Die Scheine Ich selbst war bewusst das erste Mal beim Arzt in den Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Doch, ich bin schon etwas älter. Vermutlich musste ich zum Zahnarzt, denn richtig krank war ich eigentlich nie. Vielleicht ist man damals auch nicht sofort zum Arzt gegangen, so wie heute. Meine Eltern waren sehr entspannt. Beim Zahnarzt war ich aber häufiger. Jedenfalls: Als Patient durfte man früher ™ immer einen Krankenschein abgeben. Das kennt man heute gar nicht mehr, vielleicht noch in Arztkreisen, in denen man von „Scheinen pro Quartal“ spricht. Wir hatten ein kleines Heft von der DAK zuhause, da … weiterlesen

Warum ich impfe… gegen Windpocken

Viele Hausbesuche machst Du als Kinder- und Jugendarzt heute nicht mehr. Die meisten Eltern sind mobil, die meisten Kinder sind nicht so krank, dass sie nicht auch in die Praxis gebracht werden können. Die Zahl der Patienten am Tag sind so hoch, dass ich es mir nicht erlauben kann, in der Mittagspause oder whenever loszufahren. Ein Zuhause-beatmetes-Kind hier, eine Hausgeburt dort (für die U2), ein abendlicher Schnelleinsatz wegen eines Fieberkrampfes. Vor fünfzehn Jahren musste ich einmal ausrücken wegen Windpocken. Die Mutter schilderte am Telefon, ihre Tochter Marina sei so sehr erkrankt, dass sie sie kaum von der Couch im Wohnzimmer … Warum ich impfe… gegen Windpocken weiterlesen

Service: Wie lange geht das siebte Lebensjahr?

Heute wieder der Streit mit einer Krankenkassenmiterbeiterin, wie lange wir nun die J1 abrechnen dürfen. Nämlich: Im 12. bis 14. Lebensjahr. Bedeutet übersetzt zwischen dem 11. Geburtstag (der den Beginn des 12. Lebensjahres anzeigt) und dem 14. Geburtstag (der das 14. Lebensjahr beschließt). Lustigerweise gönnen uns die Kranken Kassen aber die Abrechnung bis zum 15. Geburtstag. Vermutlich, weil die Termine so knapp sind. Hier nochmal zur genauen Rechnung: Der erste Geburtstag beendet das erste Lebensjahr. Der zweite Geburtstag beendet das zweite Lebensjahr. Der dritte Geburtstag beendet das dritte Lebensjahr. Der vierte Geburtstag beendet das vierte Lebensjahr. Der fünfte Geburtstag beendet … Service: Wie lange geht das siebte Lebensjahr? weiterlesen

Wascht Euch die Hände!

Die mögliche Pandemie des Coronavirus aus China bestimmt die Nachrichten der letzten Tage. Dabei spüren wir niedergelassenen ÄrztInnen, dass eher die alljährliche Grippewelle aufschwappt, Tendenz-Peak in den Faschingsferien, Abklingzeit bis Anfang März. Business as usual. Klar ist das eine Tröpfcheninfektion via Schleimhäute, Rotz, Husten und sonstigem ekligem Auswurf, aber: Die Hauptvektoren sind immer noch unsere Hände. Beim Guten-Tag-Sagen, beim Angrabschen von Kinderbäckchen, beim Festhalten an der Bushaltestange. Liebe ErzieherInnen: Ja, auch beim Wickeln, Naseabputzen, Essenzubereiten, Hände-Klatsch-Utzi-Dutzi-Spielen. Die Asiaten machen es uns vor: Mundschutz und wenig Händekontakt. Nun ist das Kulturgut der europäischen Bevölkerung ein anderes, wir händeschütteln gerne, geben Küsschen, … Wascht Euch die Hände! weiterlesen

Wie Sprechende Medizin durch Zuhören wirkt

Der erste Kontakt Die ersten Sekunden beim Betreten des Untersuchungszimmers sind für ÄrztInnen die entscheidenden, wie in jeder anderen Situation, in der man Menschen trifft: In Interviews, beim Flirten, auf der Strasse. So auch in der Arztpraxis. Wie trete ich auf, wie öffne ich die Tür, was geschieht genau jetzt? Mit meinen kleinen Patienten ist das ebenso: Sie checken in den ersten Sekunden, was passiert. Du kannst zwar im Laufe der Konsultation noch dieses oder jenes aufholen, aber der erste Eindruck ist prägend. So ist es auch mit der Sprache. Was kommt am Anfang? Eine Begrüßung. Sie sollte freundlich sein, … Wie Sprechende Medizin durch Zuhören wirkt weiterlesen

Weihnachtsgeheimnisse

Nach der Untersuchung, dem Rezepteschreiben, den Und-wenn-es-nicht-besser-wird-Empfehlungen: Ich: „Noch schöne Feiertage, einen guten Rutsch und…,“ zu dem Fünfjährigen: „Pass auf den Weihnachtsmann auf.“ Matz: „Ich weiß ein Geheimnis.“ Ich: „Und?“ Matz: „Die Mama ist nämlich der Weihnachtsmann. So.“ Ich: „Was? Wirklich?“ Matz: „Ja klar, ich bin ja schon fünf, da weiß ich das.“ Mutter: „Sein großer Bruder hat‘s ihm verraten.“ Ich: „Achso, na dann. Aber hat Dir Dein Bruder alles verraten?“ Matz: „Wieso? Was gibt‘s noch?“ Ich: „Immerhin gibt es noch den Osterhasen.“ Matz: „Ohja. Den gibt es. Den gibt’s in echt. Schließlich kann Mama nicht alles machen.“ (c) Bild … Weihnachtsgeheimnisse weiterlesen

Quatsch(en)

„Na schau, das ist der Doktor, der Onkel Doktor, der muss Dich jetzt untersuchen, guck, da kannst Du solange das Puzzle machen, wenn Du magst, der macht auch gar nicht viel, sondern hört Dich nur ab, um zu gucken, wie es Dir geht, das ist ein Ste-thos-kop, das ist kalt, ganz kalt, oder, nein, ist es nicht, na dann, da hört der Doktor, wie Dein Herz bummert, und wie Du atmen kannst, neeeein, da brauchst Du keine Angst zu haben, es gibt keine Spritze, so, siehst Du, und jetzt, das da ist das O-tos-kop, das macht Licht, das braucht der … Quatsch(en) weiterlesen

Auf dem Zahnfleisch

Kind kommt zur U7a (3 Jahre). Wüste Frontzahnkaries, praktisch alle Zähne 53-63 und 73-83 weggefault. Ich: „Ok, die Zähne sehen ja weiterhin ganz schön schlimm aus. Das war letztes Jahr schon so. Waren Sie mal beim Zahnarzt deswegen?“ Vater: „Ja, ja, gleich nachdem Sie uns nach der U7 da hingeschickt haben.“ Ich: „Was hat der Zahnarzt gesagt?“ Vater: „Da seien zwei Zähne vereitert, man muss was machen, geht aber nur in Narkose bei dem Kleinen. Kann der Zahnarzt aber nicht selbst.“ Ich: „Hat er Ihnen jemanden empfohlen?“ Vater: „Nö. Er hat gesagt, wir sollen mal googlen, wer das bei Kindern … Auf dem Zahnfleisch weiterlesen

Neulich im Notdienst

Bei uns sitzen die Kinder in den Notfallboxen (so heissen die eben), und die Ärzt*in geht dann hinein und beginnt das Frage- und Untersuchungsspiel. Heute ist es mal anders. Die fMFA hatte mir die Box No.3 angesagt, ein Kleinkind mit Fieber. Ich also auf dem Weg dorthin, wundere mich schon, weil die Tür weit offen steht. Kein Kind im Zimmer, keine Eltern, aber eine Tasche auf dem Stuhl, die Untersuchungspapiere auf dem Tisch. „Ach, sind Sie der Doktor?“, fragt mich ein Mann, der fünf Meter weiter im Gang steht. „Moment.“ Er läuft nicht zu mir, sondern in die andere Richtung, … Neulich im Notdienst weiterlesen

No Show – Wenn Patienten nicht erscheinen

Inspiriert von @Ygritte auf Twitter… … musste ich mich einmal selbst hinsetzen und nachsehen, wieviele Termine beispielhaft in diesem Quartal nicht wahrgenommen wurden. Bilanz der No-Show-Termine Ein erschreckendes Bild: In den Monaten Juli bis September erschienen Patienten an hundertzweiundsiebzig (172!) Terminen nicht. Davon waren 40 Vorsorgeuntersuchungen, die wir mit 20 bis 30 Minuten ansetzen, 96 Impftermine (werden mit 5 Minuten geplant) und 36 Akuttermine (werden mit 5-10 Minuten geblockt). Letztere „Akuttermine“ sind solche, die die Eltern am gleichen Tag oder am Tag zuvor ausmachen. Scheinbar war es nicht so wichtig. Verpasste Impftermine tun nicht besonders weh, abgesehen davon, dass diese … No Show – Wenn Patienten nicht erscheinen weiterlesen