euro d12

homöopathie auf allen kanälen – der spiegel titelt diese woche damit, freund „fliege“ lauterbach meldet sich lautstark zu wort, die medikamentenkommission trötet fröhlich mit, sogar unsere lokale zeitung nimmt sich des topics an, sogar das berühmte intranet der kinder-und jugendärzte, welches nur eingeweihte (= also subscribers) kennen, diskutiert sich die ohren heiß – soll ich da wirklich auch noch etwas dazu schreiben?

zum glück kennen mich meine patienten inzwischen ausreichend gut – und die neu hinzukommenden haben meist schon davon gehört: glaubuli kommen bei mir nicht auf rosa daher. nein, ich habe da keine neuen argumente, außer denen, die schon immer und überall ausgetauscht wurden. einzig alleine der sparaspekt, der gerade von seiten herrn lauterbachs so herausgestellt wird, ficht mich nun überhaupt nicht an. sparen kann man mit oder ohne homoöpathie nun gar nichts. das zeug kaufen die meisten leute sowieso selbst, und wenn die krankenkassen das auch nicht mehr übernehmen würden, dann bedeutete das noch lange keinen enormen zugewinn für die solidarkasse der gesundheit.

dann schon eher um die ecke gedacht: wer patienten dazu erzieht, bei jedem wehwehchen ein mittelchen zu nehmen, wer sich zur aufgabe gemacht hat, dass jeder patient mit einem rosa zettel aus der tür geht – der produziert ganz sicher kosten im gesundheitswesen. denn der sorgt auch für das bedürfnis und den wunsch, bei jedem wehwehchen zum arzt zu gehen. darf man nicht mehr sagen: „das geht von alleine weg“ oder „ein bisschen pusten, dann fühlt sich´s bobele besser“ ? und: wenn etwas so arg ist, dass man zu wirklich wirksamen medikamenten greifen muss (also z.b. antibiotika), dann hilft auch das zucker nimmer. und wer dann trotzdem zu letzterem greift, der unterlässt eine hilfe und produziert erneut kosten.

diesen link kann ich mir nicht verkneifen.

28 Antworten auf „euro d12“

  1. Uii! Mit dem link auf xkcd lockst Du sogar mich longtime-lurkerin aus dem Verborgenen. Kannst Du mir bitte noch verraten, wie man denn einen Kinderarzt findet, der einem keine Glaubuli verschreibt? Mein Kleiner ist jetzt 6 Monate, und ich habe noch keine gefunden, der Globuli (Osanit *aargh*) nicht zumindest erwähnt hätte … Gar nicht zu reden von Hebammen, Pekip-Leiterinnen etc…

      1. Ich fürche Du bist in einer anderen Stadt 🙁

        ich werde wohl noch weitersuchen, wenn ich es auch doof finde, so oft den Arzt zu wechseln…

    1. Mir hat noch nie irgendein Arzt Globuli aufschwatzen wollen, weder der Kinderarzt noch sonst einer. Schade eigentlich. Ich würde es gerne mal mit großer Geste ablehnen.

  2. Die Karikatur hat aber den Hahnemann nicht verstanden: Sperma C30 sollte zuverlässig VERHÜTEN, weil doch in der großen Verdünnung die Substanz das Gegenteil bewirken soll wie normal eingenommen!
    Und, ganz ehrlich, ich glaube, mit Sperma C30 oder gar C90 kann man ziemlich sicher sein, nicht schwanger zu werden… 😉

    1. „Und, ganz ehrlich, ich glaube, mit Sperma C30 oder gar C90 kann man ziemlich sicher sein, nicht schwanger zu werden… ;)“

      Damit wäre die Nicht-Wirkung ja bewiesen 😀

  3. Sehr schön.
    Wobei ich sagen muss- wenn es WIRKLICH wirklich ein großer Schreck ,beispielsweise durch einen schlimmen Sturz, war und das Kind sich nicht durch „das geht schon von alleine weg“ beruhigen lässt helfen 5 Arnikakügelchen und ein Pflaster sehr gut.
    So neulich bei uns geschehen: Ich bin mit meiner Zweijährigen die Treppe runtergefallen und habe sie im Fallen mit dem Kopf gegen die Wand gehauen. Nicht feste, aber sie hat sich echt erschrocken und konnte sich kaum beruhigen- vor allem weil ich selber mir auch weh getan habe. Ein nasser Waschlappen war schon auf der Stirn, aber der half nicht. Erst die Aussage, dass ich „Medizin“ hole hats wieder besser gemacht- denn da musste man sich ja auf das Essen der Miniaturzuckerkügelchen konzentrieren.
    Bei „normalem“ Fallen gibts auch nur pusten und wenns hoch kommt kühlen.
    Aber wir haben auch nunmal so ein Fläschchen geschenkt bekommen, und dann kann mans ja mal nutzen =)

    Vielen Dank für den XKCD-Link, diese Homöopathie kannte ich noch nicht
    *gg* (hätt ich das mal früher gewusst!!)

    Ach, und noch ein „Schwank aus meiner Jugend“: Als ich das erste mal schwanger war und kurz vorm werfen stand hatte ich durch die Wehen natürlich immer einen harten Bauch. Von mir wurde der immer nur „Wassermelone“ genannt. Und weil es in der Homöopathie ja so seltsam ist, dass man beispielsweise etwas nehmen muss das kopfschmerzen auslöst, wenn man Kopfschmerzen eigentlich loswerden will (anstelle der Kopfschmerzen jedes beliebige Wehwehchen einsetzen)habe ich mir gedacht: Wenn ich möchte dass meine Wassermelone weg geht muss ich also Wassermelone essen *gg* Natürlich war ich mir aber bewußt, dass es großer quatsch ist. Aber Wassermelone ist eh toll. Vor allem, wie auch da, im Hochsommer *gg*
    Naja, außerdem sind Wassermelonen auch so ne Art Kügelchen…

    …Roman hiermit beendet…

    Grüße

  4. Guter Hinweis mit dem „jeder Patient geht mit einem rosa Zettel aus der Tür“.

    Was würde wohl ein Zuschuss (und nicht nur im „Budget“) für medikamentenfreie Patientenbetreuung in der Abrechnung bewirken? Unterversorgung muss man wg. unterlassener Hilfeleistung in dem Fall wohl weiter nicht befürchten, aber wenn der Arzt einen Bonus kriegt (beim Patienten wird das schwierig, sonst holt der auch die notwendigen Medikamente nicht mehr ab) wird vielleicht die Überversorgung mit Pillen mal etwas eingedämmt.

    Frei nach Pispers: „Fressense weniger, Saufense weniger, gehen Sie jeden Tag ne halbe Stunde an die frische Luft, dann hat sich das Problem von selbst erledigt.“

  5. hallo,

    allein der glaube, dass es gegen jedes wehwehchen ein mittelchen sein muss, ist ja nun mal leider der erste schritt zur drogenabhaengigkeit.
    nur weil die homoeopathie angeblich keine nebenwirkungen hat, kann man sie bedenkenlos bei bagatellleiden einsetzen…. warum? geht auch so wieder weg.
    aber: wenn der patient meint, immer mit nem rezept aus der arztpraxis raus zu muessen und der arzt auch meint, diesem wunsch immer entsprechen zu muessen, sind doch im hoechstfall erstattete billige kuegelchen guenstiger, als antibiotika, die erstens teurer sein koennen und zweitens auch noch nette, im hoechstfall auch behandlungsbeduerftige nebenwirkungen entwickeln koennen.

    beste gruesse

    h.

  6. Ich habe in meiner Übelkeits-Verzweiflung der Früh-Schwangerschaft tatsächlich zum ersten mal im Leben Globoli probiert. Effekt: Null – zumindest, was die beabsichtigte Wirkung betraf. Eine andere – nur nebenbei beschriebene – Wirkung der gleichen Kügelchen traf hingegen ein. Meine seit Wochen nächtens ständig verstopfte Nase war plötzlich frei. Nun frag ich mich: Zufall? Ich tendiere zu: „Aber so was von!“.

  7. Ok..ich versteh die Karikatur nicht. Das ist schon fast ein bisschen peinlich. Die Frau will schwanger werden und nimmt dazu verdünntes Sperma? Oder ein Verhütungsmittel, oder wie?

    Ich hatte bisher einmal mit Kügelchen zu tun und bin glaube ich aus dem Alter raus, bei dem Zucker gegen Schmerzen hilft. War beim Klettern aufs Knie gefallen – nichts gebrochen, aber schön dick und auftreten hat echt Spaß gemacht. Ich also aus versicherungstechnischen Gründen (-> Schulunfall) zu einem bestimmten Arzt; der hat es geröntgt und gesagt: Lassen Sie die drei Kügelchen auf der Zunge zergehen… Brausepulver wäre besser gewesen, dass hätte zur Ablenkung gekribbelt.

  8. Es geht sich darum das in der Homöopathie gilt: „Je stärker verdünnt, desto wirksamer!“

    Ausser Acht gelassen wird, dass er die Gesetze der Gegensätzlichkeit ausser Acht lässt, also eigentlich ein Kondom verdünnen müsste damit sie schwanger wird. Aber auch so.. ich liebe xkcd 😀

    Führt einem sehr schön vor Augen wie abstrus das ganze ist. Mein Favorit zur Homöopathie ist weiterhin Mitchell & Webb: http://www.youtube.com/watch?v=HMGIbOGu8q0 Homeopathic A&E

    Was kinderdoc da schreibt würde ich g latt so unterschreiben 🙂

    Liebe Grüße,

    Silberaugen

  9. Hm, also unsere Kinderärztin greift zunächst zu Standardmitteln und wenn die keine Wirkung zeigen (und keine Antibiotika, etc. von Nöten sind), oder aber zur Anschlusstherapie, DANN gibt’s etwas Homöopathisches.

    Und – ehrlich gesagt – ist das doch ein ABSOLUTES Sommerlochthema bzw. ein Witz, was da an Einsparung erfolgen könnte. In Zeiten vom Regierungssparpaket, das rigide Kürzungen vornimmt müsste man sich über ganz andere Dinge echauffieren. Aber das Volk ist dumm und die WM war ja auch so schön, das Wetter so heiß…

  10. Wenn mein Sohn Schmerzen hat, gebe ich auf einen Eßlöffel Wasser und etwas Zucker und dies dann mit großer Geste ihm. Meist sind die Schmerzen damit sofort weg. Dazu braucht man keine Homöopathie. Wenn es doch nicht hilft gibts ein echtes Schmerzmittel.
    http://medctr.de/index.php?page=hom

    1. Wenn der Wirkstoff verdünnt wird, so potenziert sich der Grundstoff.
      Und das ist Milchzucker.
      Wenig Milchzucker hilft wenig. Viel Milchzucker hilft viel.

  11. Wir hatten gestern nacht eine Stunde Geschrei. Zähne, Bauchweh, beginnende Erkältung, zu müde zum wieder einschlafen, ich weiß nicht was es war. Wir haben dann ein Viburcol-Zäpfchen gegeben und er wurde ruhig. Ich musste fast lachen. Ich glaube ja nicht an Homöopathie, aber der Kleine offensichtlich. Würde mich ja interessieren ob ein reines Fettzäpfchen die Gleiche Wirkung gehabt hätte und ob es nur darum geht, dass er merkt, dass man versucht zu helfen.

  12. Da muss ich an die Rückbildungsgymnastik mit den frischgeschlüpften Säuglingen denken, als eine Mutter reumütig und mit schlechtem Gewissen „beichtete“, dass sie ihrem Kleinen ein Viburcol-Zäpfchen gegeben hatte, weil sie ihn aufgrund seiner Blähungen nicht anders beruhigen konnte. Aufgerissene Augen, offene Münder bei den anderen Müttern. So ein kleines Baby und schon in die Medikamentenabhängigkeit!! Mein Gedanke: Hömöopathie trifft (Mütter-)Hysterie, wie komm ich hier raus??!!

  13. Hallo

    vielen Dank für diesen Beitrag. Immer wieder treffe ich mit diesen dämlichen Kügelchen zusammen. Beim Kinderturnen fühle ich mich regelrecht von diesen Dingern verfolgt. Sobald ein Kind mal hinfällt oder sich anderweitig leicht weh tut, müssen sofort diese Kügelchen her. „Hier mein Schatz, nimm die, das hilft“
    Keiner pustet mehr oder tröstet einfach. Nein, es wird zur Tasche gerannt und die Lebenswichtige Flasche hervorgeholt.
    Furchtbar!!!!
    Aber wehe ich sage andeutungsweise etwas. Böse Blicke von allen Seiten. So lasse ich die Eltern fleissig weiter Zuckerperlen in Kindermünder stopfen, meine bekommen es nicht.
    Ich kenne übrigens auch nur noch wenig Ärzte, die nicht von Globuli sprechen. Da ich zur Zeit gerade interessenhalber nach Stellenanzeigen als Arzthelferin gucke, stolpere ich regelmäßig darüber, wie oft die Homöopathie nochmal extra als „Tätigkeitsfeld“ hervorgehoben wird.

    LG

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