Kurzer Haut-Hinweis für zwischendurch

Liebe Eltern, wenn Ihr an Euren Kindern in den letzten Tag irgendeinen seltsamen Ausschlag seht, es dem Kind sehr gut geht und dieser

  • von alleine verschwindet
  • ohne Fieber abläuft
  • nur an manchen Körperstellen zu finden ist
  • bevorzugt am Bauch oder Rücken ist
  • nach kleinen Pickeln aussieht
  • und Ihr heute, gestern oder die letzten Tag in der Sonne, der Wärme, im Wald, auf Gras oder im Schwimmbad wart

dann sind es harmlose Hitzepickel.

Ihr dürft:

  • die Haut abspülen, abduschen, kühlen
  • Salben- und Sonnencremereste entfernen
  • lockere Kleidung anziehen
  • einfache Babylotion oder -milch auftragen
  • und einfach abwarten.

Wenn Punkt Eins von Liste Eins eintritt: Keine Neurodermitis, keine Masern, keine Krätze, keine Windpocken, keine Röteln, keine Hand-Fuß-Mund, keine nichts. Geht lieber ins Freibad, als bei uns im „luftigen“ Wartezimmer zu sitzen.

Hot topic! Neulich in der Notfallambulanz

Sonne

 

Ganz blass und kaltschweissig sitzt Ayaz auf der Untersuchungsliege im Notfallzimmer. Gerade ist es etwas ruhiger, die obligatorischen fünf Zecken habe ich schon entfernt, ein paar Kinder mussten angesehen werden, weil der Kinderarzt nicht mehr zuhause war (und der – natürlich – keine Vertretung habe) und auch die üblichen „Bauchweh seit zwei Wochen“ habe ich heute bereits gesehen.

Ayaz geht es wirklich nicht gut. Seine Mutter sitzt neben ihm und drückt ihm ein nasses Geschirrhandtuch auf die Stirn. Sie ist viel kleiner als er, der Pubertätswachstumsschub hat ihn schon in die Höhe gezogen. Eigentlich ist er Fussballer, Handballer, Basketballer, man sieht es ihm an, heute abend ist er nur ein armer Kerl mit Sonnenstich.

Ich: „Wie lange warst Du denn im Schwimmbad?“
Ayaz: „So vier oder fünf Stunden?“
Ich: „Aber nicht die ganze Zeit im Wasser, oder?“
Ayaz: „Nee, wir haben auch Pizza gegessen dazwischen. Gekickt. Tischtennis. Sowas.“
Ich: „Und nun?“
Ayaz: „Mir war schlecht. Ich bin nachhause. Hab dann gekotzt. Zweimal.“
Ayaz´ „Anne“: „War ganz übel, ganz blass. Viel Spucken.“ Sie schiebt ihm das Handtuch in den Nacken. Er schiebt sie weg.
Ich: „Genug getrunken hast Du schon?“
Ayaz: „Safe. Ja, klar.“
Ich: „Mütze? Irgendwas auf dem Kopf?“
Ayaz schnalzt. Zu uncool.
Ich: „Du musst Dich immer wieder abkühlen, weißt Du, oder? Schatten gehen. Viel trinken.“
Ayaz: „Weiß ich. Meine Posse wars.“
Ich: „Wie jetzt, wieso?“
Ayaz: „Ahja, Alda, die Honks haben mich krass da liegen gelassen. In der knallen Sonne. Kacke, Alda. Bin eingeschlafen. Voll jenseits.“
Er schüttelt den Kopf über soviel Vertrauensverlust.
Ich: „Na dann, ein oder zwei Tage Pause vom Schwimmbad. Bleibst ein bissel drin. Schön abkühlen, ausreichend trinken, lieber was Warmes…“
Ayaz: „Kein Freibad?“
Ich: „Ja.“ Ich nicke bestätigend.
Ayaz: „Alda…!“
Jetzt schüttelt er den Kopf über soviel Kontaktsperre, soviel fehlende Integration in seine Posse für zwei Tage.
Ich: „Am besten auch kein Handy. Kein Whatsapp. Den Kopf schonen.“
Ayaz: „ALDA…!“

Seine Anne nimmt ihn in den Arm und tupft ihm nochmal mit dem Geschirrhandtuch über die Stirn. Sie nickt wissend.

(c) Foto bei Flickr/Afra Shmidt (Unter CC-Lizenz CC-BY ND 2.0)