Der Säugling ist coronapositiv

Wenn eine junge Familie mit ihrem gesunden Säugling im kinderärztlichen Notdienst ankommt, weil sie eine Woche vorher mit der coronapositiven Patentante Kontakt hatten, und der Test beim Säugling nun auch positiv ist, die Eltern am Telefon bei der Mitteilung des Befundes total durchdrehen und drei Stunden später wieder im Notdienst ankommen, um den Säugling nochmals anschauen zu lassen („ohne Befund“), die Eltern aber trotzdem fragen, ob man ihn nicht ein paar Tage überwachen könnte, dann hat die öffentliche Aufklärung über das Virus nicht gefruchtet, hat das beratende Gesundheitsamt keine ausreichende Beratung geleistet, hat der/die KollegIn im Dienst keine gute Beratung … Der Säugling ist coronapositiv weiterlesen

Mein Corona-Senf XI – Mehr Lockdown jetzt!

Das ist mir zu wenig. Seit heute gilt die nächste Stufe des Lockdowns in Baden-Württemberg. Das Ländle geht damit (mit Sachsen) die etwas härtere Gangart zum bundesweiten Durchschnitt, vermutlich wird ja der Rest der Republik in den nächsten Tagen nachziehen. Was gilt ab heute in BW? Aber, ist das genug? Mir ist das zu wenig. Mir ist der Respekt vor der Vorweihnachtszeit suspekt. Alle Gegenargumente sind mir bewußt, die Wirtschaft liegt darnieder, die Wochen vor dem Fest sind die umsatzstärksten des Jahres usw. – aber: „Erledigung von Einkäufen“ bedeutet weiterhin Shoppen, Shoppen, Shoppen, oder etwa nicht? Die Einschränkung auf „vor … Mein Corona-Senf XI – Mehr Lockdown jetzt! weiterlesen

Ärzte gegen Maskenpflicht lassen sich kaufen

Na prima, nachdem das ZDF-Magazin Frontal unlängst Fälle von Ärzten recherchiert hat, bei denen gegen Geldzahlung eine Befreiung von der Impfpflicht attestiert wurde (wohlgemerkt, ohne den Patienten/die Kinder zu sehen), wiederholt sich nun Ähnliches bei der Pflicht zum Tragen von Masken. Report von der ARD berichtet von einer Organisation namens „Ärzte für Aufklärung“ (sic!), die auf ihrer Homepage und in ihren Veröffentlichungen dazu aufrufen, doch bitteschön die Masken zu Hause zu lassen. Das bringe doch sowieso nichts und außerdem schränke es ja die Grundrechte ein. Das Übliche. Aber dabei blieb es nicht: Die investigativen Journalisten haben mehrere Anfragen gestartet, um … Ärzte gegen Maskenpflicht lassen sich kaufen weiterlesen

Warum die Notfallambulanzen so leer sind

In unseren organisierten Notdiensten für Kinder und Jugendliche am Wochenende und vielerorts am Abend, wenn die Praxen geschlossen sind, machen wir seit der Corona-Zeit eine sehr interessante Beobachtung: Es kommen kaum noch Eltern mit ihren Kindern. Und: Die Kinder, die vorgestellt werden, sind in aller Regel wirklich krank. Dies soll jetzt nicht abwertend klingen im Blick auf frühere Zeiten, aber der Notdienst wurde vielfach mißbraucht als praktische Anlaufstelle zum Wochenende, weil a) man es unter der Woche nicht geschafft hat oder b) man keinen Termin in der eigenen Praxis bekam/ausgemacht hatte. Ähnlich dürfte es in den allgemeinmedizinischen Notfallpraxen aussehen. Aber … Warum die Notfallambulanzen so leer sind weiterlesen

Wie Sprechende Medizin durch Zuhören wirkt

Der erste Kontakt Die ersten Sekunden beim Betreten des Untersuchungszimmers sind für ÄrztInnen die entscheidenden, wie in jeder anderen Situation, in der man Menschen trifft: In Interviews, beim Flirten, auf der Strasse. So auch in der Arztpraxis. Wie trete ich auf, wie öffne ich die Tür, was geschieht genau jetzt? Mit meinen kleinen Patienten ist das ebenso: Sie checken in den ersten Sekunden, was passiert. Du kannst zwar im Laufe der Konsultation noch dieses oder jenes aufholen, aber der erste Eindruck ist prägend. So ist es auch mit der Sprache. Was kommt am Anfang? Eine Begrüßung. Sie sollte freundlich sein, … Wie Sprechende Medizin durch Zuhören wirkt weiterlesen

Petition unterschreiben zur besseren kinderärztlichen Versorgung

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) befürchtet eine deutliche Verschlechterung der medizinischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. In den pädiatrischen Praxen gibt es bereits heute lange Wartezeiten für Termine – in manchen Regionen werden gar keine neuen Patienten aufgenommen. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch in der klinischen Versorgung. Viele Kinderkliniken können aufgrund von strukturellen Defiziten nicht wirtschaftlich arbeiten und sind daher akut gefährdet. „Wir mahnen schon seit langem, dass die medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen in diesem Land gefährdet ist. Nahezu überall in Deutschland fehlen Kinder- und Jugendärzte – das gilt nicht nur für die … Petition unterschreiben zur besseren kinderärztlichen Versorgung weiterlesen

No Show – Wenn Patienten nicht erscheinen

Inspiriert von @Ygritte auf Twitter… … musste ich mich einmal selbst hinsetzen und nachsehen, wieviele Termine beispielhaft in diesem Quartal nicht wahrgenommen wurden. Bilanz der No-Show-Termine Ein erschreckendes Bild: In den Monaten Juli bis September erschienen Patienten an hundertzweiundsiebzig (172!) Terminen nicht. Davon waren 40 Vorsorgeuntersuchungen, die wir mit 20 bis 30 Minuten ansetzen, 96 Impftermine (werden mit 5 Minuten geplant) und 36 Akuttermine (werden mit 5-10 Minuten geblockt). Letztere „Akuttermine“ sind solche, die die Eltern am gleichen Tag oder am Tag zuvor ausmachen. Scheinbar war es nicht so wichtig. Verpasste Impftermine tun nicht besonders weh, abgesehen davon, dass diese … No Show – Wenn Patienten nicht erscheinen weiterlesen

Warum ich impfe … gegen Tetanus

Wir hatten als Studenten im Praktischen Jahr in der Kinderklinik zweimal die Woche „Stationsvisite“, so hieß das wohl, d.h. wir sind dem Chefarzt hinterhergedackelt auf Station, um irgendetwas Spannendes anzugucken. Windpocken beispielsweise. Oder ein Pfeiffersches Drüsenfieber. Oder auch mal nur ein Streckbett nach Oberschenkelfraktur. Ja, damals lagen solche Sachen noch im Krankenhaus herum. An diesem Morgen folgten wir dem Großmuck auf die Intensivstation. Alleine das bedeutete schon Herzklopfen und feuchte Hände. Das konnte nur Spektakuläres heissen. Oder doch wieder „nur“ ein Frühgeborenes mit hundert Schläuchen und Beatmung. Am Ende haben alle geweint, sogar der immer so taffe Martin, der eigentlich … Warum ich impfe … gegen Tetanus weiterlesen

Jogginghosen und Koksen

Unsere Schule will jetzt den Schülern verbieten, Jogginghosen zu tragen. Das sei nicht repräsentativ, heißt es, würde ein schlechtes Bild auf die Schüler und damit die Schule werfen, sagen sie, und außerdem sehe es nicht gut aus. Streiten wir also über Hotpants, Kopftücher, Goldkettchen, Piercings, Ohne-BH oder Baggy Pants mit Blick auf die Unterhose. Und damals stritt man sich über Blue Jeans, Muscle-Shirts, Base-Caps, Ohrringe, Kaugummikauen und Birkenstocks mit Latzhose. Jeder Zeit ihre Kostüme, Uniformen, Trends und Moden. Aber geht es da überhaupt um die Jogginghose? Bei Kleidung, die die Phantasien von LehrerInnen anregen, oder am deutschen Leitbild kratzen, mag … Jogginghosen und Koksen weiterlesen

10 Gründe, warum Ärzte-Bewertungsportale zum Kotzen sind

Im Internet wird viel gewertet. Daumen hoch, Daumen runter, Likes und Dislikes, Kaufen oder nicht kaufen. Sind Bewertungen von Menschen aber sinnvoll? Hier meine zehn Gründe, warum ich Bewertungsportale für ÄrztInnen doof zum Kotzen finde: Die Bewertungkriterien sind nicht einheitlich Auf den Plattformen werden Dinge bewertet wie „Öffnungszeiten“, „Parkmöglichkeiten“, „Behindertengerecht“ oder „Alternative Heilmethoden“. Alleine diese vier sind sehr subjektiv konnotiert. Es gibt Menschen, die es schätzen, bereits um 7.30 Uhr beim Arzt/Ärztin zu sitzen, andere wiederum um 20 Uhr. Es gibt Patienten, die es hassen, Termine zu vereinbaren und andere, die darauf pochen. Parkplätze werden oft nicht wahrgenommen oder die … 10 Gründe, warum Ärzte-Bewertungsportale zum Kotzen sind weiterlesen