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Tumor

Es war ein dringender Anruf am Morgen bei uns in der Praxis. Neben den vielen Grippen, Durchfällen und Scharlachen tatsächlich mal etwas anderes. Der Junge, vierzehn Jahre alt, wird vorgestellt mit “Tumor am Bauch”. Ich lese das im Terminkalender und bekomme einen Kloß im Hals.

Mutter: “Der hat seit kurzem eine Schwellung am Bauch, das möchten wir anschauen lassen.”

Junge: “Du, nicht ich.”

Ich: “Hast Du denn Beschwerden? Bauchweh? Durchfall? Verstopfung?”

Junge: “Nö, alles gut.”

Ich bitte ihn auf die Liege und untersuche den Bauch. Taste hier, taste dort, streiche, klopfe, höre, drücke tief, frage nach Beschwerden, teste die Abwehrspannung, Loslass-Schmerz, Klopfschmerz. Alles negativ.

Ich: “Und wo ist jetzt genau die Schwellung?”

Mutter: “Na, da, und da. Das ist schon auffällig.”

Junge: “Ach, Mama…”

Und ich schaue nochmal, taste nochmal, lasse den Jugendlichen kurz seine Beine gestreckt hochheben.

Mama: “Sehen Sie, sehen Sie?”

Ich: “Das… und dies… und das… ist ein so genanntes… Six-Pack.”

Junge: “Siehste Mama, habe ich gleich gesagt.”

Ich: “Machst Du grad viele Situps? Fussballer? B-Jugend? Verschärftes Training?”

Er strahlt. “Klar!”

(c) Bild bei DOD (zur freien Nutzung gekennzeichnet)
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Mein Kind geht gerne zur Schule!

Ich lausche einem Telefonat an der Anmeldung.
Die üblichen Begrüßungsrituale, dann:
fMFA: „Um was geht es denn bei Ihrer Tochter?“
… (Gemurmel am anderen Ende der Leitung)
fMFA: „Und seit wann hat sie Fieber?“
… (siehe oben)
fMFA: „Wie oft? Also das Erbrechen?“
… (s.o.)
fMFA: „Und sie ist wie alt? Zehn Jahre?“
… (etc.)
fMFA: „Ok, Moment, ja, ich gebe Ihnen einen Termin, Moment.“
… (Mausklicken, Suche im Terminkalender), dann:
fMFA: „Sie können gerne gleich kommen, so gegen 9 Uhr dreißig?“

fMFA: „Wie, in der Schule?“

fMFA: „Aber…, hat sie nicht Fieber und fünfmal gebrochen in der Nacht?“

fMFA: „Sie wollte in die Schule…? Ist das nicht Ihre Entscheidung?“

fMFA: „Aber sie ist doch krank.“

fMFA: „Und andere Kinder anstecken?“

fMFA: „Ja, gut, wenn Ihre Tochter jetzt mit Fieber in der Schule ist… Dann kommen Sie bitte um 14 Uhr fünfzehn, geht das?“ (… oder ist sie da im Ballett?)

fMFA: „Ich möchte Ihnen gerne empfehlen, nach der Schule den Termin wahrzunehmen. 14 Uhr dreißig. Ja? Die Geigenstunde würde ich dann heute mal sausen lassen. Wissen Sie, wegen Krankheit.“

Pointe?
Die Mutter stand um 10 Uhr mit der Tochter – natürlich ohne Termin – in der Praxis. Sie musste sie aus der Schule abholen, weil sie sich, ja, im Unterricht erbrochen hat.

Frischluft ist gut für die Schule

Photogenic Trees

Der Achtjährige rotzt und hustet, dass es eine Freude ist.

Vater: „Aber wenn der so krank ist, bleiben wir wohl besser zuhause?“
Ich: „In die Schule? Ja, da sollte er jetzt mal nicht hingehen. Aber an die frische Luft? Jederzeit!“
Vater: „Auch, wenn es so schweinekalt ist, wie grade?“
Tom-Eric: „Papa, warum sind so Schweine kalt?“
Vater: „… jetzt nicht, Tom-Eric.“
Ich: „Ja klar, immer rausgehen – Sauerstoff ist gut für die Genesung.“
Tom-Eric: „Papa, muß ich wirklich rausgehen?“
Vater: „Ja, hat doch der Onkel Doktor gesagt.“
Tom-Eric: „Wegen der Schule?“
Vater: „Nee, zur Schule nicht, einfach so, spazierengehen.“
Tom-Eric: „Ja, aber wegen der Schuu.hu.lee?“
Vater: „Hä? Ich verstehe Dich nicht.“
Tom-Eric: „Damit ich schlauer werde?“
Vater: „Wie?“
Tom-Eric: „Na, wegen dem schlauer Stoff…“

(c) Foto bei Flickr/Christian Reimer

wenns stinkt

herr dokter, ja, wann isses denn nun durchfall, eigentlich?

wessen säugling mit muttermilch großgezogen wurde, weiß, was ein kleckerstuhlgang ist – dann für gewöhnlich gelb-körnig (die lehrbücher nennens immer senfig) und normal riechend (buch: aromatisch). die mit der flasche gezogenen kennen schon eher die festere variante, vielleicht auch die grün-labbrig-stinkige (bei „ha“-milchen). naja. gehen wir nicht zu sehr in die tiefen der stuhlvisite. aber es möge illustrieren, wie schwer es eltern fällt, ein normales säuglings-kack von einem pathologischen zu unterscheiden. wen wunderts auch, dass sich mütter mit vorlieben über die ausscheidungen ihrer kiddies austauschen. bei so schönen farbpaletten.

aber wann isses denn nun durchfall, herr dokter?

es vergeht vermutlich keine woche, in der mir nicht eine windel unter die nase gehalten wurde, um diese frage ultimativ zu beantworten. die altvorderen haben darin eine lebenserfüllung gesehen: die stuhlvisite. ältere kinderkrankenschwestern erinnern noch gerne die visiten auf station, bei denen der chefarzt erstmal eine quasiprise stuhlgang inhalierte, bevor er ins zimmer zum patienten ging. zu meiner zeit war es nur noch die visuelle phantasie, die er aufbringen musste, wenn klein kinderdok als stationsarzt den morgendlichen stuhlgang des kleinen patienten beschrieb. „das ist rota“, sagte er dann immer. immer.

sie, herr dokter? ja? durchfall?

säuglinge haben nun mal kleckerstuhl. oft. durchfall wirds immer dann, wenn es das normale maß überschreitet. wenn aus einmal täglich fünfmal wird, oder aus sechsmal täglich zehn. durchfall ists, wenn die konsistenz sich weiter verflüssigt, wenn aus dem senf wasser wird oder aus der form plötzlich gelöstes.
und der duft. wenn´s stinkt, dann ist es krank. der wichtigste sinn in der stuhldiagnostik ist der geruch. also liebe mutter, ich verspreche es: wenn ihr baby durchfall hat, dann werden sie es zuerst mal hören, dann riechen, dann sehen.

demnächst: wie sinnvoll ist die rota-virus-impfung?