Warum die Notfallambulanzen so leer sind

In unseren organisierten Notdiensten für Kinder und Jugendliche am Wochenende und vielerorts am Abend, wenn die Praxen geschlossen sind, machen wir seit der Corona-Zeit eine sehr interessante Beobachtung: Es kommen kaum noch Eltern mit ihren Kindern. Und: Die Kinder, die vorgestellt werden, sind in aller Regel wirklich krank. Dies soll jetzt nicht abwertend klingen im Blick auf frühere Zeiten, aber der Notdienst wurde vielfach mißbraucht als praktische Anlaufstelle zum Wochenende, weil a) man es unter der Woche nicht geschafft hat oder b) man keinen Termin in der eigenen Praxis bekam/ausgemacht hatte. Ähnlich dürfte es in den allgemeinmedizinischen Notfallpraxen aussehen. Aber … Warum die Notfallambulanzen so leer sind weiterlesen

Neulich im Notdienst

Bei uns sitzen die Kinder in den Notfallboxen (so heissen die eben), und die Ärzt*in geht dann hinein und beginnt das Frage- und Untersuchungsspiel. Heute ist es mal anders. Die fMFA hatte mir die Box No.3 angesagt, ein Kleinkind mit Fieber. Ich also auf dem Weg dorthin, wundere mich schon, weil die Tür weit offen steht. Kein Kind im Zimmer, keine Eltern, aber eine Tasche auf dem Stuhl, die Untersuchungspapiere auf dem Tisch. „Ach, sind Sie der Doktor?“, fragt mich ein Mann, der fünf Meter weiter im Gang steht. „Moment.“ Er läuft nicht zu mir, sondern in die andere Richtung, … Neulich im Notdienst weiterlesen

116117

Die ehrenwerte Kassenärztliche Bundesvereinigung hat mich tatsächlich angeschrieben, ob ich nicht auf meinem Blog die bundeseinheitliche Nummer 116117 promoten möchte. Nicht, dass ich mir darauf etwas einbilde, vermutlich war es sowieso nur ein Bot, der alle medizinisch klingenden Websites anschreibt, aber dennoch: Die Idee ist eigentlich ganz gut. Unter 112 kommt das Blaulicht und die Sirene angefahren, jetzt brennt es wirklich, ob Haus oder Hof oder eben der Körper. Dass viele Patienten jedoch diese Nummer wählen, wenn sie nur kleinere Wehwechen haben, hat sich mittlerweile rumgesprochen, die Klagen der Rettungsdienste und Anekdoten über unsinniges Ausrücken des Notarztes sind Legion. Das … 116117 weiterlesen

Ein normaler Notfalldienst

Es haben mich schon mehrere Leser gefragt, was denn nun wirklich in so Notfalldiensten durch die Tür kommt. Hier der Original-Mitschnitt meines letzten Wochenend-Dienstes (8-20 Uhr), übrigens ein Samstag. Viel Spaß. 8:01 (1) 1 Jahr alt (2), Erbrechen ganze Nacht, zuletzt 5 Uhr, hier topfit 8:02 2,5 Jahre, Fieber seit 2 Tagen, „rötlicher“ Urin, Urinbefund oB, Windeldermatitis, Erkältung 8:09 1 Jahr, Verbandswechsel nach Verbrühung vor drei Tagen, Oberkörper, ca. 5% 8:13 2,5 Jahre, Ohrenweh seit Aufstehen, Cerumen obturans (Ohrenschmalz) 8:19 6 Jahre, Ohrenweh seit „eben“, keine Entzündung 8:24 2 Jahre, Halsweh und Erbrechen seit Vortag, Streptokokken-Pharyngitis, Antibiose (3) 8:46 1 … Ein normaler Notfalldienst weiterlesen

Ein Sturz, … und die Ärzte versammeln sich

Jugendlicher, 14 Jahre alt, stolpert in der U-Bahn und stösst sich an der Stuhllehne den rechten Rippenbogen. Es entsteht ein blauer Fleck. Was passiert dann? – Tag 1: Jugendliche stellt sich in der (Erwachsenen-)Notfallpraxis vor. Kontakt zu einem Allgemeinarzt (Doc 1). Dokumentiert das Hämatom und verweist an die Unfallchirurgie im Haus. – Gleicher Tag: Vorstellung Unfallchirurgie bei Doc 2: Bestätigt o.g. Befund, verzichtet auf Röntgenbild, empfiehlt „morgen Kontrolle bei Kinderarzt“. – Tag 2: Vorstellung bei niedergelassenem Unfallchirurg (Doc 3), weil immer noch Schmerzen. Bestätigung des o.g. Befundes. Empfehlung: Vorstellung beim Kinderarzt „um mal abzuhören“ (sic!) – Tag 3: Vorstellung bei … Ein Sturz, … und die Ärzte versammeln sich weiterlesen

Rote Fahnen oder: Wenn Kinderärzte sich Sorgen machen

Alle Welt spricht in der Notfallbehandlung und den Ambulanzen vom Triage-System: Also der Einschätzung, ob eine ambulante Vorstellung sehr dringend, weniger dringend oder „naja, das ist ja nicht wirklich ein Notfall“ ist. Manchmal wird es auch das „Ampel-System“ genannt, weil rote, gelbe und grüne Farben vergeben werden, um die Dringlichkeit einer Behandlung anzuzeigen. Dem verwandt sind die „Red Flags„, die sich in vielen Symptombeschreibungen finden, also Krankheitszeichen, die in der Aufmerksamkeit des Mediziners knallrote Fahnen schwenken: Achtung! Gefahr! Ich versuche, meinen fMFA diese roten Fahnen zu vermitteln: Eltern rufen ja meist vorher an, weil sie einen Termin brauchen, und die … Rote Fahnen oder: Wenn Kinderärzte sich Sorgen machen weiterlesen

Neulich im Notdienst

„Hallo, guten Abend, um was geht´s denn bei Ihnen?“ „Die Mira-Belle hier, die ist dran.“ „Und was hat sie?“ „Ich dachte, ich lass mal g´schwind schauen, ob sie morgen in die Kita kann.“ „Und welche Symptome hat sie?“ „Symptome, wie jetzt?“ „Husten? Schnupfen? Erbrechen? Durchfall?“ „Nö. Naja, ein bisschen müde war sie heute, wenn Sie so fragen.“ „Aha. Aber sonst… irgendwie…, also: Krank?“ „Naja. Nicht wirklich.“ „Und…, warum sind Sie jetzt genau gekommen?“ „Ihr Freund, der Pätrick, der war vor zwei Tagen so richtig krank…“ „Ja?“ „… und da wollte ich mal schauen, ob sie sich schon angesteckt hat.“ … … Neulich im Notdienst weiterlesen

Notdienstzecke 2*

Neulich im Notdienst, so gegen 21.30 Uhr. Vater: „Wir sind hier, weil der Hinnerk-Miro hatte eine Zecke.“ Ich: „Alles klar. Und jetzt hat er sie nicht mehr?“ Vater: „Nein, die haben wir entfernt.“ Ich: „Das ist toll von Ihnen. Und was kann ich nun für Sie tun?“ Vater: „Na, sich das mal anschauen.“ Ich: „Die Stichstelle?“ Vater: „Da, wo sie gebissen hat, ja.“ Ich: „Zecken stech … ach egal, zeigen Sie mal.“ Wir begutachten voll Hingabe eine kleine Stelle oberhalb des distalen Endes der rechten Clavikula, vulgo rechte Schulter. Also, ich sehe nichts. Ich: „Das da?“ Ich zeige auf eine … Notdienstzecke 2* weiterlesen

Neulich im Notdienst

Mutter: „Ich wollte mal den Ausschlag anschauen lassen. Ist das normal?“ Ich: „Ja, das ist so eine Reaktion der Wangen, gibts viel im Winter, wenn es kalt ist.“ Mutter: „Was kann ich da machen?“ Ich: „Bissel eincremen, Gesichtscreme, Fettcreme, was Sie haben.“ Mutter: „Und dann wollte ich noch fragen…?“ Ich: „Ja?“ Mutter: „Sieht das normal aus?“ Ich: „Wie jetzt, wegen des Ausschlags, wie gesagt…“ Mutter: „Nein, nein, ob mein Kind so normal aussieht?“ Ich: „Normal, ja… Ja, sicher. Wieso, was meinen Sie?“ Mutter: „Naja, sieht das behindert aus, oder?“ Ich: „Wie, behindert?“ Mutter: „So, geistig, geistig behindert?“ Der Junge war … Neulich im Notdienst weiterlesen

Work Life Balance

Der Vater stemmt die Hände in die Hüften: „Ja, gestern abend, da waren Sie nicht mehr erreichbar.“ Ich: „Es gibt doch dann den Notdienst im Krankenhaus, da können Sie jederzeit hinfahren.“ Vater: „Ja, genau, und da setze ich mich hin und warte stundenlang.“ Ich: „Tagsüber können Sie uns gut erreichen. Hatte Ihre Tochter das Fieber nicht schon übers Wochenende?“ Vater: „Mmh. Wir sind dann zu Ihrem Kollegen in die Stadt gefahren. Der war immerhin um 20 Uhr 30 noch in seiner Praxis und hat gearbeitet. Da hatten Sie“, er zeigt mit dem Zeigefinger auf mich. „schon Ihren segensreichen Feierabend.“ Das … Work Life Balance weiterlesen