Die Enkelin von Bernhard Schlink (Buchrezension)

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Schlink: Die Enkelin

Kaspar lebt mit Birgit zusammen, nach ihrem Tod erfährt er erst aus ihrem Nachlass von ihrer geheimnisvollen Vorgeschichte. Dass sie aus Ostberlin nach Westberlin geflohen ist, weiß er schon, ist er doch selbst der Grund, der zündende Funke gewesen. Aber da ist noch mehr, soviel mehr, dass Kaspar zweifelt, seine Frau je wirklich gekannt zu haben.

Kaspar forscht nach, taucht in die Vergangenheit ein, lernt das Mädchen Sigrun kennen und mit ihr die Welt der Jugendlichen, die in der Sozialisierung der Völkischen im Osten groß wird, ihre gestrengen Eltern, die politische Anschauung. Kaspar fühlt sich moralisch verpflichtet, Sigrun herauszulösen aus der Nazi-Umgebung, verpflichtet der eigenen Frau, verpflichtet dem eigenen Humanismus und der Aufgeklärtheit.

Bernhard Schlink bewegt sich wieder einmal in seinem Metier: Er schreibt über Vergangenes, er springt in den verschiedenen Zeitebenen, er wagt sich an politische Themen, er bewegt sich als alternder weißer Mann durch seine Geschichte. Früher, in den „Selb-Büchern“, die Schlinks Ruhm begründeten, war das schon so, im „Vorleser“ wurde das zur Perfektion verfeinert, auch „Die Enkelin“ ist so geschrieben. Das macht ja nichts, man bekommt eben einen Schlink-Roman. Und was für einen.

Kaspar ist Buchhändler, er liebt klassische Musik. Kaspar ist seiner einzig großen Liebe gefolgt und sieht sein Leben von einem Tag auf den anderen verändert vor sich. Enttäuscht, verletzt, desillusioniert sucht er die Heilung in der Nachforschung, in einer Reise von West nach Ost, von Berlin aufs Land, von Links nach Rechts, aber nie von oben nach unten. Das ist der große Verdienst diesen Romans: Bernhard Schlink vermeidet das Urteil über die DDR, über die Nazis, über die verblendete, aber hoffnungsvolle Jugend.

Ein großes Leseerlebnis, das Unvorhersehbares hinter jeder Seite verspricht, das ist dieses Buch. Absolute Empfehlung.

„Die Enkelin“ von Bernhard Schlink, Hardcover Leinen, erschienen bei diogenes am 27. Oktober 2021

978-3-257-07181-8
€ (D) 25.00 / sFr 36.00* / € (A) 25.70
* unverb. Preisempfehlung

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*dieses Buch wurde mir als ebook von Netgalley zur Verfügung gestellt. Als alter Schlink-Fan hätte ich es mir aber sowieso gekauft.

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