liegt ein „Ätsch“ fern, aber nicht nur einmal haben Eltern die Verweigerung der Varizellenimpfung im Nachhinein bereut, als sie sahen, was die Infektion an der Haut anrichten kann.

Eltern möchten das Gefühl haben, selbst zu entscheiden. Paternalismus ist ein Trugschluss der heutigen Zeit, dennoch gibt es Eltern, die sich eine lenkende Beratung durch den Kinderarzt wünschen. Was wird empfohlen, warum und warum nicht, was sind die Risiken, was der überwiegende Benefit. Ich kann nur die Empfehlungen vor den Eltern ausbreiten, entscheiden müssen sie dann schon selbst.

Verunsicherte Fragen sind die, ob ich meine eigenen Kinder impfe (ja) und wie das andere Eltern sehen (über 95% der Eltern impfen ihre Kinder). Diese Eltern sind geprägt von der gefühlt falschen Wahrheit: Dass mehr und mehr Eltern Impfungen kritisch gegenüber stehen, das zeigen die Impfquoten aber keineswegs. Impfgegner haben nur die größere Klappe und sind vor allem in Social Media viel besser vernetzt.

So kann ich im Moment Gruppen unterscheiden:
– Eltern, die einfach den Empfehlungen trauen, und alles impfen lassen.
– Eltern, die kritisch hinterfragen, die Argumente abwägen, und alles impfen lassen.
– Eltern, die das Gefühl brauchen, eine eigene Entscheidung zu fällen, ein paar Impfungen daher ablehnen oder später impfen.
– Eltern, die abwägen, immer wieder diskutieren, weil sie andere (also mich) überzeugen wollen und letztendlich nach Absolution suchen. Sie lehnen aber auch alle Impfungen ab oder fahren ein absolutes Schmalspurprogramm (Tetanus).
– Eltern, die der gesamten akademischen Medizin ablehnend gegenüberstehen, und jegliche Impfung unterlassen.
– Eltern, die gar nicht erscheinen. (Klingt lustig, ist es aber nicht. Diese gehen weder zu Vorsorgen, noch sonst zum Arzt. Sei es, weil ihnen das nicht wichtig erscheinen, oder weil sie dies aus ideologischen Gründen ablehnen.)
Die Gruppen sind nicht heterogen verteilt, zudem noch unterschiedlich in der Bevölkerung, wie auch in meiner Praxis. Die letzten beiden Gruppen erscheinen ja erst gar nicht oder haben sich informiert, dass in meiner Praxis damit kein Land zu gewinnen ist.
Die ersten zwei Gruppen machen die o.g. 95% der Eltern aus, um die beiden mittleren Gruppen müssen wir uns als Ärzte aber besonders kümmern, denn diese können wir eventuell mit guten Argumenten noch erreichen.

Mit spätestens sechstem Monat, vielleicht ohne Rota-, Hepatitis-B- und Windpockenimpfung: Darunter „mache ich es nicht“, das kommuniziere ich den Eltern. „Wir impfen nur die Kinder, die wir behalten wollen.“ So oder ähnlich geistert ein Meme durch die sozialen Medien. Dr. House hat das auf seine Weise unterstrichen, in dem er die Kindersärgeindustrie mit der der Impfgegner verbandelt sah. Bleiben wir in diesem Bild, so impfen Mediziner die Kinder, die sie gesund sehen wollen. Welchen anderen Nutzen hätte es sonst?

(c) Bild bei Flickr/PAHO (Lizenz CC BY ND 2.0)

„Wer alle Impfungen verweigert, den schmeiße ich raus“

Heuschnupfenberatung in der Apotheke, Selbstversuch

„Hallo, ich hätte gerne Azelastin als Kombipackung, zum Beispiel Aller.go.dil als Kombi.“
„Moment, muss ich erst schauen, ob wir das da haben.“ Tippeditipp. „Ja, wollen Sie das als Augentropfen oder Nasentropfen?“
„Gerne als Kombipräparat, bitte. Einzeln ist es bestimmt teurer.“
„Ich schaue nochmal.“ Tippeditipp. „Nein, leider nicht da.“
„Haben Sie denn ein anderes Kombipräparat mit Azelastin?“
„Ich schaue einmal, Moment…“ Tippeditipp. „Ja, ich weiß jetzt nicht…“
„Da hinten im Regal, das ist doch Li.vo.cab als Kombi.“
„Ja, das ist richtig. Möchten Sie das?“ Sie holt es schnell, bevor ich antworten kann.
„Eigentlich nicht, das ist ja Levocabastin, das wirkt bei mir nicht so gut.“
„Tja, dann vielleicht das einfache Chromoglicin?“
„Danke, ganz sicher nicht. Und da hinten, neben dem Li.vo.cab? Da steht doch noch Vi.vi.drin akut.“
„Ja? Möchten Sie das?“
„Ist das nicht Azelastin? Und das gibt es auch als Kombi, oder?“
„Ich schau mal…“ Tippeditipp. „Ja, das haben wir da.“
„Und was ist da der Wirkstoff?“
„Ich weiß jetzt nicht, Moment…“ Tippeditipp. „Der Wirkstoff…, der Wirkstoff… Ahja, hier: Az-e-las-tin.“
„Na, das ist doch prima. Das nehme ich.“
„Also das Vi.vi.drin akut als Kombi?“
„Genau. Azelastin als Kombinationspräparat.“
„Prima. Schön, dass ich Ihnen helfen konnte.“
„Ja, fand ich auch. Und ich Ihnen.“

Eine Packung Taschentücher gab es auch. Nein, die Apotheken-Umschau habe ich liegen gelassen. Da steht zuviel Schwurbel drin.

(c) Bild Public Domain/Wikipedia

One more thing

hooikoorts / hayfever

Der junge Mann leidet. Die Augen jucken, die Nase läuft, rot sind die Hautstellen unter beidem (medizinisch: periorbital und nasolabial). Der Heuschnupfen hat zugeschlagen, dieses Jahr die dritte Saison in Folge, damit erfüllt er alle Kriterien der chronischen Erkrankung. Die letzten zwei Jahre habe sie sich wohl so durchgerettet, jetzt soll der Arzt Abhilfe schaffen.

Ich untersuche ihn, mache mir ein Bild, finde keine Lungenbeteiligung (Asthma im dritten Jahr wäre richtig Sch…), die Mutter berichtet von der familiären Belastung mit Allergien (es ist immer der Vater, immer der Vater). Ich hole aus, berate zu begleitenden Maßnahmen wie Fenstergeschlossenhalten in der Nacht, Auswaschen der Haare, Kleidung in die Wäsche und dergleichen und spreche über die Akuttherapie. Augentropfen, Nasentropfen, wahlweise -spray, zunächst ein einfaches Antiallergikum, man muss sich auch steigern können. Ich verweise auf die Regelmäßigkeit und Konsequenz der Behandlung, auf das vorbeugende Prinzip: Nicht warten, bis die Allergie je Tag explodiert, sondern morgens gleich Prophylaxe betreiben, wenn die Wetter-App Sonnenschein verkündet.

Rezepte werden verteilt, ein Pollenflugkalender, die Bitte, sich nach der Saison wieder zusammen zu setzen, um eine mögliche Behandlung, eine Hyposensibilisierung, eine „Allergieimpfung“ zu besprechen. Und sich ja zu melden, wenn der „Etagenwechsel“ einsetzt, mehr Husten, Atemnot, Kurzatmigkeit, die Lunge beteiligt ist.

Soweit, so gut.

Merke: Die Behandlung ist erst beendet, wenn der Patient die Praxis verlässt. In der Arztpraxis kommt die entscheidende Frage stets beim Verabschieden, wenn die Klinke schon in der Hand liegt, die berühmte Columbo-Frage: „One more thing. Eine Frage noch.“
Und so auch hier: Wir verabschieden uns schon, Hände werden geschüttelt, da bleibt die Mutter in der Tür stehen. „Eine letzte Frage noch, Herr kinderdok. Ich dachte“, sagt die Mama, „wir versuchen es doch erst einmal mit … Globuli. Ist das ok?“

Keine Ahnung, ob meine Stimmung heute nicht die passende war, ob meine Empathie beim Patienten davor aufgebraucht wurde, ob mir der Junge einfach nur leid tat, jedenfalls:
„Denken Sie wirklich, dass Sie Ihren Sohn in diesem Jahr wirklich mit Zucker behandeln möchten? Wenn Sie ihn jetzt ansehen, wie die Nase läuft, die Augen jucken? Sie haben erzählt, Sie mussten ihn letzte Woche zweimal aus der Schule abholen und beim Fussballturnier am Wochenende habe er auch das Spiel abgebrochen. Ganz ehrlich: Die Verschleppung einer Behandlung, die jede Leitlinie empfiehlt und in jedem seriösen Lehrbuch nachzulesen ist, wäre ein Kunstfehler und eine unnötige Gesundheitsgefährdung.
Nein, Frau Hansen, ich denke, Globuli sind nicht ok!“

 

(c) Bild bei flickr/Marko Raaphorst (CC Lizenz BY 2.0)

Siehe auch: Susannchen

Zecken und viel Panik

grass-1750593_960_720Hurra, die Sonne scheint, und wieder kriechen auf allen Apotheken-Schaufenstern die Zecken in Großformat oder elektronenmikroskopisch verstärkt. Manche Arztpraxen hängen die Werbeplakate der Impfstoffhersteller raus, schön mit knallrot eingefärbten Risikogebieten (inzwischen haben wir die Mainlinie von Süden her überschritten), so dass man denken möchte, die Invasion kommt aus dem Osten und dem Süden.

Wir haben in der Praxis auch schon etliche der Viecher entfernt, vor allem aus Ängstlichkeit der Eltern, weniger aus Unvermögen – es wird ja nicht einmal versucht. Dabei kannst Du gar nicht viel falsch machen:

Benutze eine Zeckenzange. Oder Schlinge. Oder Pinzette. Oder die Fingernägel. Ist doch völlig egal, Hauptsache, Du benutzt so etwas, denn dann entsteht Übung. Wer eine Katze oder einen Hund hat, durfte sicher bereits in die Verlegenheit kommen, aber die Entfernung da ist oft einfach, da die Viecher bereits größer voll gesaugter sind. Beim Kind sind sie klein, Du siehst sie schlechter, aber sollst sie früher entfernen, denn jede Sekunde Minute Stunde Tageszeit zählt.
Man setze das Entferninstrument knapp an der Haut an, lieber tiefer als zu hoch und entferne den Holzbock in sanften! Hin- und Herbewegungen. Ein Drehen ist nicht nötig, schon gar nicht 360 Grad nach rechts oder links, Zecken haben kein Gewinde. Bleibt ein Rest stehen – egal. Probier noch etwas, wenn der Patient es zulässt und lass es dann. Meist reißt das Hypostom (der Rüssel) der Zecke ab, dies ist aber kein großes Risiko für eine Infektion.

Nein, Du musst nicht deswegen zum Arzt.
Nein, die Zecke muss nicht untersucht werden.
Ja, Desinfizieren ist ok.
Ja, auch Markieren ist ok (siehe unten).

Zecken übertragen Krankheiten, keine Frage. Deshalb sollen sie ja auch raus. Aber Panikmache ist hier nicht wirklich angesagt.

Das Robert-Koch-Institut beschäftigte sich 2012 sehr ausführlich mit der Problematik der FSME, also der Frühsommer-Meningoenzephalitis, die durch einen Virus übertragen wird. Kommt es zu einer Infektion, also einer Übertragung des Virus auf den Menschen, zeigen nur 10-30% irgendwelche Symptome, alle anderen bleiben asymptomatisch. Man erkrankt grippeähnlich, mit zwei Krankheitsverläufen, mitunter mit schweren Folgeerkrankungen. Daher ist die FSME keine leichte Erkrankung, und wir nehmen sie in der Zeckenzeit als Differentialdiagnostik sehr ernst, auch wenn wir sie nicht kausal behandeln können, da viral.

Selten bleibt die Erkrankung trotzdem – man geht im Landesschnitt von 1,3 Erkrankte auf 100.000 Personen (pro 5 Jahre) aus (mit starken Schwankungen, von 0 Erkrankten in meist städtischen Regionen bis 30 Erkrankten im ländlichen Raum). Zum Vergleich: Die Inzidenz von Masern lag 2017 bei 0,9 Erkrankten auf 100.000 Einwohner (pro Jahr und nicht pro 5 Jahres-Intervall).
Ein Krankheitshäufung findet sich im mittleren Lebensalter, wohl vor allem bei den Spaziergängern und Freizeitsportlern. Kinder erkranken seltener (oder werden hier die Zecken schneller gefunden?), ebenso wie Senioren (vielleicht wälzen die sich auch weniger im Gras).
Ich erinnere in fünfzehn Jahren Niederlassung lediglich ein Kind mit FSME (typischen Symptomen und nachgewiesenem Titeranstieg im Blut).

Dann ist da noch die Borreliose, die deutlich häufiger ist – man rechnet jährlich mit über 200 Erkrankten auf 100.000, mit deutlichen Jahresschwankungen. Zudem ist die Borreliose im gesamten Bundesgebiet verbreitet und kann sogar in Städten auftreten. Vorteil dieser Erkrankung: Sie ist bakteriell und kann mit Antibiotika recht gut behandelt werden. Das Hauptsymptom ist die Wanderröte, zumindest bei Kindern, auch wenn es Fälle gibt, die diese Hauterscheinung nicht zeigen.
Ich möchte nicht auf die Diskussion rund um chronischen Borreliosen eingehen, die in Fachkreisen hoch umstritten sind und eng verknüpft mit Pharmainteressen und auch Verschwörungstheorien. Nichtsdestotrotz gibt es Spätsymptome wie Gelenkentzündungen, die unbedingt auch an eine Borreliose denken lassen müssen.

Eine Panik rund um die possierlichen Tierchen ist aus kinderärztlicher Sicht nicht gerechtfertigt, dennoch empfehle ich in meiner Praxis die FMSE-Impfung. Ich denke, wenn Du einer Erkrankung vorbeugen kannst mit einer gut verträglichen Impfung, so solltest Du das tun. Ich berate zudem ausführlich über Symptome der beiden Erkrankungen, wenn es zu einem Zeckenstich gekommen ist, Grippesymptome treten natürlich auch ohne Zecke nicht selten auf, da braucht es mitunter differentialdiagnostisches Geschick. Die Wanderröte sollte beachtet werden, deswegen auch einen Zeckenstich markieren oder wenigstens sich die Stelle gut merken.

Zum Abschluß… noch ein Bild, weil´s ja alle machen:

Deer Tick - Ixodes scapularis

Anekdoten:
Hilfe! Zecke!
Notdienstzecke
Notdienstzecke 2

(c) Bild bei pixabay/yucki97 (CC0 Lizenz)

Komasaufen

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Und check: Sobald es wieder draußen wärmer wird, fragen die Eltern, wieviel soll denn so ein Kind trinken am Tag? Da gibt es bestimmt tolle Tabellen im Internet und in zahlreichen Gesundheitsratgebern, aber welches Kind hält sich schon daran, was da steht?
Ich antworte lieber: Soviel, wie es Durst hat.

Aber genau da beginnt das Problem: Dies einzuschätzen ist extrem schwer, und: Versteht denn ein Kind, was Durst ist? Schließlich haben wir alle schon bei unseren Sprösslingen beobachten können, dass sie stuuundenlange gar nichts trinken, weil das Spiel gerade so schön ist oder die Freundin so nett. Und wer bekommt nicht Panik, weil das Kind mit Durchfall 24/7 nichts trinken will und droht auszutrocknen?

Als überzeugter Kinderanwalt und Anhänger von Herbert Renz-Polster, der in seinen Büchern stets darauf hinweist, dass nichts von nichts kommt und die Evolution unsere Kinder mehr prägt als wir, sage ich: Kinder spüren sehr genau, wann sie trinken müssen oder nicht. Nur: Wir machen das mal wieder mit unserer panischen Verdurstangst kaputt. Deshalb bekommen Kinder ständig unaufgefordert das Fläschchen hingehalten, deshalb mischen alle Säfte unters Wasser, damit die Flüssigkeitsbilanz aufgepeppt wird und deshalb nerven wir unsere Teenies mit „Trink mal was!“

Es ist wie mit dem Essen: Vor einem vollen Teller wird niemand verhungern, wenn wir Eltern gesundes Essen und Trinken anbieten, sollte sich das Kind bedienen, wie es das selbst braucht.

Bezogen auf das Trinken heißt das daher:
# Säuglinge trinken ab der Beifütterkost zum Essen, sie brauchen nichts „zwischenrein“. # Angeboten wird nur stilles Wasser oder ungesüßter Tee. Keine Säfte.
# Milch ist kein Durstlöscher, sondern eine Mahlzeit. Also: Ab einem Jahr Milchflaschen reduzieren oder abschaffen.
# Möglichst früh die Kinder aus der Tasse oder einem Glas trinken lassen. Übt man das früh genug, geht das problemlos. Aus einer Saugflasche sollte nur Milch kommen, also als Mahlzeit angeboten werden, siehe oben.
# Für unterwegs gibt es Becher mit Auslaufschutz, aus denen man „ganz normal“ trinken kann.
# Bitte keine Fläschchen oder Becher mit Haltegriffen in die Hand drücken, und das Kind sich damit alleine beschäftigen lassen. Es wird nur aus Langeweile trinken, und damit sich zuerst das Durstgefühl und dann die Zähne kaputt machen.
# Dazu gehört auch: Trinken, wie Essen, ist kein Mittel zum Ruhigstellen oder Ablenken. Himmel, die Komasäufer und Brezel- oder Reiswaffelmampfkinder in der Fussgängerzone!
# Ältere Kinder trinken aus dem Glas, klar, sie dürfen fragen oder sich direkt selbst bedienen, aber auch hier: Wer Säfte und süße Sachen zuhause kauft, muss sich nicht wundern, wenn die Kinder nur noch das trinken wollen und dann noch über das Maß.
Schulkinder und Teenies können, wenn sie so in der frühen Kindheit ge“prime“t wurden, problemlos mit Durstgefühl umgehen. Bei uns jedenfalls hat es gut funktioniert.

Viele Beschwerden bei größeren Kindern und Jugendlichen lassen sich auf mangelnde Flüssigkeitsaufnahme zurückführen, Schwindel, Kopfschmerzen, Kreislaufprobleme, sogar Infektanfälligkeiten, keine Frage. Ein natürlicherer Umgang ohne Panik im frühen Kindesalter könnte diese Probleme bei Älteren eindämmen. Die Kids spüren selbst, was ihnen gut tut, ohne dass der erhobene Zeigefinger sie zum Trinken ermahnt.

(c) Bild bei pixabay/adhadimohd (CC0 Lizenz)

Frühling lässt sein blaues Band

Der Frühling ist da, und ich möchte mich hinsetzen und hier einen Dank an mein Personal schreiben, dass es mir und den Eltern so loyal und aufopfernd geholfen hat, den Rücken frei gehalten und einfach nur malocht hat, damit diese Infektsaison bewältigt werden konnte.
Wir haben so viele Patienten im letzten Quartal betreut, wie noch nie, seitdem ich in der Niederlassung arbeite, es waren ungefähr ein Drittel mehr Patienten als im Vergleichsquartal 2017. Die Urlaube der Kollegen im Landkreis lagen zudem sehr „geschickt“, bedeutet, es gab Wochen, in denen alle weg waren, nur noch unsere Praxis Vertretung anbieten konnte, außerdem gönnten wir uns nur wenig Urlaub (aus diesen und jenen internen Gründen), so dass nur wenig „Frei“ heraussprang.

Der Krankenstand bei den fMFA und den Ärzten war überschaubar, glücklicherweise erwischte es alle der Reihe nach und nicht auf einmal, das wäre die Katastrophe geworden, für unsere Planung, für die Kinder. Kranksein der Ärzte bedeutet Verschieben der geplanten Termine wie Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen und einen Terminstau, wenn alle wieder einsatzfähig sind. Wir sind zwar in der luxuriösen Situation, noch Patienten aufnehmen zu können, aber niemals überschaust Du, dass höhere Patientenzahlen auch erhöhte Terminwartezeiten mit sich bringen.

Das System ist Wellen unterworfen: Im Winter gibt es ein Übermaß an Akutpatienten zu versorgen, also können wir hier weniger geplante Termine anbieten. Die in dieser Zeit auf spätere Termine vertröstet werden, warten entsprechend lange. Jetzt und im Sommer gibt es mehr Zeit für die Vorsorgen, aber wer jetzt anruft, trifft auf die Termine der Wartenden aus dem Winter und muss selbst wieder warten. Es bleibt abzusehen, dass wir alle Anfragen in der akutentspannteren Jahreszeit versorgt bekommen, ehe im Herbst wieder das Infektchaos ausbricht.

Dafür beschäftigen wir uns jetzt wieder vermehrt mit den Anfragen aus Schulen und Kindergärten. Das Frühjahr ist die typische Zeit für Entwicklungsgespräche und entdeckte Probleme bei den Grundschülern. Warum? Weil der Sommer den Wechsel bringt: Rein in die Schule, Wechsel in die weiterführende Schule, Entscheidungen, ob Regelschule oder Förderprogramme. Da wird gerne die Zeit bis zu den Sommerferien genutzt, um „schnell noch“ eine medizinische Förderung wie Logopädie oder Ergotherapie auf den Weg zu bringen, weil die individuelle pädagogische Förderung nicht genug Erfolg verzeichnet. Also ist das Frühjahr auch die Zeit der Testungen, der Telefonate mit Erzieher- und LehrerInnen.

Dennoch: Der Frühling ist da. Die Heizungen bleiben aus, die Sonne scheint durch die Fenster in die Untersuchungsräume (auch wenn wir nun wieder für Amblyopiemessungen und Brücknertests verschatten müssen). Die Kinder sind keine Wochen mehr krank, sondern nur noch Tage. Und endlich zieht wieder das Argument: Geht in die Sonne, das hält gesund und hebt die Stimmung.

(C) Bild bei kinderdok (CC BY 3.0)

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