Wenn das Kind unverträglich … isst

Wall_Food_10464
„Ich glaube, meine Tochter ist unverträglich.“
„Das denke ich nicht, sie macht doch einen ganz umgänglichen Eindruck.“

Spaß beiseite: Die Frage von Eltern, ob ihre Kinder bestimmte Nahrungsmittel nicht vertragen, kommt pro Woche mehrmals vor, wenn nicht täglich. Säuglinge, die spannende Ausschläge präsentieren, Kleinkinder mit dickem Bauch und viel Pupsen, Kinder, die Nahrungsmittel ablehnen und Schulkinder, die Kopfschmerzen haben, regelmäßig Erbrechen oder dünnen Stuhlgang absetzen.
Keine Frage: Dies können alles Symptome sein für Unverträglichkeiten. Aber so häufig sind diese dennoch nicht.

Wir müssen ja mehrere Sachen unterscheiden: Tatsächliche Allergien, also IgE-vermittelte Reaktionen des Körpers auf bestimmte Lebensmittel (hier hat vorher eine Auseinandersetzung stattgefunden – klassisch: eine Nussallergie), dann nicht IgE-vermittelte Intoleranzen, wie die angeborene Zöliakie, bei der Gluten nicht vertragen wird. Dann gibt es Unverträglichkeiten, die im Darm entstehen, wegen mangelnder Verdauungsleistung (Laktoseintoleranz durch Laktasemangel) oder Probleme bei der Aufnahme in den Körper (z.B. bei Fructose). Diese können angeboren, aber auch passager sein (z.B. nach Durchfallserkrankungen). Ein weites Feld.

Eine Testung ist sehr schwierig. Natürlich gibt es vielerlei Möglichkeiten der laborchemischen Untersuchungen, wie Bluttests, auch Pricktests oder Atemtests, diese sind aber oft nur hinweisend und nicht beweisend für eine Unverträglichkeit. Dennoch stehen sie für die Eltern am Anfang jeglicher Diagnostik. Eine Blutabnahme muss doch den Beweis bringen.
Was beispielsweise gar nicht funktioniert: „Mein Kind verträgt bestimmt irgendwas nicht, es hat immer so [trockene/rote Haut, Durchfälle, Bauchweh]. Können wir da nicht mal Blut abnehmen?“ Leider braucht das Labor einen spezifischen Verdacht – also „Testet mal die Nüsse aus“ oder das Gluten oder Milch. Also führen wir manchmal einen RAST-Test durch, also eine Blutabnahme auf die häufigsten Nahrungsmittelallergien, wie Weizen, Milch, Ei, Nuss, Soja usw., am besten noch einen Test auf Zöliakie. Aber trotzdem bleiben Graubereiche.

Viel wichtiger ist in meinen Augen die Beobachtung, vielleicht unter Karenz des verdächtigten Nahrungsmittels: Für vierzehn Tage alle Milchprodukte auslassen oder jeglichen Fruchtzucker und dann beobachten, ob die Haut, der Durchfall oder anderes besser wird. Dann haben die Eltern und ich eine Arbeitshypothese, die ein Laborbefund eventuell festigen kann. Beweisend ist jedoch nach der Karenz dann die Belastung mit Stoff XYZ. Juckt die Haut dann wieder, ist das der klinisch sicherste Beweis für eine Unverträglichkeit.

Und dennoch gibt es Varianten: Manche vertragen diese Tomaten, jene nicht. Manche können ein Glas Milch trinken, essen sie noch einen Joghurt, kommen sie Bauchweh (typisch für einen Laktasemangel). Andererseits wiederum darf man eine Glutenunverträglichkeit nicht nach dem obigen Schema testen: Zwar werden die Symptome bei Glutenkarenz besser, aber ein Nachweis im Blut der entsprechenden Antikörper (Endomysium, Transglutaminase) funktioniert dann nicht mehr. Aber bei der Zöliakie sind genau diese sehr wichtig – denn die Sprue, wie man sie auch nennt, hat man ein Leben lang, d.h. Gluten muß ein Leben lang gemieden werden.
Bei den anderen Lebensmittelallergien kann man – vor allem bei Kindern – alle Jahre einen neuen Belastungsversuch starten, denn abgesehen von „hardcore“-Allergien wie Erdnussallergien, kann eine Lebensmittelunverträglichkeit im Laufe der Zeit besser werden.

Praktisches Vorgehen bei Verdacht auf eine Lebensmittelunverträglichkeit:
– Führen eines genauen Ernährungsprotokolls über drei bis vier Wochen (inklusive jeder, auch noch so geringer Zufuhr von Lebensmitteln), auch die Gutsle bei der Oma oder das Tauschfutter im Kindergarten oder der Schule nicht vergessen.
– Dazu parallel ein Symptomtagebuch: Haut, Bekömmlichkeit, Bauchweh, Durchfall etc.
– Gespräch mit Doc suchen, eventuell jetzt schon eine Blutabnahme oder einen Hautallergietest (machen Allergologische Ambulanzen) erwägen
– Alternativ, eher ergänzend: Bei überschaubarem Verdacht das (einzelne!) Lebensmittel meiden für zwei Wochen, die Symptome weiter protokollieren und wieder belasten.
– Nicht empfehlenswert: Generelle Auslassdiäten. Bei Heilpraktikanten sehr beliebt: „Dann lassen Sie mal die Eier, den Weizen und die Milch weg.“ Das hält sowieso niemand durch, und am Ende ist man nicht schlauer, was jetzt Schuld war.
– Ebenfalls abzulehnen sind dubiose Labortests, die suggieren, durch Schrotschuss-Diagnostik könne man dem Allergen auf die Spur kommen (z.B. IgG-Messungen). Ein tolles Geschäft für die Labors ohne pathophysiologischen Sinn.

Irgendwas ist ja immer. Trotzdem sollte man sich nicht verrückt machen, eine besonnene objektive Beobachtung führt eher zum Ziel als panische Diagnostik. Die Industrie ist auf den Zug der Unverträglichkeitsmoden schon längst aufgesprungen, das Lancieren von entsprechenden Artikeln in Gesundheitszeitschriften sensiblisiert zwar für das Thema, aber auch im negativen Sinne: Es scheint en vogue zu sein, bestimmte Lebensmittel nicht zu vertragen. Bevor dies jedoch Kindern unterstellt wird, schauen wir erst einmal genauer hin.

Nahrungsmittelallergie bei Kinderärzte-im-Netz
… und beim Deutschen Allergie- und Asthmabund DAAB
Unverträglichkeit ist keine Allergie (BZGA)

(c) Bild Wall_Food_10464 bei Flickr/Michael Stern, Lizenz Creative Commons

„Tablets isolieren Kinder“

Child with Apple iPad

„Sprachentwicklung fördern: Häufig vorlesen und High-Tech-Spielzeug reduzieren

.

Vorlesen fördert die Sprachentwicklung, während High-Tech-Spielzeug sie möglicherweise verlangsamen kann. Denn einer Studie der Northern Arizona Universität zufolge nimmt technisches Spielzeug zwar die Aufmerksamkeit eines Kindes gefangen, kann aber nicht die Qualität einer Wechselwirkung zwischen Eltern und Kind herstellen. Die verbale Entwicklung eines Kindes hängt vom Austausch mit Erwachsenen und Gleichaltrigen ab.

„‘Interaktives Vorlesen‘, d.h. auf Äußerungen des Kindes zu reagieren, Fragen zu stellen, Erklärungen anzubieten, Beispiele zu geben, über das Gehörte bzw. die Bilder zu sprechen, stimuliert schon sehr früh die sprachliche und geistige Entwicklung des Kindes“, erklärt Dr. Ulrich Fegeler, Kinder- und Jugendarzt sowie Mitglied des Expertengremiums des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) bei http://www.kinderaerzte-im-netz.de. Schon Einjährige reagieren während des Lesens mehr mit sprachähnlichen Lauten, und Mütter geben ihren Kindern dabei auch häufiger Rückmeldungen als bei anderen Spielen.

Tablets dagegen isolieren Kinder, so dass sie nicht lernen können, ihre Emotionen zu regulieren und mit anderen Kindern zu spielen. Alles, was das Kind perfektioniert, ist der Umgang mit einem Tablet sowie die Bedienung eines Touchscreens. Inhalte werden dadurch kaum vermittelt. „Durch Vorlesen können Eltern neben der Sprachkompetenz auch Einfühlungsvermögen, Fantasie, abstraktes Denken und Gedächtnis anregen“, so Dr. Fegeler. Haben Eltern keine Freude am Vorlesen, so können sie bei anderen Tätigkeiten, wie z.B. Puzzle-Spielen, die Sprachentwicklung ihrer Kinder unterstützen.“

——-

Dies ist eine Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V.

——-

Frage an die erlauchte Leserschaft:
– Ab wann habt Ihr den Kindern Handys und Tablets in die Hand gedrückt?
– Besser Vorlesen als Kassetten CDs Spotify hören?
– Welche Regeln gab/gibt es, um den Konsum der neuen Medien zu steuern oder einzuschränken?
– Sind das alles nur übertriebene Ängste von alten Kinderärzten, wie man vor Jahrzehnten ebenso vor Fernsehen und den ersten Fernsprechern warnte? Erwartet Ihr von „uns“, dass wir Eltern z.B. bei den Vorsorgeuntersuchungen beraten im Umgang mit Tablets oder Handys?

(c) Bild bei Flickr/Intel Free Press

Ernste Einsichten aus Exeter


Wer Edzard Ernst nicht kennt: Er war bis zu seiner Emeritierung Leiter des ersten Institutes für Alternativmedizin (an der Universität in Exeter), eckte mit seinen Erkenntnissen, dass die meisten untersuchten Verfahren über die Wirkung eines Placebo-Effektes nicht hinausgehen (z.B. Homöopathie oder Akupunktur), sehr an und versteht sich nun via Blog und Twitter als Mahner und Erinnerer auf diesem Feld. Der ewige Skeptiker.

Nazis, Nadeln und Intrigen“ ist seine Autobiographie. Primär vielleicht gedacht als Bericht aus dem Institut, vom Streit um die kritischen Erkenntnisse – immerhin nimmt dies über 50% des Buches ein – , beginnt es jedoch in früher Kindheit, berichtet von seinen Eltern, seiner Schulzeit, dem Medizinstudium und den ersten Anstellungen an verschiedenen Kliniken.

Schließlich führt seine eigentliche Berufung, die Forschung, Edzard Ernst über Wien nach Exeter, wo er eben da mit der Erforschung verschiedenster Alternativverfahren beauftragt wird. Das haben sich die Uni-Väter vielleicht anders vorgestellt, vielleicht auch die Stiftungsgeber: Ernst verstand seine Arbeit nicht als Feigenblatt zur Etablierung der Heilverfahren (allen voran der Homöopathie, welche in England einen hohen Stellenwert hat), sondern sah als korrekter Wissenschaftler, der Geistheilungen, Akupunktur und Globuli strengen (doppelverblindeten und randomisierten) Studienauflagen unterwarf. Anfangs unterstützt durch die Naturheiler (die Geistheiler waren Teil des erarbeitenden Forschungsteams) distanzierte sich das „Naturestablishment“ immer mehr von ihm, als offensichtlich wurde, dass die Ergebnisse nicht in deren Interesse war. Alles gipfelt in öffentlichen Anfeindungen und einer persönlichen Fehde zwischen Edzard Ernst und dem britischen Thronfolger Prinz Charles, einem Verfechter der Naturheilkunde im Königreich.

Die Nazis auf dem Titelblatt mögen der Vermarktung in Deutschland geschuldet sein, immerhin reflektiert Ernst die bekannten Strömungen der „Germanischen Medizin“, das Heilpraktikergesetz datierend aus dem Dritten Reich und die Goutierung der Homöpathie während der Nazi-Zeit. Er veröffentlichte auf kritische Schriften zur Verflechtung der Wiener Universität mit dem Naziregime. Edzard Ernst sieht sich selbstkritisch als sturer Kopf, seine Vitae verschweigt nicht, dass er Probleme hat mit Autoritäten und Gängelung, mit Intrigen und Manipulation. Dabei hält er sich gentlemanlike noch vornehm zurück, ganz der Wissenschaftsprofi. Lediglich im Kernkapitel „Wunderland“ (Originaltitel des Buches: „A Scientist in Wonderland„) räumt er ordentlich auf mit den falschen Heilsversprechen der Alternativerfahren, der unwissenschaftlichen Erarbeitung von Studienergebnissen, falscher Anekdoten-Medizin und der Gefahr unterlassener adäquater Therapie. Ein Behandlungsverfahren ist nicht alleine deswegen „effektiv, weil Millionen von Menschen sie anwenden.“ Da wird er deutlich und unbequem.

Zitate:
„Wenn es darum geht, zu verstehen, wie verletzlich ein Patient ist, gibt es keine hilfreichere Erfahrung für einen Arzt in spe, als selbst zum Patienten zu werden.“
„Der entscheidende Punkt einer guten klinischen Studie muss es sein, ein verlässliches Ergebnis in Bezug auf die Therapie selbst zu produzieren.“
„Dieses Wissen [dass eine Behandlungsmethode nicht wirkt] versetzt Mediziner … in die Lage, die knappen Ressourcen des Gesundheitssektors jenen Therapien zukommen zu lassen, die nachweislich wirken, statt Zeit und Geld auf jene zu verwenden, die es nachweislich nicht tun.“
„Dabei folgten wir dem Grundsatz, dass es so etwas wie Alternativmedizin gar nicht gibt, sondern lediglich Behandlungsformen, die funktionieren, während jene, die es nicht tun, schlicht und ergreifend Quacksalberei sind.“
„…, die Verwendung von Placebotherapien bedeutet, den Patienten um etwas zu betrügen, das entscheidend zu seiner Gesundung beitragen würde. Und das ist zweifellos unethisch und potentiell gefährlich.“

Fazit:
Das Buch liest sich gut, es hat das ausreichende Maß an wissenschaftlichem Background und populärwissenschaftlicher Diktion – ich habe es in drei oder vier Abenden verschlungen. Es kann als Einstieg in die kritische Auseinandersetzung mit den alternativen Behandlungsverfahren dienen, Kritiker werden jedoch Edzard Ernst die Integrität nicht abnehmen. Es ist immer eine Frage der Perspektive, und kein Diskutant im Streit um Naturheilverfahren bringt die ausreichende Objektivität mit, die Edzard Ernst so einfordert.

Ich fand seine Ansichten, Ideen und Erkenntnisse schlüssig und entlarvend, dabei angenehm unaufgeregt, weil glasklar analytisch. Ein gutes Sachbuch, dem man beim heutigen Zeitgeist, wo viele Patienten Heilung in mystischen Verfahren suchen, viele Leser wünscht.

[Dieser Text enthält so genannte Affiliate Links – siehe Impressum]

Der blinde Darm

Plötzlich heftige, stärker werdende Bauchschmerzen sind Warnzeichen für BlinddarmentzündungSieht schon viel besser aus ;-)

Wenn Kinder plötzlich starke Bauchschmerzen haben, die sich steigern, kann dies ein Warnzeichen für eine Blinddarmentzündung sein.

„Die Bauchschmerzen gehen zunächst vom Nabel aus und wandern dann häufig in den rechten Unterbauch. Druck auf den Bauch und plötzliches Loslassen, das Anziehen des rechtens Beins, Gehen oder Bewegung mit Erschütterung – wie z.B. das Hüpfen von einem Stuhl – oder Husten sind mit starken Schmerzen verbunden. Fieber und Übelkeit können ebenso auftreten“, beschreibt Prof. Hans-Jürgen Nentwich, ehemaliges Vorstandsmitglied des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) mit langjähriger Klinikerfahrung (Leitung der Kinderklinik in Zwickau), häufig auftretende Beschwerden. „Jede Art von Schmerzen, die ein Kind nicht still sitzen lassen und es ihm schwer machen, eine angenehme Position zu finden, erfordern umgehende ärztliche Hilfe“, rät er. Eine Blinddarmentzündung kann in jedem Alter auftreten, doch trifft sie Teenager, insbesondere männliche, häufiger als kleine Kinder.

Doch bei kleinen Kindern ist das Gefährliche, dass die Anzeichen einer Blinddarmentzündung oft schwer zu erkennen sind. „Hier kann auch ein geblähter Bauch mit einer Blinddarmentzündung zusammenhängen. Bauchschmerzen, die Kleinkinder nicht schlafen lassen oder die sie nachts aufwecken, sollte der Kinder- und Jugendarzt auf jeden Fall abklären“, rät Prof. Nentwich. Mit Blinddarm ist eigentlich der kleine Wurmfortsatz des Blinddarms gemeint, der Appendix. Kotreste, Darmparasiten oder eine Verengung des Blinddarms können zu einer Entzündung des Wurmfortsatzes führen, zu einer Appendizitis. Wird eine Blinddarmentzündung nicht rechtzeitig behandelt, kann der Wurmfortsatz platzen, und es gelangen Eiter und Stuhl in die Bauchhöhle. Dies kann zu einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung führen.

Eine Pressemitteilung des BVKJ.

——

Tja, wenn´s nur immer so einfach wäre, wie der gute Professor das umschreibt. Er gibt Lehrbuchwissen weiter, das mal stimmt, mal überhaupt nicht. Auch hier gilt das Selbstverständliche für den untersuchenden Arzt: Daran denken. Mein Diagnoseschnitt liegt aktuell eher pro „richtige Diagnose“, d.h. die Kinder, die ich mit dem Verdacht auf Appendizitis eingewiesen habe, hatten i.d.R. auch eine. Manche aber auch nur eine dicke Verstopfung. Toitoitoi, bisher ist noch keines nach Hause gewandert, was später mit Blinddarmdurchbruch im Notfall operiert werden mußte.

In der Öffentlichkeit ist die Blinddarmentzündung klar präsent: Wenn ein Kind mit Bauchweh kommt, mußt der behandelnde Kinderarzt nach der Untersuchung den entscheidenden Satz sagen: „Ein Blinddarmentzündung ist es nicht“, und schon entspannen sich die elterlichen Gesichtsmuskeln. „Gott sei dank.“ Die Salmonellose, die Skyballa oder die Askardien nimmt man dann eher gelassen hin.

Es gilt der Lehrsatz: Der Verdacht auf eine Appendizitis muß zumindest zum Chirurgen führen, besser zur OP. Dank hoch auflösender Ultraschalls ist man inzwischen zwar etwas gewappneter in der Diagnostik und muß sich nicht mehr komplett auf Leukozyten und McBurney-Punkte verlassen, aber dennoch: Der Blinddarm darf einen nicht blind machen. Kalauer Ende.

 

(c) Bild Flickr bei Jan Stettler

Alles neu bei den Kinderärzten

Sie ist schon seit Jahren *die* Infoseite für alle Themen rund um die Kinderheilkunde: Die Kinderärzte im Netz. Jetzt hat sie einen Relaunch bekommen, und aus dem etwas altbackenen Grünstich mit der festen Spaltenbreite bekommen wir jetzt ein frisches Layout zu sehen mit ärztlichem Weiß und wenig Rest des BVKJ-Grüns.

Die Inhalte sprechen sowieso für sich:
– Aktuelle Nachrichten rund um Kinder und deren Gesundheit
– Eine bundesweite Arztsuche nach PLZ, Schwerpunkten, Namen
– Die Mediathek mit Broschüren und Erinnerungsnewsletter für Impfungen und Vorsorgen
– Und viele viele Artikel zu Kinderkrankheiten, Vorsorgen, Impfungen, Erste Hilfe, Notdienste usw.

Es lohnt zu stöbern. Ich bediene mich gerne, dies ist die Referenz.

image

Don´t pust

„Abschürfungen: Nicht in die Wunde pusten

Hat sich ein Kind eine Abschürfung zugezogen, sollten Eltern zur Beruhigung und Schmerzlinderung nicht in die Wunde pusten, denn das kann die Verbreitung von Bakterien fördern. Abschürfungen sind oberflächlich abgescheuerte Hautteile, die z.B. häufig bei leichten Fahrrad- oder Roller-Stürzen auftreten.

„Achten Sie darauf, dass Ihr Kind die Wunde nicht ausleckt – Speichel enthält zu viele Krankheitskeime. Halten Sie die Wunde zum Säubern unter kaltes Wasser – ohne zu reiben. Entfernen Sie mit gereinigten Händen oder einer Pinzette Dreck- oder Steinpartikel. Danach desinfizieren Sie die Wunde und versorgen Sie diese mit einem luftdurchlässigen Pflaster oder einer Mullbinde. Grundsätzlich sollten Sie bei der Erstversorgung einer Wunde keine Heil-Salben oder Sprühpflaster auftragen“, rät Dr. Monika Niehaus, Kinder- und Jugendärztin vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) in Thüringen.

Ist die Wunde größer, z.B. auf der Brust oder auf dem Rücken, oder erstreckt sich über einen ganzen Arm oder ein ganzes Bein, sollten Eltern mit ihrem Kind zum Kinder- und Jugendarzt. „Auch wenn die Schürfwunde sich in der Nähe eines Auges befindet oder im Gesicht mit Dreckpartikeln in der Wunde, sollte der Kinder- und Jugendarzt gleich aufgesucht werden. Denn eine verunreinigte Schürfwunde, aus der Dreck und Kiesel nicht vollständig beseitigt sind, kann sich leicht entzünden und später Narben bilden“, warnt Dr. Niehaus. Wärmeentwicklung, Rötung und Schwellung sind Anzeichen für eine Entzündung, die ebenso der Kinderarzt kontrollieren sollte.“

Quelle: Pressemitteilung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V.

Dem ist natürlich nichts hinzuzufügen. Allerdings pusten die Eltern nicht mehr auf Schürfwunden, sondern werfen mit Zuckerkügelchen. Ist vermutlich ungleich harmloser. Also, liebe Glaubuliphilen: Wieder mal alles richtig gemacht.

116 117 – auch für kinder?

… wissen wir auch nicht. blöd, oder?
ganz ehrlich: der informationsfluss zu den ärzten lief nicht so toll. bekannt ist, dass mit der zentralen bundeseinheitlichen rufnummer 116 117 ab sofort in fast allen bundesländern (die südwestlichen folgen nächstes jahr) der kassenärztliche notdienst erreichbar ist. das ist grundsätzlich gut, da die suche nach den unterschiedlichen regionalen rufnummern entfällt. aber sind wir ehrlich: war es je so schwer, die entsprechende rufnummer zu wissen oder rauszusuchen? wie auch immer – es ist eine verbesserung. 

nach wunsch und vorstellung der kassenärztlichen bundesvereinigung ist der bereitschaftsdienst, und damit auch diese nummer, gedacht für „patienten mit dringenden aber nicht lebensbedrohlichen notfällen“ (letztere wählen eher die 112), bei denen die „die behandlung aus medizinischen gründen“ nicht bis zum nächsten tag warten kann. wer schon mal im bereitschaftsdienst gearbeitet hat, erschließt sich automatisch der umkehrschluß „und nicht etwa für die, die es am tag oder die woche vorher nicht einrichten konnten, zum arzt zu gehen oder für jene, die sich keinen termin unter der woche holen wollen.“ wir kennen unsere pappenheimer.

und die kinder? keine ahnung. in manchen aussendungen zur neuen nummer finden sich hinweise zu speziellen ambulanten notdiensten wie die der „augenärzte“. in vielen vielen bezirken gibt es jedoch auch einen kinder- und jugendärztlichen notdienst, in praxen oder an notfallambulanzen der kinderklinik. es bleibt zu hoffen, dass die 116117 jeweils in einem callcenter endet, in dem wenigstens nach dem alter des patienten gefragt wird, um dann die eltern an den kinderarzt weiterzuweisen. wenn nicht, erfolgt vielleicht die vermittlung zum hausärztlichen dienst, in dem – wieder zitat der kbv – „grundsätzlich ärzte aller fachgruppen“, also auch gerne urologen, schönheitschirurgen oder kieferorthopäden ihren dienst tun. glück dem kind, welches an einen arzt gerät, der vielleicht zumindest eigene kinder hat 😉

%d Bloggern gefällt das: