Therapieresistenz

Mutter: „Die hustet immer noch.“ Sie spricht von ihrer dreizehnjährigen Tochter, die neben ihr sitzt.Ich: „Hat sie denn weiter inhaliert?“ Die Tochter hat asthmatische Probleme, ist nebenbei bei einem BMI von 32 kg/m2, und ich hatte sie vor drei Wochen auf ein inhalatives Corticoid gesetzt.Mutter: „Naja, wir haben das weggelassen. die hustet ja immer noch.“Ich: „Ja, aber die Lunge war doch nachher frei. und jetzt durften Sie erstmal dauerhaft inhalieren, damit es nicht wieder zu einer Verschlechterung kommt.“Mutter: „Mmmh. Hat ja nichts gebracht. Sie hustet immer noch.“Ich: „Diese Dauerinhalationen brauchen ein bisschen Zeit. Unter zwei Monaten geht da nichts. Sie … Therapieresistenz weiterlesen

Wir von Anfang an

Letztes Wochenende war ich im fernen Stuttgart auf einem sehr bemerkenswerten Kongress: Es trafen sich die verschiedensten Berufsgruppen rund um Schwangerschaft, Geburt und das erste Lebensjahr des Kindes. Also vor allem Hebammen, Gynäkolog*innen und Kinderärzt*innen. Als vierte Kraft der Organisation: Die Eltern. Wir von Anfang an. In mehreren Talks und Diskussionen im Plenum, aber vor allem in fünf verschiedenen Foren am Freitagnachmittag und Samstagmorgen wurde die aktuelle Situation der Mütter reflektiert und, wie man diese verbessern kann. Noch immer sind zuviele Mütter unvorbereitet, noch immer verlaufen zuviele Geburten fremdbestimmt, noch immer sind Eltern verunsichert und bestenfalls fehlinformiert. Natürlich war auch … Wir von Anfang an weiterlesen

Multitasking auf dem Spielplatz

Er hat die ganze Zeit sein Klapphandy am Ohr und spricht in lauten Wortsalven auf sein Gegenüber ein – Sprache irgendwie Russisch Polnisch Suaheli – könnte aber auch Schwäbisch Hessisch Berlinisch sein, ist doch austauschbar. Zwischendrin macht er Pause, drückt umständlich auf den Tasten des Handys herum, um Sekunden später wieder lautstark ein Telefonat zu führen. Multitasking auf dem Spielplatz weiterlesen

Wochenendkarriere

Eltern machen sich Sorgen, wenn ihre Kinder krank sind. Niemand versteht das besser, als ein Kinderarztvater. Das Folgende erlebte dieses Kind am Wochenende: Sunja-Marie (2,5 Jahre) hat am Samstag Nachmittag zweimal erbrochen. Die Eltern fuhren mit ihr daraufhin in die nahegelegene Kinderklinik, trafen dort – schließlich war es schon 23:23 Uhr – auf den diensthabenden Arzt der Kinderklinik (Zweites Jahr Pädiatrie). Untersuchung des Kindes. Eintrag des Kollegen: „Guter AZ, Gastroenteritis. Kind weint viel bei Untersuchung. Keine spezifische Therapie.“ Die Eltern fahren nach Hause. Sunja-Marie liegt um kurz vor 1 Uhr nachts in ihrem Bett. Am nächsten Tag, Sonntag, isst sie … Wochenendkarriere weiterlesen

Sprechen wir mal über Strumpfhosen

Nachdem ich Joline-Marie fertig untersucht hatte, Vier-Jahres-Check, alles in Ordnung, bis auf die wiederholten „Steuer“-Versuche der jungen Dame, setzte ich mich an den Schreibtisch, die Mutter zog ihre Tochter an. Es entwickelte sich folgender Dialog: Mutter: „Oh, Joline-Marie, jetzt haben wir die Strumpfhose vergessen. Naja, ist jetzt auch egal, oder?“ JM: „Mag keine Strumpfhose.“ Mutter: „Magst Du keine Strumpfhose?“ JM: „Mag keine Strumpfhose.“ Mutter: „Aber draußen ist es kalt. Sollen wir Dir noch die Strumpfhose anziehen?“ JM: „Nein!“ Mutter: „Wäre aber schon besser, oder?“ JM: „Keine Strumpfhose.“ Mutter: „Na komm, wir ziehen sie schnell an, ok?“ JM: „Nein.“ … Mutter: … Sprechen wir mal über Strumpfhosen weiterlesen

Wenn´s unten juckt

Also, jetzt wirds etwas intim bis unangenehm, wer da empfindlich ist, bitte weglesen: Der Junge stellt sich vor wegen „Jucken im Schritt“, wohl auch Brennen beim Urinieren, die Mutter sagt, da sei wohl „was offen“. ´s Bobe ist übrigens zehn Jahre alt. Ich: „Ok, dann muß ich Dich da unten mal untersuchen, darfst Dich mal hinlegen und die Hose etwas runterziehen.“ Bobe: „Muß das sein?“ Ich: „Ich fürchte schon, sonst kann ich nicht viel dazu sagen. Keine Sorge, das geht ganz schnell. Kannst du denn deine Vorhaut ganz zurückschieben?“ Bobe: „?“ Ich: „Du weißt aber schon, wie das geht?“ Ich … Wenn´s unten juckt weiterlesen

Don Massimo und die Geflüchteten

Massimiliano ist reichlich dick. Seine Gewichtsperzentile sprengt den Rahmen des Computermonitors (nach oben), ich muss scrollen. Ganz abgesehen davon, dass ich den Eltern das seit dem vierten Lebensjahr unter die Nase halte, bewegt sich sonst nichts in der Familie. Inzwischen geht Don Massi in die fünfte Klasse. Ich mache mal wieder einen Anlauf. Ich: „Bist Du denn im Sportverein?“ Don Massi: „Hat mir nicht gefallen. Fussball war doof, Schwimmen kann ich nicht und Taekwondo war Papa zu teuer.“ Ich: „Und wie kommst Du zur Schule?“ Don Massi: „Papa.“ Papa: „Ich fahre.“ Ich: „Im Winter?“ Papa: „No. Immer. Zu kalt.“ Ich: … Don Massimo und die Geflüchteten weiterlesen

Papagei

Setting: Fünfjährige Tochter, Mutter, Kinderdok. Untersuchung. Ich: „Oh prima, Unterhemd ist schon ausgezogen, dann höre ich dich mal ab.“ Mutter: „Jetzt hört der Onkel Dich mal ab.“ Ich: „So, dann schaue ich noch in die Ohren.“ Mutter: „Nur kurz Ohren schauen, nicht schlimm.“ Ich: „Alles klar, und noch den Mund auf.“ Mutter: „Komm, mach schön den Mund auf.“ Ich: „Legst du Dich mal hin, dann taste ich noch Deinen Bauch ab.“ Mutter: „Legst dich schön hin, passiert nichts.“ Ich: „Also wunderbar, dann setz Dich mal wieder.“ Mutter: „Setz Dich mal wieder.“ Ich: „Wie alt bist Du denn schon?“ Mutter: „Komm … Papagei weiterlesen

Mein Kind geht gerne zur Schule!

Ich lausche einem Telefonat an der Anmeldung. Die üblichen Begrüßungsrituale, dann: fMFA: „Um was geht es denn bei Ihrer Tochter?“ … (Gemurmel am anderen Ende der Leitung) fMFA: „Und seit wann hat sie Fieber?“ … (siehe oben) fMFA: „Wie oft? Also das Erbrechen?“ … (s.o.) fMFA: „Und sie ist wie alt? Zehn Jahre?“ … (etc.) fMFA: „Ok, Moment, ja, ich gebe Ihnen einen Termin, Moment.“ … (Mausklicken, Suche im Terminkalender), dann: fMFA: „Sie können gerne gleich kommen, so gegen 9 Uhr dreißig?“ … fMFA: „Wie, in der Schule?“ … fMFA: „Aber…, hat sie nicht Fieber und fünfmal gebrochen in der … Mein Kind geht gerne zur Schule! weiterlesen

Behindern Schnuller den freien Spracherwerb?

Aus der Praxis haben wir Kinderärzte uns das schon immer gedacht: Schnuller behindern möglicherweise das Sprechenlernen. Eine Beobachtungsstudie aus Kanada lässt die Wissenschaftler philosophieren: Für den guten Spracherwerb eines Kleinkindes braucht es nicht nur ein gutes Gehör, sondern wohl das freie Spiel der Zunge, um Laute besser differenzieren zu können. In der Studie wurden sechs Monate alten Säuglingen Zahnungshilfen wie Beißringe gegeben und beobachtet, wie die Kinder Laute unterschieden konnten – behinderten diese Zahnungshilfen die Zungenbewegungen, konnten die Laute nicht mehr unterschieden werden. Dr Alison Bruderer, eine der Studienleitungen, formuliert es vorsichtig, wie sich das für einen Grundlagenforscher gehört: Es … Behindern Schnuller den freien Spracherwerb? weiterlesen