Sabberbröckelbrezel

Smile Boy Kid Happiness Happy Donut Food Joy

Es folgt ein Rant zum Daueressen bei Kindern.

Läufst Du durch die Innenstadt, siehst Du ständig Kinder im Buggy oder an der Hand der Eltern mit Reiskeks, Brezel oder Flasche in der anderen. Vollgesabbert, angesifft, Essensreste um den Mund. Die Tüte Eis wäre da bei den aktuellen Temperaturen die vertretbare Ausnahme. Aber das Nonstop-Gefuttere siehst Du ja auch im Winter.

Es gehört wohl zum Zeitgeist – auch für uns Erwachsene gibt es an jeder Ecke etwas zu Essen. Wir nehmen uns keine Zeit mehr zum Hinsetzen oder Zuhauseessen, nein, es muss die schnelle Butterbemme sein, der Schokoriegel oder die Schinkenhörnchen von der Tanke. So leben wir es vor, so leben die Kinder es nach. Falsch, so geben wir es den Kindern mit.

Wozu führt das ständige Genuckele?
– Das Appetit- und Hungergefühl geht verloren. Der Magen hat ständig etwas zu tun, wird immer ein wenig mit Häppchen gefüllt, die Kinder verlieren das Gefühl, wann sie Essen brauchen.
– Dadurch gibt es Probleme bei den normalen Essenszeiten: „Mein Kind isst nicht“, „mein Kind ist schlecht“, „mein Kind isst nur XYZ“. Kinder essen nun einmal besser, wenn sie auch Hunger verspüren und wenn alle am Tisch sitzen.
– Essen wird zum Seelentröster, zum Langeweileüberbrücker. Kinder stören vielleicht beim Einkauf, sie plienzen rum, lenken gerne ab, haben Aufmerksamkeitsbedürfnisse. Nuckeln sie am Essen herum, ist der Mund gestopft und das Kind beschäftigt. Was macht das aber auf psychologischer Ebene? Essen wird nicht zum Selbstzweck, sondern zur Ersatzbefriedigung.
– Die Mundflora braucht Erholungsphasen, um einen normalen Speichel und „gute Bakterien“ zu erhalten, wichtig für die Mundhygiene und den Zahnschmelz. Wird der Speichel immer weggespült durch Milch oder Saft, und hat der Mund permanent mit Speisebrei zu tun, gehen die Zähne kaputt. Am schlimmsten sehen wir das bei der „bottle-fed“-Karies, ruinierte Schneidezähne vom Flaschenuckeln.

Was können Eltern tun?
– Das Wichtigste ist, diese Futter-Habits gar nicht erst zu beginnen. Schon während der Beifütterzeit das Essen auf feste Mahlzeiten sichern, sich dazu hinsetzen oder den Weg bis nach Hause abwarten. Flaschefüttern sollte die Familie beenden, sobald das Kind alleine die Flasche halten kann – denn dann beginnt das Langeweilenuckeln. Als die Flaschen noch aus Glas waren, bekam kein Kind die Flasche in die Hand.
– Verzichtet auch auf Flaschen und Becher mit Doppelhenkel oder begrenzt diese auf die Essenszeiten am Tisch.
– Gibts irgendetwas zu Trösten, tröstet nicht mit Essen. Tröstet mit lieben Worten.
– Lasst das Essen nicht zur Beschäftigung oder zur Ablenkung werden.
– Esst immer gemeinsam, zu Hause, am Tisch. Oder wenigstens setzt Euch hin auf die Parkbank und futtert die Apfelschnitzchen, weil jetzt gerade das Verhungern ausbricht.

„Warum isst er gerade jetzt?“, frage ich die Mama in der Praxis.
„Er wollte das jetzt“, kommt die Antwort. Keine Zeit im Wartezimmer, keine Verzögerung, die Familie ist direkt ins Untersuchungszimmer gewandert, ich war keine zehn Minuten später drin. Es geht um Halsweh und Husten. Nachdem ich mir den Weg durch feuchte Brezelreste gebahnt habe, sehe ich endlich die vereiterten Tonsillen.
Dafür fand die fMFA noch am Abend angeklebte Teigstücke auf der Untersuchungsliege.

Noch mehr aus der Ecke:
Iss bei Hunger und nicht, wenn Du traurig bist
Verhungern – nostalgisches Update

(c) Foto bei Max Pixel (CC0 Lizenz)

Die Vorsorgeuntersuchungen – U8

U8

Nun verlassen wir mit den Vorsorgen den Kleinkind-Bereich und stürzen uns auf die schulvorbereitenden Untersuchungen – mit vier und fünf. Jetzt geht es schon um die so genannten Alltags-Skills, um Selbständigkeit, um Beschäftigung in Ruhe und Ausdauer, um soziale Kompetenz. Unwichtiger sind die körperliche Untersuchung, Herzfehler, die bisher nicht aufgefallen sind, sind selten. Rein technisch untersuchen wir dennoch Seh- und Hörleistung, das machen die fMFA.  Die Augen verändern sich noch bis zum Schulalter, Hörminderungen können jetzt – wenn sie nicht angeboren sind – zumindest sekundär durch Ohrenentzündungen oder vergößerte Polypen entstehen. Auch den Blutdruck messen wir.

Größe, Gewicht, die üblichen Marginalien, danach führen unsere fMFA die obigen Untersuchungen durch, die Eltern werden wieder mit Fragebögen zur weiteren Entwicklung und zum Verhalten im Kindergarten beschäftigt befragt, schließlich dürfen  die Kinder die ersten Bilder malen – einfache Formen wie Kreis, Kreuz oder Viereck, aber auch komplexere Dinge wie einen Menschen (wenn das schon geht). Hier gibt es kein Muss, es ist alles ein Kann.

Dann darf ich. Mal unterhalten mit dem 4jährigen: Gehst Du in den Kindergarten, wie alt bist Du, hast Du Geschwister, wie alt sind die, was spielst Du gerne, hast Du schon ein Fahrrad, wart Ihr im Urlaub, was für ein Auto fährt die Mama, was hast Du so in Deinem Kinderzimmer für Spielzeug. Nicht dass mich das sonderlich interessiert, aber ich möchte durch das Gespräch herausfinden, wie gut sich das Kind schon zu verständigen weiß: Wie ist die Satzbildung, wie die Lautbildung, kann es auf meine Fragen eingehen und antwortet es adäquat oder erzählt es mir ganz andere Dinge. Das gelingt nicht immer, aber meistens. Nebeneffekt: Vertrauensbildung.

Der nächste Schritt ist die Untersuchung, wie oben erwähnt, eher unwichtig, aber als Ritual gehört sie dazu: Abhören, Bauchabtasten, Genitale, HNO-Bereich. Jetzt machen die Kinder auch im neurologischen Bereich gut mit: Also Testung der Hirnnerven, Koordination, Finger-Finger-Tip, wo sind Augen, Ohren, Nase. Wir machen weiter im Stehen: Balancieren über eine Linien, vorwärts und rückwärts, Einbeinstand, Einbeinhüpfen, Zehenspitzengang und Watschelgang. Hüpfen in einen Reifen, mit beiden Beinen, mit einem Bein, usw. usf.

All das dient der Beurteilung der kindlichen Entwicklung in den wichtigen Bereichen: Sprache, Feinmotorik, Großmotorik, Soziale Kompetenz, Konzentration. Außerdem macht die Untersuchung Spaß, die Kinder zeigen jetzt gerne, was sie schon können und kriegen oft gar nicht genug von den Untersuchungen. Mehr, mehr, mehr.

Wenn sie mitmachen. Durch alle Vorsorgeuntersuchungen ab dem ersten Lebensjahr zieht sich – das liegt in der Natur meiner Patienten – , dass sie nur aussagefähig sind, wenn die Kids auch zeigen möchten, was sie können. Verweigerer gibt es immer, auch die Schauspieler, viel seltener die „Schüchternen“. Also braucht es manchmal eine gehörige Portion an Motivation und Vorbereitung durch die Eltern. Ich variiere oft die Situation, dann wird eben zuerst Ball gespielt oder erst untersucht oder erst geredet, und dann kommt der Rest. Die meisten „tauen“ irgendwann auf.

Am Ende besprechen wir alle Befunde, Kind, Doktor und Eltern: Was hat super geklappt, was nicht so gut, wo gibt es Förderbedarf, wo muss das Kind mehr herausgefordert werden. Wichtig hierbei: Die oben genannten Alltags-Skills. Zuhause lässt sich viel Erarbeiten: Sprachkompetenz über Bücher, Lieder, Abzählreime und ohne Bildschirm. Großmotorik durchs Fahrradfahrenlernen (ohne Stützräder), Kinderturnen und altersentsprechende Spielplätze (kein Pillepalle mit Schaukel und Rutsche, sondern besser Klettertürme und Seilspinnen). Feinmotorik durch An- und Ausziehen, Hilfe im Haushalt und Bildermalen für den nächsten Geburtstag.

Zeigen sich Defizite, die im unteren Drittel der Entwicklungskurve liegen, sei es sprachlich oder motorisch, greifen nun die Heilmittelverordnungen wie Logopädie oder Ergotherapie. Genauso helfen gute Anleitungen für zuhause, kontrollieren werde ich die Befunde nach einem halben Jahr zwischen den zwei Vorsorgeuntersuchungen U8 und U9. Wichtig ist wie immer die Dynamik: Bessern sich die Befunde, gibt es keine Stillstände, sind wir stets auf der sicheren Seite.

Aus dieser Reihe:
Die Vorsorgeuntersuchungen – U1
Die Vorsorgeuntersuchungen – U2
Die Vorsorgeuntersuchungen – U3
Die Vorsorgeuntersuchungen – U4
Die Vorsorgeuntersuchungen – U5
Die Vorsorgeuntersuchungen – U6
Die Vorsorgeuntersuchungen – U7
Die Vorsorgeuntersuchungen – U7a

(c) Bild bei pixabay/charmedstar07 (CC0 Lizenz)

Eingeimpft – Presseschau

Dieser Tage (13.9.) kommt ein Film in deutsche Kinos, der meine Impfbefürworter-Filterblase (also 95% der Mitmenschen in Deutschland) im Karée springen lässt: „Eingeimpft“. Es ist schon einiges darüber geschrieben worden, kurz zusammengefasst geht es um ein junges Paar, dass sich mit der Entscheidung, ihr Kind (später kommt ein zweites dazu) impfen zu lassen oder nicht oder wie. Er ist dafür, sie dagegen. Er ist Dokumentarfilmer und macht einen Film daraus, sie schreibt die passende Musik dazu.

Ich konnte den Film natürlich nicht vorab sehen (bin ja nur ein kleiner anonymer Bloginfluencer), aber genug Namhafte waren zu Vorpremieren eingeladen, der Hype der Berichterstattung schwappt hoch, schlechte Presse ist immer auch gute Presse, ein zweischneidiges Schwert. Die Befürworter des Filmes halten sich vornehm zurück, aber Filmförderung über öffentliche Gelder, Koproduktion via arte und Prädikat „besonders wertvoll“ sollen dem Film Seriösität vermitteln. Schade. Schlimm.

Nachfolgend eine kleine Presseschau (aus dem Netz), die sehr schön die Kritik an dem Film illustriert. Am nervigsten finde ich persönlich aus pädiatrischer Sicht, dass über das Medium Kino eine Selbstverständlichkeit vermittelt wird, es gebe eine fifty-fifty-Entscheidung, ob Impfen oder nicht, und als sei dies ein Selbstbedienungsladen. Die soziale Komponente des Impfens kommt im Film wohl vollends zu kurz, hart formuliert: Hier beschließen zwei gut situierte Wohlstandseltern das Projekt „Impfentscheidung“ spaßig und lustig unters Volk zu bringen – und ruhen sich doch auf dem Herdenschutz der Geimpften aus.

Psychologin Cornelia Betsch in Zeit-Online. „Es werden anlässlich des Films wieder Debatten stattfinden, in denen ein Impfzweifler einem Befürworter gegenübersitzt, was suggeriert, das Verhältnis wäre 50:50. Das verunsichert den Zuschauer. In der echten Welt beträgt es nämlich 5:95.“

Spektrum der Wissenschaft – eine Filmrezension. „Denn der Film bedient alle irrationalen Ängste, die sich mit dem Impfen verbinden, und macht die Impffrage zu einer reinen Gefühls- und Meinungsangelegenheit.“

Der Tagesspiegel. „Sieveking, junger Vater, medizinischer Laie mit relevanter Expertise allein im Filmemachen und Geschichtenerzählen, rollt selbstbewusst ein Thema „ganz von vorn“ auf, zu dem die Ständige Impfkommission beim Robert Koch-Institut (STIKO) solide Empfehlungen erarbeitet, die auf wissenschaftlichen Studien basieren und regelmäßig aktualisiert werden.“

Kommentar von Richard Friebe im TSP – „Wenn rund herum die meisten geimpft sind, ist eine Übertragung wenig wahrscheinlich. Herden-Immunität heißt das. Genau daran erfreuen sich die meisten konsequenten Impfgegner und ihre Familien. Impfgegner kann man nur inmitten Geimpfter sein. Man profitiert von dem, was andere geleistet haben und leisten, und trägt selber ganz bewusst nichts bei. Eine viel bessere Definition des Wortes „asozial“ gibt es nicht.“

Humanistischer Pressedienst  „Fachleute befürchten, dass der 90-Minuten-Streifen gerade das bewirkt, wovor er schützen möchte: Er schürt bei jungen Eltern unsinnige Ängste und beschwört ernste Gefahren für die Gesundheit von Kindern herauf.“

Eine Art wissenschaftliche Rezension – Von 12 namhaften Wissenschaftlern. An tollen Zitaten too many to mention. „Aufgrund weitreichender Konsequenzen von zu geringen Impfquoten – für das Individuum wie für die Gesellschaft – sollten Filme dieser Art nicht nur aus künstlerisch-filmischer Sicht betrachtet, sondern auch nach ihrer wissenschaftlichen Reflektiertheit und Methode bewertet werden. Eine Kennzeichnung von Filmen mit einem ‚Prädikat für wissenschaftlich wertvolle Filme’ könnte eine echte Hilfestellung für Eltern sein, die vor der Impfentscheidung stehen. Ein Prädikat, das diesem Film nicht zugeschrieben werden kann.“

Deutsche Film- und Medienbewertung FBW – „Sieveking scheut vor den privatesten Momenten auch visuell nicht zurück und stellt die Ängste seiner Frau, die vehement gegen das Impfen der Kinder ist – aus Angst damit mehr Schaden anzurichten als Gutes zu bewirken, sowie auch seinen eigenen gedanklichen Zwiespalt klar.“

TV-Movie zum Film – „Dokumentation, die uns ein Thema näher bringen soll, dass in Deutschland für erhitzte Gemüter sorgt: Das Impfen. Auf eine charmante und lustige Art bemüht er sich um dieses Thema und gibt dabei sehr ehrliche und private Einblicke in sein Familienleben.“

Pressetext des Filmverleihs. „Doch schon bald muss er erkennen, wie wichtig es ist, sich schnell zu entscheiden, denn in der Berliner Nachbarschaft brechen die Masern aus, und Jessica ist wieder schwanger.“

Programmkino.de – Filmkritik – „Am Ende muss jeder individuell für sich die Frage beantworten, was er in welcher Form seinem Kind verabreichen will. Die Doku leistet aber in jedem Fall einen wichtigen Beitrag dazu, sich ausführlich über das Thema zu informieren und sich diesem in all seinen Facetten konstruktiv zu nähern.“ – Und: Ein „Wichtiger Hinweis“: „Die impfkritische, sehr subjektive Sicht des Films ist durchaus umstritten und sorgt für viel inhaltliche Kritik – hingewiesen sei daher hier auf eine inhaltliche Aufarbeitung des Films in der Wissenschaftszeitung SPEKTRUM“ mit Verlinkung zum Artikel in Spektrum der Wissenschaft

Die Zeit – über das Buch. „Er überschätzt die Effekte einzelner Studien und zieht deshalb falsche Schlüsse. Seine Erkenntnisse verhalten sich zu denen der Stiko deshalb in etwa so, wie ein Groschenroman zur Schiller-Gesamtausgabe.“

Süddeutsche Zeitung – „Der Film „Eingeimpft“ wirkt auf den ersten Blick nett und ehrlich. Tatsächlich aber sät er unnötig Zweifel und bestärkt damit Impfgegner. Warum die Vorsorge richtig ist.“ (Artikel hinter Paywall)

Spiegel Online – „Er könnte durchaus lustig sein, wenn er nicht so gefährlich wäre. Der Film erzählt eine absurd komische Geschichte darüber, wie seltsam sich geschlechtsreife Großstädter verhalten, wenn sie Kinder kriegen. Ärgerlich nur, dass der Berliner Regisseur David Sieveking, der darin seine eigenen Familienkonflikte ausschlachtet, unter der komödienhaften Oberfläche Halbwahrheiten verbreitet und Ängste schürt.“ (Artikel hinter Paywall)

Natalie Grams rezensiert das Buch. „Einzelne Meinungen und Einschätzungen, wie die seiner Partnerin, der Hebamme, der anthroposophischen Kinderärztin, eines Paul-Ehrlich-Instituts-„Aussteigers“, eines einzelnen Forschers in Afrika, über dessen Hypothesen die Wissenschaftsgemeinschaft gerade erst die Diskussion beginnt, zählen für Vater Sieveking mehr als der anerkannte Stand der Wissenschaft. So sät das Buch gewollt oder ungewollt Zweifel an Impfungen und idealisiert ein verzerrtes Konzept des individuellen Impfens jenseits des wissenschaftlichen Evidenzbegriffs.“

Der Deutschlandfunk zum Buch – „Sieveking spricht mit Kinderärzten, mit einer Heilerin, mit Pharmaunternehmen, Behörden, Forschern, mit impfkritischen Eltern und solchen, die nur geimpfte Kinder in der Kita haben wollen. Sie alle kommen in dem Buch zu Wort und alle werden gleich ernst genommen. Eine Kakophonie von Meinungen, in denen sich Sieveking verirrt.“

Nochmal Deutschlandfunk im Gespräch mit Natalie Grams – „Dass Menschen, die sich bisher gar nicht viele Gedanken über das Impfen gemacht haben, die der Empfehlungen der Experten vertraut haben, durch diesen Film irritiert werden und zu dem Gedanken kommen, ach Mensch, da scheinen ja doch irgendwelche Dinge im Verborgenen nicht ganz geklärt zu sein, das Ganze ist irgendwie ein bisschen unnatürlich oder sogar unsicher, vielleicht wird sogar was vertuscht. Sie haben es im Trailer ja angesprochen, und dieses Gefühl bleibt, dieser Subtext wird durch den Film transportiert. Und das sehe ich als Ärztin total kritisch.“

Doccheck.de – „Im Film wird schnell klar, welchen Spielraum Eltern in Deutschland haben. Sie können ihren Kinderarzt selbst auswählen, den Impfzeitpunkt bestimmen und entscheiden, welche Vakzine oder welche Impfungen überhaupt zum Einsatz kommen, eventuell sind Zuzahlungen fällig. Sieveking bewertet dies als aktive, persönliche Entscheidung.“

ZDF-aspekte zum Film – Wie die Impfdebatte polarisiert. Während die Anmoderation noch sehr kritisch wirkt, ist der eigentliche Beitrag positiv eingestellt und geht dabei in keinster Weise auf den Kern des Impfens ein.

BR5-Podcast – „Eingeimpft“ – Wie berechtigt ist die Kritik an diesem Dokumentarfilm? „Kritik am Impfen nimmt zuviel Raum ein“.

Statement von David Sieveking auf Facebook – „Autor, Verlag, Produktion und Filmverleih wünschen sich jedoch eine unvoreingenommene Debatte, vor dem Hintergrund, dass es sich bei EINGEIMPFT um einen Film und ein Buch handelt, die ausschließlich die Entscheidungssuche EINER Familie zeigen, die sich in jahrelanger, grundlegender Recherche intensiv und verantwortungsbewusst mit dem Thema auseinandersetzt und für sich letztendlich eine individuelle Entscheidung trifft.“

Das heute-journal bringt ein kurzes Feature zum Filmstart

ZAPP vom NDR – „Kommen Experten der Impfbefürworter zu Wort, die es durchaus reichlich gibt, dann werden sie sofort mit Zweifeln konterkariert. Nach einem Interview im Paul-Ehrlich-Institut, das für die Zulassung und Kontrolle von Impfstoffen zuständig ist, heißt es in der nächsten Szene „Der Professor Doktor hat gut reden. Was meint er mit erkannten Nebenwirkungen in sehr raren Fällen?“

Sieveking bei Lanz – in Diskussion mit der Kinderarztkollegin Dr. Karella Easwaran

Die GWUP zur Premiere des Films in Köln – „Abgesehen von den stupiden Attacken des „Eingeimpft“-Produzenten (Natalie Grams werde von einem rein „publizistischen Interesse“ umgetrieben, erst hätte sie die Homöopathie „totgeredet“ und jetzt den Film, ihre Motivation sei somit ohnehin klar etc.pp.) erweckte Sieveking den Eindruck, zwar irritiert zu sein von der massiven Kritik – aber verstehen kann oder will er sie nicht.“

Kommentar von Sarah Weiss mit einem Artikel von SWR2-Wissen –  „Übrigens: Wer möchte, dass die eigene Position ernst genommen wird, sollte auch die der anderen ernst nehmen. Während des Masernausbruchs in Berlin gehen Vater und ungeimpfte Tochter zu einer Faschingsparty. Er: verkleidet im Seuchenanzug. Ist das witzig? Nein. Ein Hohn für die verantwortungsbewussten Eltern, die der Party zum Schutz ihres kleinen Babys ferngeblieben sind.“

„Eingeimpft“ im MedWatch-Check Teil 1: Wie fragwürdige Experten Stimmung gegen Impfungen machen – „Die Kritik, dass er diffuse Ängste bedient, sei in Ordnung, sagt Sieveking. „Aber ich glaube, in der Filmdramaturgie ist der Zuschauer schlau genug, das einzuordnen“, sagt er – es spiele „wirklich nur eine untergeordnete Rolle“.

„Eingeimpft“ im MedWatch-Check Teil 2: „Wenn ungeimpfte Kinder sterben, ist das Schicksal“ – wie Verleiher und Produzenten auf die Kritik reagieren.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte – „Der Film behandelt das Thema der individuellen Impfentscheidung in einer Familie und bedient sich der wissenschaftlichen Erkenntnisse nur anekdotisch, er stellt widersprüchliche Szenen und Meinungen – teilweise auch Fehlinformationen und wissenschaftlich widerlegte Hypothesen – nebeneinander, ohne diese einzuordnen. Zuschauerinnen und Zuschauer bleiben am Ende eher ratlos zurück.“

Eingeimpft.de – die offizielle Homepage zum Thema. „Schlimm finden wir, dass im Film aus dieser Angst heraus ein emotionaler Mythos rund um das medizinisch und sozial wichtige Thema Impfen entsteht. Die Entscheidung für oder gegen das Impfen ist aber keine Frage des Gefühls oder der Selbstbestimmung, der persönlichen Zufriedenheit oder des Auslebens einer falsch verstandenen Autonomie.“

to be continued…

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Susannchen – jawoll, Werbung!

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Dass ich Glaubuli und andere homöopathische Behandlung in der Praxis aktiv ablehne, dürfte sich mittlerweise rumgesprochen haben. Vermutlich verliere ich heuer auch wieder ein paar Leser, wenn das Thema erneut auf die Agenda kommt („Immer das Gleiche, ich will mal was anderes lesen, was? Homöopathie finde ich toll, etc.“).

Dabei habe ich bisher versäumt, auf Susannchen explizit einzugehen, auch wenn sie hie und da schon in den Artikeln auftauchte. Susannchen ist die „Familienseite des Informationsnetzwerkes Homöopathie“, welches sich zur Aufgabe gestellt hat, sachlich und zunächst wertfrei über Homöopathie aufzuklären. Wer die Erläuterungen objektiv liest und an sich heranlässt, dem öffnen die Beiträge genug die Augen. Fakten werden illustriert, nicht Meinungen breitgetreten.

flyer-titelSusannchen nun wird aktiver: Für uns Kinderärzte gibt es den Spitzenflyer, mit dem jede/r aktiv in der eigenen Praxis aufklären kann. Wir sollten nicht einfach danebenstehen, die Schultern zucken und die Eltern und Apotheker machen lassen (ganz zu schweigen von den Heilpraktikanten). Aktiv Postion beziehen, denn wir Kinder- und Jugendärzte sind die Experten für die Behandlung der Kids. Wünsche ich mir mehr öffentliche Position seitens unseres Berufsverbandes? Ja.

Den Schwung Flyer, den ich mir bestellt hatte, ist jedenfalls weggegangen wie geschnitten Brot. Hat mich sicher auch ein paar Familien gekostet, aber was soll´s: Bei Jameda ist man dann eben der Kinderarzt der Umgebung mit einer „4“ in „Alternative Heilverfahren“, auch wenn ich mich explizit nur gegen Glaubuli ausspreche. Phyto-, Ordnungs- und Klimatherapie und dergleichen mehr vermittelt der verantwortungsvolle Arzt automatisch ohne grosses Esoterikstudium.
Leider musste Susannchen den restlichen Shop aufgeben, in dem auch Poster, „Visitenkärtchen“ und Aufkleber zu bekommen waren, der DSVGO sei dank. Downloads incl. Memes gibt es aber weiter.

Dann gibt es Artikel zu lesen:
Impfungen
Pseudomedizin
Tiere und Homöopathie
… und natürlich ausreichendes zur Homöopathie allgemein.

Jetzt schnell nochmals eine Runde Flyer bestellen, am Montag beginnt nach dem Urlaub wieder die Arbeit, und es sind noch soviele über Glaubuli aufzuklären.

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Wie ich blogge

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Spontanes Schreiben

Wenn ich blogge, geschieht das in Zweidrittel der Fälle sehr spontan, bedeutet, ich habe irgendeine Idee, die ich dann sofort an diesem Tag umsetzen muss, das lohnt keinen Aufschub. Das können Stories aus der Praxis sein, oder irgendwelche Nachrichten, Aufreger von zwischendurch oder Themen, die mir schon lange durch den Kopf geistern, aber gerade hier-und-jetzt ist eben die Gelegenheit zu sitzen und diese loszuwerden.

Das schreibe ich dann relativ zügig runter, meist innerhalb von zwanzig oder dreißig Minuten, von vorne nach hinten, ohne große Struktur, die kommt erst mit dem Abhängen des Textes. Fehler korrigiere ich ganz am Ende, nichts soll erstmal den Schreibfluss stören. Klar gibt es zwischenrein Hänger, in denen der Gedankenfluss abreisst, weil die Katze um die Ecke kommt, oder die Mittagspause zuende ist oder der Hunger ruft. Danach redigiere ich kurz und knapp und hoffe, dass mir beim Redigieren ein neuer Faden den Weg weist.

Geplantes Schreiben

checklist-2470549_960_720Dann gibt es geplante Posts, die habe ich bei WordPresstm als Entwürfe abgelegt. Leider funktioniert das nur leidlich gut. Ähnlich wie bei Internetartikeln, die ich in mein Pockettm schiebe, vergesse ich diese meist. So listet WordPress mir aktuell 17 Entwürfe, die ich noch schreiben sollte, aber die dort abliegen werden bis zum Sanktnimmerleinstag. Also kein guter Weg.

Ich führe ein Bullet Journal (so ich es nicht mal wieder irgendwo liegen lasse), da kommen spontane Ideen rein. Ich habe zwei Listen, eine für das Blog, eine für die Kolumne im Berliner Tagesspiegel, die ich ja einmal im Monat bedienen darf. Das funktioniert besser als das elektronische Listen, vielleicht, weil ich eben kein Digital Native bin, sondern analog gross wurde.
Bloggen respektive Schreiben ist Arbeit, und Arbeit muss auch mal getan werden, denn ich möchte die Leser bei der Stange halten, also krame ich in den Listen, picke mir ein Thema heraus und beginne die Arbeit.

Diese Artikel outline ich klassisch: Am Anfang steht ein Brainstorming, oder eine Mindmap, je nachdem, was das Thema hergibt. Manchmal ist dies für eine Mindmap zu begrenzt. Jedenfalls entsteht irgendeine Ideenwolke oder -liste, die ich dann in Struktur bringe, damit das Thema sinnvoll verarbeitet wird. Bei der TSP-Kolumne kommt es ja darauf an, in einem vorgegebenen Rahmen (3600 Zeichen) das Thema destilliert anzubieten, auch ein Blogartikel über 1000 Wörter findet keine Leser mehr. Die Redakteurin greift zwar redigierend eindampfend unter die Arme, aber ich möchte vorneweg nicht nur Müll abliefern. Die Arbeit der Redaktion bleibt bewundernswert: Wie mein ausschweifendes Geschwafel am Ende auf die wichtigsten Thesen zusammengestrichen wird, das unterscheidet uns Blogger eben doch von Journalisten, die das Handwerk beherrschen.

Für die Kolumnen im Sonntags-Tagesspiegel benutze ich außerdem Scrivenertm, ein Programm für Schreiber, die gerne mehr Struktur in ihre Arbeit bringen möchten. Dort kannst Du Kapitel anlegen, Unterkapitel, Szenen eines Buches, was Du möchtest und diese dann auf einer „Korkwand“ hin und herschieben,um eine neuen Ablauf zu erzeugen. Ich pinne Ideen für die Kolumne an und plane für die nächsten Monate, damit ich ohne Redundanz einen Überblick über die Themen behalten. Vorgaben durch die Zeitung gibt es übrigens für die Kolumnen nicht, außer natürlich, dass es sich bei den Themen um Kinderärztliches und Medizinisches handeln sollte.

Abhängen

think-622689_960_720Egal, wlechen Weg ich wähle, ob es das Runterschreiben, Outlinen und Strukturieren ist, jeder Artikel liegt dann zwei Tage, ich nenne das „Abhängen“. Manchmal bin ich bereits im nächsten Thema (meist nicht). Ich lese das Posting nochmals durch, finde diese oder jene Rechstschreibfehler, unter Umständen ist tatsächlich das Thema schon so langweilig, dass es komplett im Orkus verschwindet. Ok, eher selten.

Schließlich ist das Posting geschrieben, jetzt finde ich noch ein passendes Bild dazu, dabei nutze ich die Erweiterte Bildersuche von Google, die lizenzfreie Bilder findet, das wird hochgeladen und mit einem Copyright versehen (auch wenn man das bei lizenzfreien nicht zwingend muss, so verirrt sich vielleicht ein neugieriger Leser bei einem hübschen Foto auf die Seite des Künstlers). Schnell noch ein paar „Kategorien“ und „Tags“ finden für den Blogpost, teilen via Twitter und Facebook (macht die WordPress-App alleine) und „Veröffentlichen“ drücken. Ganz selten ist der Post terminiert, wenn ich mal im Urlaub bin, oder zuviele Artikel in zu hoher Frequenz kommen (was ja gerade nicht so der Fall ist ;-)… und raus damit!

Wiederkehrer

Ideen sprudeln nicht ständig, das gelingt niemandem beim Bloggen, trotzdem ist eine gewisse Kontinuität im Output wichtig, deshalb ist es legitim, wiederkehrende Themen oder Artikelserien zu verwenden. Bei Pharmamatm sind es z.B. die „Apotheken dieser Welt“, bei mir finden sich
Pressemitteilungen unseres Berufsverbandes (mal als standalone, mal kommentiert)
– Artikelreihen wie „Die Vorsorgeuntersuchungen“ oder „Impfungen“
– Recycelte Posts aus früheren Jahren, die ich für zu wichtig halte, um sie im Nirvana des Blogs verschwinden zu lassen

Wen es interessiert: Ich schreibe in aller Regel auf meinem alten „Acer Aspire 1810TZ“ Notebook, seltener auf dem iPad Air, da komme ich mit der Tastatur nicht so zurecht, das passende Bluetooth Keyboard hat einen grottenschlechten Druckpunkt, und die Tasten liegen zu eng. Auf dem Acer habe ich alles, was ich brauche, Browser, Scrivener-App, Word für die gaaanz langen Texte. Das iPad lenkt außerdem zu sehr ab – zuviele Prokrastinationsfallen. Ein oder zwei Artikel habe ich tatsächlich auf dem iPhone rausgehauen, das ist aber wirklich mühsam. Für Twittertm reicht es aber.

Ich liebe das: tm.

Warum ich blogge.

(c) Bild bei pixabay/Free-Photos
(c) Bilder bei pixabay/geralt
(alle unter CC0-Lizenz)

Lesepotpourri April – Juli

Die Abstände werden größer, in denen ich meine Lektüren der letzten Monate präsentiere. So what, schließlich ist das ein Kinderarztblog und das „me“ im Titel muss eben manchmal zurücktreten. Problematisch ist nur, dass ich manchmal im Rückblick nicht mehr weiß, was ich alles gelesen habe. Mal sehen:

Das Genie von Klaus Cäsar Zehrer
Das war eine Empfehlung aus Euren Reihen, vielen Dank, ich habe die Lektüre sehr genossen. Es geht um ein Kindergenie, ein Mathematik- und Überhaupt-Genie, William James Sidis, dessen Vater ihn mittels zweifelhafter Erziehungsmethoden zu einem Genie formte. Die Theorie: Jeder Mensch kann zu einem Genie werden, wenn er nur frühzeitig entsprechend gefördert, sprich: gedrillt, wird. Es kommt, wie es kommen muss. William rebelliert, William wird anders, als seine Eltern es sich wünschen. Wird er glücklich? Spät. (4/5)

Bis an die Grenze von Dave Eggers (Übersetzung von Ulrike Wasel und Klaus Zimmermann
Dave Eggers Stil ist schon mein Ding, ich mag die Flüssigkeit und Poesie seiner Bücher und auch den Bezug zu wichtigen Dingen der heutigen Zeit, „The Circle“ halte ich für eine Offenbarung der Zukunft. Aber das vorliegende Buch war nicht meines, vielleicht hat mich das Sujet (reisende alleinerziehende Frau mit Kindern) nicht gepackt, jedenfalls war der Spannungsbogen der ersten Kapitel so schwach gezogen, dass ich es abgebrochen habe. (1/5)

Niemals von Andreas Pflüger
Schnappatmung beim zweiten Thriller rund um die blinde Topagentin/polizistin Jenny Aaron, nach „Endgültig“, der auch schon sensationell war. Der Stil ist beeindruckend, die Stimmung der Sicht der Blinden erdrückend, die Fähigkeiten von Aaron bewundernswert. Ihr nimmt man das Supergirl sofort ab, gönnt es ihr in allen Facetten, und ergötzt sich an der Schnoddrigkeit ihrer Kollegen der Polizei. Hoffentlich kommen da noch mehr Thriller hinterher. Man darf das hier verraten: Es könnte einen Weg für Aaron aus der Blindheit geben, das ist logisch im Plot, logisch für die Entwicklung, aber sicher das Ende dieser Reihe. Ich warte auf den nächsten Band. (5/5)

Die Geschichte der Bienen von Maja Lunde (Übersetzt von Ursel Allenstein)
Ich tue mich immer schwer mit „Das musst Du lesen“. Wieder so ein Buch, an dem ich gescheitert bin, weil es mir so dringend empfohlen wurde. Klar, das Thema ist wichtig: Das Sterben der Bienen. Geschenkt. Der passende Ökothriller zur Zeit. Vielleicht bin ich mit den drei Erzählsträngen nicht zurecht gekommen, das war mir zuviel „Cloud Atlas“, vor allem wenn es in die Zukunft geht (wobei, das noch die spannendste, weil traurigste der drei Erzählungen war). Es war mir zu anstrengend, mich jedesmal wieder in den Stil der jeweiligen Zeit einzudenken, so etwas kann ich nicht während Zeiten, wo ich arbeite. Vielleicht mal im Urlaub. Hier und jetzt: abgebrochen. (2/5)

Der Trost von Fremden von Ian McEwan (Übersetzt von Michael Walter)
Erwähnte ich, dass ich bekennender McEwan-Fan bin? Er ist mein bay, gleich nach John Irving, aber mit mehr Konstanz und mehr für mich noch zu entdecken. „Der Trost von Fremden“ ist ein älteres Buch, dass ich im Antiquariat gefunden habe, schön knapp und schnell zu lesen, aber wie immer bei McEwan dankbar. Der Roman liest sich wie eine Skizze anderer Romane von ihm, es finden sich schon die klassischen Ideen der zerrütteten Beziehungen und der Einflussnahme von Außen auf das glückliche Paar. Hier besonders verstörend, am Ende sogar dramatisch. So distilliert schreiben können, mit soviel Beobachtungskraft und Witz, toll. Schade, dass ich mit meinem Englisch stets an McEwan scheitere, das muss noch cooler sein. (5/5)

Ready Player One von Ernest Cline (Übersetzt von Sarah und Hannes Riffel)
Ein schönes Buch für den Urlaub: Gut abgehangen, schnell zum Blättern und Lesen, also pageturnen, nett erzählt, auch packend. So habe ich das mal ganz gerne. Hinterlässt jetzt keine Lösung der Weltprobleme oder einen Hangover, ist dafür aber gespickt mit Bezügen auf die Achtziger und die Welt des Gameplays. Letzteres ist nicht so meins, deshalb gehen mir wahrscheinlich ein oder zwei Witze flöten, dafür genoss ich die Songs aus den Achtzigern. Eine passende Spotify-Playlist gibt es auch. Den Film habe ich noch nicht gesehen. Soll ja ein Kultbuch sein. Nunja. as mir auf den Keks ging, war die gönnerhafte Hochnäsigkeit des Protagonisten, da hätte dem Plot einen heftigeren Downfall vor der Auflösung gut getan. (4/5)

Hologrammatica von Tom Hillenbrand (Hörbuch, gelesen von Oliver Siebeck)
Ein Zufallsfund auf Spotify, ein Science Fiction zum Fingerlecken. Die Story des Questors Galahad Singh, wie er in der Zukunft eine Person wiederfinden muß, denn das ist sein Job. Es geht um neue Identitäten, vertauschte Körper, Gefäße und Klone, dass die Welt anders aussieht, als wie sie von außen, überlagert von der Hologrammatica, wirkt. Sehr spannend und konsequent technologisch in die Zukunft gedacht, viel härter und kompromissloser als „Qualityland“, dem Spass-SF der heutigen Zeit. Ich habe das Gefühl, hier gibt es eine Fortsetzung.
Hörbuch perfekt eingelesen von Mr. Hörbuch Siebeck. (5/5)

Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens von Ulli Lust
Eine autobiographische Graphic Novel der Ulli Lust, wie sie als junge Punkerin von Wien über die Alpen bis nach Sizilien reist, ihre kleine, zu große Welt entdeckt, erste Erfahrungen mit anderen Menschen und den Männern macht, ersten Sex und Vergewaltigungen erlebt. Der Leser träumt mit ihr naiv durch Italien und wird brutal zu Boden gezogen dank verzweifelter und trauriger Linienführung. Auch wenn stets der letzte Tag vom Rest deines Lebens ist, so haben wir immer Angst, dass dies überhaupt der letzte Tag ist. (5/5)

Schattenspringer: Per Anhalter durch die Pubertät von Daniela Schreiter
Ich hatte das Glück, Fuchskind auf der ComicCon 2018 in Stuttgart zu treffen, habe mir nicht nehmen lassen, den zweiten Band der Schattenspringer-Reihe signiert zu bekommen, und, was bleibt? Am nächsten Tag hatte ich das Buch schon durch. So toll. So schön. So lustig. So lehrreich. Es wäre großspurig zu behaupten, dass ich Autisten kenne, aber in meinem Beruf sehe ich vielleicht die ersten Entwicklungen. Für Eltern können die Schattenspringerbücher eine Hilfe sein, ihre Kinder so zu nehmen, so toll sie eben sind. Für Autisten selbst sind die Bücher sowieso eine Bereicherung. In Band 3 kommen von Daniela interviewte Autisten zu Wort. Sehr gespannt darauf. (5/5)

Saga 4-5 von von Brian K Vaughan und Fiona Staples
Es geht weiter in der Comic-Saga um den Gehörnten und die Beflügelte, die in ihrer Romeo-und-Julia-Beziehung durch die Galaxien dieser Welt flüchten. Nun auch noch mit Kind. Bombastisch. (5/5)

 

 

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Soja? So: No.

Säuglingsnahrung aus Sojamilch nicht empfehlenswert

Kinder- und Jugendärzte raten davon ab, Formulanahrung auf Sojabasis zu verwenden, wenn keine Notwendigkeit dafür besteht.

„Zum einen ist der Nährstoff- und Energiegehalt wesentlich geringer als in Mutter- oder Kuhmilch und zum anderen enthält Soja hormonähnlich wirkende Isoflavone, deren langfristige Wirkungen noch nicht geklärt sind. Sojanahrung sollte deshalb nur unter ärztlicher Aufsicht gegeben werden“, erklärt Prof. Dr. Hans-Jürgen Nentwich, Kinder- und Jugendarzt sowie Mitglied des wissenschaftlichen Beirats beim Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) mit jahrelanger Klinikerfahrung. Die im Soja enthaltenen Isoflavone Genistein und Daidzein haben eine ähnliche Struktur wie das weibliche Hormon Estrogen. Zudem kann Sojanahrung auch die Aufnahme von Mineralstoffen und Spurenelementen beeinflussen.

Amerikanische Forscher haben bei weiblichen Babys, die mit Soja ernährt wurden, Veränderungen in der Entwicklung der Gebärmutter und des Scheidengewebes beobachtet und bei männlichen Babys eine veränderte Entwicklung der Brustknospung. Bei Tieren wirkte sich Soja auf die Fruchtbarkeit aus. „Nur seltene Fälle von angeborenem vererbten Laktasemangel und die Stoffwechselstörung Galaktosämie können das Ausweichen auf eine Ernährung auf Sojabasis erforderlich machen. Eine Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz) ist in der Regel kein Grund, auf Säuglingsnahrung aus Soja auszuweichen. Auch Magen-Darm-Beschwerden sollten kein Anlass für Eltern sein, eigenständig auf Soja umzusteigen“, warnt Professor Nentwich.

Quelle: JCME, CHOP News, Springermedizin.de, BfR


Dies ist eine Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V.

The first cut is the deepest – über Platzwunden

Das Kind ist gestürzt und hat eine Platzwunde, und nun? Muss das nun versorgt werden oder nicht? Macht das eigentlich der/die Kinder- und Jugendarzt/ärztin oder gehen die Eltern damit ins Krankenhaus? ChirurgInnen machen doch sowas, oder? Hier ein paar Tipps zur Vorgehensweise:

Wo ist es passiert?
War der Unfall in der Freizeit, kann rein versicherungstechnisch die Versorgung von jedem Arzt erfolgen. War es jedoch ein Unfall im Kindergarten oder der Schule (einschließlich der Wege dahin oder daher), dürfen nur ÄrztInnen, die eine berufsgenossenschaftliche Zulassung haben, die Erstversorgung übernehmen. Dies sind in aller Regel alle niedergelassenen ChirurgInnen oder AmbulanzInnen, aber auch manch normaler Kinderarzt, d.h. er/sie kann eine Versorgung bis zu einer Woche übernehmen.

Wie groß ist die Wunde?
Es gibt keine gute Zentimetergrenze, ab wann eine Platzwunde beim Chirurgen versorgt werden muß, d.h. genäht werden muss (natürlich gibt es auch viele kinderärztliche KollegInnen, die mit Nadel und Faden hantieren, aber es wird die Ausnahme sein – außerdem, hüstel, wer hat wohl mehr Routine?). Ich lernte mal, zwei Zentimeter seien eine gute Grenze, aber ich habe auch schon größere Wunden kleben können und kleinere zum Chirurgen geschickt, die trotz primärer Wundstillung weiter geblutet haben.

Was „macht“ die Wunde?
Ist die Haut geöffnet/geplatzt und blutet, so sollte der Ersthelfer, also Ihr, liebe Eltern, versuchen, die Wunde zu stillen. Dazu nimmt man ein sauberes Tuch (aus dem Erste-Hilfe-Koffer), es tut auch ein Papiertaschentuch (unbenutzt), oder wie im Film das in Streifen gerissene weisse Hemd des Vaters. Es reicht völlig, die Wunde damit abzudecken und leicht anzudrücken. Bitte nicht wischen oder ständig darunter schauen, damit entfernt man die ersten Blutplättchen und Gerinnungsflüssigkeiten, die versuchen, die Wunde selbst zu schließen – es dauert länger.
Blutet es trotz Erstmaßnahmen weiter, ab zum Arzt. Blutet es auch bei uns in der Praxis weiter trotz sachgemäßer Kompression, muss eine Naht gesetzt werden, feuchte Wunden werden nicht geklebt.

Wie versorgen wir die Wunde?
– Säuberung von groben Schmutz, mit viel sterilem Wasser oder Kochsalzlösung
– Desinfektion mit z.B. Octe.ni.sept (jetzt kann es wieder bluten, also nochmal warten)
– Kleben der Wundränder mit so genanntem Gewebekleber
– Eventuell zusätzlich oder ausschließlich mit Klammerpflaster adaptieren
– Bedecken der Wunde mit einem sauberen Wundpflaster (kann man am Kopf, in den Haaren, auch weglassen)

Was macht der/die Chirurgin?
Das gleiche wie oben, wenn er/sie die Wunde für klebbar hält, ansonsten
Betäubung der Wundränder mit einem Lokalanästhetikum (mit einer entsprechenden Salbe oder ja, einer Spritze) und
Vernähung der Wunde mit 1 bis x Einzelknopfnähten

Wie geht´s dann weiter?
Alle Kinder mit Platzwunden, die extern versorgt werden, sehen wir noch einmal. Das hat wohl versicherungstechnische Gründe, die Notfallmediziner kennen die Eltern wenig, also ist Kontrolle besser. Ich selbst bitte die Eltern um tägliches Wechseln des oberen Wundpflasters (da geben wir etwas mit) und um Vorstellung
– wenn die Wunde sich darunter stark rötet oder
– wenn die Wundränder sehr verschwellen oder
– wenn die Haut „spannt“ oder Schmerzen bereitet oder
– wenn Eiter zu sehen ist
Bei letztem kommt es zu häufig falschem Alarm, weil manch eine Wunde sehr stark sezerniert, d.h. Fibrin absondert, was mal weißlich aussieht und mit Eiter verwechselt wird.

Und sonst?
Überprüfung des Tetanusschutzes (es sollten mindestens drei Tetanusimpfung stattgefunden haben und die letzte nicht länger als zehn Jahre zurückliegen)! Wenn geimpft werden muss, liebe ChirurgInnen, impft bitte einen Kombinationsimpfstoff mit Keuchhusten und Diphtherie. Bitte. Danke.
Bei Kopfwunden gehört stets eine Aufklärung über eine mögliche Gehirnerschütterung dazu.

Und am Ende?
Platzwunden heilen in aller Regel nach einer Woche komplett aus, d.h. dann können die Fäden oder die Klammerpflaster entfernt werden. Ein zu frühes Entfernen kann dazu führen, dass die Wundränder sich wieder öffnen, ein zu spätes (> 14 Tage, ja, das gibts auch) fördert wohl die Narbenbildung. An stark beanspruchtem Gewebe (Gelenke) wird auch zehn Tage bis zum Fadenzug gewartet, das entscheidet der/die ChirurgIn.
Klammerpflaster dürfen die Eltern mit viel Wasser und ein wenig Abknibbeln selbst entfernen, wenn sich die Steristrips nicht schon selbst ablösen.
Fäden ziehen wir in der Praxis natürlich ohne Betäubung, was kleine Kinder oft nicht verstehen, sie denken, das Entfernen tut so weh wie das Nähen. Mit viel gutem Zureden und Ablenkung durch die fMFA gelingt aber auch das.

Ein No-Go?
Ja. Wunden, die genäht werden müssen, müssen genäht werden. Und nicht geklebt. Gar nicht geklebt. Es macht keinen Spaß, auch nicht dem Patienten, wenn Fäden entfernt werden müsse, die zusätzlich mit Kleber verbabbt wurden. Auf dass es für die Ewigkeit halte.

(c) Bild bei Flickr/Lars Plougmann (CC Lizenz CC BY-SA 2.0)

One more thing

hooikoorts / hayfever

Der junge Mann leidet. Die Augen jucken, die Nase läuft, rot sind die Hautstellen unter beidem (medizinisch: periorbital und nasolabial). Der Heuschnupfen hat zugeschlagen, dieses Jahr die dritte Saison in Folge, damit erfüllt er alle Kriterien der chronischen Erkrankung. Die letzten zwei Jahre habe sie sich wohl so durchgerettet, jetzt soll der Arzt Abhilfe schaffen.

Ich untersuche ihn, mache mir ein Bild, finde keine Lungenbeteiligung (Asthma im dritten Jahr wäre richtig Sch…), die Mutter berichtet von der familiären Belastung mit Allergien (es ist immer der Vater, immer der Vater). Ich hole aus, berate zu begleitenden Maßnahmen wie Fenstergeschlossenhalten in der Nacht, Auswaschen der Haare, Kleidung in die Wäsche und dergleichen und spreche über die Akuttherapie. Augentropfen, Nasentropfen, wahlweise -spray, zunächst ein einfaches Antiallergikum, man muss sich auch steigern können. Ich verweise auf die Regelmäßigkeit und Konsequenz der Behandlung, auf das vorbeugende Prinzip: Nicht warten, bis die Allergie je Tag explodiert, sondern morgens gleich Prophylaxe betreiben, wenn die Wetter-App Sonnenschein verkündet.

Rezepte werden verteilt, ein Pollenflugkalender, die Bitte, sich nach der Saison wieder zusammen zu setzen, um eine mögliche Behandlung, eine Hyposensibilisierung, eine „Allergieimpfung“ zu besprechen. Und sich ja zu melden, wenn der „Etagenwechsel“ einsetzt, mehr Husten, Atemnot, Kurzatmigkeit, die Lunge beteiligt ist.

Soweit, so gut.

Merke: Die Behandlung ist erst beendet, wenn der Patient die Praxis verlässt. In der Arztpraxis kommt die entscheidende Frage stets beim Verabschieden, wenn die Klinke schon in der Hand liegt, die berühmte Columbo-Frage: „One more thing. Eine Frage noch.“
Und so auch hier: Wir verabschieden uns schon, Hände werden geschüttelt, da bleibt die Mutter in der Tür stehen. „Eine letzte Frage noch, Herr kinderdok. Ich dachte“, sagt die Mama, „wir versuchen es doch erst einmal mit … Globuli. Ist das ok?“

Keine Ahnung, ob meine Stimmung heute nicht die passende war, ob meine Empathie beim Patienten davor aufgebraucht wurde, ob mir der Junge einfach nur leid tat, jedenfalls:
„Denken Sie wirklich, dass Sie Ihren Sohn in diesem Jahr wirklich mit Zucker behandeln möchten? Wenn Sie ihn jetzt ansehen, wie die Nase läuft, die Augen jucken? Sie haben erzählt, Sie mussten ihn letzte Woche zweimal aus der Schule abholen und beim Fussballturnier am Wochenende habe er auch das Spiel abgebrochen. Ganz ehrlich: Die Verschleppung einer Behandlung, die jede Leitlinie empfiehlt und in jedem seriösen Lehrbuch nachzulesen ist, wäre ein Kunstfehler und eine unnötige Gesundheitsgefährdung.
Nein, Frau Hansen, ich denke, Globuli sind nicht ok!“

 

(c) Bild bei flickr/Marko Raaphorst (CC Lizenz BY 2.0)

Siehe auch: Susannchen

Zecken und viel Panik

grass-1750593_960_720Hurra, die Sonne scheint, und wieder kriechen auf allen Apotheken-Schaufenstern die Zecken in Großformat oder elektronenmikroskopisch verstärkt. Manche Arztpraxen hängen die Werbeplakate der Impfstoffhersteller raus, schön mit knallrot eingefärbten Risikogebieten (inzwischen haben wir die Mainlinie von Süden her überschritten), so dass man denken möchte, die Invasion kommt aus dem Osten und dem Süden.

Wir haben in der Praxis auch schon etliche der Viecher entfernt, vor allem aus Ängstlichkeit der Eltern, weniger aus Unvermögen – es wird ja nicht einmal versucht. Dabei kannst Du gar nicht viel falsch machen:

Benutze eine Zeckenzange. Oder Schlinge. Oder Pinzette. Oder die Fingernägel. Ist doch völlig egal, Hauptsache, Du benutzt so etwas, denn dann entsteht Übung. Wer eine Katze oder einen Hund hat, durfte sicher bereits in die Verlegenheit kommen, aber die Entfernung da ist oft einfach, da die Viecher bereits größer voll gesaugter sind. Beim Kind sind sie klein, Du siehst sie schlechter, aber sollst sie früher entfernen, denn jede Sekunde Minute Stunde Tageszeit zählt.
Man setze das Entferninstrument knapp an der Haut an, lieber tiefer als zu hoch und entferne den Holzbock in sanften! Hin- und Herbewegungen. Ein Drehen ist nicht nötig, schon gar nicht 360 Grad nach rechts oder links, Zecken haben kein Gewinde. Bleibt ein Rest stehen – egal. Probier noch etwas, wenn der Patient es zulässt und lass es dann. Meist reißt das Hypostom (der Rüssel) der Zecke ab, dies ist aber kein großes Risiko für eine Infektion.

Nein, Du musst nicht deswegen zum Arzt.
Nein, die Zecke muss nicht untersucht werden.
Ja, Desinfizieren ist ok.
Ja, auch Markieren ist ok (siehe unten).

Zecken übertragen Krankheiten, keine Frage. Deshalb sollen sie ja auch raus. Aber Panikmache ist hier nicht wirklich angesagt.

Das Robert-Koch-Institut beschäftigte sich 2012 sehr ausführlich mit der Problematik der FSME, also der Frühsommer-Meningoenzephalitis, die durch einen Virus übertragen wird. Kommt es zu einer Infektion, also einer Übertragung des Virus auf den Menschen, zeigen nur 10-30% irgendwelche Symptome, alle anderen bleiben asymptomatisch. Man erkrankt grippeähnlich, mit zwei Krankheitsverläufen, mitunter mit schweren Folgeerkrankungen. Daher ist die FSME keine leichte Erkrankung, und wir nehmen sie in der Zeckenzeit als Differentialdiagnostik sehr ernst, auch wenn wir sie nicht kausal behandeln können, da viral.

Selten bleibt die Erkrankung trotzdem – man geht im Landesschnitt von 1,3 Erkrankte auf 100.000 Personen (pro 5 Jahre) aus (mit starken Schwankungen, von 0 Erkrankten in meist städtischen Regionen bis 30 Erkrankten im ländlichen Raum). Zum Vergleich: Die Inzidenz von Masern lag 2017 bei 0,9 Erkrankten auf 100.000 Einwohner (pro Jahr und nicht pro 5 Jahres-Intervall).
Ein Krankheitshäufung findet sich im mittleren Lebensalter, wohl vor allem bei den Spaziergängern und Freizeitsportlern. Kinder erkranken seltener (oder werden hier die Zecken schneller gefunden?), ebenso wie Senioren (vielleicht wälzen die sich auch weniger im Gras).
Ich erinnere in fünfzehn Jahren Niederlassung lediglich ein Kind mit FSME (typischen Symptomen und nachgewiesenem Titeranstieg im Blut).

Dann ist da noch die Borreliose, die deutlich häufiger ist – man rechnet jährlich mit über 200 Erkrankten auf 100.000, mit deutlichen Jahresschwankungen. Zudem ist die Borreliose im gesamten Bundesgebiet verbreitet und kann sogar in Städten auftreten. Vorteil dieser Erkrankung: Sie ist bakteriell und kann mit Antibiotika recht gut behandelt werden. Das Hauptsymptom ist die Wanderröte, zumindest bei Kindern, auch wenn es Fälle gibt, die diese Hauterscheinung nicht zeigen.
Ich möchte nicht auf die Diskussion rund um chronischen Borreliosen eingehen, die in Fachkreisen hoch umstritten sind und eng verknüpft mit Pharmainteressen und auch Verschwörungstheorien. Nichtsdestotrotz gibt es Spätsymptome wie Gelenkentzündungen, die unbedingt auch an eine Borreliose denken lassen müssen.

Eine Panik rund um die possierlichen Tierchen ist aus kinderärztlicher Sicht nicht gerechtfertigt, dennoch empfehle ich in meiner Praxis die FMSE-Impfung. Ich denke, wenn Du einer Erkrankung vorbeugen kannst mit einer gut verträglichen Impfung, so solltest Du das tun. Ich berate zudem ausführlich über Symptome der beiden Erkrankungen, wenn es zu einem Zeckenstich gekommen ist, Grippesymptome treten natürlich auch ohne Zecke nicht selten auf, da braucht es mitunter differentialdiagnostisches Geschick. Die Wanderröte sollte beachtet werden, deswegen auch einen Zeckenstich markieren oder wenigstens sich die Stelle gut merken.

Zum Abschluß… noch ein Bild, weil´s ja alle machen:

Deer Tick - Ixodes scapularis

Anekdoten:
Hilfe! Zecke!
Notdienstzecke
Notdienstzecke 2

(c) Bild bei pixabay/yucki97 (CC0 Lizenz)

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