kleiner fratz

sie ist ein zuckersüßer fratz, alle haben sie lieb. mit ihren flaumblonden strähnchen über den dunklen kulleraugen kann sie alle in ihrer umgebung um den finger wickeln. ob papa, oma, opa – sogar die dicke dame hinter der wursttheke hat sie allerliebst – „nein, wie goldig, nein, wie süß, nein, schau mal wie sie nach der lyoner greift. nein nein lassense mal ruhig, danke sagen musse ja nicht, gott, ist die nett!“ nur mama steht manchmal neben sich und fragt sich, ob alle sie so kennen, wie sie sie kennt.

und schau, wie neckisch die kleine noch den noni (auch schnulli, dulli, dudu) im mundwinkel balanciert und ihr trotzdem gelingt, die wörter hervorzuschieben. und wenn man sie fragt, ob sie das gummi nicht mal herausnehmen möchte, grinst sie sich eins, schnappt ihn sich selbst, zieht ihn schnell heraus, macht eine vierteldrehung und schwuppdiwupp ist er wieder drin. und alle lachen. ist sie nicht ein zuckersüßer fratz?

sie spricht dazu noch allersüß, mit feinem lispeln hie und da, das /s/ und /z/ geht ja noch gar nicht, aber das macht den eindruck nur perfekt. denn welche dreijährige kann schon perfekt sprechen? vor allem mit dieser netten vorgeschobenen oberlippe vor den sich über den unterkiefer schiebenden schneidezähnchen. die zunge schaut hier gerne diebisch hervor, traut sich wohl nicht, hinter den weißen beißerchen zu bleiben. und mal ganz ehrlich? so sprechen sie doch alle in der post-pekip-nachwuchsgruppe. das ist doch wohl normal? und doch schließlich auch so nett?

klar spricht sie nicht mit jedem. schüchternheit ist schließlich eine zier. oder ein euphemismus. denn entscheiden wird sie immer selbst, wem sie ihre glockenhelle stimme schenkt. der rest wird mit schweigen abgewatscht – aber schüchtern bleibt sie, vielleicht auch ängstlich? bleibt doch soviel erklärungsspielraum hier bestehen.

ok, beim kindergartenanbeginn gabs kleine probleme – halb so wild – sie klebte mehr an mama als an den spielzeugen, versteckte sich gerne hinter den beinen ihrer mutter. und diese tante da im kindi kindergarten hörte zu allererst den zornesschrei und nicht die glöckchen. aber diese kennt dafür ihre blondgesträhnten fläumchenmädels. und stößt auf unverstand bei ihren eltern, wenn sie bittet, jetzt zu gehen. denn kann man dies ängstliche mäuschen einfach so hier lassen? sie ist doch so schüchtern, so vorsichtig, und … was, sprechen? das tut sie eben nur mit denen, die sie kennt. trotz ist doch was für jungs, die nicht gehorchen.

aber sonst ist sie ein zuckersüßer fratz – stets geputzt und stets geschniegelt, und stolz darauf, die kleidersachen selbst zusammen gesucht zu haben, auch wenn sie für den beginnenden herbst etwas kalt erscheinen. und mama begnügt sich, auch nur stolz zu sein und zu betonen, wie selbstständig doch die kleine ist. konflikte umgeht man, konflikte lenkt man ab.

sie ist ein zuckersüßer fratz.ungelogen. ganz klar.

und doch …
am ende der vorsorgeuntersuchung bemerkt die mutter – nachdem fläumchenmäuschen mit der glockenstimme krebsrot und verschwitzt vor brüllen in ihrem arm langsam ausventiliert – : „herr dokter, herr dokter, manchmal weiß ich auch nicht, was ich mit ihr machen soll.“

90 Antworten auf „kleiner fratz“

  1. Was für ein zuckersüßer Beitrag, der uns endlich mal wieder aufzeigt, dass Kinder von Natur aus einfach kleine Monster sind, die man nur in die richtige Richtung bringen muss. Es wäre ja auch aberwitzig anzunehmen, dass Kinder tatsächlich noch ein anderes Gefühlsleben haben als Erwachsenen, emotional noch nicht so ausgereift sind und auch emotional und nicht sachlich agieren. Gut, lieber Kinderdoc, dass Sie das den verblendeten Eltern mit ihrem Post verdeutlichen und damit mal ordentlich einnorden.
    Nun ist lösungsorientiertes Handeln gefordert : erkennt endlich , dass Kinder Tyrannen sind und geht mit aller Macht dagegen vor.

    Nur eine Frage bleibt für mich offen: Meine Kinder wurden von mir nicht als Tyrannen gesehen, ihre Gefühlslagen und Ängste wurden akzeptiert und nicht bekämpft oder weggewischt, ihre Bedürfnisse wurden wahrgenommen und ihrem jeweiligen Alter entsprechend haben wir versucht, diesen gerecht zu werden ( und nein, es gab keine Schokolade um Mitternacht, keinen Kakao und keine Limo ins Fläschen und auch diverse andere Dinge, die ich als Grundgerüst bezeichne, wurden von mir festgelegt)
    Warum in Gottes Namen,habe ich, bei dieser Form der Erziehung, zwei höfliche, gut sozialisierte Kinder, die sich zu benehmen wissen, die Tageszeit kennen und kundtun, bitte und danke sagen und auch sonst ohne Verhaltensauffälligkeiten durchs Leben gehen?
    Ich meine, die wurden, wenn sie Angst hatten auf den Arm genommen!!! und sind dennoch gut erzogen und völlig normal. Ja, wie es denn das möglich?

    Lieber Kinderdoc, ich verstehe durchaus den Ansatz Ihres Eintrags, aber ganz ehrlich, wenn ich sehe, wie respektlos und verachtend mit Kindern umgegangen wird, wie eine Gesellschaft konsequent versucht, kindliches Verhalten an erwachsene Bedürfnisse anzupassen, dann wären mir Artikel, die auf andere Mißstände hinweisen, deutlich lieber.
    Artikel wie der Ihre , verleiten die falschen Leute zu der Annahme, richtig zu handeln.
    Auch ich arbeite mit Kindern und ich glaube fest, dass überbehütete Engelchen das kleinere Problem in unserer Gesellschaft sind.
    Vielleicht tauschen Sie sich ja mit einem Kollegen wie Herr Dr. R.Posth über dieses Thema aus und erläutern Ihre Ergebnisse dann hier auf Ihrem Blog.

    Viele Grüße

    @Anonymus : Man soll nicht von einem Menschen auf den anderen schließen, aber wenn Ihr Mann Ihre Ansichten teilt, ist das ein weiteres deutliches Indiz dafür, dass der Begriff Pädagoge für Lehrer nicht angebracht ist ( schon allein wegen der 1. unverhältnismässig kleinen Anzahl der Pädagogikstunden im Studium und 2. der fehlenden Eignungsfeststellung)

    .

  2. War auch Horror 😉 Letztes Jahr waren wir erstmalig miteinander verreist und es hat wunderbar geklappt, die Kinder haben toll miteinander gespielt, wir Eltern konnten derweil auch mal in Ruhe einen Cocktail geniessen, es war eine win-win-Situation. Aber ein weiteres Jahr laissez-faire sind an dem Kind nun einmal nicht spurlos vorüber gegangen.

    Nächstes Jahr fahren wir bestimmt nicht noch einmal mit der Familie weg 😉

  3. Danke für Eure Antworten. Wie gesagt, ich mische mich auch nicht ungefragt ein. Schwer fällt es allerdings, wenn man zu 6. im Restaurant am Tisch sitzt und deren Kind groben Unfug macht, der nicht nur uns sondern auch andere Gäste störte (Kommentar der Mutter: Die sollen sich nicht so haben, das ist ein kinderfreundliches Hotel!) und das eigene Kind zum Mitmachen aufgefordert wird, was es auch macht. Wir haben unserem Kind dann gesagt, es solle das lassen, was aber nicht auf viel Verständnis stieß da das andere Kind ja weitermachen durfte :-/
    Im Gegenzug durften wir uns anhören dass wir zu streng seien, oder warum denn unser Kind noch gar nicht braun gebrannt sei, LSF 50 sei doch viel zu hoch, das arme Kind könne ja gar keinen Teint bekommen….und nur so Sachen. *Ächz*

    1. Horror. Denn: Auf jeden Fall muss man sich hier mit den anderen Eltern auseinandersetzen und es deutet alles darauf hin, dass es freundlich ausgedrückt kontrovers wird. Horror deswegen, weil man sowas natürlich gerade im Urlaub überhaupt nicht haben will.

      Deswegen gilt bei uns für „gemeinsame“ Urlaube mit wem auch immer die eiserne Regel: Getrennte Unterkünfte sind Pflicht, so dass jeder selbst entscheiden kann, wie viel von seinem Urlaub er mit dem anderen teilen will.

  4. Was ich tue, wenn andere Kinder Grenzen überschreiten?
    Ich schau, ob es a) andere Kinder beeinträchtigt oder b) mich beeinträchtigt.

    Dem Kind im Schwimmbad, das aus lauter Jux herumbrüllte wie am Spieß (unartikuliert), habe ich bemüht ruhig gesagt: „Du hörst jetzt mit dem Brüllen auf, das geht mir gerade tierisch auf die Nerven.“ Offenbar war es gut genug erzogen, um zu wissen, daß es gegen Gesellschaftsregeln verstieß – es hatte nur nicht überlegt.

    Dem Kind auf der Hüpfburg, daß sich nach anfänglichem Keilen mit seinem Freund damit vergnügte, anderen Kindern „unauffällig“ die Füße wegzuziehen beim Hüpfen – das hab ich angebrüllt: „He, du! JA, du mit der Brille! Hör SOFORT auf damit!“ Auch dieses Kind wußte genau, was es falsch machte, versuchte sich aber in gespielte Unschuld zu retten: „Was mach ich denn?“ – „Du ziehst den anderen die Beine weg! LASS DAS!“ – „…okay…“

    Sie wissen eigentlich, daß sie gegen Regeln verstoßen. Sie meinen halt, sie kommen gerade mal mit durch, und diesen Glauben muß man ihnen dann halt nehmen.

    Übrigens zähle ich auch bis drei – erstens hab ich dann Zeit, mir eine Konsequenz zu überlegen, zweitens wissen meine Mädels, daß eine Konsequenz auf dem Weg zu ihnen ist. Und sei’s nur, daß sie an der Schulter gepackt und abgeführt werden.

    Ach, und für ganz große Frechheiten gegen meine Person („Scheiß Mama! Du bist doof!“) gibt es hier in Ausnahmefällen auch einen(!) Klaps auf den Po. Scheiß auf logische Konsequenz – DAS läuft hier NICHT! Respektlosigkeit gegen Respektlosigkeit. Och, das ist ja auch ne logische Konsequenz. 😛

    Salat

  5. @Danny Wilde: nur mal aus Neugier… was waren das denn für Erziehungsthemen, die euch tangiert haben als Freunde?
    Ich frage nur, weil ich manche Dinge, die befreundete Eltern tun anders machen würde, sie mich oder mein Kind aber nicht direkt betreffen und ich dann einfach gar nichts sage.

    @Tatjana: Wie obig erläutert mische ich mich in Erziehungsdingen bei Freunden nicht ein. Wenn es ganz heikle Situationen gibt, bei Freundeskindern oder bei fremden Kindern auf dem Spielplatz, aber manchmal schon. Wenn zB ein Kind mein Kind schlägt und die Eltern nicht in der Nähe sind (oder nicht reagieren), dann sage ich ganz ruhig zu dem Kind, dass das so nicht geht, dass die Schläge weh tun. Oder wie gestern auf dem Spielplatz geschehen: ein Kind um die 4 schnappt sich ungefragt ein Auto meines Kindes, wirft es dann in agressivem Gebrüll gegen die Rutsche. Keine Eltern weit und breit. Gut, ein Auto kann nicht unbedingt daran kaputt gehen, aber ein (leiser und nettgesagter) Kommentar wie: „hey, so gehts aber nicht, so geht das Auto doch kaputt“ kommt da bei mir automatisch….

    1. @Tine
      Was uns tangierte, war zum Beispiel, dass kaum noch eine zusammenhängende Unterhaltung möglich war, weil die Aufmerksamkeit ständig aus keineswegs dringenden Gründen zum Kind abglitt. Man konnte sich keine 10 Sekunden zusammen Fotos angucken, weil das Mädel dann ja nicht die volle Aufmerksamkeit hatte.

      Am Essenstisch wurden dem Prinzesschen das für alle gedachte Brot (Papas Eigenbau) hingehalten, damit sie mit ihren – durchaus altersgemäß – mit Speisebrei überzogenen Fingern mal anfasst um festzustellen, dass es noch warm ist. Es sagte auch keiner was, wenn Lillifee fortwährend am Tisch wackelte, bis fast die Gläser umfielen.

      Ging Lillifee „heia machen“, saßen wir als Gäste minutenlang schweigend im Dunkeln (weil die ganze Wohnung „heia machen“ ging), während beide(!) Eltern sie schlafen legten.

      Lillifee lief im besten Windelalter ohne Rücksprache nackt durch unsere Wohnung und über die Möbel und man bekam sie so auch ungefragt auf den Schoß gesetzt.

      Und das, nachdem man uns schenkelklopfend eröffnet hatte, dass das Kind lustigerweise überall hinpinkelt, nur nicht ins Klo oder in eine Windel.

      @Salat
      Klang alles recht vernünftig – bis ich auf den letzten Absatz stieß. Schlagen geht gar nicht! Und die Verharmlosung „Klaps“ macht diese Einstellung nicht besser, sondern eher schlimmer. Andeutung, Symbolik und Androhung von Gewalt stehen der Gewalt gleich.

      Und „Respektlosigkeit gegen Respektlosigkeit“ ist dazu eine ziemlich schwache Ausrede. Einer von Euch ist der Große und sollte es besser wissen als „Auge um Auge“ anzuwenden. Es sei denn, das Kind soll es genau so lernen – also später auch zuhauen, wenn es beleidigt wird …

  6. Was mich mal interessieren würde:

    Was machen die anderen hier lesenden Eltern, wenn sie Zeugen von nicht angemessener Erziehung (oder dem Fehlen ebensolcher) werden?

    Wie schon beschrieben, fehlten dem Kind unserer Bekannten jegliche Grenzen, und wir mussten uns regelrecht zusammenreissen, um deren Kind nicht masszuregeln – ich mische mich grundsätzlich nicht ungefragt in die Erziehung anderer Leute ein. Leider denken nicht Alle so, so haben im Gegenzug unsere Bekannte die Art und Weise wie wir unsere Tochter erziehen kommentiert. Für mich ein no-go, wenn nicht um Rat gefragt wird oder es sich um wirklich sehr, sehr gute Freunde handelt.

    Wie seht Ihr das?

    1. @Tatjana
      Heikles Thema. Wir waren mit einer solchen Familie befreundet. Von Geburt an wurden an sich völlig wertneutrale Fragen, warum sie dieses oder jenes tun, latent aggressiv beantwortet, dem Frager also unterstellt, er wolle sich einmischen.

      Wie andere ihre Kinder erziehen ist uns grundsätzlich egal, solange wir selbst nicht darunter leiden. Als wir in diesem Fall darunter zu leiden begannen, haben wir wegen der o.g. Aggressivität zunächst die Schnauze gehalten. Fehler.

      Als es gar nicht mehr ging, habe ich eine E-Mail geschrieben, dass wir uns nicht in die Erziehung mischen wollen, aber dieses und jenes nun mal in unseren Bereich eingreift und für uns nicht klar geht. Zweiter Fehler, denn sie haben es nicht verstanden. Die Freundschaft ist letztlich daran zerbrochen, auch wenn wir heute normal miteinander umgehen können.

      Meine Konsequenz daraus – und aus dem einen oder anderen, das ich inzwischen über Kommunikation gelernt habe – ist, dass ich in Zukunft ohne Umschweife ansprechen werde, wenn mir etwas nicht passt, und zwar mit Ich-Botschaften: „Ehrlich gesagt, finde ich es nicht in Ordnung/stört es mich, dass … Ist es möglich, das anders/so und so zu machen?“

      Je nach Situation entweder das Kind selbst oder die Eltern ansprechen.

      Wenn DAS zur Eskalation führt, dann kann man für solche Leute nichts mehr tun und dann müssen sie ihren Weg notfalls ohne einen fortsetzen.

  7. @Danny: Ich wollte auch einiges anders machen als meine Eltern – zum Beispiel nicht bis 3 zählen. Aber als ich dann in einer Situation war, in denen meine Eltern bis 3 gezählt hätten, wußte ich auch keine andere Lösung als bis 3 zählen 😉 Deshalb ist es ja so schwierig, bestimmte Muster zu durchbrechen, zumal man nicht alle eventuellen Situationen voraussehen kann, um eine adäquate Lösung parat zu haben.

    Natürlich spielt auch das Temperament des Kindes eine Rolle, keine Frage, oder etwaige Erkrankungen. Besagtes Kind hat aber kein ADHS oder ADS oder was auch immer, es bekommt nur überhaupt keine Grenzen aufgezeigt. 😉

    1. @Tatjana
      Was passiert denn beim Zählen bis drei? Die Konsequenz für das unerwünschte Verhalten wird hinausgezögert, vermeintlich, um dem Kind eine Chance zu geben, nämlich das erwünschte Verhalten zu zeigen. Das Kind steht aber dabei unter Zeitdruck, es wird beobachtet und fühlt sich vorgeführt, insbesondere, wenn noch Dritte dabei sind. Das geht mit dem Verlust von Würde einher.

      Wenn das Kind hier tatsächlich zum erwünschten Verhalten übergeht, dann nicht aus Einsicht, sondern wegen des aufgebauten Druckes. Denn es hat aus seiner Sicht nur die Wahl zwischen Pest und Cholera: Etwas zu tun, wozu es keine Lust hat, oder Ärger mit Dir zu bekommen.

      Wie hast Du Dich gefühlt, wenn Deine Eltern bis drei gezählt haben? War das für Dich ok? Würdest Du es im Nachhinein als angemessene Methode ansehen? Wenn ja, warum? Wenn nicht, warum tust Du es dann selbst?

      1. Danny, das ist es ja – ich habe es früher gehasst. Ich mache es selbst, weil ich keine andere Lösungsmöglichkeit vorgelebt bekommen habe, denke ich mal. Ich kenne es nicht anders und mache es scheinbar automatisch so.

        1. Nun ja, es gibt ja diverse Wege, sich alternative Methoden zu erarbeiten, wenn einem die einzig bekannten Methoden nicht zusagen:

          – Literatur
          – Fachpersonal
          – andere Eltern, Personen des eigenen Vertrauens
          – Versuch und Fehler

  8. Wir sind alle Produkte der Erziehung, die wir erlebt haben – und geben oft auch genau diese weiter. Ich fand es immer schrecklich, wenn meine Eltern bis 3 zählten – und rate meine Tochter nun selber an, einfach weil man es so vorgelebt bekommen hat, keine Alternative kennt und im Eifer des Gefechts auch nichts besseres ausdenken kann.

    So ein Kind wie das hier beschriebene habe ich jüngst im Urlaub erlebt, wir waren mit einer Familie mit Kind im gleichen Alter wie unser verreist. Dieses wird nach dem laissez-faire-Prinzip (v)erzogen, was zu ziemlich viel Zündstoff sorgte. Es wurde mit 4.5 Jahren noch gefüttert und danach schnell in den Miniclub gebracht, damit die Eltern in Ruhe essen konnten (nachdem ich mal erlebt habe, wie das Kind rumschreit und um den Tisch rumrannte, konnte ich auch verstehen, warum es so schnell abgeschoben wird). Uns gegenüber zeigten sie Unverständnis, dass wir von einem erst 4jährigen Kind verlangen, so lange mit uns an Tisch zu bleiben, statt es zum Zeichentrickfilme gucken in den Miniclub zu schicken (Anmerkung: Mein Kind isst gerne, selbst 😉 und langsam, der Genießertyp. Sie kann sich bei Tisch benehmen und stört niemanden sonst im Restaurant, da sie weder rumläuft noch schreit – sie geht sehr gerne essen. Wir tun ihr damit also nichts Schlimmes an 😉 ). Das Kind der Bekannten war ständig außer Rand und Band, sehr laut und hatte nur Unfug im Kopf, wozu sich meine Tochter dann natürlich auch verleiten liess. Doof war dann nur, wenn wir unser Kind mal zurückpfiffen, das andere Kind aber weitermachen durfte….. :-I

    Nächstes Jahr fahren wir wieder allein in Urlaub.

    1. „Wir sind alle Produkte der Erziehung, die wir erlebt haben – und geben oft auch genau diese weiter.“ Sicher? Meine Erfahrung ist, dass viele gerade NICHT wie ihre Eltern sein wollen und deshalb vieles demonstrativ anders (und vielleicht besser) machen, dafür aber halt an anderen Stellen ihre Fehler machen, weil eben niemand perfekt erzieht.

      Wenn man die Erziehung der eigenen Eltern super fand, kann man die natürlich auch einfach übernehmen.

      Alternativen, sofern erwünscht, ergeben sich dann natürlich nicht im Eifer des Gefechts, aber die kann man sich vorher überlegen oder zumindest nachdem eine Situation erstmals aufgetreten ist.

      Was Erfahrungen mit Kindern anderer Eltern angeht, da kennen sicher viele so einen Fall, den sie möglichst nicht mehr so oft erleben wollen. Man sollte aber hier auch bedenken, dass Erziehung nicht alles ist. Kinder haben auch eine natürliche Disposition zu bestimmten Verhaltensweisen, für die die Eltern nichts können, ebenso wenig wie für Krankheiten wie ADHS. Natürlich gilt es damit richtig umzugehen aber man sollte schon berücksichtigen, dass Eltern solcher Kinder es eben schwerer haben als andere.

      Was natürlich nix dran ändert, dass Füttern mit 4,5 Jahren sehr stark auf gewisse Fehler hindeutet. 😉

  9. Nun denn, ich bin immer offen für neues:
    Wie genau soll man’s machen? Ich würd’s gern richtig machen, wenn ich es später mal mache, und wie gesagt, ich habe immer das Gefühl gehabt, gut erzogen gewesen zu sein. Auch nach Äußerungen von bekannten Eltern.
    Ich hatte nie einen längeren Groll auf meine Eltern, ich bin mir mit sehr sehr wenigen Ausnahmen niemals ungerecht behandelt vorgekommen, mir wurde immer alles erklärt, und ich wusste immer, warum ich „bestraft“ wurde.
    Für Sachen wie heruntergefallene Gläser, nicht Danke sagen, mal unhöflich sein gab es immer nur Erklärungen, aber soweit ich mich erinnern kann keinerlei Strafen.

    Aber beispielsweise hab ich mal beim Zündeln 4 Bäume unseres Nachbarn abgefackelt, nachdem mir meine Eltern mehrmals gesagt hatten, wie gefährlich das wäre. Genau deswegen hab ich es gemacht.
    Hausarrest gab’s mal für mutwillige, bewusste Zerstörung der gesamten Partydeko (und eines guten Teils des angerichteten Essens) für eine Party mit mehreren Dutzend Gästen.
    Wenn ich als Teenie mal nachts 3 Stunden später als verabredet heimkam, musste ich irgendwelche zusätzliche Hausarbeit erledigen.
    Was wären denn die nach modernen erzieherischen Gesichtpunkten korrekten Konsequenzen gewesen?

    Wie gesagt: Ich bin 25, es sind aktuell keine Kinder geplant, im direkten Umfeld gibt es bisher keine, daher bin ich bisher nicht in die Situation gekommen mich mit Erziehungsratgebern, Eltern oder ähnlichem zu beschäftigen. Meine Einstellung ist unvoreingenommen, und ich bin wirklich interessiert und neugierig. Ich beharre hier nicht auf meiner Position, ich habe hier in der Diskussion nur bisher einfach gelesen, wie man es NICHT machen soll, und nicht, wie man es machen sollte.

    1. @Cairi
      Es streitet niemand ab, dass Strafen, seien es Prügel oder Hausarrest, effektiv wirken. Das Problem ist, dass sie m.E. aus dem falschen Grund wirken. Wem Strafe droht, der gehorcht aus Angst, nicht aus Einsicht. Das gewünschte Verhalten fällt also weg, wenn die kontrollierende und strafende Instanz nicht zugegen ist. Ich nehme an, Deine Eltern standen nicht daneben, als Du die Bäume angezündet hast …

      Eine angemessene Konsequenz wäre gewesen, dass Du dem Nachbarn hättest helfen müssen, neue Bäume zu pflanzen (eine herrlich „leichte“ Arbeit) und diese für eine gewisse Zeit regelmäßig zu pflegen. Das hätte Dir gezeigt, was man zerstört, wenn man die Bäume einfach abfackelt.

      Die zerstörte Partydeko + Essen hättest Du (ich nehme an, da warst Du schon pubertär) z.B. abarbeiten können. Prospekte austragen und so.

      Für zu spät nach Hause kommen könnte ich mir Dinge vorstellen wie: Mal selbst 3 Stunden unauffindbar sein, wenn man (nicht dringend) gebraucht wird. Oder morgens ins Zimmer stürmen, Rolläden hoch, Fenster auf, Decke weg: „GUTEN MOOOOORGEEEN, wie war die PAAAARTY? Aufstehen, Frühstück ist fertig!“ So um 7 Uhr … Oder halt die nächste Party mal auslassen, weil das mit den Absprachen ja leider noch nicht so klappt.

      Alles ohne Gewähr, ich habe kein Kind in dem Alter. Diese Dinge sind für mich aber eher Konsequenz als Strafe, und somit besser. Strafe ist nur billige Rache, Konsequenz ist nachvollziehbar, bietet eine Chance und erhält die Würde, was ich am wichtigsten finde.

  10. Ich denke, man muss bei so einer Diskussion schon gut unterscheiden zwischen Prügel, Schlägen und Strafe. Das scheint sich bei manchen Kommentatoren hier etwas zu vermischen.

    Ich bin 25, ich bin (meiner Meinung nach) sehr vernünftig erzogen worden, und ich werde meine Kinder ähnlich erziehen. Wir hatten immer Mitspracherecht, wir hatten immer eine Verhandlungs- und Erklärungschance, aber ich wusste auch immer, dass eine Strafe folgt, wenn ich was anstelle. Ich hab von meiner Mutter im Laufe meiner Kindheit ein paar Ohrfeigen bekommen (ich kann sie allerdings an einer Hand abzählen) und ich habe meiner Meinung nach jede einzelne verdient.

    Aber Strafe ist, meiner Meinung nach, notwendig. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass man sich als Kind manche Dinge einfach nicht verstehen KANN oder eben auch will, das muss man einfach erst lernen.
    Wenn man niemanden hat, der einem sagt, wo es langgeht, wenn einem niemand sagt, was man darf und nicht darf, was okay ist und was nicht okay ist, und wenn das auch niemand einigermaßen konsequent durchsetzt, kann’s halt einfach nur schiefgehen.
    Früher waren das halt Schläge, heutzutage sind das Hausarrest, Süßigkeitenentzug und ähnliches.

    Aber Schläge sind deswegen zu verurteilen, weil wir heute einfach wissen, dass sie nicht nötig sind, um Kinder zu erziehen, und nicht weil jedes Kind zwangsläufig bleibende Schäden davon trägt. Denn sonst wäre einfach die komplette, so genannte „zivilisierte“ Menschheit bis vor 30, 40 Jahren psychisch gestört gewesen, weil glaube ich die wenigstens Kinder ohne körperliche Bestrafung aufgewachsen sind.
    Ein Großteil der Elterngeneration der heute 20-30jährigen wurde vermutlich noch in ihrer Kindheit geschlagen, zumindest weiss ich das von meinen Eltern, deren Freunden und den Eltern meiner Freunde. Und viele von denen sind ganz normale Menschen und Eltern geworden, weil es keine sinnlose Prügel war, sondern eben gezielte, einzelne Schläge als Strafe.

    1. ohje.
      schläge, ohrfeigen, backpfeifen, hausarrest, süßigkeitenentzug — das sind alles nur qualitative variationen des einen themas: machtausübung. wer als eltern mit seinem latein am ende ist, der greift zu mitteln, die irrational und in keiner beziehung zu dem eigentlichen „vergehen“ stehen.
      welchen sinn soll es haben, einem kind schmerzen zuzufügen, wenn es – keine ahnung – ein glas runterwirft, ein anderes beleidigt, nicht danke sagt oder ein anderes kind schlägt?
      leute leute. willkommen im 21.jahrhundert.
      ich habe die vierzig bereits überschritten, habe sicher auch von meinen eltern mal eine backpfeife bekommen, nachdem sie mit a.s. neill nicht weiterkamen 😉 — aber: „ich habe meiner meinung nach jede einzelne verdient“ würde ich nie sagen, weil ich es nie so empfunden haben. sondern stets als machtmissbrauch derer, die am längeren hebel, in dem fall hand sitzen.

      körperliche gewalt aus erziehungsgründen steht seit 2000 zu recht unter strafe in deutschland.

      mich schockiert eure diskussion hier.

      1. Ich glaube es steht NICHT unter Strafe. Das zitierte ist das BGB ubd nicht das StGB! Ein wichtiger Unterschied…
        Im Allgemeinen bin ich was diesen Blogeintrag entspricht-mal wieder- so gar nicht ihrer Meinung. Ich glaube Sie zum Beispiel haben ein Erziehungsziel welches nicht mit meinem übereinstimmt. Mein Kind soll kein Kind/Mensch sein das mit pawlowschem Reflex „Danke“ sagt. Aber zum Glück kann einem niemand vorschreiben wie man sein Kind erzieht. Mich wurmt es ledihlich etwas wenn Leute meinen sie hätten die Weisheit mit Löffeln gefressen.

        1. „Mein Kind soll kein Kind/Mensch sein das mit pawlowschem Reflex „Danke“ sagt.“

          Dafür soll es aber sehr wohl mit pawlowschem Reflex kuschen, wenn die Elternhand sich zum Schlag erhebt, nicht wahr?

          Zum reflexartigen „Danke“: Warum denn eigentlich nicht? Höflichkeitsgesten fallen einem leichter und wirken glaubwürdiger, wenn sie einem in Fleisch und Blut übergegangen sind.

          1. Missverständnis, sorry. Das obige war mein einziger Kommentar. Ich bin absolut gegen Schlagen, Klapsen oder sonstwas. Meine Kinder sind sehr höfliche Menschen, obwohl ich sie nie zu „bitte“ und „danke“ zwinge. Ein erzwungenes danke ist (mir) nichts wert. Ich erziehe meine Kinder zu ehrlichen Menschen.

  11. Als Vater eines Kindes, das dem im Artikel gar nicht unähnlich ist, staune ich wie schnell sich ein Kinderarzt anhand von drei, vier Anhaltspunkten ein ebenso abschließendes wie vernichtendes Urteil über alle Eltern solcher Kinder fällen zu können glaubt.

    Schüchterne Kinder sind also nicht schüchtern, sondern schlicht verhätschelt, soso. Wo sind nur die ganzen hier beschriebenen Kleinkinder, die ihrem Elternteil am ersten Kitatag vom Arm springen, sich ins Getümmel stürzen und acht Stunden nicht mehr nach den Eltern fragen? Ich habe sie noch nicht getroffen. Anscheinend machen um mich rum also alle alles falsch. Tröstlich, irgendwie …

    Und was bitte soll man als Elternteil denn eigentlich machen, wenn die Wurstfrau die Scheibe auch ohne Danke rausrückt? An der Wurstfrau rumerziehen und sie die Scheibe in die Tonne drücken lassen oder was?

    Ganz komisch auch, dass mein Kind bestimmte Dinge sehr wohl früher oder später lernt, nur indem ich das gewünschte Verhalten vorlebe und im Falle des Ausbleibens beim Kind anmahne, aber NICHT per harter Konsequenz durchsetze. Komisch? Eigentlich nicht.

    Ich hatte – quel surprise – auch eine Kindheit, war ein schlechter Grüßer (insbes. Händeschütteln), sowie Bitte- und Dankesager. War das Anfangs nur Nachlässigkeit, habe ich später aus purem Trotz darauf verzichtet, weil es mir gehörig auf den Sack ging, dass meine Erziehungsberechtigten und die, die sich dafür hielten, ständig mein Verhalten mit Argusaugen protokollierten und bewerteten.

    In Abwesenheit meiner Eltern und anderer Spießer habe ich übrigens gegrüßt, gebeten und gedankt, wie man es erwarten darf. Man will ja schließlich akzeptiert werden und am Verhalten der anderen konnte ich ja sehen, wie es geht …

    Erziehung ist überflüssig, denn Kinder machen sowieso alles nach – früher oder später.

    1. hallo danny –
      ich habe hier mitnichten „alle“ eltern dieser kinder „vernichtend“ verurteilt. soweit.

      kleinkinder, die ihren eltern am ersten kindergartentag vom arm springen? lass mich mal schnell durchzählen: eins, zwei. nein, stimmt. bei unseren war es auch nicht so, weil sie nicht auf dem arm in den kiga getragen wurden 😉 *ironie off*. da fängts nämlich schon an.

      wurstfrau: genau falscher ansatz – die wurstfrau macht ja nichts falsch. es sind nicht die bösen bösen anderen erwachsenen, die einfluss üben, sondern du alleine als bezugsperson.

      schön deine selbsterkenntnis deines eigenen sozialisationsprozesses: denn trotz ist es ja auch, was den kleinen „fratz“ treibt – freudsche auseinandersetzung zwischen dem es und dem über-ich.

      erziehung ist überflüssig usw. … dein nachahmungskonstrukt ist doch auch erziehung. und die beste erziehung funktioniert nur, wenn man es auch vorlebt – da gebe ich dir hundertpro recht.

      1. @kinderdok
        Wenn ein 14-monatiges Kind partout nicht vom Flur in den Gruppenraum gehen will, weil es sich zum ersten Mal in dieser recht lauten und fremden Umgebung befindet (1. Tag der Eingewöhnungsphase), damit den ganzen Betrieb aufhält und die Erzieherin(!) einen schon auffordert, es mal eben in den Gruppenraum zu tragen, was schlägst Du konkret für diesen Fall vor, da tragen ja Deiner Meinung nach in jedem Fall nur falsch sein kann …?

        Und natürlich macht die Wurstfrau etwas falsch. Sie verzichtet auf eine Höflichkeitsgeste, die so selbstverständlich sein sollte, dass man sie gar nicht thematisieren müssen darf, also auch nicht in der Form, dass man ausdrücklich auf sie verzichtet.

        Außerdem ist dieses Verhalten unauthentisch, denn sie kann mir nicht erzählen, dass sie sich über ein „Danke“ freuen würde. Meinem Ansinnen, dass man sich in jedem Fall für so etwas zu bedanken hat, erteilt sie damit eine Blutgrätsche. Wie kommst Du auf die Idee, dass das auf das Kind keinen Einfluss habe? Natürlich wird sich das dankesunwillige Kind auf diesen Verzicht berufen. Ist doch ein Elfmeter ohne Torwart.

        Dass die Situation nicht dennoch einen Eingriff meinerseits erfordere, habe ich ja nie gesagt. Du hast aber in jedem Fall als Elternteil erst mal schlechte Karten, wenn jemand sowas sagt. Die einzig logische Konsequenz wäre nämlich, dem Kind die Wurst dann zu verwehren. Und wohin dann damit?

        Was ich meinem eigenen Sozialisationsprozess entnehme, ist: Herumdoktern am Kind wird nicht zum gewünschten Verhalten führen. Da Du das genau andersherum siehst, frage ich mich, was Du an meiner Selbsterkenntnis „schön“ findest.

        Vorleben ist keine Erziehung, sondern Vorleben. Erziehung heißt, dem Kind zu sagen: Tu dies, lass jenes. Auf die unweigerliche Frage „warum“ bleiben nur abstrakte Antworten wie „Das ist gesund“, „Das ist ungesund“, „Weil man das so macht“, die kein Kind der Welt versteht. Einen Menschen, der unzufrieden/konsequent reagiert, wenn das Kind sich falsch verhält und den Gurnd seiner Unzufriedenheit erklärt, versteht jedes Kind sofort.

        Mein Kind sagt inzwischen jedenfalls, ohne dass ich ständig an ihm herumerzogen hätte, fast immer „bitte“ und „danke“, wo es angebracht ist – außer bei der Wurstfrau. Aber die will ja auch ausdrücklich kein „Danke“ …

        Und nachdem es mal die Erfahrung machen durfte, dass es mit einem T-Shirt im Herbst draußen bescheiden kalt sein kann, klappt es auch hervorragend mit der selbstständigen Klamottenwahl.

        Wenn das nächste Kind in der Kinderdok-Praxis war, das sich bei der U7a noch nicht komplett alleine anziehen konnte, wird wahrscheinlich wieder die andere Keule rausgeholt, dass die Leute ihre Kinder nicht zur Selbstständigkeit erziehen.

        1. @danny – nein. letzteres hat nichts mit selbstständigkeit zu tun, sondern mit der mangelnden motorik, die man dafür braucht. und das macht mir sorge als kinderdok. ich kann mich schließlich nicht in alles einmischen ;-P. das mache ich nur hier im blog. aber manche eltern fragen mich dann, was sie tun können, und ich gebe dann auch die empfehlung, das anziehen zu üben, denn motorisch ist das wichtig, und auch fürs „köpfchenweiterkommen“. zuviele eltern lassen sich doch von ihren kindern zu anziehhilfen machen.

          deine ausführungen sind ja auch alle ok. soweit weg voneinander sind wir – denke ich – auch gar nicht.
          nochmal zur wurstfrau: der kann es aber egal sein, ob dein kind danke sagt. dir aber in letzter konsequenz nicht – und deshalb macht die wurstfrau nichts falsch. sie ist doch nicht dein helfershelfer. du bist der erzieher. oder vorleber.

          erziehung funktioniert ohne vorleben nicht, das wollte ich sagen. sonst bringst du ein kind ja in unsicherheiten.

          1. Momang. Ein Kind kann aber doch grundsätzlich motorisch altersgemäß entwickelt sein, aber dennoch unfähig, sich anzuziehen, weil ihm eben genau diese Bewegungsabläufe mangels Übung nicht geläufig sind – was dann wieder darauf zurückgeht, dass es immer von den Eltern angezogen wird.

            Und gehören Selbstständigkeit und das daraus resultierende Selbstbewusstsein wirklich nicht so weit zu einer gesunden Psyche, das sich ein Kinderarzt dafür interessieren müsste? Geht es dem wirklich nur um rein „organische“ Belange?

            Was die Wurstfrau angeht, warte ich zum einen noch immer auf einen konkreten Vorschlag für die ideale Lösung. Zum Anderen widerspreche ich der Ansicht, es könne der Wurstfrau egal sein, ob mein Kind danke sagt. Natürlich liegt der Erziehungsauftrag für mein Kind bei mir und nicht bei ihr.

            Die Wurstfrau wird sicherlich – und zwar zurecht – von jedem nicht mehr kleinen und süßen Menschen höflichen Dank erwarten, wenn sie ihm einen Gefallen erweist. Sie wird sich auch aufregen, wenn Jugendliche in der Bahn ihre dreckigen Schuhe auf die Sitze legen. Und genau das kann sie aber nicht verlangen, wenn sie ausgerechnet die, die es gerade lernen sollten ausdrücklich von dieser Pflicht entbindet, indem sie nicht Danke sagen müssen und es „doch nicht so schlimm ist“, wenn ich mein Kind ermahne, nicht mit den Fingern auf die Glastheke zu patschen.

            Ich stimme Dir zu, dass es nicht ihre Aufgabe ist, Dank zu fordern. Sie kann es tun und ich fände es wünschenswert. Die einzig vernünftige Alternative sehe ich darin, dass sie sich ganz zurückhält, aber nicht die Ziele der Eltern durch eigenmächtige Ausnahmen negiert.

  12. 🙂
    Den Artikel fand ich, nun ja witzig, obwohl es eine ernstzunehmende Realität ist über die man eigentlich gar nicht mehr schmunzeln sollte.
    Die Kommentare und daraus entstehenden Diskussionen sind dann aber wirklich witzig. Gibt es jemanden von euch der perfekt erzieht? Ich kann es nicht, ich bin keine perfekte Mutter und würde mich hüten mit Fingern auf andere Mütter mit anderen Erziehungsstil zu zeigen. Vielleicht machen die es ja richtig? Vielleicht bin ich auch auf dem richtigen Weg? (und das hoffe ich ganz stark)

  13. ich finde es traurig dass überhaupt diskutiert wird ob man gewalt gegenüber kindern anwendet oder nicht! egal wie , ob als poklaps oder schläge, gewalt ist gewalt!

    1. Es ist sogar großartig, dass darüber diskutiert wird – wie sonst soll jemand, der es vielleicht aufgrund eigener Erfahrungen total normal findet, sein Kind immer mal zu hauen, auf den Gedanken kommen, dass es nicht OK ist? Wenn niemand darüber spricht?

  14. „waren die Ü30 Generation denn als Kind auch so gewalttätig?? Gab es in den 70er auch schon Amokläufen in den Schulen, waren die Kinder damals genauso respektlos gegenüber ihren Eltern (bestehlen, anlügen, beschimpfen, schlagen), wie die Kinder der letzten 15 Jahre?? NEIN!“ DOCH!!!!!, evtl. nicht gerade Amoklaufend in der Schule, aber trotzdem, es gab sie. Nur damals gabs kein RTL und Co. die damit direkt die gesamte Nation dauerberieseln, bzw. es wurde nicht davon gesprochen, weil man viel dafür getan hat, diese Vorfälle „unter der Decke zu halten.“ Ob das positiv oder negativ war, mag dahingestellt sein.

    „Und wieso? Weil es früher einfach ne Ohrfeige oder einen Klaps auf den Po gab wenn man nicht gehorcht hat. Vom Lehrer gab´s eine mit dem Lineal auf die Finger, dafür sassen die Kinder still und sind nicht permanent brüllend durch den Klassensaal gerannt, wie heute.“ Ähm, in der Klasse meines Sohnes gibts sicher ne Menge Rabauken – mein Sohn eingeschlossen – aber die Kids spuren, weil der Lehrer sein Handwerk versteht UND keine Gewalt anwendet. Ich fürchte, in solchen Klassen ist oft auch der / die Lehrer/in das Problem. Obwohl es auch viele gibt, die ihren Job sehr gut machen.

    Meine Mutter (*1950) hat heute noch Narben von der siebenschwänzigen Lederpeitsche mit Knoten, mit der ihr Vater sie als Kind geschlagen hat. Mal eine Ohrfeige – Nun gut, aber wo ist die Grenze??? Stell Dir vor, DIR würde ein drei Meter großer, ein Meter breiter Mann eine Ohrfeige verpassen… Man darf auch nicht vergessen, dass aus einer Ohrfeige oder einem Klaps leider sehr schnell mehr wird, wenn der Erwachsene sich nicht mehr in der Gewalt hat. Ich bin meinem Sohn gegenüber auch schon manches Mal ausgerastet, aber ich würde DIESE Grenze nie überschreiten, weil ich mir nicht sicher sein kann, was dann passiert…

    LG
    HoldesWeib

  15. Wenn jemand sein Kind schlägt lief schon vorher einiges Falsch.
    Und wenn ich höre das früher angeblich alles besser war weil man da noch beim Kind zulangen konnte kann ich auch nur mit dem Kopfschütteln.

    Und das Kinder die mit Schlägen erzogen werden nicht Amoklaufen glaube ich irgendwie nicht. Es gibt genug Leute die Amok gelaufen sind und in der Zeit aufgewachsen sind in der Prügel für Kinder noch als normal angesehen wurde.

  16. Als selbst misshandeltes Kind habe ich mich als erwachsener Mensch gegen eigene Kinder entschieden, aus Angst zum Täter zu werden. Wenn ich dies hier als propagiertes Mittel zur Kindererziehung lese, wird mir schlecht, denn ich kann sagen: es hat mir geschadet, noch heute beeinflussen die Folgen mein Leben.

    Freunde mit einem vierjährigen Mädchen zeigen mir immer wieder, dass man ein Kind gewaltfrei, liebevoll und dennoch konsequent erziehen kann, ohne dass es eine solche wandelnde Nervensäge wie das Kind in dem Post wird. Das ist „leider“ richtig Arbeit und ich wünsche jedem Kind, dass sich seine Eltern diese Arbeit machen.

    Mal unabhängig davon: ein schöner Blog, ich bin seit einiger Zeit regelmäßig hier.

  17. ich finde es sehr traurig wie ein zynischer beitrag über inkompetente, faule eltern zu einer hetztirade über kinder nach der anderen führt. ja, regeln müssen sein. nein, schläge und übertriebene disziplin nicht. man muss sich als elternteil nicht aufführen wie der beste kumpel oder die coole oma, aber wie bei der bundeswehr muss es auch nicht zugehen. dass hier überhaupt nur über körperliche gewalt diskutiert wird, bereitet mir übelkeit. die armen, armen kinder.

  18. @me: hatte ich heute so ähnlich im supermarkt. kind (zweieinhalb) wollte nicht auf die seite gehen, mutter meinte, ich und alle anderen müssten eben warten. ich ging in die andere regalzeile, kam zurück, kind immer noch protesthalber am „im weg stehen“.

    als ich mich näherte, begann kind zu kreischen.

    unbeeindruckt und schief, wie es meine art ist, ging ich auf das kind zu, hob es hoch und setze es (mühsam) auf einen hohen stapel küchenrollen. und: nix. kind baff, mutter baff.

    das einzige problem: küchenrollenstapel zu hoch für die sehr klein gewachsene mutter. kind sitzt vielleicht immer noch oben, weil: lässt sich von fremden leuten nicht angreifen.

  19. Heute vor einer Rolltreppe im Einkaufszentrum: „Jeannette-Clarissa-Sophie, gehst Du mal bitte zur Seite? Die anderen Leute wollen auch die Rolltreppe benutzen.“ Klein J-C-S, maximal 3 Jahre alt, steht unbeirrbar direkt vor den faszinierenden Stufen und bewegt sich keinen Millimeter weit weg. Mama steht daneben, hält das Händchen der Kleinen, redet mit sanft-säuselnder Stimme, und tut – nichts. Die Schlange der Leute, die die Rolltreppe benutzen wollen, ist mind. 10 Menschen lang. Schließlich reicht es mir und ich drängle mich an J-C-S vorbei, worauf diese zu Kreischen anfängt. Während ich auf der Trepppe in die Tiefe entschwebe, schreit die Mutter mir nach: „Sie haben wohl gar keinen Anstand, was? Einfach ein Kind zur Seite schieben, schämen sie sich!“

  20. das habt ihr alles der Super Nanny mit ihrer stillen Treppe und dem heititei-Getue zu verdanken 😛 Alles verzogene Gören, die keinen Respekt mehr vor den Erwachsenen haben weil sie ja nicht wirklich bestraft werden und sich somit alles erlauben können.
    Ab und an mal ein Klaps auf den Po, und solche Zicken wachsen erst gar nicht heran. Wie gut, dass es in anderen Ländern noch nicht verboten ist!
    Vor allem diese Waldorf-Kinder sind die Schlimmsten. Die können später zwar wunderbare Deckchen häkeln und Socken stricken und Brot backen, aber das kleine 1×1 kennen sie auch mit 12 noch nicht. Muss mein Mann als Lehrer leider jeden Tag wieder erleben!

    Und ich geh in die Kirche beichten, weil hier mich getraut hab, die Wahrheit zu schreiben *rofl*

    1. Aaaalso… Ich glaub schon, dass man ein Kind erziehen kann, ohne es zu hauen. Grenzen und Konsequenzen haben mit körperlicher Gewalt nix zu tun und ein Klaps auf den Po (obwohl auch sicher nicht tödlich) kein Allheilmittel. Theoretisch ist es ganz einfach- auf Fehlverhalten folgt ne Konsequenz, je nach Alter und Verständnis unterschiedlich. Beim Androhen von Konsequenzen sollte man darauf achten, dass man die auch durchsetzen kann („wenn du nicht brav bist, dreht der Flieger wieder um und es gibt keinen Urlaub!“ funktioniert höchstens bei Privatjetbesitzern). Man muss nicht jeden Machtkampf herausfordern, gerade wenn man weiß, dass man selbst nicht in der Verfassung ist, heute gelassen zu reagieren, kann man manchen Problemen auch mal aus dem Weg gehen. Und wenn man ab und zu mal nachgibt, bringt das auch kein Kind vom rechten Weg ab- nur das ständige Nachgeben ist fatal.
      Ansonsten kenn ich Einzelkindfamilien, wo das Kind bestens sozialisiert ist und Mehrkindfamilien, wo die geschlossene Kindermeute den Eltern auf der Nase rumtanzt. Trotzdem glaub ich, dass Kinder sich im Rahmen schon auch gegenseitig erziehen und bei mehreren Kindern sich das Kreisen um ein Kind zumindest schon mal erledigt hat.

      PS: Waldorfschüler sind eine heterogene Gruppe, Katja Saalfrank nicht die schlechteste Pädagogin und zum Thema Trauen kann ich bei nem anonymen Kommentar nicht gerade zum Mut applaudieren…

    2. dööööt! was war denn das für ein schlauer rat @anonymous.
      frau saalfrank vermittelt nebenbei triplep, eines der autoritärsten erziehungsstile, die es momentan gibt.
      zur info für alle anachronisten: geschlagene kinder schlagen auch andere und auch später wieder die eigenen. noch nie von gehört? wach auf!

      1. ach nee,

        waren die Ü30 Generation denn als Kind auch so gewalttätig?? Gab es in den 70er auch schon Amokläufen in den Schulen, waren die Kinder damals genauso respektlos gegenüber ihren Eltern (bestehlen, anlügen, beschimpfen, schlagen), wie die Kinder der letzten 15 Jahre?? NEIN! Und wieso? Weil es früher einfach ne Ohrfeige oder einen Klaps auf den Po gab wenn man nicht gehorcht hat. Vom Lehrer gab´s eine mit dem Lineal auf die Finger, dafür sassen die Kinder still und sind nicht permanent brüllend durch den Klassensaal gerannt, wie heute.
        Ja, ich hab von meinen Eltern auch ab und zu eine „erwischt“ – aber ich hatte sie dann auch verdient und geschadet hat es mir nicht! Ich würd auch nie auf die Idee kommen zu behaupten, dass ich misshandelt worden bin!
        Mein Kind bekommt auch mal eine auf den Po wenn es sein muss, mit Gesäusel àla „och das darfst Du aber nicht, geh mal schön auf die stille Treppe sitzen“ ist es manchmal eben nicht getan – z.B. wenn hier wieder Sachen durch die Gegend fliegen weil Madame nicht aufräumen will.
        Wieso sollte ich hier meinen Namen öffentlich nennen? Mich kennt sowieso keiner und ich wohne z.Zt ausserhalb Deutschlands – also kann mir auch keienr das Jugendamt vorbeischicken… Der Name tut also nichts zur Sache und einen Blog hab ich nicht. Und ob da Anonymous steht oder chilara – ändert nix an der Anonymität. Oder hat chilara etwa ihren Namen und Adresse angegeben, hm?

        1. …ich finds nur witzig, wenn jemand behauptet, dass er sich diesen Beitrag „getraut“ hat… denn um Anonym irgendwas ins Netz zu schreiben braucht man nun wirklich keinen Mut. Natürlich sind wir alle gewissermaßen anonym und ich will gar nicht wissen, wer hier so ein Fan von körperlicher Züchtigung als Erziehungsmethode ist (wobei ich übrigens zumindest meine email-adr. angeben musste und kinderdoc die auch sehen kann…)…
          Es gibt übrigens zwischen säuseln und schlagen noch ein ganz weites Feld an Erziehungsmethoden…wollt ich nur mal anmerken.

        2. Ich wurde von meinen Eltern und Lehrern nicht geprügelt, und bin trotzdem (oder warte – vielleicht gerade deshalb!) keine aufsässige, Schülerin oder gewaltbereite Straftäterin geworden.

        3. „waren die Ü30 Generation denn als Kind auch so gewalttätig?? Gab es in den 70er auch schon Amokläufen in den Schulen, waren die Kinder damals genauso respektlos gegenüber ihren Eltern (bestehlen, anlügen, beschimpfen, schlagen), wie die Kinder der letzten 15 Jahre??“ —- äh ja klar.

          „Ja, ich hab von meinen Eltern auch ab und zu eine „erwischt“ – aber ich hatte sie dann auch verdient und geschadet hat es mir nicht!“ —– ähm, immerhin schlägst du nun selbst kleine, wehrlose kinder?!

          „Mein Kind bekommt auch mal eine auf den Po wenn es sein muss, mit Gesäusel àla „och das darfst Du aber nicht, geh mal schön auf die stille Treppe sitzen“ ist es manchmal eben nicht getan – z.B. wenn hier wieder Sachen durch die Gegend fliegen weil Madame nicht aufräumen will.“ —— schon mal überlegt, warum dein kind so agressiv ist und sachen durch die gegend wirft? kinder kommen unschuldig und lieb auf die welt. wenn kinder so früh schon so schlimm eskalieren, hat es wohl mit den eltern zu tun.

          ich hoffe für dich, deine kinder verzeihen dir das.

  21. Manchmal fragt man sich: „Wo sind die Grenzen geblieben?“ und „Wer war der Idiot der beschlossen hat, Kinder bei der Erziehung mitbestimmen zu lassen?“
    Aber ich denke, jetzt hat es sich so fest etabliert – schimpfen Sie mal mit Ihrem Kind im Supermarkt weil er unbedingtunbedingtunbedingt diese Schokolade/Gummibären/dasAuto haben will. Da haben Sie den gesammelten Laden gegen sich. Kindererziehung heißt heutztage Umwelterzeihung – und wer hat dafür schon Kraft und Nerven. Wenn man selbst in der Familie die Doofe ist, die darauf besteht, dass das Kind bitte/danke sagt, Grenzen gesetzt bekommt. Und als Kommentar nur kommt: Ach lass das Kind doch . . .
    Grüße
    Gytha

    1. fragt mal Katarina Saalfrank – die weiss es ganz bestimmt. Die ist doch Schuld an allem! Früher als es noch Prügel gab, waren die Kinder nicht so frech und respektlos den Erwachsenen gegenüber. Aber heute darfst Du Dein Kind ja nicht mal mehr streng anschauen, schon steht das Jugendamt vor der Tür, pfft.

      Back to the roots, und unserer Gesellschafts geht´s auch wieder besser!

  22. Geschwister werden hier zwar als Lösung für solche Problemfälle angepriesen, dabei helfen sie bei überbequemen Eltern aber ebensowenig wie Kinder Ehen retten, nur weil man schnell mal noch eins kriegt, wenn es kriselt. Ich kenne jedenfalls ausreichend Familien, die es geschafft haben, gleich zwei bis drei Kinder „konfliktfrei“ zu erziehen.
    So eine Familie hat man im Normalfall nur ein einziges Mal zu Besuch. Dann zählt man die überlebenden Katzen, wischt auf, räumt die Scherben weg und löscht den Eintrag aus dem Adressbuch …

    1. Geschwister SIND die Lösung- nicht für die Kinder selber, sondern für die Einstellung der Eltern!
      EIN Rockzipfel- Zick- Mamafixiertes Kind das alles erlaubt bekommt kann man sich leisten, weil man sich auf das EINE Kind konzentriert, aber zwei davon???
      Da lernt man schnell Grenzen zu setzen! Und dann auch durchsetzen. Denn zwei Kinder wollen IMMER das Gegenteil von dem, was das Geschwisterkind möchte….

  23. Solchen Kindern fehlen oft Geschwister – die Großen, die sie ärgern, grundlos hauen oder bei Mama verpetzen und eben auch die Kleinen, die dann ab Geburt im Mittelpunkt stehen und den „Prinzen-/Prinzessinnenstatus“ abflachen lassen. 😉

  24. Diese Kinder kenn ich… Sobald sie zwischen 8 und 13 sind, haben wir sie im Ferienlager, und dürfen uns da dann 1-3 Wochen lang mit den kleinen Prinzen und Prinzessinnen rumschlagen. Zuhause wird ja auch immer das gemacht, was sie wollen. Sich in eine Gruppe einordnen? Sich an Regeln halten?? Pff…
    Muss man zuhause ja auch nicht machen.

    Dumm wirds dann nur, wenn einer der kleinen Prinzen während eines Trotz-Wutanfalls mit einer Kindersekt-Glasflasche (Geburtstagsgeschenk von Mama!) nach einem anderen Kind wirft und dabei über den Platz schreit „Du H*rensohn, ich bring Dich um!“ – Achtjährige Prinzen können so zuckersüß sein!

  25. merkwürdigerweise sind diese schüchternen kinder viel häufiger in familien anzutreffen, in denen ein überreiches angebot an versorgenden personen vorhanden ist.

    eine alleinerziehende mutter, die arbeiten gehen muss, hat selten solche kinder.

    meine nachbarin hat(te) einen derartigen sohn, blond, blauäugig, babyface, schüchtern und niedlich, voller angst und schreckhaftigkeit. mutter, papa, kindermädchen, oma, tante: gutschigutschi, das kleine herzibinki, isser nicht hübsch und blablabla. und so ein schlechter esser, hier ein keks und dort eine schokolade, und so weiter, siehe oben. und wie gerne er mit der mama schmust (wenn er was durchsetzen will). und wie herzig er immer schaut, wenn er den kopf auf die seite legt und manchmal ein auge dabei zukneift. im august geboren, wurde er ein jahr später in die schule geschickt weil die eltern sich hatten scheiden lassen als er vier war und das arme kind so darunter litt dass der papa die mama und das kind nicht mehr liebhatte.

    jetzt ist der kleine terrorist 10. erklärt man ihm die aufgabe und er will nicht zuhören, singt er lieder aus der fernsehwerbung, noch dazu falsch. er hat übergewicht wegen der vielen gutzis gegen das schlechte essen, würde sich am liebsten bei mäck doof ernähren oder von schnitzeln mit pommes, chips und popcorn mit extra butter. er hat einen halben kubikmeter süssigkeiten gebunkert, kriegt langsam plattfüsse weil er sich bis zum vierten geburtstag im kinderwagen spazierenführen liess (war ja so ein zartes kind), hat eine zahnfehlstellung (ohne schnuller konnte er bis zur schule nicht einschlafen). das herzige geschau entpuppte sich als 3,5 dioptrien weitsichtig auf dem rechten und 0,5 kurzsichtig auf dem linken auge. in der schule ist er der grösste, nicht nur der länge nach, sondern auch weil er lauter einser im zeugnis hat, was dazu führt dass er interfamiliär als grenzgenial bezeichnet wird. immerhin kann ihn seine mutter aber schon eine halbe stunde alleine lassen, wenn sie einkaufen geht und er lieber ein computerspiel spielt als mitzugehen – es tun ihm ja oft die füsse weh.

    aber als baby und kleinkind sah er sehr niedlich aus, wirklich.

    arme kinder.

  26. Aber was macht man als Freundin, wenn der Sohn (einzigster) der besten Freundin genauso behandelt wird? Jetzt in der Trotzphase ist und jedem Konflikt mütterlicherseits (väterlicher- und großelterlicherseits sowieso) aus dem Weg gegangen wird? Vorsichtige Kommentare kommen nicht an, direktere stoßen auf Aggression. Und ich gebs ja zu, ich hab kein Kind, was kann ich schon von Erziehung wissen…? aber irgendwie ist schon klar, dass der Lütte lernen muss, dass nein meistens auch nein ist und nicht nach dem 10. Versuch doch ein Ja…

  27. Schließe mich Katha an. Das beste, was einem Kind passieren kann, ist recht schnell ein Geschwisterchen, damit das erste nicht zum Anführer der Familie wird. Fasse mich durchaus an die eigene Nase und bin froh, dass des Königs kleine Schwester schnell hinterher kam.
    Meine Tochter war auch schüchtern. Da hilft kein Schimpfen, sondern Vorleben, Ermutigen und im richtigen Alter Erklären. Gezwungen, irgendwelche Tanten zu küssen, habe ich sie nie. Als ich aufhörte, mit zu Kindergeburtstagen zu gehen, musste sie halt ein paar auslassen, bis sie es allein geschafft hatte. Arztbesuche mussten sein, auch gegen Widerstand. Wat mutt, dat mutt 🙂 Als sie in die Schule kam, wurde es schlagartig besser.

  28. Und wenn das Kind tatsächlich Angst hat?

    ICh hab ja auch einen blonden Engel (3) daheim, bis auf den Schnuller manchmal sehr ähnlich. Nur die „Schüchternheit“ die manche Ältere süß finden, ist in wirklichkeit Angst vor allem und jedem. Die Fremden sehen nur einen kurzen Moment, aber wenn man diesen kindlichen Ängsten von morgens bis abends ausgesetzt ist, ist es sehr sehr anstrengend. Wie findet man die richtige Mischung zwischen Erziehung und beistehen wenn man die Ängste (zB vor einem Sonnenstrahl) nicht so nachvollziehen kann?

    Verhätschelt wird sie sicher nicht, auch wenn sie die Erste ist. Wir haben feste Regeln und ich kein Problem damit, diese zu ihrem Leidwesen durchzusetzen (Schokolade zum Frühstück zB).

    Herr Doktor, manchmal weiß ich auch nicht weiter.
    Unsere Kinderärztin übrigens auch nicht. Sie verwies uns an einen Kinderpsychologen.

    1. kinderpsychologe, wow. bei einer dreijährigen, wow wow. bin mal gespannt, was der mit deiner süßen machen kann.
      ist nicht kinderpsychologie bei so kleinen vor allem elternpsychologie?

      „ängste, die man nicht nachvollziehen kann“ – sollten auch nicht als solche behandelt werden. meine meinung, auch als vater. also nix mit „beistehen“.

      ohje, aber jetzt torpediere ich meinen eigenen disclaimer – durchs blog-nirwana lässt sichs einfach nicht beraten. vergisses.

      1. Nicht nachvollziehen heißt für mich: ich sehe den Grund der Angst, verstehe aber nicht, warum es diese extreme Angst auslöst.

        Wir haben noch keinen Termin. Ob am Ende das Kind therapiert wird oder wir Eltern, ist mir letztendlich egal solange wir wieder einen lebenswerten Alltag bekommen.

    2. Mein Bruder hat als Kind bis in die Schule hinein wenn Fremde (auch Kindergärtnerin/Lehrerin etc.) dabei waren gar nicht gesprochen und teilweise sogar zu Hause nur geflüstert, wenn z.B. Oma und Opa da waren, obwohl die damals noch wöchentlich vorbei schauten. Er war in der Tat einfach sehr schüchtern. Ein Jahr Therapeutin hat in dem Fall enorm geholfen. Man merkt auch heute noch, dass er ziemlich zurückhaltend bei neuen Leuten ist, allerdings taut er auch innerhalb eines Abends auf, das wäre damals undenkbar gewesen.
      Ich drück dir die Daumen und denke schon, dass sich da noch viel bessern kann. Und lasst euch nicht von vom Wort Psychologe abschrecken, wie meine Eltern damals (weswegen das Brüderchen auch erst so spät behandelt wurde. Bis zur Schule hieß es immer ‚das wächst sich raus.‘).

      Ansonsten ziehst du eben einen weiblichen Monk groß. 😉

  29. Doofe Frage vielleicht, aber was hilft gegen Schüchternheit? Was macht man, wenn das Kind Danke sagen kann, aber nicht will (bzw. sich nicht traut)? Der Bäckerin das halbe Croissant zurückgeben oder auf das Kind einreden, dass es das nächste Mal sich aber bedanken soll? Und wenn das alles nicht hilft?

    1. erste erkenntnis: schüchternheit ist nur eine ausrede (siehe oben „euphemismus“) – wenn du schon sagst „aber nicht will“, dann ist das doch wohl keine schüchternheit, sondern eben nicht-wollen. erkenne das als solches und bewerte es entsprechend.
      das wichtigste ist die negative bewertung des fehlverhaltens (also nicht drüberhinweggehen oder als schüchtern entschuldigen), sondern ansprechen, werten. „beim nächsten mal will ich aber, dass du…“
      kleine tyrannen wollen immer so handeln, wie sie es wollen. aber erziehung bedeutet, zu vermitteln, dass man auch mal etwas tun muss, was man nicht will (zum beispiel höflich zu sein).

      1. Schön, dass Sie das mal so klar aussprechen. Warum soll sich die Kleine denn ändern, wenn alle so schön nach ihrer Pfeife tanzen?

    2. Entweder zu schuechtern, um Croissant anzunehmen *und* um Danke zu sagen – oder ein nicht-wollen, wenn das erste geht, das zweite aber nicht.

      1. Da ist es eher ersteres. Sie nimmt das Croissant gar nicht willig entgegen und fordert es auch nicht. Erst wenn wir draußen sind, ist alles wieder „normal“. Abwr das ist ja nicht nur da so sondern allgemein bei Fremden*.

        * Fremder ist quasi jeder, den sie nicht öfter trifft (also auch Oma und Opa nach längerem Nicht-sehen).

  30. Sowas in Junge habe ich auch zuhaus! Wenn er will, kann er jeden fremden Erwachsenen um den Finger wickeln. Bei den Großeltern klappt’s auch oft, aber manchmal halten die sich auch an unsere Regeln, dann bekommt auch eine Oma mal ein Gewitter ab. Aber da muß man durch, mit Nerven wie Drahtseilen…

    @Melody: man könnte meinen, Du habest meine Mutter zitiert! 🙂

    1. Es sind ja leider viele Omas, die sich einbilden, für sie gelten eigene Erziehungsregeln. Mein Schwiegerdrachen entriss mir beim letzten Besuch das Kind gewaltsam, und ich übe in Gedanken bereits den kräftigen Erziehungsklaps (sonst reserviert für unbedarfte Neufundländer), den sie sich damit beim nächsten Mal einfangen wird 🙂

  31. Danke für diesen Beitrag. Das sind dann die Eltern, die nur lachen, wenn ihr Kind andere auf dem Spielplatz mit Sand beschmeißt oder schlägt. Die verstehen das ja noch nicht, ist ja nicht böse gemeint. Na klar.

    1. Reicht ja schon, wenn vier bis sechs Tage die Woche komfortabel und kostenlos eine Oma mitbetreut, die der Meinung ist „Ach, scheiß auf die Regeln von Mutti, die Oma DARF DAS.“ Sehr beliebtes und ebenfalls sehr kurzsichtiges Modell 🙂

  32. und dann, so mit acht oder zehn, wenn die Kids richtig anstrengend werden, weil sie keine Regeln kennen, schickt man sie ins Ju-Jutsu (respektive alle anderen Kampfsportarten), „damit der/die mal lernt sich unterzuordnen“.
    Nach einem halben Jahr hört man dann so Sachen: „Wir nehmen den Kevin_Pätrick_Pascal/die Jaqueline_Chantale_Mia-Maria-Antonetta jetzt wieder ausem Training, das hat ja nix gebracht“

    Wir haben die Kinder für 1,5 Stunden in der Woche. Es ist einfach nicht möglich zenh Jahre missverstandene antiautoritäre Erziehung in der Zeit auszubügeln, und nebenbei einen anspruchsvollen Sport beizubringen. Wir sind froh wenn die uns die Gruppe nicht sprengen.
    Aber dafür hat man einen Kinderdoc, der kann dann ADS oder ADHS diagnostizieren, dan kriegen die bunte Pillen und alles ist gut.

  33. Und ich bin die mahnende Mutter hinter ihrem Blondköpfchen (1,5j), dass nicht alles was jetzt süß ist, auch in 3 Jahren noch süß und niedlich ist. Aber komm mal gegen den geballten Charme eines Kleinkinds, des ersten Enkel usw. an…..

  34. So ein goldiges und niedliches Kindchen (2 1/2) habe ich tatsächlich auch. Ach, was ist sie süß! Und die netten blonden Löckchen, mit süßen Zöpfchen und Haarspängchen (die unbedingt sein müssen, sonst ist das Gebrüll riesig…), dieses Kind kann doch kein Wässerchen trüben!!! Wie im Märchen: Alle die es ansahen waren entzückt…

    …ihr „Pech“ (?) dass sie das zweite Kind ist und mir durchaus bewußt ist, dass es nicht nur darauf ankommt, niedlich zu sein… Aber wäre sie das erste Kind gewesen… ich befürchte, dann wäre ich genauso wie die oben beschriebene Mutter… Tendenzen dazu gibts nämlich…

    Gut, dass mir der große Bruder (5 😉 ) beim „zurechtstutzen“ hilft 😉
    Und gut, dass sie dadurch im Kindergarten von Anfang an keine Probleme hatte… Noch NIE ein Wutausbruch bei den Erziehern, immer folgsam. DIE glauben MIR nicht, dass sie ein kleines Monsterchen ist….. *gg*

    Danke für genau solche Blogeinträge!!!! Es ist immer schön, einen ironischen Spiegel vorgehalten zu bekommen, das hilft einem über sein Verhalten nachzudenken!! (fast hätte ich „reflektieren“ geschrieben, aber das Wortspiel war mir dann doch zu doof 😉 )

  35. Der Mutter zu sagen, dass sie sich mal wie eine Erwachsene benehmen und das Kind weniger bequem „erziehen“ soll, würde vermutlich nicht viel bringen? Denn wer es sich sooo schön einfach macht im Leben, ist ja meist fortgeschritteneren Vorschlägen gegenüber nicht besonders aufgeschlossen.

  36. @ Till

    Ich bin kein Arzt, aber der Text scheint mir eher auf die Konflikt- und Erziehungsunfähigkeit von Erwachsenen hinzuweisen. Das Kind kann doch am wenigsten dafür, dass es nicht erzogen witd.

  37. Kurze Verständnisfrage vom medizinischen Laien ohne Kinder – siehst Du hier ein Entwicklungsproblem, oder meinst Du, daß die Kleine eine verzogene Ziege ist?

    1. direkt unter der Überschrift: Schlagwörter:entwicklung, zicke

      keine physiologische sondern erziehungsbedingte Entwicklungsstörung.

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