Kranke Kinder dürfen (nicht) in den Kindergarten?

Der folgende Tweet hat mich in den letzten Stunden umgetrieben, direkt antworten ist schwierig, weil das schon hart an der (unseriösen) medizinischen Beratung entlangrutscht, aber interessant ist das Thema schon. Das Kind ist krank, die Eltern gehen zum Kinderarzt, eventuell auf Anraten der KiTa, nun mal endlich zum Arzt zu gehen. Oder eben auch nicht. „Darf er/sie denn in den Kindergarten?“ – „Ab wann darf er/sie in den Kindergarten?“ – „Ist das denn ansteckend?“ (Pro-Tipp: Immer.) – „Im Moment sind ja alle krank, das hat er/sie ja auch aus dem Kindergarten.“ – „Die denken immer gleich an Corona, aber das … Kranke Kinder dürfen (nicht) in den Kindergarten? weiterlesen

Sommers, Sonnen, Brand

Die größten Kopfschüttelmomente gibt es in der Praxis stets dann, wenn wir Dinge in der Sprechstunde sehen, die längst der Vergangenheit angehören sollten, weil Aufklärung und mediale Verbreitung zur Vorsicht bei den Eltern gesorgt hat. Stürze sind aber unverändert an der Tagesordnung, ja, auch die vom Wickeltisch, Verbrühungen mit Tee oder an der Heizung. Und eben auch: Sonnenbrand. Marie ist siebeneinhalb, und sie hat nach Aussagen der Mutter den ganzen Mittwoch Nachmittag im hauseigenen Pool und im Garten verbracht. Man hat ja heute eher Pool als Trampolin, willkommen bei diesen aktuellen Temperaturen, verständlich. Marie hat geplanscht, getobt, sie trug zwar … Sommers, Sonnen, Brand weiterlesen

Dinge, die mich im Urlaub beschäftigen*

„Na, Herr Doktor, Sie waren mal wieder nicht da, und wir mussten – wie immer – zum Vertretungsarzt.“ So oder ähnliche passiv-aggressive Vorwürfe bekommen ÄrztInnen gerne zu hören, wenn sie aus dem Urlaub zurückkommen. Dabei erfüllen wir doch lediglich Murphy´s Law, wonach immer genau das eintritt, was am wenigsten erwartet wurde. Oder so ähnlich. Und schließlich geht es uns im Urlaub ähnlich den Lehrern. Urlaub ist eigentlich kein Urlaub. Nur patientenfreie Zeit. Zumindest beinahe. Dinge, die mich im Urlaub beschäftigen…* Abrechnung Noch so ein ungeschriebenes Gesetz: Die Abrechnung für die Praxis fällt immer in den Urlaub, ins lange Wochenende, mindestens … Dinge, die mich im Urlaub beschäftigen* weiterlesen

Kontaktreduzierung

Mutter: „Meine Sofie-Marie-Anni hat das so Pickel, das möchte ich angesehen haben.“ fMFA: „Wo ist denn der Ausschlag? Hat Ihr Kind Fieber? Juckt es? Haben Sie schon mal etwas aufgetragen? Seit wann besteht der Ausschlag? Sonst irgendwelche Symptome?“ (Strategisch gekürzte Wiedergabe) Mutter: „Am Rücken ist das. Kein Fieber. Juckt wenig. Noch nichts draufgemacht. Seit heute morgen. Sonst nichts.“ (siehe oben) fMFA: „Wir möchten ja im Moment so wenig gesunde Kinder wie nötig in die Praxis lotsen. Daher bieten wir die Möglichkeit an, den Ausschlag per E-mail anzusehen. Sie können ein Foto machen, der Doktor schaut es sich an, und wir … Kontaktreduzierung weiterlesen

Wie wir in der Praxis gegen COVID-19 impfen können

Wir haben eine sehr praktisch geschnittene Raumaufteilung in unserer Praxis mit ausreichend Bewegungsfläche, einem großzügigen Bereich vor der Praxis, in dem sich Menschen auch mit Abstand aufhalten könnten, ein Isolierungszimmer und ein grosses Wartezimmer. Die Aufteilung für eine zügige Impfung von Erwachsenen wäre für uns kein Problem. 1.Terminvergabe: Selbstverständlich können wir nur nach Terminvergabe impfen, „ohne Termin“ sprengt alle Planungen. Bedeutet: Jede/r ohne Termin wird konsequent weggeschickt. Terminvergaben machen wir übers Telefon oder nach E-Mail-Anfrage und Rückruf. Eine Online-Terminvergabe mittels „geblockter“ Zeiten ist denkbar. 2. Aufklärung: Wir stellen ein Dokument zum Download ins Internet, mit einem Fragebogen (Allergien? Gerinnungsstörungen? Blutverdünner?) … Wie wir in der Praxis gegen COVID-19 impfen können weiterlesen

Mein Corona-Senf XII – #ZeroCovid

Ich bin in einer pandemieprivilegierten Situation. Ich habe einen Beruf, der mehr als kompatibel mit der gesundheitlichen Lage ist, meine Frau ebenso, meine Kinder sind weitestgehend selbstständig in ihrer schulischen Ausbildung (vielmehr lassen sie sich sowieso da nicht reinreden), meiner Praxis geht es ausreichend gut, auch wenn die letzten drei Quartale weit unter den Zahlen des Vorjahres lagen. Meine Haare sind mittlerweile nicht mehr ansehnlich, ich vermisse Kino- und Konzertbesuche und ein leckeres Restaurantessen mit oder ohne Freunde. Vor allem fehlen mir Bummeleien in der Innenstadt, das sinnlose Schlendern durch Geschäfte und das Zeitvergessen in Buchhandlungen und/oder Bibliotheken. Wir waren … Mein Corona-Senf XII – #ZeroCovid weiterlesen

Praxiswechsel

Sechsjährige in der Sprechstunde mit „gerötetem Auge“. Befund: Mmmmh, wenig? Nichts? Ein bissel Rötung am medialen oberen Augenlid, Konjunktiven reizlos. Ich: „Das sieht gut aus. Vermutlich nur gereizt. Kalte Luft. Wind. Gerieben. Das ist aber erstmal nichts Entzündetes.“ Merke: Immer eine Erklärung geben. Auch wenn der Befund eher, naja, oberflächlich ist. Vater: „Was sollen wir da reinmachen?“ Ich: „Nichts. Das heilt von alleine. Möglichst nicht dran reiben, Zug vermeiden, wenn es nicht besser wird, kommen Sie nochmal vorbei.“ Vater: „Da habe ich jetzt aber ein Problem mit. Sie schreiben mir nie was auf.“ Ich: „Ich schreibe dann ein Rezept, wenn … Praxiswechsel weiterlesen

Osteopathie ist nicht verordnungsfähig

In diesem Blogbeitrag soll es nicht darum gehen, ob die Osteopathie sinnvoll ist oder irgendeinen Effekt hat, der über den eines Placebos hinausgeht, oder ob Osteopathie in bestimmten Situationen sogar schädlich sein kann. Das haben andere an anderer Stelle schon ausführlich dargelegt, ich verweise gerne aktuell auf den Artikel von Edzard Ernst. Heute gehts darum: Osteopathie ist für ÄrztInnen nicht verordnungsfähig. Wir sind der so genannten Heilmittelverordnung verpflichtet, in der therapeutische Verfahren gelistet sind, die verordnet werden können, als da wären Physiotherapie, Logopädie, Ergotherapie, Ernährungstherapie und Podologie. Nicht zu finden ist die Hippotherapie, Kneipp-Therapie, Chiropraktik, Geistheilung oder eben die Osteopathie. … Osteopathie ist nicht verordnungsfähig weiterlesen

Weniger Infekte dank Corona?*

Im vergangenen Jahr hat sich so einiges verändert. Dazu zählen auch die Besuchsgewohnheiten beim Kinder- und Jugendarzt. Bereits während des ersten Lockdowns haben wir in den Praxen einen deutlichen Rückgang der Patientenzahlen gespürt. Im März und April sind wir zwar selbst aktiv geworden und haben Vorsorgeuntersuchungen und planbare Impftermine verschoben, manche Dinge wie Kontrollen der Sprach- oder Motorikentwicklung für Heilmittel gänzlich abgesagt – Logopädie und Ergotherapie fanden in den Praxen nicht mehr statt. In der Zwischenphase des Sommers, als alles so gut aussah, konnten wir die ganzen Termine abarbeiten und nachholen, der Sommer in der Kinderarztpraxis ist grundsätzlich entspannter. Aber … Weniger Infekte dank Corona?* weiterlesen

Freitagabendassoziationen

Ich drifte so durch die Sprechstunde, aktuell ist es eher entspannt und ruhig, keine Ahnung, weil vielleicht sich keiner traut, in die Praxis zu kommen, oder weil alle eher gesund sind dank Masken und Händewaschen, oder weil meine fMFA einfach eine verdammt gute Arbeit am Telefon machen und beraten. Vielleicht hat Corona genau diesen Effekt: Nicht mehr alles andere so schwer nehmen, nicht jedes kleine Wehwehchen in die Praxis tragen. Kleine Hoffnungen. Es bleiben die Routinen übrig: Impfungen, Vorsorgeuntersuchungen. Klar, Abstriche machen wir auch, meist vorsorglich, manchmal gezielt nach Kontakt, weil das Gesundheitsamt beauftragt, manchmal zur Beruhigung. Die wenigen Positiven … Freitagabendassoziationen weiterlesen