Hoppeldihopp

Ich: „Und, was hat Ihr Sohn?“
Mutter: „Rückenschmerzen.“
Ich zu ihm: „Seit wann hast Du Rückenschmerzen?“
Marvyn: „Seit heute.“
Ich: „Zeig mal, wo.“
Marvyn: „Hier, ganzer Rücken.“
Ich: „Und, was hast Du gestern gemacht? Trampolin, Fussball?“
Marvyn: „Wir waren im Hoppeldihopp*, Trampolin springen.“
Ich: „Echt? Wie lange?“
Mutter: „Der ist gar nicht mehr runter. Zwei Stunden?“

Kurze Untersuchung. Alles ok.

Ich: „Alles klar. Kommt sicher vom Hoppeldihopp. Muskelkater. Überlastung.“
Mutter: „Hab ich doch gleich gesagt.“ Zu Marvyn: „Hab ich das nicht gleich gesagt?“
Marvyn: „Ja.“
Mutter: „Hab ich gleich gesagt.“
Ich: „Ist ja auch naheliegend.“
Mutter: „Ich wäre auch gar nicht gekommen. Aber der hat solange rumkommandiert, bis wir den Termin bei Ihnen gemacht haben.“
Ich: „Aha. Sie wären nicht gekommen? Interessant. Warum dann?“
Mutter: „So isser eben. Bis er das kriegt, was er will. Hat das ganze Haus zusammengebrüllt, dasser zum Doktor kommt.“

So ein Siebenjähriger kann ganz schön hartnäckig sein. Mache ich mir jetzt Gedanken über die Beziehung zwischen Mutter und Sohn, Interaktionen, Familienaufstellung, Sinn und Unsinn einer derartigen Vorstellung? Wieso setzt sich Mama zuhause nicht durch? Wie kann sie sich so instrumentalisieren lassen? Schnell zum Arzt, der wird schon was entsprechendes sagen? Konfliktvermeidung?
… oder lehne ich mich zurück, schmunzele und plane den nächsten Blogeintrag für heute abend?

*lokaler Indoor-Spielplatz

24 Kommentare zu „Hoppeldihopp

  1. Also ich kann ja nicht wirklich etwas Schlimmes daran sehen, dass eine Mutter dem nachdrücklich geäußerten Wunsch ihres immerhin siebenjährigen Kindes (dass ja im Endeffekt als einziges weiß, was es fühlt) irgendwann nachkommt, einen Arzt aufzusuchen. Mal ehrlich: Kind brüllt nach dem Arzt und Mama sagt „Stell Dich nicht an, Kraft mütterlicher medizinischer Allwissenheit diagnostiziere ich Muskelkater“ wäre doch auch wieder nicht richtig gewesen.

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    1. Hm, sofern es nicht ganz offensichtlich etwas ist was nicht von selber weggeht (z.B. mit dem Hinterkopf auf einem spitzen Stein landen und dann heftig bluten) warten wir IMMER mindestens einen Tag. Hat die Anzahl der Kinderdocbesuche ausserhalb U-Untersuchungen auf eine sehr, sehr geringe Zahl reduziert. Wenn Kind noch laufen / sitzen/ stehen kann, nichts blau wird oder schwillt – ist die Gefahr, dass es sich beim Doc ansteckt groesser, als dass es sich um etwas wirklich Schwerwiegendes handelt was durch 1-2 Tage behandlungsverzug schlimmer wird.

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      1. Und dann kommt der Moment, wo sich die fünfjährige Tochter (nur zum besseren Verständnis: das war in dem Fall ich) das Schlüsselbein bricht und dann eineinhalb Tage und eine Nacht damit herumlaufen darf, unentwegt über Schmerzen klagt und danach auch massiv Schmerzen davonträgt.

        Ich bin meiner Mutter nicht böse, ich habe viel geschrieen. Aber man muss eben auch sagen, dass es nicht immer die beste Idee ist, abzuwarten.

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        1. Eigentlich ist es auch da eine hervorragende Idee. Nur dass deine Mutter halt „unentwegt über Schmerzen klagen“ ignoriert hat. Davon steht im Vorkommentar nichts.

          Der Kinderarzt ist bei sowas dann auch kein allzu geeigneter Ansprechnpartner mehr. Wenn am Morgen irgend etwas passiert ist und am Nachmittag noch zum Schreien gemein wehtut, kann man eigentlich gleich in ein Krankenhaus fahren, bei denen steht das Röntgengerät um die Ecke.

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        2. Jepp, ich bin auch mal ne Woche mit angebrochenem Arm rumgelaufen, weil meine Mutter meinte solange ich die Finger bewegen kann, kanns nicht gebrochen sein.

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  2. Hat dieser Siebenjährige vorher nie Muskelkater gehabt? Wenn es in der Schulzeit passiert wäre, würde ich ja vermuten, da‚ er sich einen freien Tag erschleichen wollte. Ich kann mich gut daran erinnern, als wir im Urlaub mal Strand-Football gespielt haben… am nächsten Tag konnte ich kaum aufstehen oder Treppen auf oder ab steigen. Ein rundum Muskelkater kann sich schon irre anfühlen… da bemerkt man Muskelgruppen, von denen man nicht wußte, da‚ sie existieren!

    Anhand des Vortagesprogramms lag es schon nahe, daß ein Zusammenhang besteht. Wer weiß, was der Knabe zu Hause noch für Schmerzen geschildert hat.

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    1. Manchmal ist man auch von Blindheit geschlagen 😀
      Mich hatte der Arzt mal auf Trombose untersucht, als ich am Tag nach der Geburt über Beinschmerzen klagte. Uns wurde erst im Nachhinein klar, dass stundenlanges auf-der-Seite-liegen-und-bei-jeder-Wehe-das-Bein-heben auch Muskelkater verursachen kann.
      Ansonsten… ich wäre zu faul, zum Kinderarzt zu gehen, nur weil mein Kind das fordert und obwohl ich davon überzeugt wäre, dass es nichts ist. Da sag ich lieber einmal klipp und klar, dass wir erst mal austesten, ob der Nachtschlaf nicht das Problem behebt.

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  3. Wenn es ein Privatpatient ist – schmunzeln, Blogbeitrag vorbereiten und abrechnen.
    Ist es ein GKV-Kind – Blog beitrag vorbereiten und ärgern, dass es „aufs Budget“ geht, dass ja sowieso überzogen wird und man wieder umsonst arbeiten muss.

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  4. So eine Mutter ist mir allemal symphatischer als eine Mutter die abwartet und selber Doc spielt.Meine Mutter hat 90 Prozent aller Erkrankungen von meinen Geschwistern und mir selbst behandelt.Kind(Ich,ca.7 Jahre alt) springt vom Dach einer Abrissbaracke und landet mit dem Fuss dummerweise auf einem Brett aus dem ein langer Nagel schaut,also humpelt Kind mit dem Brett am Fuss nach Hause welches zum Glück gleich neben an liegt,Mutter zieht Brett vom Fuss und badet diesen dann in Doppelkorn,Kind verbrennt sich den Daumen,wieder muss der Doppelkorn herhalten.Das erstemal das ich einen Arzt sah hatte ich meiner älteren Schwester zu verdanken die gerade zu Hause war als ich mit dem Rad stürzte und meine Hand in einem Scherbenhaufen landete.Mutter holte wieder einmal den Doppelkorn aus dem Kühlschrank aber meine Schwester bestand auf einen Besuch im Krankenhaus,nach einigem hin und her durfte sie dann mit mir dorthin fahren und man zog einige Scherben aus meiner Hand und nähte diese.
    Zur Behandlung gab es daheim immer je nach Verletzung bzw.Erkrankung Doppelkorn bzw.Essig und Spalttabletten.
    Das war alles in den 1970er Jahren auf dem Dorf aber auch zu der Zeit gab es schon Krankenversicherung und gute medizinische Betreuung aber meine Mutter tat immer so als ob sie den Arzt selbst zahlen müsste.

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    1. Doppelkorn dürfte ja zumindest noch eine desinfizierende Wirkung haben. Heut gibts bei Müttern die sich slebst für tolle Ärzte halten dann Globuli und die haben überhaupt keine Wirkung…

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  5. Unser Kind geht auch gern zum Arzt. Liegt ja auf der Hand: Mama/Papa nehmen sich Zeit, man kann im Wartezimmer schön spielen (bei uns sind Wartezeiten über 2h völlig normal – aber die Ärztin ist so toll, da nehmen wir das in Kauf). Wenn das Kind Glück hat (Ironie), wird es krank geschrieben und hat noch viel mehr Tage allein mit Mama/Papa. Wir gehen Arztbesuche auch positiv an. Und Spritzen ist noch toller – da gibt´s beim Arzt immer noch eine kleine Tüte Gummibären.

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  6. Seltsam, seltsam…
    Keiner geht in den Kommentaren auf das wrkliche Problem ein. Kann man daraus schließen, daß es für normal gehalten wird, wenn das Kind die Entscheidungen ertrotzt?

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    1. Ich würde da entspannt die Kirche im Dorf lassen. Elternschaft/Erziehung ist kräftezerrend und selbst die reflektiertesten Eltern haben das Recht, sich die Kriegsschauplätze auszusuchen. Aus diesem „Lebensausschnitt“ einen allgemeinen Erziehungsstilverriß zu starten halte ich daher für übertrieben.

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        1. @Filinchen
          Ja, klingt schon nach geplantem Terror des Jungspundes…nicht so super, insbesondere wenn der mal 14 ist, dann wird er nicht mehr zu bändigen sein…

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    2. 🙂 Ich musste auch grinsen. Und ja, meine Mutter hat auch schon mal eine schmerzhafte Krankheit bei mir verschleppt, weil sie nicht rechtzeitig zum Kinderarzt mit mir gegangen ist. Aber darum geht es hier doch gar nicht. Die Aussage der Mutter lautete ja nicht dahingehend, dass sie sich doch Sorgen gemacht hätte. Sondern dass ihr Sohn sich den Besuch ertrotzt hat!
      Mein einer Sohn leidet häufig unter Reizhusten. Wir haben daher meist einen Hustenstiller zu Hause. Den er gerne nimmt (vermute, er schmeckt sehr süß). Aber die Entscheidung, wann er den bekommt, treffen der Arzt oder ich. Ganz bestimmt nicht mein Sohn. Auch wenn er deswegen neulich einen (kleinen) Trotzanfall hatte.

      Eine Erfahrung habe ich bei zwei Kindern gemacht: wenn man einen Trotzanfall durchsteht, vermeidet man damit mind. 5 weitere. Weil die Kleinen ganz schnell lernen, wenn sie mit einem solchen Anfall nicht durch kommen. Ganz vermeiden kann man sie trotzdem nicht, aber die Anzahl deutlich minimieren, was wiederum die Stimmung zu Hause deutlich entspannt. Lieber ab und zu mal Augen zu und durch statt ständig in einem Minenfeld leben müssen!

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  7. Mmm, ich weiß auch nicht, ob ich als Mutter das „hab ich gleich gesagt“ vor dem Arzt ausgetrgen hätte. Ein Gespräch unter vier Augen nachher wäre vielleicht hilfreicher gewesen…?

    Aber es ist schon schwierig, in Schmerzfällen die Nerven zu behalten. Meiner hatte neulich Brause in den Augen und deutlich nach dem Notarzt gerufen. Es hat eine Weile gedauert, bis das raus war. Aber dann war es auch gut.

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