Mein Corona-Senf IV

So, die zweite Woche geht nach dem „Herunterfahren“ in der Praxis geht zu Ende. Bedeutet bei uns: Alle Vorsorgen ab dem 2. Lebensjahr und sonstige planbare Termine sind verschoben. Mit Erleichterung bekamen wir die Nachricht der Kassenärztlichen Vereinigung, dass die Zeitfenster, die es normalerweise für Vorsorgen gibt, bis zum Herbst ausgesetzt worden sind. Bedeutet, wir können alles verschobene hoffentlich im Sommer nachholen, und bekommen das auch bezahlt. Hoffen wir, dass der BOT im KV-Rechner das auch so sieht, wenn ich im September eine U8 bei einem Kind abrechne, das schon fünf Jahre alt ist ;-)… Aber Scherz beiseite: Hiermit geht … Mein Corona-Senf IV weiterlesen

Mein Corona-Senf III

Die Praxis ist leer. Naja, ganz so ist es nicht, aber die fMFA haben alle schiebbaren Termine geschoben, wir machen in den nächsten Wochen keine Vorsorgeuntersuchungen (außer für die U3-U7), keine technischen Untersuchungen wie Seh- oder Hörtests, keine Schulgespräche oder Entwicklungstests, das liegt jetzt alles auf Eis. Impfkinder sind kurz in der Praxis und marschieren direkt von der Anmeldung ins Untersuchungszimmer, eigentlich wie alle – so gut das eben geht. Aber durch die Ausdünnung des Terminplaners wollen wir schlicht einen geringeren Publikumsverkehr erreichen, und dass sich maximal ein oder zwei Kinder mit einem Elternteil im Wartezimmer (und Abstand) aufhalten. Natürlich … Mein Corona-Senf III weiterlesen

Die Scheine Ich selbst war bewusst das erste Mal beim Arzt in den Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Doch, ich bin schon etwas älter. Vermutlich musste ich zum Zahnarzt, denn richtig krank war ich eigentlich nie. Vielleicht ist man damals auch nicht sofort zum Arzt gegangen, so wie heute. Meine Eltern waren sehr entspannt. Beim Zahnarzt war ich aber häufiger. Jedenfalls: Als Patient durfte man früher ™ immer einen Krankenschein abgeben. Das kennt man heute gar nicht mehr, vielleicht noch in Arztkreisen, in denen man von „Scheinen pro Quartal“ spricht. Wir hatten ein kleines Heft von der DAK zuhause, da … weiterlesen

Warum ich impfe… gegen Windpocken

Viele Hausbesuche machst Du als Kinder- und Jugendarzt heute nicht mehr. Die meisten Eltern sind mobil, die meisten Kinder sind nicht so krank, dass sie nicht auch in die Praxis gebracht werden können. Die Zahl der Patienten am Tag sind so hoch, dass ich es mir nicht erlauben kann, in der Mittagspause oder whenever loszufahren. Ein Zuhause-beatmetes-Kind hier, eine Hausgeburt dort (für die U2), ein abendlicher Schnelleinsatz wegen eines Fieberkrampfes. Vor fünfzehn Jahren musste ich einmal ausrücken wegen Windpocken. Die Mutter schilderte am Telefon, ihre Tochter Marina sei so sehr erkrankt, dass sie sie kaum von der Couch im Wohnzimmer … Warum ich impfe… gegen Windpocken weiterlesen

Service: Wie lange geht das siebte Lebensjahr?

Heute wieder der Streit mit einer Krankenkassenmiterbeiterin, wie lange wir nun die J1 abrechnen dürfen. Nämlich: Im 12. bis 14. Lebensjahr. Bedeutet übersetzt zwischen dem 11. Geburtstag (der den Beginn des 12. Lebensjahres anzeigt) und dem 14. Geburtstag (der das 14. Lebensjahr beschließt). Lustigerweise gönnen uns die Kranken Kassen aber die Abrechnung bis zum 15. Geburtstag. Vermutlich, weil die Termine so knapp sind. Hier nochmal zur genauen Rechnung: Der erste Geburtstag beendet das erste Lebensjahr. Der zweite Geburtstag beendet das zweite Lebensjahr. Der dritte Geburtstag beendet das dritte Lebensjahr. Der vierte Geburtstag beendet das vierte Lebensjahr. Der fünfte Geburtstag beendet … Service: Wie lange geht das siebte Lebensjahr? weiterlesen

Wascht Euch die Hände!

Die mögliche Pandemie des Coronavirus aus China bestimmt die Nachrichten der letzten Tage. Dabei spüren wir niedergelassenen ÄrztInnen, dass eher die alljährliche Grippewelle aufschwappt, Tendenz-Peak in den Faschingsferien, Abklingzeit bis Anfang März. Business as usual. Klar ist das eine Tröpfcheninfektion via Schleimhäute, Rotz, Husten und sonstigem ekligem Auswurf, aber: Die Hauptvektoren sind immer noch unsere Hände. Beim Guten-Tag-Sagen, beim Angrabschen von Kinderbäckchen, beim Festhalten an der Bushaltestange. Liebe ErzieherInnen: Ja, auch beim Wickeln, Naseabputzen, Essenzubereiten, Hände-Klatsch-Utzi-Dutzi-Spielen. Die Asiaten machen es uns vor: Mundschutz und wenig Händekontakt. Nun ist das Kulturgut der europäischen Bevölkerung ein anderes, wir händeschütteln gerne, geben Küsschen, … Wascht Euch die Hände! weiterlesen

Wie Sprechende Medizin durch Zuhören wirkt

Der erste Kontakt Die ersten Sekunden beim Betreten des Untersuchungszimmers sind für ÄrztInnen die entscheidenden, wie in jeder anderen Situation, in der man Menschen trifft: In Interviews, beim Flirten, auf der Strasse. So auch in der Arztpraxis. Wie trete ich auf, wie öffne ich die Tür, was geschieht genau jetzt? Mit meinen kleinen Patienten ist das ebenso: Sie checken in den ersten Sekunden, was passiert. Du kannst zwar im Laufe der Konsultation noch dieses oder jenes aufholen, aber der erste Eindruck ist prägend. So ist es auch mit der Sprache. Was kommt am Anfang? Eine Begrüßung. Sie sollte freundlich sein, … Wie Sprechende Medizin durch Zuhören wirkt weiterlesen

Weihnachtsgeheimnisse

Nach der Untersuchung, dem Rezepteschreiben, den Und-wenn-es-nicht-besser-wird-Empfehlungen: Ich: „Noch schöne Feiertage, einen guten Rutsch und…,“ zu dem Fünfjährigen: „Pass auf den Weihnachtsmann auf.“ Matz: „Ich weiß ein Geheimnis.“ Ich: „Und?“ Matz: „Die Mama ist nämlich der Weihnachtsmann. So.“ Ich: „Was? Wirklich?“ Matz: „Ja klar, ich bin ja schon fünf, da weiß ich das.“ Mutter: „Sein großer Bruder hat‘s ihm verraten.“ Ich: „Achso, na dann. Aber hat Dir Dein Bruder alles verraten?“ Matz: „Wieso? Was gibt‘s noch?“ Ich: „Immerhin gibt es noch den Osterhasen.“ Matz: „Ohja. Den gibt es. Den gibt’s in echt. Schließlich kann Mama nicht alles machen.“ (c) Bild … Weihnachtsgeheimnisse weiterlesen

Quatsch(en)

„Na schau, das ist der Doktor, der Onkel Doktor, der muss Dich jetzt untersuchen, guck, da kannst Du solange das Puzzle machen, wenn Du magst, der macht auch gar nicht viel, sondern hört Dich nur ab, um zu gucken, wie es Dir geht, das ist ein Ste-thos-kop, das ist kalt, ganz kalt, oder, nein, ist es nicht, na dann, da hört der Doktor, wie Dein Herz bummert, und wie Du atmen kannst, neeeein, da brauchst Du keine Angst zu haben, es gibt keine Spritze, so, siehst Du, und jetzt, das da ist das O-tos-kop, das macht Licht, das braucht der … Quatsch(en) weiterlesen