Wochenendkarriere

Eltern machen sich Sorgen, wenn ihre Kinder krank sind. Niemand versteht das besser, als ein Kinderarztvater. Das Folgende erlebte dieses Kind am Wochenende: Sunja-Marie (2,5 Jahre) hat am Samstag Nachmittag zweimal erbrochen. Die Eltern fuhren mit ihr daraufhin in die nahegelegene Kinderklinik, trafen dort – schließlich war es schon 23:23 Uhr – auf den diensthabenden Arzt der Kinderklinik (Zweites Jahr Pädiatrie). Untersuchung des Kindes. Eintrag des Kollegen: „Guter AZ, Gastroenteritis. Kind weint viel bei Untersuchung. Keine spezifische Therapie.“ Die Eltern fahren nach Hause. Sunja-Marie liegt um kurz vor 1 Uhr nachts in ihrem Bett. Am nächsten Tag, Sonntag, isst sie … Wochenendkarriere weiterlesen

Kinder sind nicht wirtschaftlich optimierbar

Ich bin nun wahrlich kein Fan des Deutschen Ärzteblattes, alleine das Selbstverständnis geht mir auf den Zeiger, dieses Blatt als meistgelesene Lektüre der Ärzte auszugeben, dabei ist es als Mitteilungsblatt der Ärztekammer ein Zwangs-Abo und nicht kündbar. Ich überfliege das Wochenpamphlet großzügig und lese mich seltenst bei einzelnen Artikeln fest, höchstens, wenn es um Kinder, Pädiatrie oder einzelne Fortbildungen geht. Dennoch war in der letzten Woche ein hochinteressantes Statement zu lesen, rund um Kinderkliniken, deren Erhaltung und Finanzierung für die Zukunft. Wichtigste Argumente: – Die zunehmende Ökonomisierung des Gesundheitsbetriebes trifft Kinderkliniken in besonderem Maße, da die Behandlung der kleinen Patienten … Kinder sind nicht wirtschaftlich optimierbar weiterlesen

Ich erzähle Euch mal von Bellchen

Bellchen haben die Eltern sie immer genannt, das weiß ich noch. Obwohl sie Sibylle hieß, aber das war wohl eine Abwandlung des Namens. Sie kamen jeden Tag, klar. Der Vater war LKW-Fahrer, tageweise konnte er in den beinahe fünf Wochen nicht kommen, die Bellchen auf unserer Station lag. Dafür saß die Mutter oft schon morgens an ihrem Bett, wenn ich nach dem Nachtdienst nochmal über die Station ging, um in jeden Inkubator und jedes Kleinkindbett zu schauen. Bellchen lag weiter hinten, mit einem anderen Kind in einem Zimmer, nicht vorne in dem großen Intensivzimmer, das war schließlich den Frühgeborenen vorbehalten. … Ich erzähle Euch mal von Bellchen weiterlesen

Zu klein

Wir hatten viel Zeit mit der Kleinen verbracht, wir waren direkt bei ihr gewesen, als sie aus dem Bauch ihrer Mutter, viel zu früh, herauswollte. Eine Tüte Mehl, hat der Oberarzt gerne geunkt, die Schwestern und wir Jungassistenten waren hin- und hergerissen wegen des dunklen Humors oder der Abgebrühtheit, die aus dieser Betitelung sprach. Die Tüte Mehl bekam zwei Nabelkatheter, einen Peripherzugang, der zentrale sollte erst nach zwei oder drei Tagen kommen, bis der erste Stress vorüber war. Warm hatte es die Kleine, in unseren Handschuhen stand der Schweiß, sobald wir unsere Arbeit machen mußten, das stete Klopfen der Monitore … Zu klein weiterlesen

Aussagekräftig

Kollege in der Notfallambulanz des Klinikums schreibt seinen Befund, auf offiziellem Briefpapier mit allem drum und dran. Ich liebe diese Briefe: „Sehr geehrter Kollege, gerne berichte ich Ihnen über die Vorstellung ihres Patienten ABCD, Anamnese: Mutter berichtet von einem Zeckenstich am rechten Ohr. Man solle das Tier entfernen. Befund: Keine Zecke zu sehen. Keine Stichstelle. Therapie: Keine. Spontanremission. Empfehlung: Keine Wiedervorstellung vereinbart. Mit freundlichen kollegialen Grüßen, Dr. XYZ.“ Ich denke mal, die Empfehlung ist ein Textbaustein. Oder doch nicht? Aussagekräftig weiterlesen

Neulich im Notdienst

„Also, wir waren am Freitag abend schon in der Notfallpraxis, am Sonntag nochmal, und jetzt sind wir wieder hier,“ schmettert mir die Mutter entgegen, als ich am Abend durch die Tür des Notfallzimmers trete. Ich mache meinen wöchentlichen Notfalldienst an der Kinderklinik des Nachbarortes. Es ist Montag. Ich: „Und um was gehts?“ Auf der Liege sitzt ein vielleicht Zweijähriger, der mich taxierend, aber freundlich anschaut. Mein Arztinstinkt sagt: Nicht wirklich krank. Mutter: „Na, Fieber hat er. Schon seit Freitag.“ Ich: „Und sonst? Husten? Schnupfen?“ Mutter: „Ja, Husten und Schnupfen.“ Ich: „Sie waren also Freitag hier, gestern hier und nun heute … Neulich im Notdienst weiterlesen

Neulich im Notdienst

Ich gehe in das Untersuchungszimmer. 7jähriger liegt auf der Untersuchungsliege, rechtes Hosenbein hochgekrempelt, unterhalb des Knies sieht man eine leicht gerötete Stelle, Typ oberflächliche Schürfwunde. Es ist 21.30 Uhr. Der Vater sitzt am Kopfende und hält dem Jungen die Hand… Ich: „So, was gibts denn bei Ihnen?“ Vater: „Na, da, die Wunde.“ Ich: „Ok, was ist das passiert?“ Vater: „Ist beim Fussball ausgerutscht. Geschürft.“ Ich: „Wann war das?“ Vater: „Vor drei Tagen.“ Ich: „Alles klar.“ Ich schaue mir kurz die Wunde an, sie sieht sauber aus, beginnt schon zu verschorfen. „Was haben Sie bisher gemacht?“ Vater: „Haben wir Pflaster gekriegt … Neulich im Notdienst weiterlesen

Ich bin keine Fallpauschale

Im Süden der Republik regt sich organisierter Widerstand gegen die Finanzierungspolitik für chronisch kranke Kinder – das Reizwort lautet „Fallpauschale“. Hier wird für ein bestimmtes Krankheitsbild eine bestimmte Summe an das Krankenhaus gezahlt, völlig egal, wie lange der Patient Betreuung braucht. Es liegt auf der Hand, dass gerade bei Kindern Durchschnittswerte nicht funktionieren. Die Folge ist: Die Krankenhäuser können sich die Betreuung hochaufwändiger Kinder nicht mehr leisten, die Qualität sinkt, gespart wird an Material, Geräten und Personal. Die losgetretene Kampagne möchte den Patienten in den Focus rücken, nicht den ICD-Schlüssel, die Behandlung der Krankheit, nicht die gesparten Euros. Ich rufe … Ich bin keine Fallpauschale weiterlesen

Die Vorsorgeuntersuchungen – U2

In der Regel sind die Kinder noch in der Klinik, oder kurz vor dem Nachhausegehen. Papa hat noch schnell das Kinderzimmer fertiggestrichen und den letzten IKEA-Drehschlüssel zum Einsatz gebracht, jetzt fährt er in die Klinik, um Frau und Kind abzuholen. Manche Säuglinge verbringen die Zeit der U2 bereits zu Hause, durften sie doch hausgeboren oder ambulant entbunden werden – sie werden die U2 bei Kinderarzt in der Praxis holen. Die anderen in der Klinik. Die U2 ist der erste echte Kontakt mit den Fachärzten für Kinderheilkunde und Jugendmedizin. Sie sollte idealerweise durch uns erfolgen, in den meisten Entbindungskliniken ist das … Die Vorsorgeuntersuchungen – U2 weiterlesen