Auf dem Zahnfleisch

Kind kommt zur U7a (3 Jahre). Wüste Frontzahnkaries, praktisch alle Zähne 53-63 und 73-83 weggefault. Ich: „Ok, die Zähne sehen ja weiterhin ganz schön schlimm aus. Das war letztes Jahr schon so. Waren Sie mal beim Zahnarzt deswegen?“ Vater: „Ja, ja, gleich nachdem Sie uns nach der U7 da hingeschickt haben.“ Ich: „Was hat der Zahnarzt gesagt?“ Vater: „Da seien zwei Zähne vereitert, man muss was machen, geht aber nur in Narkose bei dem Kleinen. Kann der Zahnarzt aber nicht selbst.“ Ich: „Hat er Ihnen jemanden empfohlen?“ Vater: „Nö. Er hat gesagt, wir sollen mal googlen, wer das bei Kindern … Auf dem Zahnfleisch weiterlesen

Neulich im Notdienst

Bei uns sitzen die Kinder in den Notfallboxen (so heissen die eben), und die Ärzt*in geht dann hinein und beginnt das Frage- und Untersuchungsspiel. Heute ist es mal anders. Die fMFA hatte mir die Box No.3 angesagt, ein Kleinkind mit Fieber. Ich also auf dem Weg dorthin, wundere mich schon, weil die Tür weit offen steht. Kein Kind im Zimmer, keine Eltern, aber eine Tasche auf dem Stuhl, die Untersuchungspapiere auf dem Tisch. „Ach, sind Sie der Doktor?“, fragt mich ein Mann, der fünf Meter weiter im Gang steht. „Moment.“ Er läuft nicht zu mir, sondern in die andere Richtung, … Neulich im Notdienst weiterlesen

No Show – Wenn Patienten nicht erscheinen

Inspiriert von @Ygritte auf Twitter… … musste ich mich einmal selbst hinsetzen und nachsehen, wieviele Termine beispielhaft in diesem Quartal nicht wahrgenommen wurden. Bilanz der No-Show-Termine Ein erschreckendes Bild: In den Monaten Juli bis September erschienen Patienten an hundertzweiundsiebzig (172!) Terminen nicht. Davon waren 40 Vorsorgeuntersuchungen, die wir mit 20 bis 30 Minuten ansetzen, 96 Impftermine (werden mit 5 Minuten geplant) und 36 Akuttermine (werden mit 5-10 Minuten geblockt). Letztere „Akuttermine“ sind solche, die die Eltern am gleichen Tag oder am Tag zuvor ausmachen. Scheinbar war es nicht so wichtig. Verpasste Impftermine tun nicht besonders weh, abgesehen davon, dass diese … No Show – Wenn Patienten nicht erscheinen weiterlesen

Ferientermine

Aus der Reihe „Nette Terminvergaben“ diese schöne Variante: Vater: „Ich möchte einen Termin für meine zwei Kinder.“ fMFA: „Um was geht es denn?“ Vater: „Die sind krank.“ fMFA: „Und was haben die genau?“ Vater: „Das möchte ich ja dann von Ihnen…“, usw., blablablablubb für zwei Minuten. fMFA: „Ich kann Ihnen einen Termin in einer Stunde anbieten. Elf Uhr dreißig.“ Vater: „Nee, die sind ja jetzt bei den Ferienspielen*.“ fMFA: „Aah, ja… ich dachte, die sind krank?“ Vater: „Gehts nicht heute abend um 18 Uhr?“ fMFA: „Tut mir leid, da haben wir keine Sprechstunde mehr.“ (im Sommer) „Dann morgen früh? Gleich … Ferientermine weiterlesen

Weniger Urlaub, weniger kranke Kinder

„Vor dem Urlaub wollen wir nochmal gucken lassen.“ „Wir kommen grad aus dem Urlaub.“ „Die Praxis geht ja bald in Urlaub.“ „Sie waren ja da im Urlaub.“ „In (Ihrem, unserem) Urlaub war s’Bobele so krank. Und kein kinderdok weit und breit.“ Dazu Krankschreibungen am Tag vor den Ferien, am Tag nach den Ferien, wegen der Schule, wegen der Arbeit, wegen billigeren Flügen vor der Saison. Vorstellungen wegen Reiserücktritt- und Versicherungsbescheinigungen. Um die Diagnose und Therapieempfehlung des „Urlaubsarztes“ bestätigen zu lassen. Dabei kann ich doch gar keine türkische/ griechische/ thailändische Arztbriefe lesen. Manchmal denke ich, wenn alle keinen Urlaub hätten, gebe … Weniger Urlaub, weniger kranke Kinder weiterlesen

Evolution des Kinderarztes

Wie der Kinderarzt auf weinende Kinder in der Praxis reagiert Kurz nach Niederlassung: Überrascht über soviel Skepsis Nach einer Woche: Gefrustet über soviel Skepsis Nach einem Monat: Die Gewöhnungsphase tritt ein, die Skills verbessern sich, die Taktiken, die Vorbereitung, die Nachbereitung, die nonverbalen Signale, die Schulung der Eltern. Zwei Jahre später: „Der weint nur bei Ihnen so, Sie impfen ja auch immer.“ Erste Phase der Selbstverunsicherung. Fünf Jahre später: Neue Skills, mehr Tricks, die Hoch-Zeit der Souveränität, Selbstvertrauen Nach halbem Jahr: Zurück in der Realität, alle Kinder schreien. Zweite Phase der Selbstverunsicherung. Die Jahre 6 bis 15 nach der Niederlassung: … Evolution des Kinderarztes weiterlesen

Zucker gegen Blüten

Mariebelle kenne ich schon, seit sie ein Säugling war. Alle Vorsorge-Untersuchungen haben die Eltern bei uns wahrgenommen, alle Impftermine, wir haben Erkältungsinfekte durchlebt, Fütterprobleme, sogar die massive Trotzphase damals im Kindergarten. Die Eltern waren immer sehr an meiner Meinung interessiert, auch zu Erziehungsfragen, wir haben einen guten Draht. Die letzten zwei Jahre waren geprägt von Heuschnupfen. Ich schaue mir, bevor ich das Untersuchungszimmer betrete, die Karteikarte durch. 2017 und 2018 kam Mariebelle stets im März oder April, je nach Saison, da liefen die Augen, da juckte die Nase, da juckten die Augen und lief die Nase. Das Kombipräparat aus Nasen- … Zucker gegen Blüten weiterlesen

So ein Schrott

Liebe Leser des Blogs, vermutlich sind nicht alle Bloginteressierte in gleicher Weise über Twitter verknüpft, daher möchte ich diesen Tweet hier teilen und zur Diskussion stellen. Schließlich ist das ein Beispiel dafür, wie manche Eltern mit ihren Kindern umgehen, beileibe nicht alle, das ist klar. Ich habe ausnahmsweise nichts verfremdet, verstellt, erfunden – das hat genau so stattgefunden. Was ist nur mit manchen Eltern los? Wir sehen Eltern, die sich sehr um die Entwicklung ihrer Kinder sorgen, die sie mitunter auch trimmen, damit die Vorsorgeuntersuchungen gut gelingen, da wird trainiert und geübt („das haben wir zuhause extra immer wieder gemacht“), … So ein Schrott weiterlesen

Wo ist das Vögelchen?

Wir befinden uns mitten in einer U4-Vorsorgeuntersuchung, der Babybub ist 4 Monate alt, anwesend sind Vater, Mutter, Baby und ich. Nach den üblichen Einstiegsworten, Begrüßungen, Beratungen und Erklärungen beginne ich, das Bobele zu untersuchen. Der Junge, nennen wir ihn Marko, ist ganz begeistert, lautiert und lacht, reagiert und schäkert, wir haben beide so richtig Spaß. Der Vater kramt in seiner Tasche und holt eine ziemlich fette Spiegelreflexkamera heraus. Und beginnt zu knipsen. Von vorne, von der Seite, von oben, nur das Baby, nur mich, uns beide. Fehlt nur noch, dass er „Komm, Baby, zeig mir Deine besten Posen!“ ruft. Ich: … Wo ist das Vögelchen? weiterlesen

11 beste Tipps, wenn Ihr einen Termin beim Kinderarzt braucht

Viele Eltern beschweren sich in der Praxis, dass sie kaum durchkommen am Telefon, dass ständig besetzt sei, und nachher in der Praxis sei ja gar nichts los. Liebe Eltern, das liegt am guten Terminmanagement der fMFA, die alle Hände voll zu tun haben, dass Ihr mit Euren kranken Kindern nicht so lange im Wartezimmer sitzen müsst. (Übrigens: Die fMFA am Telefon sitzt woanders, aus Datenschutz und Konzentrationsgründen außer Hörweite) Dennoch führen wir eine Kinder- und Jugendarztpraxis, es gibt immer unvorhergesehene Zwischenfälle, plötzlich wichtige Fragen der Eltern, die wir beantworten wollen, auch wenn der eigentliche Vorstellungsgrund die Warze am Fuß war. … 11 beste Tipps, wenn Ihr einen Termin beim Kinderarzt braucht weiterlesen