Nasentropfen aktuell

Eine Mutter hatte mir davon schon vor ein oder zwei Wochen berichtet, da war es noch eine Meldung bei einem trivialen Nachrichtensender, nun hat es auch das renommierte „arznei-telegramm“ aufgegriffen: Die Gefahr der Überdosierung bei abschwellenden Nasentropfen für Säuglinge. Um das gleich klarzustellen: Die Kritik richtet sich gegen den Pipettendosierer einer bestimmten Firma. Hier kann nur die gesamte Pipette mit Nasentropfen gefüllt werden, als Einzeldosis soll aber nur ein einzelner Tropfen gegeben werden. Ich habe mir das mal praktisch angeschaut: Das herstellende Firma empfiehlt, die Pipette zunächst komplett zu füllen, um dann soviel auszulassen, bis nur noch ein Tropfen Medikament … Nasentropfen aktuell weiterlesen

Otov… Ohweh!…n, wait and leave…

Ein wenig Hintergrundwissen Die meisten Mittelohrentzündungen sind viral bedingt. Wie wir alle inzwischen wissen, gehen die meisten viralen Infektionen von alleine wieder zurück, Antibiotika sind hier nicht indiziert. Es gibt ein paar Ausnahmen, so Kinder unter 2 Jahren, schlechter Allgemeinzustand, hier werden Ärzte schneller handeln, oder mangelnde Besserung nach zwei bis drei Tagen, hier muss doch eine bakterielle Superinfektion behandelt werden. Wir weisen in der Praxis auf ausreichende Schmerzstillung hin. Ohrenweh ist etwas Gemeines, eventuelle Fiebersenkung ist ok, außerdem hin und wieder Nasentropfen, um die Eustachische Röhre und damit das Mittelohr besser zu belüften. Engmaschige Kontrollen in der gleichen Woche, … Otov… Ohweh!…n, wait and leave… weiterlesen

Durchmarsch

Überall liest man jetzt Kolumnen über Vergessene Wörter. Nach dem letzten Notdienst möchte ich gerne den Begriff “Flotter Otto” erinnern. — Kinderdok (@kinderdok) June 3, 2017   Bei Durchfallerkrankungen dürfen Säuglinge und Kleinkinder unter zwei Jahren auf keinen Fall sog. Motilitätshemmer erhalten, auch wenn sie auf Reisen sind. „Motilitätshemmer lähmen die bei Durchfallerkrankungen häufig erhöhte Darmmotorik und senken dadurch die Stuhlhäufigkeit bei Erwachsenen, was insbesondere auf Reisen hilfreich sein kann. Doch bei kleinen Kindern wird dadurch die Fähigkeit des Darms, sich selbst zu reinigen, unterbunden. So können z.B. bakterielle Keime unter Umständen länger im Körper bleiben, sich vermehren und schlimmstenfalls … Durchmarsch weiterlesen

Einmal tief durchatmen

Ich wollte noch von dem Vertretungskind erzählen, dass still japsend (Giemen und Brummen, die Insider wissen) auf meinem Untersuchungstisch lag, neunmonatig, ein wenig subfebril seit ein paar Tagen, trinke gut, esse Breichen und erbreche nicht. Die Nächte seien erträglich, aber der Husten, Herr Doktor, der Husten, hört und hört nicht auf. Wenn ich die Kinder nicht kenne, kenne ich auch die Therapie nicht, jede/r Kollege/in hat da ein anderes Regime. Das Bobele hier kommt von jot-we-de, die Vertretung der Vertretung der Vertretung, also nun die Frage: „Was kriegt er denn an Medikamenten?“ „Da haben wir das.“ Die Mutter präsentiert mir … Einmal tief durchatmen weiterlesen

Schlafe stille…

n-tv und dpa berichten über ihre Online-Medien, dass „immer mehr Eltern“ ihren Kindern Schlafmittel geben würden. Valide Zahlen gibt es hierzu nicht, aber die Berichte zitieren die bayrische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) und den BVKJ in einer entsprechenden Stellungnahme. Dass dieser „Trend“ bedenklich sei, geschenkt. Wer würde dies schon gutheißen? Entsprechende Medikamente sind nicht ungefährlich, können zu Atemdepression und/oder -stillständen führen, ganz abgesehen von dem ethisch-sozialen Aspekt. Sein Kind ruhig zu stellen, um „bloß mal wieder“ selbst schlafen zu können? Alle heben in Entrüstung die Hände, um sie kopfschüttelnd vors Gesicht zu schlagen. Eltern werden jetzt schnell verdammt, so etwas … Schlafe stille… weiterlesen

Sanfte Medizin

Vater: „Der hustet jetzt seit zwei Wochen.“ Ich: „Kenn ich. Mache ich auch grad durch.“ Vater: „Und, was machen Sie da?“ Ich: „Kamillentee, Lutschbonbons, viel an die frische Luft und früh ins Bett gehen.“ Vater: „Und damit wollen Sie meinen Sohn jetzt abspeisen?“ Ich: „Sie haben gefragt.“ Sonst wird immer gefragt: „Und, würden Sie Ihren Kinder diese Medikamente auch geben, wenn das jetzt Ihr Kind wäre?“ Ja, Mensch, Ja! Sanfte Medizin weiterlesen

Vom Wechseln des Arztes

fMFA: „Boss? Die Familie Bielck* möchte gerne zu uns wechseln, wegen Umzug und so. Aber ich seh grad, sie waren vorher bei Dr. Schwurbel* und die Kinder sind bisher nur Tetanus geimpft.“ [5 Jahre, 3,5 Jahre und 17 Monate alt] Ich: „Was haben Sie mit der Mutter besprochen?“ fMFA: „Dass sie gerne wechseln darf, wenn sie die STIKO-empfohlenen Impfungen durchführen lassen möchte. Will sie aber nicht.“ [Wir tun niemandem einen Gefallen, wenn wir das nicht vorher klarstellen. Eltern sind sonst unnötig enttäuscht.] Ich: „Warum bleibt sie dann nicht beim Kollegen Schwurbel? So weit weg wohnt der nun auch nicht.“ fMFA: … Vom Wechseln des Arztes weiterlesen

Mäanderne Anamnese abends um 21 Uhr

Neulich im Notdienst. Mutter: „Ich wollte das Gesicht mal zeigen, diese Pickel.“ Ich: „Hat sie die noch woanders?“ Mutter: „Nein.“ Ich: „Sonst ist sie nicht krank?“ Mutter: „Nein.“ Ich: „Medikamente? Allergien?“ Mutter: „Nein.“ Ich schau mir die Kleine an. Sie hat eine beginnende Impetigo, eine superinfiziert trockene Haut im Gesicht. Daher, wie immer bei „Haut“: Mal komplett ausziehen. Ich: „Oh, aber hier an den Handgelenken ist es auch ganz schön entzündet.“ Mutter: „Achja…“ Ich: „Und der Rest der Haut?“ Mutter: „… ist okay.“ Sie zieht währenddessen den Body über Bobeles Kopf. Ich: „Aber der ganze Körper ist ja gerötet.“ Mutter: … Mäanderne Anamnese abends um 21 Uhr weiterlesen

Hilfe! Mein Kind glüht!

Ein ganz häufiges Gespräch: Mutter: „Ich habe jetzt keinen Termin, weil, das ist ganz dringend, meine Tochter hat soo hohes Fieber.“ Ich: „Und wie hoch ist die Temperatur? Wie haben Sie denn gemessen?“ Mutter: „Achtunddreißigkommazwo! An der Stirn!“ Mmh, nun ja. Die Angst vor oder bei Fieber ist sicher eine der stärksten, die Eltern bei ihren Kindern durchleben, vor allem, wenn das Kind noch klein ist oder das erste Mal Temperatur entwickelt. Da gibt’s viele Fehlinformationen, wieder einmal viele irrationale Befürchtungen und Behandlungsvorschläge. Wie die obige Mutter verhalten sich viele, auch die Väter, na klar – die sind manchmal noch … Hilfe! Mein Kind glüht! weiterlesen

Doping

Erzählt mir doch letztens eine Mutter, eine Mitmutter aus dem Kindergarten habe ihr letztens unter vorgehaltener Hand gestanden, sie gebe ab und zu ihren Kindern einen Schluck Paracetamol vor dem Kindergarten, wenn diese zu, was war das Wort?, „anhänglich“ seien. WTF? Ähnliches hat mir vor Jahren ein Oberarzt gestanden: Bei Überseeflügen bekamen seine (damals) Vorschulkinder eine Dosis Fen.is.til, bekanntermassen mit der dabei gewünschten Nebenwirkung der Müdigkeit. Das mag bei Juckreiz am Abend bei Neurodermitis oder einer allergischen Reaktion ja noch angehen, damit das Kind schlafen kann… aber als Beruhigungsmittel auf dem Flug? Gerne gibt man fiebernden Kinder ein wenig Ibu, … Doping weiterlesen