Max am Abend

Ich komme an Max nicht ran. Er sitzt hier zur J1, wir überstehen die übliche Vorgeplänkelgesprächsrunde, um uns dem Messen, Wiegen und Untersuchen zu widmen. Ich plappere vor mich hin, während der Untersuchung, texte, um die Stille zu überbrücken, wie ich es manchmal bei Säuglingen mache, um sie zu beruhigen. Die Fragen nach seinem Lieblingssport, dem Hockey, verpuffen in der stickigen Luft des Untersuchungszimmers. Frotzeleien, Witzchen und ernsthaftes Nachfragen vergehen zwischen uns. Max ist still, nicht maulfaul wie sonst Pubertierende, die sagen oft genauso wenig, erwarten aber, dass man sie hört. Max sagt nichts, weil ihn etwas bedrückt. Seine Eltern … Max am Abend weiterlesen

Ganz frisch reingekommen

Aus der Reihe „Gerade passiert“: Ich: „Na, alles klar, guten Abend.“ Ayla: „Hallo, Doktor.“ Ich: „Und, Du kommst heute zur Jugenduntersuchung, J1, weißt Du denn, was da so passiert?“ Ayla: „Nö.“ Ich: „Haben Deine Freundinnen mal was erzählt oder welche aus der Klasse?“ Ayla: „Nö.“ Ich: „Gehst Du nicht mit Hatice in die gleiche Schule, die war letztens mal da.“ Ayla: „Die? Nö, die hat nichts erzählt.“ Ich: „Wie auch immer. Keine Sorge, viel passiert nicht, wir unterhalten uns eine Runde, dann macht die Helferin noch die Körpermaße und es wird noch Blutdruck gemessen.“ Ayla: „´ist das?“ Ich: „Blutdruck? Da … Ganz frisch reingekommen weiterlesen

Wie mein Tag so ausklin(k/g)t

Kurzer Ausriss Tagesbilanz heute abend: *snap* 16:45 Jugenduntersuchung J1 – Dauer 20 Minuten – Folgegespräch mit Mutter („Sie, Herr Dokter, die Mayla ist sooo unkonzentriert, ich glaube, das kommt von dem ganzen Junkfood, dass sie in der Ganztagsschule immer isst“ – „Dann geben Sie ihr doch was Gesundes von zu Hause mit“ – „Das isst sie ja nicht, Herr Dokter, da nimmt sie lieber die 10 Euro mit von mit, damit sie sich mittags was beim Mac oder´m Türken holen kann.“) – Dauer 30 Minuten 17:40 Gespräch mit Eltern und 7jährigem Sohn („Herr Dokter, die Lehrerin sagt, der hat ADS.“ … Wie mein Tag so ausklin(k/g)t weiterlesen

nachlese

am schwierigsten nach einer praxisauszeit ist das wiedereinsteigen in den tagestrott. jeder kennt das: nach dem urlaub, nach krankheit, bei mir heute nach der fortbildung. weimar war im speziellen eine ganz andere welt als das beschauliche städtchen, in dem ich hier so arbeite. aus dem literarischen nationaldenkmal zurück in die provinz. vom dichterfürsten zurück in die berühmtheit des örtlichen tennisklubs, der wohl mal in der bundesliga mitgespielt hat und seither immer herhalten muß, wenn es um wichtige dinge aus dem städtchen geht. goethe vs. boris becker verschnitt. der damalige topspieler sitzt immer noch im stadtrat. aber ich bringe diesmal auch … nachlese weiterlesen

j1-blüten

wer das blog liest, ist schon über unseren satzergänzungstest bei der jugenduntersuchung gestolpert. ein teil unserer j1-fragebögen, über den ich immer wieder ins gespräch mit den jugendlichen komme. er ist bestandteil so genannter assoziativer testverfahren, und soll letztendlich die kids zum nachdenken oder fragen animieren. manchmal aber auch einfach nur nett zu lesen. beispiele? den hier hatten wir schon mal: oder hier, eindeutig jemand, der den modernen medien zugewandt ist: und so folgt auch im weiteren: dieser text für mich ein rätsel – übrigens von einem mädchen ausgefüllt: und schließlich noch ahmed – ein einmeterachtzig junge mit vierzehn jahren: – … j1-blüten weiterlesen

ups, ´tschuldigung

j1, die junge türkin tut sich eh schon schwer mit dem kinderdok, auch wenn sie mich seit zehn jahren kennt, und meine azubine mit im zimmer ist. vor dem untersuchungs-checkup also der versuch der icebreaker „wie gehts in der schule?“, „was macht dein hockey-spielen“ und der klassiker „nervt dein kleiner bruder dich immer noch so?“ – auf die sie doch eher kleinsilbig reagiert. also noch ein wenig smalltalk und damit voll ins fettnäpfchen: ich: „ach, dann habt ihr ja im moment auch ramadan, oder?“ sibel, stirnrunzelnd, als ob ich ihr gerade erkläre, dass es den weihnachtsmann gebe: „äh, doc, wir … ups, ´tschuldigung weiterlesen

berufswunsch

beliebte frage bei jugenduntersuchungen: ich: „und, was machst du später mal so? nach der schule?“ serhat: „ich werde professor. für geschichte.“ ich: „oh, interessant. was findest du da am spannendsten?“ serhat: „alles rund ums mittelalter. so martin luther und das zeugs.“ respekt. das war übrigens der gleiche, der in unserem j1-fragebogen auf die satzergänzung antwortete: *die meisten mädchen…* „… sind hübsch, zickig und fürchteregent in einem.“ berufswunsch weiterlesen