Dezembergedanken

Ich bin seit sechzehn Jahren in meiner eigenen Praxis als Kinder- und Jugendarzt tätig, das Zählwerk meines PC-Medizin-Praxis-Programms zeigt über 27000 Patienten an, die sich einmal oder meist mehrmals in dieser Zeit in meiner Praxis vorgestellt haben. Ich war vorher acht Jahre in einer großen Kinderklinik tätig, habe die letzten 1,5 Jahre nonstop auf der Intensivstation gearbeitet mit teils täglichen Kreißsaaleinsätzen, Mini-Frühgeborenen von 600 Gramm aufwärts und mehreren Reanimationen. Ich habe sicher ein paar Kinder gesünder gemacht, Eltern beraten und Familien durch Impfungen geschützt. Bestimmt habe ich auch Fehler gemacht und wünschte, dass sie nie geschehen sind, und dass niemand … Dezembergedanken weiterlesen

Kopfstreicheln.

Mutter: „Wir waren ja auch schon mal beim Osteopathen. Die hat auch gesagt, das Kind ist völlig in Ordnung.“ Wir befinden uns bei der U3, der ersten Untersuchung in der Kinderarztpraxis, ich sehe das Kind das erste Mal, vorher hat die Hebamme das Kind bei der Geburt gecheckt, sodann der kinderärztliche Kollege in der Entbindungsklinik bei der U2. Es war eine normale Entbindung, der Apgar war wunderbar, das Gedeihen gut. Ich: „Was hat Sie da hingebracht?“ Keine Ahnung, warum das in den letzten Jahren so zunimmt. Seit Jahrtausenden kommen Kinder ja so auf die Welt. Ok, die Medizin macht Fortschritte, … Kopfstreicheln. weiterlesen

Lasst uns Schwimmen gehen!

  Wir sind gerade am Meer, und auch hier komme ich an Themen fürs Bloggen. Schwimmen mit Kindern zum Beispiel. Oder besser: Haben Eltern kein Gefühl mehr für die Gefahren der Natur? Also Wasser. Und Meer. Hier ist samstags Bettenwechsel. Die Ferienhäuser werden verlassen bzw. neu bezogen, man regt sich auf, wie klamm, feucht und muffig, fuselig und staubig die Häuser hinterlassen werden und freut sich trotzdem über die feudalen vier Wände für eine Woche. Alle packen schnell aus und dann, zum Meer! Düne hoch, staunender Blick, das Meer ist stets ein neuer Anblick, aber dann … zieht es hinunter, … Lasst uns Schwimmen gehen! weiterlesen

Spahn bewegt sich in einem Paralleluniversum

„Kinder- und Jugendärzte kritisieren Spahn-Pläne BVKJ-Präsident Dr. Thomas Fischbach: „Spahn-Vorschlag ist unausgegoren, schadet unseren Patienten und wird Ärztemangel verschärfen!“ Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte lehnt den Vorschlag von Gesundheitsminister Jens Spahn ab, Kinder- und Jugenärzte zu längeren offenen Praxisöffnungszeiten zu verpflichten. BVKJ-Präsident Dr. Thomas Fischbach: „Die Idee, Kinder- und Jugendärzten verpflichtende offene Sprechstunden vorzuschreiben, zeugt von kaum noch zu überbietender Ahnungslosigkeit. Wir Kinder- und Jugendärzte arbeiten heute schon an der Grenze unserer Leistungsfähigkeit. Dank des Babybooms in Deutschland versorgen wir Hunderttausend Kinder mehr als noch vor acht Jahren und viel mehr als die veraltete Bedarfsplanung berechnet hat. Und wir … Spahn bewegt sich in einem Paralleluniversum weiterlesen

Besuche, wie sie nie stattfinden dürfen*

Mutter: „Ja, ich wollte mal diesen Ausschlag anschauen lassen.“ Ich: „Oh Gott…“ Mutter: „Wie jetzt?“ Ich: „Das sind Masern!“ Mutter: „Wirklich? Aber sie hat gar kein Fieber.“ Ich: „Ach nein? Dann sind es Windpocken!“ Mutter: „Aber sie hat gar keinen Juckreiz.“ Ich: „Achso… Dann vielleicht Scharlach?“ Mutter: „Aber sie hat gar keine Halsweh.“ Ich: „Ich habe mich geirrt! Es ist Neurodermitis! So!“ Mutter: „Oh nein! Das hatte ich befürchtet. Oh Gottogott.“ Kurze Kunstpause, um das Gesagte sich setzen zu lassen. Ich: „Ich habe doch nur Spaß gemacht. Das sind…“ Mutter: „…ja?“ Ich: „Ganz normale…“ Mutter: „…ja?“ Ich: „Hitzepickel.“ *Achtung: Satire. … Besuche, wie sie nie stattfinden dürfen* weiterlesen

Der Fünf-Minuten-Grippeappell

Wir ertrinken in Patienten, in besorgten Eltern, in Husten, Schnupfen, Fieber, „so krank war er noch nie“, „wird denn das gar nicht besser“ und „wir machen uns Sorgen“. Das Personal ist am Limit, selbst dezimiert wegen eigener Rotzenasen oder eigener -kinder, die Kindergärten machen Kleingruppenunterricht oder schließen komplett, weil die Erzieherinnen fehlen. Die Schulen verlangen Krankenatteste wegen der Grippewelle, als merke man dasnichtauchso bei dem Hustengeräuschepegel im Unterricht. Geplante Termine wie Impfungen oder Vorsorgeuntersuchungen versuchen wir auf ruhigere Monate zu verschieben, wenn das geht (aber Säuglings-Us kannst Du eben nur jetzt machen), damit die Gesunden sich bei uns nichts holen, … Der Fünf-Minuten-Grippeappell weiterlesen

Filterblase: Wenn Eltern anders entscheiden.

Aus aktuellem Anlass mache ich mir wieder mal Gedanken, vorher Eltern Informationen bekommen und wem sie vertrauen und nicht vertrauen. Gerade bei Neugeborenen, wenn es um das Vitamin K, die Fluorid- und Vitamin-D-Gabe und Impfungen geht, vertrauen Eltern gerne anderen Quellen als den Medizinern. Warum ist das so? Ungefiltert informieren? Unbestreitbar herrscht Unsicherheit vor, geboren aus Unwissen, schließlich kann man sich nicht über alles informieren oder Informationen filtern. Wenn wir Eltern werden, müssen wir mit einem Mal Experten werden für Dinge, die in den Jahren zuvor völlig unwichtig waren. Wir müssen Pädagogen werden, müssen Mediziner werden, müssen Ernährungswissenschaftler und Pflegekräfte … Filterblase: Wenn Eltern anders entscheiden. weiterlesen

Die Rettung allen Lebens

Schon mal von dem Phänomen des „Großen Blutbildes“ gehört? Ärzte lieben es und treffen es tagtäglich in der Praxis an. Wann immer ein Kind zweimal in vierzehn Tagen krank war, wann immer es ein wenig blässlich um die Nase wirkt, wann immer es zu dick, zu dünn, zu aufgedreht, zu ruhig ist, kommt die Frage nach einer Blutabnahme, nach dem erkenntnis- und heilbringenden Stich. „Ich glaube, sie hat was an der Schildrüse“, „vielleicht ist er ja allergisch“ und „Diabetes gibt es in der Familie“. Die Krönung des ganzen ist dann „Machen Sie doch mal ´Ein großes Blutbild`, wir haben noch … Die Rettung allen Lebens weiterlesen

Kinderärzten machen Hausbesuche. Aber nicht immer.

Passend zu dem gerade stattfindenden Kinder- und Jugendärztetag in Berlin gab es diese Woche in „Report Mainz“ einen interessanten Beitrag zum Thema Hausbesuch, für uns alle passend wurden die Kinderärzte herausgegriffen: Gute Zielgruppe (Eltern), Leidensdruck (Arme Kinder), unterrepräsentierte Fachärztegruppe in den Standesvertretungen. Kurz zusammengefasst: Die Patienten haben das Recht auf einen Hausbesuch, letztendlich ohne zu beurteilen, ob dieser überhaupt notwendig ist. Außerdem: Kinderärzte verdienen mehr als genug Geld, also können sie auch die Zeit im Auto verbringen. Als Zeugen der Klageseite präsentieren sich zwei Kinderkrankenschwestern, die natürlich beurteilen können, wie dringend ein Hausbesuch sei, und wie sehr ein Kind darunter … Kinderärzten machen Hausbesuche. Aber nicht immer. weiterlesen

Masterplan Medizinstudium wieder ohne Kinderversorgung

„Kinder- und Jugendärzte begrüßen Masterplan Medizinstudium, lehnen aber Landarztquote und Beschränkung auf Allgemeinmedizin ab: „Zur ambulanten Grundversorgung gehört auch die Kinder-und Jugendmedizin!“ Bund und Länder haben sich auf einen gemeinsamen Vorschlag zur Reform des Medizinstudiums geeinigt. Der „Masterplan Medizinstudium 2020“ sieht unter anderem eine Stärkung der allgemeinärztlichen Ausbildung vor. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) kritisiert vor allem die unsichere Finanzierung der Reform, die Landarztquote und die Beschränkung auf die Allgemeinmedizin. BVKJ-Präsident Thomas Fischbach: „Wir begrüßen den Reformplan. Eine größere Praxisnähe des Medizinstudiums, insbesondere die frühzeitige Einbindung von Medizinstudierenden in die ambulante Grundversorgung, dies fordern wir seit langem. Wichtig … Masterplan Medizinstudium wieder ohne Kinderversorgung weiterlesen