Weihnachtsgeheimnisse

Nach der Untersuchung, dem Rezepteschreiben, den Und-wenn-es-nicht-besser-wird-Empfehlungen: Ich: „Noch schöne Feiertage, einen guten Rutsch und…,“ zu dem Fünfjährigen: „Pass auf den Weihnachtsmann auf.“ Matz: „Ich weiß ein Geheimnis.“ Ich: „Und?“ Matz: „Die Mama ist nämlich der Weihnachtsmann. So.“ Ich: „Was? Wirklich?“ Matz: „Ja klar, ich bin ja schon fünf, da weiß ich das.“ Mutter: „Sein großer Bruder hat‘s ihm verraten.“ Ich: „Achso, na dann. Aber hat Dir Dein Bruder alles verraten?“ Matz: „Wieso? Was gibt‘s noch?“ Ich: „Immerhin gibt es noch den Osterhasen.“ Matz: „Ohja. Den gibt es. Den gibt’s in echt. Schließlich kann Mama nicht alles machen.“ (c) Bild … Weihnachtsgeheimnisse weiterlesen

Quatsch(en)

„Na schau, das ist der Doktor, der Onkel Doktor, der muss Dich jetzt untersuchen, guck, da kannst Du solange das Puzzle machen, wenn Du magst, der macht auch gar nicht viel, sondern hört Dich nur ab, um zu gucken, wie es Dir geht, das ist ein Ste-thos-kop, das ist kalt, ganz kalt, oder, nein, ist es nicht, na dann, da hört der Doktor, wie Dein Herz bummert, und wie Du atmen kannst, neeeein, da brauchst Du keine Angst zu haben, es gibt keine Spritze, so, siehst Du, und jetzt, das da ist das O-tos-kop, das macht Licht, das braucht der … Quatsch(en) weiterlesen

Evolution des Kinderarztes

Wie der Kinderarzt auf weinende Kinder in der Praxis reagiert Kurz nach Niederlassung: Überrascht über soviel Skepsis Nach einer Woche: Gefrustet über soviel Skepsis Nach einem Monat: Die Gewöhnungsphase tritt ein, die Skills verbessern sich, die Taktiken, die Vorbereitung, die Nachbereitung, die nonverbalen Signale, die Schulung der Eltern. Zwei Jahre später: „Der weint nur bei Ihnen so, Sie impfen ja auch immer.“ Erste Phase der Selbstverunsicherung. Fünf Jahre später: Neue Skills, mehr Tricks, die Hoch-Zeit der Souveränität, Selbstvertrauen Nach halbem Jahr: Zurück in der Realität, alle Kinder schreien. Zweite Phase der Selbstverunsicherung. Die Jahre 6 bis 15 nach der Niederlassung: … Evolution des Kinderarztes weiterlesen

Tut mir leid

„Wissen Sie, sie hat es nicht so mit Männern.“ Die Vierjährige sitzt im Kuschelkreis auf dem Schoß der Mama und weint bereits, als ich durch die Tür komme. Es geht um Fieber, Halsweh, Husten, Schnupfen, das übliche Angebot derzeit. „Wer geht schon gerne zum Arzt“, sage ich. „Und dann auch noch krank.“ Die Tochter zappelt und windet sich inzwischen, die Mama spricht beruhigend auf sie ein, ich verstehe nicht alles, es ist von „alles nicht so schlimm“ und „gehen nachher Eisessen“ die Rede, alles legitime Aussichten angesichts der töchterlichen Abneigung. „Jetzt schauen wir mal, wieviel ich untersuchen darf.“ Ich rolle … Tut mir leid weiterlesen

Multitasking auf dem Spielplatz

Er hat die ganze Zeit sein Klapphandy am Ohr und spricht in lauten Wortsalven auf sein Gegenüber ein – Sprache irgendwie Russisch Polnisch Suaheli – könnte aber auch Schwäbisch Hessisch Berlinisch sein, ist doch austauschbar. Zwischendrin macht er Pause, drückt umständlich auf den Tasten des Handys herum, um Sekunden später wieder lautstark ein Telefonat zu führen. Multitasking auf dem Spielplatz weiterlesen

Paul möchte ins Spielzimmer

Paul ist ganz irritiert. Eigentlich dachte er, dass er mit Mama nur auf den Spielplatz geht oder in den Laden mit den vielen bunten Sachen im Regal und den Leckerlis am Ausgang. Da darf er immer in dem Auto sitzen, mit Lenkrad!, und Mama fährt ihn durch die hohen Gänge, in denen es mal kalt ist und mal warm, mal richtig gut und mal doof. Lustig, wenn die anderen Leute beseite springen, wenn er kräht. Da fahren sie immer hin, wenn sie fahren, wenn Mama ihn auf dem Rücksitz festmacht in dem engen Sitz, bei dem man nur den Vordersitz … Paul möchte ins Spielzimmer weiterlesen

Papagei

Setting: Fünfjährige Tochter, Mutter, Kinderdok. Untersuchung. Ich: „Oh prima, Unterhemd ist schon ausgezogen, dann höre ich dich mal ab.“ Mutter: „Jetzt hört der Onkel Dich mal ab.“ Ich: „So, dann schaue ich noch in die Ohren.“ Mutter: „Nur kurz Ohren schauen, nicht schlimm.“ Ich: „Alles klar, und noch den Mund auf.“ Mutter: „Komm, mach schön den Mund auf.“ Ich: „Legst du Dich mal hin, dann taste ich noch Deinen Bauch ab.“ Mutter: „Legst dich schön hin, passiert nichts.“ Ich: „Also wunderbar, dann setz Dich mal wieder.“ Mutter: „Setz Dich mal wieder.“ Ich: „Wie alt bist Du denn schon?“ Mutter: „Komm … Papagei weiterlesen

Heimat

Über Heimat wird gerade viel geschrieben und geredet. Dies nicht erst seit der Sache mit den Flüchtenden, eigentlich in Deutschland schon lange, seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Und trotzdem hat „Heimat“ im Moment einen echten Hype, ist ein hot topic. Sogar in der hiesigen Kreissparkasse gibt es eine Ausstellung dazu, es werden die Flüchtenden der letzten Kriege, der Völkerwanderungen aus dem Osten Europas, die Ströme der „Gastarbeiter“ in den Sechzigern denen von heute gegenüber- eher nebeneinandergestellt. Und das tut gut, denn es klärt die Prespektive. Fragt man die Leute, was Heimat ist – denn das wird in diesem Zusammenhang immer … Heimat weiterlesen

Nach der Schicht zum Kinderarzt

Der Vater sitzt neben der Untersuchungsliege und stöbert im iPhone. Der Sohn, sowas wie dreieinhalb, schaut mich aus großen Augen an. Er wundert sich wohl, wo er hier gelandet ist. „Hallo“, sage ich. „Kinderdok.“ Und schüttele dem Vater die Hand. Hebe die Hand zum Indianergruß und „Wer bist Du?“ zu dem Jungen. „Marlon-Tim“, sagt der Vater. Das iPhone wird in der Brusttasche seines Hemdes versenkt. Ich mache eine Geste, als sei ich überrascht, dass die Antwort von ihm kommt, tippe Marlon-Tim auf die Nase und frage, ob das stimme. „Ja“, sagt der Vater. Na gut. Dann eben so. „Was hat … Nach der Schicht zum Kinderarzt weiterlesen

Wie sich mal ein Kind selbst heilte.

Es brüllt schon seit einiger Zeit im Hintergrund der Praxis, hebt sich ab von den ansonsten bekannten Geräuschen: Lachende Kinder, rufende Mütter, Türengehen, Telefonklingeln, klappernde Impftabletts, termingebende Arzthelferinnen. Er ist sehr laut, der kleine Kerl, von der Tür zur Anmeldung, kurz leiser werdend auf dem Weg ins Wartezimmer, dann wieder lauter, bis die fMFA ihn zügig ins Untersuchungszimmer setzen. „Plötzliches Bauchweh“ steht auf dem EDV-Planer. Als ich ins Zimmer komme, bietet sich mir ein trostloses Bild: Ein knapp Dreijähriger auf dem Arm seines riesigen Papas, der, sicher zwei Meter groß, die kleine Mutter umringt die beiden. Der Junge klemmt sich … Wie sich mal ein Kind selbst heilte. weiterlesen