Zum Tod von Remo Largo

Der Doyen der deutschsprachigen Kinderheilkunde, Kindererziehung, KInderentwicklung, der Schweizer Kinderarzt Remo Largo ist diese Woche im Alter von 76 Jahren verstorben. Wenige können von sich behaupten, bei Eltern wie bei Kinderärzten ähnliche Achtung und Wertschätzung zu genießen wie er. Seine Bücher stehen in den Regalen aller, die sich mit Kindern beschäftigen. Ich möchte ihn mit ein paar seiner Zitate ehren.

„Erziehung, und das ist das fatale an der Pädagogik bis heute, ist definiert durch das Ziel. Pädagogen fragen immer: Was wollen wir für einen Menschen? Wie bringe ich das Kind dorthin? Die Pädagogen gehen nicht vom Kind aus und fragen sich, was das Kind will.“

„Kinder können sich immer weniger selbstbestimmt entwickeln. In der Schule wird ihnen ständig gesagt, was sie zu tun haben. Die Wirtschaft beklagt, dass die Jungen heute so passiv sind. Dass sie nur darauf warten, dass man ihnen sagt, was sie zu tun haben. Das ist eine Folge heutiger Erziehung und Schule. Beides verläuft so fremdbestimmt, dass die Kinder nicht mehr daran glauben, ihre Individualität zum Ausdruck zu bringen.“

„Auch mit der besten Nachhilfe kann man ein Kind nicht dazu bringen, seine individuellen Begabungen zu übersteigen. Alle Studien zeigen das. Auswendiglernen bringt allenfalls bessere Noten, macht die Kinder aber nicht klüger. Auf die Dauer gesehen vergessen die Kinder das Gelernte weitgehend.“

„Das Wichtigste ist, dass die Eltern sich konsequent auf die Seite des Kindes stellen und ihm das Gefühl geben: Du bist gut, so wie du bist. Wir wissen, dass du dich so gut wie möglich bemühst. Wir lassen dich unter keinen Umständen im Stich.“

„Wenn [die Kinder] gut gebunden sind, dann akzeptieren sie, was die Eltern sagen. Wenn sie nicht gut gebunden sind, dann fühlen sie sich abgelehnt. Und ich denke, dass viele Eltern das intuitiv spüren und deshalb nicht mehr wagen, die Kinder zurechtzuweisen.“

„Auch die beste Mutter kann andere Kinder nicht ersetzen. Ein Kind sollte jeden Tag mindestens drei Stunden mit anderen Kindern spielen können. Viele Kinder sind daher auf eine Kita angewiesen, damit sie sich normal entwickeln können.“

„Man muss [Lehrpläne] individualisieren, und dass das gelingen kann, ist keine pädagogische Utopie. Die nachvollziehbare Angst der Lehrer ist, dass sie für jedes Kind einen eigenen Lehrplan entwickeln müssten. Aber das ist nicht so. Sie müssen die Kinder machen lassen, dann lernen die schon voneinander. Man hat in altersgemischten Klassen gesehen, dass die Kinder bis zu 40 Prozent des Stoffs voneinander lernen – nicht vom Lehrer.“

„Es ist bei vielen Teenagern fast so, als fiele ein Schleier, sie stellen fest: Mein Vater ist ja ganz ähnlich wie der Nachbar, die Mutter ist wie die Tante, das sind ganz normale Menschen mit Stärken und Schwächen.“

Quellen: FAZ, MAZ, Der Bund, familylab, Brigitte, SpiegelOnline, GEO, Youtube

Remo-Largo.ch

(c) Bild bei Flickr/Sommer-in-Hamburg.de (CCBY2.0 Lizenz)

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