Weihnachtsgeheimnisse

Nach der Untersuchung, dem Rezepteschreiben, den Und-wenn-es-nicht-besser-wird-Empfehlungen: Ich: „Noch schöne Feiertage, einen guten Rutsch und…,“ zu dem Fünfjährigen: „Pass auf den Weihnachtsmann auf.“ Matz: „Ich weiß ein Geheimnis.“ Ich: „Und?“ Matz: „Die Mama ist nämlich der Weihnachtsmann. So.“ Ich: „Was? Wirklich?“ Matz: „Ja klar, ich bin ja schon fünf, da weiß ich das.“ Mutter: „Sein großer Bruder hat‘s ihm verraten.“ Ich: „Achso, na dann. Aber hat Dir Dein Bruder alles verraten?“ Matz: „Wieso? Was gibt‘s noch?“ Ich: „Immerhin gibt es noch den Osterhasen.“ Matz: „Ohja. Den gibt es. Den gibt’s in echt. Schließlich kann Mama nicht alles machen.“ (c) Bild … Weihnachtsgeheimnisse weiterlesen

Durchblick

Ich: „Und seit wann hast Du die Kopfschmerzen?“ Erik-James: „Jetzt am Wochenende und am Ende der Schule.“ Ich (nach zahlreichen neurologischen Anamnesefragen und entsprechender Untersuchung): „Dann solltest Du mal zum Augenarzt gehen, vielleicht brauchst Du eine Brille.“ Vater: „Oh, eine Brille hat er.“ Ich: „Achso?“ Vater: „Ja, schon seit einem halben Jahr.“ Ich: „Aber Du hast sie jetzt nicht dabei.“ Erik-James: „Soll ich nur in der Schule tragen oder bei den Hausaufgaben.“ Ich: „Warst Du denn heute in der Schule?“ Erik-James: „Ja.“ Ich: „Und jetzt hast Du wieder Kopfweh?“ Erik-James: „Ja, seit der sechsten Stunde.“ Ich: „Brille nicht getragen?“ Erik-James: … Durchblick weiterlesen

Tolle Spritze

Mutter, Kinderdok, Bobele (knapp sechs Jahre alt) – Letzterer strahlt mich an, als er durch die Türe kommt. Bobele: „Oh, das ist aber alles schön bunt hier.“ Ich: „Äh … ja, danke!“ Mutter: „Ja, er ist grad auf dem Loben-Trip. Alles ist toll und schön.“ Bobele: „Wow, das ist aber eine tolle Liege.“ Mutter: „Sehen sie?“ Ich: „Spitze. Mensch, Bobele, du bist aber nett zu den Leuten.“ Bobele grinst sich eins. Ich: „Ok. Trotzdem gibts heute eine Impfung. Weißt du ja.“ Bobele: „Klar. Kein Problem.“ Ich: „Ok, also, Achtung. Eins – zwei – drei. … fertig.“ Bobele verklemmt sich eine … Tolle Spritze weiterlesen

Flurdiagnostik

„Guck mal, Doktor Kinderdok, ich hab´gaahanz viel Punkte.“ Malte kommt mir strahlend auf dem Flur entgegen. Streckt die Arme nach vorne. „Ich hab nämlich Hand-Muß-Pfund-Krankheit, mmmhja!“ Er präsentiert stolz die Pickelchen am Mund und den Händen. Dann setzt er sich auf den Praxisflur und zieht die Schuhe aus. „Guck Guck Guck…!“ Ich gucke. Ja, die Füße sind auch dran. „Aber Dir geht´s trotzdem gut, oder?“, frage ich ihn. „Klar, Doktor Kinderdok.“ „Gibt´s was zu ergänzen?“, wende ich mich an die grinsende Mutter im Hintergrund. „Nein,“ sagt sie, „er hat alles gesagt. Fieber hat er auch nicht, und er ist absolut … Flurdiagnostik weiterlesen

Klare Ansage

Ich treffe die Mutter beim Edeka oder Tengelmann oder Rewe-woauchimmer. Normalerweise habe ich immer Probleme, die Gesichter auch den Namen zuzuordnen, aber da die Familie kurz vor Ostern zur U6 (mit einem Jahr) da war… Ich: „Hallo, Frau Greipel, na, alles klar bei Ihnen?“ Mutter: „Jaja, alles ok. Gut, dass ich Sie treffe.“ Ich: „Ja?“ Mutter: „Ja. Ich wollte nicht so sang- und klanglos verschwinden. Also, die Sache ist die: Wir haben den Arzt gewechselt.“ Ich: „Oh, das tut mir aber leid. Was war denn nicht ok? Gibt´s einen Grund? Vielleicht…“ Mutter: „Ach, alles nicht so schlimm. Ich wäre ja … Klare Ansage weiterlesen

Fußballkompetenz in der Praxis

Wir haben in der Praxis den EM-2016-Spielkalender hängen, die Kästchen werden, naja, konsequent verspätet ausgefüllt, außerdem: Wie bei den meisten Plänen dieser Art sind die Ausfüllkästchen sowieso zu klein. Steht ein zehnjähriger Fan (mitsamt „Mannschaft“-Trikot, Reus) vor unserem Plan und studiert ihn genau. Fan: „Was´n Ditschl?“ Ich: „Na, Deutschland. Da war zu wenig Platz zum Ausschreiben.“ Fan: „Aha… Und No-Ir?“ Er tut sich wirklich schwer beim Entziffern, auch noch meine Arztklaue. Ich: „Nord-Irland.“ Der Fan schüttelt missbilligend den Kopf. „Kann man ja gar nichts drauf erkennen. Und die Ergebnisse sind auch nicht alle eingetragen.“ Ich: „Ja, tut mir leid, wir … Fußballkompetenz in der Praxis weiterlesen

Frischluft ist gut für die Schule

Der Achtjährige rotzt und hustet, dass es eine Freude ist. Vater: „Aber wenn der so krank ist, bleiben wir wohl besser zuhause?“ Ich: „In die Schule? Ja, da sollte er jetzt mal nicht hingehen. Aber an die frische Luft? Jederzeit!“ Vater: „Auch, wenn es so schweinekalt ist, wie grade?“ Tom-Eric: „Papa, warum sind so Schweine kalt?“ Vater: „… jetzt nicht, Tom-Eric.“ Ich: „Ja klar, immer rausgehen – Sauerstoff ist gut für die Genesung.“ Tom-Eric: „Papa, muß ich wirklich rausgehen?“ Vater: „Ja, hat doch der Onkel Doktor gesagt.“ Tom-Eric: „Wegen der Schule?“ Vater: „Nee, zur Schule nicht, einfach so, spazierengehen.“ Tom-Eric: … Frischluft ist gut für die Schule weiterlesen

Hoppeldihopp

Ich: „Und, was hat Ihr Sohn?“ Mutter: „Rückenschmerzen.“ Ich zu ihm: „Seit wann hast Du Rückenschmerzen?“ Marvyn: „Seit heute.“ Ich: „Zeig mal, wo.“ Marvyn: „Hier, ganzer Rücken.“ Ich: „Und, was hast Du gestern gemacht? Trampolin, Fussball?“ Marvyn: „Wir waren im Hoppeldihopp*, Trampolin springen.“ Ich: „Echt? Wie lange?“ Mutter: „Der ist gar nicht mehr runter. Zwei Stunden?“ Kurze Untersuchung. Alles ok. Ich: „Alles klar. Kommt sicher vom Hoppeldihopp. Muskelkater. Überlastung.“ Mutter: „Hab ich doch gleich gesagt.“ Zu Marvyn: „Hab ich das nicht gleich gesagt?“ Marvyn: „Ja.“ Mutter: „Hab ich gleich gesagt.“ Ich: „Ist ja auch naheliegend.“ Mutter: „Ich wäre auch gar … Hoppeldihopp weiterlesen

Kleines Praxis-Lexikon

Synonyme für den Arzt: „Der Mann“ „Der Onkel Doktor“ „Der da“ „Du da“ „Der Piekser“ „Der Gemeine“ („… da kommt wieder der Gemeine/Piekser“ etc.) „Papa“ (Kindermund) „Cheffe“ (Elternmund) „Onkel Doktor Roland*“ Synonyme für die fMFA: „Die Sprechstundenhilfen“ „Die Damen“ „Ihre Helferinnen“ „Die Schwester“ „Die Girls“ „Die Mädchen“ „Die da vorne“ „Ihre Frau“ (äh, nein…?) „Ihre Frauen“ (schon gar nicht…) * Vorname wurde verändert Kleines Praxis-Lexikon weiterlesen

Magendarm

Ich: „Ihr Sohn hat eine ordentliche Magen-Darm-Grippe.“ Mutter: „Und was kann ich dem Hinnrick jetzt dann geben?“ Ich: „Achten Sie bitte vor allem aufs Trinken, er ist ja beinahe zwei, da kann nicht soviel passieren, aber Trinken muß man beachten.“ Mutter: „Der trinkt ja gar nichts.“ Ich: „Wenigstens etwas Tee oder Wasser.“ Mutter: „Mag er nicht. Saft trinkt er.“ Ich: „Naja, das ist jetzt weniger…“ Mutter: „Tee trinkt er nicht. Brauchen Sie ihm gar nicht mit zu kommen.“ Ich: „Gut, wenn er sonst nichts…“ Mutter: „Also Saft. Und Essen?“ Ich: „Da müssen Sie nicht soviel beachten, man empfiehlt heutzutage…“ Mutter: … Magendarm weiterlesen