Sprechen wir mal über Strumpfhosen

Nach den Turbulenzen der Hauptstadt hat mich der Alltag der Praxis wieder feste im Griff, die Grippesaison ist nun da, so dass wir nicht mehr unterscheiden, ob Grippe oder grippig, krank sind sie alle.
Aber wer will schon jammern? Zur Auflockerung ein Quickie von vorgestern:

Nachdem ich Joline-Marie fertig untersucht hatte, Vier-Jahres-Check, alles in Ordnung, bis auf die wiederholten „Steuer“-Versuche der jungen Dame, setzte ich mich an den Schreibtisch, die Mutter zog ihre Tochter an. Es entwickelte sich folgender Dialog:

Mutter: „Oh, Joline-Marie, jetzt haben wir die Strumpfhose vergessen. Naja, ist jetzt auch egal, oder?“
JM: „Mag keine Strumpfhose.“
Mutter: „Magst Du keine Strumpfhose?“
JM: „Mag keine Strumpfhose.“
Mutter: „Aber draußen ist es kalt. Sollen wir Dir noch die Strumpfhose anziehen?“
JM: „Nein!“
Mutter: „Wäre aber schon besser, oder?“
JM: „Keine Strumpfhose.“
Mutter: „Na komm, wir ziehen sie schnell an, ok?“
JM: „Nein.“

Mutter: „Also gut. Dann eben nicht. Wir sind ja auch gleich am Auto. Dann lassen wir die Strumpfhose weg, oder?“
JM: „Strumpfhose anziehen!“

Woran mich das erinnert? Hier (Retro-Kinderdok-Klassiker).

Wenn´s unten juckt

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Also, jetzt wirds etwas intim bis unangenehm, wer da empfindlich ist, bitte weglesen:

Der Junge stellt sich vor wegen „Jucken im Schritt“, wohl auch Brennen beim Urinieren, die Mutter sagt, da sei wohl „was offen“. ´s Bobe ist übrigens zehn Jahre alt.

Ich: „Ok, dann muß ich Dich da unten mal untersuchen, darfst Dich mal hinlegen und die Hose etwas runterziehen.“
Bobe: „Muß das sein?“
Ich: „Ich fürchte schon, sonst kann ich nicht viel dazu sagen. Keine Sorge, das geht ganz schnell. Kannst du denn deine Vorhaut ganz zurückschieben?“
Bobe: „?“
Ich: „Du weißt aber schon, wie das geht?“ Ich untersuche ihn dabei am Genitale und schiebe vorsichtig die Vorhaut nach hinten. Er schaut etwas irritiert.
Mutter: „Du weißt doch wie das geht. Weißt du doch, oder? Machste das nicht?“
Ich: „Wissen Sie selbst das denn nicht? Oder kümmert sich der Vater drum?“
Mutter: „Weiß ich doch nicht, der Vater kommt immer spät vonner Schicht, der kann da nicht gucken. Und mich lässt er ja nicht schauen.“
Ich: „Ok, aber wenn der Vater nicht da ist, müssen Sie sich doch drum kümmern, ob er will oder nicht. Aber eigentlich wäre das doch wirklich ein Job zwischen Vater und Sohn, oder? Gibt ja auch Wochenenden. Und immerhin ist er nun schon zehn Jahre alt.“

Schade. Der Junge hatte keine Ahnung, was „da unten“ vorgeht. Ich habe ihm dann (bei ihm) gezeigt, wie man die Vorhaut zurückschiebt, empfohlen, das wirklich täglich zu säubern, mit Waschlappen oder beim Duschen und den Vater via Mutter nochmal in die Pflicht genommen. Die mangelnde Hygiene war leider entsprechend sichtbar – durch die massive Ansammlung an Smegma hatte sich eine Entzündung der Glans entwickelt, die Vorhaut war an einer Verklebungsstelle schon massiv überreizt, teils offen, kein Wunder, das ´s Bobele Schmerzen beim Wasserlassen hatte. *Schüttel*


Heute hatte ich mal wieder so einen Fall, und da dachte ich, „das habe ich doch schon einmal verbloggt“ – also den alten Fall herausgekramt und recycelt und aufgehübscht (Ursprünglich hier).

(c) Bild bei Pexels

Don Massimo und die Geflüchteten

Young and FatMassimiliano ist reichlich dick. Seine Gewichtsperzentile sprengt den Rahmen des Computermonitors (nach oben), ich muss scrollen. Ganz abgesehen davon, dass ich den Eltern das seit dem vierten Lebensjahr unter die Nase halte, bewegt sich sonst nichts in der Familie.

Inzwischen geht Don Massi in die fünfte Klasse. Ich mache mal wieder einen Anlauf.

Ich: „Bist Du denn im Sportverein?“
Don Massi: „Hat mir nicht gefallen. Fussball war doof, Schwimmen kann ich nicht und Taekwondo war Papa zu teuer.“
Ich: „Und wie kommst Du zur Schule?“
Don Massi: „Papa.“
Papa: „Ich fahre.“
Ich: „Im Winter?“
Papa: „No. Immer. Zu kalt.“
Ich: „Jetzt auch noch?“ Ich deute auf die Sonne, die just heute ins Untersuchungszimmer scheint.
Papa: „Ist ja grad krank, der Bub.“ Mmmhja. Ein wenig Schnupfen.
Ich: „Und laufen? Ist das weit?“
Don Massi, winkt ab: „Kilometer?“
Papa: „Eher 1500 Meter.“
Ich: „Also laufen?“
Massimiliano schaut leidend zum Vater.
Papa: „Zu kalt.“
Ich: „Und dann ab nächstem Monat? Frühling? 15 Grad morgens?“
Papa: „Mal sehen.“
Ich: „Oder Fahrrad? Hast Du ein Fahrrad?“
Massimiliano: „Nur ein kleines. Von erster Klasse.“
Ich: „Super. Neues Fahrrad zum Geburtstag, Morgens zur Schule, mittags zurück. Da gehts eh nur bergab.“ Ich kenne die Lokalitäten.
Papa: „Weiß nicht. Gefährlich.“
Ich: „Wegen der Hauptstrasse? Aber da gibt es doch von Ihnen aus die Unterführung.“
Papa: „Nicht Verkehr. Die Leute.“
Ich: „Welche Leute?“
Papa: „Na. Sind doch jetzt so viele da. Flüt-chlinge…“
Ich: „Flüchtlinge? Was machen die?“
Papa: „Da möchte ich gar nicht dran denken.“
Ich: „Bestimmt nicht Ihren Sohn vom Fahrrad holen.“
Papa: „Weiß man?“

Und schon sind die Flüchtlinge Schuld daran, dass unsere Kinder zu dick sind.

(c) Bild bei Flickr/Tony Alter (Creative Commons License)

Papagei

Shy girl

Setting: Fünfjährige Tochter, Mutter, Kinderdok. Untersuchung.
Ich: „Oh prima, Unterhemd ist schon ausgezogen, dann höre ich dich mal ab.“
Mutter: „Jetzt hört der Onkel Dich mal ab.“
Ich: „So, dann schaue ich noch in die Ohren.“
Mutter: „Nur kurz Ohren schauen, nicht schlimm.“
Ich: „Alles klar, und noch den Mund auf.“
Mutter: „Komm, mach schön den Mund auf.“
Ich: „Legst du Dich mal hin, dann taste ich noch Deinen Bauch ab.“
Mutter: „Legst dich schön hin, passiert nichts.“
Ich: „Also wunderbar, dann setz Dich mal wieder.“
Mutter: „Setz Dich mal wieder.“
Ich: „Wie alt bist Du denn schon?“
Mutter: „Komm sag, wie alt bist Du?“
Tochter: „…“
Mutter: „Bist du vier oder fünf?“
Tochter: „…“
Ich: „Kannst mirs auch mit den Fingern zeigen.“
Mutter: „Bist Du fünf?“
Tochter nickt. Lässt die Hand wieder sinken.
Ich: „Hast Du denn arge Halsweh? Oder gehts mit dem Essen und Trinken?“
Tochters Mund öffnet sich.
Mutter: „Essen geht schon. Gell, Marlies-Susann?“
Tochter nickt.
Ich, erstmals zur Mutter: „Also, sie hat einen leichten Racheninfekt, ist nicht so schlimm, ein wenig rot, nichts eitriges. Da darf sie was lutschen, viel trinken. Das wird schon.“
Mutter: „Siehst, Marlies-Susann, alles nicht so schlimm beim Onkel Dokter.“
Ich: „Also Tschüss, Marlies-Susann.“ Reiche ihr die Hand.
Tochter versteckt sich hinter der Mutter.
Mutter: „Naja, das macht sie nicht so gern, sie ist immer sooo schüchtern.“

(Von diesen Konstellationen gibt es mehr, als ich denken kann, gerade am Freitag war wieder eine Kandidatin mit ihrer… Tochter da. Da war mir, das muss ich nicht bloggen, das gabs sicher schon im Blog. Und siehe da. Tatsächlich. Hier also die wenig recyclete Variante von vor 8 Jahren.)

(c) Foto bei Flickr/Andy (CC Lizenz BY-ND 2.0)

Mein Kind geht gerne zur Schule!

Ich lausche einem Telefonat an der Anmeldung.
Die üblichen Begrüßungsrituale, dann:
fMFA: „Um was geht es denn bei Ihrer Tochter?“
… (Gemurmel am anderen Ende der Leitung)
fMFA: „Und seit wann hat sie Fieber?“
… (siehe oben)
fMFA: „Wie oft? Also das Erbrechen?“
… (s.o.)
fMFA: „Und sie ist wie alt? Zehn Jahre?“
… (etc.)
fMFA: „Ok, Moment, ja, ich gebe Ihnen einen Termin, Moment.“
… (Mausklicken, Suche im Terminkalender), dann:
fMFA: „Sie können gerne gleich kommen, so gegen 9 Uhr dreißig?“

fMFA: „Wie, in der Schule?“

fMFA: „Aber…, hat sie nicht Fieber und fünfmal gebrochen in der Nacht?“

fMFA: „Sie wollte in die Schule…? Ist das nicht Ihre Entscheidung?“

fMFA: „Aber sie ist doch krank.“

fMFA: „Und andere Kinder anstecken?“

fMFA: „Ja, gut, wenn Ihre Tochter jetzt mit Fieber in der Schule ist… Dann kommen Sie bitte um 14 Uhr fünfzehn, geht das?“ (… oder ist sie da im Ballett?)

fMFA: „Ich möchte Ihnen gerne empfehlen, nach der Schule den Termin wahrzunehmen. 14 Uhr dreißig. Ja? Die Geigenstunde würde ich dann heute mal sausen lassen. Wissen Sie, wegen Krankheit.“

Pointe?
Die Mutter stand um 10 Uhr mit der Tochter – natürlich ohne Termin – in der Praxis. Sie musste sie aus der Schule abholen, weil sie sich, ja, im Unterricht erbrochen hat.

Behindern Schnuller den freien Spracherwerb?

window to the soul

Aus der Praxis haben wir Kinderärzte uns das schon immer gedacht: Schnuller behindern möglicherweise das Sprechenlernen.

Eine Beobachtungsstudie aus Kanada lässt die Wissenschaftler philosophieren: Für den guten Spracherwerb eines Kleinkindes braucht es nicht nur ein gutes Gehör, sondern wohl das freie Spiel der Zunge, um Laute besser differenzieren zu können. In der Studie wurden sechs Monate alten Säuglingen Zahnungshilfen wie Beißringe gegeben und beobachtet, wie die Kinder Laute unterschieden konnten – behinderten diese Zahnungshilfen die Zungenbewegungen, konnten die Laute nicht mehr unterschieden werden.

Dr Alison Bruderer, eine der Studienleitungen, formuliert es vorsichtig, wie sich das für einen Grundlagenforscher gehört: Es bedeute nicht, das Eltern nun ihren Kindern Zahnungshilfen oder Schnuller vorenthalten sollten, aber es werfe doch die Frage auf, wieviel Zeit das freie Zungenspiel bei in der Sprachentwicklung befindlichen Kleinkindern benötige, um eine normale Sprachaufnahme zu ermöglichen, so der Artikel.

In der Praxis des Kinderarztes sehen wir das praktischer: Viele Kinder, die mit zwei Jahren noch wenig aktive Sprache produzieren, „hängen“ noch an Saugern, Flaschen oder Schnullern. Manche brabbeln daran vorbei, bei manchen stöpselt der Schnuller die Sprache regelrecht zu. Die vorliegende Studie könnte eine grundlegende Erklärung dafür bieten.

Wem die Gründe „Offener Biß“, „Kariesrisiko“, „Zunahme von oberen Luftwegsinfekten und Ohrenentzündungen“ nicht ausreicht, denn auch das macht das Schnullern: Für eine gute Sprachentwicklung sollten die Sauger weg.

Empfehlungen aus der Praxis:
– Ein Schnuller im Säuglingsalter ist unproblematisch – Forscher zum Plötzlichen Kindstod empfehlen sogar den Schnuller als Schutzfaktor, wenn das Kind daran gewöhnt ist.
– Ab erstem Geburtstag sollte der Schnuller tagsüber weggepackt werden, jetzt beginnt die wichtigste Zeit des aktiven Spracherwerbs
– Schnullerketten als Unterstützung des Wiederfindens gar nicht erst anfangen
– Bis zum zweiten Geburtstag den Schnuller auch nachts komplett weg lassen

Keine Frage: Es ist schwer, einen Schnuller abzugewöhnen. Aber wie vieles in der Kindererziehung – den Schritt müssen die Eltern tun.

(Danke an @dieterjosef für den Link)

(c) Foto bei Flickr/chris

Mäanderne Anamnese abends um 21 Uhr

Neulich im Notdienst.

Mutter: „Ich wollte das Gesicht mal zeigen, diese Pickel.“
Ich: „Hat sie die noch woanders?“
Mutter: „Nein.“
Ich: „Sonst ist sie nicht krank?“
Mutter: „Nein.“
Ich: „Medikamente? Allergien?“
Mutter: „Nein.“
Ich schau mir die Kleine an. Sie hat eine beginnende Impetigo, eine superinfiziert trockene Haut im Gesicht.
Daher, wie immer bei „Haut“: Mal komplett ausziehen.
Ich: „Oh, aber hier an den Handgelenken ist es auch ganz schön entzündet.“
Mutter: „Achja…“
Ich: „Und der Rest der Haut?“
Mutter: „… ist okay.“
Sie zieht währenddessen den Body über Bobeles Kopf.
Ich: „Aber der ganze Körper ist ja gerötet.“
Mutter: „Ja, das ist oft so.“
Ich: „Sagten Sie nicht, die Haut ist sonst in Ordnung?“
Mutter: „Ja, ein bisschen trocken.“
… ist reichlich untertrieben.
Ich: „Aber sonst ist sie gesund?“
Mutter: „Ja, schon.“
Ich: „Schaue ich mir mal noch Rachen und Ohren an.“ Dann: „Oh, das Ohr hier ist aber auch entzündet.“
Mutter: „Ja, das hat die Kinderärztin auch gesagt.“
Ich: „Ach, sie waren heute schon bei der Kollegin?“
Mutter: „Nee, gestern.“
Ich: „Und was sagt die zu der Haut?“
Mutter: „Nichts. Sie meinte, das könne vom Antibiotika kommen.“
Ich: „Welches Antibiotikum?“
Mutter: „… das sie seit gestern kriegt.“
Ich: „Aber gestern war die Haut ja noch in Ordnung, sagen Sie, das konnte die Kollegin ja noch gar nichts zu sagen.“
Mutter: „Doch, das hat die Kinderärztin ja heute gesagt.“
Ich: „Dann waren Sie heute nochmal bei der Ärztin?“
Mutter: „Ja, vor zwei Stunden. Ist aber nicht besser geworden mit der Salbe.“
Ich: „Welche Salbe? Ich dachte, sie kriegt keine Medikamente?“
Mutter: „So eine grün-weiße Verpackung.“
Ich: „Aha. Noch was, was ich wissen muß?“
Mutter: „Nein.
Ich: „Wahrscheinlich hat sich die trockene Haut entzündet mit Bakterien. Da ich nicht weiß, welche Salbe Sie benutzen, schreibe ich Ihnen mal was dafür auf, ja? Das Antibiotikum wird wahrscheinlich auch noch dabei helfen, neben den Ohren.“
Mutter: „Kriegt sie aber nicht mehr.“
Ich: „Was, das Antibiotikum?“
Mutter: „Habe ich weggelassen, weil sie vom Husten immer so gebrochen hat.“
Ich: „Husten tut sie auch?“
Mutter: „Ja, ganz schlimm.“
Ich: „Sagten Sie nicht, sonst ist sie gesund? Gibts denn noch was, was ich wissen muß? Sonst Medikamente? Andere Krankheitszeichen? Irgendwo angesteckt vielleicht?“
Mutter: „Nein, wirklich nicht.“
Also dann noch abgehört, zum Glück „alles frei“, die Kleine (10 Monate oder so) war während der ganzen Aktion am Grinsen und Brabbeln.
Es geht dem Ende der Vorstellung zu. Ich fasse zusammen, händige das Rezept aus.
Mutter: „Und Thymian?“
Ich: „Welches Thymian?“
Mutter: „… das sie als Tropfen kriegt. Wegen dem Husten.“
Ich: „Oh, noch ein Medikament.“
Mutter: „Und das W.ick Vap.o.rub. Auf die Brust. Wegen dem Husten.“
Ich: „Ja, … nun.“
Mutter: „Spielt das eine Rolle, dass ihr großer Bruder letzte Woche Schaalach hatte?“

(Denken Sie sich hier bitte einen großen Seufzer.)
Der nächste Patient und sein Vater, der mir um 21:30 Uhr erzählte, dass sein acht Monate alter Sohn seit „Wochen“ nichts mehr esse, waren dagegen eine Erholung.

Armes Kind

Die U7 ist nicht immer einfach: Best of Zorn, Reste vom Fremdeln und viiiel Ego, das sich Bahn brechen will. Bedeutet für die fMFA und mich viel Motivation, Intuition und … tiefes Durchatmen. Aber wenn’s mal gut läuft, dann macht die Vorsorge auch unendlich Spaß, weil die Kinder noch unverstellt und sie selbst sind. Immerhin sind alle Impfungen bereits vor einem halben Jahr abgearbeitet.

Ryan-Luc war bereits beim Wiegen und Messen skeptisch, probierte zu toben, fing sich wieder, sprach mit der fMFA, wehrte wieder ab, erwartete mich mit einem Blick aus wissenden Augen. Ich sprach mit den Eltern, ließ ihn gewähren, wir thematisierten das Vorbereiten auf den Arztbesuch, Erfahrungen beim Doktor (das leidige Impfen, das doch alle meist schon wieder vergessen haben).

Die Untersuchung ist ein ständiges Hin und Her zwischen körperlichem Checkup, Zulassen und Abwehren, sinnvollem Hinhören und -sehen und ständigen Spielelementen. Ryan-Luc macht sich super, zeigt am Ende alles, was er kann und schenkt mir sogar ein paar seiner besten Wortsatzbruchstücke. Stimmung: Völlig in Ordnung.
Eine der besseren U7.

Sagt der Vater kurz bevor ich durch die Tür gehe: „Na, siehste, Ryan-Luc, alles ok, und jetzt gibt’s noch ’ne Spritze, ja?“

Wer trifft die Entscheidungen?

„Darf Dich die Tante mal messen und wiegen, ja?“
„Kommst Du bitte mit ins Zimmer?“
„Möchtest Du Dich hier oben hinsetzen?“
„Jetzt kommt dann gleich der Doktor, okay?“
„So, schau, da ist er, der macht auch nichts Schlimmes, oder?“
„Machst Du bitte schön den Mund auf?“
„Lässt Du Dich jetzt mal untersuchen?“
„Schau mal, wie der Onkel, möchtest Du auch mal auf einem Bein stehen?“
„Soll die Mama mitmachen?“
„Und die Bilder da, magst Du die mal anschauen?“
„Sollen wir Dich jetzt wieder anziehen?“
„Auch die Hose und die Jacke?“
„Hast Du gehört, den Schnuller lassen wir abends mal weg, ist das okay?“
„Sagst Du dem Mann mal auf Wiedersehen?“
„Bist Du jetzt mal lieb?“

„Herr Doktor, ich weiß auch nicht, aber die Kleine macht im Moment gar nicht, was ich will.“

… ich gebe zu, ein Thema, dass mich seit der Niederlassung (also dem Bemühen um das Untersuchen von Kindern) und seit dem eigenen Vatersein (also der Erziehung der eigenen Kinder) umtreibt: Müssen Eltern ihre Kinder immer um Erlaubnis fragen? Eine Frage öffnet wenigstens zwei Möglichkeiten, und ein Kind nimmt todsicher die nicht gewünschte. Außerdem zeigen wir damit unsere eigene Unsicherheit über den Ablauf des Geschehens: Dem Kind wird die Wahl überlassen, ist aber vielleicht gar nicht in der Lage, eine Wahl zu treffen.

Oben genannten Ablauf habe ich letzte Woche bei einer U7a erlebt – zusammengekürzt auf die Aussagen der Mutter, die durch die Bank aus Fragen bestanden. Kein Wunder, dass die Dreijährige immer genau das Gegenteil von dem tat, was Mama wollte. Die Untersuchung scheiterte am Ende in einem Zornanfall des Kindes.

Einsicht

Vater: „Die hustet schon seit Wooochen, wie ein Raucherhusten.“
Ich: „Vielleicht ist es einer? Wer raucht denn zuhause?“
Vater: „Na, meine Frau und ich.“
Ich: „Passiv rauchende Kinder haben oft viel länger Husten als andere.“
Vater: „Echt? Sie meinen, dann sollten wir doch häufiger auf dem Balkon rauchen?“

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