Warum ich impfe … gegen Tetanus

Wir hatten als Studenten im Praktischen Jahr in der Kinderklinik zweimal die Woche „Stationsvisite“, so hieß das wohl, d.h. wir sind dem Chefarzt hinterhergedackelt auf Station, um irgendetwas Spannendes anzugucken. Windpocken beispielsweise. Oder ein Pfeiffersches Drüsenfieber. Oder auch mal nur ein Streckbett nach Oberschenkelfraktur. Ja, damals lagen solche Sachen noch im Krankenhaus herum.

An diesem Morgen folgten wir dem Großmuck auf die Intensivstation. Alleine das bedeutete schon Herzklopfen und feuchte Hände. Das konnte nur Spektakuläres heissen. Oder doch wieder „nur“ ein Frühgeborenes mit hundert Schläuchen und Beatmung. Am Ende haben alle geweint, sogar der immer so taffe Martin, der eigentlich als Wahlfach Unfallchirurgie gewählt hatte, aber gerne in die anderen Fächer reinschnupperte.

Der Zehnjährige lag auch an vielen Schläuchen und wurde beatmet, aber die Medikamente konnten nicht verhehlen, es ging hier um Leben und Tod. Er war schweißgebadet, die Gesichtsmuskeln verzerrt, die Arme und Beine mühselig durch Relaxantien und Narkotika entspannt, trotzdem gebeugt, die Muskeln ausgezehrt, aber definiert, als seien sie ständig unter Feuer. Mein Bild aus der Vergangenheit trügt mich vielleicht, die angsterfüllte Athmosphäre auf der ITS ist mir aber noch immer präsent. Als ich später selbst Pädiatrieassistent auf genau dieser Station wurde, erzählten alle weiterhin von diesem Patienten.

Er starb drei Tage später. Der Junge hatte sich zwei Wochen vorher an einer Glasscherbe im Wald verletzt, beim Versteckenspielen. Er kam aus einem für mich nicht mehr erinnerlichen Ostblockland. Damals war die Stadt verschwistert mit der Stadt, in der ich die Ausbildung machte, und in der die Kinderklinik mit jener Intensivstation stand. Man hatte den Jungen aus seinem Land per Hubschrauber verlegt, weil alle dachten, die Deutschen können in retten. Konnten sie nicht.

Der Junge hatte eine Tetanusinfektion. Er war nicht geimpft.

RKI: Tetanus

(c) Bild bei Pixabay/Hans (Lizenzfrei)

12 Kommentare zu „Warum ich impfe … gegen Tetanus

  1. Zu DDR Zeiten hatten wir impfpflicht, ich dachte im Ostblock auch? Wichtiger Beitrag der einmal den Personen die sich mit Luxus Problemen beschäftigen vor Augen führt was wirklich wichtig ist…

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  2. Zu DDR Zeiten hatten wir impfpflicht ich dachte im Ostblock auch? Sehr wichtiger Beitrag für alle die meinen sie hätten Probleme mit Blähungen, individueller impfenent scheidung oder Eingewöhnung in der Kita.

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  3. Naja naja.
    Und was hatte er noch? Ich arbeite auf einer Intensivstation (hatten auch Kinder) und habe schon auf einer Kinderintensivstation gearbeitet.
    Achso, seit 16 Jahren.
    Solche Fälle haben nie nur eine Krankheit oder Todesursache!
    Und von welchem Jahr reden wir hier???
    Lächerlicher Bericht!
    Nur Panikmache!!!
    -> bin kein Impfgegner, aber schon 22 Jahre im Krankenhaus tätig!!!

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    1. @Mandy Jentsch: verwechseln sie evtl. Tetanus mit Tuberkulose oder Tinnitus? An Tetanus zu sterben halte ich für eine der schrecklichsten Todesarten, die ich mir vorstellen kann, und die Sterberate ist selbst bei bester Behandlung noch immer hoch!

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    2. Ich glaube dir jetzt nicht ganz, dass du auf einer Intensivstation arbeitest. Sonst wüsstest du, dass eine Infektion mit Tetanus vollkommen ausreicht als Todesursache. Genauso wie eine Infektion mit Masern oder eine Meningitis da vollkommen ausreichen, da braucht es nicht mehrere Ursachen. Und warum Panikmache? Es ist doch einfach nur ein Erfahrubgsbericht. Wenn man das Pech hat Tetanus zu bekommen und nicht dagegen geimpft ist, stirbt man nun mal fast immer. Zum Glück kommt das bei uns sehr selten vor dank der Impfung.

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      1. Kleine Korrektur zu deinem Beitrag: Die Letalität liegt laut RKI zwischen 10% und 20% (aktuell: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Tetanus.html), das ist beim besten Willen nicht „fast immer“, aber die Erkrankung ist definitiv schwer genug um alleinig als Todesursache auszureichen. In dem Punkt stimme ich dir voll und ganz zu. Und als der Kinderdoc sein Studium gemacht hatte, lag die Letalität sicherlich noch ein paar Prozentpunkte höher (zum Vergleich in einem Fallbericht von 2003 gibt das RKI noch eine Letalität von 25% an http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2003/Ausschnitte/Tetanus_34_03.pdf?__blob=publicationFile).

        Ich hoffe das RKI zu verlinken geht bei dir in Ordnung Kinderdoc?

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    3. Sollte die oder der Verfasser/in dieser Zeilen wirklich eine Pflegeausbildung absolviert haben, so bitte ich inständig, in Anbetracht des hier von sich gegebenen Unsinns, das Examen mit sofortiger Wirkung zurückzugeben!

      Wenn man dann noch angeblich im intensivmedizinischen Bereich arbeitet erst Recht. Schon als ich als AiP in der Krankenpflegeschule unterrichtete hat sich niemand fur das Thema Mikrobiologie interessiert, scheinbar war mein Kurs nicht der einzige……

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  4. Ich war vor ein paar Jahren einige Tage mit dem Planwagen in den USA unterwegs. Einen Monat vorher guckte ich zufällig nochmal in meinen Impfpass… und vereinbarte sofort einen Termin mit meinem Hausarzt zwecks Tetanusimpfauffrischung.
    Allein die Vorstellung, sich sowas einzufangen und dann keinen Arzt und kein Krankenhaus in der Nähe zu haben – WAAAAAAHHH!

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  5. In Deutschland sind die weit über 100 Tetanus-Fälle im Jahr vor 1970 auf jährlich etwa zehn bis 15 Erkrankungen gesunken, was der erfolgreichen Einführung einer Schutzimpfung gegen Wundstarrkrampf zuzuschreiben ist.

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