Antibiotikagabe mit Sachverstand und McIsaac

Mutter: „Die Kleine hat so Halsweh.“ Ich: „Fieber auch?“ Mutter: „Nein, sonst gehts ihr gut. Die springt auch rum.“ Ich: „Ich sehe einen roten Rachen. Und Husten hat sie auch.“ Mutter: „Ja, so war das bei meinem Mann und mir auch.“ Ich: „Ok, sie hat auch keine Lymphknotenvergrößerung.“ Mutter: „Das hat sie bestimmt von uns.“ Ich: „Ja, solche Viren gehen schnell rum in der Familie.“ Mutter: „Mein Mann und ich bekommen jetzt schon mal ein Antibiotikum. Supermycin.“ Keine seltene Konversation in der Praxis. Unser aller Gesundheitsminister möchte die Antibiotika-Gaben in Deutschland einschränken, und macht sich so seine Gedanken. Die G7-Präsidentschaft … Antibiotikagabe mit Sachverstand und McIsaac weiterlesen

Weniger Antibiotika

(hier ist mal der Plural korrekt) Die Kassenärztliche Bundesvereinigung KBV veröffentlicht ein Statement, wonach im Beobachtungszeitraum 2008 bis 2014 bei Kindern und Jugendlichen signifikant weniger Antibiotika verordnet wurden. Das ist schon mal schön. Die KBV bezieht sich dabei auf eine Studie des „Versorgungsatlas“, die man hier nachlesen kann. Spannend wird es bei der Begründung des Rückgangs. Schreibt die KBV: „…, dass Pädiater beim Einsatz von Antibiotika inzwischen sehr sensibilisiert seien – nicht zuletzt, weil die Eltern der Kinder immer häufiger kritisch nachfragen.“ Im Paper des Versorgungsatlas klingt das etwas anders: „Eine Ursache für den rückläufigen Trend bei Kindern könnte u. … Weniger Antibiotika weiterlesen

Warum denn bloß?

„Ihr Kollege am Wochenende hat das Antibiotika verordnet.“ „Ah, ok. Und warum?“ „Nuja, die Kleine hat ja die Erkältung?“ „Und was hat er damit behandelt?“ „Ähh, die Grippe?“ „Mmh. Und warum ein Antibiotikum?“ „… Schnupfen?“ „Da hilft kein Antibiotikum.“ „… Husten?“ „auch nicht…“ „Jetzt weiß ich!“ „Ja?“ „Sie hätte einen Virusinfekt, hat er gesagt.“ „Ah, ok, das denke ich auch. Und warum dann ein Antibiotikum?“ „Es könnte ja auch bakteriell sein, hat er gesagt.“ „Alles klar.“ Okay, ich habe das Gespräch etwas dramatisiert, aber so lief es in meinem Kopf ab. Himmel, ich hasse die Grippezeit. Dass es immer noch … Warum denn bloß? weiterlesen

amtlich: weniger antibiotika vom kinderarzt

wir kinderärzte habens schon immer gewusst, aber nun macht es eine neue studie publik: wir verordnen weniger antibiotika als die anderen jungs. das macht natürlich selbstzufrieden, aber wir werden uns weiterhin anstrengen, diesem guten ruf gerecht zu werden. also weiter kräftig die neuesten journals lesen, das rote ohr lieber noch mal einbestellen und stets dran denken, dass nicht jeder rote hals gleich scharlach bedeutet. häufiges ist häufig und seltenes ist selten. aber das wissen die anderen doch auch 😉 die bertelsmannstudie beruht auf erhebungen der neuen großkasse barmer-gek. und man kann auch anders darüber berichten: denn immer noch bekommen in … amtlich: weniger antibiotika vom kinderarzt weiterlesen

otitis eurythmisch

mutter: „ja, ich wollte nochmal ins ohr schauen lassen, letzte woche wars wohl rot bei meiner ärztin.“ ich: „doch, ja, ganz schön entzündet. hat sie denn auch schmerzen?“ mutter: „ohja. die ganze woche. aber wir sind jetzt hier beim opa zu besuch, und da wollt ich nochmal schauen lassen.“ ich: „was hat sie denn von der kollegin bekommen?“ mutter: „ach naja, eigentlich vor allem ein schmerzmittel und globuli, weil meine ärztin ist nämlich …“ – kurze kunstpause – „…anthroposophisch.“ ich: „ja. ok. ich möchte ihnen dann aber doch empfehlen, ein antibiotikum zu geben, wenn das schon eine woche so geht. … otitis eurythmisch weiterlesen