dilemma

also ich bin ein sehr freundlicher typ. vor allem den kindern und den eltern gegenüber. geht auch sonst als kinderdok gar nicht anders. logisch? sollte so sein. scheinbar ist es bei anderen kollegen oftmals nicht so.

wenn wir nun immer mal vertretungen haben für die anderen praxen außenrum – urlaub, fortbildung, wasauchimmer – dann trubeln genug patienten von diesen kollegen durch die eigene praxis. regelmäßig kommt es dann auch zu anfragen, ob man nicht die praxis wechseln könnte.
ganz abgesehen davon, dass ich es schade finde, wenn man die erstbeste gelegenheit einer vertretung nutzt, um den arzt zu wechseln – manche kennen mich da noch gar nicht, wirklich! – , fühle ich natürlich auch ein wenig gebauchpinselt. aber leute, man kann doch nicht den ganzen landkreis behandeln! da gibt es wirklich patienten, die exakt am ersten tag der vertretung bei uns auf der matte stehen, ein kind dabei, was offensichtlich, naja, etwas gesund ist, und wollen den *anderen dokter, der unseren dokter vertritt* mal abchecken.

wie soll ich also aber mit den potentiellen wechslern, also den vertretungspatienten umgehen? unfreundlich, um sie abzuschrecken? termine am ende der sprechstunde verteilen, weil, erstmal werden *meine* patienten behandelt? ich kenne praxen, die genau so verfahren.
aber eigentlich können die kids ja nichts dafür. und eigentlich ist jedes kind doch erstmal genauso wenig krank wie das andere. also ist es doch egal, ob die kinder aus meinem patientenstamm kommen oder von anderen praxen. aber dann kommen die *fremdpatienten* wiederum genauso in den genuss meiner guten arzthelferinnen, der tollen terminplanung der mädels und der freundlichkeit des ärztlichen personals. und sehen den kontrast zu ihren eigenen praxis. und dann kommt die frage nach dem wechsel.

schwierig.

37 Gedanken zu “dilemma

  1. ich würde daraus kein problem machen. wir haben doch freie arztwahl. und den patienten gegenüber finde ich es nur fair, wenn man die termine so reinnimmt, wie die anfragen kommen. abgesehen von notfällen.

    und wenn die patienten überhand nehmen, dann muss man sie eben leider zum kollegen schicken

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  2. Mein Kinderarzt nimmt keine Patienten von seiner Vertretung, hat mir mal jemand erzählt, der von seiner Vertretung zu ihm wechseln wollte. Vielleicht wollte er auch diese Mutter samt Kind nicht *hüstel*

    Da bei uns ein Kinderarzt nicht jeden anderen Kinderarzt vertritt, geht das natürlich.

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  3. Wieso fragt man da? Ich würds einfach tun, wenn ich einen anderen Arzt für besser empfinden würde.
    Ist doch meine Entscheidung.

    Und mit den fremden Patienten, ich würde die gleich wie die eigenen Notfälle behandeln.
    Gleiches Recht für alle.

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  4. Hm, wenn ich Zweifel hätte, daß mein KiA oder sonstiger Arzt inkompetent wäre, würde ich einfach beim nächsten Mal einen anderen konsultieren. Dafür braucht man doch nicht die Entschuldigung einer Vertretung, oder?! Wäre mir nie in den Sinn gekommen.

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  5. Meine Meinung: auf solche Leute verzichten!
    Die werden beim nächsten Urlaub eh wieder weg sein.
    Eben in der Vertretungspraxis.
    Sorry: das hat leider überhaupt nichts mit euch zu tun, andere sind auch nett.

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  6. Ich wüsste nicht, warum man auf diese Patienten verzichten sollte, wenn man denn die Kapazitäten hat. Eigentlich müsste der Wettbewerb unter Ärzten noch deutlich besser funktionieren, damit auch die letzten Nasen verstehen, dass man als Arztpraxis nicht auftreten kann, wie ein Amt im vorletzten Jahrhundert.

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    1. da ist das problem – die kapazitäten sind schon seit einiger zeit erschöpft? und nun? nix ist mit freier arztwahl – ich kann auch nur eine x anzahl an patienten ernsthaft behandeln. und die anderen? wegschicken?

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  7. Ich glaube da ist auch viel Gelabere von den Müttern… Entweder man hat den superduper Kinderdoc oder man hat den Kinderschreck in Personalunion. Und wenn diese Mütter sich austauschen, dann kann es schon vorkommen, dass die eine den Kinderschreck hat und die anderen den tollen und sie sich, schon alleine um mit den anderen Mamas mitreden zu können, in die Patientenakten des Superdocs schmuggeln. Glücklicherweise sind in meinem Mamikreis alle von ihren Kinderdoc bezaubert und liefern sich Wettstreite wer wohl den Besten hat. Da hat immerhin keiner das Nachsehen 😀

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  8. Mhh, also das ist doch nur ein Problem, wenn es zuwenige Kinderärzte gibt und die keine neuen Patienten mehr aufnehmen können. Wir sind berufsbedingt relativ viel umgezogen, so dass ich den Kinderarzt öfter wechseln musste. Wenn mir der eine nicht ganz so kompetent erschien, habe ich einfach einen Termin bei einem anderen gemacht. Das war nie ein Problem. Allerdings war meine Tochter da auch noch privat versichert. Jetzt ist sie gesetzlich versichert, ich werde sehen, wie das weitergeht…

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  9. Und wenn ein neuer Patient in Ihrer Praxis anruft, um einen Ersttermin zu machen, schicken Sie den dann auch zu einem anderen Arzt? Ist doch völlig wurscht, ob ein neuer Patient nun einfach so oder durch die Vertretung zu Ihnen wechselt (von Kapazitäten Ihrerseits mal abgesehen) – und ja, ein Kompliment an Sie als Arzt und an die Praxis scheint es jedenfalls zu sein. ~ Ich erwarte von (m)einem Arzt auch nicht nur, dass er mich oder mein Kind „ordentlich behandelt“, ich möchte mich/uns auch gut aufgehoben fühlen und das ist für mich der Grund, nun schon den dritten Kinderarzt auszuprobieren. Ein Kinderarzt, der wortlos meine Hand wegschlägt (!), weil ich meinen weinenden, noch nicht ganz vier Monate alten Sohn trösten möchte, der gerade seine zweite Impfung bekommen hat, kann kein guter Kinderarzt sein, weil er offensichtlicherweise kein ausgesprochener Menschenfreund ist – ein Grund mehr, zu wechseln.

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  10. Bei uns haben die Kinderarztpraxen regelmäßig Aufnahmestopp. Die beliebten ab zwei Wochen nach Beginn eines Quartals bis Ende des Quartals, die weniger beliebten später. Hier ist es üblich, sich, wenn man gegen Quartalsende ein Kind bekommt, schon während der Schwangerschaft einen Kinderarzt zu reservieren.
    Und wenn kein Aufnahmestopp ist, dann werden auch Wechsler angenommen.

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    1. Bei unseren Kinderärzten ist Aufnahmestop für Auswärtige. Die haben Patienten bis 100km Umkreis und nehmen mittlerweile aber nur noch neue auf, die im Ort der Praxis wohnen. Ansonsten nur noch die Geschwisterkinder der auswärtigen. Wer wegzieht muss auch nicht wechseln sondern darf bleiben.

      Dieser eingeschränkte Aufnahmestop besteht seit mindestens 3 Jahren.

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  11. Aus meiner Patientengeschichte ist mir das auch bekannt.
    Ich wechsel den Arzt und den Friseur nicht gerne, bin immer glücklich, wenn ichzu meiner Zufriedenheit behandelt/bedient werde.
    Allerdings denke ich auch, dass jeder in seinem Beruf eine gewisse ´Routine und auch sowas bie Betriebsblindheit hat, das geht mir (Fußpflegepraxis) genauso, man kennt seine Patienten sehr lange und sieht ihnen, wenn sie zur Tür herein kommen an der Nasenspitze schon einiges an.
    Plötzlich muß ich aber einen anderen Arzt in anspruch nehmen, der kennt mich nicht, und sieht mich mit ganz anderen Augen weil er sich erst einmal ein Bild des patienten un d seiner Probleme verschaffen muß.
    Da liegt es m.E. auf der Hand, dass der Patient, sich in dem Moment vielleicht ernster genommen fühlt.

    Außerdem besteht durchaus die „Gefahr“, dass mit dem neuen Arzt die Chemie einfach besser stimmt.

    LG Sweetkoffie

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  12. Ich hab erst einmal den Kinderarzt gewechselt, weil ich bei der ersten Ärztin sehr unzufrieden war. Gedanken hab ich mir nicht gemacht und der jetztige Arzt hat uns auch ohne Probleme aufgenommen. Dieses „Goldstück von Kinderarzt“ geht nun aber leider in Pension und mir stellt sich die Frage, wie ich einen so guten Neuen finde. Zu allen Kinderärzten im Umkreis gibt es bei zehn Eltern zehn Meinungen und ich muss jetzt erst mal herausfinden, wo ich mich wieder gut aufgehoben fühle…

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  13. ich hab den Kinderarzt erst einmal gewechselt. Von ner Frau, bei der ich das Gefühl hatte, abgefertigt zu werden (dafür aber kaum Wartezeiten), zu nem Mann, der sich trotz überfülltem Wartezimmer, sehr viel Zeit nimmt. Ich bin schon abends gegen 21 Uhr an der Praxis vorbeigefahren, da war noch Licht.
    Und auch wenn wir demnächst umziehen werden, werde ich bei unserem Kinderarzt bleiben. Da nehm ich die 30 km mehr gerne in Kauf! Wenn man nicht zufrieden ist, wechselt man eben. Das Recht hat man ja zum Glück. ob das nun der Telefonanbieter ist oder der Kinderarzt 😉

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  14. Den Kinderarzt habe ich schon oft gewechselt. Einfach weil unzufrieden. Bin aber nie bewusst zu einer Vertretung gewechselt.

    Bei meinem Frauenarzt werde ich irgendwann zur Vertretung wechseln. Meiner hat das Pensionsalter erreicht. Als ich dann bei der Vertretung ein Rezept geholt habe, habe ich mich dort wohl gefühlt. Werde aber nicht vor Pensionierung meines Docs wechseln.

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  15. Wenn ein Kinderarzt gut ist, dann bleibt man da. Ist ein Kinderarzt nicht gut, dann geht man. Und wenn ich Erstgebärende bin und gar keine Ahnung habe, daß mein Behandelnder nicht gut ist, weil ich eben nichts anderes kenne und komme durch die Vertretungsgeschichte zu einem anderen Arzt, der besser ist – ja dann bleib ich da doch.

    Und nicht nur da, das hab ich mit Zahnärzten und Mütterärzten auch schon gemacht.

    Denn eins ist doch klar – auch wenn Ärzte das gemeinhin nicht gerne hören – die Kunden sind wir. Und ich suche mir aus, von wem ich die Dienstleistung kaufe. Desgleichen hat natürlich der Arzt das Recht, mich „nach hinten“ zu schieben, wenn er mich nicht will. Aber ich denke, das pendelt sich schon ein.

    Und: Oft geht man nach dem Urlaub ja auch heilfroh wieder zum eigenen Kinderarzt, Zahnarzt, Gyn, frachmichwas und ist glücklich, nicht bei der doofen Vertretung zu sein:-)

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    1. bei dieser kundengeschichte reagieren wir ärzte wirklich allergisch. eine kundenbeziehung ist etwas anderes. ich bin kein fischverkäufer. eine arzt-patienten-beziehung basiert auf anderen voraussetzungen. und wir sind auch keine dienstleister, sondern ärzte.
      aber das ist wohl der zeitgeist – man nennt das auch die mitnahmegeneration.
      nebenbei: bei mir wird auch nichts „gekauft“ – da hat jemand das krankenkassensystem in dtschl nicht verstanden – für kinder gibt man nicht einmal krankenkassengebühren aus, so man nicht privat versichert ist. sie werden in der regel gratis mitversichert.

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      1. Lach, sag das meinem Konto:-) Meine Kinder wären nirgendwo gratis mitversichert gewesen, weder in der gesetzlichen und schon gar nicht in der privaten. Und ganz ehrlich, wenn ich so oder so ein Heidengeld dafür ausgebe, daß meine Kinder im Falle eines Falles gut versichert sind, dann verlange ich auch eine gute Behandlung. Punkt. Und wenn ein Arzt nicht in der Lage ist mir die zu geben – und da rede ich für mich lediglich von der fachlichen Kompetenz, die Freundlichkeit mir gegenüber ist mir realtiv egal, solange sie meinen Kindern gegenüber da ist – dann bin ich da weg. Und ich schäme mich noch nicht mal dafür.

        Wie ich schrieb, Ärzte hören das nur sehr ungerne, genauso wie Patienten ungerne hören, daß das ganze Kundensystem auch andersherum funktioniert.

        Ich glaube auch nicht, daß ich dem „Zeitgeist“ zum Opfer gefallen bin – Deinen Erzählungen zur Folge müßten wir generationentechnisch in etwa das gleiche Alter haben. Was aber passiert ist, daß der Arzt also solches einen Wandel im Blickwinkel anderer Menschen der Gesellschaft erfahren hat und seinen HalbgottinWeiß-Status bei der unter 50 Generation einbüßen mußte. Während die medizinische Ausbildung dem aber noch nicht unbedingt Rechnung getragen hat – zumindest meiner Erfahrung nach.

        Aber diese Diskussion würde jetzt wohl doch zu weit führen.

        Was genau hast Du eigentlich gegen Fischverkäufer? Höre ich das etwa Standesdünkel raus? (Sorry, couldn´t resist)

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        1. Die Arzt-Patienten-Beziehung ist schon deshalb keine Kunden-Verkäufer-Beziehung, weil es hier nicht um Verkauf und Erwerb geht… Oder kann dir ein Arzt, so gut er auch sein mag, Gesundheit verkaufen…? Das hat mit Dünkel mal primär nichts zu tun, es ist einfach ein anderes Thema. Inwieweit diese Sichtweise „der Arzt hat mir zur Verfügung zu stehen, weil ich ja so horrende Krankenkassenbeiträge zahle“, die ich erst letzte Nacht wieder auf unserer Privatstation erleben durfte (nee, is klar, das vierte ausführliche Arztgespräch an diesem Tag über das gleiche Thema geht ganz klar vor den frischen Infarkt, der grad in der Notaufnahme liegt… sorry , OT) dafür sorgt, dass wir immer weniger werden, die sich das noch antun wollen, wage ich nicht zu beurteilen.

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        2. Der Arzt ist dennoch Dienstleister. Da kann man sich drehen und wenden wie man will: Er wird für seine Arbeit bezahlt und arbeitet auch nicht aus purer Freundlichkeit kostenlos. Er erbringt eine Dienstleistung, die in der Untersuchung und – ggf. – Behandlung besteht.

          Da der Arzt aber Dienstleister ist, unterscheidet sich das Verhältnis zwischen dem Arzt und dem Kunden im Idealfall auch im Kern nicht von dem Verhältnis zwischen anderen Dienstleistern und Kunden. Ob der Kunde jetzt seinen Anwalt konsultiert, beim Stammitaliener essen oder in „seinem“ Supermarkt um die Ecke einkaufen geht: Der Dienstleister wird für das bezahlt, was er tut; Erbringt er das Minimum dessen, was er erbringen muss, wird er damit kaum Kundenbindung erzeugen. Und wenn er keine Kundenbindung erzeugt – etwa, weil er seine Kunden unfreundlich anraunzt, weil er meint, den Kunden mit irgendwelchem fachchinesisch zuzusülzen oder weil der Kunde aus irgendwelchen anderen Gründen (von mir aus auch unzutreffenden) nicht zufrieden ist – dann wechselt der Kunde eben.

          So gesehen hat der Arzt auch zu Recht keinen Sonderstatus unter den Dienstleistern. Woraus sollte der sich auch ergeben? Der Job ist fraglos wichtig für die Gesellschaft. Aber das sind andere Jobs auch und auch andere Dienstleister müssen sich mit manchen Kunden herumschlagen, die – salopp gesagt – Idioten sind. Mit dem Schicksal sind die Ärzte also nicht allein.

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      2. Nun ja lieber Kinderdoc., ob Sie nun allergisch darauf reagieren oder nicht, Ärzte sind auch Dienstleister. Sie erbringen eine Leistung und erhalten für diese Leistung Geld. Das sehe auf meinen Arztrechnungen und denen meines Kindes sehr deutlich. Da wird aber jeder Handschlag abgerechnet. Ist für mich auch in Ordnung, aber auf dieser Ebene unterscheidet sich der Arzt nicht vom Fischverkäufer.
        Und „kostenlos“ versichert sind natürlich auch die Kinder in der gesetzlichen Krankenkasse nicht. Zwar zahlen die Eltern nicht zusätzlich, das stimmt schon, aber die Ärzte erhalten natürlich auch für die Behandlung dieser Kinder ihr Honorar von den Krankenkassen. Das tragen alle Beitragszahler mit.
        Ob das Honorar nun als angemessen empfunden wird, das ist eine ganz andere Diskussion.
        Erfreulich wäre, wenn die Beziehung zwischen Arzt und Patient über dieses Niveau hinaus gehen würde, da läge dann unter Umständen der Unterschied zu Fischverkäufern. Die Regel ist das nach meinen Erfahrungen allerdings nicht.

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    2. @karpatenhund (genialer nick) , ok, nur mal so als gedanke:
      diese woche pizza funghi 8,50 euro, am wochenende pizza hawaii 8 euro, nächste woche pizza napoli 9 euro usw., 1. konsult anwalt 200 euro, 2.konsult 400 euro usw., supermarkt 1 liter milch 89 ct, joghurt 49 ct — *jedes mal*

      behandlung eines versicherten der gesetzlichen krankenversicherung? pro quartal fallwert = 40 euro. kommt er einmal, ist man fürstlich entlohnt, kommt er zweimal noch ok, ab dreimal wirds schon lächerlich.

      doch, es gibt einen unterschied zwischen dienstleister und arzt, auch was die bezahlungsmodi angeht — wir bekommen pro quartal immer das gleiche für den patienten — ich darf um einen vorschlag einer branche bitten, wo das genauso ist.

      das ist flatline-versorgung. das ist so gesehen schlechter als bei einem dienstleister.

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      1. Danke 😉

        Ob jemand Dienstleister ist oder nicht definiert sich meiner Meinung nach nicht darüber, was er an Einnahmen verlangen kann, sondern darüber, was er grundsätzlich für Leistungen erbringt. Als Gastronom wird man im Regelfall auch nicht reich, der Preisdruck ist hoch. Der Markt für den Einzelhandel in Deutschland gilt als einer der schwierigsten der Welt, weil die Gewinnmargen extrem niedrig sind, Service aber kaum für Kundenbindung sorgt. Und als Wald- und Wiesenanwalt verdient man zum Teil weniger als die eigene Sekretärin, man krebst auf wirklich niedrigem Niveau herum (Das gilt erst recht für Strafverteidiger, damit wird man in den seltensten Fällen reich).
        Natürlich kann man als Kunde nicht immer erwarten, dass der Dienstleister einem den kleinsten Wunsch von den Augen abliest. Umgekehrt kann der Dienstleister aber auch nicht erwarten, dass die Kunden ihm auf immer und ewig treu bleiben, nur weil er in einer bestimmten Branche arbeitet.

        Ich fürchte allerdings, wir reden in Bezug auf die Definition eines „Dienstleisters“ aneinander vorbei. Ich sage, ein Dienstleister ist derjenige, der auf einem gewissen Markt Dienstleistungen erbring. Ganz unabhängig davon, was er verdient; Die Definition bringt auch nicht mit sich, dass der Arzt sich in einer bestimmten Weise gegenüber seinen Patienten verhalten müsste.
        Der Punkt ist, dass auch der Dienstleister gewissen Regeln des Marktes unterworfen ist, denen er sich beugen muss. Beispielsweise, dass er auf eine gewisse Nachfrage von Seiten der Patienten angewiesen ist oder dass er in Konkurrenz zu anderen Ärzten steht.
        Wenn man behauptet, der Arzt wäre nicht Dienstleister, weil sie zu wenig verdienen, bekommt man irgendwann Abgrenzungsschwierigkeiten. Spätestens dann, wenn Ärzte auch oder ausschließlich Privatpatienten betreuen (Sind das dann plötzlich doch Dienstleister?) oder wenn man sie mit anderen Branchen vergleicht (Ist ein Gastronom nicht mehr Dienstleister, weil sein Restaurant nicht läuft? Ein Anwalt nicht, weil er nicht kostendeckend arbeiten kann?).

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        1. Ich sehne den Tag herbei, an dem der Dienstleister „Arzt“ seinen Dienst nicht mehr leisten will – weil ihm die zunehmende Überheblichkeit der Patienten und die Aussagen „wir bezahlen sie doch gut“ * zum Halse raushängen. Dann schließt er seine Praxis zu und die Notaufnahmen der Krankenhäuser bleiben geschlossen. Dann können sich die Patienten selbst so behandeln, wie sie das schon immer wollten – wissen eh alles besser als die Ärzte.

          * Lieblingssatz von nichtsnutzigen Hartz IV-Jugendlichen, die nachts um 3 nach Schlägerei besoffen in die Notaufnahme kommen – die haben noch keinen Pfennig Beiträge bezahlt und deren Eltern oft auch nicht…

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        2. Das ist – wie schon geschrieben – das Schicksal vieler Dienstleister. Wenn alle Supermärkte zumachen, müssen sich die Leute selber versorgen. Wenn alle Rechtsanwälte keine Lust mehr haben, vor Gericht aufzutreten, müssen die Leute das eben selber machen. Wenn alle Tankstellen zumachen, müssen die Leute eben wieder mit der Pferdekutsche fahren. Und wenn die Banken schließen, müssen wir eben wieder auf den Tauschhandel ausweichen.

          Klappt alles nicht. Wie schon geschrieben: „Schwierige“ Kunden sind das Schicksal eines Dienstleisters. Und in der einen Branche hat man eben mehr davon, in der anderen weniger. Prädestiniert für solche schwierigen Kunden sind besonders die Bereiche, die ohnehin öffentlich einen gewissen Ruf weg haben: Banken („Die drehen uns doch nur das an, was denen am meisten Geld bringt!!!“), Ärzte („Die bekommen Unmengen an Kohle von den Versicherungen und jetzt demonstrieren die SCHON WIEDER für mehr Geld!!!“), Rechtsanwälte („Stundenlohn von 150 Euro. Das macht bei einer 40-Stunden-Woche 6000 Euro monatlich!!!“). Im Zweifel googelt man schnell und tadaa!: Vorurteil bestätigt, Wikipedia sagt was ganz anderes zum persönlichen Problem und von dieser äußerst vertrauenswürdigen Person im Chat hat man auch ganz andere (bestimmt richtigere) Informationen bekommen.

          Damit muss man sich abfinden oder den Job aufgeben.

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      2. Hier ist es, das gewünschte Beispiel:

        Subways, Free Refill. Auch bei Mc Doof schon gesehen.

        Einmal zahlen, am selben Tag sooft man will Getränk nachfüllen.
        Für 2 Euro oder so kann man dann x Liter Cola/Lift/whatever trinken, wie man will (kann).

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  16. In unserer Gegend ist es besonders schwierig. Fast ausnahmslos alle Kinderärzte haben kompletten Aufnahmestopp.
    Meine Hebamme hat mir zehn Ärzte im Umkreis von 30km genannt, die sie empfehlen würde, davon haben neun meinen Kleinen nicht aufnehmen können. Die zehnte Ärztin war zwei mal sehr unfreundlich zu mir und hat meine (berechtigten) Sorgen nur ins Lächerliche gezogen. Danach hab ich mich weiter umgeschaut, entweder ich nehme eine 50km Fahrt auf mich zum nächsten „richtigen“ Kinderarzt, oder ich gehe zu einer Allgemeinmedizinerin hier im Ort, die schon seit Jahren nur noch Kinder betreut.
    Ich hab mich für Variante zwei entschieden, trotz schlechtem Bauchgefühl.

    Bei meinem Hausarzt ist es ähnlich. Bei ihm muss ich zwei Stunden Wartezeit einrechnen, er nimmt die ersten Stammpatienten schon eine Stunde vor Sprechzeit an und arbeitet abends meist zwei drei Stunden länger. Samstags und Sonntags hat er die Praxis auch ein paar Stunden geöffnet. Ich an seiner Stelle würde meine Zeit nicht so opfern. Seine Arzthelferinnen sind auch wenig begeistert.

    Ist blöd für beide Seiten, für Patienten wie für Ärzte und ihr Team.

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  17. Ich kann beide Seiten verstehen. Bei dem momentanen Abrechnungssystem gibt es erstaunlich viele Ärzte, die einen super Job machen und mir ihrem Personal Termine auf die Reihe bekommen. Ich persönlich würde mich dieser Situation nicht aussetzen wollen.

    Genausowenig, wie ich einem Automechaniker erzähle, wie er mein Auto heile macht, möche speziell ein Kinderarzt nicht hören, wie er seine kleinen Patienten behandelt. Wenn der Automechaniker jedoch mein Auto als Einnahmequelle ausschlachtet, war ich das letzte mal dort.

    Ich möchte als 4facher Vater unseren Kinderarzt nicht missen, der gute und schlechte Tage hat – wie wir alle. Am Anfang hatten wir im Umgang Startprobleme, die sich aber im Laufe der Jahre zu einer sehr vertrauensvollen Basis entwickelt haben. Die Startprobleme basierten hierbei auf übereltern und der Erwartung, der Doc könne mal eben den Start in die Elternschaft erklären.

    Mal ehrlich, bei ernsten Geschichten hört man, wenn es sinnvoll klingt, bei leichteren Geschichten meidet man die Praxis, um sich nicht noch mehr Sachen aufzuhalsen.

    Nein, Ärzte sind keine reinen Dienstleister, denn dann optimieren Sie im Allgemeinen die Einnahmeseite und man wird zugeigelt. Neulich beim Kinderzahnarzt. Erste Frage der Ärztin:“Welche Zusatzversicherung haben sie denn für die Kinder?“

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  18. Tja, ich bin auch grade am Überlegen, die Augenarztpraxis zu wechseln. Grund? Ich habe den im Herbst2009 erhaltenen Terminzettel mit einem Termin für irgendwann jetzt im November (vermutlich) verlegt. Das habe ich Ende September bemerkt, seither versuche ich die Praxis zu erreichen. Entweder „wir haben heute und morgen ausnahmsweise geschlossen“, „wir haben heute regulär geschlossen“, „wir haben Ferien“, oder es kommt das Besetztzeichen. Nach 3 Wochen vergeblicher Telefonate bin ich soweit, einen Brief mit der Absage des Termins und der Bitte um Zusendung meiner Akte zu schicken. Denn in 10 Tagen ist November, wer weiss, ob ich den Termin nicht sonst verpasse und zahlen muss.
    Daher ein Lob auf alle Praxen, in denen von Zeit zu Zeit ein Mensch telefonisch erreichbar ist. Offenbar gehört deine dazu 🙂

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  19. Hm, vielleicht sollte man hier wirklich zwischen gesetzlich und privtversichert unterscheiden: Ich habe Frau und 2 Kinder, alle privat versichert (und sage jetzt keiner, das sein billiger, das würde nur Ahnungslosigkeit beweisen) – und beim Arzt regelmässig das Gefühl dass ich in erster Linie helfe, das Praxisbudget zu füllen. Da kommt dann das vielbeschworene „Vertrauensverhältnis“ nur schwer auf, denn so manches mal habe ich mich schon gefragt – ist das wirklich medizinisch sinnvoll, oder macht er/sie das nur um 2,3-fach abrechnen zu können?

    Da ich mich das bei jedem Handwerker auch frage kommt es ganz automatisch, den Arzt als Dienstleister zu betrachten.

    Und auch wenn ich den „Service“ zuschätzen weiss – ich mache mir bei jedem neuen Arzt bewusst den Spass, erst nach dem Terminangebot „in 2 Wochen oder später“ das magische Wort „Privatpatient“ zu sagen, dass in 95% der fälle (habe erst 1 Ausnahme erlebt) dafür sorgt, dass die Sprechstundenhilfe zufällig noch heute oder morgen eine Lücke im Plan findet … auch das ist, seitens des Arztes, eine Dienstleistermentalität – wer mehr bezahlt, bekommt bessere (hier: schnellere) Leistung.

    Ich will dem Kinderdoc nicht unterstellen auch so zu handeln, aber auch er wird ob dieser Realität sicher wissen …

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  20. Hier in Norwegen geht das Wechseln des Arztes ganz einfach online. Da kann der Arzt nichts gegen tun, der muss mich/uns nehmen 😉 Habe gerade eben meinen festen Hausarzt gewechselt. 2x im Jahr darf ich das machen. Nur das Wechseln der Kids muss mein Mann machen, ich darf das nicht…oh, wie emanzipiert man hier im hohen Norden doch ist!

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  21. Hm, widerspricht sich das nicht? Einerseits sind die Patienten unvernünftig, weil sie „einfach so“ wechseln, andererseits wird die Frage gestellt, ob man Patienten wegschicken soll, die einen „austesten wollen“?
    Was soll ich als Patient denn nun machen? Testen oder nicht? Und wann, wenn nicht im Krankheitsfall? Den Fernsehtechniker besucht man doch auch nicht vorher, um mal zu sehen, ob das ein dufter Typ ist.

    Ich gehöre zur ersten Gruppe und habe meistens den erstbesten Arzt genommen. Ich hab 08/15-Krankheiten, mit denen jeder Mediziner klarkommen sollte und der supertolle Arzt in 80km Entfernung hilft ohne Auto und bei Vollzeit nicht viel. Mal abgesehen von den Öffnungszeiten, die sich oft mit meinen decken, wodurch für das Abholen von Rezepten etc. oft ein Zeitfenster nach der Arbeit von ca. 10 Minuten bleibt – wofür niemand was kann, nicht mal die Römer – will ich mich auch nicht krank wer weiß wie weit schleppen müssen. Meine Mitreisenden im Bus würden sich bedanken, ich bin dann doch immer so grummelig… 😉

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