Nachfragen

Liebe Frau Guney, ich kann verstehen, dass Sie mit Ihrem Anderthalbjährigen nachts um zwei in die Notambulanz am Klinikum fahren, weil er zweimal gespuckt hat. Das kann einen nachts wirklich irritieren, und Ihrem Sohn ging es bestimmt auch nicht so gut dabei. Ich kann auch noch verstehen, dass Sie in der nächsten Nacht um die gleiche Zeit – ach, nein, ich sehe gerade, es war eine Stunde später – nochmals in die Klinik gefahren sind, weil Ihr Mehmet wieder gespuckt hat, am Tag hatte er ja auch zweimal Durchfall, wie ich sehe. Etwas unklar ist mir dann aber die Vorstellung … Nachfragen weiterlesen

Ist das mal dringend!

fMFA: „Herr Doktor, da ist ein Kollege am Telefon. Möchte Sie dringendst sprechen.“ Ich: „Wer denn?“ fMFA: „Ein Dr. Meissner aus Obersterzen, er würde sie kennen.“ Nie gehört. Ich: „Nie gehört. Na, geben Sie mal her.“ Ich: „Hallo, Kinderdok hier.“ Meissner: „Grüß Gott, Herr Kollege, es gibt was Dringendes.“ Ich: „Grüß Gott, ja, was denn?“ Meissner: „Mein Sohn ist ja bei Ihnen in Behandlung.“ Meissner? Meissner? Ich hacke schnell auf der Tastatur rum. Gibt´s nicht. „Achja?“, frage ich. Meissner: „Ja. Der hat den Namen meiner Ex, Pletzikowski.“ Jetzt finde ich ihn. Acht Jahre, einmal jemals bei mir gewesen, vor vier … Ist das mal dringend! weiterlesen

Kurz vor Schluß ein Service-Notfall

Zehn Minuten vor Ende der Sprechstunde. Mutter am Telefon: „Ja, unser Kinderarzt ist im frei, da kommen wir jetzt zu Ihnen.“ mMFA: „Äh… , und was hat Ihr Kind?“ Mutter: „Na, Fieber, schlecht, kotzt, wir kommen jetzt.“ mMFA: „… na dann.“ Mutter legt auf, steht eine halbe Stunde später vor der Tür. Ja, Privatpatienten. Ich: „Guten Abend, was gibts denn bei Ihnen?“ Mutter: „Die Malena hat Fieber, gucken Sie mal.“ Sie deutet auf das Häuflein Elend von sieben Jahr, dass mich von der Liege … angrinst. Die Bewegung macht klar: Ich soll jetzt retten, sie hat ihren Job getan. Ich: … Kurz vor Schluß ein Service-Notfall weiterlesen

U-Bahn-Medizin

„Wo issen meine Cola, menno.“ Sie kramt in ihrer überdimensionierten Umhängetasche. Ihre Freundin sitzt ihr gegenüber in der U-Bahn. „Seit wann trinksten Du Cola?“ „Hab ich immer wieder so Magenschmerzen, da so.“ Sie hält sich die rechte Seite. „Echt?“ „Ja, Omma sagt, Pfeffa-Tee oder Cola. Dann aber Cola.“ „Und was haste da?“ „Keine Ahnung, brutale Schmerzen. Wie’d Sau, echt. Morgens schon, auch mal wieder weg. Aber dann wieder brutal, sach ich Dir.“ „Hammer…“ „Ja, wirklich. Wie’d Sau. Muss ich mal Arzt.“ „Warste noch nicht?“ „Nee, geht ja erst zwei Wochen oder so. Brutal, sag ich Dir, das fängt immer da … U-Bahn-Medizin weiterlesen

Verzögerungserklärung

Als ich letztens im Notdienst den Vater fragte, warum er seine vierjährige Tochter erst jetzt um 21 Uhr in die Notfallambulanz bringt, obwohl sie nach seinen Aussagen schon seit morgens um zehn Uhr Ohrenschmerzen und Fieber habe: „Wissense, das war ja ers’ma gar nicht so schlimm, und dann war sie auch noch im Kindergarten, und dann hatte meine Frau heute morgen auch kein Auto, und außerdem wollte sie ja noch zu ihrer Freundin spielen…,“ – die Tochter – „und später dann hatte der Kinderarzt keine Sprechstunde mehr, also um sieben abends, und außerdem wollte sie dann doch nicht schlafen, und … Verzögerungserklärung weiterlesen

Achtung! Weihnachtszeit!

Unaufhaltsam gehen wir auf die Weihnachtstage zu – dabei ist noch nicht mal 1.Advent. Aber die Supermärkte beliefern schon seit August mit Lebkuchen, die Kaufhäuser packen die Glitzerkugeln aus, die fMFA haben die Praxis auch schon vernadelt und die ersten Adventskalender wurden als Werbeträger bereits Mitte des Monats abgeladen. Die Weihnachtszeit ist auch Unfallzeit. Gewußt? Na klar, wer Kinder hat, kennt diese Dinge. Also bitte beachten (aus der Praxis, nicht aus irgendeinem Erste-Hilfe-Buch): – Keine Nüsse jeglicher Sorte unter … ja, ich sag mal fünf Jahre. Eigentlich gehts immer nur um die „Kleinteile“ unter Drei – aber in der Klinik … Achtung! Weihnachtszeit! weiterlesen

Neulich im Notdienst

„Also, wir waren am Freitag abend schon in der Notfallpraxis, am Sonntag nochmal, und jetzt sind wir wieder hier,“ schmettert mir die Mutter entgegen, als ich am Abend durch die Tür des Notfallzimmers trete. Ich mache meinen wöchentlichen Notfalldienst an der Kinderklinik des Nachbarortes. Es ist Montag. Ich: „Und um was gehts?“ Auf der Liege sitzt ein vielleicht Zweijähriger, der mich taxierend, aber freundlich anschaut. Mein Arztinstinkt sagt: Nicht wirklich krank. Mutter: „Na, Fieber hat er. Schon seit Freitag.“ Ich: „Und sonst? Husten? Schnupfen?“ Mutter: „Ja, Husten und Schnupfen.“ Ich: „Sie waren also Freitag hier, gestern hier und nun heute … Neulich im Notdienst weiterlesen

Neulich im Notdienst

Ich gehe in das Untersuchungszimmer. 7jähriger liegt auf der Untersuchungsliege, rechtes Hosenbein hochgekrempelt, unterhalb des Knies sieht man eine leicht gerötete Stelle, Typ oberflächliche Schürfwunde. Es ist 21.30 Uhr. Der Vater sitzt am Kopfende und hält dem Jungen die Hand… Ich: „So, was gibts denn bei Ihnen?“ Vater: „Na, da, die Wunde.“ Ich: „Ok, was ist das passiert?“ Vater: „Ist beim Fussball ausgerutscht. Geschürft.“ Ich: „Wann war das?“ Vater: „Vor drei Tagen.“ Ich: „Alles klar.“ Ich schaue mir kurz die Wunde an, sie sieht sauber aus, beginnt schon zu verschorfen. „Was haben Sie bisher gemacht?“ Vater: „Haben wir Pflaster gekriegt … Neulich im Notdienst weiterlesen

Notfalltelefon

Ich: „Kinderdok, hallo?“ Mutter: „Ja, Tach auch, ich ruf an, weil, der Dschäisen hat grad auffe Herdplatte gefasst. Wollt’ch mal fragen, was man da jetzt machen kann?“ Nach einer Viertelstunde Erklärung übers Telefon zur Ersten Hilfe bei Verbrennungen und meiner folgenden Aufregung, dass Jasons Mutter nicht einmal auf die Idee kam, die Hand unter Wasser zu halten, meinte Kinderdoks Frau: „Vielleicht hättest Du sagen sollen, sie soll zuerst einmal die Hand von der Platte nehmen…“ Notfalltelefon weiterlesen

Kugeln im Notdienst (Cave: Schon wieder Hömoipathie-Bashing*)

Tut mir leid, schon wieder Globuli: Lieber Kollege der Anhängerschaft der weissen Streukügelchen, ich habe nicht grundsätzlich etwas dagegen, wenn Sie im Notfalldienst in der Ambulanz der hiesigen Kinderklinik versuchen, Ihre Zuckerli an die Eltern heranzutragen. Wenn Sie die Zeit im Dienst für eine anständige Erstanamnese zur Wirkstofffindung haben … Mich ärgert aber, dass Sie a) den Eltern das Wirkprinzip der Globuli nicht verklickern, sondern sie kommentarlos zum nächsten Tag in meine Sprechstunde schicken, damit ich ihnen das Nichtwirkprinzip erkläre („Weisscht, Dokter, Arzt im Krankenhause haben das da und das da mitgegeben, das sollen wir jetzt drei Woche nehme, weisscht…“) … Kugeln im Notdienst (Cave: Schon wieder Hömoipathie-Bashing*) weiterlesen