Heißgucken

Alles steht unter Einfluss dieser Fussball-WM: Die Kinder kommen alle in Dress, mit Tattoos auf Wangen und Armen, die Väter aller Nationalitäten weinen, gratulieren und wünschen Glück, die fMFA sind im Wettfieber (ohne Chance gegen den Chef) und haben sogar ein bisschen die Praxis mit Tor und zwei oder drei Fussbällen geschmückt. Wir haben es immerhin geschafft, die Termine für die Patienten nach den Spielzeiten auszurichten (war ja auch nicht so schwer bei 18 Uhr und 22 Uhr Spielbeginn), trotzdem habe ich einen Notdienst während der WM abbekommen. Es war ein Pokerspiel – Deutschland wurde Erster seiner Gruppe, dadurch ins … Heißgucken weiterlesen

Cliffhanger

Wir beenden das allabendliche Vorlesen genau in dem Moment, als der Blaubär auf das weit geöffnete Maul der Gourmetica insularis zustürzt. Es ist 20 Uhr, Zeit zum Schlafen, auch wenn das Kapitel hier nicht endet. Sohn vom kinderdok: „Och, Papa, bitte weiterlesen, sonst fällt der Blaubär doch die ganze Nacht und den ganzen Tag bis morgen Abend.“ Ich: „Da fällt er aber ganz schön langsam.“ Sohn vom kinderdok: „Oder die Strecke ist ewig lang.“ Nach einer Pause: „… der Arme.“ Cliffhanger weiterlesen

Kinderdok kocht

Ich schnipple das Suppengrün nur grob, die Zwiebel wird halbiert und kurz mit der angeschnittenen Seite nach unten im Topf angebräunt. Dann zwei Liter Wasser dazu, hei, das zischt. Den Hahn hinein, das grobe Gemüse dazu, wenig Salz, ein wenig Pfeffer – so. Einmal aufkochen. Das darf knappe zwei Stunden köcheln. Temperatur dabei weit runter nehmen. Schnitt. Kurzer Test, das Fleisch fällt sanft. Also: Hahn raus, Grünzeug raus, Brühe durchsieben in einen zweiten Topf. Die Fettaugen vorsichtig abschöpfen – genug Kraft ist da sowieso drin, brauchts nicht auch noch igitt. Der Hahn wird mit scharfem Messer und Gabel zerteilt, die … Kinderdok kocht weiterlesen

bisschen morgengrauen

keine ahnung, ob das jetzt die morgendliche schlafumnachtung war, oder der schlechte einfluss von vampirgeschichten, die einem im fernsehen, kino und büchern durch die weibliche bevölkerung um die ohren gehauen werden (ehefrau, medizinische fachangestellte, beste freundinnen der ehefrau) – oder die unterbewußte abrechnung mit dem anatomie-präp-testat von vor beinahe zwanzig jahren – oder die verzweiflung, die einen altgedienten kinderdok auch jetzt noch manchmal in der praxis beim blutabnehmen umweht: als kinderdoks bobele heute morgen ins bett gekrochen kam, um allgemein kundzutun, dass der sonntagmorgen nun beginne, fiel mein erster blick und gedanke auf seine kleine hand und ihre markante vena … bisschen morgengrauen weiterlesen