otitis eurythmisch

mutter: „ja, ich wollte nochmal ins ohr schauen lassen, letzte woche wars wohl rot bei meiner ärztin.“
ich: „doch, ja, ganz schön entzündet. hat sie denn auch schmerzen?“
mutter: „ohja. die ganze woche. aber wir sind jetzt hier beim opa zu besuch, und da wollt ich nochmal schauen lassen.“
ich: „was hat sie denn von der kollegin bekommen?“
mutter: „ach naja, eigentlich vor allem ein schmerzmittel und globuli, weil meine ärztin ist nämlich …“ – kurze kunstpause – „…anthroposophisch.“
ich: „ja. ok. ich möchte ihnen dann aber doch empfehlen, ein antibiotikum zu geben, wenn das schon eine woche so geht. zwei tage abwarten, in ordnung, aber jetzt … “
mutter: „ja, das habe ich mir schon gedacht. dürfen wir denn jetzt wieder raus?“
ich: „wie? raus?“
mutter: „meine ärztin hat gesagt, mit so einer ohrenentzündung darf man auf keinen fall an die frische luft gehen.“
ich: „achja? also, ich bin zwar nicht …“ – kurze kunstpause – „…anthroposophisch, aber nach meinem verständnis hätte rudolf steiner das anders empfohlen.“
mutter: „wer?“
ich: „na, egal. natürlich dürfen sie rausgehen. den ganzen tag, von morgens bis abends. davon wirds nicht schlechter, aber ihrer tochter wirds bestimmt besser gehen.“

erstaunlicherweise hatte sie tatsächlich keine probleme mit dem antibiotikum. da hätte herr steiner vielleicht doch etwas einzuwenden gehabt. aber naja, was weiß ich schon. *ihre* ärztin ist da wohl etwas weiter gebildet.