Lesepotpourri April, Mai, Juni

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Liebe BlogleserInnen, dies sind die drei Monate des Corona-Lockdowns, für uns alle in Erinnerung für die nächste Zeit. Ich hoffe, Ihr hattet ein wenig mehr Muße zum Lesen, vielleicht zuviel davon? Ich bin überrascht, dass es bei mir eine überschaubare Menge an Büchern war, die ich gelesen habe. Aber ok: Meine Kinder musste ich nicht „homeschoolen“, und mein Job fand schließlich auch statt. There you go:

Kobane Calling (Graphic Novel) von Zerocalcare

Zerocalcare ist ein angesagter Zeichner aus Italien, der irgendwann auf die tolle und etwas naive Idee kam, über den Irak nach Kobane zu reisen, einer letzten Hochburg der Kurden im Westen der Türkei. Hier befindet sich die Enklave Rojava, autonom von der Türkei und im Widerstand gegen den Islamischen Staat. Herrlich selbstironisch und plakativ illustrieren seine Zeichnungen den Weg und die Erlebnisse dorthin. Nicht immer spannend, manchmal öde, aber stets kritisch. Die Naivität Zerocalcares ist beeindruckend und mutig, wer mehr nachdenkt, hätte eine solche Reise wohl nicht getan. Man braucht etwas Zeit, den Stil zu mögen, aber es lohnt sich. Ein Riesen-Erfolg in Italien, bei uns beinahe unbekannt. (4/5)

Maschinen wie ich von Ian McEwan (Übersetzt von Bernhard Robben)

Geneigte Leser wissen, dass ich grosser McEwan Fan bin, jedes Buch muss ich lesen, und auch wenn er mit meinem zweiten Favoriten John Irving das Schicksal teilt, dass nicht alle Bücher gleich gut sind und alle auf den nächsten „Big Deal“ warten – Ian McEwan bleibt am Puls seiner Zeit. Während beinahe parallel sein Buch zum Brexit erschien, wurden gerade noch Exemplare seines aktuell regulären Buches „Maschinen wie ich“ verkauft. Hier erwirbt der Protagonist einen menschenähnlichen Roboter, so aus Neugierde, und auch, um mit der Zeit zu gehen. Aber es kommt, wie wir erwarten: Der Roboter ist eigensinniger, als wir dachten, lehnt sich gegen seinen Besitzer auf, verliebt sich in dessen Freundin. Abschalten ist nicht, das war ja klar. Insofern variiert McEwan das Sujet nicht sonderlich. Alles schon einmal zu diesem Thema gelesen. Aber: McEwans Sprache besticht auch hier wieder, er könnte mir auch seine Einkaufszettel als Roman vorlegen, und ich würde sie lesen. Da der Mann immer aktuell ist, arbeitet er sicher schon an einem Corona-Buch. Ich würde es lesen. Wie alles von McEwan. (3/5) Ich las das Buch übrigens in der – wie immer – schön gestalteten Ausgabe der Büchergilde Gutenberg.

Wir sind das Klima! von Jonathan Safran Foer (Übersetzt von Stefanie Jacobs und Jan Schönherr, Hörbuch gelesen von Christoph Maria Herbst)

Wenn Du ein Buch liest (oder hörst), und Dir denkst, wenn alle dieses Buch lasen (oder hörten), dann wird die Welt besser. Und wenn Du am Ende den eigenen Schweinehund nicht überwinden kannst. Jonathan Safran Foer hat nach seinem Buch über den Fleischverzicht ein Buch geschrieben über den Klimawandel – und den Fleischverzicht, denn das eine geht nicht ohne das andere. Er macht den Vergleich der Entschlossenheit, die es braucht, um die Klimawende herbeizuführen, mit dem Willen, den z.B. die amerikanische Bevölkerung aufbrachte, um den Zweiten Weltkrieg zu unterstützen, um Hitler zu stürzen. Ein sehr geschickter Aufbau: Die Verantwortung des Einzelnen wird beschworen, die Verantwortung einer ganzen Gesellschaft, der Aufruf zum Mut und zum entscheidenden Schritt, um die Klimawende zu erreichen. Bei der Lektüre wird der Leser entschlossener und entschlossener, jetzt und sofort das Leben zu ändern – und dann kommt im zweiten Teil die unausweichliche Eröffnung, dass das aber nicht ohne Verzicht auf Fleischkonsum geht. Ein überaus rhetorisch versiertes, beinahe in seiner Virtuosität poetisches Buch – sehr beeindruckend. Christoph Maria Herbst unterstreicht die Überzeugungskraft des Buches durch seine Fähigkeit, sowohl ironisch, als auch mitreissend zu lesen, jeder Satz ist ein Genuß. (5/5)

Dreißig Minuten, dann ist aber Schluss!: Mit Kindern tiefenentspannt durch den Mediendschungel von Patricia Cammarata

Hurra, ich habe etwas gewonnen! Das Nuf verloste bei Twitter ein paar Exemplare ihres neuen (inzwischen schon zweitneusten) Buches, ich bekam eines. Danke dafür. Und was für ein Buch: Es ist beeindruckend, wie Patricia Cammarata aktuell die Finger zeigt auf Themen, die vor allem Familien wirklich bewegt, sei es alleine das Elternsein, sei es die Medienerziehung, sei es – und das ist das Allerneueste – den Mental Load, den Frauen in Familien tragen. Im vorliegenden Buch geht es also um Medienerziehung. Im Ansatz ähnlich kennen wir das vor Jahren schon vom Netzgemüse, und trotzdem ist das hier natürlich völlig anders, weil praktischer, weil substantieller, weil spassiger, weil selbstkritischer, weil verlinkter, weil was zum Basteln (kleine Bildchen der genialen Torten der Wahrheit), weil eben Patricia Cammarata. Meine Kinder sind zwar aus dem Alter heraus, in dem ich etwas für ihre Medienkompetenz tun könnte, aber what-the-hack, mit den Tipps vom Nuf wäre es wesentlich einfacher gewesen. Denke ich. Andererseits ist allen Ratgebern gemein, dass jede Familie eigene Wege gehen muss, eigene Erfahrungen machen muss und auch eigene Medienkompetenz hat, bessere oder schlechtere. Aber sogar das sagt Patricia Cammarata in ihrem Buch. Es gibt wenige Bücher, die ich allen Eltern empfehle, die „Dreißig Minuten“ (Link zum passenden Podcast) gehören dazu! (5/5)

Der Salzpfad von Raynor Winn (Übersetzt von Christa Prummer-Lehmair und Heide Horn)

Raynor und Moth sind am Ende: Sie müssen ihr Zuhause aufgeben, Moth bekommt eine schwere Diagnose, die Bank lässt sie im Stich. Statt zu Zaudern, begeben sie sich auf eine Reise. Sie wandern nur mit Rucksack und Zelt und wenig Geld den South West Coast Path rund um Devon und Cornwall. Das klingt erstmal verrückt, spart ihnen aber eine Menge Geld und erschafft ihnen eine Welt der Besinnung, des Zurückkehrens auf das Wesentliche, auf die Natur, auf die Zweisamkeit, auf basale Bedürfnisse wie Hunger, Frieren und zerlaufene Schuhe. Das Buch war ein Riesenerfolg in England, das Land der Wanderer und Camper. Was die LeserInnen besonders lieben: Das Buch ist selbstredend autobiographisch. Ein zweites Buch ist bereits erschienen und erzählt, „was danach geschah“. Für Menschen, die gerne meditierend wandern, für Menschen, die Naturwandern als spirituelles Erlebnis wahrnehmen. Das Buch hat seine Längen, insbesondere den zweiten Teil fand ich sehr ermüdend, da er sich wegbewegt von der Existenzerfahrung hin zum reinen Abspulen von Orten, die durchwandert werden. Aber wer sowieso schon einmal am SWCP gelaufen ist, ist dieses Buch natürlich ein absolutes Muss. (3/5)

Und dann waren da noch…:

Das Lied von Eis und Feuer 1 – Die Herren von Winterfell von George R.R. Martin (übersetzt von Jörn Ingwersen)

Das Lied von Eis und Feuer 2 – Das Erbe von Winterfell von George R.R. Martin (übersetzt von Jörn Ingwersen)

Das Lied von Eis und Feuer 3 – Der Thron der Sieben Königreiche von George R.R. Martin (übersetzt von Andreas Helweg)

Vor einer halben Ewigkeit hatte ich „das Lied von Eis und Feuer“ begonnen, es gab noch gar keine Fernsehserie, dann kam dieselbe und die Bücher blieben allesamt liegen. Also die ebook-Dateien. Aber wie das manchmal so ist, die Zeit muss reifen, und tatsächlich: Trotzdem ich die Serie zu Ende gesehen habe, wollte ich das alles nachlesen. Die wahren Fans berichten, dass alles ja ganz anders ist, und die Fernsehserie sich immer weiter weg bewegte von den Büchern, je länger sie dauerte. Jedenfalls: Es ist mal wieder angenehm, einer einfachen Story zu folgen, gerne über zig Bücher hinweg. Klar, die Figuren in meinem Kopf sehen doch sehr aus wie auf dem Bildschirm, aber die Feinheiten und dramaturgischen Winkelzüge lassen sich in den Büchern wesentlich besser erlesen. Es ist erstaunlich, wieviele Vorhersehungen und easter eggs George R.R. Martin bereits in den ersten Büchern versteckt hat. (5/5)

[Dieser Post enthält Affiliate Links zu Amazon] (c) Bild bei Flickr/Abhi Sharma (unter Attribution 2.0 Generic (CC BY 2.0) – Lizenz)

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