HPV-Impfung auch für die Jungs

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Na endlich, denken sich alle, die Impfungen befürworten und sich schon länger fragten, warum die HPV-Impfung nur etwas für die Mädchen sei. Nun ist es aber (vor-)amtlich: Die STIKO wird in ihrem nächsten Epidemiologischen Bulletin die Impfung auch für die Jungs empfehlen. Die wissenschaftliche Begründung ist immer etwas ausführlicher, gerade für die impfkritischen Zeitgenossen, daher wird diese erst im übernächsten Journal nachgeschoben.

Verhütung ist schließlich auch nicht nur Mädchen/Frauen-Sache, banale Feststellung, also warum sollte der Gesundheitsschutz nur den Frauen aufgebürdet werden? Ok, diese bekommen nachher den Gebärmutterhalskrebs (der als Spätfolge einer HPV-Infektion im Genitalbereich gilt), aber die Überträger sind nun einmal die Männer beim Geschlechtsverkehr.

Dann gibt es auch noch diese unschönen Genitalwarzen, die eigentliche offensichtliche Infektion mit dem Humanen-Papilloma-Virus (Papilloma = Warze). Und die können die Jungs selbstverständlich auch bekommen. Ganz abgesehen von der Ästhetik der Warzen im Genitalbereich – wer will die schon? – , haben diese bei Jungs ähnlichen Prädilektionsstatus für z.B. Penistumore wie beim Gebärmutterhalskrebs. Tumore im Rachen- und Mundbereich (bei Infektion im Oralverkehr) haben auch ihre Ursache in den HPV-Viren.

Nun also die Umsetzung.
Auf die Empfehlung der STIKO folgt in aller Regel irgendwann – wenn es die Gremien zulassen – die Bestätigung der Impfempfehlung durch den Gemeinsamen Bundesausschuss G-BA aus Krankenkassen und Ärzten, welcher über die Kostenübernahme entscheiden muss.
Wie war das bei der Einführung der HPV-Impfung für Mädchen?
– Die STIKO empfiehlt – jetzt also mit dem neuen Bulletin zum August 2018.
– Die Eltern müssen die Impfung zunächst privat tragen (immerhin damals 3 x 150 € pro Impfzyklus und Arztkosten)
– Dann kommt die Kostenübernahme einzelner Kassen durch die so genannte Kostenerstattung
– Schließlich die offizielle Übernahme und damit Abrechung „auf Karte“ – vermutlich erst zum Jahreswechsel 2018/2019.

Vielleicht geht es diesmal schneller, immerhin haben wir das schon einmal durchexerziert. Was auf jeden Fall gilt: Die Impfung wird empfohlen zwischen dem 9.-14. Lebensjahr. Das entspricht der Empfehlung bei den Mädchen. Die zweite Impfung sollte 4-6 Monate nach der ersten Gabe wiederholt werden, spätestens bis zum 17.Lebensjahr.

Der Sohn hier im Haus „freut“ sich schon.

(c) Bild bei Pixabay/derneuemann (CC0 Lizenz)

Impfdiskussionsdeeskalation

HPV Vaccination in Sao Paulo Brazil March 2014

In meinem Alter wird man altersweise, und gerade bei der Diskussion ums Impfen – und davon gibt es derer viele – bin ich nicht mehr so streng und abweisend wie noch vor Jahren. Dennoch gibt es Grenzen.

Ich bin überzeugter Impfmediziner, ich denke, das wurde aus zahlreichen Artikeln hier im Blog bereits deutlich. Meine Grundeinstellung ist es, dass Impfungen zur modernen Medizin dazugehören, sich damit ausreichende geschulte Experten in der Ständigen Impfkommission einbringen und sehr genau entscheiden, wann welche Impfung zur Empfehlung wird, und wann eine Empfehlung geändert oder gestrichen wird. Ein wenig Vertrauen gehört dazu.

Viel hängt das  mit der grundpersönlichen Einstellung zur Medizin zusammen: Ich möchte einem Schutzbefohlenen möglichst alle Krankheiten ersparen, wie ginge das besser als mit einer Impfung? Klar kann die Medizin heute viel lindern, sogar heilen, was sie vor Jahrzehnten nicht konnte, aber jede Studie zeigt: Prävention zählt in allen Bereichen, so auch in der Infektionsverhinderung. Meine Kinder sind „durchgeimpft“, wie das so schön heißt, also auch die HPV-Impfung für die Große und die FSME-Impfung für die lokalen Risiken. Das versuche ich, allen Eltern bei der U3 zu vermitteln. Ein ausreichend früher Zeitpunkt, die erste Impfung beginnt mit sechs (die Rota-Impfung) bzw. acht Wochen (der erste Rest, also Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Kinderlähmung, Hämophilus influenzae und Hepatitis B, sowie extra die Pneumokokken), die Eltern können noch viel überlegen. Meist sind sie schon informiert, leider oft fehlinformiert. In klärenden Gesprächen bei U3 oder einem Extratermin zur Impfberatung, sonst am ersten Impftermin, geht es um weitere Aufklärung, die heutzutage meist eher der Widerlegung von Mythen und falschen Behauptung dient. Fake News Prophylaxe.

Ein beliebtes Gegenargument ist die frühe Impfung. So klein, so empfindlich, Neuronenentwicklung, Verträglichkeit, all dies wird angeführt, und ich verstehe die Eltern: Das empfindliche sensible unversehrte Neugeborene möchte niemand mit Nadel gestochen sehen, es ist der Eingriff in die Unversehrtheit.

Die Rota-Impfung sollte mit 6 Wochen begonnen werden und allerspätestens in der 24 Lebenswoche beendet sein, sonst entwickelt der Organismus zu wenig Antikörper und das Nebenwirkungs-Spektrum vergrößert sich (vor allem die einer Darmverstülpung). Entscheiden sich Eltern also für eine spätere Impfung, fällt diese meist schon flach. Das muss ich kommunizieren.

Die U5, also die Untersuchung mit einem halben Jahr, ist eine magische Marke. Jetzt soll erstmal alles stabiler sein, also, jetzt ist die Impfung ok. Also dann. Dann impfe ich eben erst mit sechs Monaten. Das Risiko beispielsweise einer Keuchhusteninfektion wird klar benannt: Sie kann letal verlaufen, zumindest aber wandern eigentlich alle Säuglinge ins Krankenhaus, da sie plötzliche Atemstillstände durchlaufen können. Von der späteren Bronchialempfindlichkeit ganz zu schweigen. Noch mehr kann ich erzählen zur besseren Antikörperbildung, der besseren Verträglichkeit bei früher Impfung, sicher auch dem hoffentlich schnelleren Vergessen.

Dann  möchten Eltern oft nicht alles impfen. Was sind die üblichen Verdächtigen? Eben die Rota-Impfung („hält ja nicht ein Leben lang“, „Luxus-Impfung für die Industrienationen“, „Funktioniert gar nicht, da zuviele Virusstämme“), dann die Hepatitis-B-Impfung („Wie soll das ein Säugling bekommen?“, „Heilt ja aus“, „Kann ich später noch mit Hepatits A zusammen impfen“) und mit einem Jahr die Windpocken („harmlose Kinderkrankheit“, „Habe ich auch gehabt“, „Verschiebt die Erkrankung ins Erwachsenenalter“). Über all diese Impfungen kann ich vortrefflich aufklären und diskutieren und mache das auch, schließlich bringe ich Ankedoten ein, um die Studienlage zu unterfüttern: Ich erzähle von den hohen Krankenhauszahlen der durchfallerigen Säuglingen vor nicht mal zehn Jahren und dem deutliche Rückgang, erzähle von den chronischen Verläufen bei Hepatitis B und den hautgeplagten Einjährigen, die nun noch den Juckreiz der Windpocken ertragen müssen. Mir liegt ein „Ätsch“ fern, aber nicht nur einmal haben Eltern die Verweigerung der Varizellenimpfung im Nachhinein bereut, als sie sahen, was die Infektion an der Haut anrichten kann.

Eltern möchten das Gefühl haben, selbst zu entscheiden. Paternalismus ist ein Trugschluss der heutigen Zeit, dennoch gibt es Eltern, die sich eine lenkende Beratung durch den Kinderarzt wünschen. Was wird empfohlen, warum und warum nicht, was sind die Risiken, was der überwiegende Benefit. Ich kann nur die Empfehlungen vor den Eltern ausbreiten, entscheiden müssen sie dann schon selbst.

Verunsicherte Fragen sind die, ob ich meine eigenen Kinder impfe (ja) und wie das andere Eltern sehen (über 95% der Eltern impfen ihre Kinder). Diese Eltern sind geprägt von der gefühlt falschen Wahrheit: Dass mehr und mehr Eltern Impfungen kritisch gegenüber stehen, das zeigen die Impfquoten aber keineswegs. Impfgegner haben nur die größere Klappe und sind vor allem in Social Media viel besser vernetzt.

So kann ich im Moment Gruppen unterscheiden:
– Eltern, die einfach den Empfehlungen trauen, und alles impfen lassen.
– Eltern, die kritisch hinterfragen, die Argumente abwägen, und alles impfen lassen.
– Eltern, die das Gefühl brauchen, eine eigene Entscheidung zu fällen, ein paar Impfungen daher ablehnen oder später impfen.
– Eltern, die abwägen, immer wieder diskutieren, weil sie andere (also mich) überzeugen wollen und letztendlich nach Absolution suchen. Sie lehnen aber auch alle Impfungen ab oder fahren ein absolutes Schmalspurprogramm (Tetanus).
– Eltern, die der gesamten akademischen Medizin ablehnend gegenüberstehen, und jegliche Impfung unterlassen.
– Eltern, die gar nicht erscheinen. (Klingt lustig, ist es aber nicht. Diese gehen weder zu Vorsorgen, noch sonst zum Arzt. Sei es, weil ihnen das nicht wichtig erscheinen, oder weil sie dies aus ideologischen Gründen ablehnen.)
Die Gruppen sind nicht heterogen verteilt, zudem noch unterschiedlich in der Bevölkerung, wie auch in meiner Praxis. Die letzten beiden Gruppen erscheinen ja erst gar nicht oder haben sich informiert, dass in meiner Praxis damit kein Land zu gewinnen ist.
Die ersten zwei Gruppen machen die o.g. 95% der Eltern aus, um die beiden mittleren Gruppen müssen wir uns als Ärzte aber besonders kümmern, denn diese können wir eventuell mit guten Argumenten noch erreichen.

Mit spätestens sechstem Monat, vielleicht ohne Rota-, Hepatitis-B- und Windpockenimpfung: Darunter „mache ich es nicht“, das kommuniziere ich den Eltern. „Wir impfen nur die Kinder, die wir behalten wollen.“ So oder ähnlich geistert ein Meme durch die sozialen Medien. Dr. House hat das auf seine Weise unterstrichen, in dem er die Kindersärgeindustrie mit der der Impfgegner verbandelt sah. Bleiben wir in diesem Bild, so impfen Mediziner die Kinder, die sie gesund sehen wollen. Welchen anderen Nutzen hätte es sonst?

(c) Bild bei Flickr/PAHO (Lizenz CC BY ND 2.0)

„Wer alle Impfungen verweigert, den schmeiße ich raus“

Wie ist das mit der Meningokokken-B-Impfung?

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Davor haben wir Kinderärzte alle, alle, alle Angst: Im hessischen Lindenfels ist in dieser Woche ein Kindergartenkind an einer Meningokokken-B-Infektion gestorben.
Dies soll der traurige Anlass sein, nochmal etwas über die mögliche Impfung gegen diese Bakterien zu schreiben:

Meningokokken B werden von Mensch zu Mensch übertragen (als typische „Tröpfchen“-Infektion), können ohne großartige Symptome abgewehrt werden, verlaufen aber auch nicht selten fulminant. Im Gegensatz zu anderen Meningokokkenstämme (z.B. Meng C, die in Deutschland häufiger vorkommt, und ja auch seit Jahren mit einem Lebensjahr geimpft wird), können sie zu schwersten Hautblutungen führen und leider oft auch zum Tode.

Kommt es zu einem bekannten Fall in einer Einrichtung, werden alle Kontaktpersonen vom Gesundheitsamt identifiziert und in aller Regel prophylaktisch mit einem Antibiotikum behandelt (Rifampicin, macht schönen roten Urin), damit lassen sich Ausbrüche recht schnell eindämmen. Ich selbst habe einen Fall als junger Assistenzarzt erlebt, auch als behandelnder Arzt muss man diese Prozedur über sich ergehen lassen. Auch beim Erkrankten gilt: Alleine die frühzeitige Behandlung mit einem Antibiotikum kann den letalen Verlauf aufhalten. Kinderklinikambulanzen, auch wir Kinderärzte, bevorraten das empfohlene Notfallantibiotikum Cefotaxim iv, alleine bei Verdacht könnte ich das bereits geben. Mitunter ist sonst bereits die Zeit zu lang, die zur Sicherung der Diagnose vergeht (Fahrt in die Klinik, Aufnahme, Lumbalpunktion).

Seit 2013 gibt es Impfstoffe gegen die Meningokokken B, warum gibt es aber bisher keine generelle Empfehlung der Ständigen Impfkommission, allen Kinder diese Impfung zu geben?

Man versucht Krankheiten aus verschiedenen Gründen durch Impfungen einzudämmen:
– aufgrund der Häufigkeit des Erregers (Windpocken, Masern, Grippe), um die Viruslast in der Bevölkerung zu senken, den Herdenschutz zu erhöhen
– weil Krankheiten mit Komplikationen verlaufen können (z.B. Hirnhautentzündungen bei Pneumkokken, Impotenz nach Mumps)
– um Folgeschäden der Erkrankungen zu verhindern (Gebärmutterhalskrebs nach HPV-Infektionen, Leberzirrhose nach Hepatitis-B-Infektionen) oder
– um einzelne Patientengruppen zu schützen (Rota-Virus-Impfung bei Säuglingen)
Diese Gründe treffen auf viele Erkrankungen und deren Impfungen zu, bei manchen überschneiden sich die Gründe, bei manchen sind es solitäre Gründe.

Bei Meningokokken B wäre der häufig fulminant-letale Verlauf („invasive Meningokokken-Erkrankung“ = IME) ein guter Grund, die Impfung zu empfehlen. Viele Ärzte können eine Geschichte dazu erzählen, viele Ärzte empfehlen aufgrund dieser Anekdoten die Impfung, niemand sollte das erleben. Vielleicht ist es auch ein Prinzip ärztlichen Handels, grundsätzlich eine Impfung zu empfehlen, die eine Erkrankung verhindern kann, also Leiden vorbeugend zu verhindern.

Wie argumentiert die STIKO?

Die STIKO ist sich des tragischen Verlaufes vieler Meningokokken-B-Erkrankungen klar bewußt, dennoch gibt sie weiter keine generelle Impfempfehlung. Sie argumentiert, dass die Krankheitshäufigkeit in Deutschland auch ohne Impfung abgenommen habe (seit Einführung der Meldepflicht 2001 erlebt Deutschland derzeit das niedrigste Niveau an IME). Dies ist als Argument insofern interessant, weil viele Impfgegner auch andere Impfungen mit dem gleichen Argument ablehnen, viele Erkrankungen seien bereits vor der Einführung einer generellen Impfung rückläufig gewesen.
Ein zweiter Aspekt ist, dass in Deutschland die Meningokokken-B-Infektion im Vergleich zu anderen Ländern eher selten vorkomme (z.B. England 21,8 Erkrankte pro 100.000 Einwohner, Deutschland 6,0/100.000 Einw. im Jahr 2015).

Außerdem legt die STIKO in ihrem neuesten Bulletin sehr ausführlich die Ergebnisse aus anderen Ländern dar, diskutiert die Verträglichkeit des Impfstoffes (nicht so gut), die mögliche Implementierung in den aktuellen Impfkalender (kompliziert) und die Immunogenität der auf dem Markt befindlichen Impfstoffe (geht so). Sehr ausführlich, sehr detailliert. Dennoch bleibt die STIKO nach der erstmaligen Empfehlung der Impfung für Risikopatienten (z.B. mit Immundefekten oder Asplenikern) von 2014 auch dieses Jahr bei der Haltung gegen eine grundsätzliche Impfung.
Die Impfkommission zeigt im Fall der Meningokokken-B-Impfung Zurückhaltung und begründet diese gut, so schwer der Einzelfall einer IME auch sein mag, so selten kommt die Erkrankung letztendlich vor. Ob eine Senkung Erregerlast in der Gesamtbevölkerung durch eine generelle Impfung erreicht werden kann, müssen Studien aus England zeigen, wo die Empfehlung für eine generelle Impfung existiert.

Wie machen wir in der Praxis das?

Wenn Eltern in meiner Praxis nach der Impfung fragen, versuche ich genau diese Haltung zu vermitteln: Die Erkrankung an Meningokokken B kann sehr schlimm verlaufen, aber sie ist eher selten im Vergleich zu anderen Infektionen. Das Nebenwirkungsprofil der Impfstoffe ist nicht zu vernachlässigen, ob die Impfung letztendlich vor dem gerade zirkulierenden MengB-Stamm schützt, ist zudem nicht sicher (die STIKO spricht von einer Abdeckung von 82%). Wer die Impfung für sein Kind wünscht, der bekommt sie aber (Kosten ca. 300 Euro, wird nicht von allen Kassen übernommen und ist immer erst einmal eine Privatleistung), außerdem die genannten Risikopatienten.

Ich versuche, meine eigene Anekdote im Kopf zu behalten, und hätte auch Angst vor einer Infektion unter meinen Patienten, vertraue aber der Weitsicht und dem epidemiologischen Sachverstand der STIKO. Als einzelner Arzt wäre es vermessen, die Wirkung oder Nichtwirkung der Meng-B-Impfung abzuschätzen, Anekdoten waren noch nie gute Entscheidungshilfen (und eher das Instrument der Impfgegner) und nur die genaue Betrachtung der Epidemiologie in unserem Land kann eine generelle Empfehlung bringen oder eben nicht. Dann werde ich diese auch entsprechend in der Praxis umsetzen.

STIKO-Bulletin vom 18.1.2018 zu diesem Thema

(c) Bild bei pixabay/PublicDomainPictures (CC0 Lizenz)

Mal kurz rückversichern wegen der Impfmoral

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Mutter: „Sind Sie eigentlich eine Impfpraxis?“
Ich: „Ja? Wie meinen Sie das?“
Mutter: „Naja, impfen Sie alle Kinder, wie das von den Experten der Impfkommission empfohlen wird?“
Ich: „Ja. Eigentlich schon.“
Mutter: „Ohne Ausnahme?“
Ich: „Ja, ich bin überzeugt, dass…“
Mutter: „Auch etwa Rota?“
Ich: „Ja, auch Rota, weil die Säuglinge…“
Mutter: „Und auch Tetanus, Windpocken und Keuchhusten?“
Ich: „Ja, schon. Gerade bei den noch kleinen…“
Mutter: „Sagen Sie mir auch, wenn es neue Entwicklungen gibt?“
Ich: „Ja, klar, das ist ja meine Aufgabe…“
Mutter: „Und kann ich sicher gehen, dass auch sonst hier alle Kinder geimpft sind?“
Ich: „Naja, ich versuche schon, die Eltern zu überzeugen…“
Mutter: „Und wenn mal jemand gar nicht will?“
Ich: „Dann suchen die sich meist einen anderen Kinderarzt, der da mitschwingt.“
Mutter: „Echt jetzt? Sowas gibt´s? Leute, die gar nicht impfen?“
Ich: „Ja schon.“
Mutter: „Aber bei Ihnen nicht?“
Ich: „Sie meinen jetzt, Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen wollen?“
Mutter: „Ja.“
Ich: „Naja, eher wenige.“
Mutter: „Alles klar, dann bleiben wir.“

Easy.

(c) Bild pixabay (CC0 Creative Commons)

Der aktuelle Impfplan für Säuglinge

Impfwoche

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Zur europäischen Impfwoche hier ein Überblick über den aktuell bundesweit empfohlenen Impfplan für Säuglinge – ohne lokale Empfehlungen wie z.B. die FSME-Impfung (für den süddeutschen Raum) oder die Meningokokken-B-Impfung (wie z.B. von der Sächsischen Impfkommission empfohlen).

Es gibt – geschickt geplant – insgesamt 7 Termine (bzw. 11 Injektionen und 2 Schluckimpfungen) zum Impfen bis zum 15. Lebensmonat. So machen wir das. Das Schema der STIKO erlaubt eine Abweichung von diesen Terminen, aber so ist es am rationellsten und wegen der wenigen Termine (z.B. Kombination mit den Vorsorgen) am wenigsten belastend für das Kind.

0) Bei U3 mit einem Monat Beratung und Aufklärung über die empfohlenen Impfungen
1) 1. Termin ab 8. Lebenswoche: Kombiimpfung (Tetanus/Diphtherie/Keuchhusten/Kinderlähmung/Hämophilus influenzae B/Hepatitis B) + Pneumokokken + Schluckimpfung gegen Rota-Virus
2) 4 Wochen später: Kombiimpfung (Tetanus/Diphtherie/Keuchhusten/Kinderlähmung/Hämophilus influenzae B/Hepatitis B) + Schluckimpfung gegen Rota-Virus – z.B. mit der U4
3) 4 Wochen später: Kombiimpfung (Tetanus/Diphtherie/Keuchhusten/Kinderlähmung/Hämophilus influenzae B/Hepatitis B) + Pneumokokken

4) ab 10. Lebensmonat: Kombiimpfung (Masern/Mumps/Röteln) + Varizellen
5) ab 12. Lebensmonat: Meningokokken C – z.B. mit der U6
6) 6 Monate nach 3), also z.B. 13. Lebensmonat: Kombiimpfung (Tetanus/Diphtherie/Keuchhusten/Kinderlähmung/Hämophilus influenzae B/Hepatitis B) + Pneumokokken
7) ab 15. Lebensmonat: Kombiimpfung (Masern/Mumps/Röteln/Varizellen)

Erläuterungen:
ad 1)-3)
– Der Rota-Impfstoff kann bereits ab 6. Lebenswoche gegeben werden, dann hat man einen Termin mehr.
– Startet man die Impfungen etwas später, verschieben sich die Termine jeweils um einen Monat, da hier immer ein vierwöchiger Abstand sein muss.
– Ein Rota-Virus-Impfstoff muss dreimal gegeben werden, wird dieser verwendet, gibt man diesen natürlich an allen drei Terminen
– Bei ehemaligen Frühgeborenen gibt man dreimal den Pneumokokken-Impfstoff.

ad 4) dies wird vor allem für Kinder empfohlen, die ab einem Jahr oder bereits jetzt in eine Betreuungseinrichtung gehen. Vermutlich wird die Empfehlung zur früheren Masernimpfung demnächst von der STIKO generell ausgesprochen werden.

ad 5)-7)
– Die MMR kann getrennt von der Windpocken-Impfung gegeben werden, wird sie als MMRV gegeben, könnte man 4) und 5) bei der U6 kombinieren – dann spart man sich noch einen Termin.
– Strenggenommen sind keine grossen Abstände zwischen den Impfungen einzuhalten, ein Monat hat sich aber als praktisch erwiesen.
– Die zweite MMRV-Impfung sollte erst nach dem 15. Lebensmonat erfolgen, kann aber „ab Beginn des zweiten Lebensjahres“ gegeben werden.

Impfkalender bei der STIKO auch in vielfacher Übersetzung erhältlich
Ausführliche Erläuterungen im Epidemiolgischen Bulletin
STIKO-Empfehlungen als App

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Ein Pieks weniger

Breaking News:

Die Ständige Impfkommission STIKO hat in ihrem neuesten Bulletin, das stets im August erscheint, ein ganz kleines Bisschen an den Impfempfehlungen gedreht: So wechselt sie bei den Pneumokokken-Impfungen vom 3+1 Schema zum 2+1 Schema, d.h. es wird nur noch zweimal im ersten halben Jahr geimpft und ein drittes Mal im zweiten Lebensjahr. Bisher wurde die Pneumokokkenimpfung an die Sechsfachimpfung gekoppelt. Letztere verbleibt übrigens beim 3+1 Schema, obwohl dies in manchen Ländern anders gehandhabt wird.

Übrigens: Die von vielen erwartete Empfehlung zur Menigokokken B Impfung blieb im aktuellen Bulletin aus, zu unsicher sei noch die Studienlage. Das halte ich persönlich für eine mutige Entscheidung, denn eine Meningitis B ist für uns alle ein Horror sondergleichen.

SPON zu den Empfehlungen

Das neueste Bulletin als pdf.

Empfehlungen für Säuglinge in Maserngebieten

N.G. hat mir eine Anfrage per Mail geschrieben, die ich gerne in der aktuellen Debatte aufgreifen möchte. Da sie ihre Fragen von Kinderärzten in der Umgebung nicht beantwortet sieht, da diese „in Bezug auf Impfen und Co recht .. esoterische … Meinungen vertreten“, versuche ich mich einmal.

Ich darf keine gezielten Anfragen beantworten, insbesondere keine personenbezogenen Hilfestellungen geben, also bitte nicht jetzt anfangen, Mails zu schreiben. In diesem Fall ist es aber allgemein genug:

N.G. schreibt: Aktuelle Fragen von meinen Bekannten (die auch alle Babys und Kleinkinder haben) und mir:

+ Wenn man in einem Gebiet wohnt, wo eine aktuelle Masernepidemie
grassiert – soll man dann sein Baby vorzeitig (ab 9 Monaten) impfen?

Die Masernimpfung wird üblicherweise im 11. oder 12. Lebensmonat durchgeführt (z.B. bei der U6). In allen Fachinformationen der zur Verfügung stehenden Impfstoffe (Masern-Mumps-Röteln oder Masern-Mumps-Röteln-Windpocken) gibt es aber den Passus, dass bei Besuch einer Gemeinschaftseinrichtung vor dem 1.Geburtstag bzw. „wenn eine epidemiologische Situation“ diese erfordert, auch früher geimpft werden kann, allerdings nicht vor dem 9. Lebensmonat. Es könnten also ab heute Säuglinge geimpft werden, die vor dem 26. Mai 2014 geboren wurden.

Das ist natürlich eine individuelle Entscheidung. Ist ein älteres Kind in der Familie, besteht dadurch mehr Kontakt zu Kita oder Kindergarten, ist eine frühere Impfung sicher zu erwägen. Erst recht, wenn das zu impfende Kind selbst in die Krippe soll.

Das RKI schreibt: „Nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) kann die MMR-Impfung auch schon vor dem 12. Lebensmonat, jedoch nicht vor dem 9. Lebensmonat erfolgen (vor dem 9. Lebensmonat ist die Wirksamkeit durch das Vorhandensein mütterlicher Antikörper und durch die Unreife des kindlichen Immunsystems häufig stark vermindert). Eine Impfung ab einem Alter von 9 Monaten kann unter Berücksichtigung der gegebenen epidemiologischen Situation insbesondere in folgenden Situationen erfolgen:
bevorstehende Aufnahme in eine Gemeinschaftseinrichtung
nach möglichem Kontakt zu Masernkranken
Sofern vor dem Alter von 11 Monaten geimpft wird, muss die 2. Impfung bereits zu Beginn des 2. Lebensjahrs erfolgen, da persistierende maternale Antikörper im 1. Lebensjahr die Impfviren neutralisieren können.
Für eine MMR-Impfung von Säuglingen unter 9 Monaten fehlen umfassende Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit, so dass diese Säuglinge z.B. in einem Ausbruchsgeschehen in erster Linie durch Impfungen der Kontaktpersonen in der Umgebung zu schützen sind. Individuelle Risiko-Nutzen-Abwägungen können eine Impfung mit 6 bis 8 Monaten ausnahmsweise begründen. Vor dem Alter von 9 Monaten geimpfte Säuglinge sollen zum Aufbau einer langfristigen Immunität 2 weitere Dosen MMR-Impfstoff im 2. Lebensjahr erhalten. Nach Kontakt zu Masernkranken können unter 9 Monate alte Säuglinge nach individueller Risiko-Nutzen-Abwägung alternativ Immunglobuline zum Schutz vor einer Erkrankung erhalten. Nach einer Immunglobulin-Gabe ist die MMR-Impfung für 5 bis 6 Monate nicht sicher wirksam. Dies sollte bei der Indikation zur Immunglobulin-Gabe berücksichtigt werden.“

+ Soll man während einer Masernepidemie „öffentliche Orte“ mit
ungeimpften Babys vermeiden? Was tun, wenn das kaum machbar ist
(Einkaufen, Öffentl. Verkehrsmittel, etc)?

Ich halte das für überzogen und realitätsfern. Man kann sich nicht überall gegen alles schützen. Fernhalten würde ich mich allerdings aus Kindergärten und Schulen, wo es Masernfälle gab.
Ob ein Maserninfizierter im Ed.e.ka rumrennt oder die U-Bahn benutzt – auszuschließen ist das nicht. Ist er erkrankt, sind die Eltern hoffentlich vernünftig genug und lassen ihn daheim.
[Edit] Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte hat dazu eine etwas strengere Auffassung und empfiehlt mit der PM vom 27.2., „Familien mit Säuglingen, Menschenansammlungen zu vermeiden“.

+ Soll man während einer Masernepidemie Kontakte zu anderen
Babys/Kleinkindern vermeiden (Krabbelgruppen, Babyschwimmen, etc.)?

Das gleiche wie oben. „Babys“ sind per definitionem Kinder unter einem Jahr, die in der Regel ja eh noch nicht gegen Masern geimpft sind. In einer Krabbelgruppe mit „Babys“ ist die Chance einer Maserinfektion eher gering. Da diese Gruppen aber überschaubar sind und man sich ja kennt, darf die Frage schon gestellt werden, ob es ungeimpfte Geschwisterkinder gibt.
Gibt es masernerkrankte Geschwisterkinder, ist das inkubierte Geschwisterbaby sowieso zu Hause zu lassen, es wird die Masern zu 99,9% ebenfalls bekommen (und auch weitergeben).

Nochmal, liebe Eltern: Kommunziert! Fragt in Euren Gruppen, Kitas und Kindergärten nach der „Impflage“, diskutiert und erhöht den Druck auf die Anbieter und Kita/Kiga-Träger, nur geimpfte Kinder aufzunehmen.

+ Welche Vorsichtsmaßnahmen können Eltern mit ungeimpften Babys während einer Masernepidemie treffen? Verwandtschaft nochmal extra auf Masern ansprechen und ggf. nachimpfen?

Ja! Die einzige Schutzchance für Säuglinge sind die anderen, die sich hoffentlich impfen lassen, also Oppa, Omma, Tagesmutter, jeder Kontakt.
Alle Erwachsenen, die nach 1970 geboren sind und keine oder nur eine Masernimpfung hatten, sollten sich einmalig gegen Masern impfen lassen. So empfiehlt es die STIKO.

Masern-Infoblatt aus Neukölln von 2015
Masern-Infoblatt aus Berlin von 2012, ausführlicher und radikaler im Verbot des Schulbesuches für Ungeimpfte

Fernsehbefehl

… ok, nicht so martialisch: Fernsehempfehlung heute abend, oder jetzt schon über die 3sat-Mediathek: „Impfen – nein danke?

Für mein Dafürhalten ein recht ausgeglichener Beitrag, der viele Facetten des Themas bestreift, die üblichen Verdächtigen wie Ed Jenner und Monsieur Hirte, aber auch schlichte Fakten präsentiert, und auch die problematischen Themen rund ums Impfen, wie die Schweinegrippe und die HPV-Impfung nicht vergisst. Ich freue mich sehr, dass nicht zuviel vom Schwachsinn reproduziert wurde, was im Internet grassiert, und das letzteres tatsächlich als Hauptursache für die Impfskepsis unter Akademikern in Deutschland ausgemacht wurde.
Die forschende Psychologin bringt es auf den Punkt: Die Diskrepanz zwischen der Gefühls- und der Verstandesentscheidung. Und das viele Gefühlsentscheider sich letztendlich egoistisch darauf ausruhen, dass die Mitmenschen geimpft sind.

Ärgerlich hinterlässt mich wie immer Kollege Hirte aus München, der alleine auf der Emotionsebene argumentiert und mit schwammigen Begriffen kommt („einige“, „zahlreiche“, „ganze Menge“, „da muss man sich schon fragen…“). Herrje. Warum ausgerechnet er „zahlreiche Kinder“ gesehen hat, die nach „Fünffach- oder Sechsfach-Impfungen Krampfanfälle oder Hirnschäden“ bekommen haben, und wir anderen Niedergelassenen nicht, wird wohl sein ureigenes Rätsel bleiben. Vielleicht liegt es daran, dass er nur privat behandelt und keine KV-Zulassung hat?

Schön, dass man am Ende sieht, wie er auch impft, wenn auch in den Gluteus, mit einer recht eigenwilligen Technik, ob das so empfehlenswert ist? Vielleicht hat er deshalb soviele Nebenwirkungen beobachtet? Aber er würde ja auch Masern nur deswegen impfen, „damit die Kinder ihre Eltern nicht anstecken“…

noch ´ne neue Impfung?

… nein, das ist falsch, die ist nun wirklich nicht neu: Die Rota-Virus-Impfung. Ich hatte schon davon berichtet.

Neu ist, dass nun auch die Ständige Impfkommission eine allgemeine Empfehlung ausgesprochen hat. Bisher gab es zwar die Impfung, sie wurde von uns Kinder- und Jugendärzten auch empfohlen, aber … die Finanzierung war immer noch kompliziert. Die einen Kassen haben sie bezahlt, die anderen nicht, private Kassen wollten einen extra Schrieb vom Kinderarzt, dass die Impfung wirklich indiziert sei, usw. Mit der jetzigen STIKO-Empfehlung wird das hoffentlich einfacher. Immerhin hat bereits die grösste Krankenkasse, die AOK, eine allgemeine Kostenübernahme mit entsprechender Abrechnungsziffer genehmigt. Und das will etwas heissen, war doch die AOK bisher eher der Hemmschuh bei Novitäten (siehe neue Vorsorgeuntersuchungen für Kinder).

Wer bekommt die Impfung? Säuglinge ab der 6. Lebenswoche bis allerspätestens der 24 (32). Lebenswoche.
Wie wird sie gegeben? Eine Schluckimpfung, hurra! Ich bin überrascht, wieviele Eltern der Impfung sofort zustimmen, wenn sie hören, dass diese oral gegeben wird – Spritzen sind böseböseböse.
Wie oft wird sie gegeben? Es gibt zwei Anbieter, beim einen gibt man zwei Dosen, beim anderen drei, jeweils im Abstand von einem Monat. Da die Erstattung für die Ärzte in der Summe gleich ist, kann man sich leicht ausrechnen, welcher Impfstoff sich durchsetzen wird.

Welche Nebenwirkungen gibt es? Naja. Da die Impfung gegen Durchfallsviren ist, kann sie als NW auch mal Durchfall machen. Allgemeine systemische NW sind eher selten, leichtes Fieber ist aber immer möglich. Eine gefürchtete Nebenwirkung ist die Invagination, die bei einem älteren Impfstoff häufiger vorkam, mit der neuen Generation aber sehr selten geworden ist (max. 2/100000).

Rotaviren sind die häufigsten Verursacher für Durchfall im jungen Kleinkindalter und die häufigsten Erreger, die einen Krankenhausaufenthalt nach sich ziehen – das gilt es zu vermeiden. Praktisch jedes Kind durchläuft einmal eine Rotavirus-Infektion – für kleine Säuglinge ist die Erkrankung am problematischsten, die mögliche „Austrocknung“ durch den Durchfall bestimmt letztendlich den Zustand der Kinder. Todesfälle können vorkommen, sind bei uns aber sehr selten geworden, da Eltern sich der Risiko bewusst sind.
Ganz unabhängig davon ist stets gut, Kinder vor Krankheiten zu schützen, banal, doch Prävention ist Inbegriff des Arztberufes.

Trotzdem ist die Versorgung eines Rotaviruserkrankten in der industrialisierten Welt unproblematisch, die Impfung letztendlich ein Glück der Vorbeugung, wenn auch ein Luxus. 85% der Todesfälle an Rotaviren treten in den Entwicklungsländern auf – wir fragen lieber nicht, wieviele der Impfungen bereits in der Dritten Welt verteilt wurden.

Schöne Übersicht des Kollegen Pabel – wenn auch inhaltlich (Impfung) veraltet
Infos des Berufsverbandes
Die Nachricht der Impfempfehlung von SPON – leider mit einem Schwachsinnsbild einer Stichimpfung
Begründung der STIKO

Kosten des Impfstoffes –
RotaTeq (3 Dosen) = je 45,76 € = 137,28 €
Rotarix (2 Dosen) = je 67,75 € = 135,50 €
Vergütung Impfarzt (je nach Krankenkasse, Bundesland usw.) = 12 – 15 € für die gesamte Impfserie (= 4 – 7,50 € pro Impfung)

Eine neue Impfung

Die Oberärztin und ich sind verzweifelt.
Der Fünfzehnjährige war am Morgen unseres gemeinsamen Dienstes in der Ambulanz gesessen und hatte über Kopfschmerzen geklagt. Am Tag vorher war er im Freibad, alle dachten, er habe einen Sonnenstich bekommen. Aber – er war meningeal, d.h. die Hirnhäute waren gereizt. Gibt es auch beim Sonnenstich.

Dennoch: Nach Untersuchung und Aufnahme zapften wir nicht nur Blut, sondern entnahmen auch Liquor am Rücken. Hochpathologisch. Eine Antbiose folgte, zügige Behandlung, Überwachung, alles, was nötig war.
Aber manchmal sind die Krankheiten schneller: Bereits zwei Stunden später beklagte der Junge stärkste Beinschmerzen, bei der Untersuchung fielen zahlreiche dunkle Flecken an den Beinen auf, Einblutungen, wie sie leider vor allem bei einer Meningokokken-Infektion vorkommen.

In den weiteren Stunden verblasste alles, was durch die Ambulanztür kam, was sind schon Husten, Schnupfen, Durchfall – die Kinderklinik kreiste nur noch um diesen Jungen. Intensivbehandlung, zentrale Katheter, zusätzliche Antibiotika – ihm ging es schlechter und schlechter.
In der Mitte der Nacht, das werde ich nicht vergessen, es war kurz nach zwei, war der Junge tot.

Es gibt Krankheiten, gegen die wir Ärzte machtlos sind. Es gibt Krankheiten, gegen die wir impfen können, damit unsere Macht vorwirkt. Die Meningitis durch die Meningokokken B war eine der Erkrankungen, die wir Kinder- und Jugendärzte immer am meisten fürchteten, gerade weil man so wenig tun kann. Wer die Krankheit überlebt, hat oft neurologische Folgeschäden oder verliert Gliedmaßen durch die gefürchteten Gefäßverschlüsse.

Ab diesem Sommer lässt sich die Krankheit impfen. Darüber sind wir Ärzte sehr froh. Einfacher kann man es nicht sagen.

Wikipedia zu Meningokokken
Infoartikel Impfung MenB des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte und zur Meningitis im Allgemeinen
Film zu dem Thema

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