5 plus 5 beste Mittel bei Erkältungen


1) Frische Luft
Die Zeiten, in denen kranke Kinder das Bett hüten mussten, sind vorbei. Egal, ob Fieber oder Husten, Rotz oder Durchfall – Kinder gehören an die frische Luft. Dies gilt auch nachts: Gut durchlüften, Heizung aus, vielleicht sogar bei offenem Fenster schlafen.

2) Nasentropfen
Die meisten Erkältungen sind nasenzentriert – sie beginnen über die Nase, dies ist die Haupteintrittspforte von viralen Erregern. Mit verstopfter Nase schläft es sich schlecht, der Mund geht auf, man hustet. Also: Nasentropfen 1-2x pro Tag, vor allem abends, damit das Kind gut schlafen kann. Aber nicht länger als eine Woche, sonst gewöhnen sich die Schleimhäute zu sehr daran.

3) Tee mit Honig
Warmer Tee mit Honig, auch Milch mit Honig toppt alle frei verkäuflichen Hustensäfte (Bitte nicht im 1. Lebensjahr). Darüber gab es sogar schon Studien. Man spare sich also das Geld für die werbegepushten „Schleimbagger“, egal ob mit Am.brox.ol, Efeu oder Primelwurz – Omas Hausmittel sind das beste.

4) Fiebermittel
Ein Streitpunkt, zugegeben. Fieber gehört zu Infekten dazu, man muss es nicht zwanghaft senken. Wer aber nicht schlafen kann oder (Ohren-, Hals- oder Kopf-)Schmerzen hat, darf Paracetamol oder Ibuprofen bekommen.

5) Hühnersuppe
Auch da gab es eine schöne Studie aus den USA – eine gute selbst gemachte Hühnersuppe nährt das Gemüt, die Kräfte und die Stimmung, und wirkt wohl entzündungshemmend.

Und:

6) Wunschkost
Wer krank ist und nicht gerade den Brechdurchfall hat, darf essen, was er/sie will. Kartoffelpuffer, Gummibärchen, Schokoküsse – egal. Da darf man es sich gut gehen lassen. Wer dann spuckt, hat Pech gehabt. Zurück auf Los.

7) Geschenke
Kinder freuen sich immer über Geschenke, besonders wenn sie krank sind. Also lieber sonst nicht zuviel und ständig Geschenke verteilen, aber: Wer mit Rotze nicht in den Kindergarten oder die Schule darf, sollte wenigstens mit Lego oder Playmobil bauen dürfen oder das neueste „Lustige Taschenbuch“ lesen. Wer liest heute noch das „Lustige Taschenbuch“? Egal. Die Überraschung zählt.

8) Ruhe
Wer krank ist, geht nicht in den Kindergarten oder die Schule. Nichts, was man da verpassen könnte, wäre es wert. (Dass die Eltern trotzdem arbeiten müssen, steht auf einem anderen Blatt.) Ruhe bedeutet auch Ruhe von lautem Geflimmer auf iPad oder Fernseher, stattdessen eine Vorlesegeschichte oder ein Hörbuch.

9) Wärme
Zum Beispiel mit No. 3) oder No. 4), aber natürlich vor allem durch Mama oder Papa im Elternbett in der Nacht. Was gibt´s Schöneres, als im dicken Kissen von Mama am Abend einzuschlafen, umgeben von deren Duft? Das bekommt sogar noch unser Teenager, wenn er krank ist.

10) Nähe
siehe 9), aber auch dank des Umtüttelns durch die Eltern oder die grossen Geschwister, vielleicht durch Omma und Oppa, vielleicht durch die Kuscheltierburg. Nähe ist Wärme ist Ruhe ist Wunschkost. Das ist, was der Körper braucht.

Achja: Und Susannchen braucht keine Globuli

Hilfe, mein Kind hustet

Gibt es eine häufigere Frage, einen häufigeren Vorstellungsgrund in der Kinder- und Jugendarztpraxis als: „Mein Kind hat Husten, was soll ich tun?“

Warscheinlich nicht. Die Erkältungszeit hat begonnen, die Sommerferien liegen lange genug zurück, die Schul- und Kindergartenkinder hatten genug Zeit, ihre Schnupfenviren zu tauschen und zu konservieren. Keine Gruppe im Kindergarten, die nicht mindestens vier oder fünf Rotzekinder ihr eigen nennt, keine Kindergartentür, an der nicht „Liebe Eltern, wir haben zwei Fälle von Scharlach, drei Kinder mit Streptokokken“ (sic!) „und fünf mit Infekten“ (sic, sic!) „in der Gruppe.“

Grundsätzliches
Erkältungen gehören zum Kindesalter dazu wie das Laufenlernen oder das Zahnen. Sobald das Bobele Kontakt mit anderen Kindern bekommt, beginnt der Austausch der Viren (denn meistens sind es Viren, die die Erkältungen auslösen).
Da kann das Kind ein Jahr sein, drei oder sechs – irgendwann wird es eine Zeit geben, in dem ein Schnupfen dem nächsten die Klinke in die Hand gibt. Da über die Hälfte der Kinder inzwischen vor dem zweiten Lebensjahr in Betreuungseinrichtungen kommt, verschiebt sich das Eintrittsalter der Abwehrstärkung auch nach vorne. Das hat Vorteile – die Kinder sind früher aus dem Alter wieder raus und können die Vorschulzeit infektfrei überstehen, aber vor allem Nachteile: Je kleiner das Kind, desto beeinträchtigter reagiert der Organismus, desto sorgenvoller die Eltern, desto eingeschränkter sind die Behandlungsmöglichkeiten.

Bei ein wenig laufender Nase bleiben alle noch ruhig. Besorgt sind die Eltern und Erzieher erst beim Husten, dem bösen bösen Symptom, das Unheil bringe. „Ich komme ja nicht bei jedem Schnupfen, aber der Husten der letzten zwei Tage, das hat mir dann schon Angst gemacht.“
Was also tun?

Vorbeugung
Händewaschen ist das A und O.
Vor den Viren in der Luft, an der Türklinke, am Einkaufswagengriff kann sich niemand schützen. Es gilt bei uns als unüblich, mit Mundschutz durch die Fußgängerzone zu laufen, zuviel Desinfektion schadet der Immunsystem mehr als das es hilft und greift zudem Haut und Atemwege an.
Aber Händewaschen: Bringt den Kindern bei, sich regelmäßig die Hände zu waschen – nach dem Toilettengang sollte das klar sein, aber auch vor dem Essen und vielleicht auch nach dem „Nachhausekommen“. Da geht es weniger um den Schmutz an sich (die Streuner und Räuber haben immer schwarze Fingernägel…), sondern um Rituale an bestimmten Tagesabläufen, die mögliche Übertragungswege einzudämmen. Darmerreger lassen sich nach dem Toilettengang (oder dem Windelwechseln) mit Händewaschen gut im Griff halten, beim Essen ist der Weg der Hand ins Gesicht viel häufiger als sonst, nach dem Kindergarten kann man die Viren „abwaschen“.

Händewaschen vernichtet nicht die Erreger, aber reduziert die Viruslast auf ein Maß, mit dem ein Organismus gut zu recht kommen kann, denn vor der Infektion steht die Inkubation, die Aufnahme des Errgers, die noch keine Erkrankung bedeutet.
Vor allem aber wird durch regelmäßiges Händewaschen die Übertragung der Erreger und damit das epidemische Auftreten von Rotz, Wasser und Husten eingedämmt.
(Gilt auch für ErzieherInnen).

Die DEGAM-Leitlinie (für Erwachsene, für Kinder gibt es so etwas nicht) empfiehlt zudem das Rauchen aufzugeben (auf Kinder übertragen: Kein Rauchen der Bezugspersonen, K.E.I.N. Rauchen! Auch nicht auf dem Balkon), sich fit zu halten (Kinder: Viel Bewegung an der frischen Luft) und das Kneippen zu erwägen. Für eine Prophylaxe durch Einnahme von Vitamin C, Probiotika oder Zinkpräparaten sieht die DEGAM zu wenig positive Resultate, um dies ausdrücklich zu empfehlen.

Also doch Therapie?
Husten ist ein Schutzmechanismus des Körpers. Ihn sofort zu bekämpfen wäre, als würde man den Staubsauger abschaffen oder die Straße nicht mehr fegen. Oder den Auspuff im Auto zustöpseln.
Husten macht Sinn, er bringt die Erkältungserreger, aber auch Verunreinigungen und Schleim nach oben, so dass sie aus den Atemwegen befördert werden (ja, auch durch nachfolgendes Erbrechen oder dem Herunterschlucken des Hochgehusteten). Die Atemwege werden „befreit“.

Dieses Abhusten muß jedoch nicht zusätzlich durch „Schleimlöser“, medizinisch Mukolytika oder Expektoranzien, angetrieben werden. Wieder die DEGAM-Richtlinie: „Ein akuter Husten im Rahmen eines Infektes sollte nicht mit Expektorantien (Sekretolytika, Mukolytika) behandelt werden.“ Die Werbung suggeriert anderes: Da müssen Schleimbagger irgendwelchen Schmutz bewegen, dazu sind sie zu schwach, also muß irgendwas eingeworfen werden.

Persönliche Erfahrung in der Praxis: Kinder mit Sekretlöser husten sich die Seele aus dem Leib, weil sie noch mehr Schleim befördern müssen. Außerdem ist bei einer möglichen Bronchitis per se der Schleim in den Bronchien „gefangen“, ein noch mehr an Sekret verschlimmern die Symptomatik.

Wie ist das mit den pflanzlichen Präparaten? Einen gewissen Wirkeffekt wird den gängigen Mitteln rund um Thymian, Primel und Efeu nachgesagt, die Effekte sind aber eher gering. Zur Behandlung von Kindern schweigt sich die o.g. Leitlinie zudem aus. „Bei entsprechendem Therapiewunsch des Patienten können (…) Phytopharmaka zur moderaten Symptomlinderung bzw. -verkürzung bei Erkältungshusten bzw. akuter Bronchitis erwogen werden.“ Das bedeutet soviel wie: Kann man machen, muß man aber nicht.
Persönliche Erfahrung: Ob mit oder ohne Pro.sp.an, eine Erkältung dauert zehn Tage. Außerdem habe diese Präparate, obwohl brav „natürlich“, ebenfalls eine schleimlösende Wirkung, siehe oben.

Dann gibt es die Hustenstiller. Sie sind in letzter Zeit wieder ins Gespräch gekommen, als codeinhaltige Mittel für Kinder vom Markt genommen wurden. Vernünftige Kinder- und Jugendärzte haben den Wirkstoff schon lange nicht mehr eingesetzt – nun ist es eben offiziell, damit es auch der letzte Allgemeinkollege versteht.
Andere Hustenstiller mit z.B. Noscapin oder Pentoxyverin gibt es weiterhin, auch sie haben ihr Nebenwirkungsprofil, können aber – für kurze Zeit eingesetzt – ein paar ruhige Nächte bereiten. Voraussetzung: Das Kind hat keine dicke Bronchitis oder Lungenentzündung, denn dann braucht es wiederum das Abhusten, siehe oben.

Bleiben die Hausmittel
Hausmittel sind Erfahrungsmedizin. Jeder tut das, was ihm gut tut. Wir tun unseren Kindern das an, was wir denken, das ihnen gut tut. Das wurde auch bei der Twitter- und Blogumfrage klar. Alles super!
Oberste Prämisse: Weniger ist mehr.

Also:
– Ausruhen. Ausruhen. Ausruhen.
– Ausreichend Flüssigkeit (nicht mehr! Flüssigkeit. Das ist nur bei Fieber nötig).
– Der viel gelobte Heiße Tee mit Honig oder Milch mit Honig wird als angenehm empfunden, es gab Studien, die einen Vorteil gegen klassische Hustensäfte zeigten, eine Cochrane-Analyse dämpfte diese Ansicht jüngst.
– Die Nase sollte frei sein – also moderat Nasentropfen geben (maximal fünf Tage, vielleicht nur abends – siehe DEGAM-Leitlinie). Wer gut durch die Nase atmet, muß das nicht durch den Mund tun, dann reizt das schon mal nicht im Hals.
– Ein- oder zweimal am Tag wird auch das kranke Kind hinausbefördert — frische Luft und Bewegung tun gut und lenken ab.

Und wann bleibt das Kind jetzt zuhause?
Es ist eine Illusion, im Herbst eine gesunde Kindergartengruppe zu haben, das habe ich schon erwähnt. Aus epidemiologischer Sicht macht es zwar Sinn, ein Kind mit Rotznase zuhause zu lassen, realistisch ist das aber nicht.
Fiebernde Kinder bleiben daheim, das ist klar. Hier würde ich das Kriterium auch strenger setzen, als im Fieberartikel unlängst geschrieben: Ein Kind mit erhöhter Temperatur (über 37,5 Grad) hat in einer Gemeinschafteinrichtung nichts verloren. Zudem sollte es 24 Stunden ohne Fieber und ohne Fiebersenker sein, bevor der Besuch wieder erlaubt ist.
Alles andere ist schwer zu greifen und immer eine Abwägung zwischen Befinden des Kindes, Schutz der anderen und dem Berufsalltag der Eltern.

Bleibt jedes Kind jedes Mal bei einer Erkältung zuhause, geht man außerdem davon aus, dass eine Erkältung gute zehn Tage dauert und ein Kleinkind bis zu zehn bis zwölf infektiöse Infekte im Jahr(genauer: im Herbst- und Winterhalbjahr) hat, dürfte ein Kleinkind nach der Eingewöhnungszeit für fünf Monate mehr Tage zuhause verbringen als in der Einrichtung, bzw. fünf Monate komplett daheim bleiben. Der Arbeitgeber wird sich freuen, der Eingewöhnungseffekt ist flöten, die Infekte kommen trotzdem.

Fazit:
Erkältungen sind lästig, aber unvermeidlich. Sie stärken das Immunsystem und machen die Kinder „stabiler“ für später. Viele Infekte sind in aller Regel normal nach Kindergarteneintritt und sind keine Zeichen für eine Immunschwäche.
Medikamente sind im Großteil der Fälle überflüssig, es braucht vor allem Liebe, Ruhe, frische Luft und ein oder zwei Hausmittel, denn jeder braucht auch ein bisschen Placebo, um glücklich zu sein. Und Hühnersuppe.

AWMF-Leitlinie (Husten bei Erwachsenen) – in Prüfung
DEGAM-Leitlinie (ebenfalls Erwachsene)

Hilfe, mein Kind hustet I

Kleine Umfrage beim Twittern – für alle die fehlenden 1.700 Follower, die kein Twitter ihr eigen nennen… 😉

Ich bin überrascht, wie bodenständig die Empfehlungen daher kommen. Scheint, als setze sich die Pöse Farmermafia mit ihren Heilsversprechen doch nicht durch.

Und Ihr so?
Bald: Das alljährliche „Was der kinderdok empfiehlt…“-Special in „Hilfe, mein Kind hustet II“

Kein Codein mehr für Kinder

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat entschieden: Codeinhaltige Hustensäfte dürfen unter dem 12.Lebensjahr nicht mehr verordnet werden – über die genauen Hintergründe informiert u.a. die Ärztezeitung. Insbesondere geht es um eine adäquate Nutzen-Risiko-Abwägung. Manche Menschen verstoffwechseln das Codein im Körper sehr schnell zu Morphin, was zu einer Atemdepression führen kann.

Die Fachkreise zetern: Die einen beschweren sich, dass ein potentes Mittel zum Hustenstillen wegfällt, man könne den Kinder diese Qualen „vor allem bei Bronchitis“ nicht zumuten. Die anderen jubilieren, weil wieder ein Medikament weniger auf dem Markt ist, was bei der Heilung eines Infektes keine Wirkung zeigt. Nachdem vor Jahren die frei verkäuflichen Kombinationspräparate als „fixe Kombinationen von Antitussiva oder Expektorantien oder Mukolytika“ aus der Verordnungsfähigkeit genommen wurden – Lösen und Stoppen ist eben Quatsch – muß nun der Hustenkiller schlechthin dran glauben.

Zur Erinnerung: Husten ist ein Symptom, keine Krankheit. Husten hat den Sinn, Krankheitserreger oder Fremdkörper aus den tiefen Atemwegen fernzuhalten. Das mag mal störend sein, aber immer sinnvoll. In bestimmten Fällen, wie einer Bronchitis oder einer Lungenentzündung ist die Hustenblockade heilungsverschleppend, ein grenzwertiger Kunstfehler. Es gibt da andere Medikamente (Bronchenerweiternde Medikamente beispielsweise)

Nebenbei bleiben Hustenstiller mit Noscapin (auch ein Opium-Bestandteil) oder Dextromethorphan auf dem Markt, letzteres sogar frei verkäuflich. Beide sind schwächer wirksam als das Codein, wirken aber ebenso zentral antitussiv. Zu Vermuten ist, dass die Verordungen nun mehr auf diese Mittel ausweichen.

Bei Meineromma gab´s immer Salzwasser zum Gurgeln und heißen Tee mit Honig. Hat eigentlich immer gereicht.

Süß = So tun als ob > Nichts

Das hatten wir Kinder- und Jugendärzte schon lange vermutet: Wenn’s um Husten geht, hilft nichts wirklich.

Eine neue Studie hat dies jetzt bestätigt. 120 Kinder, die bereits seit einer Woche nächtens husten, wurden in drei Gruppen aufgeteilt: Die eine bekam Agarven-Dicksaft, also Süßpampe, die andere ein Placebo (farbiges, irgendwie schmeckendes Wasser) und die dritte gar nichts. Ergebnis: In der Saft- und Placebogruppe gaben die Eltern eine signifikante Besserung der Hustensymptomatik an, während die Kontrollgruppe keine Änderung bemerkte. (1) (2)

Die Forscher folgern, dass „etwas zu tun“ immer noch besser ist, als gar nichts zu tun. Placebo kann aber auch das Rosa Rezept mit den beliebten Efeu- oder Primelsäften sein, die viele Kinderärzte mitgeben, „um wenigstens etwas mitzugeben“, – immer noch besser als die chemischen Schleimlöser wie Amb.rox.ol u.ä., die Generationen von Kindern verabreicht wurden. Letztere führen oftmals zu einem Aufrechterhalten der Hustensymptomatik durch unnötige Schleimproduktion (Dass man Schleim nicht „lösen“ muß, wie es die Werbung ständig suggeriert, dürfte inzwischen bekannt sein). Aber: Mehr Effekt als Placebo haben auch die „pflanzlichen“ Säfte nicht!

Es tut aber auch der gute warme Tee zum Abend, mit aller Placeboliebe zubereitet, die die Eltern für ihre kranken Knirpse aufbringen können, ohne vom ständigen Gehuste genervt zu sein. Mischt man dann noch Honig hinein (bitte erst ab einem Jahr), dann toppt man sogar den Placeboeffekt (3). Das zu vermitteln, ist eine wichtige Aufgabe des behandelnden Arztes, leider erwarten viele Eltern immer noch den Süßsaft mit Efeu, statt sich auf die Hausmittel einzulassen. „Was, Sie schreiben gar nichts auf?“ – „Nein, weil die üblichen Mittel nicht wirklich etwas helfen, Tee mit Honig ist das Beste.“ – „Also, wirklich kein Rezept, und wie soll mein Theo-Martin dann gesund werden?“

Übrigens: So genannte Over-the-counter-Hustenpräparate sind in den USA seit 2008 praktisch völlig vom Markt verschwunden, da das Wissen um die fehlende Wirksamkeit und etwaige Nebenwirkungen inzwischen in der Öffentlichkeit angekommen ist.
Wir schaffen das auch noch.

(1) Ian M. Paul et al, Placebo Effect in the Treatment of Acute Cough in Infants and Toddlers, JAMA Pediatr. 2014;168(12):1107-1113.
(2) Placebo Treatment May Quiet Kids‘ Cough, Parents report a spoonful of agave nectar or flavored water reduced symptoms, http://www.nlm.nih.gov/medlineplus/news/fullstory_149139.html
(3) Cohen HA et al, Effect of honey on nocturnal cough and sleep quality, Pediatrics. 2012 Sep;130(3):465-71.

Ab dem ersten Husten??

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Was fällt bei diesem Bild auf (übrigens als Anzeige in einem so genannten „Fachblatt“ für Kinderärzte)?
Das Kindchenschema wird fett bedient. Dazu ein Quatsche-Doktor-Entchen zur Unterstreichung der Harmlosigkeit des Medikamentes. Achja, „frei von Menthol und Campher“, denn da hat sich inzwischen herumgesprochen, dass das böse böse böse ist. Und dann noch „Ab dem ersten Husten.“

Aber Achtung: hier gibt es ein Sternchen (hätten Sie’s gesehen?). Und da steht „*für Kinder ab 6 Monate (nur Rückeneinreibung)“. Oh, interessant. Aber ab dem ersten Husten. Als ob nicht ein zwei oder drei monatiges nicht schon mal Husten würde.20131216-221335.jpg

Kommen wir zum Kleingedruckten. Das sind die nicht entzifferbaren Zeilen ganz unten:

Ich zitiere:20131216-221440.jpg
Gegenanzeigen – … Säuglinge und Kleinkinder bis zum 6. Lebensmonat (Gefahr des Kehlkopfkrampfes), Säuglinge und Kleinkinder vom 6. Monat bis zum vollendeten 6. Lebensjahr dürfen im Gesichts-, Nasen- und Brustbereich nicht mit … eingerieben werden…

Nebenwirkungen – … Kontaktekzeme, … Hustenreiz, … an Haut und Schleimhäuten … Reizerscheinungen, … eine Verkrampfung der Atemmuskulatur (Bronchospasmen) kann verstärkt werden. … nicht auszuschließen, dass in sehr seltenen Fällen, … Atemnot auftreten kann. usw.

Liebe Eltern.
Ihr braucht kein Einreibezeugs. Ihr braucht auch keine Majoranbutter oder Pini.menth.ol Tröpfchen, weder auf dem Kind noch auf Kleidung. Das Zeug hilft nicht. Es schadet.
Husten ist in erster Linie ein Schutzmechanismus des Körpers. Er schadet nicht, sondern hilft. Die meisten Kinder husten wegen verstopften Nasen. Nasentropfen oder -spray ist also ok. Bei länger dauerndem Husten oder Atemnot greift nicht zu diesem Mist von oben, sondern lasst einen Kinderarzt sein Stethoskop und seine Ohren arbeiten. Bei einer Bronchitis gibts gute andere Mittel, ätherische Öle machen alles schlimmer.

Demnächst: Warum auch Schleimlöser Mist sind.

so was Ähnliches:
Das kenne ich auch nicht
Was soll denn das nun wieder heißen, liebe AOK?

Husten und Schnupfen

„Hallo lieber Kinderdoc, (…) Aus eigenem Interesse fände ich es toll, wenn Du mal einen Post über Erkältungen bei Kleinkindern verfassen könntest. Da sich in meinem Umkreis 1000 Meinungen befinden, was man so alles dagegen machen kann, wenn die Kleinen und Kleinsten husten und schnupfen. Über Babix, die s.g. „braunen Nasentropfen“, über Engelwurzbalsam und die Klassiker wie Nasivin o.ä. existieren von Kinderärzten, Hebammen, Erziehern und Bekannten mehrere gegensätzliche Meinungen. Die einen sagen, unbedingt nehmen, die anderen wollen einen beim Jugendamt anzeigen, weil man seinem Kind sowas gibt *kopfschüttel*…vom Internet und den diversen Foren braucht man ja nicht erst reden 🙂 (…)“

Liebe Schreiberin,
dann will ich doch auch mal meine gegensätzliche Meinung dazu äußern 😉 – schlichte Statements aus dem Praxisalltag:

Schnupfen:
– Babys haben meist keinen echten Schnupfen, sondern nur enge Nasengänge und gereizte Schleimhäute (z.B. von trockener Luft) – Anfeuchten mit Kochsalz-Lösung reicht
– Es ist egal, welche Salz-Tropfen man da kauft – chemisch ist alles NaCl – egal ob aus dem Toten Meer oder der Nordsee
– Hochlagern hilft vielen Säuglingen beim Atmen – bitte etwas unter die Matratze, kein Kissen.
– Frischluft lässt die Nase laufen, das ist gut und macht nicht mehr krank. Heizung nachts aus, gut durchlüften.
– Ältere Kinder profitieren von abschwellenden Nasentropfen – also Xylometazolin o.ä. – wenigstens abends gegeben, zum gut Schlafen. Maximal dreimal täglich, maximal 5-7 Tage, sonst droht der Gewöhnungseffekt und entzündete Schleimhäute

Husten:
– … ist erstmal gut, da es die Rotze, Schleim usw. aus den tieferen Atemwegen nach oben befördert. Er sollte nur „abgestellt“ werden, wenn das Kind nicht schlafen kann. Dann kann man ausnahmsweise Hustenstiller geben – von heissem Tee/Milch mit Honig angefangen über Thymian-Präparate bis zur „echten“ Medikamenten gibts da viel. Aber Vorsicht:
– Steckt hinter dem Husten eine Bronchitis, gibt man keinen Hustenstiller. Besser sind dann so genannte Bronchodilatoren – die die Atemwege öffnen. Gibt´s als Tropfen oder Inhalation (am besten mit einem „Spacer“). Verschreibt der Kinder- und Jugendarzt.

Was ist entbehrlich?
– Jegliche Balsame. Sie helfen nicht, duften zwar hübsch, es gibt aber keinen Wirkungsnachweis. Bei Säuglingen und Kindern mit Bronchitis sogar kontraproduktiv.
– Schleimlöser. Da gibt´s nichts zum Lösen. Kein echter Wirkungsnachweis. Bei Bronchitis eher Verschlechterung.
– Inhalationen mit NaCl-Lösung. Sie wird meist isotonisch (0,9%) durchgeführt und meist nicht richtig („verdampft“). Kein echter Wirkungsnachweis.
– Naja, und die üblichen Verdächtigen: Glaubuli.

Was lindert – Hausmittel?
– Gar nicht schlecht: Warme Wickel – um den Hals oder die Brust. Wahrscheinlich egal, mit was. Hauptsache warm (nicht heiss!).
– Frischluft
– Tee/Milch mit Honig

Noch was: Erkältungen sind in der Regel viral bedingt – und dauern. 7-10 Tage sind da keine Zeit. In der Wintersaison bei ein- bis fünfjährigen Kindern, also dem klassichen Kita- und Kindergartenalter jagt da ein Infekt den anderen – und schnell wird daraus ein „Dauerschnupfen“ oder ein „chronischer Husten“ – hier trainiert sich das Immunsystem schön für die kommenden neunzig Jahre. Es will immer keiner glauben, aber Dauerkranke in dieser Zeit sind später oft dauergesund.

Zum gleichen Thema rebloggt:
Warum denn bloß (21.1.2013)
WANZe (18.12.2012)
nein: jetzt! (23.9.2012)
da fällt der groschen (14.11.2011)

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