mir können alles außer hochdeutsch

interessantes phänomen, welches mir letztens im supermarkt auffiel, und das ich bereits auch oft schon in der praxis sah hörte: warum sprechen eltern mit ihren kindern in der regel ganz normal, gerne auch einmal mit akzent oder dialekt, aber wenns ums ermahnen, herbeirufen, erklären geht, verfallen alle in ein muster, als ob sie mit einem tauben rentner im sprachunterricht reden?

„schacklin! komms-t du jetz-t hierhe-he-her! in den waa-gen!“

„maaavin! fing-ger we-h-eg!“

„schau mal, Du musst die nase pu-tz-een!“

schwierig, das hier schriftlich ohne audio wiederzugeben – aber klar, oder? mit klaren deutlichen und vor allem lauten worten soll wohl die autorität unterschrieben werden? keine ahnung.

21 Antworten auf „mir können alles außer hochdeutsch“

  1. Hm, irgendwo hab ich mal eine Studie gelesen über Schimpfworte, die in jeder Sprachfamilie anders ausfallen. Z. B. im Französischen mit seinen weichen Endlauten eher Worte in Richtung kurze, knappe Endung, und im Deutschen halt Zisch- und Knacklaute. Ich kann für mich auch in Anspruch nehmen, daß ich manchmal nur zische und knacke, wenn ich mich richtig ärgere, und das befreit seltsamerweise genauso gut wie ein deftiges „Scheiße! Kacke! Verflixt!“ Gut, man wird komisch angeschaut…

    Aber ein gut gezischtes „WeCK dA!“ hat wirklich durchschlagende Wirkung.

    Salat

  2. Oh ja, ich kann das auch sehr gut. Und zwar nachdem ich bereits 5x versucht habe es vernünftig zu sagen. Irgendwann werde ich dann sauer und dann kommt diese laaaanggezogene Artikulation dabei raus. Komischerweise funktioniert es. 😉

  3. also ich fühle mich sowohl des Zischens und des Rufens per zweiten Vornamen schuldig.
    Zweiteres allerdings erst nachdem ich von einer Horde namens Lukas überfallen wurde, bei Kasimir überlegen sie dann doch erst, ob es ihnen gefällt ;-).
    Und Meckern klingt halt in verschiedenen Dialekten oftmals zum Niederknieen komisch.

  4. hi hi. die eltern ahnen, mit dialekt nicht für voll genommen zu werden. nicht mal von den eigenen kindern. ein strammes hochdeutsch vermittelt wahrscheinlich die größte autorität.

  5. Bei uns haben solche Sätze zusätzlich immer mit „Mein Fräulein Tochter“ begonnen.
    Meine Mutter hat leise gezischt, mein Vater laut gebrüllt. 🙂

  6. *lach* …… bei uns wird bei solchen Gelegenheiten auch mal gerne der Zweitname benutzt. Aber zischen und Silben hinausziehen machen wir nicht. Eher Stimme senken und seeeeehr leise reden. Das wirkt besser. 🙂

  7. „Warum bist du denn nicht hergekommen, als ich dich gerufen habe?“
    „Na, du hast noch nicht ‚ich sag‘ das jetzt zum allerletzten Mal‘ gesagt und du hast auch noch nicht so gezischt…“
    😉

  8. Vielleicht kommt das von der (irrigen) Annahme, dass das Kind nicht folgt, weil es nicht richtig gehört hat – was man dann mit superkorrekter (und lauterer) Aussprache zu kompensieren versucht …

    1. Man mag eben nicht gerne glauben, dass das Kind nicht gehorcht, und interpretiert die Nicht-Reaktion mehr oder weniger unterbewusst damit, dass das Kind die Aufforderung akustisch nicht verstanden hat.
      (Ich hatte für meinen Großen die Überweisung zum Pädaudiologen schon in der Tasche, auch, weil er mit 1 1/2 noch kein Wort außer „da!“ spricht. Als ich dann merkte, dass der Kerl definitiv nur versteht, was er verstehen will (z.B.: „Möchtest Du einen Keks?“ *gg*), bin ich nicht hingegangen.

  9. Hochdeutsch = Amtssprache = Autoritätsperson ?
    Bei uns wars der Zweitname der immer zusätzlich auftauchte wenn der Sache etwas Nachdruck verleiht werden sollte.

  10. jupp ich fühle mich erwischt, von schreien halte ich nix, ich werd gern leiser, dann müssen die anderen leiser werden um mich zu verstehen
    deutliche wahrung ist der volle name

  11. Ich unterstreiche meine Autorität auch gerne mal mit lautem schreien… aber das geht im Supermarkt ja schlecht (sonst denken die anderen Leute ja, man hätte sich nicht im Griff und so) – also zischt man dann halt die Worte überdeutlich hervor, klar ne?

    Papagena

      1. Issgelb:
        Du hast Kinder und noch niiiiiiiiiiiiie geschrieen?
        RESPEKT!
        Das wollt ich auch immer schaffen.
        Aber ich bin auch nicht traurig, das ich es nicht geschafft habe.
        Meine schimpfschreienden Eltern waren das wenigste Problem für mich…das gehört dazu…irgendwie!
        Schlimm wurde es erst, wenn sie nix mehr sagten !
        Und ich finde es schrecklich beurteilt zu werden beim Einkaufen. Ich weiss das, das machen alle Leute. Wenn man NIX sagt zu seinen Kindern, das schütteln die Herrschaften den Kopf und flüstern, das diese Frau wohl ihre Kinder nicht im Griff hat!
        Sagt man was…auf die Psychotour, so nach dem Motto, *Kinder es macht mich wirklich traurig, das ihr nicht herkommt, wenn ich Euch rufe…bitte es würde uns ALLEN den Alltag erleichtern, wenn er auf mich hören würdet* sagen alle *OH GOTT…wo ist denn die ausgeborchen?*
        Schimpft man die Kinder, weil Einkaufen und Kinder…zusammen irgendwie so ist, wie Würstchen mit Schokoladensosse und die Nerven blank liegen und die Zeit drängt und die Blase drückt und der Kaffedurst gross ist und überhaupts alles ganz anders ist mit Kindern, als man sich das iiiiiirgendwann mal als junges Mädel vorgestellt hat, dann kommt da so ein kinderdoc und VERURTEILT einen wieder mal, wie alle anderen auch, die keine Kinder dabei haben! *tztztzzzzzzz*
        hier hat sich wirklich nichts geändert!
        Wonderful!
        😉
        LG
        Vroni

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