Ein Sturz, … und die Ärzte versammeln sich

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Jugendlicher, 14 Jahre alt, stolpert in der U-Bahn und stösst sich an der Stuhllehne den rechten Rippenbogen. Es entsteht ein blauer Fleck. Was passiert dann?
– Tag 1: Jugendliche stellt sich in der (Erwachsenen-)Notfallpraxis vor. Kontakt zu einem Allgemeinarzt (Doc 1). Dokumentiert das Hämatom und verweist an die Unfallchirurgie im Haus.
– Gleicher Tag: Vorstellung Unfallchirurgie bei Doc 2: Bestätigt o.g. Befund, verzichtet auf Röntgenbild, empfiehlt „morgen Kontrolle bei Kinderarzt“.
– Tag 2: Vorstellung bei niedergelassenem Unfallchirurg (Doc 3), weil immer noch Schmerzen. Bestätigung des o.g. Befundes. Empfehlung: Vorstellung beim Kinderarzt „um mal abzuhören“ (sic!)
– Tag 3: Vorstellung bei Kinderdok (Doc 4) – Auskultation ohne Befund. Hämatom wie oben (ca. 2-Euro-Stück-gross), weiter Schmerzen an der Stelle. Beratung, Ibuprofen bei Bedarf, Bitte um Wiedervorstellung *nur* bei Atemnot.
Frage der begleitenden Mutter: „Sollen wir dann morgen doch nochmal in die Klinik zum Röntgen? Zur Sicherheit?“

Ich habe verneint.

Was würde passieren, wenn Patienten bei jeder Arztvorstellung eine Gebühr zahlen müssten? Was wäre passiert, wenn der erstbehandelnde Allgemeinarzt eben nicht nach forensischem Sicherheitsstreben gehandelt hätte, sondern mit gesundem medizinischen Sachverstand? Und die Harmlosigkeit eines kleinen Hämatoms hervorgehoben, den absehbaren Verlauf geschildert, eine Schmerzmedikation verordnet und Empfehlungen zur Dringlichkeit einer Wiedervorstellung gegeben hätte, sprich: Eine Beratung durchgeführt hätte? Fahrradkette.

(c) Bild bei Pixabay/geralt (Creative Commons CC0)

46 Einträge zu „Ein Sturz, … und die Ärzte versammeln sich

  • Ich habe ja Verständnis bei Eltern neugeborenen Kinder, vor allem beim ersten Kind, wenn es da ganz große Unsicherheiten gibt.

    Aber der Junge ist 14 Jahre alt! Wie haben die denn bisher die Kinder- und Jugendzeit überstanden? Sind die bei jedem kleinen Sturz im (Klein)Kindalter auch zu so vielen Ärzten gerannt?

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  • lach bei meinen 5 Kindern (inzwischen junge Erwachsene) wäre ich bis heute noch nicht wieder zu Hause bei einem solchen Doktorenmarathon 🙂
    Zum Glück kommen dann doch nicht alle wegen jedem 2-€-HÄmatom in Behandlung 🙂
    Schönen Sonntag und nicht stolpern!

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  • …und selbst, wenn eine Rippe (an)gebrochen gewesen wäre, wäre das durch das Röntgen zwar festgestellt worden, man hätte aber weiter auch nicht viel gemacht, das heilt von allein.

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  • Ich lese das ja mit etwas gespaltenen Gefühlen, da ich ja nun in einem Land lebe, in dem das genau andersherum läuft. Das schwedische Gesundheitswesen fußt darauf, dass der Patient dem Arzt möglichst ferngehalten wird, und leider funktioniert das recht gut. Die Dokumentation ist mangelhaft, und eine kontinuierliche Arztbetreuung gibt es nicht.
    Letzten Sommer ist hier ein 4 jähriges Mädchen gestorben, das in der Woche vor seinem Tod 4x (!!!) mit heftigen Bauchschmerzen in der Notaufnahme war (hausärztlichen Notdienst gibt es im Norden nur sehr begrenzt). Viermal keine Palpation, kein Ultraschall. Einmal Blut abgenommen mit leichter Anämie und hoher LDH. Nicht draufgeguckt, keine Kontrolle, keine Empfehlungen, nur „nervöser Magen“. Nach acht Tagen ist sie morgens plötzlich tot umgefallen. Lungenembolie. Todesursache: ein 400g schwerer Wilmstumor. Dem Mädel war 6 Monate vorher ein Diabetes diagnostiziert worden, ebenfalls ohne basale Untersuchungen. Die immer wieder auftretenden leichten Bauchbeschwerden wurden mit den Insulininjektionen erklärt. Kein Sono. Die Mutter versucht den Fall publik zu machen, damit die entsprechenden Stellen mal überdenken, was passiert ist. Aber die Schweden zucken mit den Schultern und stellen fest „ja, das war wirklich traurig“.
    Dieser Fall macht mich rasend, weil er dummerweise hier oben mehr die Regel als die Ausnahme ist. Warum geht nicht irgendwas Lagom, also zwischen der deutschen Ärztehysterie (die ja auch gefährlich sein kann) und dieser totalen schwedischen Ignoranz?

    Ratlose Grüße von Annika aus Nordschweden

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  • Mein Onkel ist mit dem Fahrrad gestürzt und hatte ein Hämatom am Oberschenkel vom Lenker…. der Arzt im Krankhaus meinte Bein Hochlegen, die Stelle kühlen und in ein paar Tagen ist alles vergessen.
    Am nächsten Morgen war mein Onkel Tod, innerlich verblutet, da die Ader angerissen war.

    Fehler vom behandelnden Arzt oder unglückliche Umstände?

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    • Ich hab geahnt, dass so ein Fall geschildert werden würde. An zweizeitige Milzruptur oder gedeckte Arterienrupturen denken wohl viele hier.
      Entscheidend hier ist aber, dass der Kinderdoc hat durchblicken lassen, dass der Junge untersucht wurde. Und eben nicht einfach nur beschieden wird, dass es schon nix sein wird. Und das ist eben was, was den Schweden fehlt …

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  • In Berlin gibt es da ganz andere Kosten, die einen am Ärzte-Marathon hindern:
    Wenn man bei jedem Arzt bis zu 8 Stunden wartet, überlegt man es sich genau,ob man wirklich hin muss.
    In dieser Hinsicht bin ich froh, bei einer KK versichert zu sein, die ein Ärztetelefon anbietet. Da habe ich schon öfter angerufen, um eine Meinung dazu zu bekommen, ob sich ein Arztbesuch lohnt.

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    • Wenn du 8h wartest sei gewiss es ist nix schlimmes. Das ist nur ein Phänomen der Über-Anspruchnahme der Notaufnahmen und dort werden naturgemäß die Notfälle zuerst behandelt. Wenn es dauert eher froh sein und überlegen ob nicht doch die Kontrolle im Rahmen der normalen Sprechstunde reicht.

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      • Hallo,

        du hast sicher Recht und ich merke, ich hätte mich genauer ausdrücken müssen.
        Ich sehe die langen Wartezeiten als Ersatz für monetäre Kosten und das im positiven Sinne.

        Wenn man – wie in kinderdoc´s Gedankenspiel – darauf spekuliert, durch Gebühren unnötige Arztbesuche zu vermeiden, befürchte ich, dass manche aus Geldmangel einen nötigen Arztbesuch unterlassen. Wenn es dagegen „Zeit-Kosten“ sind, kann es sich – wenn man selbst etwas Schlimmes vermutet – jeder leisten. Naja… in der Theorie.

        Deshalb finde ich Wartezeiten als Kosten besser, als Gebühren.

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        • Naja, ich denke eine geringe Gebühr würde Manchen dann schon von Doppel/Beruhigungs-Inanspruchnahmen abhalten. Diese „zur-Sicherheit und vor-dem-Wochenende-Kommer“- Was soll das? Wir haben auch keine Glaskugel und es kann genauso am nächsten Tag was sein oder eben nicht. Und wenn du verletzt auf der Straße liegst würde sicher kein Arzt zuerst nach dem Geld fragen……..

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  • Der Sohn war mit 13 mit mir beim Zahnarzt, weil er Zahnschmerzen hatte. Die Zahnärztin untersuchte seine Zähne und fand nichts und sagte, dass das vorkommen könnte. Sie könnte zwar röntgen, aber sie hielte das aus Kostengründen und wegen der Strahlenbelastung für unnötig. Wenn die Schmerzen nicht weggingen, sollten wir wiederkommen, selbst wenn etwas wäre, würde sich in zwei Wochen nichts dramatisch verschlimmern. Das fand ich souverän, zumal wir auch privat versichert sind. Ich glaube, eine Menge andere Ärzte hätten das Röntgen in der eigenen Praxis schnell gemacht, „um sicher zu gehen“.

    Ich habe mir gestern in der Reha-Klinik beim Sportangebot bei einem Ausfallschritt den Muskel gezerrt oder so was. Tat tüchtig weh, ich konnte nicht Treppensteigen ohne Handlauf, war aber auszuhalten,und es war nicht das Knie, sondern darüber, war ich mir sicher. Weil das ein BG-Unfall war, wurde ich in die Ambulanz eines verbundenen Krankenhauses gefahren, um dort geröntgt und mit Ultraschall untersucht zu werden, in der folgenden Woche wird noch ein MRT oder CRT gemacht, um wegen der Haftung sicher zu sei, denke ich. Medizinischer Overkill, habe ich das Gefühl.

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  • Den ersten Arzt versteh‘ ich noch, bei Stößen auf den Rippenbogen ist ein Oberbauch-Sono noch recht fix und entsprechend wenig invasiv vom Unfallchirurgen durchgeführt und lässt einen besser schlafen ohne gleich in Aktionismus zu verfallen. Aber ganz ehrlich… eine Wiedervorstellung ohne Beschwerdepersistenz (und zwar länger als einen Tag) oder -zunahme find ich (zumindest nach dem was aus deinem Bericht zu entnehmen ist) unnötig. Und die Eltern versteh‘ ich auch: Wenn man so oft weiter geschickt wurde, ist man am Ende doch komplett verunsichert.

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  • Wenn man auf jeden Ottonormalversager, der mal was (vermeintlich) Unangebrachtes macht und dadurch Kosten und Aufwand verursacht, mit dem Finger zeigt und meint, das sollte er schön selber bezahlen, dann können wir auch aufhören eine Gesellschaft zu sein.

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    • Es geht darum, dass ein ganzes System ausgehelbelt wird. Die Notaufnahme die den Schnupfen nach Feierabend und den „ich brauch noch AU“ und die Beschwerden die seit Wochen bestehen mitversorgen muss (und nein, wegschicken dürfen die niemand) kann ihrem eigentlichen Auftrag nicht mehr nachkommen, das Personal ist immer an der Belastungsgrenze. Die Facharztsprechstunden die von Patienten gesprengt werden, welche Schmerzen haben und besorgt sind aber ohne gesicherte Diagnose kommen können sich nicht mehr um die wirklich und chronisch Kranken kümmern. Es ist immer schön einfach für die ganzen Individualisten die besorgt sind und mal was abgeklärt haben wollen. Da wäre gesunder Menschenverstand oft besser.

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      • Es landen eben aber auch Menschen in der Notaufnahme, die sich wegen Dummheit oder Fahrlässigkeit verletzen. Beispielsweise soll es schon
        vorgekommen sein, dass Leute mit ihrem Auto viel zu schnell gefahren sind und die Kontrolle über selbiges verloren haben. Oder Leute werden unverschuldet in einen Unfall verwickelt und waren nicht angeschnallt.
        Manche erleiden vielleicht Herzinfarkte oder Schlaganfälle, weil sie ungesund gelebt haben. Wer sollte jetzt extra bezahlen und wer nicht?
        Ich verstehe das Problem. Vielleicht sollte man einfach mehr Personal einstellen? Ach ne, das geht nicht. Krankenhäuser sind ja heutzutage Unternehmen und Gesundheit die Ware.
        Klar, gesunder Menschenverstand wäre immer besser.

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        • Naja, heute muss sich jedes Unternehmen wirtschaftlich rechnen. Wegen der Dummheit der Leute mehr Personal einstellen wird wohl kaum einer. Früher hat man auch erstmal selber überlegt was zu tun ist und ob nicht die Vorstellung in der normalen Sprechstunde reicht und bis dahin Hausmittel, Tee, Nasentropfen. Heute muss immer alles sofort geheilt werden und die Leute erwarten vom Arzt Wunder. Ebenso ist nicht jeder Knieschmerz gleich Rheuma. So etwas kann beim Hausarzt mit einfachen Tests geklärt werden und es bleibt Zeit für die richtig Kranken.

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        • „Naja, heute muss sich jedes Unternehmen wirtschaftlich rechnen.“

          Was hat dies mit gesundem Menschenverstand zu tun, ein Krankenhaus wie ein Unternehmen zu führen, um auf Teufel komm raus Gewinn zu erzielen?

          Kein Mensch wird sich ständig völlig rational verhalten. Da hilft es auch nicht Gebühren zu berechnen. Es muss eine andere Lösung her. Vielleicht einfach mal akzeptieren, dass niemand unfehlbar ist und jeder in irgendeinem Bereich mal schwachsinnig handelt. Wie gesagt, durch Blödheit kann man auch zu einem Notfall werden und unnötig, weil vermeidbar gewesen, Kosten und Aufwand verursachen.
          Ansonsten hätte ich auch gerne Schmerzensgeld von Leuten, die aus nichtigen Gründen wie beispielsweise Urlaubsreisen (Fliegen, Kreuzfahrten) meine Umwelt verschmutzen.

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      • Ich finde das System hier in der Stadt super. Der kinderärztliche Notdienst ist im Kinderkrankenhaus in der Notaufnahme untergebracht. Beide Schalter sind direkt nebeneinander. Ist für besorgte Eltern und Angestellte der Notaufnahme super. Da wird direkt sortiert, wer wohin kommt

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        • Das kommt dan ganz auf den Notdienst an. Ich hab mal in einem Haus (Krankenhaus) gearbeitet, bei dem der kassenärztliche Notdienst (hier jetzt für Erwachsene, nicht für Kinder) mit in den Ambulanzräumlichkeiten untergebracht war. Bei einigen der Hausärzten, die dort Dienst geleistet haben, hatte man in der Chirurgie ruhige Nächte. Bei einigen bekam man das Gefühl, dass die ALLES weiter nach hinten geschickt haben. Und einige lagen dazwischen und andere haben auch mal auf dem kurzen Dienstweg gefragt, ob man das hier besser näht oder klebt und dann es selbst gemacht… Ich freu mich aber, wenn das bei euch besser klappt, als es bei uns geklappt hat.

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      • Sicherlich wäre es manchmal wünschenswert, die Menschen würden noch eine Sekunde länger darüber nachdenken, ob der Besuch in der Notfallaufnahme nun sinnvoll ist oder nicht.
        Die Probleme, die es da zu bekämpfen gibt, sind aber mit einer Gebühr nicht in den Griff zu bekommen. Einerseits, weil lange nicht jeder Mensch beurteilen kann, wann sein Problem ein Fall für die Notaufnahme ist und andererseits weil die Menschen, die sich für eine AU in der Notfallaufnahme sehen lassen (die kann das doch gar nicht ausstellen, oder irre ich mich da) vermutlich genug Geld hätten, um das auch weiterhin zu tun.

        Dann gibt es in meinen Augen noch ein Problem, das sowohl auf dem Land wie auch in der Stadt existiert: Zu wenig gut erreichbare Notfallpraxen für „Kleinigkeiten“, die aber unbedingt angegangen werden müssen.

        Ein Freund von mir war an einem Sonntag mit dem Skateboard gefallen und hatte eine größere Platzwunde auf dem Knie. Diese blutete stark und ich konnte sie zuhause nicht versorgen. Zufällig wusste ich, dass es direkt an einem der örtlichen Krankenhäuser (Großstadt) eine Notfallpraxis gibt, weil ein anderer Freund diese einige Tage zuvor aufgesucht hatte. Sonst wäre ich vermutlich in die Notaufnahme gefahren, da der nächste Arzt vermutlich wieder irgendwo 45 Busfahrt an einem Sonntag entfernt gewesen wäre. Da war die Klinik einfach näher.

        Und auch der Arzt in der Notfallpraxis erklärte uns, dass er Internist wäre, er könne jetzt versuchen, das zu kleben, eine Narbe würde aber bleiben. Für’s Nähen hätten wir dann doch wieder ins Krankenhaus und in die Notfallaufnahme gemusst.
        Auf dem Land ist das noch schlimmer, weil da z.T. die nächste Notfallpraxis deutlich (!) weiter weg ist als das nächste Krankenhaus. Da fährt man dann zum K.H 20 Minuten und zur nächsten Praxis 60. Ohne Auto kaum machbar.

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  • Mh… meiner Meinung nach geht die Diskussion gerade in eine ganz andere Richtung.
    Der Text (übrigens gut geschrieben, jeder rechnete mit einem einmalig dramatischen Ergebnis) handelt doch davon, dass jemand wegen einer offensichtlichen Kleinigkeit zum Arzt geht.

    Was würde man erwarten? Der Arzt sagt “Alles wird gut, nicht schlimm, etwas Kühlen, nur wenn A, B oder C hinzukommt bitte nochmals vorstellig werden .

    Was passiert aber tagtäglich überall vor allem bei jungen Ärzten? Der Arzt überweist an einen Kollegen. Der überweist weiter. Und zur Absicherung noch zu Nummer drei.

    Warum???
    Angst vor rechtlichen Konsequenzen, falls man selbst was übersehen hat? Zu wenig Selbstvertrauen?
    Gibts Leitlinien, die einen Arzt dazu auffordern bei Symptom xy noch Facharzt yz zusätzlich zu konsultieren?
    Oder geht’s um die paar Euro fünfzig für eine Überweisung?

    Ich versteh‘ es nicht und würde mir mehr Ärzte wünschen, die sich bei “Erstkontakt“ 2 min mehr Zeit nehmen, durch ein zwei Fragen zum Kern der Sache vorstoßen und dann auch genug Selbstbewusstsein haben, ihre Meinung Kund zu Tun und den Patienten so behandeln, wie man es für wirklich notwendig erachtet.

    Dass diese Selbsteinschätzung (v.a. bei den älteren Semestern) oft auch in einer Überschätzung endet und der Patient dann viel zu spät beim Spezialisten landet, steht auf einem anderen Blatt.

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    • Alles davon ein bisschen: Angst vor Klagen, fordernde oder bettelnde Patienten, sinnvolles Ausschließen von Nebenbefunden, die nicht das eigene Fach betreffen. Geld für die ÜW gibts übrigens keins. Und ja- jedes Unternehmen, jede Praxis und jede Klinik müssen wirtschaftlich laufen- dass heißt nicht auf Teufel komm raus Gewinn erzielen, aber sehr wohl schwarze Zahlen schreiben. Und meine Meinung: Dummheit und Risikoverhalten sollten ruhig bestraft werden- nicht mit Krankheit oder Tod, aber wenn es erstmal nur 10Euro Praxisgebühr wären würden manche doch anders handeln.

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        • Genau, die armen Behandlungsbedürftigen. Hier stirbt sicher kein Notfall, weil ihm das Geld fehlt. Aber jede Klinik und jede Praxis IST ein Unternehmen. Ich kann auch nicht eine Stunde mit jedem Patienten reden oder Unmengen von Rezepten schreiben für Dinge die selbst gekauft werden müssen. Da steigt mir der Chef aufs Dach. Und für sogenannte Notfälle die nachts ihre schon Wochen andauernden Beschwerden vorstellen, da wünschten sich manche Ärzte eine Gebühr………………………..

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        • @blauerelefant
          Doch, genau das passiert. Es geht nicht darum, dass den Menschen nicht geholfen wird, wenn sie sich dann doch halbtot zum Arzt schleppen. Es geht darum, dass man einige dann nicht rechtzeitig (!) zum Arzt gehen.

          Im Übrigen: Es war ein bisschen witzlos, dass ich für ein dummes Dauerrezept die Praxisgebühr bezahlen musste. Für ein Medikament, dass ich seit 10 Jahren nehme… Aber in Deutschland ist ja die Einrichtung einer Abgabeerlaubnis für Dauermedikamentsnutzer in der Apotheke nicht möglich.

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        • Aus rechtlichen Gründen und auch aus Gründen der Sorgfalt schaue ich mir JEDEN Patienten persönlich nochmal an, der ein Rezept, ja auch ein Folge-Rezept benötigt. Weil es nunmal wichtig ist zu erfahren wie es ihm damit geht, ob Veränderungen da sind, ob man vielleicht was untersuchen muss. Und damals war es nunmal so, dass Arztkontakt=Praxisgebühr war. Wir sind doch kein Laden, der mal eben was über den Tresen schiebt. Das entspricht nicht dem Beruf.

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      • War es nicht so, dass man feststellte, dass die Praxisgebühr nicht den gewünschten Effekt zeigte, da die “Pappenheimer“, die wegen jeder Kleinigkeit beim Arzt aufschlagen, nicht gebremst werden, da sie ja nur einmal im Monat bezahlen müssen und die chronisch Kranken (was ja gerade bei der Rentnergeneration leider einen hohen Anteil betrifft) sowieso eine Befreiung von der KK bekommen?

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      • Ja das kann sein. Spricht dafür, dass er zuvor nicht verstanden wurde, spricht auch dafür, dass Patienten schon zuvor ganz genau wissen was sie wollen (AU, best. Medikament). Und das geht eben nicht immer, der Arzt muss seinen Beruf ordentlich machen, kein Wunscherfüller sein.

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  • @schnute. Es ehrt dich, dass du daran glaubst Medizin hätte nix mit Geld und Gewinn zu tun. Ist aber alles ganz schön naiv. Wie in jedem anderen Beruf arbeitet kein Arzt für lau, müssen pro Stunde bestimmte Patientenzahlen geschafft werden und Abteilungen bestimmte Fallzahlen haben. Sonst kommt eine Praxis ins Minus, kann die Angestellten nicht mehr bezahlen, Abteilungen werden geschlossen. Medizin heißt so gut und so viel wie nötig zu helfen dabei aber auch effektiv zu sein. Nicht mehr und nicht weniger.

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    • Du hältst mich anscheinend für blöd. Mir eine derartige Dummheit zu unterstellen, ist schon eine verdammt dreiste Masche von Dir. Was soll ich mit sowas anfangen? Natürlich müssen Ärzte und Pflegepersonal bezahlt werden und am besten auch angemessen. Ärzte arbeiten nicht für lau? Da habe ich aber schon anderes gehört. Und das Pflegepersonal sowieso. Das meinte ich auch. Man sollte die Arbeitsbedingungen des Krankenhauspersonals verbessern und denen eine würdige und angemessene Bezahlung zukommen lassen. Wer das bezahlt? Keine Ahnung, aber wer Banken rettet, für den kann das ja nicht so schwer sein.

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      • Das bezahlt jeder Patient durch seine Krankenkasse. Und da kann ich nicht eine halbe Stunde tausend Fragen beantworten oder Logopädie im Kindergarten aufschreiben, wenn auch zu Hause üben reichen würde. Denn es wird verdammt genau nachgeguckt und es geht längst nicht mehr nur um Menschenverstand. Und Kosten bei Unfällen durch Leichtsinn oder Risikosport wären vielleicht mal nicht schlecht.

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      • P.S. Manche Dinge können Fachfremde und medizinische Laien einfach nicht verstehen. Immer an die Vernunft und das Gute im Menschen zu glauben ist schön, manchmal einfach recht naiv. Diese Sichtweise betrifft vielleicht 20% unserer Arbeit. Den Hauptteil machen jedoch ungünstige Arbeitsbedingungen und Patienten mit unrealistischen Erwartungen aus.

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        • „Den Hauptteil machen jedoch ungünstige Arbeitsbedingungen und Patienten mit unrealistischen Erwartungen aus.“

          Ja, die Menschen wird man so schnell nicht ändern können. Aber die Arbeitsbedingungen sollte man verbessern können. Das sage ich doch die ganze Zeit. Du beschreibst stattdessen den Ist-Zustand. Aber man könnte mal über einen Soll-Zustand nachdenken. Warum sollte ein Arzt nicht die Möglichkeit bekommen sich bei Bedarf mehr Zeit für seine Patienten zu nehmen bei entsprechender Vergütung selbstverständlich. Wäre das nicht wünschenswert. So ein ausführliches Gespräch allein kann schon den Heilungsprozess verbessern, siehe Placebo-Effekt.

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        • Weil ich nicht dran glaube, dass sich in absehbarer Zeit etwas ändert. Was jedoch eintreten wird wenn alles so weitergeht wie bisher, dass es immer mehr unzufriedene und auch kranke Ärzte geben wird- Stichwort Burn-out. Und daran kann wohl keiner ein Interesse haben. Deshalb müssen auch sie sich schützen, auch wenn das nicht Jeder versteht. Es ist immerhin auch ein Beruf und Arbeit, kein Hobby und nicht jeder Patient ist für den Arzt so nah wie ein Angehöriger oder Freund.

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  • Ich hatte im letzten Notdienst in der Apotheke auch einen Anruf (Samstag, 21 Uhr):
    K: „Helfen Sie mir, mein Sohn hat Fieber, er will aber nicht in die Notaufnahme oder dass ich einen Krankenwagen rufe!“
    Ich: „Wie alt ist Ihr Sohn denn und wie hoch ist das Fieber?“

    K: „Der ist 25 und das Fieber ist bei 38°C!!! Da muss man doch was machen!“

    Ich: „…“ (erstmal sprachlos)

    Nach Abfrage der weiteren Symptome und anderer Erkrankungen sah auch alles nach grippalem Infekt aus. Lange Erklärung, dass Notaufnahme nicht Not tut und alle Medikamente, die ich ihr empfehlen würde, bereits in ihrem Schrank liegen.

    K: „Echt jetzt? Da können sie nichts weiter?! Ich meine, gibt es da nicht tolle Spezialmittel oder so, wie aus der Werbung…“

    Hmpf.

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    • Heute: Nachmittags-Dienst im Schnee: nicht mal halb soviel Patienten wie gestern bei Sonne 🙂 Da kann man sich ja denken wie wichtig all die Kontrollen, Sorgen etc. sind

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  • Dem lieben Kinderdoc scheint wirklich jeder Patient, der nicht mit rausstehenden Knochen und fließendem Blut in der Praxis aufschlägt, zu viel zu sein…

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    • Zuviel sicher nicht. Denn es ist seine Arbeit, davon lebt er und freut sich Kinder wieder gesund zu sehen. Um ihn zu verstehen empfehle ich in diesen Wochen eine Hospitation in einer (Kinderarzt)Praxis. Das öffnet sicher einigen die Augen. Leider werden die Bagatell-Erkrankten, fordernden und auch frechen Patienten immer mehr. Da fragt man sich schon irgendwann wie sehr man sich zum Diener machen will und ob dann nicht auch die eigene Belastungsgrenze erreicht ist, ob der Feierabend und die eigene Familie nicht auch mal wichtig sind.

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      • Ja aber ist das nicht schlimm? Dass man sich darüber überhaupt Gedanken machen muss? Früher waren Oberärzte angesehene Leute, denen wurde der Kaffee serviert, heute essen sie nebenher mitgebrachte Brote. Und der Hausarzt im Dorf wurde wegen Pillepalle sicher nicht nachts aus dem Bett geklingelt.

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  • Sind Ärzte nicht auch Menschen und der Beruf ein Beruf (fast) wie jeder andere? Welcher Bäcker würde ohne Grund seinen Laden länger öffnen und die Brötchen kostenlos abgeben? Wieso denken viele Leute Ärzten machen Überstunden nichts aus und sie können stundenlang ihren Patienten zuhören?

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  • Mir wurde nach ähnlichem Unfall (in der Notfallsprechstunde) mal geraten:
    „Welche Schmerzmittel haben Sie im Haus? Ok, nehmen Sie die 3mal täglich. Und mehrmals täglich einen Luftballon aufblasen, damit Sie beim Atmen nicht in eine Schonhaltung verfallen.“
    Fand ich witzig und hat Spaß gemacht 😉

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