schaukel

es war sein vorschlag, doch mit dem fahrrad ein wenig rumzufahren, das konnte ich ihm natürlich nicht abschlagen, und nachdem wir einige strassen „ich führe aber“ gespielt haben, und dabei bestimmt mehrmals im kreis fuhren, führte er mich dann zu seinem lieblingsspielplatz. “ ´raschung“ sollte das sein, das fand er wirklich spannend. er schnallte umständlich den fahrradhelm ab und klippte ihn wieder an den lenker – unnachahmlich, wie nur er das kann.
seine immer noch verblüffend kleine hand zog mich auf eine dieser grossen schaukeln, die meine kinder immer „vogelnest“ nennen. diese grossen aufgehängten spinnennetze. ich sollte mich einfach nur hinlegen. was ich auch tat. und dann stieg er auf die eine seite des vogelnestes, packte die beiden seile und begann, das nest vor und zurück zu schaukeln. mein magen dankte es ihm, aber es war auch ein schönes bauchgefühl dabei. und als das nest so richtig schwung bekommen hatte, ließ er sich neben mir nieder, legte seinen kopf auf meine brust, eine hand suchte wieder meine, und ich spürte, wie er sich trotz des wilden geschaukels neben mir entspannte. über uns war nur der blaue himmel, der mit seinen schäfchenwolken schnell an uns vorbeischaukelte. die sonne stand schon nachmittäglich tief und blinzelt zwischen den baumästenblättern hindurch. wir hörten nur das quietschen der schaukel und hörte das doch eigentlich nicht. es vergingen bestimmt nur vier oder fünf sekunden, aber es war eine genossene ewigkeit.
„ist das leben nicht schön?“ sagte der kleine mann neben mir auf der schaukel.

15 Antworten auf „schaukel“

  1. Allerliebst…

    Und wenn dann der Papi gerne noch liegenbleiben möchte und diesen köstlichen Moment bis in die Unendlichkeit ausdehnen würde. Dann ist garantiert nach den erwähnten 5 Sekunden Schluß mit Schmusen und es geht weiter im Programm 😉

  2. *seufz* – auch will! Vor allem, weil ich jeden Tag an einem ebenso tollen, gerade reovierten Spielplatz (mit „Vogelnest“ 😀 ) vorbeigehe. Keine 150m von der Wohnung entfernt nur einmal um die Ecke auf dem Weg zur Garage. Jeden Tag bei fast jedem Wetter: All die lachenden Kinder und Eltern… Und ich mit Brotdose auf de Weg zur Arbeit – oder wieder zurück. Ach, scheiße… ;-(

  3. Wie alt ist der „kleine“ denn? Mit fünf Jahren wird man sowas ja eher selten von einem Kind hören 😀

    Wirklich schön geschrieben. Ich will auch nen Spinnennetzschaukel!

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