Wenn der Kopf brummt.

Nein, kein Posting über meinen letzten hangover, sondern zum Thema Kopfschmerzen im Kindes- und Jugendalter. Ich habe selbst im Studium gelernt, dass es diese Form von Schmerzen bei Kindern gar nicht gebe, es wurde schlichtweg verleugnet (gut, das ist auch schon mehr als zwanzig Jahre her), und erst Forschende wie Boris Zernikow und andere ist das Thema Schmerzen bei Kindern viel mehr in den Fokus geraten.


Kopfweh kommen in allen Altersklassen vor, vermutlich auch schon bei Säuglingen. Jedenfalls werden klassische Symptome wie Sehstörungen, Sprachproblemen und eben dem typischen frontalen oder haubenartigen Schmerz des Kopfes bei anderthalb- oder zweijährigen beschrieben oder auffällig. Mein letzter Kandidat ist diese Woche durch die Tür gekommen, kurz nach dem zweiten Geburtstag, mit über – von der Mutter geführten – Kalender nachweisbaren episodenartigen Kopfschmerzen alle drei bis vier Wochen. Im Anschluss hat der Kerl ein typisches Erbrechen und der Spuk ist meist vorbei.

Eine neue Initiative nimmt sich der Aufklärung dieses Phänomens an und informiert vor allem die Kinder selbst. In einem fantastischen Video werden sehr einfühlsam Kopfschmerzen erklärt, Auslöser und körperliche Hintergründe beleuchtet und Lösungen erarbeitet. Auch wenn das produzierende Institut werbegünstig genannt wird, ist es sehr sehenswert:

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Das beigefügte Heft liefert zusätzliche Informationen „in print“ – bestellt und gelesen mit sicher mehr Nachhaltigkeit, als in einem Filmchen zusammengefasst. So erklären es jedenfalls die Betreiber auf der Website.

Natürlich leidet nicht jedes Kind unter Kopfschmerzen. Aber bei episodenhaften Abläufen, auch mit Magen- oder Darmbeteiligungen (wir sprechen von „Bauchmigräne“) sollten Eltern an ein Kopfschmerzsyndrom denken lassen. Das ist kein Weltuntergang, vor allem, wenn es familiär vorkommt, die Suche nach Triggern kann beginnen und vor allem die Suche nach anderen Ursache kann man meist beenden.

Tolles Erklärvideo des Deutschen Kinderschmerzzentrums (Prof. Boris Zernikow) – allgemein zu Schmerzen:

Arbeitsblätter für Lehrer „Mütze hat den Kopfschmerz satt“
Mütze hat den Kopfschmerz satt: Eine Mut- und Mitmachgeschichte. Ratgeber für kopfschmerzbetroffene Kinder und Jugendliche sowie deren Familien (Affiliate Link zu amazon)

17 Einträge zu „Wenn der Kopf brummt.

  • Bei mir wurde vor über 20 Jahren im Alter von 4 Jahren bereits Migräne diagnostiziert und die Auslöser recht erfolgreich diagnostiziert. Zum Glück hatte ich eine Kinderärztin, die die Schmerzen schon damals ernst genommen hat 🙂

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  • Perfekt!
    Vielen Dank. Der richtige Beitrag zur richtigen Zeit. Der betagte Neurologe meinte nach dem EEG : „mit dem Kopfschmerz und der Übelkeit muss das Kind eben lernen zu leben“ und hat uns ein Kopfschmerztagebuch in die Hand gedrückt.
    Das war schon sehr entmutigend.
    Die Links und Filmchen hier sind hingegen wirklich gut und das dazugehörige Material (Broschüre und PMR-CD) wurde auch gleich bestellt.
    Danke 🙂

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  • Der Post kommt gerade wie gerufen mein Sohn hat in Moment auch immer wieder mal Kopfschmerzen dauern zwar nie lange aber werd die Tage mal trotzdem zum Arzt gehen! Er kommt gerade in die pupertät ich denk das es von da her kommt. Aber ich lass es mal abklären da er auch verschiedene Medikamente nehmen muss. Danke für den post

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  • Ich war mit 10 wegen ständiger Kopfschmerzen irgendwann beim Neurologen, der hat mir „migräneartige Kopfschmerzen“ diagnostiziert. Und das wars dann, keine Hilfen, keine Tipps, nur: Gut was, wohl eher kein Tumor im Kopf!

    Jetzt im Nachhinein weiß ich, dass es nicht nur „migräneartig“ ist, es ist eine ausgewachsene Migräne ohne Aura.

    Deswegen bin ich grade ECHT froh über diese Videos (auch das eine was es speziell zur Migräne gibt, hatte ich das auch mal hier bei Dir gesehen? ). Meine Kinder haben das nämlich von mir geerbt… Aber denen kann ich jetzt helfen weil ich weiß was zu tun ist, und mit den Videos kann ich es auch noch ganz gut erklären!

    Danke fürs Teilen!

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  • Wirklich erfreulich, dass diesem Thema endlich Aufmerksamkeit geschenkt wird. Mir wurde als Kind (ca. 5 Jahre alt) auch zunächst unterstellt, ich würde nur „simulieren“, weil kleine Kinder ja kein Kopfweh haben. Bis zur Pubertät hatte ich dann eine „ordentliche“ Migräne mit Aura (einseitige Lähmungserscheinungen) beieinander und mir wurde endlich geholfen damit umzugehen.

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  • Unser Kind litt ab 18 Monaten unter nächtlichen starken, stundenlang anhaltenden Brechattacken gefolgt von Durchfall. Tagsüber war er völlig fit und nachts ging es wieder los. Immer mehrere Tage am Stück. Der Spuck wiederholte sich alle vier Wochen. Wir sind alle auf dem Zahnfleisch gegangen. Kind auf links gedreht, nichts gefunden. Diagnose „Zyklisches Erbrechen“. Symptomatisch mit Zofran behandelt. Es hat aufgehört, nachdem wir umgezogen sind. Was der/die Auslöser waren, wird ein Geheimnis bleiben…

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  • Und ob Kinder Kopfweh haben können! Es freut mich, daß das endlich anerkannt wird, weil ich selber als Kind oft Kopfweh hatte. Es wurde erst nicht geglaubt, aber dann irgendwann doch und man vermutete dann eine verschleppte, chronische Sinusitis, weil ich statt meine Nase zu schnäuzen, immer nur hochzog. Dann saß ich stundenlang vorm Rotlicht mit einem Paket Taschentüchern und langweile mich. Später habe ich erkannt, daß meine Kopfschmerzen psychisch sind, immer wenn ich mich ärgere oder traurig bin, bekomme ich Kopfschmerzen, und da hilft auch keine Tablette. Danach habe ich gelernt damit umzugehen.

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  • Ich habe auch ein Kind, welches seit dem Kindergarten sporadisch an Kopfschmerzen leidet. Meist wegen Stress und/oder zu wenig geschlafen und zu wenig getrunken. Wenn er sich dann nachmittags hingelegt hatte, war es danach wieder OK.
    Interessant, dass es diese Theorie gab, dass Kinder keine Kopfschmerzen bekommen könnten.

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    • Zu wenig getrunken ist bei meinem Sohn auch der Auslöser. Bis wir das mal raus hatten, hat’s eine ganze Weile gedauert. Finde ich auch immer noch erstaunlich, dass da nicht vorher ein Durstgefühl einsetzt, das sowas verhindert.

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  • Ich war eines dieser Migräne-Kinder. Damals hieß es noch, das würde Vor-Pubertär fast nie auftreten. Ich hatte zwar einen Arzt, der die Diagnose schnell gestellt hat. Aber dann wurde ich jahrelang mit den Schmerzen alleine gelassen. Die damals üblichen Mutterkorn-Präparate (sind mittlerweile, glaube ich, völlig vom Markt verschwunden) habe ich nicht vertragen. Und ich hätte viele Nebenwirkungen ertragen, um Hilfe bei Migräne-Attacken zu bekommen. Schmerzmittel wollte man (Arzt und Eltern waren sich da leider einig) mir nicht geben, damit nicht schon so früh ein Gewöhnungseffekt (an die Medikamente) eintreten sollte. Ja, da war es ja so viel besser ein 10jähriges Kind 3 Tage lang würgend und wimmernd im Zimmer rum liegen zu lassen.
    Ich war übrigens als Erwachsene vor einigen Jahren in der Schmerzklinik Kiel und kann die nur jedem ans Herz legen, egal ob Kind oder Erwachsen! Klar ist man hinterher nicht geheilt, aber die Anfallshäufigkeit einzudämmen kann ein riesiger Gewinn an Lebensqualität sein.

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  • Ich hatte bereits im Kindergartenalter eine ausgewachsene Migräne mit Licht- und Geräuschempfindlichkeit und Erbrechen. Meine Aura hab ich damals als von der Decke runterschwebende Häuschen gemalt…Erkannt wurde es, therapiert erst, als ich selbst Medizin studierte…

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