Kopfstreicheln.

Mutter: „Wir waren ja auch schon mal beim Osteopathen. Die hat auch gesagt, das Kind ist völlig in Ordnung.“ Wir befinden uns bei der U3, der ersten Untersuchung in der Kinderarztpraxis, ich sehe das Kind das erste Mal, vorher hat die Hebamme das Kind bei der Geburt gecheckt, sodann der kinderärztliche Kollege in der Entbindungsklinik bei der U2. Es war eine normale Entbindung, der Apgar war wunderbar, das Gedeihen gut. Ich: „Was hat Sie da hingebracht?“ Keine Ahnung, warum das in den letzten Jahren so zunimmt. Seit Jahrtausenden kommen Kinder ja so auf die Welt. Ok, die Medizin macht Fortschritte, … Kopfstreicheln. weiterlesen

Eingeimpft – Presseschau

Dieser Tage (13.9.) kommt ein Film in deutsche Kinos, der meine Impfbefürworter-Filterblase (also 95% der Mitmenschen in Deutschland) im Karée springen lässt: „Eingeimpft“. Es ist schon einiges darüber geschrieben worden, kurz zusammengefasst geht es um ein junges Paar, dass sich mit der Entscheidung, ihr Kind (später kommt ein zweites dazu) impfen zu lassen oder nicht oder wie. Er ist dafür, sie dagegen. Er ist Dokumentarfilmer und macht einen Film daraus, sie schreibt die passende Musik dazu. Ich konnte den Film natürlich nicht vorab sehen (bin ja nur ein kleiner anonymer Bloginfluencer), aber genug Namhafte waren zu Vorpremieren eingeladen, der Hype … Eingeimpft – Presseschau weiterlesen

Susannchen – jawoll, Werbung!

[Werbung] Dass ich Glaubuli und andere homöopathische Behandlung in der Praxis aktiv ablehne, dürfte sich mittlerweise rumgesprochen haben. Vermutlich verliere ich heuer auch wieder ein paar Leser, wenn das Thema erneut auf die Agenda kommt („Immer das Gleiche, ich will mal was anderes lesen, was? Homöopathie finde ich toll, etc.“). Dabei habe ich bisher versäumt, auf Susannchen explizit einzugehen, auch wenn sie hie und da schon in den Artikeln auftauchte. Susannchen ist die „Familienseite des Informationsnetzwerkes Homöopathie“, welches sich zur Aufgabe gestellt hat, sachlich und zunächst wertfrei über Homöopathie aufzuklären. Wer die Erläuterungen objektiv liest und an sich heranlässt, dem … Susannchen – jawoll, Werbung! weiterlesen

Spahn bewegt sich in einem Paralleluniversum

„Kinder- und Jugendärzte kritisieren Spahn-Pläne BVKJ-Präsident Dr. Thomas Fischbach: „Spahn-Vorschlag ist unausgegoren, schadet unseren Patienten und wird Ärztemangel verschärfen!“ Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte lehnt den Vorschlag von Gesundheitsminister Jens Spahn ab, Kinder- und Jugenärzte zu längeren offenen Praxisöffnungszeiten zu verpflichten. BVKJ-Präsident Dr. Thomas Fischbach: „Die Idee, Kinder- und Jugendärzten verpflichtende offene Sprechstunden vorzuschreiben, zeugt von kaum noch zu überbietender Ahnungslosigkeit. Wir Kinder- und Jugendärzte arbeiten heute schon an der Grenze unserer Leistungsfähigkeit. Dank des Babybooms in Deutschland versorgen wir Hunderttausend Kinder mehr als noch vor acht Jahren und viel mehr als die veraltete Bedarfsplanung berechnet hat. Und wir … Spahn bewegt sich in einem Paralleluniversum weiterlesen

Wochenendkarriere

Eltern machen sich Sorgen, wenn ihre Kinder krank sind. Niemand versteht das besser, als ein Kinderarztvater. Das Folgende erlebte dieses Kind am Wochenende: Sunja-Marie (2,5 Jahre) hat am Samstag Nachmittag zweimal erbrochen. Die Eltern fuhren mit ihr daraufhin in die nahegelegene Kinderklinik, trafen dort – schließlich war es schon 23:23 Uhr – auf den diensthabenden Arzt der Kinderklinik (Zweites Jahr Pädiatrie). Untersuchung des Kindes. Eintrag des Kollegen: „Guter AZ, Gastroenteritis. Kind weint viel bei Untersuchung. Keine spezifische Therapie.“ Die Eltern fahren nach Hause. Sunja-Marie liegt um kurz vor 1 Uhr nachts in ihrem Bett. Am nächsten Tag, Sonntag, isst sie … Wochenendkarriere weiterlesen

Quickblogging von heute

Was hatten alle diese Kinder gemeinsam? – Dreijähriger mit eitrig laufender Mittelohrentzündung – Fünfjährige mit Ohrenschmerzen (Trommelfell nur rot, Kind aber unter Tränen) – Viereinhalbjähriger mit Bindehautentzündung – Vierzehn Monate mit 39,2 Grad Fieber (und Erkältung) – 12jährige mit Sonnenbrand, also Verbrennung I. Grades am ganzen Rücken … Na? Eine/n Mutter/Vater, die/der nach der Anamnese, Untersuchung, Therapie und Beratung die rethorische Fragen stellte: „Aber heute nachmittag ins Freibad, das geht schon?“ (c) Bild bei Flickr/Joe Loong (unter CC Lizenz BY-SA 2.0) Quickblogging von heute weiterlesen

One more thing

Der junge Mann leidet. Die Augen jucken, die Nase läuft, rot sind die Hautstellen unter beidem (medizinisch: periorbital und nasolabial). Der Heuschnupfen hat zugeschlagen, dieses Jahr die dritte Saison in Folge, damit erfüllt er alle Kriterien der chronischen Erkrankung. Die letzten zwei Jahre habe sie sich wohl so durchgerettet, jetzt soll der Arzt Abhilfe schaffen. Ich untersuche ihn, mache mir ein Bild, finde keine Lungenbeteiligung (Asthma im dritten Jahr wäre richtig Sch…), die Mutter berichtet von der familiären Belastung mit Allergien (es ist immer der Vater, immer der Vater). Ich hole aus, berate zu begleitenden Maßnahmen wie Fenstergeschlossenhalten in der … One more thing weiterlesen

Der Fünf-Minuten-Grippeappell

Wir ertrinken in Patienten, in besorgten Eltern, in Husten, Schnupfen, Fieber, „so krank war er noch nie“, „wird denn das gar nicht besser“ und „wir machen uns Sorgen“. Das Personal ist am Limit, selbst dezimiert wegen eigener Rotzenasen oder eigener -kinder, die Kindergärten machen Kleingruppenunterricht oder schließen komplett, weil die Erzieherinnen fehlen. Die Schulen verlangen Krankenatteste wegen der Grippewelle, als merke man dasnichtauchso bei dem Hustengeräuschepegel im Unterricht. Geplante Termine wie Impfungen oder Vorsorgeuntersuchungen versuchen wir auf ruhigere Monate zu verschieben, wenn das geht (aber Säuglings-Us kannst Du eben nur jetzt machen), damit die Gesunden sich bei uns nichts holen, … Der Fünf-Minuten-Grippeappell weiterlesen

Spielen um halb zwei

Mutter: „Herr Dokter, ich habe ein Problem mit meinem Sohn, der hat eine Schlafstörung.“ Der junge Mann ist dreieinhalb Jahre alt. Mutter: „Wissen Sie, der geht nach dem Fernsehen um 21 Uhr ins Bett. Da trinkt er noch seine Flasche, dann steht er um elfe wieder auf und kommt zu mir rüber und weckt mich, dass er jetzt spielen will.“ Ich: „Und dann?“ Mutter: „Dann will er puzzeln, oder er macht den Fernseher an oder die Rolladen hoch. Ich weiß gar nicht, was ich machen soll.“ Ich: „Was machen Sie denn, damit er das lässt?“ Mutter: „Ich spiele dann kurz … Spielen um halb zwei weiterlesen

Servicewüste Kinderarztpraxis

  Vater: „Ja, hallo, meine Frau ist krank, und kann nicht auf meinen Sohn aufpassen, deshalb muß ich zuhause bleiben und brauche eine Krankschreibung.“ fMFA: „Was hat denn Ihr Sohn?“ Vater: „Nichts, der ist gesund, aber meine Frau ist krank.“ fMFA: „Oh, Sie haben die Kinderarztpraxis Dr. kinderdok gewählt.“ Vater: „Ja, das weiß ich, ich brauche eine Krankschreibung, für den Arbeitgeber, dass ich zuhause bleiben kann.“ fMFA: „Aber Ihr Sohn ist nicht krank.“ Vater: „Das sagte ich schon. Meine Frau ist krank. Und. Ich. Muss. Deswegen. Zuhause. Bleiben.“ fMFA: „Tut mir leid, aber wir können nur eine Bescheinigung für den … Servicewüste Kinderarztpraxis weiterlesen