Besuche, wie sie nie stattfinden dürfen*

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Mutter: „Ja, ich wollte mal diesen Ausschlag anschauen lassen.“
Ich: „Oh Gott…“
Mutter: „Wie jetzt?“
Ich: „Das sind Masern!“
Mutter: „Wirklich? Aber sie hat gar kein Fieber.“
Ich: „Ach nein? Dann sind es Windpocken!“
Mutter: „Aber sie hat gar keinen Juckreiz.“
Ich: „Achso… Dann vielleicht Scharlach?“
Mutter: „Aber sie hat gar keine Halsweh.“
Ich: „Ich habe mich geirrt! Es ist Neurodermitis! So!“
Mutter: „Oh nein! Das hatte ich befürchtet. Oh Gottogott.“

Kurze Kunstpause, um das Gesagte sich setzen zu lassen.
Ich: „Ich habe doch nur Spaß gemacht. Das sind…“
Mutter: „…ja?“
Ich: „Ganz normale…“
Mutter: „…ja?“
Ich: „Hitzepickel.“

*Achtung: Satire. Ganz so unprofessionell verhalten wir uns nicht. Aber bei manchen harmlosen Haut“dingen“ sind es genau diese Differentialdiagnosen, die ergooglet werden oder von der besten Nachbarin vom drüben ins Spiel gebracht werden.

In diesem Zusammenhang

(c) Bild bei pxhere (CC0 Lizenz)

Kein Tattoo vor Volljährigkeit

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte fordert:

„Junge Menschen sollten sich nicht vor ihrer Volljährigkeit tätowieren lassen

Wenn Minderjährige ein Tattoo wollen, brauchen sie für einen Vertrag mit dem Tattoo-Studio die Einwilligung der Eltern. Vor dem Gesetz gilt das Tätowieren von unter 18-Jährigen als eine Körperverletzung, die aber nicht bestraft wird, wenn die Eltern einwilligen, umfassend über die Risiken aufgeklärt wurden und der Jugendliche einsichts- und urteilsfähig ist.Mom Anchor

„Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) und die European Society of Tattoo and Pigment Research (ESTP) vertreten die Auffassung, dass sich junge Menschen nicht vor ihrer Volljährigkeit tätowieren lassen sollten. Denn es sind viele gesundheitliche, soziale und ästhetische Risiken zu bedenken“, warnt Dr. Ulrich Fegeler, Kinder- und Jugendarzt sowie Mitglied des wissenschaftlichen Beirats beim BVKJ. Wer in Deutschland ein Tattoo-Studio eröffnen will, braucht bisher noch keinen speziellen Befähigungsnachweis vorlegen. Tattoo-Farben müssen zudem nicht amtlich zugelassen werden. „Bei Hautkrankheiten wie Neurodermitis oder Schuppenflechte, bei Diabetes, bei Abwehrschwäche, bei Herzfehlern und bei Blutungsneigung (z.B. durch gerinnungshemmende Medikamente) raten wir generell von einer Tätowierung ab, da das Risiko für Komplikationen zu groß ist“, so Dr. Fegeler.

Interessieren sich Heranwachsende für Tattoos, sollten sie sich umfassend über die Risiken informieren, z.B. auf der Seite „Safer Tattoo“ (www.safer-tattoo.de/risiken.html) des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Bei Bedarf können sie sich auch von ihrem Jugendarzt aufklären lassen. Zwar ist in Deutschland das Risiko für die Übertragung von schweren Erkrankungen, wie infektiösen Lebererkrankungen (Hepatitis B und C) und HIV, selten, aber auch andere häufigere Virusinfektionen können über unsaubere Instrumente und Farben erworben werden. So können sich Warzen und Herpes nach einer Tätowierung ausbreiten. Bakterielle Infektionen können Abszesse entstehen lassen und im schlimmsten Fall auch zu einer Blutvergiftung führen.

In einer Übersichtsstudie an 3.411 tätowierten Personen klagten 6% über dauerhafte Beschwerden. Neben Narbenbildungen wurden auftretende Schwellungen, Papeln und anhaltender Juckreiz angegeben. Allergien gegen Farbbestandteile bzw. Konservierungsmittel können ebenso zum Problem werden. Die Behandlung solcher Unverträglichkeitsreaktionen, wie Ausschläge mit starkem Jucken, hat sich als schwierig erwiesen. Oft ist dann die Entfernung des gesamten Tattoos erforderlich.

Geschmack verändert sich im Laufe des Lebens

Befinden sich Teenager noch im Wachstum, so ändert das Tattoo später auch sein Aussehen, wenn es in die Länge und die Breite gedehnt wird. Dies gilt in jedem Fall, wenn die Faltenbildung einsetzt. Laut einer amerikanischen Umfrage bedauert jeder vierte Tätowierte zwischen 18 und 35 Jahren, dass er Tinte unter der Haut trägt. Als häufigste Gründe dafür wurde angegeben,

  • dass sie/er zu jung war, als sie/er ihr/sein Tattoo bekam,
  • dass sie/er sich verändert hat und das Tattoo nicht mehr zum gegenwärtigem Lebensstil passt,
  • dass das Tattoo im Zusammenhang mit einer Person steht, mit der man nicht mehr zusammen ist und/ oder
  • dass das Tattoo nicht professionell aussieht.

In Deutschland sind schätzungsweise acht bis zehn Millionen Menschen tätowiert.

Quellen: European Society of Tattoo and Pigment Research, The Harris Poll, Hautarzt

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Dies ist eine Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V.

(c) Bild bei Mez Love/Flickr (Lizenz Creative Commons)

Ich wusste gar nicht, dass das ein so relevantes Problem ist unter Jugendlichen, wenngleich mir die Trend- und Modelinie gegenwärtig ist. Ein anderes Thema ist das Piercing. Insbesondere Nabelpiercings sind sehr verbreitet unter den jungen Mädchen, das Ohrenpiercen ist normal und gesellschaftlich anerkannt. Zahnschmerzen bekomme ich nur bei den Säuglingen, die bereits schier im Wochenbett gestochen werden.

Ist das normal? Heute was zur Haut…

Pickelchen sind Teil der täglichen Praxisroutine. Hippelchen hier, Hippelchen da, Ausschlag dort. Haut verunsichert, Haut ist die Unverletzlichkeit des Körpers, Rötungen sind Signale für Krankheit. Das lässt die Eltern vorstellig werden: „Ist das normal, Herr Doktor?“

Meist schon.
Kinder haben nun einmal eine empfindlichere Haut als Erwachsene. Unsere ist wettergegerbt, über Jahre geschmiert und geschmirgelt. Außer den Pubertätspickel stören uns wenig Hautirritationen, so wir keine Neurodermitiker sind oder melanomfixiert.

Bereits der Säugling hat eine Rötung da und dort, die Backen sind immer feurig und die Wangen im Winter sowieso. Und trotzdem sind das alles Vorstellungsgründe. Sogar extra Termine wird für den einzelnen roten Fleck auf der Nase gemacht. Es könnte sich schließlich um das erste Anzeichen von Neurodermitis halten.
Ist es aber meist nicht. Die Haut reagiert nun einmal gerne. Auf Kälte, auf Wärme, auf die Bartstoppeln vom Vater oder den schicken Strickschal der Omma. Beim Beifüttern färbt sich das Gesicht orange und dank der Mandarinen auch mal rot (gerne auch das Gesäß).

Erste Anzeichen für die viel gefürchtete Neurodermitis ist hingegen die trockene Haut, und die wird oft als normal abgetan. Und leider abgewartet. Dabei ist gerade hier die Pflege das Entscheidende: Säuglingshaut darf geölt werden, das Badewasser sollte milde Zusätze beinhalten. Zeigt die Haut Zeichen von Trockenheit, gerade im Winter, fangt an zu cremen! Wartet nicht auf den Hinweis des Arztes, das zu tun.
Noch immer geistert das unsägliche Gerücht, man solle Babys Haut nicht cremen, „damit sie sich nicht daran gewöhnt“. Also wartet man und wartet, aber dann ist der Vorstellungsgrund eben nicht die trockene Haut, sondern die rissige, suppende, verkratzte, rote Haut.

Welche Salbe nimmt man? Egal eigentlich. Inhaltsstoffe sind zweitrangig, wichtiger ist die Frequenz des Salbens, täglich mindestens, wenn es die Haut braucht. Man suche sich eine so genannte Basissalbe, ohne extravagante Inhalte, auch die aus den Drogerien, und gebe ihr mindestens drei Wochen Zeit zu wirken. Gecremt oder gesalbt wird übrigens immer das gesamte Integument (geiles Wort, hier könnt Ihr noch was lernen!), denn die Haut ist *ein komplettes* Organ und besteht nicht aus der „Haut im Gesicht“ oder der „Haut in den Ellenbeugen“.

Merke:
– Hautrötungen sind in jedem Alter etwas Normales.
– Trockene Haut wird gepflegt. Oft.
– Rötungen, die ohne Zutun binnen 48 Stunden verschwinden, sind sicher harmlos.
– Rötungen in Verbindung mit Fieber oder Erkältungen kommen sehr häufig vor und sind in den allermeisten Fällen viral bedingt. Ob sie Teil einer klassischen Kinderkrankheit sind, oder nicht, sieht der Kinderarzt. Auch hier gilt: Behandeln ist nicht. Das Exanthem wird mit der Infektion verschwinden.
– Ausnahme bei den Kinderkrankheiten: Scharlach. Sollte antibiotisch behandelt werden.
– Sieht die Haut „verletzt“ aus (wie geschürft, gekratzt), ist die oberste Hautbarriere nicht mehr intakt, es braucht Pflege, auch Therapie. Welche, muß individuell entschieden werden. Gerne vorstellen, oder: Erst salben, ausreichend viel und regelmäßig, dann kommen. Siehe oben.

siehe auch: ➡️Leberflecke, die. ➡️Milchschorf, der. ➡️Warzen, die. ➡️immer noch Warzen, die. ➡️Nesselsucht, die.