Immer rauslassen, den Frust

Liebe Frau Heb, es ist völlig in Ordnung, dass Sie Ihren Frust bei meinen Arzthelferinnen und mir abladen: Das mit der Verordnungsfähigkeit von Arzneimitteln ist tatsächlich ein starkes Stück und für den Laien kaum durchschaubar. Dennoch bin der falsche Adressat. Dass Ihre Hausärztin für Sie ein Läusemittel rezeptiert hat und dann ihre Söhne zu mir schickt, damit ich die weiteren Mittel zur Parasitenbekämpfung rausschreibe, ist völlig ok. Schließlich könnte es da Unterschiede geben. Leider hat sie Ihr Rezept „auf Rosa“ verordnet, was sie leider nicht darf, da hat der Apotheker schon Recht, denn rezeptfreie Medikamente müssen privat verordnet oder gleich … Immer rauslassen, den Frust weiterlesen

Beulchen

Es rummst im Wartezimmer. „Wieder einer“, bemerkt die fMFA trocken, „das ist das schöne Wetter.“ Nach einer kurzen Abcheck-Sekunde, vermutlich, ob Mama hinschaut, startet die Sirene auch schon, Marke „ich kann lauter als alle anderen“. Wir warten. Die Sirene klingt auf und ab, wie das Sirenen eben so tun, die Stimme der Mutter nimmt eher linear an Lautstärke zu. Schließlich erreicht die Sirene einen neuen Spitzenwert – untrügliches Zeichen, dass sich die Betreuungsperson vom Ort des Geschehens wegbewegt. Die fMFA öffnet den Kühlschrank und legt sich das Coolpack zurecht. Die Mutter kommt um die Ecke. „Da kommt niemand mal, oder?“, … Beulchen weiterlesen

Man kann´s ja mal versuchen

Ich: „Tut mir leid, ich kann Ihnen keine Arbeitgeberbescheinigung schreiben. Sie haben leider keine Versichertenkarte dabei. Auch das Rezept gibt es erstmal nur privat.“ Mutter: „Ausnahme mal?“ Ich: „Nee, geht wirklich nicht. Auch letztes Mal schon nicht, Sie erinnern sich? Ich kann Ihnen das ohne Karte nicht rausschreiben.“ Mutter: „Ok…“ Sekunden später an der Anmeldung: Mutter zur fMFA: „Ich brauch´ dann noch eine Krankmeldung für die Arbeit.“ Ich beim Vorbeigehen: „Äh, hallo? So geht es leider nicht. Ich hatte Ihnen doch grad gesagt, ich kann Ihnen das nicht rausschreiben.“ Mutter: „Achso? Aber ich dachte, die Arzthelferin kann das…“ Man kann´s ja mal versuchen weiterlesen

Kurzes Bonmot in Vertretung

fMFA: „Wer ist denn der Kinderarzt sonst?“ Mutter mit Kind in Vertretung: „Der Herr Minnesang in Liedern.“ fMFA: „Aha. Das ist ja ein bisschen weiter weg, ist das ein Kinderarzt?“ Mutter: „Jaja, der untersucht auch Kinder. Hat auch selbst welche.“ fMFA: „Ich finde den jetzt gar nicht in meiner Liste, also richtiger Kinderarzt mit Ausbildung?“ Mutter: „Nee, ich glaub´ nicht, der ist nur Normalarzt.“ Kurzes Bonmot in Vertretung weiterlesen

Da kriegt man was geboten

Mutter: „Ich… ich… wechsle sofort den Kinderarzt, wenn ich nicht jetzt sofort dran komme, das Medikament xy nicht kriege, nicht vom Kinderdok untersucht werde, sondern wieder nur von der Frau Vertretung, nicht das kriege, was ich will!“ Tülay (fMFA): „Also wenn Sie unzufrieden sind…“, dürfen Sie gerne gehen, Reisende soll man nicht aufhalten, „kann ich das gerne nochmal mit Herrn Kinderdok besprechen“, der wird aber auch nichts anderes sagen, im Gegenteil, auf Drohungen reagiert er eher trotzig. Mutter (richtig laut): „Jetzt kommen Sie mir bloß nicht mit Ihrer geschulten KommunikationsSCHEISSE!“ (Keine Auswahlen diesmal, so wortwörtlich gesprochen.) Sagt’s und verlässt die … Da kriegt man was geboten weiterlesen

Wenn ich dran bin, bin ich dran.

Die Mutter drängt sich nach vorne an der Anmeldung, während Moni sich mit einer anderen Patientenmutter unterhält und diese gerade bittet, ihr ins Untersuchungszimmer zu folgen. Mutter: „Moooment… jetzt komme erstmal ich dran.“ Sie stellt sich vor Mutter No.2 und Moni, das greinende Kleinkind im Schlepptau. Moni: „Oh, Frau Reisig, hallo.“ Mutter: „Jaja, hallo, aber ich bin jetzt erstmal dran.“ Moni: „Haben Sie denn einen Termin?“ Mutter: „Ja, sicher, ich habe doch heute morgen angerufen, halb drei sollte ich kommen, jetzt isses schon halb vier, ich bin noch immer nicht dran, und jetzt habe ich grade mitbekommen, wie sie hier … Wenn ich dran bin, bin ich dran. weiterlesen

War wohl nichts

Bei uns in der Praxis dürfen regelmäßig PraktikantInnen aus den Schulen reinschnuppern, müssen die ja im Rahmen ihrer Schulbildung. Meine Kollegin hält davon gar nichts – lernt man nix, sieht man nix, darf man nix – , ich denke, das ist ein gutes Vehikel, mal in verschiedene Arbeitswelten reinzuschauen. Gab´s bei uns früher ™ ja nicht. Ich: „Und, jetzt sind Sie ja schon ein paar Tage bei uns, gefällt Ihnen der Job? Können Sie sich Arzthelferin als Beruf vorstellen?“ Praktikantin (gedehnt): „Ja…“ Ich: „Oder nicht so?“ Praktikantin: „Also im Medizinischen finde ich mich so gar nicht wieder…“ Ich: „Aha. War … War wohl nichts weiterlesen

Terminquickie

Termin zur U6, 11 Uhr. Mutter am Telefon: „…ja, wollte ich anrufen wegen meinem Termin jetzt.“ fMFA: „Ja, genau, jetzt um 11 Uhr.“ Mutter: „Richtig, wollte nur sagen, wir kommen eine Stunde später, is´ ok?“ fMFA: „Das ist nett, dass Sie anrufen, aber da geht es leider nicht.“ Mutter: „Wieso? Da kann aber erst mein Mann, hat Schicht bis zehn vor.“ fMFA: „Schon, nur Ihr Termin ist ja jetzt.“ Mutter: „Geht jetzt nicht.“ fMFA: „Um 12 Uhr ist der Doktor in der Mittagspause.“ Mutter: „Kann man verschieben?“ fMFA: „Den Termin? Ja, sicher, müssen wir wohl …“ Mutter: „Nein, die Mittagspause?“ … Terminquickie weiterlesen

Küken 4.0

Seit letztem Herbst haben wir eine neue Auszubildende, stets ein Quell der Freude und des Einblicks in die Jugend-von-heute ™. Letztens habe ich mit ihr Blutdruckmessen geübt. Küken: „Hat mir Moni schon gezeigt.“ Ich: „Na, dann, machen Sie mal.“ Sie läuft los und holt das vollautomatische Hightech-Quadrupel-Messgerät. Ich: „Ne, Ne, das kommt später. Messen Sie mal mit der Hand.“ Küken (nebst Fragezeichen): „Am Arm?“ Ich: „Ja. Klar. Aber aus der Hand. Also mit dem Handgerät.“ Küken: „Aber schon am Arm?“ Ich: „Ja. Die Manschetten liegen auch da im Schrank.“ Küken: „Kenn ich, Kann ich, hat mir mein Bruder schon mal … Küken 4.0 weiterlesen

Haben wir nicht mehr

Beim Bestellen von Verbrauchsmaterialien (Impfstoffe, Sprechstundenbedarf, Schreibzeugs, Putzmittel, Handtücher usw.) ergeben sich zwangsläufig einige Regeln: 1. Das Material X wird immer dann am dringendsten gebraucht, wenn es verbraucht ist. 2. Das Material X ist genau dann beim Versender nicht lieferbar. 3. Das Material Y mit dem kürzesten Verfallsdatum (MHD) kostet am meisten (–> Adrenalininjektor). 4. Wird eine Sammelbestellung erarbeitet und versandt, gibt es stets das Phänomen des „Ich hab da noch was – oh, Du hast das Fax schon abgeschickt“. 5. Das Objekt des Phänomens aus No. 4 ist das dringendst benötigte. 6. Der/Die Bestellbeauftragte für die verbrauchten Materialien XYZ … Haben wir nicht mehr weiterlesen