gepflegte vorurteile

wieso sind kinder aus slawischen staaten immer ruckzuck „trocken“?
wieso schauen kinder aus kroatien und slowenien immer den ganzen tag fern?
wieso sprechen französische kinder noch schlechter deutsch als manche türkischen?
wieso haben immer nur deutsche kinder adhs?
und italienische überhaupt nie?
wieso sind skandinavische kinder immer picobello rausgeputzt?
wieso können schwedische kinder immer guten tag sagen, deutsche aber nie?

49 Antworten auf „gepflegte vorurteile“

  1. Was mir an diesem Beitrag bzw. an diesen Fragestellungen seeeehr gefällt, ist, dass hier nicht nur diagnostiziert bzw. Probleme, inkl. sogar adhs, nicht als unabhänderlich gegeben hingestellt, sondern als mehr oder weniger ‚hausgemacht‘ erwogen, werden.
    Ich kann das nur bestätigen und arbeite schon jahrelang daran, den Menschen zu vermitteln, dass, und wie, sie selber ihr und ihrer Kinder Glück, Gesundheit und Lebenserwartung in der Hand haben.

  2. Ich muss mich mal eben „wehren“. Nur weil mein Kind mit 2 Jahren trocken war tagsüber, vergleiche ich nicht!

    Ich finds nur total daneben, dass man immer gleich hingestellt wird, als hätte man sein Kind gezwungen oder mit Drill dazu bewegt aufs Klo zu gehen. Das haben wir definitiv nicht gemacht.

    Prinzipiell ist mir wurscht wann ein Kind trocken wird, nur wenn es Interesse zeigt um aufs Klo zu gehen und dann auch reinpullert, klar lobe ich es. Das hat weder was mit Zwang noch mit Drill zu tun!

  3. So eine doofe Diskussion, wenn es darum geht, wie schnell wann ein Kind trocken ist! „Meines konnte aber schon mit zwei Monaten alleine auf Toilette gehen inklusive Po abwischen und Hose wieder anziehen…tz tz tz…“ Sowas lieb ich ja…haben denn viele Eltern immer noch nicht gelernt, dass es niemandem und schon gar nicht Kind XY was bringt, wenn es verglichen wird? Jedes Kind ist anders, jede Familie ist anders. Und irgendwie lernen es am Schluß halt doch alle, außer es liegt eine körperlich/seelische Störung vor….insofern: es geht um Vorurteile, man merkts!

  4. Was das auf Toilette gehen angeht, ist ja die Frage, was ich wirklich will.
    Will ich ein trainiertes Kind, daß mit 2 Jahren einfach alle 45min auf Toilette geht und ab und an kommt dann auch etwas, oder möchte ich ein Kind, das bewußt Harndrang spürt, bewußt einhalten kann.
    Viele Kinder sind einfach nur „trainiert trocken“. Gerade nachts haben solche Kinder noch Probleme, weil sie dann eben nicht alle 45min von alleine auf Toilette gehen und den Harndrang nicht bewußt spüren. Nicht selten gibt es bei den „früh trockenen“ Kindern auch Rückfälle.

    Ich finde auch nicht, daß Kinder weiter wickeln etwas mit Bequemlichkeit zu tun hat. Ich persönlich finde es viel entspannter, wenn das Kind au Toilette geht, spült, Hände wäscht, fertig. Und nicht ich als Mutter tausende von ekligen Stinkewindeln entsorgen muß.
    Ich habe meinem großen Sohn einen riesen Druck ausgesetzt, weil ich wollte, daß er trocken wird. Weil die Gesellschaft es eben vorlebt. Vor kurzem war Elternabend im Kindergarten und jede Menge Eltern beschwerten sich, daß ihre Kinder, die ja bereits trocken waren, nun ständig im Kiga einnässen. Trockener Kommentar der Erzieherin war eben, daß diese Kinder nicht trocken sondern trainiert waren. Von Mutti zuhause alle 60min erinnert werden, auf Toilette zu gehen. Das können sie im Kiga aber nicht leisten, die Kinder müssen eben alleine spüren, daß sie müssen.
    Beschäftigt man sich mit der Anatomie, der psychischen und physischen Entwicklung von Kleinkindern, stellt man fest, daß spätes trocken werden keine „Krankheit“ ist.

    Natürlich kann ich meine Kinder mit viel Drill mit zwei Jahren trocken haben. Jedes Kind. Mit genug Drill bekommt man den Kindern alles eingetrichtert. Einen eigenen Willen haben sie dann allerdings auch nicht mehr. Und später in der Berufswelt sollen sie sich aufeinmal durchsetzen und tolle Positionen besetzen. Da ist aber keine Mutti mehr, die an alles erinnert….

    1. Wenn man Kinder erzieht, können sie sich als Erwachsener nicht durchsetzen? Soll das ein Witz sein?

      Ein wenig „Drill“ gehört zu jeder Erziehung. „Drill“ bedeutet aber nicht „ständige Überwachung“, sondern ein Training das einen in die Lage versetzt eine Tätigkeit durchzuführen ohne darüber nachdenken zu müssen. Also massenhaft Übung und etwas Stress.
      Eben durch Drill kann ich heute nachts um 3Uhr geweckt werden und trotzdem Eingeklemmte aus einem Unfallfahrzeug befreien; eben durch Drill kann ich auch nach 30km Marsch mit abschließenden Sprint in völliger Dunkelheit an einem G36 Sicherheit herstellen, es zerlegen, wieder zusammensetzen und Gefechtsbereitschaft herstellen (wenn auch inzwischen nicht mehr in Bestzeiten); eben durch Drill kann ich auch nach zwei Stunden Dauerrede des Prodekans im Fakultätsrat noch Unsinn aufspüren und entsprechend nachfragen; und eben durch Drill kann ich innerhalb der physischen Grenzen bewusst kontrollieren wann und wo ich mich entleere.

      Das sind alles Fähigkeiten, die einem helfen sich in der jeweils entsprechenden Situation durchzusetzen (bei der Kontrolle der Schließmuskel ist das sogar fast jede Situation im Leben). Gerade weil „Mutti“ einem nicht sagen muss, was zu tun ist.

  5. Also merkwürdig. Meiner ist mit 22 Monaten schon selbständig aufs Klo gegangen. Da musste ich ihn nicht vom spielen wegholen…. naja, Ossikind 😉

    1. Nö.
      Mein Sohn durfte auch immer zugucken wenn wir aufs Klo sind, und so mit 2 1/2 hat er dann auch auf dem Töpfchen oder Klo gesessen, Töpfchenbücher gelesen und sich damit beschäftigt. Nur hat er halt nicht rechtzeitig gemerkt, wenn er musste und hat dann beim Spielen immer auf den Teppich gemacht.
      Das ganze zog sich jetzt fast ein Jahr (inklusive den „üblichen“ Rückschlägen wg Geschwisterkind), und jetzt mit 3 1/2 geht er zuverlässig aufs Klo. Das hat nichts mit Übung zu tun, sondern damit, wann die Kinder dafür bereit sind.

        1. Möglich. Vielleicht ist es auch Definitionssache. Wenn ich ihn jede Stunde vom Spielen weggeholt hätte und aufs Töpfchen gesetzt wäre er auch mit 2 1/2 schon „trocken“ gewesen. Im Sinne von „er macht nicht in die Hose“. Nicht im Sinne von „er kann selbständig aufs Klo gehen, den Kindersitz einlegen und sich hinterher den Po abwischen“.

  6. meine Tochter wurd mit knapp 3 plötzlich trocken, ohne Training, nur mit Topf/Leiterklo zeigen und viel loben, wenn was kam.
    Mein Sohn – 2 Jahre und 4 Monate- machts ihr nach, aber noch unregelmäßig. Voll ok.
    Gras wächst auch nicht schneller, wenn man dran zieht 😉

  7. – Unser Sohn war mit 22 Monaten (von heut auf morgen) tagsüber trocken
    – Nachts jetzt mit 35 Monaten.
    – Wir wohnen im Osten
    – Töpfchentraining gabs keins
    – Er sah uns immer aufs Klo gehen und wollte dann auch

    Ob das nun früh ist weiß ich nicht. Ich kenne 4 Mütter mit Kindern im Alter von 38 Monaten aus dem „Westen“ deren Kinder (1 Junge, 3 Mädchen) noch 7 Tage / 24 h Windeln umhaben… na da hätte ich Freude mit!

  8. Ich komme aus Russland, kann also nur für die Slawen sprechen. Das mit dem frühen Trockenwerden hat(te) hauptsächlich zwei Ursachen.
    1) Früher gab es in der Sowjetunion keine Einwegwindeln und oft auch keine Waschmaschine. Da blieb den Müttern nix anderes übrig, als Baby früh das aufs Töpfchengehen anzuerziehen. Baby wurde genau beobachtet und irgendwann wusste die Mutter einfach, wann das Kind mal muss. Dann wurde Zeitungspapier auf dem Boden ausgebreitet und Baby wurde darüber gehalten. Optional auch über Waschbecken/Badewanne, wenn vorhanden.
    2) In die Krippe wurden nur Kinder aufgenommen, die schon trocken sind, d.h. mit anderthalb Jahren musste Baby schon aufs Töpfchen gehen.
    Das Ganze wird immer noch sehr aktiv praktiziert, teilweise aus Tradition und zum größten Teil, weil das in den Krippen immer noch oft so gehandhabt wird.

  9. Slawische Kinder werden nicht schneller trocken, sondern früher. Da fängt das Töpfchentraining an, sobald die Kleinen sitzen, spätestens aber Laufen können. Natürlich dauert der Prozess länger als bei einem älteren Kind, das die nötige physische Reife hat 😉 Und die Reihen mit Töpfchen in den Krippen, auf denen alle Kinder sitzen, z.B. nach dem Mittagsschlaf (der übrigens bis zum Eintritt in die Schule gehalten wird), gibt es auch noch.

    Meine Tochter, 1/4-Slawin, ist mit 2 1/2 Jahren binnen 3 Tagen trocken gewesen 🙂

  10. Ach, da kommt eine ganze Menge zusammen: Bei meinen Verwandten (Mutter, Tante) hab ich festgestellt, dass die Kinder immer früher „Windelrein“ waren, je älter meine lieben Tanten wurden… die Geschichten änderten sich.

    Ich hatte ein ganz besonderes Töpfchenverweigerungsexemplar. Ich habe sogar mit dem Kinderarzt geredet, weil es mir nicht normal vorkam. Sie konnte stundenlang auf dem Topf sitzen, um dann entspannt einzumachen, wenn sie eine Windel spürte…

    Natürlich trafen mich diese „mein-Kleiner-ist-seit-dem-9. Monat-trocken“ Berichte zutiefst

    Meine Tante erklärte mir ernst, ich müsse einen Tournus reinbringen, also etwa um 8, um 10, um 12 aufs Töpfchen, dann klappt das schon. Bei diesem Terminplan hätte ich ihr das Töpfchen auch gleich auf den Hintern tackern können… probiert hab ichs vor Verzweiflung trotzdem (das Draufsetzen, nicht das Tackern)

    Mein Kinderarzt sah das total entspannt. Kinder, nach deren Stuhlgang man eine Uhr stellen könne, seien fehlernährt (zu einseitig) sonst würde das Verdauungssystem mehr Spielraum haben. Und er kenne keinen 18 Jährigen mehr, der noch Windeln bräuchte.

    Erstes Argument verwendete ich brutal gegen meine Tante, dass letzte beunruhigte mich allerdings doch ziemlich.

    Ich hab drei Kinder (mittlerweile schon lange aus dem Töpfchenalter), hab alles probiert, von festen Töpfchenzeiten, nacktem Po und ganz zwangloses von allein sauber werden, ja sogar mit Bestechung (wenn du im Kindergarten nicht in die Windel machst, kauf ich dir ne Barbie…), am entspanntesten und schnellsten ging es wirklich mit dem eigenen kindlichen Ehrgeiz, trocken zu werden. Ohne meinen Zeitplan, ohne mein Drängeln…

    Da ist natürlich auch jedes Kind anders…

  11. @andrea
    Meine ist jetzt 16 Monate und geht begeistert auf den Topf. Allerdings nicht unbedingt, wenn sie auch muss, LOL. Sie sagt jetzt „kacka“, wenn sie muss, aber leider auch öfter mal, wenn sie nicht muss, und manchmal auch ein bisschen spät, wenn sie dann wirklich muss. Bis jetzt ist die Topfgeherei keinerlei Arbeitserleichterung, es ist auch schon öfter mal was danebengegangen, aber solange es ihr Spaß macht, darf sie auch aufs Töpfchen. Sie will dann immer, dass man auch aufs Klo geht und beide müssen ein Buch zum Lesen haben. Ist irgendwie süß :))

  12. Wenn ich Stoffwindeln benutzen müsste wie im Ostblock früher, würde ich mir das Töpfchentraining vielleicht nochmal überlegen 😉 Mich würde ja mal die Meinung vom Kinderdoc interessieren, wie man da am Besten rangeht. Mein Kleiner ist 14 Monate und sieht uns auf Toilette gehen. Ich denke, wenn er soweit ist, wird er es signalisieren?

  13. Die mittlerweile schon über 80 Jahre alte Oma meines Mannes hat mir auch mal erzählt, dass sie ihren Sohn schon im Alter von drei Monaten nach den Mahlzeiten über ein Töpfchen hielt und dann tatsächlich auch was rein ging. Oh Wunder.
    Das war dann ihre Bestätigung, dass trocken werden, eben was mit Erziehung (Training) zu tun hat und nichts mit körperlicher Reife.
    Zwar spielte sich das im „Osten“ ab, aber ich glaube Anfang der 50er unterschieden sich Ost und West noch nicht so sehr.

    Ich kann es aber durchaus nachvollziehen, dass unsere Mütter versucht haben uns relativ früh trocken zu bekommen, man hat es als Pampersmutter mittlerweile doch deutlich einfacher.

    Keine Ahnung ob mein Kind nun früh trocken war oder nicht, ich hab sie jedenfalls nie ans Töpfchen gefesselt. *g*

    1. Wobei ich aber „abhalten nach dem Essen“ weniger als „Töpfchentraining“ bezeichnen würde, sondern in die Kategorie „Windelfrei“ (in teilzeit 🙂
      siehe Buch zB bei amazon „Es geht auch ohne Windeln“ oder „Windelfrei“. War für Deine alte Oma einfach ne Möglichkeit, sich die schmutzige Windel zu sparen.
      Generell ist die Bemühung, das Kind „sauberzubekommen“ sicherlich größer, wenn man die Windel danach abbürsten und waschen (speziell früher ohne Wama), oder wenigstens neu wickeln muss (weil Geschrei bei feuchter Stoffwindel). Da kommt das „Kind aufmerksam beobachten und rechtzeitig auf ein Töpfchen setzen oder abhalten“ einfach einen anderen Stellenwert, als wenn man mit Wegwerfwindel eine Trocken-Garantie hat.

  14. Ich kann zwar nicht aus eigener Erinnerung, aber aus der Erzählung meiner Mutter sagen, warum DDR-Kinder schneller trocken waren: Eine beliebte Art Töpfchentraining ist, die Kinder einfach ohne Windel nur mit Strumpfhose spielen zu lassen, dann ist es dem Kind unangenehm, wenn es einmacht (weil nass und kalt in der Hose), wenns Kind dann brüllt, Hose wechseln und Kind saubermachen. Geht wohl ganz fix. Windel gibt’s dann nur zum Schlafen. Zusätzlich wird dem Kind immer wieder das Töpfchen angeboten, allerdings nicht so, wie von Blüte beschrieben. Außerdem gab es in der DDR damals sowieso nicht sooooo saugfähige Windeln, sondern waschbare Windeltücher, da ist das Einmachen wohl auch unangenehmer als in den derzeit angebotenen Windeln. (Die gibt’s zum Teil auch heute noch, muss man aber suchen. Die werden (angeblich) auch noch heute viel von slawischen Ländern verwendet.

    LG

    1. Noch ein Nachtrag: Es gab wohl gewaltsammes Töpfchentraining in der DDR, gerade früher. (So mit in Reih und Glied sitzen und dass die Kinder nicht aufstehen dürfen, etc.) Und dass das zu Problemen führt, ist bekannt. Ich denke allerdings, dass das übliche Töpfchentraining (die Windel oder Hose darf ruhig nass werden) nicht zu Problemen führt. Da kann die Mutter aber eigentlich schon faul sein, denn das Kind lernt die Kontrolle ja selbst. (Nur das Töpfchenzeigen darf man nicht vergessen.)

      1. Och, dieses gewaltsame Töpfchentraining habe ich hier (tiefster Westen, unweit der französischen Grenze) schon gesehen. In einer von Nonnen geleiteten KiTa.
        Man hatte eigens eine feste Stuhl mit Topfloch-Tisch-Konstruktion für die Kinder, die schon sitzen können aber noch nicht trocken sind. Die werden dann auch brav da rein gesperrt bis das Geschäft gemacht ist.

        Klingt nicht sehr werbewirksam aber das erklärte mir die leitende Nonne dort bei der Führung genau so. Die war absolut überzeugt davon. Naja, sie ging ja auch schon schwer auf die 80 zu, da hatte sie noch veraltete Ansichten.

  15. weil in Deutschland jegliche kindliche Aktivität sofort als ADHS abgestempelt wird! Und in anderen Ländern heisst es einfach nur „Kinder sind eben so“. Die Deutschen mit ihrer durchgenormten Gesellschaft müssen eben sofort etwas dagegen tun, wenn Kinder zu viel herumrennen (und dabei den Nachbarn stören, weil grad Mittagpause ist) oder lauter sind als ein Vogelzwitschern!

    Und die Franzosen haben genausoviele Probleme mit der deutschen Sprache, wie die Deutschen mit der französischen Sprache! (wenn ich im Fernsehen höre, wie die Deutschen die eingedeutschten Französischen Wörter misshandeln – uaaah!! Ich sag nur „Schangse“ für „Chance“ *grusel*)Liegt einfach an der Herkunft beider Sprachen. Für einen Portugiesen z.B. ist Französisch viel einfacher zu lernen als Deutsch, weil es der Muttersprache viel näher kommt.

    Sonst noch was zu meckern???

  16. Ein gesundes 3 oder 4 jähriges Kind, dass noch mit Windeln rumrennt hat in meinen Augen auch etwas mit Faulheit der Eltern zu tun.
    So hat jeder seine Vorurteile ;o)

  17. *seufz*

    Trockenwerden kann man in hohem Maße trainieren oder erzwingen, das wissen Sie aber selbst, Kinderdoc, oder? Und wenn es trainiert wird, sind die Kinder eben schneller trocken. Dass „hartes Töpfchentraining“ Teil bestimmter Kulturen ist, ist doch auch kein Geheimnis. Kinder, die in Kinderkrippen aufgereiht auf Töpfchen sitzen, waren in vielen Kinderkrippen der DDR an der Tagesordnung und da Kinder dort zumeist ab Säuglingsalter Krippen besucht haben, waren sie eben rasch sauber. Inwieweit dies für andere östliche Staaten zutrifft bzw. zutraf, weiß ich nicht, vermute aber ähnliches.

    Insofern dürfte dieses „Vorurteil“ zutreffen. Ob es gut für die Kinder ist, sei dahin gestellt. Meine Kinderärztin hat mir erst letzte Woche dringend dazu geraten, jedes Töpfchentraining mit meinem Kind zu unterlassen, also wird mein Kind bestimmt nicht frühzeitig sauber, wobei es „frühzeitig“ sowieso nicht mehr schafft.

    Und ansonsten… es gibt sicher auch nicht-schwedische Kinder, die „guten Tag“ sagen, wenn sie dazu erzogen werden. Mein deutsches Kind sagt es z.B., eben weil ich Wert darauf lege. Es verabschiedet sich sogar!
    Mir selbst sind genügend türkische Kinder mit ADS bekannt, übrigens auch italienische. Wobei diese Kulturen sicher eine sehr viel höhere Toleranz gegenüber quirligen Kindern haben als die deutsche. Nicht selten ist zu beobachten, dass türkische oder italienische „Prinzen“ die ganze Familie im Griff haben und so ziemlich alles machen dürfen, was sie wollen, was in durchschnittlichen deutschen Familien schon als ADS gelten würde. Gerade diese Erkrankung ist ja nun wirklich eine Frage der Definition.
    Auch der Fernsehkonsum von türkischen und italienischen Kindern, die mir bekannt sind, ist übrigens enorm.

    Mal eine ganz andere Frage (und die Antwort darauf): Warum brauchen wir Menschen Vorurteile?
    Weil unser sozialer Alltag sehr komplex geworden ist und wir (noch viel mehr als früher) Schubladen benötigen, um Menschen und deren Verhalten einzuordnen, um im sozialen Alltag bestehen zu können. Daraus werden nun mal häufig Verallgemeinerungen und damit Vorurteile. Ein kleines bisschen Reflexion kann dem aber ganz gut entgegen wirken….

    1. nur ein kurzer wink zu bluete, wenn sie es denn ist…..
      osteuropaeische kinder sind im uebrigen nicht unbedingt frueher trocken, zumindest nicht nachts…

      beste gruesse

      h.

    2. Warum wir Vorurteile brauchen? Vorurteile sind eigentlich nur „vorschnelle“ Urteile, was nicht unbedingt heißt, dass sie auch falsch sind. Wir wollen uns halt schnell ein Bild machen. Wenn man allerdings zu schnell und pauschal wird, sind die Vorurteile wirklich bös daneben.

      Ich schätze mein Gegenüber nach ein paar Minuten Gespräch ein und bilde mir ein Urteil. Eigentlich ist das ja schon ein Vorurteil, denn wirklich wissen kann ich von meinem Gesprächspartner nichts. Trotzdem lieg ich meist richtig. Wenn ich so ganz und gar daneben lag, gibt mir das schon zu Grübeln.

      Auch wenn ich mir ein „Vorurteil“ gebildet hab, bin ich noch offen genug, diese Meinung jederzeit zu revidieren. Ich hab damit also auch kein schlechtes Gewissen. Vorurteile müssen irgendwie schon sein. Wir können eine Situation nicht erst beurteilen, wenn wir alle Fakten kennen. Wenn ein Tiger auf mich zurennt, geh ich nun mal davon aus, dass der mich fressen will. Das ist Tigerart, die meisten würden das tun…

      Nur die ewig Gestrigen, die auf ihre Vorurteile bestehen, ja, sie wie endgültige Urteile werten, auf die sollten wir ein bisschen aufpassen. Oder ist das auch nur wieder ein Vorurteil?

  18. Im Osten wird soweit ich weiß viel mehr getopft wohingegen das im modernen Westen mittlerweile verpönter ist weil man das Tempo nicht den Kindern überlässt.

    Mit ADHS kenne ich mich nicht aus, musste aber aus eigener Erfahrung schon feststellen, dass bei Italienern zwar den ganzen Tag der Fernseher in der Küche läuft, aber da laufen keine Kindersendungen sondern nur Talkshows und Co. Das interessiert die Kinder nicht und die werden eh rausgescheucht zum Spielen. Zumindest die, die nicht direkt an der Schnellstraße wohnen.

    1. Das wuerde ich unterschreiben. Das ist wohl einfach noch drin, war ja auch in der Krippe ueblich. Systembedingt wurde auch gar nicht viel drueber diskutiert, es war halt fuer alle gleich. Was sicher auch nicht immer sinnvoll ist.

    2. Nuja, in einem Land, in dem Anwohner gegen Kindergärten, Spielplätze und die Kinder ihrer Nachbarn gerichtlich vorgehen, sobald diese mal mehr als nur „piep“ sagen – was willste da erwarten?
      Es liegt nicht immer *nur* an den Eltern. Eltern sind in diesem Land in der Minderheit. Auch die nicht-Eltern (zu denen ich übrigens auch zähle) sollten eigentlich im Sinne der Zukunftsförderung Kindern Raum geben, und zwar auch zum Krach machen. Aber solange Gerichte gegen Kinder entscheiden… wird sich nix ändern.
      (Das läuft übrigens in meinem Wohnhaus ziemlich gut. Die Kinder spielen draußen, sind laut – und keinen störts, im Gegenteil, alle Kinder werden auch von den kinderlosen Bewohnern ein bisschen mitbetreut, man guckt halt, ob alles ok ist und hilft auch mal mit.)

  19. Weil die deutschen Adhs Kinder nur vor der Glotze, dem Nintendo oder sonstwas hängen und die italienschen auch draußen spielen 🙂

    Ein Beispiel (ich weiß, man kanns nicht auf alle schließen): Gute Bekannte, 2 Kinder. Eins davon jetzt auf Ritalin. Die Kids kommen nach Hause und bleiben da sitzen. Fernsehn, Nintendo DS oder Computer. Die sind teilweise agressiv, nervend und sehr laut. Kein rausgehn zum Spielen mit der Mutter, vielleicht halbe Stunde aufm Spielplatz die Woche.
    Kein Wunder das die Kids so aufgekratzt sind. Wenn ich dann mal mit den Kids tobe ist frieden. Dann sind die ruhig und richtig lieb. Da brauchts kein Ritalin für.

    Der Gegensatz. Direkte Nachbarn zum großteil Italiener mit Kindern. Ebenfalls laut, ja. Aber da machts die Masse. Bei schönem Wetter seh ich die nur draußen am spielen. Ebend wie Kinder. Auf dem Flur ist zur Essenszeit teilweise kein Platz weil dieser in einen Trettroller Parkplatz umgewandelt wurde. Ansonsten sind die nett ruhig und höflich. Noch nie gesehn das die sich gegenseitig gehaun haben.

    1. Ich habe zweieinhalb Jahre auf der italienischen Seite am Lago di Maggiore gewohnt, da hat nie ein Kind draussen gespielt (auch die Kindergärten haben die Kids immer schön nur drinnen behalten)…wir haben allerdings auf dem Dorf gewohnt, in größeren Städten mag das anders sein 😉

      1. Du hast 2,5 Jahre an einem See gewohnt dessen Namen Du nicht kennst? SCNR 😉
        Aber stimmt schon, italienische Kinder haben es nicht leicht.

  20. willkommen im Land der Verallgemeinerungen 😉
    aber das mit dem Trockenwerden hat schon was: etwas sanfte „Gewalt“ ist wohl doch nicht sooooo schlimm, oder weissen „diese Kinder“ etwa vermehrt psychische Defekte auf?
    Grüße aus Frankfurt am Main
    Hajo

    1. Was hat das denn bitte mit Gewalt zu tun, sich wie ein anständiger Mensch auf den Pott zu setzen?

      Wenn überhaupt, wird doch wohl eher umgekehrt ein Schuh draus: Das Kind mit Fäkalien in der Windel rumlaufen zu lassen ist Gewaltanwendung. Eine sofort gewechselte Windel hinterlässt jedenfalls keine juckenden Pusteln und mir ist es auch nie aufgefallen, dass sich ein Kind geweigert hätte, auf dem Töpfchen sitzend in einem Bilderbuch zu blättern (vorausgesetzt, man hält einen gewissen Tagesablauf ein).

      Ängste haben manche …

  21. … und um diverse wiederholte anfragen vorzuwirken: es scheint tatsächlich so, dass kinder aus polen, russland und auch kinder von müttern aus den neunen bundesländern immer ratzfatz trocken sind. gibts da mehr drill, oder ist das teil der gesellschaft, dass die mütter schneller arbeiten gehen, wähend die kinder ohne windel in die krippe müssen?

    1. Die Früh-Trocken-Geschichte ist ganz einfach: Wenn ein Kind nur in Superdupertrocken-Pampers rumläuft, warum soll es da aufs Töpfchen gehen? In die Windel zu machen ist doch viel bequemer, da ist zumindest das kleine Geschäft sofort weg und vergessen. Der Mensch ist halt bequem.

      Steckt man die Kinder in althergebrachte Stoffwindeln, wird’s hingegen überaus unangenehm. Setzt man das Kind, sobald es sitzen und ein Pixi-Buch halten kann, dann auch regelmäßig aufs Töpfchen, spielt sich die Angelegenheit ganz von alleine ein.

      Wir haben, außer für den Notfall unterwegs, immer auf Stoffwindeln gesetzt, und sowohl meine Kinder als auch die meiner Schwester waren in ihrem Umfeld mit die ersten, die „stubenrein“ waren.

      Der Lohn des Windelwaschens macht sich nicht nur im Geldbeutel bemerkbar, sondern auch beim Kindergartenbesuch: Da gibt’s dann gerne mal eine drollige, für alle im Saal unüberhörbare Bemerkung vom Kind à la „Guck mal, der/die hat ja noch Windeln an“ 🙂

      PS: Es wäre mir schon höchst unabgenehm gewesen, die Kindergärtnerinnen mit dem Windelwechseln zu belästigen, aber völlig unbegreiflich sind mir Eltern, die ihre Kinder noch bis kurz vor der Einschulung in Windeln rumlaufen lassen.

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