Wie ich blogge

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Spontanes Schreiben

Wenn ich blogge, geschieht das in Zweidrittel der Fälle sehr spontan, bedeutet, ich habe irgendeine Idee, die ich dann sofort an diesem Tag umsetzen muss, das lohnt keinen Aufschub. Das können Stories aus der Praxis sein, oder irgendwelche Nachrichten, Aufreger von zwischendurch oder Themen, die mir schon lange durch den Kopf geistern, aber gerade hier-und-jetzt ist eben die Gelegenheit zu sitzen und diese loszuwerden.

Das schreibe ich dann relativ zügig runter, meist innerhalb von zwanzig oder dreißig Minuten, von vorne nach hinten, ohne große Struktur, die kommt erst mit dem Abhängen des Textes. Fehler korrigiere ich ganz am Ende, nichts soll erstmal den Schreibfluss stören. Klar gibt es zwischenrein Hänger, in denen der Gedankenfluss abreisst, weil die Katze um die Ecke kommt, oder die Mittagspause zuende ist oder der Hunger ruft. Danach redigiere ich kurz und knapp und hoffe, dass mir beim Redigieren ein neuer Faden den Weg weist.

Geplantes Schreiben

checklist-2470549_960_720Dann gibt es geplante Posts, die habe ich bei WordPresstm als Entwürfe abgelegt. Leider funktioniert das nur leidlich gut. Ähnlich wie bei Internetartikeln, die ich in mein Pockettm schiebe, vergesse ich diese meist. So listet WordPress mir aktuell 17 Entwürfe, die ich noch schreiben sollte, aber die dort abliegen werden bis zum Sanktnimmerleinstag. Also kein guter Weg.

Ich führe ein Bullet Journal (so ich es nicht mal wieder irgendwo liegen lasse), da kommen spontane Ideen rein. Ich habe zwei Listen, eine für das Blog, eine für die Kolumne im Berliner Tagesspiegel, die ich ja einmal im Monat bedienen darf. Das funktioniert besser als das elektronische Listen, vielleicht, weil ich eben kein Digital Native bin, sondern analog gross wurde.
Bloggen respektive Schreiben ist Arbeit, und Arbeit muss auch mal getan werden, denn ich möchte die Leser bei der Stange halten, also krame ich in den Listen, picke mir ein Thema heraus und beginne die Arbeit.

Diese Artikel outline ich klassisch: Am Anfang steht ein Brainstorming, oder eine Mindmap, je nachdem, was das Thema hergibt. Manchmal ist dies für eine Mindmap zu begrenzt. Jedenfalls entsteht irgendeine Ideenwolke oder -liste, die ich dann in Struktur bringe, damit das Thema sinnvoll verarbeitet wird. Bei der TSP-Kolumne kommt es ja darauf an, in einem vorgegebenen Rahmen (3600 Zeichen) das Thema destilliert anzubieten, auch ein Blogartikel über 1000 Wörter findet keine Leser mehr. Die Redakteurin greift zwar redigierend eindampfend unter die Arme, aber ich möchte vorneweg nicht nur Müll abliefern. Die Arbeit der Redaktion bleibt bewundernswert: Wie mein ausschweifendes Geschwafel am Ende auf die wichtigsten Thesen zusammengestrichen wird, das unterscheidet uns Blogger eben doch von Journalisten, die das Handwerk beherrschen.

Für die Kolumnen im Sonntags-Tagesspiegel benutze ich außerdem Scrivenertm, ein Programm für Schreiber, die gerne mehr Struktur in ihre Arbeit bringen möchten. Dort kannst Du Kapitel anlegen, Unterkapitel, Szenen eines Buches, was Du möchtest und diese dann auf einer „Korkwand“ hin und herschieben,um eine neuen Ablauf zu erzeugen. Ich pinne Ideen für die Kolumne an und plane für die nächsten Monate, damit ich ohne Redundanz einen Überblick über die Themen behalten. Vorgaben durch die Zeitung gibt es übrigens für die Kolumnen nicht, außer natürlich, dass es sich bei den Themen um Kinderärztliches und Medizinisches handeln sollte.

Abhängen

think-622689_960_720Egal, wlechen Weg ich wähle, ob es das Runterschreiben, Outlinen und Strukturieren ist, jeder Artikel liegt dann zwei Tage, ich nenne das „Abhängen“. Manchmal bin ich bereits im nächsten Thema (meist nicht). Ich lese das Posting nochmals durch, finde diese oder jene Rechstschreibfehler, unter Umständen ist tatsächlich das Thema schon so langweilig, dass es komplett im Orkus verschwindet. Ok, eher selten.

Schließlich ist das Posting geschrieben, jetzt finde ich noch ein passendes Bild dazu, dabei nutze ich die Erweiterte Bildersuche von Google, die lizenzfreie Bilder findet, das wird hochgeladen und mit einem Copyright versehen (auch wenn man das bei lizenzfreien nicht zwingend muss, so verirrt sich vielleicht ein neugieriger Leser bei einem hübschen Foto auf die Seite des Künstlers). Schnell noch ein paar „Kategorien“ und „Tags“ finden für den Blogpost, teilen via Twitter und Facebook (macht die WordPress-App alleine) und „Veröffentlichen“ drücken. Ganz selten ist der Post terminiert, wenn ich mal im Urlaub bin, oder zuviele Artikel in zu hoher Frequenz kommen (was ja gerade nicht so der Fall ist ;-)… und raus damit!

Wiederkehrer

Ideen sprudeln nicht ständig, das gelingt niemandem beim Bloggen, trotzdem ist eine gewisse Kontinuität im Output wichtig, deshalb ist es legitim, wiederkehrende Themen oder Artikelserien zu verwenden. Bei Pharmamatm sind es z.B. die „Apotheken dieser Welt“, bei mir finden sich
Pressemitteilungen unseres Berufsverbandes (mal als standalone, mal kommentiert)
– Artikelreihen wie „Die Vorsorgeuntersuchungen“ oder „Impfungen“
– Recycelte Posts aus früheren Jahren, die ich für zu wichtig halte, um sie im Nirvana des Blogs verschwinden zu lassen

Wen es interessiert: Ich schreibe in aller Regel auf meinem alten „Acer Aspire 1810TZ“ Notebook, seltener auf dem iPad Air, da komme ich mit der Tastatur nicht so zurecht, das passende Bluetooth Keyboard hat einen grottenschlechten Druckpunkt, und die Tasten liegen zu eng. Auf dem Acer habe ich alles, was ich brauche, Browser, Scrivener-App, Word für die gaaanz langen Texte. Das iPad lenkt außerdem zu sehr ab – zuviele Prokrastinationsfallen. Ein oder zwei Artikel habe ich tatsächlich auf dem iPhone rausgehauen, das ist aber wirklich mühsam. Für Twittertm reicht es aber.

Ich liebe das: tm.

Warum ich blogge.

(c) Bild bei pixabay/Free-Photos
(c) Bilder bei pixabay/geralt
(alle unter CC0-Lizenz)

Goldiges Wochenende

Um der Dokumentationspflicht dieses Blogs nachzukommen, muss ich Euch noch mit den Ereignissen des vergangenen Wochenendes langweilen belästigen quälen vertraut machen.

Wie der Zufall es wollte, gab es zwei wichtige Events für mich in Sachen Bloggen an diesem Wochenende. Zum einen ein Treffen der Medizinblogger, die sich auf der Plattform Doccheck vereinen, zum anderen am Montag die Verleihung der Goldenen Blogger, für die ich in der Kategorie „Blogger mit Engagement“ nominiert war. Kurzerhand – wer fährt schon gerne zwischendrin nach Hause – blieb ich gleich die ganzen vier Tage in Berlin. Danke an E. Fürs Rückenfreihalten in der Praxis.

Der Freitag

Anreise mit dem ICE, vergessen wir das Gekruschtel und Telefonieren im Ruhebereich, ich werde schon zum Geräuschspießer, schnell am Nachmittag im Hotel eingecheckt und, das brauche ich immer in einer neuen Umgebung, den Kiez entdeckt. Rumlaufen, in die Fenster gucken, Geschäfte abbummeln, abklären, wo es was zu Futtern gibt.

Dann schummelte ich mich langsam Richtung Prenzlauer Berg, wo das erste Treffen stattfinden sollte. Übrigens echt stilsicher in einer „Coworking location“ namens „Lovers“, das gibt es wohl jetzt viel in Berlin.

Wer war alles da? Die Pharmama. Der Medizynicus . Der 5-Foraminologe. Das PTAchen vom Apothekentheater (habe ich eben doch nicht verwechselt, menno!). Die Medizinjournalistin Alexandra. Die Hüterin des Rechts. Jan von psychiatrietogo und Alex vom Psychosomatik-Blog, noch besser bekannt als die Psychcaster. Der Rettungsmann von save yourself. Und dazu Mira von DocCheck und die beiden Gäste – Wolfgang Wodag von Transparency Deutschland und Florian Eckert von fischerAppelt. Es ging um Lobbyismus. Ich möchte Euch nicht langweilen.

Alles sehr aufregend, alle Blogs mit Gesichtern zu füllen. Und wie angenehm und wie schön! Wir zogen um zum Essen beim Italiener – Mann, war das lecker Essen. Ich bedanke mich artig bei DocCheck für die freundliche Einladung, das darf gesagt werden.

Der Samstag

Den Tag hatte ich mir für mich ausgeguckt. Shoppen. Kultur. Bummeln. Cafésitzen. Weiterbummeln. Das gelang ganz gut, nachdem ich den guten Rotwein gegen 10 Uhr ausgeschlafen hatte. Man gönnt sich ja sonst nichts so fern von daheim.

Am frühen Abend dann etwas Arbeit, NEIN!, Vergnügen! — ein spontaner Podcast mit Alex und Jan, komplett mit coolem Jingle, defektem Headset (die Störungen in den ersten Minuten gehen auf meine Kappe) und einer flüssig schönen Kommunikationsrunde mit den Zweien. Danke für die Gelegenheit, sich wieder mal auszutauschen.

Zu kurz kamen die Mitblogger vom Vortag, tut mir leid – Pharmama und Medizynicus fragten nochmal nach einem Treffen an, leider war ich an dem Abend bereits mit Kino ausgebucht.

Kleiner Profitipp am Rande: Geht am Samstag!, in Berlin!, in einen aktuellen Film!, am Potsdamer Platz!, ins Kino! Garantiert schöne Menschenschlangenstudien möglich. Ich brauchte fünfzig Minuten vom Betreten des Kinos bis zum Sitzen im Kinosessel.

Der Sonntag

Stand im Zeichen der Familie. Ich habe meinen Cousin besucht, es gab lecker Essen in Friedrichshain, ich durfte seine nette Frau kennenlernen, Tochter kannte ich ja schon. Geschnackt, gegessen, Kaffee und Wein und der gute Christstollen von der Schwiegermutter. Was braucht der kinderdok von heute mehr? Achja, am Morgen bin ich noch über die Flohmärkte der Statdt gebummelt, also zwei, am Boxhagener Platz (ja! Touri!) und am Arkonaplatz (ja! Verregnet!).

Am Abend nochmal Kultur: Ich konnte Karten für Harald Martenstein ergattern, er las in der Distel an der Friedrichsstrasse aus seinen besten Kolumnen. Super lustig, toll geschliffene Sprache, ja, umstritten, aber trotzdem gut! Buch mit Autogramm habe ich auch abgeholt.

Der Montag

So langsam kommt Müdigkeit auf, ich gebe das gerne zu. Also am heutigen Tag nur zwei Fixtermine. Aber was für welche.

Ich traf mich kurz vor Mittag mit Julia Prosinger, einer Redakteurin des Berliner Tagesspiegel, sie ist mitverantwortlich für die Sonntagsausgabe dort, mit dabei ihr Kollege Moritz Honert. Der Grund ist einfach: Ich darf seit neuestem eine monatliche Kolumne dort schreiben, wie Karin von KindundKittel schrieb: Die Evolution des Blogschreibens, vom Digitalen zum Analogen. Anfang Januar gab es die erste dieser Art, am kommenden Sonntag die Zweite.

Und dann der Abend. Was soll ich sagen?

Die Verleihung des Goldenen Bloggers stand auf dem Plan, ich war nominiert, und habe den Pott geholt! Meine Sparte „Blogger mit Engagement“ war zum Online-Voting geschaltet und dazu gleich die erste Kategorie, deren Preis vergeben wurde. Ich danke Euch allen fürs feste Abstimmen, Ihr wart mein Gewinn. Ob ich bei einem Jury- oder Saalvoting gewonnen hätte? Keine Ahnung, die Konkurrenz war so toll und lohnt das Vorbeischauen: Isa Sonnenfeld von den RoleModels und GermanLifeStyle GLS.

Die Veranstaltung war busy, Kameras gab es viele, neben 300 Menschen auf der Gästeliste ca. 80 rund um die Nominierten und an die 100 akkreddiietiren (oder wie man das schreibt) Journalisten. Tagesthemen und HeutePlus hat berichtet. Wow.

Und wen man dann so kennenlernen darf, welche Blogs es zu entdecken gibt und wie nett die alle sind: MlleReadOn (lest mal die Banane) und Sash von GNIT, Tim von TimSchraubtBass (mit der ganzen Familie!) und die Notaufnahmeschwester (lest mal Ihr Lappen!) und und und.

Ich bin noch immer, obwohl ein Tag später, nicht sicher, ob das alles überhaupt stattgefunden hat, so schnell flog die Zeit und rasten die Eindrücke an mir vorbei. Dank R., der mich begleitet hat, blieb ich zumindest zwischenzeitlich auf dem Boden der Tatsachen.

Der Dienstag

Heimreise. Not much to mention. Außer diesem mondänen fetten hochpreisigen dekadenten Frühstück im Hotel NH Collection, in dem wir Goldene-Blogger-Nominierten freundlicherweise untergebracht waren. Warum musste ich nur so früh zum Zug?

Oh Mann, was ein Wochenende, mit so netten Leuten, so vielen freundlichen Gesichtern, ob Blogger, Familie oder die Berliner – nun hat mich der Alltag wieder, morgen ab in die Praxis. Neue Geschichten finden für Euch, fürs Blog.

Euer kinderdok

Ein paar Bilder? Kommen noch.

Zwischen den Jahren

Ich habe frei. Schon seit vor dem Wochenende, seit dem letzten Jahr (Kalauer!), trotzdem erlebe ich bisher kein echtes „Runterkommen“, Innehalten, wie mir das sonst zwischen den Jahren gelingt. Eine Annäherung jetzt.

Das letzte Jahr war, sagen wir, interessant, seit einiger Zeit habe ich den Eindruck, in der Praxis sei ständig Bewegung, Personalwechsel, Stimmungswechsel, Patienteneinstellungswechsel, alles sei im Flusse. Das ist vermutlich gut so, denn Stillstand wäre langweilig, Stillstand bedeutete Rückschritt. Ganzheitlich-chinesisch-traditionell ist alles am Fließen, nur dann kann Neues entstehen.

Trotzdem hätte es letztes Jahr etwas entspannter laufen können. Ohne jetzt ins Detail zu gehen, war das Team Mitte des Jahres am Limit, vong der Arbeitsbelastung, was das Patientenaufkommen, die zusätzlichen Aufgaben durch die Neuen Patientenrichtlinien anging, aber auch durch zwei unvorhersehbare Kündigungen und dadurch Neueinstellungen im Laufe des Jahres. Manchmal ist zuviel Fluß auch nicht so dolle. However, wie der Engländer in mir sagt: Am Ende bilanzieren wir eine Veränderung zum Guten, und das ist wichtig.

Zum Glück für meine Patienten gab es dieses Jahr keine Sterbefälle, wie im Jahr 2016; Beim Kinderarzt bedeutet ein verstorbenes Kind eine traurige Zäsur im alltäglichen Rhythmus, der Allgemein- und Erwachsenenmediziner kennt das ja, bei uns ist das eher selten. Wenn ich mich feste zurückerinnere und hoffentlich nichts vergesse, waren die schwersten Diagnosen Diabetes und Zöliakie, schon eher Standard in der Pädiatrie. Auch onkologische Patienten Fehlanzeige. Ein glückliches Jahr in dieser Hinsicht, die einzig wichtige aus ärztlicher.

Über das Private sprechen wir hier nicht (auch wenn es dort Zuwachs gab, aber nicht so, wie jetzt alle gleich denken), also bleibt die Bilanz des kinderdok-Daseins: Gestern habe ich Euch schon die beliebtesten Blogposts um die Ohren gehauen, das ist eine nette Bilanz des Jahres und zum zweiten Mal in Folge bereits zum Ritual geworden, aber wird jetzt hier nicht wiederholt. Ich habe im Laufe des Jahres mit klitzekleinen Schritten den Blick in die Öffentlichkeit gewagt, im Frühjahr auf dem MedMen2017 manchen Bloggerkollegen getroffen, die sich drüben bei DocCheck versammeln, jedenfalls aus dem Medizinischen. Da waren Medizynicus, KindundKittel, das PTAchen, der 5-Foraminologe und natürlich die Jungs vom Psychcast, Jan und Alexander (habe ich jemanden vergessen? Natürlich die netten Leute von DocCheck…). Die letzteren luden mich zu einem Gespräch am Telefon an, sogar zur 50. Ausgabe ihres Podcasts im Juli, diese Ehre ist mir noch immer schleierhaft.

Ein paar Wochen zuvor interviewte mich Karl Grünberg, freier Journalist, für den Berliner Tagesspiegel, ein seltsames Unterfangen, weil Live in meiner Praxis und inkognito, mit freundlicher Diskretion von Journalist und Redaktion, das feedback war ganz toll, und die Erfahrung nicht zu missen. Aus diesem Event entstand eine Verbindung zum Tagesspiegel, deren Früchte zumindest die Berliner ab 7.1. in der Sonntagsausgabe bewundern dürfen, soviel sei verraten. Und dann der Knaller kurz vor Jahresende – der unbekannte Leser erwähnte mich gegenüber den Machern von „Goldenen Blogger“, und prompt wurde ich nominiert als „Blogger mit Engagement“. Ich bin weiterhin irritiert, vor allem angesichts der Mitnominanten, die soviel mehr an gesellschaftlich Relevantem einbringen. Am 29.1. ist die Verleihung, Gott, bin ich aufgeregt.

So. Genug der Bilanzen für 2017. Ab demnächst gehts hier weiter. Themen, die mir im Kopf rumgehen, und die ich bearbeiten will, gibt es einige ( „Notfallbehandlungen in Kitas“ (z.B. bei Allergien), „Platzwunden“, „Windelausschlag“, „Zweisprachigkeit bei Kindern“ u.v.m. – noch Wünsche?). Aber im Grunde meines Herzens hoffe ich, dass der Praxisallta ruhig und gemäßigt abläuft, ohne Aufregung für meine kleinen Patienten, ohne Aua und Weh, sondern mit Spaß bei den Vorsorgeuntersuchungen. Ach, eigentlich wünsche ich mir, dass Ihr alle gesund bleibt. Ist doch viel schöner so.

Bis bald.

Die beliebtesten Blogposts 2017

Wir blicken zurück, also auch dieses Jahr, wer sich gerne erinnern oder einem Querschuss folgen will durch das vergangene Jahr – hier die Top Ten bei „Kids and me 2.0“ des Jahres 2017:

10. Rote Fahnen: Oder wenn Kinderärzte sich Sorgen machen

Dies war der Versuch, ein Triage-System in einen Blogpost zu verwandeln, nach dem Vorbild einer amerikanischen Blogseite. Spannend dabei war es, für mich selbst die red flags zu definieren, oder für die MFA am Telefon oder die Krankenschwester im Notdienst.

9. Don Massimo und die Geflüchteten

Ein klassischer kinderdok-Post: Eine Geschichte aus der Praxis, so oder so ähnlich passiert, mit einer hübschen (echten) Pointe und ein Beispiel für storytelling im Blog. Erfahrungswerte vermitteln. Mal Nachdenken.

8. Hot Topic! Neulich in der Notfallambulanz

Noch eine nette Geschichte aus der alltäglichen Praxis. Es gab wenig Kommentare, aber über Twitter wurde dieses Post sehr geteilt, deshalb rankt es sehr weit oben in diesem Jahr.

7. Einmal tief durchatmen

Einer meiner Lieblingsbeiträge dieses Jahr, weil er ein wichtiges Thema beinhaltet, das mich immer wieder bewegt: Wenn Therapien wegen Pseudotherapien aus der Alternativmedizin verzögert werden. Ich bashe über Kollegen. Pfui. Das allerdings gehört sich nicht und in einem anderen Post krieche ich daher zu Kreuze.

6. Etwas zu Allein-, Haus- und Klinikgeburten

Dieser Beitrag wurde sehr kontrovers diskutiert, mit vielen erbosten Kommentaren, die sich auch untereinander angriffen. Ein Thema, das polarisiert: Wie natürlich soll und darf eine Entbindung heutzutage sein, wie persönlich entscheidet die Mutter, wie der Vater oder die Profis in Verantwortung wie Hebamme oder Ärzte in der Klinik? Das Posting hat mich bewegt und sehr zum Nachdenken gebracht. Würde ich vielleicht heute nicht mehr so schreiben.

5. Ich erzähl Euch mal von Bellchen

Der erfolgreichste Blogpost während der Europäischen Impfwoche, in der ich täglich einen Beitrag veröffentlichte. Die Geschichte ist ziemlich genau so in meiner Assistenzzeit passiert, und bei allen Impfgegnern kommt mir das Bild des röchelnden Säuglings wieder in den Sinn. Ich wiederhole: Keuchhusten ist keine Fördermaßnahme, Keuchhusten ist ein Scheiß.

4. Alleine Pipi gehen

Eines der „Beratungs“-Posts dieses Jahres. Eine Geschichte, ein paar Zitate aus der Praxis, und anhanddessen ein wenig Information vermittelt. Das Trockenwerden ist ein Thema, das alle Eltern früher oder später bewegt, deshalb vielfach geteilt.

3. Kurze Beruhigungen für junge Eltern

Geschrieben, nachdem eine Familie mir bei der U3 Löcher in den Bauch frug, völlig ok, völlig legitim, wozu sind Vorsorgeuntersuchungen auch sonst da? Was ist alles normal bei einem Säugling? Zusammen mit den Kommentarergänzungen wäre der Beitrag echt ausbaufähig. Ich werde den mal updaten und neu einstellen. Hat das Zeug zum kinderdok-Klassiker.

2. Versprechen an alle Eltern in der Erkältungszeit

Es hat mich sehr gefreut, dass dieses Versprechen soviel gelesen wurde, denn das möchtest Du als Kinderarzt allen Eltern täglich mehrmals zurufen: Es ist alles nicht so schlimm, und jede Infektzeit hat ihr Ende.

1. Deine Mutter als Hebamme

Nur ein sehr kurzes Posting, das kürzeste in dieser Zehnergruppe und trotzdem das mit dem meisten Traffic. Vermutlich, weil wieder mal das Wort Hebamme im Titel vorkommt. Vielleicht auch wegen der Kulleraugen des Babys. Jedenfalls kam es zur rechten Zeit rund um die mediale Präsenz des Hebammenmangels in Deutschland, der in diesem Jahr zu Recht zum Hot Topic anvancierte und uns sicherlich noch weiter sehr beschäftigen wird.

Außer Konkurrenz, aber der eigentliche Spitzenreiter des Jahres 2017, war die Geschichte um Maike, die ich am 30.12. soeben gepostet hatte – sie sprengte alle Zugriffszahlen des gesamten Jahres, so dass sich an diesem Tag beinahe viermal soviele Leser auf das Blog verirrten wie an anderen Tagen (über 18.000 Klicks). Und dann war da noch das Interview im Tagesspiegel und mit den Jungs vom PsychCast, auch so zwei Highlights 2017.

Ich bedanke mich artig bei allen Leserinnen und Lesern, vor allem, wenn Ihr kommentiert, denn dann entsteht Kommunikation (siehe Warum ich blogge), bei den achtzig Blogposts des Jahres 2017 wurde ca. 1,2 Millionen Mal reingeklickt, bei ungefähr 380.000 unique usern, vor allem aber über 1500 Mal kommentiert – Danke. Danke. Danke.

Ein gutes Neues Jahr, stay tuned,

Euer kinderdok

Warum ich blogge.

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Das ist alles erstunken und erlogen, die Sache mit dem Tagebuch, dem Loslassen vom Alltag, dem Ventilieren von Patienten in den Blogposts oder dem alleinigen Informieren von interessierten Patienten oder Eltern auf anderen Ebenen als in einem Gespräch oder einem großspurigen Ratgeberbuch. Ich will auch nicht unterhalten oder den Leser zum Schmunzeln, Lachen, Fremdschämen oder Ärgern anregen. Geld verdienen liegt nicht in meinem Interesse, nicht das Ablenken von den Prokastinationen des Alltags oder dem räudigen Haushalt. All das liegt mir fern. All das erzähle ich nur in Interviews, wenn die Frage kommt, “Warum bloggst Du?”
Ich blogge, um zu kommunizieren.

Bloggen ist all das wie oben geschreiben und alles das nicht.
Letztendlich geht es um ein Mitteilungsbedürfnis. Das setzt zwei Personen voraus, den Blogger und den Leser. Das Bedürfnis zur Mitteilung hat der Blogger, der Leser die Neugier, was der Schreiber auszuplaudern hat. Gibt es Geheimnisse oder Leaks in der Medizin, in der Juristerei, im Taxigewerbe oder im Familienleben? Dann her damit, schreibt davon, Ihr Blogger, und lest darin, Ihr Leser.

Begonnen hat alles ganz klein mit wenigen Sätzen, mit grossen Pausen, mit unspektakulären, gelangweilten Posts, die lediglich den empty space füllen sollten. Du schreibst am Anfang ins Leere hinein, ins Blaue, ins Nirwana, in die graue Materie des Internets. Du kannst nicht erwarten, dass Dein Blog jemand liest, also können Deine Motive nicht die obigen sein. Denn Ziele sind, jedenfalls die hoch- und weitgesteckten, nicht erreichbar. Also vergiss es einfach.
Und an diesem Punkt enden dann die meisten Blogger. Vielleicht hätte ich auch irgendwann aufgegeben, wenn nicht tatsächlich nach ein paar Wochen (na, es waren eher Monate) eine erster einzelner Leser geantwortet hätte. Denn nichts anderes ist der Kommentar, eine Antwort auf die Frage des Blogposts “Liest das hier jemand”?

Bloggen ist Kommunikation
Nur das, und all das. Sonst könnten wir alle in unser analoges oder digitales Tagebuch schreiben, ins Moleskine, in irgendeine Evernote- oder OneDay-App. Bloggen kann nicht nur bloße Information sein, dann wäre ein Buch das Richtige oder eine Ratgeber-Homepage, wer ohne Kommentarfunktion bloggt, der bloggt nicht, der passiviert. Und all die zahlreichen “Blogs”, die als Ableger von Verkaufsseiten installiert werden, weil man das eben heute so macht, sind nur Werbemanöver ohne Kommunikation.

So ehrlich musst Du als Blogger sein: Du lässt Dich gerne lesen. Du freust Dich über ein freundliches Wort in der Kommentarfunktion, über ein wenig Senf, über Schärfe, über Kritik, denn Polarisieren heißt, besprochen zu werden, antworten zu können (wenn es die Zeit zulässt). Der Leser darf passiver agieren, er muss nicht kommentieren. Aber gerne machen es manche schon, denn auch sie möchten gerne quatschen, um dem Gegenüber näher zu sein, näher, als man sonst einer Familienmutter, einem Taxifahrer oder Rettungssanitäter kommen kann. Trolle gibt es auch, ja, aber die werden wir alle ignorieren.

Also denn, Ihr Blogbeginner:
– Schreibt, was Ihr schreiben möchtet, erzählt von Eurem Leben, Eurem Beruf, Eurer Leidenschaft.
– Habt einen langen Atem, wenn Ihr gelesen werden wollt. Der Eisberg beginnt am Boden, die Wasseroberfläche erreicht man erst langsam.
– Erwartet zunächst keine Kommentare, aber begrüßt sie mit offenen Armen.
– Seid selber Blogleser und -kommentatoren, das ist die beste Werbung für die eigene Arbeit. Besser als der versteckte Link zum eigenen Schaffen.
– Schreibt stetig und regelmäßig, das erhält die Freundschaft.
– Vergesst SEO, Tipps zur perfekten Überschrift oder die beste Hookline – Ihr seid das Blog, nicht die Klickzahlen.
– Verbiegt Euch nicht. Alle sprechen über Authentizität, also bleibt wahrhaftig. Falsche Versprechungen oder versteckte Werbung sind bäh. Und sucht nicht nach Eurer Zielgruppe, und was sie lesen mag: Sie findet Euch.

Und Ihr Leser:
– Seid freundlich und interessiert.
– Auch wenn ein Blog ein öffentliches Medium ist, seid Ihr im Blog Gast, also seid entsprechend.
– Erwartet keine (schnellen) Reaktionen, Blogger sind selten hauptberuflich Blogger. Da gibt es noch ein Leben daneben. Es gibt immer viele Leser im Blog, aber nur einen Blogger. Die Perspektive ist eine andere.
– Wenn Euch ein Blog nicht gefällt, sucht weiter, es gibt genug davon. Trolle werden ignoriert.

Aber vor allem: Habt alle Spaß.
Stay tuned, Euer kinderdok.

Gesucht Gefunden

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Ok, Ihr habt gesucht und meinen Blog via Google gefunden – aber vielleicht nicht die passende Antwort. Hier ein paar Versuche Eurerseits und meinerseits, nicht ganz ernst gemeint:

infektionsgefahr baby ubahn – Dürfte eher gering sein, außer: Das Baby hustet die anderen an. Säuglingsviren sind echt fies für Erwachsene.
engelwurzbalsam vierjährige auch nachts – nicht mal nachts, weil auch dann ohne Wirkung. Riechen tuts gut, ja.
kostenübernahme cremes neurodermitis – Pflegecremes, also die der normalen Grundpflege, sind immer selbst zu bezahlen. Sind allerdings therapeutische Inhaltsstoffe drin, z.B. Cortison oder Harnstoff, kann das rezeptiert werden. Nach Entscheidung des Docs.
ausscheitung von heller flüssigkeit jungen aus dem penis kleinkind – Nunja. Urin? Also, wenns gelb ist. Ansonsten wäre noch an Urin zu denken. Oder Urin.
sohn fummelt mir inmer im ausschnitt – Dazu schreibe ich lieber nichts, da habe ich mir schon mal die Finger verbrannt.
fiebersaft schlafendem kind geben – Nicht. Nicht. Nicht nötig. Weil: Das Kind schläft. Und schlafende fiebernde Kinder müssen nicht ihr Fieber senken. Weil: Sie schlafen.
säugling wo wird geimpft bein oder hand – An der Hand nie, auch nicht beim Erwachsenen. Beim Säugling immer in den Vastus lateralis, also den grossen Oberschenkelmuskel, vorne seitlich, im 45-Grad-Winkel.
bei grippenimpfung aspirieren – Nein. Aspiriert wird bei Impfungen schon lange nicht mehr: Tut weh und ist unwichtig und verlängert den Impfvorgang unnötig.
osteopathischer plattfuss – Ja, der würde mich jetzt auch interessieren. Dann hätten wir mal was den ersten Kunstfehler.
was zur u3 mitnehmen – Das Kind, das Vorsorgeheft, ein wenig Zeit, etwas zum Unterlegen, eine Liste mit Fragen, eine oder zwei oder drei Wechselwindeln, die Versichertenkarte oder einen entsprechenden Nachweis.
klamotten wechseln nach arztbesuch – Ja, das macht Sinn. Genauso, wie nach dem Kindergarten, dem Einkaufen oder dem Besuch beim Opa.

Kinderdok – für Freunde und Sponsoren

Trinkgeld / Tipping

Heute mal in eigener Sache:

Mein Blog wird von wordpress.com gehostet, das ist sehr großzügig, koscht näämlich nix, aber wird „erkauft“ durch Werbung, genau wie die, welche Du hier am Ende dieses Postings vermutlich siehst. Gibt´s eigentlich ab und zu Pop-Ups oder so? (Letzteres weiß ich nicht, weil ich das im Browser abgestellt habe.)

Ich finde Werbung, die nervt, nervig. Ein Blog darf ja erstmal privat erscheinen, als schautest Du mir über die Schulter bei der Arbeit oder beim Lesen oder beim Nachdenken. Klar, ballert einen die Werbung überall zu, gerade im Netz, aber als Arzt möchte ich unabhängig sein – Werbung, die Du von mir hier findest, wird daher immer
– als solche gekennzeichnet
– geht meist über Buchbesprechungen nicht hinaus (ist ja auch Werbung)
– versteckt sich manchmal in den Affiliate Links zu Amazon, aber das schrieb ich hier schon einmal

Sponsored Posts bekomme ich häufiger angeboten, ich tauge aber nicht als Werbeträger, was soll ein Kinderarzt über Wohnungseinrichtungen oder Schlafmittel schreiben (ja, diese Anfragen gab es)? Und wieder nichts mit Unabhängigkeit.

Bleibt die Sache mit der unbeeinflussbaren Bannerwerbung von wordpress.com selbst.
Lösung: WordPress bietet einen verbesserten Service, bessere Pakete, ohne Werbung, mit personalisierter URL und schickerem Design. Des koscht aber was.

Als Doktor habe ich genug Kohle, denkst Du. Ja, stimmt. Brutto kommt ordentlich was rum, Personalausgaben, Miete und Nebenkosten der Praxis und die Steuer schlucken einiges, das Netto dürfte sich im „normalen“ akademischen Rahmen bewegen.
Das Blog ist nicht Teil meiner beruflichen Tätigkeit, ich betreibe es auf rein privater Ebene, deshalb werde ich es auch finanziell komplett von den Praxisausgaben fernhalten.steady_logo_lettering_orange

Und nun kommst Du ins Spiel, treue Leserin und treuer Leser:

Du kennst vielleicht schon „Flattr“, Du hast von Crowdfunding gehört, von „Tipeee“ oder „Patreon“, all diese Plattformen bieten Kleingeldfinanzierung für Blogger, Künstler oder Tüftler. Ich habe mir die Seite „Steady HQ“ ausgesucht, da sie auf deutschem Boden gegründet wurde, sehr bequeme Bezahlungsmöglichkeiten (z.B. paypal) bietet und dem deutschen Steuerrecht unterliegt.

Falls Dir also meine Beiträge hier gefallen, Du gerne kommst und gerne bleibst, Du vielleicht auch schon ein paar Tipps und Einsichten mitgenommen hast:
Über „Steady HQ“ kannst Du einen monatlichen Betrag an den Kinderdok spenden, damit dieses Blog so attraktiv für Dich bleibt wie bisher. Vielleicht schaffe ich dann auch die (immer vorgenommenen) zwei Blogposts pro Woche. Je nach Lust und Laune (und Kleingeld) kannst Du bei Steady HG übrigens unter verschiedenen Modellen wählen. Schau doch mal rein.
Ich würde mich freuen.

Werde Teil der „Kinderdok – Freunde und Sponsoren“!

Dein Kinderdok

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(c) Bild bei Flickr/Marco Verch (CC Lizenz CC BY 2.0)

Über das Geschichtenerzählen in (Mediziner)Blogs

Diesmal bewege ich mich weg von der eigentlichen Pädiatrie oder meinen Patienten und schreibe über das Bloggen selbst. Im Rahmen der Medmen-Veranstaltung habe ich einen Vortrag als Speaker zum Thema „Storytelling“ gehalten, wir dürfen aber auch „Geschichtenerzählen“ dazu sagen.

—–

Auf diesen Seiten gebe ich gerne Geschichten zum Besten, die mir oder anderen Kollegen in ihrem Praxisalltag so passieren. Jede/r, die/der hier mitliest, darf aber versichert sein: Diese Geschichten sind nie exakt so passiert. Sie sind verfremdet, pointiert, dramatisiert, teils zusammengesetzt aus verschiedenen Episoden, aber dennoch in ihrem eigentlichen Wahrheitsgehalt authentisch. Letzteres sei ebenfalls versichert. Trotzdem sollen die Geschichten auch Botschaften vermitteln und nicht zum reinen Vergnügen verkommen. Diesen Anspruch hat das Storytelling.

Geschichten erzählen die Menschen schon lange. Ob Märchen, Fabeln, Parabeln oder journalistische Artikel: Geschichten fesseln die Leser viel schneller ans Thema, als es das trockene Sujet kann. Schon das „Rotkäppchen“ vermittelte in einer vermeindlichen Kindergeschichte unterschwellige Botschaften (Die Symbolik des „Frauwerdens“ und die Versuchungen durch das Leben und die  Männer beschäftigte schon viele Analytiker). Eine gute Reportage in „Spiegel“ oder „Stern“ beginnt mit dem Einzelschicksal, um dann den Blick weiter zu öffnen auf das große Ganze. Das erhöht die Identifikation mit den Betroffenen, das Einfühlen des Lesers, und macht die Sache schlicht anschaulicher.
Das kannst Du beim Bloggen genauso nutzen, um eine Botschaft zu vermitteln.

Formen des Storytellings sind
– Einstiege und Aufhänger, wie oben beschrieben, Gatekeeper (z.B. Don Massimo)
– Anekdoten, die das eigentlich Thema genauer illustrieren sollen (z.B. Ich beim Zahnarzt)
– Beispiele (abschreckende, vorbildliche, diametrale), um das Thema eventuell zu diskutieren (z.B. was Eltern so Sorgen macht)

Noch was anderes: Jeder Blogger frage sich, wer die Zielgruppe ist, für die er schreibt. 

Schreibst Du nur für Dich, ist das Bloggen reiner Selbstzweck, um Deine Schreibskills zu verfeinern, oder um den Kopf zu lüften, zum Loslassen des Arbeits- und Lebensalltags? Ist das dann aber noch Storytelling?
Oder schreibst Du (als Mediziner oder andere/r Fachmann/frau) für den interessierten Laien? In meinem Fall für Eltern oder den Zufallsleser, der sich für den Beruf und die Hintergründe interessiert? Dient das Bloggen dann womöglich nur dem Voyeurismus und der Neugier?
Und schließlich könntest Du für andere Fachleute schreiben – für Ärzte, medizinische Berufe, Wissenschaftler, hier dienen die Geschichten als Illustrationen und Beispiele, viel besser, als das in einem trockenen Sachbuch möglich wäre.

Was brauchst Du für ein gutes Storytelling?
– Eine gute Geschichte, wie banal. Sie muss interessant sein, außergewöhnlich, aber vielleicht auch beispielhaft für das Thema, über das Du schreiben möchtest. Aber Du bist (als Mediziner oder sonst in Deinem Beruf) Experte und hast sicher schon Einiges erlebt.
– Sie muss also passen, sie sollte pointiert geschrieben sein, aber gleichzeitig auch verfremdet, denn Du möchtest keine Rückschlüsse der Mitwirkenden. Du hast die Verantwortung, diese zu schützen.
Lust zum Schreiben – ohne das geht es nicht. Schreiben ist zwar Arbeit, aber ohne Spaß bleibt auch Dein Ergebnis seltsam saftlos.
Talent zum Schreiben? Eigentlich nicht. Die meisten Skills bestehen doch nur zu 10% aus Talent, der Rest ist Routine, Übung, Training, wie Du es auch nennen magst.
– Ein gutes Setting, also die klassische Geschichte („Es war einmal“), eine Anekdote („Neulich habe ich was erlebt“), einen Dialog („Sagt der Vater…“), aber auch ein guter Tweet kann eine Geschichte erzählen.
– Wenn Du fertig bist mit Deiner Geschichte: Ist die Botschaft für Deine Zielgruppe angekommen? Ist das eigentliche Thema klargeworden?
– Dann lass den Blogpost liegen, lass ihn „abhängen“ und lies ihn erst in ein paar Stunden, einen Tag oder eine Woche später noch einmal.
– Editiere und streiche beherzt.
– Veröffentliche mit Mut.
– Kommentiere die Kommentare.
Dann erzählst auch Du Deine Geschichte.

Zum Schluss ein Appell – wenn Du als Mediziner bloggst:
– Das wichtigste sei die Wissensvermittlung, das Thema habe oberste Priorität
– Die Story nur der Story wegen bedient nur den Voyeurismus des Lesers
– Bleib sachlich in Deinen Themen und Deiner Wortwahl – Sensationen, Panikmache und Fakenews schreiben andere schon genug. Als Mediziner sollten wir da Contenance behalten.

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Mein Keynote-Vortrag:

MedMen2017

Das Portal DocCheck hatte zu den MedMen2017 geladen und einige sind gekommen: Irgendwie die Industrie, irgendwie Journalisten, irgendwie sonstwie Interessierte und irgendwie dann auch „wir“, die Blogger. Das ganze diente wohl der Zusammenarbeit, dem Kennenlernen und Austauschen der medialen Player rund um den Medizinerzirkus. Gebe ich das so richtig wieder? 

Location? Einmal richtig hipp im Speicher/Industrie-Stil am Ufer des Rheins, das Googlen der Zimmerpreise in diesem Hotel spare ich mir hätte ich besser unterlassen sollen. Und wenn dann noch zwischen C-, B- und A-Klasse-Zimmern unterschieden wird. Wie auch immer, das Flair hat gestimmt, die Klimaanlage funktionierte, was wollen wir mehr?

Das Programm war üppig: Nach einer Keynote über die Plattform „I Had Cancer“ (internationales Flair, aber auch hochinteressant) und einem Roundtable zum Thema Hater in der Medizin (den wir halbverhungerten Blogger lieber dem Thai-Essen in unserem „Zimmer“ opferten), verteilten sich die Besucher auf die verschiedenen „Tracks“ auf verschiedene Hotelgemächer des „Speicher 7“. Unsere Runde war eben den Bloggern gewidmet, so konnte der geneigte Beobachter dem Medizynicus, den Jungs vom PsychCast, Karin von „Kind und Kittel“ (mit funkelnagelneuem Blog) und meinereiner lauschen. Ein toller Austausch, in dem wir sich unsere Vorträge wie von Zauberhand ergänzten.

Am Abend dann ein Get together zur Verleihung des Health Share Awards und ein Ausklingen bei angesagter DJ-Mucke und kleinen Häppchen. Da gab es noch mehr Blogger kennenzulernen – PTAchen und HNOler!

Es hat großen Spaß gemacht, Danke an die Organisation rund um DocCheck, insbesondere Isabell und Mira, aber vor allem den Bloggerkollegen: Ihr wart alle fantastisch, das große Medizinerbloggertreffen irgendwo in einer großen Stadt wird kommen. Ganz sicher. Bis dahin lese ich mal wieder ein paar Blogs und lausche den Podcasts.

(c) der Bilder bei mir. Die Füße bleiben Eure.

Ich bin raus… (bei Facebook)

Thumb down

Unlängst bekam ich per Twitter die freundliche Mitteilung, dass mein kinderdok-Account bei Facebook nicht mehr erreichbar sei. Das ist tatsächlich so – ich komme nicht mehr rein, und meine Follower finden meine Timeline nicht mehr. Warum?

Facebooks Statuten sehen vor, dass hinter jedem Account eine reale Person steht. Dies lässt sich die Firma durch die Übersendung eines Ausweisdokumentes bestätigen. Das finde ich prinzipiell richtig. Auch bei Twitter gibt schon genug Fake-Accounts, dass Du gar nicht mehr weißt, ob das der Real McCoy ist oder nur die B-Ware. Blöd ist, wenn Du Dich, wie ich, für die Anonymität entschieden hast, im Blog, bei Twitter, Instagram und eben bei Facebook. Das wird aber bei letzteren nicht akzeptiert.

Ich bin also raus. Bin ich darüber betrübt? Nicht wirklich. Ich habe Facebook vor allem als Kontaktmöglichkeit für die Leser des Blogs genutzt, die die Nachricht über ein neues Blogpost gerne dort erhalten wollten und nicht über den Newsfeed per e-mail oder via Twitter. Dass ich dann ab und zu in der Facebook-Timeline lustige Katzenvideos geteilt habe, ja, ein nettes Nebenprodukt.

Etwas schade ist, dass ich nun nicht mehr den zahlreichen Gruppen folgen kann. „Dinge, die Heilpraktiker sagen“, „Dinge, die Impfgegner sagen“, diverse Pro-Impfgruppen oder dem „Netzwerk Homöopathie“. Muß ich eben andere Wege finden. Da aber alle beispielsweise Twitter-Accounts pflegen, werde ich wohl nicht so viel verpassen. Denn andererseits, ganz ehrlich: Wenn irgendwann die FB-Seite nur noch voll war von reproduzierten grausigen Schwurbelergüssen aus diversen Elternforen, ach nö, da lese ich lieber gezielter über meine Feedly-, Pocket- und/oder Flipboard-App.

Wer also bisher über Facebook auf meine Blogposts aufmerksam wurde oder jemanden kennt, der das so macht: Bitte weitergeben – nutzt die e-mail Funktion rechts oben oder den Twitter-Zugang. Oder schaut einfach immer mal rein.

Facebook? Good bye. Ich hätte mich gerne freundlich verabschiedet, aber nicht mal das lassen sie mir ;-(

(c) Foto bei Flickr/Vu Tran (CC Lizenz BY-NC 2.0)

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